Julie I – Wilczyca z Torunia

Julie_WolfthornNie gehört, nicht wahr?

Julie Wolfthorn

Nigdy o niej nie słyszeliście, prawda?

Rozpoczynamy dziś na blogu krótki cykl wpisów o Julie Wolfthorn – dziś, jutro i pojutrze zamieścimy posty o tej malarce, o której nikt  nigdy nie słyszał, a i nie każdy historyk sztuki się z nią zetknął. Pomysł napisania o Julie wyszedł od Lidii Głuchowskiej.

Heute, morgen und übermorgen schreiben wir über Julie.

Urodziła się 8 stycznia 1864 w Thorn czyli Toruniu jako Julie Wolff, zmarła 29 grudnia 1944 roku w Theresienstadt. Pochodziła z rodziny żydowskiej, była niemiecką malarką i graficzką. Gdy zaczęła malować odjęła od nazwiska Wolff jedno f, co zmieniło je w Wilka, a dodała nazwę miasta, z którego pochodziła – Julie Wolfthorn. Piękne – Wilczyca z Torunia. Umarła w Teresinie, pokazowym niemieckim obozie koncentracyjnym. Do końca życia malowała.

Okazją do przypomnienia Julie jest wystawa przygotowywana właśnie w Galerie Die Insel w Berlinie – galerii należącej do Berliner Fraueninitiative Xanthippe e.V. – Inicjatywy Kobiecej Ksantypa. Kuratorinnen / Kuratorki: Ilse-Maria Dorfstecher, Gabriela Ivan, Sabine Krusen.

19.04.2013, Freitag / piątek, 19:00 Uhr, Vernissage
»Wieder im Licht – geehrt ausgegrenzt wiederentdeckt«

Kate Diehn-Bitt | Oda Hardt-Rösler | Käthe Loewenthal
Käthe Münzer-Neumann | Lene Schneider-Kainer | Hedwig Woermann | Julie Wolfthorn | Augusta von Zitzewitz
(bis / do 25.05.2013)
Insel-Galerie – Torstraße 207, 10115 Berlin

Tytuł wystawy trudno tak dobrze przetłumaczyć na polski, jak brzmi po niemiecku. Wieder im Licht – Znowu w świetle. Wystawa o malarkach: geehrt ausgegrentzt wiederentdeckt – cenione – wyrzucone poza nawias społeczeństwa – ponownie odkryte. Po polsku byśmy ten tytuł pewnie inaczej sformułowali – może tak: słynne zapomniane ponownie odkryte.

Dziś o  Julie tekst po niemiecku.

Dr. Irene Knoll

„Meine Freundin Julie Wolff träumt davon, Sie malen zu dürfen“, schrieb Hedwig Lachmann am 4.4. 1896 an Ida Auerbach, die spätere Frau Richard Dehmels. Sie benutzt den Geburtsnamen Julie Wolfthorns, ein Zeichen dafür, dass die beiden Frauen einander schon lange kannten. Zu dieser Zeit dürfte Julie Wolfthorn aber ihre Arbeiten schon mit ihrem Künstlernamen gezeichnet haben, den sie sich in Anlehnung an ihre Geburtsstadt Thorn an der Weichsel, das heutige Toruń, gab.

Mit dem Bildnis von Ida Auerbach, das im Dezember desselben Jahres entstand, ein Porträt in Lebensgröße, gelang Julie Wolfthorn auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1897 der Durchbruch in der Berliner Kunstwelt. In den folgenden Jahren profilierte sie sich als excellente Porträtistin, deren Können und Malkultur weder von den Künstlerkollegen noch von der Kunstkritik mehr bestritten wurde.

Julie Wolfthorn ist 1944 im KZ Theresienstadt umgekommen. In den nachfolgenden Jahrzehnten, bis in unsere Tage hinein, waren Werk und Lebensdaten der großen Künstlerin vergessen, ja, schienen verloren. Erst in den neunziger Jahren kam allmählich ein suchendes Interesse auf, nachdem einige Bilder von ihr auf Ausstellungen erschienen waren. Inzwischen konnte durch weitreichende Recherchen und Kontakte, durch sorgfältige Kleinarbeit, besonders vom Berliner Freundeskreis Julie Wolfthorn intensiv betrieben, Leben und Werk Julie Wolfthorns wieder erschlossen werden.

