Über die Zufälle: Ochsen und Zebu am Strand

Ewa Maria Slaska, Johanna Rubinroth, Tanja Krüger, Adam Soboczynski und…

Johanna und Tania waren in Indien. Das wissen wir, hier habe ich schon auf dem Blog mehrere Sontage ihre Fotos und Eindrücke veröffentlicht.

Aber ein Foto war nicht dabei. Ein Foto von einem Zebu am Strand. Dieses Foto habe ich analog als Geschenk bekommen.

Zebu wanderte zu den blauen Büchern…

Abends stand ich neben dem Zebu und suchte mir etwas zum lesen. Ich wahle meistens ziemlich wahllos. Das Buch lag schon lange unter den blauen Büchern und wartete drauf, dass ich es wahllos wähle. An dem Abend war es so weit. Ob der Zebu vom Foto etwas dabei mitgeholfen hat?

Sie sahen ziemlich ähnlich aus, der Hund und der Zebu. Und dann erst der Beginn des Buches…

Sieht ihr es? Seite 8, gerade Beginn des Buches. Der Maler Hans Weinling, der Protagonist des Buches ist, wurde berühmt durch sein Bild, das Ochsen am Strand zeigte. Und seitdem malte er nur Tiere an Strand…

Ochse, Zebu, Rind, Hund, Tier am Strand… Zufall? Sicher, aber welcher!

Ich schau in Impressum:

Umschlag: Anzinger / Wüschner / Rasp München
Unter Verwendung des Bildes “Beach Dog II” von Ben Schonzeit
1990. Private Collection / Lahr & Partners for Ben Schonzeit/
Bridgeman Art Library / Bridgeman Images

Ich suche den Schonzeit im Netz. Der Mensch malt imposant. Wirklich imposant. Sehet mal. Er malt viel und sehr verschieden, nicht nur Tiere am Strand.

“Beach dog” ist unter dem Begrif “realistic painting” zu finden:


A Beach Dog, 1986. Acrylic on Canvas, 32″ X 36″

Das Buch über den Maler, der nur die Tiere am Strand malt, ist gut (obowhl nicht SO gut, wie es sich ansagt, zum Ende verläuft sich alles irgendwie, obwol die Kritiker meinen, dass es sich in dem Moment gerade wunderbar zuspitzt), aber ich finde, dass die Malerei von Schonzeit noch besser ist. Daher so ein Vorschlag für Summer time… Buch, Hund, Zebu und Ochse mitnehmen und zum Strand!

Oder ein Bild kaufen?

Hazy Lake Placid II, 2008. Acrylic on Linen, 48″ X 48″

Magia życia

S
Jacek Krenz, Scherzo 8b, Akwarela

Jacek Krenz

Chopinowskie à propos

Czy zdarzają Wam się rzeczy niezwykłe?

Oto co wydarzyło się ostatnio, kiedy wczesnym rankiem zszedłem do pracowni. Szukając natchnienia, spojrzałem w górę. Na suficie pojawiła się rysa. Rysa? Nie było jej tam wcześniej! Zaniepokojony szybko ustaliłem konfigurację naszego domu w pionie. Stwierdziłem, że rysa pojawiła się w miejscu, gdzie niedawno postawiliśmy pianino. Poszedłem za tym tropem. Przy pianinie, na stole leżała książka zatytułowana “Piano rysuje sufit”. Nigdy wcześniej jej nie widziałem ani na naszym stole, ani w ogóle. Nowość wydawnicza, nowość w naszym domu. Skąd? Dlaczego? Obejrzałem się niepewnie za siebie…

Piano

 

Piano, piano!

Teraz już wiem, że znaczenie tytułu dotykało kwestii technicznych operowania ludzkim głosem, kunsztu śpiewaczego i zasad śpiewania na scenie czy estradzie “szeptem”. Śpiewania, które byłoby na tyle donośne, by głos śpiewaka zdołał wyrysować linię melodyczną na suficie teatru.

WIKR-964754Jak widać, nasze pianino znalazło łatwiejszy sposób, żeby zaznaczyć swoją obecność w architekturze. I przyznać trzeba, uczyniło to bardzo metaforycznie, w porozumieniu z pewną książką.

Magia, magia… Czyż nie jest to kolejny dowód na to, że nasze życie jest większe i bardziej nieodgadnione niż nam się wydaje?

Bo przecież nie jest to jedyny przypadek, zbieg okoliczności czy też inny równie tajemniczy fakt, który trudno byłoby nam wytłumaczyć w inny sposób, prawda?


Die kleine große Welt (11)

Monika Wrzosek-Müller

Dolomiti-Bruneck-Schifahren

Langsam gingen ihr die Ziele, die Zufälle und ihre kleine aber auch große Welt aus. Es gab natürlich Städte, die sie immer wieder mit Begeisterung besichtigte, aber das rutschte zu sehr ins Fremdenführer-Programm; sie war unentschlossen, sollte sie alles erfinden oder noch mal genauer ihre Erinnerungen durchforsten und nach wichtigen, prägenden Momenten suchen.

Was sie fand, war wenig sommerlich, auf jeden Fall abkühlend und vielleicht für den ganz heißen, schwülen Sommerabend bestimmt.

Es gab viele Winterreisen; sie waren freilich immer vom Schifahren geprägt, von langen weißen Pisten, von Gondeln, Sesselliften, Schihütten, von Menschenmassen mit und ohne Schier, mit und ohne Schihelme, mit Sonnenbrillen – und das war in fast allen Regionen, wo sie Schi gefahren war, gleich. Na ja, der Zustand der Pisten variierte manchmal; sie waren besser oder schlechter präpariert. Abends sah man beleuchtete Pistenraupen, die sich in atemberaubenden Höhen bewegten, dabei den Schnee vor sich her wälzten, alle Loipen und Pisten ebneten, glatt und makellos. Was für eine Wonne war das dann, wenn man am morgen als erster Schiläufer durch glatte, unberührte Pisten fuhr, seine Spur als erster hinterließ, in Schwüngen, in Kurven, in einem Takt, den dein Körper und der Untergrund dir vorgaben, nach unten sauste. Das war fast allen Schigebieten gemeinsam, immer fuhr man nach oben, sah sich die Landschaft rundherum an, der erste Blick auf die Bergspitzen und Täler manchmal mit Nebelschwaden unten und der Schifahrer oben auf dem Gipfel, über den Wolken, schwebend in der Gondel oder dem Sessellift, oder stehend und staunend über so viel Freiheit und Weite, befreit. So ein Schiurlaub gab ihr Kraft und Zuversicht für mindestens die nächsten zwei, drei Monate; fütterte den Körper aber auch die Seele mit Licht, das nicht nur von der Sonne kam, sondern auch von den weißen Pisten. Wie wohlig und schön müde fühlte man sich dann am Abend nach einem Tag oben auf den Brettern, die gar nicht mehr aus Holz sind, sondern irgendwelche High-Tech-Erfindungen, immer neu; mal kurz und breit, dann wieder länger und schmaler. Das wunderbare Gefühl der körperlichen Müdigkeit verbunden mit intensiver Durchblutung in der Höhe versetzte einen manchmal in einen Rausch, den die einen in viel Alkohol zu ertränken versuchten, die anderen in gesundem, ruhigem Schlaf, der ihr wie etwas Heiliges vorkam.

Ihr schönstes Schigebiet war in der Alta Badia in den Dolomiten. Sie wohnten zwar sehr unromantisch am Plan de Corones auf ladinisch, oder ganz plump am Kronplatz. Südtirol liegt schon auf der anderen Seite des Brenners, die Sonne schien hier heller, das Essen war unvergleichlich gut und es funktionierte wirklich alles. Das schöne Städtchen Bruneck/ Brunico im Pustertal lag ganz nah, man konnte einkaufen gehen, das Schloss mit dem von Reinhard Messner gegründeten Mountain Museum über Bergvölker besichtigen, in vielen Cafés vorzüglichen Kaffee trinken aber auch sehr schmackhafte Apfel- oder Topfenstrudel essen; es war alles da: die italienische Lässigkeit und Leichtigkeit verbunden mit der germanischen Ordentlichkeit und Perfektionismus.

