Von Inseln / O wyspach – Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Isole del arcipelago toscano – die Inseln in der Toskana

Die Italiener in der Toskana lieben ihre Inseln, ihren arcipelago toscano; vielleicht weil sie davon nicht so viele haben. Verglichen mit Griechenland oder Kroatien sind die paar Inseln an der toskanischen Küste wirklich ein Klacks. Die Inseln bedeuten aber irgendwie die Sehnsucht nach Freiheit, Stille, aber auch Flucht, Isolation oder positiv gesehen ein Zufluchtsort… sie stehen für viele für Abgeschiedenheit und reine Natur: Wasser, Vogelwelt, Wald etc… In den siebziger Jahren war es sehr en mode auf eine Insel zu fahren und „natürlich“ zu leben. Doch viele von diesen „natürlichen“ Lebensweisen bringen den Inseln nur den Dreck des Festlandes mit und kopieren die Gewohnheiten, die man anderswo hatte; wie kann man sonst erklären, dass man 20 Meter vom Meer entfernt Schwimmbäder baut?

Zugegeben, ich persönlich bin kein Freund von Inseln, denn sie geben mir ein Gefühl von Enge, von Eingeschlossen-rrrrrre und Unfrei-Sein; das ist wohl verständlich, denn oft kommt man nicht so leicht von einer Insel wieder weg. Das An- und Ablegen dauert immer lange, man wartet auf die letzten Passagiere oder gar Autos (bei den Fähren), dann ist das Meer zu bewegt und man kommt gar nicht weg. Doch man wird für die Unannehmlichkeiten entlohnt: es sind hauptsächlich Italiener, besonders auf den kleineren Inseln, die dahin reisen, die ausländischen Touristen belassen es bei Elba oder Giglio. Das Wasser ist auch immer sehr sauber, sauberer als am Festland. Dafür sind die Einkaufsmöglichkeiten immer begrenzt und die Preise höher.

Neulich bei einem Ausflug auf die private, ja wirklich private, Insel Giannutri, hat mich ein junger Italiener gefragt, wie viele toskanische Inseln ich denn kennen würde. Ich kannte fünf vom Hörensagen; gewesen bin ich nur auf dreien. Er klärte mich auf, dass es ganz viele gäbe: sieben große, da musste ich schmunzeln, und dazu noch Formiche di Grosseto (formiche bedeutet Ameisen) und nicht zu vergessen Cerboli und Palmaiola (davon hat doch niemand je gehört). Er würde auf alle Inseln fahren und sie besichtigen wollen und zählte auf: Capraia, Elba, Pianosa, Isola Montecristo, Gorgona, Isola del Giglio, Giannutri. Ohne stolzer Besitzer einer Yacht zu sein, ist die Unternehmung auch schwierig; für manche Inseln muss man sich auch anmelden und Genehmigungen einholen, zu vielen gibt es keine feste Verbindung. Doch er ist auch jung genug und kann sich seinen Traum von den Inseln noch erfüllen.

Wenn man von Monte Argentario aus (das auch eine fast Insel ist, durch zwei Landzungen mit dem Festland verbunden) ins Landesinnere fährt und die ersten Städtchen in höheren Lagen erreicht, ist der Ausblick atemberaubend. Man steht vor grünen und gelblichen Hügeln und dahinter erstreckt sich der Horizont mit Meer gefüllt und auch mit kleinen und größeren Inseln und Buchten. Fragt man allerdings die Einheimischen nach ihren Isole, beginnen sie zu streiten: ist das jetzt Giglio oder schon Montecristo oder gar Elba, nein das ist eher Giannutri, die sind doch alle zu klein, das sind doch die Formiche… etc. Niemand weiß es genau, alle haben ihre Theorien dazu.

Landschaft und Natur auf den Inseln sind erstaunlich ähnlich; meistens sind sie mit der mehr oder weniger dichten mediterranen macchia bewachsen, manche, vor allem größere Insel haben auch alte Steineichen oder verschiedene Kastanienarten, auch gibt es manchmal Pinienwälder. Es ragen hier und da Felsen in verschiedenen Ockerfarben auf; natürlich sind ihre Formen unterschiedlich, es gibt oft Grotten und kleine Buchten, selten Sandstrände, öfters muss man von einem Felsen aus ins Wasser springen. Schön ist dabei, etwas zu tauchen, allerdings immer öfters ist die Unterwasserwelt abgestorben und nicht so farbenprächtig wie man sie sich vorstellt, doch ab und zu kriegt man Fischschwärme zu sehen oder einzelne größere Fische. Ich habe auch gehört, dass früh im Sommer oder gar Frühjahr die Unterwasserwelt bunter und interessanter ist, oft sieht man Seeigel und Seeanemonen, auch Seegurken; Manchmal begleiten Delphine das Schiff, immer mehrere zusammen, sie springen wellenartig am Schiffsrumpf entlang. Natürlich kann man von den Inseln die Weite des Horizonts bewundern, und die Sonnen Auf- und Untergänge sind beachtlich.