Julie Wolfthorn war das fünfte Kind des jüdischen Kaufmanns Julius Wolff und seiner Frau Mathilde, geb. Neumann. Sie kam 1883, nach dem Tode beider Eltern, nach Berlin. In den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts hat sie sich das Handwerkliche der Malerei durch privat betriebene Studien in Berlin und anschließend an der privaten Kunstakademie Colarossi in Paris angeeignet. In Berlin hat sie in der Kurfürstenstr. 50, ihrer Wohnung, selbst Frauen Malunterricht erteilt.

Von der männlichen Kunstkritik ist der Eintritt der Frauen in die Malerei zunächst mit Desinteresse, dann mit beiläufiger Gönnerhaftigkeit bedacht worden, “denn die Kunst ist vom Mann für den Mann gemacht“, wie der Kritiker Karl Scheffler schrieb. Er befand sich damit ganz auf der Fährte des Vorsitzenden der Preußischen Akademie der Künste, Anton von Werner, der Petitionen von Künstlerinnen für die Zulassung von Frauen zum Studium an der Kunstakademie wiederholt und bis zu seinem Tode ablehnte. Solche Petitionen wurden auch von Julie Wolfthorn gezeichnet.

Um 1900 gehörte sie zu den wenigen namhaften Künstlerinnen Deutschlands. Sie war eine von vier Frauen, die der 1898 unter Vorsitz Max Liebermanns gegründeten „Berliner Secession“ als Gründungsmitglieder angehörten. Die biografischen Daten, die nach und nach gewonnen wurden, offenbaren ihre intensive Mitarbeit an vielfältigen Initiativen, das Kunstschaffen der Frauen anzuregen und zu fördern und ihren Werken eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Auf den Secessionsausstellungen bildeten die Arbeiten von Frauen nur einen verschwindend geringen Anteil. 1906 rief Julie Wolfthorn gemeinsam mit anderen Secessionistinnen und einigen Künstlerinnen aus München die „Verbindung bildender Künstlerinnen“ ins Leben, die fortan eigene Ausstellungen organisierten und weitaus mehr Beachtung fanden. Auf der Secessionsausstellung 1908 war dann schon jedes siebente Bild das einer Künstlerin.

Julie Wolfthorn gehörte dem „Verein der Berliner Künstlerinnen“ an, war Mitglied des „Frauenkunstverbandes“ und des „Deutschen Lyceum Clubs“, die eigene Ausstellungen veranstalteten. Die Themen solcher Ausstellungen sind inspiriert von Ideen und Zielen der bürgerlichen Frauenbewegung: Die schaffende Frau, Das Gesicht der selbständigen Frau, Die Frau von heute, Die gestaltende Frau, Das Kind.

Mit sehr viel Anerkennung werden in den Kritiken die Porträts Julie Wolfthorns erwähnt, aber auch ihre Landschaften finden zunehmend Aufmerksamkeit. Ein Foto aus dem Jahre 1914 zeigt sie, beladen mit Sonnenschirm und Malutensilien, in einer Gruppe anderer Malerinnen auf dem Wege zu einem landschaftlichen Malmotiv. Sie hat am Berliner Wannsee, in Ferch, in der Mark Brandenburg, auf Hiddensee, in Italien im Freien gearbeitet. „ Julie Wolfthorn ist modern im allerbesten Sinne des Wortes. Sie weiß sowohl dem heimlichen Stimmungszauber einer Landschaft Ausdruck zu geben, wie sie auch dem Menschen auf den Grund seiner Seele schaut und in ihren Porträts jede Individualität so scharf heraushebt, dass dem Beschauer der ganze Mensch sofort deutlich wird.,“ schrieb die Publizistin Luise Schulze-Brück.