Der Dolomiti-Superskipass war zwar teuer, aber er erlaubte jeden Tag auf anderen Pisten zu fahren, manchmal mehr als 50 Km, ohne ein einziges Mal auf denselben Ort zu treffen. Die Landschaften um Armenterola, Pedraches und Cinque Torri waren so schön, oft leer mit ein paar verlorenen Schifahrern, mit super organisierten Schihütten und wunderbar präparierten Pisten. Die längste Abfahrt vom Lagazuoi mit ihren 8, 5 Km auf der langen Schleife der Route um die Schauplätze der Schlachten des Ersten Weltkriegs war eine der abwechslungsreichsten, an fantastischen Ausblicken reichen Touren. Auch die Ausstellung über den Ersten Weltkrieg im Deutschen Historischen Museum Berlin konnte ihr nicht erklären, warum sich Österreicher und Italiener ausgerechnet dort so erbittert bekämpft hatten, in die schwindelnder Höhe mit steilsten Anstiegen. Für die Schifahrer wurde dann eine Gondelbahn gebaut, die einen ganz steil nach oben befördert; an der Gebirgswand waren die Spuren des Stellungskriegs zu sehen. Die Skitour machten sie mehrfach mit Freunden, beginnend mit dem Schlange stehen für den Ski Bus zum Lagazuoi, endend mit einer wunderbarem Runde mit Aperol-Spritz oder Kaffee auf der Terrasse des Luxushotels Armenterola. Es gab immer Sonnenschein, nicht immer genug Schnee, so dass man das letzte, flache Stück nicht mehr auf den Skiern bewältigen konnte, die hier von Pferden gezogen wurden, sondern sich in ein Sammeltaxi zwängen musste. Auf jeden Fall waren diese Gegenden reine Naturschönheiten: die rosa Granitfelsen, die in der Sonne manchmal rötlich leuchteten, und dann die eingefrorenen Wasserfälle, die in türkis-bläulichen Tönen schimmerten. Am Nachmittag wurde der Schnee oft schwerer, manchmal sogar matschig, die Beine mussten arbeiten, damit man vorankam.

Oft kamen mehrere Schipisten zusammen, so dass man aufpassen musste, wer aus welcher Richtung kam und wer Vorfahrt hatte. Plötzlich stieß sie mit jemandem zusammen, unerwartet und unkontrolliert, taumelte, rollte nach unten, ein Schi lag oben, die Bindung war aufgegangen. Mehrere Schifahrer standen um sie und einen jungen Mann herum. Jemand beschimpfte sie, dass sie von links kommend hätte aufpassen müssen, und überhaupt wo wäre denn ihr Skihelm. Der Ton war brüsk, fast unfreundlich, sie war sich eigentlich keiner Schuld bewusst; derjenige, mit dem sie zusammengestoßen war, saß still am Boden, es ging ihm aber gut. Der schimpfende Mann wollte ihre Personalien aufnehmen, sie wäre die Schuldige gewesen, der junge Mann wehrte ab. Da kamen schon ihre Freunde und der schimpfende Mann verstummte; es stellte sich heraus, es war ihr Wirt, der Besitzer der Pension, in der sie jedes Jahr während der Schiwoche wohnten. Gleich wurde die Tonlage geändert, der junge Mann stand auf, sie auch und alle zusammen fuhren sie ganz langsam nach unten und tranken einen Kaffee zusammen. Von Schuld oder Unschuld wurde kein Wort mehr gesprochen.

Die kleine große Welt (10)

Monika Wrzosek-Müller

Villa Meleto

Nach Meleto fuhr sie immer in Eile, wollte schnell ankommen; doch das ging wegen der Entfernung nicht, es waren immerhin 1264 km, und die Pausen, die sie einlegen mussten, waren manchmal auch gut und wichtig. Meistens kamen sie von Berlin aus mit dem Auto in einem Tag bis nach Sterzing/Vipiteno; gingen da, glücklich auf der ersten Station jenseits des Brenners, gut essen; doch sie wollte vor allem schnell da, in Meleto, sein. Manchmal flog sie auch nach Pisa, das war natürlich der schnellste Weg, und jemand holte sie am Flughafen ab; da wurde ihr bewusst, was Luxus bedeutet. Noch im Flugzeug, von oben, sah sie die Brennerautobahn, wenn das Wetter es erlaubte, genau; sie sah wie ein Fluss oder wie ein langes ausgerolltes Band aus, verlief den größten Teil am echten Fluss entlang, führte wirklich vom Norden in den Süden. Hinter dem Brenner war plötzlich das Grün nicht mehr so saftig, meistens eher gelblich, denn sie flog oft im Sommer. Und dann am Flughafen war es draußen schon warm, so warm, und sonnig und immer sonniger; und die Leute lachten, stritten und rempelten dich manchmal an, aber sie fühlte sich leicht und spürte Bewegung und Leben und Lust dazu.

Die Villa Meleto liegt majestätisch oben auf einem Hügel, mit so einer Allee von gleichmäßigen, schlanken aber riesigen Zypressen, die man auf den üblichen Toskana-Bildern sehen kann und die fast an Kitsch grenzen, nur in der Realität sind sie immer viel rumpeliger, verstaubt, ausgetrocknet; angerostet, und die Einfahrt alt. Ein Schotterweg führt nach oben, steil und kurvig, an manchen Stellen war er ziemlich zerfurcht, und das Auto hinterließ große Staubwolken. Die Villa thronte auf der Spitze, von unten sah sie noch größer aus, obwohl man, oben angekommen, erst die Dimensionen der ganzen Anlage entdeckte, die sich auch zu den Seiten und nach hinten ausbreitete. Es gab viele Nebengebäude, Schuppen, eine Mühle, ein Frantoio, wo einst die Oliven ausgepresst wurden, eine riesige Halle, wo früher Traktoren untergebracht waren, heute standen da auch die Quads, die Motorroller und Autos der Besitzerfamilie; es gab auch noch Überbleibsel von einem Fleischereianlage, die man wegen der Jagd betrieb; am schönsten war die verwunschene, ganz versteckte, kleine Kapelle…, die leider immer noch auf eine Restaurierung, auf Zufluss von größeren Geldmitteln dafür warten musste.

Sie liebte diese Gegend, die Villa, die Ausblicke von der Terrasse, vom Turm ganz oben auf die Hügel, auf die Ebene Richtung San Miniato und den Arno – Weltlandschaft, auf die weiteren Hügel, ganz in der Ferne, mit San Gimignano, auf der anderen Seite Vinci, das man nicht sehen, aber, wenn man es kannte, erahnen konnte; oder ganz in der Nähe der Blick auf die hauseigene barocke Parkanlage, wunderschön, mit exakt geschnittenen Buchsbaumhecken, mit weißen Pfauen, die immer weniger wurden, verdrängt durch ihre bunten Rivalen, bis sie ganz ausgestorben waren. Sie liebte die Villa nicht nur der Schönheit wegen; im Laufe der Jahre kamen immer mehr Erinnerungen zusammen, sie sah ihren Sohn und die Söhne der Besitzerfamilie jedes Jahr größer, erwachsener werden; die Erinnerungen waren mit diesem Ort verschmolzen, sie hingen wie auf einer Leine und man konnte auf sie immer wieder zurückgreifen. Sie liebte das wenig perfekte und doch sehr sorgsam organisierte Leben in der Villa, die Stunden der Muße wegen der Hitze, die man mit Lesen fühlen musste, denn alles andere erforderte zu viel Anstrengung und Energie.

Sie hatte die Villa zu allen Jahreszeiten gesehen: mit frischen Grün, blühenden Mimosen und unzähligen kleinen wilden Blumen, fast mit Schnee und doch mit viel Grün, mit kahlen Feldern rundherum, mit Sonnenblumenfeldern, mit etwas bunterem Laub im Herbst; viele der Bäume waren aber immergrün; mit Pilzen, Trüffeln und Esskastanien. Sie nahm die Veränderungen in der nächsten Umgebung wahr; die neue Wohnanlage auf dem Weg nach unten, die renovierten Häuser auf dem Wandertrakt Richtung San Miniato. Die neue automatische Einfahrt in das Gut, die wunderschönen Pflanzen und Blumen in den riesigen Terrakotta-Töpfen, die neuen Hunde und die kleinen und großen Katzen, eine Eule im Käfig und vieles mehr.

