Friedensangebot

Joanna Trümner

Ich stolpere und schimpfe – schon wieder liegt Spielzeug mitten im Wohnzimmer. Wie vor über fünfundzwanzig Jahren, als ich stundenlang auf dem Fussboden im Wohnzimmer mit den Zwillingen spielte. Als ich abends weder Kraft noch Lust hatte alles aufzusammeln und aufzuräumen. Als der Fernseher so gut wie nie angemacht wurde und ich nie das Gefühl hatte, alleine zu sein.

Auf dem Balkon steht genauso wie damals ein Planschbecken, teurer und von besserer Qualität als das damalige. Es ist schließlich nur ein Kind, das dort ab und zu planscht. Man muss nicht länger sparen, für die Enkelin kann man sich nur das Beste leisten. Ob die kleine Ela genauso viel Freude daran haben wird, auf dem unbequemen Balkonstuhl zu sitzen und das Gewitter vorbeiziehen zu sehen? Ob sie mir auch eines Tages sagt, dass sie sich dort, auf diesem nie aufgeräumten Balkon mit abblätternder Wandfarbe sicher gefühlt habe. „Wie zu Hause“, wie es einer der Zwillinge einmal sagte während es draußen donnerte und blitzte. Ich weiß nicht mehr, welche meiner Töchter es gesagt hat, ich weiß nur, dass ich das erste Mal seit Langem das Gefühl hatte, etwas im Leben doch richtig gemacht zu haben.

Die Nachbarin von Gegenüber, mit deren Tochter mal der eine mal der andere Zwilling befreundet war, erzählte mir einmal, dass sie in unser Wohnzimmer reinschauen kann. Das Gefühl, von dieser immer tratschenden und neugierigen Frau ständig beobachtet zu werden, führte zu einem Fehlkauf, einer fast blickdichten, potthässlichen Gardine, die zum Glück von der Katze kaputt gemacht wurde. Einer Katze, die ich eigentlich nie haben wollte und die „übrigblieb“ als der ältere Zwilling ausgezogen war. „Dann habt ihr etwas Abwechslung“, sagte meine Tochter schnippisch zum Abschied. Vielleicht wollte sie einfach ihr Gewissen beruhigen, das durch die Tatsache uns den neuen „Hausbewohner“ angedreht zu haben aus dem Gleichgewicht geriet? Vielleicht hielt sie unser Leben für komplett monoton und langweilig und wollte uns retten?

Ich konnte mit diesem zwar wunderschönen, dennoch komplett verzogenen Tier lange Zeit nichts anfangen. Die zerkratzte Gardine im Wohnzimmer bedeutete den Beginn unserer „Beziehung“, ein Friedensangebot, auf das ich eingegangen war. Komischerweise denke ich seit diesem „Kratzvorfall“ nicht länger daran, ständig beobachtet zu werden. Vielleicht auch, weil die neugierige Nachbarin von Gegenüber inzwischen weggezogen ist.

Das zerkratzte Sofa und Wände, Löcher in meinen Strumpfhosen erinnern mich ständig daran, dass diese „ungewollte“ Katze seit vier Jahren Teil unserer Lebensgeschichte geworden ist.

1 thought on “Friedensangebot”

  1. koty pojawily sie w moim zyciu tez stosunkowo pozno (pomijajac bajki);
    jako bobasek mam nawet zdjecie , kiedy siedze na bernardynie;
    nie ulega watpliwosci, ze ktos mnie na tym monstrum posadzil, ale zdjecia z kotem nie znalazlem;
    na wybetonowanch podworkach mojego dziecinstwa nie bylo nawet szczurow,
    w powietrzu panowaly ptaki, a na gruzach za rogiem wygrzewaly sie jaszczurki;
    czasami szczeniaki dopadaly nietoperza na strychu domu, ktory ostal sie po wojennych bombardowaniach ; wsadzano nieszczesnika do pudelka od zapalek z ktorych budowano stos i podpalano ( caly proceder mial charakter mial charakter ekstatyczny):
    dlaczego? nie wiem do dzisiaj;

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