Julie Wolfthorn galt als die „Seelenkennerin“ unter den Malern.1929 hat sie sich in einem Aufsatz für „Westermanns Monatshefte“ dazu geäußert: „ Ich habe es immer als meine Hauptaufgabe betrachtet, neben dem künstlerischen das psychologische Moment in meinen Bildnissen besonders zu betonen. Dazu gelange ich mehr auf dem Wege der Intuition als durch bewusste Gedankenarbeit. Oft habe ich das Gefühl, als malte nicht ich, sondern ein andrer in mir, so dass ich mitunter überrascht vor meiner eignen Arbeit stehe. Das sind die glücklichsten Momente des Schaffens.“ Zu den heute noch oder wieder bekannten Porträts von Julie Wolfthorn sind neben dem Porträt Ida Dehmels vor allem ein Bildnis von Richard Dehmel, ein Porträt von Gustav Landauer, das Porträt Hedwig Lachmanns, das Doppelportrtät Gerhart Hauptmanns und seiner Frau zu nennen. Sie war eine besessene Arbeiterin von überraschender Vielseitigkeit. Für die Zeitschrift „Jugend“ hat sie mehrere Titelblätter geschaffen; Aktzeichnungen, Buchillustrationen, Blumenstücke und Stilleben entstanden, und zu den bemerkenswerten Leistungen der aufkommenden Plakatkunst gehört ein Plakat, das sie für den soziademokratischen „Vorwärts“ schuf.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Julie Wolfthorn aus den Vereinen ausgeschlossen, Veröffentlichungen und die Ausübung ihres Berufs wurden ihr verboten. Nur in den Räumen des Jüdischen Kulturbundes wurden noch Arbeiten von ihr ausgestellt. Sie organisierte mehrere Atelierausstellungen und sprach mit den Besuchern über ihre Arbeit. In einem Bericht über einen solchen Besuch wird Ende 1934 im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin eine Fülle von Werken unterschiedlicher Schaffenszeiten und Genres erwähnt. „Ein Zug von ungewöhnlicher Frische, verbunden mit Reife des Könnens und einer gewissen unverwüstlichen Tüchtigkeit, macht die Erscheinung dieser Künstlerin besonders sympathisch“, schrieb der Verfasser Dr. M. Rieß.

Julie Wolfthorn wurde im Oktober 1942, in hohem Alter, nach Theresienstadt, deportiert. Wo all jene Werke, die zu diesem Zeitpunkt in ihrem Atelier standen, geblieben sind, konnte bisher nicht ermittelt werden. Sie starb am 21. Dezember 1944, wenige Tage vor ihrem 81. Geburtstag. Sie hat auch im Lager noch gemalt – Porträts von Leidensgefährten. Unter diesen letzten Arbeiten, die erst vor wenigen Jahren bekannt wurden, ist das Bildnis einer alten Frau, mit Bleistift skizziert und in schwachen Farben aquarelliert, auf schlechtem Papier festgehalten – ein kleines Kunstwerk und ein Dokument. Es trägt das Datum vom 6.Sept. 1943. Sie hat es „Rekonvaleszentin“ benannt.

Am 4. Juli 1947 erschien in „Der Weg“, einer Publikation der Jüdischen Gemeinde Berlins, unter der Überschrift „Der Leidensweg einer jüdischen Künstlerin” ein Bericht von Peter Edel. Der Schriftsteller Peter Edel, dessen eigentlicher Familienname Hirschweh ist und der in der Kurfürstenstraße 50 wohnte und bei Julie Wolfthorn Malunterricht hatte, hat darin seine letzte Begegnung mit ihr beschrieben; er selbst wurde nur wenige Wochen nach Julie Wolfthorn deportiert. „Auf die weite Reise im Viehwaggon nahm sie zwei Aquarellkästen, einige Pinsel und viele Bogen Papier mit. Sie versteckte diese Utensilien behutsam zwischen ihren Kleidern und den Büchern, die ihre alte Schwester mitnehmen wollte, und sorgte sich mehr um die Bleistifte und die Temperafarben als um das eigne Leben. ‘Man kann überall malen. Überall! Wohin man auch kommt‘, sagte sie mir, als sie sich verabschiedete.“

Stolperstein_JuliaWolfthornStolperstein / stumbling block / (kamień, o który się potykamy) kamień pamięci – Julia Wolfthorn, Kurfürstenstr. 50, Berlin-Tiergarten – Wikipedia Commons, Autor OTFW Berlin 2013

Autorka o tym nie wspomina, ale istniały też namalowane przez Julie portrety Dagny Juel i Stanisława Przybszewskiego. Zaginęły, jak wiele innych dzieł Julie, ale coś o nich wiadomo i podzielimy się z Czytelnikami tym, co wiadomo.