Die Wiederherstellung der Via Francigena, eines Fuß-Pilgerwegs von Canterbury nach Rom, der zufälliger- aber glücklicherweise ganz in der Nähe der Villa Meleto verläuft, war eine Wohltat für sie. Die langen Märsche, Wanderungen oben auf den Hügeln, die sich aneinander reihten, bei denen man genau sehen konnte, wo man in zwanzig, dreißig Minuten sein würde, waren für sie wie geschaffen. Diese Wanderungen, die den Kreis der Gedanken in ihrem Kopf zu unterbrechen vermochten, liebte sie besonders; ja, es war eine große Hilfe für sie auf dem Weg sein, bei der Befreiung vom Rattern der wiederkehrenden Gedanken. Sie ging bis zur Erschöpfung, stundenlang, unermüdlich, manchmal auch in der Hitze, dann legte sie sich hin und schlief ein, ohne denken zu müssen; in einem der Himmelbetten mit schweren samtenen Vorhängen, abgeschottet von der ganzen Welt draußen, in der ruhigen, behaglichen Dunkelheit der Belle-Etage der Villa.

Dann war da Charlotte, wunderbare Charly. Sie hat die Villa natürlich nicht gebaut, aber sie war und ist auf jeden Fall die Schöpferin und Ausführerin des Unternehmens Villa Meleto. Bedächtig, klug, ohne Firlefanz, richtete sie alle Appartements der Villa ein, ließ den Swimmingpool bauen, schuf die ungezwungene und doch professionelle Atmosphäre der Villa, und sie war ihr auch eine gute Freundin geworden; direkt, herzlich, kein bisschen zickig (und dazu hätte sie doch allen Grund gehabt als Ehefrau von einem Marquis mit so vielen Titeln und großartigen Vorfahren…), verständnisvoll und hilfsbereit.

Sie lief den Weg entlang, eine gut angelegte Strecke, oben auf den Hügeln mit weiten Ausblicken und leichtem Wind, die Via Francigena; sie sah von weiten Gruppen von Pilgern, Menschen auf sich zukommen. Sie pilgerten wirklich, mit Rucksäcken und schweren Schuhen, mit Bärten und ausgeblichenen T-Shirts, etwas müde und unausgeschlafen, schweigsam und doch voll Energie. Manche hatten einen Stock, fast alle trugen Hüte. Als sie näher kamen erkannte sie unter ihnen ihre Freunde aus Turin, die notorischen Wanderer, die während sie in Settigniano gewohnt hatten, auch dort lebten und an der Uni von Florenz lehrten. Das überraschende dabei war, dass keiner von ihnen wusste, wo sich die anderen aufhalten würden.

 

Die kleine große Welt (9)

Monika Wrzosek-Müller

Gaeta, Sperlonga,Terracina; die alten und neuen Römer

Irgendwann dachten sie, jetzt müssten sie doch ihre Reiseziele etwas verändern; nein, nicht gleich in die norwegischen Fjorde, in die schöne Kälte, aber doch Apulien vielleicht für einen Moment verlassen und trotzdem im geliebten Italien bleiben. Da kam ihnen ihr italienisch-deutsches Tandem im richtigen Moment zu Hilfe; man trifft sich und spricht abwechselnd Deutsch und Italienisch. Es war eine junge, bezaubernde Italienerin, zwar ausgerechnet aus Apulien, die aber längere Zeit in Rom, Barcelona, Neapel, New York und wo nicht noch gelebt hatte. Sie erzählte ihr, immer auf Italienisch, wahrscheinlich hatte sie von dem Tandem weniger profitiert, dass es eine wunderschöne, ausländerfreie, italienische Küste noch in Latium gäbe, mit langen Sandstränden, mit einer wunderschönen Vegetation, die schon mehr neapolitanisch als römisch wäre, mit einem weißen, perfekt renovierten, alten Städtchen Sperlonga auf dem halben Weg zwischen Rom und Neapel, in dem die Eltern ihres Freunds ein Hausbesaßen, in dem sie viele Wochen verbracht hätte.

Nach längerem Suchen fand sie dann ein Feriendomizil für uns, direkt an der steilen Küste, nahe beider kleinen Stadt Gaeta, die nicht so herausgeputzt und getüncht und schick war, dafür aber reich an echten einheimischen Festivitäten und Bräuchen. Eine verrückte Stadt mit einer großen Marina, einem großen Fischerhafen, einem echten Fischmarkt; mit Gassen, die an Neapel, das spanisches Viertel, erinnerten, wo die Wäscheleinen von Fenster zu Fenster und auch auf die gegenüberliegende Seite gespannt wurden und schöne Tischdecken und weniger schöne Unterhemden, allerlei Unterhosen im Wind baumelten; mit einer großen amerikanischen Navy-Basis, ganz in grau auch die Schiffe, sehr ernst und sehr Italien-fremd, die mit Stacheldraht und hohem Zaun umgeben; mit einer pittoresken Altstadt oben hin zur mittelalterlichen Burg, mit einem Park auf dem Monte Orlando auf dessen Spitze ein römisches Mausoleum steht; mit schönen Stränden und Grotten in den Felsen, die nur vom Meer aus zu erreichen waren; mit malerischem Hinterland: Hügel, Berge und tiefe Buchten, bei denen man nicht ersehen konnte, wo das Meer aufgehörte und das Land anfing; mit kleinen Inseln und auch größeren, die bei klarem Licht wunderbar thronend auf dem Wasser zu sehen waren, übrigens von allen drei Städten gleich gut.

Der E-Mail Verkehr mit dem Hausbesitzer war irritierend; noch nie hatte ein Italiener auf ihr Italienisch in Englisch geantwortet, knapp und fast unfreundlich, sehr von oben herab. Das begleitete sie in dem Urlaub schon ein bisschen; es gab keine Gespräche im Café, keine Freundlichkeiten und Nettigkeiten. Das salve wurde meistens schnell im Vorbeigehen hingeworfen, immer in Eile oder sie vortäuschend, halt beschäftigt in jeder Lebenslage. Dafür wurde der Müll sortiert, die Straßen waren sauber, Infrastruktur überall vorhanden.

Die Römer, stellte sie fest, kümmerten sich wenig um ihre Baudenkmäler, die alten Städte, die Städtchen waren meist vernachlässigt, vielleicht hatten sie einfach davon zu viel, zu wertvoll war ihnen ihre Zeit; auch wenn sie wunderschön waren, wie Terracina, wo man mit dem Blick auf die Reste vom römischen Kapitol auf dem original antiken Marmorpflaster, dem römischen Forum saß, umgeben von der zerfallenden mittelalterlichen Altstadt, bei der die alten Quadern der römischen Bauten als Unterbau für wackelige kleine Häuschen dienten, sie waren eben nicht Jahrtausende Alt sondern nur Jahrhunderte. Das Städtchen war voll von altertümlichen Preziosen und doch ganz natürlich, von Touristen fast vergessen. Das Leben ging langsam, der Kaffee wurde bedächtig serviert. Der Duomo, auch auf den Fundamenten eines alten römischen Tempels gebaut, mit wunderschönen Mosaiken und Fresken, meistens geschlossen. Das Leben ging seinem Rhythmus und nicht dem der Touristen nach. Ein Wunder, dachte sie, dass in dieser Stadt 1988 Polts Komödie „Man spricht deutsh“ gedreht worden war, wo sind denn der Rummel und die Deutschen geblieben?

In Terracina schiebt sich eine Bergkette direkt bis an die Küste vor, so dass sich die römische Via Appiaan einem Felsen ganz nahe am Wasser vorbei zwängen musste; die Stadt selbst erstreckte sich von 0 bis auf 864 Meter über dem Meer aufwärts. Ganz oben auf einem Berg mit einer atemberaubenden Aussicht auf die ganze Pontinische Ebene, mit dem Monte San Felice Circeo und den Inseln am Horizont auf der einen und den Felsen von Gaeta auf der anderen Seite, steht ein Tempel, eine Tempelanlage aus der vorrömischen Zeit, die aber von den antiken Römern auch benutzt wurde. Die Anlage ähnelt einer friedlichen Festung auf riesigem Areal, inmitten von Olivenhainen mit unheimlichen sakralen Bauten, die keinerlei Assoziationen in ihr weckten, nur von der Größe einer Kultur zeugten, die in ihren Dimensionen vielleicht der des antiken Rom glich. Auch wenn man sich für die antiken Kulturen und Völker wenig begeisterte, war der Ausblick einmalig.