Mit einigen Inseln verbinden mich Erinnerungen, die immer wieder hochkommen, wenn ich nach Italien fahre. Als Teenager las ich sehr fasziniert das Buch „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas; es war ein Buch aus der Bibliothek meiner Oma, die in Warschau eine private Leihbibliothek geführt hatte, die dann in fünfziger Jahren verstaatlicht wurde. Einige Bücher aus der Bibliothek sind mir geblieben, darunter eben „Der Graf von Monte Christo“. Das Buch faszinierte nicht nur mich, sondern fast meine halbe Klasse, so haben wir die Seiten vorsichtig herausgetrennt und jeder las einzelne Seite und gab sie dann weiter. Damals schon wollte ich unbedingt die Insel Montecristo sehen, wo ein Teil der Handlung spielte. Da geht es um das große Geheimnis von Faria, der vom Schatz des Grafengeschlechtes Spada auf der Insel Montecristo weiß; der Graf soll ihn da vergraben haben. Dantés sollte in Folge der Erbe des Grafen Spada werden, er entflieht aus dem Gefängnis, findet den Schatz und kehrt nach Frankreich und Paris als reicher Mann zurück und legt sich eine neue Identität als Graf von Monte Christo zu… es folgen weitere sehr komplizierte und interessante Episoden. Das Buch wurde zum großen Erfolg in meiner Klasse und in der Literaturgeschichte. Ich verbinde immer die Insel mit der Lektüre des Romans. Übrigens die Insel ist unbewohnt und schwer zugänglich.

Die Insel Elba ist mir in Erinnerung geblieben, weil wir mit unserem kleinen Sohn einmal im Oktober auf die Insel fuhren, nachdem er eine Blinddarmoperation über sich ergehen lassen musste. Auf der Insel hat er dann schwimmen gelernt und sich vollständig von der Operation erholt. Natürlich haben wir nebenbei Napoleons Wohnsitz Villa San Martino besichtigt (alle Wege auf Elbe führen dahin)… Elba ist eine der größten Inseln, sie hat auch wunderschöne kleine Sandstrände in den zahlreichen Buchten.

Die Insel Giglio, die nach der Blume Lilie genannt wird, müsste eigentlich voll von diesen Blumen sein, doch ich habe keine einzige gesehen; man müsste vielleicht im Frühjahr kommen. Ich verbinde die Insel mit einem ausgedehnten Urlaub und das Jahr darauf mit einem Schiffsunglück. Gerade von unserem Haus auf der Insel konnte man die vorbeifahrenden, erleuchteten riesigen Kreuzfahrtschiffe sehen und fast die Leute darauf erkennen, so nah kamen die Schiffe an die Felsen der Insel, bis… bis eben das Unglück passierte. Die berühmte Costa Concordia, die auf einem Felsen an der Insel Giglio aufsetzte und kippte, so dass sie Wasser aufnahm. Das Unglück kostete 32 Todesopfer, zog einen langen Prozess gegen den Kapitän Francesco Schettino nach sich und die lange Bergung des Wracks von der Insel. Es diente jahrelang als Gesprächsstoff mit den Italienern, was denn genau mit dem Kapitän passiert ist und wer jetzt das Wrack abholen soll und wie hoch die Kosten seien. Es wurde ausführlich in den Zeitungen darüber berichtet. Zu meinem Erstaunen verhalf das Unglück eher der Insel zu ihrem touristischen Boom, die Leute kamen extra, um sich das Wrack anzusehen.

Die letzte Insel, die ich persönlich besuchte, ist die Insel Giannutri; eine relativ kleine Insel (die Ausdehnung reicht an die 3 Km). Eine Insel, die sich in Privatbesitz befindet und angeblich zum Naturreservat erklärt wurde. Wie da die unzähligen Ausflügler mit ihren Booten und die kleinen Ferienanlagen, wie Bienenwaben an den Hängen, zu erklären sind, bleibt mir ein Rätsel. Sie hat eben alles, was so eine Insel haben soll, und noch eine achtbare Ruine einer römischen Villa (mit einem Hafen, römischen Straße etc…) dazu. Allerdings existiert auf der Insel (außerhalb der Saison) überhaupt keine Infrastruktur, kein Café, kein Laden; man sollte darauf vorbereitet sein.

Noch eine weitere Insel aus dem Archipel kenne ich zwar nicht persönlich, aber aus dem Buch von Francesca Melandri „Über Meereshöhe“. Lange wusste ich nicht, um welche Insel es in dem Buch geht. Doch dann erzählte mir jemand, dass auf der Insel Pianosa ein Gefängnis existiert, in dem früher Viele ihre Strafen abbüßten. Es muss sich also um die Insel in ihrem Buch handeln.

Am schönsten sehen für mich die Inseln vom Boot und aus der Ferne aus; meistens mit einem Leuchtturm bestückt, erheben sich majestätisch über das Meer und locken immer wieder Menschen an.

1 thought on “Von Inseln / O wyspach – Frauenblick”

  1. interesannter blick, las ich mit vergnügen; amrum ist nicht alcatraz, frauen machen in ihren trachten tanzduelle, obwohl die meisten von kontinent schon zugewandert; es wird dabei gesungen und das publikum singt sogar mit und nicht nur eine strofe; für einen matrosen bleibt die insel immer die heimat – stopy wody pod kilem!

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