Następne teksty o Julie Wolfthorn:

Katarzyna Krenz: Głosy z umarłego miasta
Aleksandra Sawicka: Julie i Dagny

Das glückliche Leben

Persische Gattin

Aus den Erzählungen meiner Schwiegermutter

Das glückliche Leben von Agha Said

Am meisten Glück hatte Said. Als er zum Dienst, als Soldat in die Armee ging, wurde er ein Adjutant  des Offiziers. Es war gut-  er hat eingekauft, Essen gekocht und auch gut selbst dabei gegessen. Aus dem Geld, was er zum Einkaufen von dem Offizier bekommen hat, hat er etwas für sich selber behalten. Und, als er den Dienst beendet hatte, hatte er Tee, Kleidung und sehr viel Geld aus der Armee mitgebracht. Alle, die zum Dienst gehen, bekommen Geld vom Vater oder Mutter, da gibt es kein Fleisch zum Essen – “ich will kein Soldaten-Fraß essen” – sagen sie. „Ich mag diese Soldaten- Kleidung nicht. Die Soldatenstiefel sind nicht gut genug für mich, sie stinken und sind unbequem, einfach schlecht. Ich will schöne Schuhe aus gutem Leder“. Das Geld vom Vater zu Hause kriegen sie, gehen und kaufen was Gutes. Said hat es nicht so gemacht. Said hat gesagt: “alles was da ist, ziehe ich an”. Er war ja bei den Offizieren, er hat da gute Klamotten, Schuhe und Essen gekriegt. Geld hat er auch in seine Tasche gesteckt, ging zum Einkaufen, er hat für 5 Tuman eingekauft und zu dem Offizier gesagt: Agha, ich habe für 6 Tuman eingekauft. Einen Tuman hat er an sich genommen, er war geschickt, und hatte Glück.

Als Said aus der Armee zurück gekommen ist, war er ohne Arbeit. Ich bin arbeitslos, was soll ich denn machen? – fragte er Agha Jun – meinen Mann. Agha Jun meinte – ich wusste da eine Arbeit für dich, da ist ein Platz, welchen man mieten konnte.

Und Said hat in den leeren Räumen in einem Krankenhaus einen kleinen Cafe aufgemacht mit Tee, Säften, Plätzchen, Schokolade. Geld kam und kam, sehr gutes Geld kam. Alles hat er sich gekauft, ein Haus, im Dorf, es ist ein sehr schönes Haus, groß und sehr schick, in der Stadt, in Teheran, hat er ja auch ein Haus.

Jetzt wollte Said nur eins –  eine Frau. Er hat eine Frau genommen, sie hieß Mariam. Kurz nach der Heirat hat er sich vor ihr scheiden lassen, weil es böse Gerüchte über sie gab, sehr böse Gerüchte, und dann wollte er sie nicht. Er sagte zu ihr: du bist meine Frau geworden, aber vorher bist du keine Jungfrau gewesen. Schon vorher hat dich jemand angefasst.