Sie saßen mehrmals auf der kleinen Piazza, der mittleren Ebene von Terracina und hörten sich die schnellen und lauten Gespräche der Einheimischen zu, an der Bar, an den Treppen zur Kirche; manchmal verstanden sie nicht alles; es wurde im römischen Dialekt gesprochen. Kluge Untersuchungen der Linguisten haben ergeben, dass in Terracina das Verbreitungsgebiet des römischen Dialekts endete, doch in jüngster Zeit scheint eben auch noch der südlicher gelegene Ort Sperlonga von wohlhabenden, etwas versnobten, schönen und überkultivierten Römer bevölkert.

Wenn man die antike Villa von Kaiser Tiberius am Rand von Sperlonga besichtigt, kann man sich gut vorstellen, wie die reichen Römer ihrer Zeit gelebt haben. So eine Villa funktionierte eigentlich wie eine Art Farm, man musste autark sein, unabhängig und selbstgenügsam und das waren alle antiken Villen. Sie unterhielten Teiche mit Zierfischen, aber auch mit Karpfen, die sie essen konnten. Sie züchteten Schafe und Ziegen, hatten Oliven und Wein und natürlich Brunnen mit gutem Wasser aus den Bergen und für ihre Feste Grotten, wo es selbst bei größter Hitze im Sommer angenehm kühl war. In der Grotte der Tiberius-Villa sollen orgiastische Feste organisiert worden sein, die denen von dem ehemaligen Premier von Italien in nichts nachstanden. Daher kommt auch von dem Ortsnamen Sperlonga das deutsche Wort „Spelunke“. Während der Ausgrabungen fand man überdimensionale Skulpturen von Odysseus, der gegen Meeresungeheuer kämpft; sie werden dem Bildhauer Polydorosaus Rhodos und seinen Brüdern zugeschrieben, die auch die Laokoon Gruppe geschaffen haben sollen. Die antiken Römer mochten es eben übertrieben, alles war übergroß, ungewöhnlich und prachtvoll. Wie lange brauchte man eigentlich von Rom bis zu diesen Orten am Meer; kamen sie für ein Wochenende und kehrten dann nach Rom zurück? Die Straßen waren mit Steinen gepflastert, es gab die Via Appia und die Via Flacca; oder sie kamen per Schiff, die Küste entlang von Ostia; ein kleiner Hafen wurde an der Villa ebenfalls angelegt. Heute fährt der Zug aus Rom nach Gaeta eineinhalb Stunden, die Römer kommen immer noch für ein Wochenende dahin.

Sie saßen auf der Hauptpiazza von Sperlonga, oben in der Festung, mit vielen Cafés und Restaurants; inmitten von Italienern, meistens Römer, abgesehen von ein paar verlorenen Russen, die es komischerweise mit Busladungen in die Gegend verschlagen hat. Hinten ragten die kahlen, hohen Berge auf, etwas mehr unten gab es Pinienwälder, mit einem frischen Grün, wie es Teeplantagen haben. Sie hörten den Gesprächen zu über Essen, Kinder, Krankheiten und Politik; das Essen kam überdurchschnittlich oft vor; wo was wie viel kostete und am besten schmeckte. Nicht alles verstanden sie, es wurde eben römischer Dialekt gesprochen. Und auf einmal hörten sie ein Gespräch, in dem ganz oft das Wort Berlin vorkam. Es wäre dort grau und doch sehr kalt, aber sehr interessant und für junge Leute genau das richtige, genau, für junge Künstler wäre das eine richtige Stadt für den Anfang, auf jeden Fall, nicht wahr. Und sie traute sich zu fragen: I vostri bambini vivono li? Conoscete la citta?

Und wie oft schon stellte sich heraus, wie klein doch die große Welt war; es waren die Eltern von Andrea, dem jungen Künstler, der in Berlin zusammen mit der ragazza, dem Mädchen aus Foggia lebte, die mit mir deutsch-italienisches Tandem machte.

Die kleine große Welt (8)

Monika Wrzosek-Müller

Italien, Apulien, Lecce

Schauen Sie sich die Bücher von Gianrico Carofiglio an, besonders die Krimis, in denen Giudo Gurrieri, ein Rechtsanwalt, den Schwachen und Verfolgten in der Hauptstadt von Apulien, Bari, hilft. Er beschreibt die Verhältnisse und zwischenmenschliche Beziehungen in der Region sehr einfühlsam und wahrheitsgemäß: Reise in die Nacht, Im freien Fall oder Das Gesetz der Ehre.

Dass Italien ihr Land war, wusste sie spätestens, seitdem sie aus Florenz nach Kleinmachnow, in den „Speckgürtel“ von Berlin, umgezogen waren. Wieviel unbeschwerter lebte es sich da in den Hügeln von Settignano, über Florenz, mit dem weitem Blicken auf den Duomo und den Arno, mit dem schönen Wetter, der Helligkeit und den Farben. Selbst wenn man die Sprache nicht so gut konnte und immer wieder bei den Konjunktiven stolperte – auch mit einer gewissen sprachlichen Oberflächlichkeit lebte sich einfach leichter, zugegeben: vielleicht nur für eine Zeitlang. Jetzt, in Deutschland, versuchte sie krampfhaft, sich an die Reisen nach Italien zu klammern und die Sonne, die Harmonie und die Ausgeglichenheit für sich zu tanken. Das gelang ihr eher mäßig; dafür aber lernte sie Italien Stück für Stück kennen, entdeckte immer neue, interessantere und schönere Orte für sich.

So kam es, dass sie Apulien für sich entdeckt haben; der Absatz und das Ende des Stiefels und die Zusammenkunft beider Meere: der Adria und des Ionischen Meeres, zog sie magisch an. Sie fuhren vier Jahre in Folge dahin, besuchten ausdauernd alle kleinen, großen und mittelgroßen Städte, Städtchen und Dörfer, lernten Leute kennen, auch hörten sie dem apulischen Dialekt zu, verstanden manchmal wenig – und stellten fest: auch da unten war Italien unbeschreiblich schön, lieblich, liebenswert. Die Menschen waren noch offener, zugänglicher, kontaktfreudiger als in der Toscana, die alten Städte manchmal noch älter als alt; die Kontraste zwischen dem Schmutz an den Straßen, Schnellstraßen und den oft schön erhaltenen alten Stadtkernen enorm, die Weine kräftiger, aber keinesfalls schlechter als in anderen Teilen von Italien. Und dann kamen die endlosen Olivenhaine, Wälder muss man fast sagen, ganze Hügel regelmäßig bepflanzt mit Olivenbäumen, kilometerlang, die im Wind mal silbrig-grau, mal dunkel grün waren; es gab Jahrhunderte alte Bäume und junge Neuanpflanzungen. Ganz Apulien schien im Takt dieser Bäume und des Windes sich zu bewegen und zu schwingen; die Winde kamen ab und zu sehr kräftig durch dieses flache, selten etwas gewellte Land und fegten alles weg, was sie auf ihrem Weg fanden.

Ein ganz anderes Grün hatten dann die Weinberge, sie waren eher klein, mit Netzen und dunklen Plastikfolien zugedeckt, wegen der Vögel oder der Sonne; irgendwie konnten sie das nicht herausfinden. Interessant fanden sie, dass der Rotwein manchmal in zwei Stärken angeboten wurde und zwar 14 und 18 Prozent; der 18-prozentige war ein ganz dunkler, schwerer Rotwein und nach einem Glas drehte sich alles im Kopf.

Apulien teilt sich in mehrere Regionen; die wildeste und am meisten beeindruckende für sie war Salento: ganz flaches Land mit geraden Straßen, auf denen man ganz schnell von einem Meer zum anderen gelangt. Auf dem Weg die Masserien, alte adlige Gutshöfe, die wie Festungen aussehen und das auch waren; sie dienten der Verteidigung gegen die Sarazenen, die arabischen Piraten, die vom Meer ins Land stürmten, dann auch gegen herumziehende Banditen. Zu einer Masseria gehörten neben dem Wohngebäude, den Ställen und den Scheunen auch ein Taubenturm, eine Kapelle und ein tiefer Brunnen. Bei einer Masseria gab es einen Gemüsegarten und einen weiteren, größeren Garten mit Mandel- und Johannisbrotbäumen, auch riesigen blühenden Oleanderbüschen. Manchmal lagen auch Olivenhaine innerhalb der Mauern, öfters aber schon außerhalb; ein Weinberg oder mehrere gehörten auch dazu. Ihr erschienen diese Masserien so, wie sie sich die Anwesen der polnischen Magnaten in den Kresy, den östlichen Ländern des alten Polen, vorstellte: Wehranlagen, fast Burgen, gegen die Feinde, die regelmäßig das Land überfielen – nur dass sie hier viel ärmlicher, manchmal ganz arm aussahen. Die Masserien hatten einen unwiderstehlichen Charme, zeugten von einer Verbindung der europäischen Architektur mit der arabischen; die Grenzen zwischen den Stilen waren fließend, es gab romanische Ornamente auf barocken Formen und umgekehrt, viele waren ganz weiß getüncht, manche aber auch dunkelrot. Dazu gab es griechisch-orthodoxe Kirchen in den Felsengrotten mit wunderbaren Fresken und Mosaiken. Das alles machte das Land geheimnisvoll, interessant und verlockend, eben exotisch und aber vertraut.

Bei jeder Apulien-Reise wechselten sie ein Bisschen den Standort und zogen um ihren jeweiligen Wohnort immer größere Kreise mit den Besichtigungen, so dass am Ende nicht ein einziger Ort blieb, an dem sie nicht gewesen wären, kein Café auf einer Piazza oder Piazzetta, wo sie nicht einen Kaffee getrunken hätten. Sie sprachen auch immer wieder mit den Menschen; die Kellner erzählten von ihrer Zeit in Deutschland, die Fremdenführer von ihren Versuchen, woanders Arbeit zu finden. In vielen Ortschaften wurden auch aus verschiedenen Anlässen Feste veranstaltet, an denen sie auch teilnahmen, und sie stellten erstaunt fest: die meisten Teilnehmer dieser Feste waren schon in ihren jungen Jahren weit gereist, viel weiter, als sie gedacht hätten, sei es durch den Job, wegen des Kriegs oder wegen Familienangelegenheiten. Immer wieder fiel ihnen ihre Offenheit und Bereitschaft auf, über alles Mögliche zu sprechen.

Ein etwas anderes Publikum erlebten sie allerdings in einer märchenhaften Stadt – einer Stadt, die jedem im Gedächtnis bleiben musste. Sie ist aus einem besonderen Stein gebaut, Tuffstein, der nach dem Abbau ganz weich und formbar ist und dann erst erstarrt. Daher war die Stadt geschmückt mit steinernen Girlanden, Blumenkörben voll von Obst, unheimlichen Figuren, Säulen, allen möglichen Ornamenten. Lecce, die Hauptstadt der Provinz Salento, mit ihren barrocken Fassaden zog Touristen aus aller Welt an, auch Studenten in ihre Universität. Die Gesichter der Menschen waren hier ganz anders, nachdenklich, oft verschlossen, manchmal unausgeschlafen und unzufrieden, eben westeuropäisch. Sie schlenderten verschiedene Male durch die Altstadt, aßen die berühmten pasticciotti, ganz köstliche, feine, süße Küchlein mit einer leichten weißen Creme darin, die dunklen nannte man, nach der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten eben obama; sie tranken wunderbaren Kaffee und bewunderten erstaunt die übertrieben geschmückten Fassaden. Man lief mit den Augen nach oben gerichtet, um alles zu sehen, aufzunehmen, noch bizarrere Formen zu entdecken.

Man konnte sich in dieser Vielfalt verlieren, unsichtbar machen; es war übertrieben, aber es hob die Stimmung, der Stein war ganz hell, die Formen meistens friedlich ruhend, rundlich; die Stadt schien wie aus einem Guss gebaut, hell auch die Straßen und die Plätze, die Trottoire und die Häuser auch die Kirchen, Klöster und Repräsentationsgebäude.

Wir saßen gerne in den Cafés, auch länger, und sprachen über dieses und jenes, meistens ohne auf die Menschen rundherum zu achten. Und irgendwann hörte ich Deutsch mit Italienisch gemischt, die Stimme kam mir bekannt vor, aber wenn man die Person gar nicht an dem Ort erwartet, oder man sie aus ganz anderen Umständen kennt, ist es ganz schwer die Tatsachen zu verbinden. Hinter uns saß ein Paar, sie sprachen abwechselnd italienisch und deutsch, beide Sprachen perfekt, und… ich kannte ihn, ich erkannte ihn; es war mein Italienischlehrer aus Berlin; und ich erinnerte mich, er hatte uns, der Italienisch-Klasse, auch erzählt, dass er eine Wohnung in Lecce hatte und eine italienische Frau, die aber perfekt deutsch sprach. Irgendwie dachte ich mir, es gibt kein Entkommen, deine deutsche Wirklichkeit holt dich ein, du musst dich mit ihr versöhnen.

Dwugłos o sześciu apostołach

Jurkowi na imieniny

Wracaliśmy z konferencji w Lublinie. Tomasz odwiózł mnie do Poznania, czy raczej pod Poznań, do domu Loni, babci mojego wnuka. Opowiedziałam jej, że człowiek, który mnie przywiózł to Tomasz, historyk z Żar i… tak powstał dzisiejszy wpis.

Tomasz Fetzki, Żary

Żarska fara. Czyli kościół farny. Czyli parafialny. Kościół parafialny średniowiecznego miasta lokacyjnego (bo był też klasztorny, franciszkański). Najważniejszy i największy kościół Żar. Ale zapytajcie któregokolwiek żaranina, gdzie się znajduje fara, to zrobi oczy wielkie jak stare pięciozłotówki z rybakiem. Jaka fara? Nikt tutaj po wojnie nie używał takiego określenia. Każdy mówi: KATEDRA. Bo wielka, bo monumentalna… Ale to określenie zwyczajowe, gdyż, jako żywo, Żary nigdy nie były siedzibą biskupstwa. Co najwyżej, w czasach protestanckich, nadintendentury, czyli tak plus minus, katolickiego dekanatu. Ale katedra to katedra i nic tego nie zmieni!

stararzezbaKościół powstawał długo, kilkaset lat. Początkowo wybudowany w stylu romańskim, swój obecny, gotycki kształt i rozmiar uzyskał w wieku XV. Rozmiar zaiste imponujący. Na całych polskich Łużycach, poza farą gubińską, nie ma większej świątyni. W ciągu kolejnych kilkuset lat gotycka forma została wypełniona barokową treścią: pseudomarmury, kaplice, dwa piętra empor, organy i malowidła. Skończyło się to wszystko gwałtownie i nieodwracalnie we wtorek po Wielkanocy, 11 kwietnia 1944 roku, gdy niemal setka Latających Fortec B-17 obróciła w gruz większość Żar, poważnie uszkadzając także farę. Miary zniszczenia dopełniło powojenne porzucenie i opuszczenie świątyni.

starewnetrzeW latach 1963-75 parafia polskokatolicka użytkowała prezbiterium, nawy niszczały sobie spokojnie dalej. A potem całość kościoła została przekazana katolikom rzymskim i rozpoczęła się wielka odbudowa. Zdecydowano się nie odtwarzać późniejszego wyposażenia, pozostały gołe gotyckie mury. Stało się tak po trosze z niedoboru funduszy, a po trosze ze względów ideowych: taki zabieg, czyli regotyzacja, miał nawiązywać do prapolskich tradycji tych ziem. Zresztą katedry w Warszawie, Poznaniu i Gnieźnie też regotyzowano podczas odbudowy ze zniszczeń wojennych.

Po nalocieFara została uroczyście konsekrowana, pod wezwaniem Najświętszego Serca Pana Jezusa, w czerwcu 1980 roku. A potem zaczął się, trwający właściwie do dziś, proces zaopatrywania kościoła w niezbędne wyposażenie: ławki, organy, witraże… W połowie lat osiemdziesiątych w prezbiterum pojawiło się sześć posągów, które przedstawiają czterech Ewangelistów oraz dwa filary Kościoła Świętego: apostołów Piotra i Pawła.

wnetrzenowe

Ewa Maria Slaska, Berlin

piotr… a tych czterech ewangelistów i tych dwóch co to, jak opoka, Kościół podtrzymują, wykonał mój współteść (wiem wiem, nie ma takiego słowa, ale jak go użyję, to, mam nadzieję, każdy będzie wiedział, że tak jak ja jestem teściową mojej synowej, to mój współteść jest teściem mojego syna, i to się zdarza w każdej rodzinie, ale u nas jest jeszcze trudniej, bo mój współteść jest na dodatek bratem mojego szwagra i szwagrem mojej siostry… Czyli brata ojca szwagra syn… No… nie warto dochodzić.)