Dann hat Said Sudobe zu Frau genommen. Wie alt war sie damals? Ich habe ihre Mutter gefragt –  wie alt ist sie denn, Ihre Tochter? Sie war ja noch so klein. Die Mutter meinte: sie ist 15. Said war eine gute Partie, hatte Geld, war jung, sehr tüchtig, die Mutter wollte ihn unbedingt für ihre Tochter. Said hat sie schon vorher im Dorf gesehen, als sie Wasser geschöpft oder Pfirsiche gepflückt hat. Dann haben sie sich auch angeschaut, bei der Hosstegori,  Said hat einmal zu ihr geguckt, und sie hat auch zu ihm ein Mal geguckt. Sudobe meinte – das wird ein guter Ehemann werden, ich heirate ihn , ich liebe ihn. Said meinte – ich will das Mädchen auch! Dann haben sie geheiratet. Ich selbst habe die Braut zum Friseur geführt, und geschminkt habe ich sie selbst. Sehr hübsch ist alles geworden. Und auch in dieser Nacht, in der Hochzeitnacht, haben sie ein Kind gemeistert, aber niemand wusste davon. Dann haben sie in Teheran gewohnt, sie wurden unsere Nachbarn. Eines Tages ist Said  zu uns gekommen, und schrie: Hanum wo bist du – lauf, ich flehe dich an, lauf!!! Was ist? – habe ich gefragt. –  Sudobe, die Wehen haben eingesetzt! Said – habe ich gesagt – du machst Witze, und solchen Spaß verstehe ich nicht! Aber Said schrie wie verrückt: Steh auf, steh auf, schließ die Tür und komm! Ich habe gesagt – gehen wir zum Arzt, schauen wir, ob sie wirklich schwanger ist

In einer Stunde schon war das Kind auf der Welt. Ich habe gelacht: wann habt ihr denn geschafft dieses Kind zu machen?

Das Kind war so klein, so klein, wie eine Katze, die Äugelein zu, 1 Kilo hat es gewogen. Ich sagte – Jo Hossein, und wer wird es pflegen? Said meinte – Gott hat es gegeben, Gott kümmert sich schon, selbst wird es heranwachsen.

Ah nein – schrie ich auf – da muss man sich kümmern, es ist viel Arbeit! Sudobe war ja ein Kind, und hatte keine Übung! Dann habe ich mich gekümmert, habe Medizin gegeben, und der Kleine geng, geng, geng, hat die ganze Zeit geweint.

Said sagte – wir nennen ihn Habib – und dann zu mir: er gehört dir! Ziehe ihn groß! Acht Monate habe ich alles bei ihm gemacht, Tag oder Nacht, habe ich ihn gebadet, Vitamine gegeben, Lieder gesungen. Er hat gut gegessen, ist dick und robust geworden.

Nun hat Said ein großes Haus, Grund, Obstgarten. Und mit Sudobe hat er ja nur Habib – ein Kind, welches schon 10 geworden ist. Alle haben gefragt, wieso kommt kein zweites Kind? Man muss zwei Kinder haben. Und alle haben spekuliert: bestimmt ist Sudobe krank, dass sie kein Kind mehr bekommt. Wenn Said eine weitere Frau nimmt, stellt sich schon heraus, wer krank ist – Sudobe oder er selbst.

Zwei FrauenDer Arzt hat behauptet, keine von Beiden hat ein Problem. Aber wenn Du mich fragst, der Said  wollte einfach eine Frau, ja – eine neue Frau. Und er hat das Mädchen Suhila genommen. Es verging ein Jahr, dann ein zweites – und kein Kind ist gekommen. Said hat endlich verstanden, er ist derjenige, der ein Problem hat. Und der Arzt hat es bestätigt und meinte zu Said: Sie haben einfach nur ein Ei. Ein Einziges Ei.

Also hat Agha Said zwei Frauen und einen Sohn. Und er sorgt für sie, sie haben es gut, essen gut. Sie haben ein gutes Leben.

Nächste Woche – Ein Ausflug in den Iran!

Mystische Augenblicke

Unser Leben
ist nicht das, was geschah,
sondern das,
was wir erinnern
und wie wir es erinnern

Gabriel Garcia Marquez

Laudatio… Thomas Raettig …
Forum Staniszów / Stonsdorf

… wie alles begann…

Es war im Jahr 1985, als Christine Pöttker in Berlin mit ihrem Lebensgefährten häufig vor Fotogeschäften stand, und dieser sich immer ausgiebig die Auslagen mit Kameras, Objektiven und Zubehör anschaute. Das alles interessierte sie damals überhaupt nicht, sie musste große Geduld beweisen, und bemerkte irgendwann zu ihm:  „Das nächste Mal sage ich dem Geschäftsführer, er soll einen Vorhang vor das Fenster hängen, dann können wir schneller weitergehen…

Und die Reaktion ihres Lebensgefährten? Er schenkte ihr ein paar Tage später eine Kamera, eine Minolta SRT 100X.