Współteść czyli Jerzy Krenz był zachwycającym człowiekiem. Był, bo niestety cztery lata temu umarł. Był wspaniałym gawędziarzem i wszyscy go podejrzewali, że ubarwia, ale, o dziwo, wcale tak nie było, bo naprawdę przydarzały mu się sprawy niezwykłe. Może zresztą wcale się nie przydarzały, tylko on sam je wywoływał, jak wtedy, gdy jadąc autem zobaczył kątem oka, że tuż obok szosy, koło jakichś zabudowań stoi statek. Tak mu się to spodobało, że zawrócił, znalazł statek, obgadał sprawę i statek ów zakupił, a potem wielką ciężarówką wiózł go do Poznania.

pawelPrzede wszystkim jednak był artystą, rzeźbiarzem, malarzem… Żył trochę tak jak mój Dziadek, pracował dla dworów i kościołów, jak taki dawny, średniowieczny wędrowny artysta. Złotousty Hessego, Colas Breugnon Rollanda. Robił ołtarze, ambony, od drugiej połowy lat 70 również lampy, kandelabry, świeczniki.

Gdy coś dobrze wyszło, robił duplikaty i rozdawał je hojną ręką. Sama dostałam od niego dwa wielkie świeczniki, tacę granitową i kutą lampę. Lubił tę pracę, mówi żona, każdą pracę lubił, bo każda była czymś nowym i stanowiła wyzwanie. Pod koniec życia się ustatkował, osiadł na stałe w rodzinnych pieleszach, w domu pod Poznaniem, nadal pracował dla dworów i kościołów, jeździł po najdziwniejszych kątach zachodnich i śląskich Kresów, ale już bardziej trzymał się rodzinnej skiby…

Dla kościoła w Żarach pracował wraz z kolegą, też plastykiem, Bogdanem Fijałkowskim,
i wykonywali te betonowe rzeźby, naturalnej w końcu wielkości, w pomieszczeniach na Świebodzińskiej w Poznaniu, odlewając je w jakichś wannach. Jak? Nikt już tego nie wie, natomiast rodzina świetnie pamięta, że obaj artyści pracowali na żywych modelach czyli na sobie samych. Jeden odlewał drugiego. Szaty miały jakieś wzorce w innych kościołach, w podręcznikach historii sztuki, ale apostolskie twarze i ręce to po prostu Fijałkowski i Krenz.

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Zdjęcia 1, 2, 3, 4 z sieci, pozostałe – Tomasz Fetzki

Die kleine große Welt (6)

An den Anfang seines Romans Wem die Stunde schlägt stellte Ernest Hemingway ein Zitat des englischen Dichters John Donne, Ausschnitte des geistlichen Gedichtes Meditation Nr. 17 als Motto:

No Man is an Island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main; […] and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.

Kein Mensch ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des Festlands; […] und darum verlange nie zu wissen, wem die [Toten-]Glocke schlägt; sie schlägt dir.

Monika Wrzosek-Müller

Bretagne

Nirgendwo schien ihr die Welt so harmonisch, vollkommen, rund, mit anderen verbunden, wie in der Bretagne. Waren das die alten Häuschen, die kleinen Kirchen mit ihren Calvaires, die Bars, wo die Einheimischen und besonders die Fischer ein Gläschen Wein schon morgens tranken, oder ging das auf die berauschende Natur zurück mit breiten, unendlichen Stränden und den Gezeiten, mit wechselnden Wolkengebilden am Himmel, mit Sturm, Regen, Sonne, Wind in einer enormen Intensität und dann gab´s da auch noch das Mirakel des Ozeans mit all dem Wasser, malbewegt, mal ruhig, unendlich weit bis hinter den Horizont, unfassbar lebendig und riesig, oft auch bedrohlich. Zwar lebte hier jeder für sich allein, doch irgendwie fühlte es sich an wie ein Puzzle, alles ein Teil vom Ganzen. Die Landschaft rundherum bildete oft ein Gemälde: die kleinen Häfen, die Fischkutter, die Jachten, die Boote, kleine Hügel, große Felder, Apfelbäume bewachsen mit Efeu und Misteln, die Hecken aus Hortensienbüschen in wunderbaren Farbtönen, manchmal Felsen und steile Klippen, Leuchttürme und die Leute mit ihren dunkelblauen Jacken, Pullovern, Mänteln und Mützen überhaupt die Farben; alles passte ins Bild.

Sie gingen stundenlang am Strand entlang, manchmal war das Meer weit, weit weg, dann stieg es wieder hoch, und man lief am Wasser entlang, manchmal musste man sich beeilen, um vor der Flut heil an einem bestimmten Ort anzukommen, sonst musste man schwimmen oder mehrere Stunden auf irgendwelchen Felsen die Ebbe abwarten. Der Sand war fest, glatt, man hinterließ Fußabdrücke, ganz präzise und deutliche, ab und zu gab es Häufchen dunklen Sandes von Würmen aufgeschüttet.

Diese Spaziergänge, fast Märsche, hatten etwas Beruhigendes, Tröstendes, schoben die dunklen Gedanken weg, beiseite, waren gut gegen Depressionen und gegen die innere Lähmung, die sie immer wieder überfiel. Der Strand war ganz breit, man konnte die Augen schließen und sich nach der Wärme der Sonne richten und vorankommen. Dann gab es Gruppen von Felsen über die man klettern musste, um in die nächste riesige Bucht zu gelangen. In den Felsen wimmelte es oft von Menschen, ganze Familien suchten nach Miesmuscheln, kleinen Krabben und Araigenées, den Meerspinnen, manchmal buddelten sie auch im Sand auf der Suche nach Bigourneaux und den Würmern, die sie als Köder zum Angeln benutzten. Es gab auch Buchten, die ganz abgeschlossen waren; man gelangte dorthin über steile Pfade, sehr mühsam. Dort lagen wunderbare runde Steine, die in hunderten von Jahren durch das Wasser, besonders bei Stürmen, zu riesigen runden Eiern oder sogar Bällen abgeschliffen wurden. Auch dahin gelangten sie und machten Anstalten einige von den Steinen mit nach oben zu nehmen.

An sonnigen, warmen Tagen gingen sie an den Strand, man blieb nicht lange, zwei Stunden reichten vollkommen. Rundum waren große Familien mit einem Reichtum an Kindern, an Plastikspielzeug und an Essen, transportiert in großen Kühltaschen; Sie setzten sich hin und fingen fast sofort an zu essen. Die Männer spielten mit den Drachen, rivalisierten heimlich untereinander und ließen selten die Kinder mitspielen. Die meisten Familien kamen mit drei Generationen; es gab sowohl Großmütter als auch Enkel, man konnte die Ähnlichkeiten in den Gesichtern sehen, die Großväter waren eher beim Angeln. Viel Kontakt zu den Familien hatte man nicht, es war äußerst selten, dass man mit jemandem ins Gespräch kam; jeder war für sich und doch bildeten sie alle zusammen das Bild einer großen Strandfamilie.

Es gab doch ein Paar, das immer wieder aufhorchte, als wir uns auf Polnisch unterhielten, oder zum Spaß einfach ein polnisches Wort fallen ließen, da schienen sie richtig aufzuwachen und mitzuhören. Wir achteten am Anfang nicht darauf. Irgendwann aber hörten wir, dass sie zueinander etwas auf Polnisch sagten. So grüßte ich sie am nächsten Tag auf Polnisch. Der Mann antwortete kurz aber mit starken französischem Akzent, so blieb die Konversation erst mal stecken. Als ich ins Wasser ging, war da auch die Frau, die ich auf Polnisch anzusprechen versuchte. Sie antwortete auch kurz angebunden, mit einem starken französischen Akzent. Die beiden weckten meine Neugier. Wir kamen jetzt regelmäßig an dieselbe Stelle am Strand, aber jegliche Versuche Kommunikation mit den beiden herzustellen, scheiterten.