Das war der Anfang ihrer fotografischen Entwicklung und sie lernte von ihm, was Blende, Belichtungszeit oder auch Brennweite bedeutet. Der goldene Schnitt und der Stand der Sonne wurden fotografische Begriffe für sie. So begann die Künstlerin ihre ersten Fotografieversuche. Die Ergebnisse waren, wie man sich denken kann, zunächst eher bescheiden. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, bzw. die Meisterin, auch wenn das noch einige Jahre dauern sollte.

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Als ich Christine 1991 bei einem Fotokurs in der Nähe von Schloss Babelsberg bei Potsdam kennen lernte, stand während dieser Woche die S-W Fotografie, die Entwicklung und Vergrößerung der eigenen Fotos im Labor im Vordergrund.

Wir wurden gute Freunde und auch in den folgenden Jahren trafen wir uns hin und wieder zu Fotoexkursionen oder einfach zum Erfahrungsaustausch.

Mit den Jahren wurde das Fotografieren immer wichtiger für Christine und begleitete sie auf all ihren Reisen. Doch es fehlte ihr nach wie vor der eigenen Stil, die Unverwechselbarkeit ihrer Bilder.

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Anfang des neuen Jahrtausends verschlug es die Künstlerin zusammen mit ihrem Lebensgefährten nach Schlesien. Zunächst in das Glatzer Bergland, auf der Spurensuche ihrer beider Vorfahren. Immer wieder kehrten die beiden zurück in diese faszinierende Landschaft Niederschlesiens, bis sie, angeregt durch die Fernsehdokumentation „Schlesische Märchenschlösser“ im Jahr 2004 auch das Hirschberger Tal, das „Tal der Schlösser und Gärten“, entdeckten.

Viele der heute vorzüglich restaurierten Schlösser waren damals noch Ruinen. Einige wenige, darunter auch Schloss Stonsdorf, beherbergten schon Gäste und waren auf dem Weg, zu eindrucksvollen Zeugnissen vergangener Epochen zu werden. In Stonsdorf war in diesem Jahr die Stiftung Forum Stonsdorf gegründet worden und niemand konnte ahnen, dass die Fotografin fast 10 Jahre später hier ihre Bilder ausstellen würde. Fotografien, die eine Geschichte erzählen von der bezaubernden Landschaft, so wie sie vorher noch niemand gesehen hatte. Die Einzigartigkeit des fotografischen Augenblicks kommt in den Bildern von Christine mit ihrer außergewöhnlichen Sichtweise eindrucksvoll zur Geltung.
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Aber die Bilder erzählen auch eine ganz persönliche Geschichte der Künstlerin, die 2004, hier ganz in der Nähe auf Schloss Boberstein, ihren Lebensgefährten verlor. Auf der Suche nach dem Verlorenen kam sie seit 2005 mehrmals im Jahr an diesen Ort. Immer mit ihrer Kamera in der Hand, bekam das Fotografieren für sie eine ganz neue Bedeutung.

Es wurde zu einer Möglichkeit, ihren inneren Bildern, ihrer Trauer einen Ausdruck zu geben und eine Verbindung zu dem Verlorenen herzustellen. Und diese Zeit, die sie  hier im Hirschberger Tal verbrachte, befähigte sie, eine ganz neue, eigene Ausdrucksform in der Fotografie zu finden.

So konnte sie im Lauf der Jahre neue Hoffnung schöpfen, auf ein neues, anderes Leben, das jedoch immer mit diesem Ort verbunden bleiben wird.

2008 präsentierte die Künstlerin in Berlin erstmals eine Ausstellung mit einem Teil der hier gezeigten Fotografien. Aber der Zyklus war noch nicht abgeschlossen. Und so kam sie bis 2010 zu allen Jahreszeiten an diesen  wunderbaren Ort.