Und wie das in der Bretagne häufig ist, änderte sich das Wetter plötzlich, so dass wir nicht mehr an den Strand gingen. An einem eher wolkigen Tag beschlossen wir dann, einen Ausflug zum Petit Mont Saint Michel zu machen; eine winzige Insel mit einer noch winzigeren Kapelle drauf. Bei der tiefsten Ebbe war die Insel zu Fuß zu erreichen, man musste alles gut planen, um trockenen Fußes zurückkehren zu können. Zu unserer Überraschung trafen wir auf der kleinen Insel ausgerechnet die beiden Strandnachbarn, die polnischen Franzosen, wie ich sie in Gedanken nannte. Wir grüßten uns, gingen in die Kapelle und setzten uns dann draußen zusammen auf eine steinerne Bank und schauten aufs offene Meer. Leider vergaßen wir dabei, dass wir eigentlich hätten sofort zurücklaufen müssen; das Wasser stieg jetzt sehr schnell, an Rückkehr war nicht mehr zu denken; und so saßen wir da und unterhielten uns, diesmal auf Französisch. Es stellte sich heraus, dass die beiden in Paris ein polnisches Ehepaar kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet hatten – er konnte Polnisch wegen seines Berufes, Osteuropahistoriker an der Sorbonne, sie hat ihn bei den Archivreisen begleitet und immer wieder Polnisch Kurse belegt – die in zerfallenen Häusern wohnten, die der junge Mann renovierte, und dann mussten sie wieder umziehen, denn die renovierten Gebäude gingen an französische Käufer oder Mieter über. So zogen sie ständig um, und dabei waren es hoch gebildete Leute: sie Kunsthistorikerin und er Historiker. Da unterbrach ich sie unhöflich in meinem schlechten Französisch: „La dernière fois il ont abité à la Rue de la Roquette, n´est-ce pas?“

Wir verließen die Insel nach sechs Stunden, fast befreundet nach dem Motto:„die Freunde meiner Freunde sind auch meine Freunde“.

 

Die kleine große Welt (5)

„Im Winter 2002, als ich in Stockholm war, erhielt ich im Hotel einen Anruf aus Australien; am Apparat war ein älterer Herr namens Kucharski, der den Roman des neuesten Nobelpreisträgers für Literatur gelesen hatte und darin, mit großer Erregung, auf sich selbst gestoßen war: Er hatte damals im ‚Steppdecken-Revier‘ im Bett über mir gelegen und taucht zufällig in meinem Roman mit seinem Namen auf. Ich muss nicht sagen, welche freudige Überraschung dieser Anruf mir bereitete.“

Imre Kertész: Dossier K. Eine Ermittlung

Monika Wrzosek-Müller

Die polnische Ostsee

Jahrelang fuhr sie im Sommer für zwei Wochen an die polnische Ostsee; erst mal sollte das ihrem Sohn guttun, er lernte polnisch, und konnte die Großeltern und die Großtante und die Familie aus Schweden genießen oder eben näher kennenlernen. Außerdem war das für sie eine willkommene Erholung von der nicht gerade rosigen Wirklichkeit in dem Berliner Vorort- und Nobelviertel des Kleinmachnowers Großdorfes. Die Reise dauerte unendlich, die Straßen waren schlecht, sie fuhren meistens 8 bis 9 Stunden lang, mit kleinen Pausen fürs Essen von Pirogen oder ganzen aufwendigen polnischen Menüs mit Vorspeise, Suppe, zweitem Gericht und Nachspeise, oft waren es am Ende eben noch Pfannkuchen. Sie suchten immer ein schönes Lokal aus, gaben sich nicht mit irgendwelchen Buden entlang der Straße ab. Die Reise verlief in angenehmer Stimmung, sie erdachten Spiele, wie: Autos mit deutschen Kennzeichen zählen, oder die mit nur Berliner Schildern, oder Wörter auf verschiedene Anfangsbuchstaben auf Polnisch oder auf Deutsch schnell aufsagen müssen, oder auch reduzierte Version von „Stadt, Land, Fluss“ kamen oft vor. Manchmal sangen sie Lieder; die deutschen kamen aus dem Walldorfkindergarten und -schule, die polnischen aus ihrer Kindheit; mit den polnischen gab es oft Probleme, weil sie zu ernst, zu melancholisch und zu“ erwachsen“ waren. Sie zählten auch Storche auf den Dächern, Strommasten und Schornsteinen, oder auch andere Tiere, die sie unterwegs sahen. So verlief die Reise schneller und man hatte das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun und sich nicht allzu sehr zu langweilen.

Die Landschaft blieb sowohl in Deutschland als auch in Polen gleich; lange Waldstücke wechselten mit Feldern und Wiesen ab, manchmal kamen kleine und größere Seen und es war hügelig schön, doch meistens ging es ziemlich platt und eher langweilig zu; oder je nach Laune empfanden sie die vorbeifliegende Landschaft schön oder eben monoton und uninteressant. In Polen führten die Straßen direkt mitten durch die Dörfer, man fuhr auch langsamer und konzentrierter. Wenn die Reise nun auf einen Sonntag ausfiel, mussten sie sich an den Schlangen von Menschen vorbei schlängeln, die in die Kirchen oder aus den Kirchen nach Hause gingen. Manchmal hielten sie abrupt an, um Blaubeeren, Pilze oder Honig von den Straßenjungen oder den alten Babcias [Omas] zu kaufen. Das sorgte für Abwechslung und hob die Stimmung. Besonders auf der Rückreise waren solche Einkäufe reizvoll, man verlängerte dann zu Hause den Urlaub mit dem polnischen Essen und hatte einige Mitbringsel.

Eine Institution für sich waren die „obiady domowe“ [Hausmannskost Mittagessen]; jeder freute sich auf das Mittagessen und spekulierte, was es denn geben würde. Die Zahl der Suppen war auch schier unendlich, so dass sie in den zwei Wochen nie die gleiche Suppe gegessen hatten. Unter den Badegästen ging immer ein Gerücht, wo denn die besten „obiady domowe“ wären; mal war das u pani Krysi [bei Frau Krysia], die anderen schworen auf Herrn Stach.

Sie lief am Strand unten, oben war der Kliff mit Kiefern- und Buchenwälder, steile Treppe führte nach unten, es waren 219 bis 232 Stufen. Oben sah man weit aufs Meer hinaus, bis zum Horizont; die Farbabstufung zwischen Meer und Himmel war manchmal minimal; es gab aber eine Linie die das eine von dem anderen trennte. Das Wasser war nie azurblau sondern eher grau bis grünlich, dafür war der Sand schön hell gelb mit Steinen und Muscheln und manchmal nach dem Sturm, konnte man auch winzige Bernsteinchen finden. Es gingen auch viele Sammler umher; die einen sammelten alles, die anderen spezialisierten sich auf besondere Muscheln, noch andere suchten nur vom Wasser geschliffenes Holz. Sie fand manchmal sowohl schöne Steine als auch ausgefallene Muschel, die sie mitnahm; meistens ging sie barfuß, gedankenverloren, entspannt und fast glücklich am Wasser entlang, egal wie warm oder kalt es war. Sie fühlte sich frei, frei von den Rollen, die sie zu Hause spielte und in denen man in Deutschland perfekt sein sollte und frei von den Alltagssorgen.

Irgendwann wollte sie dann etwas trinken und kam an einen Bierstand am Strand, mit riesigen Sonnenschirmen und bequemen Sitzgelegenheiten, sie holte sich einen Tee und setzte sich geschützt in die Sonne. Der Stimmengewirr kam an sie heran, getragen vom Wind, auch wenn sie nicht zuhören mochte, klangen die Worte so nah, so präzise und deutlich, als ob sie an sie direkt gerichtet wären. Es war eine Gruppe von jungen Erwachsenen, ungefähr in ihrem Alter und sie erzählten von einer Familie, offensichtlich ihren Freunden, oder guten Bekannten, vielleicht war da auch Tratsch im Spiel, das konnte sie nicht beurteilen. Es ging um ein Ehepaar, das zwei kleine Söhne hätte und das sich jetzt endlich und endgültig getrennt hätte; sie hätten sich doch sowieso immer wieder bis aufs Blut gestritten und gezankt und sie wäre die Fleißige, Arbeitsfähige und Leidende und er ein Halunke und Nichtstuer und Schmarotzer, obwohl liebenswürdig, sehr liebenswürdig. Und er hätte ihr immer wieder große Blumensträuße und schöne Fotos von ihr, von altem Zoppot, vom Meer und Sonnenuntergängen gebracht und sie wären dadurch doch immer wieder zusammengekommen aber was für eine Ehe wäre das, wo die Frau alles verdienen müsste… usw.

Ich stand auf und offensichtlich durch dieses bedrückende Getratsche oder kam da schon eine Vorahnung hoch, ging ich schleppenden Schrittes zurück; es war auch Zeit, denn die Sonne war ganz unten und auf dem Strand lagen lange Schatten des Kliffs. In der Ferienwohnung angekommen fand ich auf meinem Handy eine Nachricht; es war eine Freundin von mir aus Zoppot, sie bat um einen Rückruf. Erst nach dem Abendessen hatte ich Zeit und rief sie an; sie fragte mich gleich, ob sie zu mir kommen könnte für ein paar Tage mit dem Kleinen, der Größere wäre im Sommerlager…ich war mehr als zufrieden und hieß sie willkommen. Sie hätten sich nämlich getrennt, jetzt wirklich und endgültig, sagte sie schnell, und mir entkam ganz leise: „ich weiß es“… “wie weißt du es?“ „Ich habe es eben auf dem Strand beim Sonnenuntergang erfahren…“

 

Die kleine große Welt (4)

Mit der Spiritualität ist es kompliziert, wenn man sie sucht, findet man sie nicht. Entweder kommt sie von selbst, oder gar nicht. Manche brauchen sie, andere machen sich darüber lustig; doch irgendwann stellt sich jeder die Frage, wie es bei ihm damit steht.

Monika Wrzosek-Müller

Amritapuri-Kerala, Indien

Sie war im Aschram gelandet; ja gelandet eigentlich in Cochin, in Südindien, in Kerala, in God owns country, in einem permanenten Chaos, im Schmutz, in einem Lärm, der normale Kommunikation unmöglich machte; aber in einer bunten, lebendigen und faszinierenden Welt.

Der Weg zum Amritapuri-Aschram führte durch die Backwaters und war sehr exotisch; sie glitten in einem Hausboot an üppiger Vegetation vorbei: Palmen, riesige Mangobäume, manchmal Mangrovenwälder, Kletterpflanzen und wunderbar farbige Blumen, vor allem Wasserhyazinthen, die manchmal das Wasser fast vollkommen überwucherten, an den Dämmen der Reisfelder die Frauen in bunten Saris, wie bunte Vögel oder Blumen, die sich schnell bewegten, das Grün der Reisfelder und Blau des Wassers; alles in unheimlich intensiven Farben. Wären da nicht ein paar Kadaver von Kühen und Fäkalien im Wasser getrieben, hätte man es wie ein Paradies empfinden können. An manchen Stellen hingen riesige chinesische Fischernetze, sie schaukelten im Wind. Die Hausboote waren wunderschön, ursprünglich Kettuvallams genannt: lange, große Lastkähne aus Bambus, mit aus Kokosbast geflochtenen Kabinen, mit Küche, Schlafzimmer und Wohnzimmer, mit einer Terrasse bildeten sie wirklich schwimmende Häuser. Nah am Aschram wurde die Bebauung deutlich geordneter. Nach dem Tsunami waren hier mit der Hilfe ausländischer Organisationen neue Siedlungen entstanden, mit hunderten von identischen Häuschen, manchmal Doppelhäusern in verschiedenen Farben, sehr ordentlich, sehr westlich. Der Aschram war an den paar Hochhäusern, dem Ayurvedischen Krankenhaus und einer schönen Brücke von weitem zu erkennen, es lebten da ca. 2 000-3 000 Menschen aus der ganzen Welt zusammen.

Der Aschram; „Ort der Anstrengung“ präsentierte sich vor allem durch Stille und überwiegend weiße, helle Kleidung der Bewohner, wie eine Insel aus einer anderen Welt. Die peinlich sauber, von hunderten von indischen Witwen gefegte Wege, ordentlich abgestellten Schuhe vor den Tempeln, ordentlich gestapeltes Geschirr, überall Zettel mit Regeln, was, wann und wo zu erledigen oder zu befolgen sein sollte; alles erinnerte mich eher an sozialistische Sommerlager als an Indien. Auch die 9-stöckigen Wohnblocks, in denen die Gäste untergebracht wurden, hatten etwas von sozialistischer Bebauung an sich. Alles war sehr einfach, sehr primitiv aber doch funktional und vergleichsweise sauber.

Auch wenn inzwischen Gerüchte kursieren, dass Amma viel Geld von den Spenden auf verschiedenen ausländischen Konten für sich und ihre Familie geparkt hat, muss man ihr zugeben, dass sie auch sehr viel bewegte: dass sie für unzählige indische Witwen die letzte Hoffnung ist, für viele eine Ausbildung anbietet, nicht zu vergessen ein riesiges ayurvedisches Krankenhaus mit einer ayurvedischen Fabrik-Apotheke betreibt. Auch die Hilfe nach dem Tsunami, die durch ihre Organisation an die rundherum wohnende Bevölkerung kam, ist nicht zu verachten. Die Küste wurde mit riesigen Steinblöcken befestigt und neue Häuser errichtet.

Amma-Mata Amritanandamayi ist eine bäuerlich-kräftig aussehende Person, mit einer Kraft, die ihre Quelle irgendwo haben muss; wie sonst würde sie die stundenlangen Meetings mit Fragen und Antworten und anschließenden Umarmungen „embracing the world“ von hunderten von Menschen und zwar jeden einzelnen, durchhalten können.

Sie saß am Strand, der indische Ozean wütete gegen die riesigen Steinblöcke, die Sonne ging langsam unter in leicht rosa, lila und violetten Farben; die Leute rundherum, machten auf ihren Matten Yoga-Übungen, sprachen leise miteinander und warteten auf die Zusammenkunft mit Amma, auf ihre Umarmung.

Ich selbst habe diese Umarmung erlebt, und nach anfänglichen totalen Zweifeln, muss ich gestehen, dass sie eine ungeheuerliche Kraft, Trost und wirklich Gefühl von Liebe spendete. Es passierte mir in einem Moment, an dem ich daran gar nicht mehr geglaubt hatte, nicht glauben konnte, denn ich war von dem Chaos und dem Gedränge dermaßen genervt, dass ich fast aufgeben wollte. Danach saß ich völlig perplex und ruhig neben hunderten von anderen in einer riesigen Halle und sang stundenlang Mantras mit dem ungeheuren Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit.

Vielleicht lag das an der Erschöpfung und Verwirrung durch so viele neue Eindrücke und Ereignisse.

Für den nächsten Tag musste ich mich für den Seva-Dienst (verschiedene Arten von Arbeiten für den Aschram und das Gemeinwohl) eintragen. Ohne lange zu überlegen entschied ich mich fürs Pizza backen, ohne an die Hitze der Öfen, in der Hitze des südindischen Himmels, und das Kneten und die Formen von Pizzateig zu denken. Die italienische Mannschaft war wunderbar; es gab einige, die schon seit Jahren mit dem Aschram verbunden waren, und Neuankömmlinge wie mich, allen gemeinsam war, dass man italienisch sprach. Wir haben wirklich wahnsinnig gearbeitet, geschuftet, um die hunderten von kleinen Pizzas herzustellen. Die Italiener sangen, lachten und sprachen dabei viel und durcheinander. Irgendwann fragte einer, wo denn die Giulia, die Toskanerin, heute abgeblieben wäre, sie müsste doch auch dabei sein. Zwar kannte ich eine Giulia aus der Toskana, dachte aber nicht im Mindesten daran, es könnte die Tochter unserer Freunde sein. Wir machten ab und zu Pausen und als ich draußen vor unserer Baracke stand, sah ich genau diese meine Giulia, mit ihren krausen, schwarzen, leuchtenden, langen Haaren kommen. Da sie mich an diesem Ort wirklich nicht erwartet hatte, ging sie an mir vorbei. Wir hatten uns auch jahrelang nicht gesehen, und aus dem kleinen Mädchen war fast eine Frau geworden, noch immer hübsch, liebenswürdig, lebendig. Ich lief hinter ihr her und stellte mich vor, unsere Freude war riesig. Wir gingen zu einem Café und schwelgten in Erinnerungen an meine Zeit in der Toskana und unsere Besuche bei ihren Eltern, in dem Haus, wo ich viel Liebe, Freundschaft und Gemeinschaft erlebt hatte.

In dem Moment, in den Tagen im Aschram, passte alles; die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft schienen zusammen zu spielen, sich zu ergänzen und einen tiefen Sinn zu haben.