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Im Sommer morgens um 5.00 Uhr, im Winter erst um 8.00 Uhr, hat sie das frühe Sonnenlicht genutzt, um die „mystischen Augenblicke des Hirschberger Tals“ einzufangen. Einmalige Erlebnisse, überraschende Anblicke, neue Sichtweisen entdeckte sie in der traumhaften Landschaft des Riesengebirges. Ihre Wege führten immer wieder am Ufer des  Bober entlang und er schenkte ihr im Spiegel der Sonne verzauberte Momente, die sie mit ihrer damaligen analogen Spiegelreflexkamera (Canon EOS 50 E) festgehalten hat. Und immer wieder ging der Blick hinauf zur Schneekoppe, unverkennbar, unverwechselbar. Mal umhüllt von Wolken, mal strahlend klar in der eisigen Winterlandschaft.

Eine Fotoreise „im Licht der Erinnerungen“.

Mit dieser Ausstellung sind ihre Fotografien an den Ort zurückgekehrt, wo sie ihren Ursprung haben.

Aber auch andere, neue Motive weckten im Laufe der Zeit das Interesse der Fotografin.

So zeigte sie 2012 in Berlin erstmalig ihre Ausstellung „Mohnblütenzauber“. Die Vielfalt unterschiedlicher Mohnblüten, die sie jedes Jahr auf ihrem Balkon aussät, wurden von ihr in ungewöhnlichen Gegenlichtaufnahmen fotografiert und ausgestellt.

Eine neue, faszinierende Ausdrucksform ist seit  2010 für die Künstlerin auch die Aquarellmalerei geworden.

Sowohl die Fotografie als auch die Malerei geben ihr die Möglichkeit, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken und sind nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken.

Wie die Erdmännchen

Persische Gattin

Wie die Erdmännchen – die iranische Familie:

Meine Beobachtungen sind sicherlich sehr subjektiv, aber ich habe den Eindruck, dass in Iran die Frauen diejenigen sind, die einer Familie den Halt geben, und die letztendlich über sie entscheiden.

Früher war die Rollenverteilung so, dass der Mann Geld nach Hause gebracht hat. Die Frau hat sich um die Kinder und den Haushalt gekümmert. Heutzutage arbeiten, vor allem die jungen Frauen, in Iran. Ich kenne eine Chemie-Studentin, die bestimmt nach dem Studium ein Hohes Tier in der Öl-Industrie sein wird.

Das größte Gut sind für die Iraner die Kinder und sie sind in der Regel sehr verzogen. Man spart nicht an einer guten Schule, Englisch-Kursen, Klamotten.

irandawniej1-dubletIn Iran darf man in der Familie heiraten, und es wird oft gemacht. Bis zur Cousine ersten Grades darf man heiraten, ausgeschlossen sind nur die Tanten, die Omas und die Mütter. Manchmal jedoch endet es in einer Katastrophe, vor allem für die Kinder. Eines Tages bin ich mit einem Bus gefahren, wie immer in einem unglaublichen Gedränge. Neben mir saß eine junge Frau mit ihrer etwa 2-jährigen Tochter auf dem Schoss. Plötzlich hat mir das Kind sein Gesicht zugewandt, ich habe mich erschrocken – ich sah eine entsetzliche Hasenscharte, das Mädchen war noch zusätzlich behindert. Auch in der Familie meines Mannes gibt es zwei mittlerweile erwachsene Kinder, die blind sind und unter Epilepsie leiden. Die Eltern sind Cousin und Cousine ersten Grades. Es schreckt die Iraner nicht ab – sie sagen In Schallah – alles in Gottes Händen. Man macht zwar vor der Ehe einen Test, um zu überprüfen, ob die zukünftigen Eheleute genetisch übereinstimmen. Ein Beamter gibt eine Überweisung, man gibt das Urin und das Blut ins Labor, aber es gibt 1000 Tricks um die Ergebnisse zu fälschen, man nimmt das Urin von Bekannten etc. Außerdem, diesen Test  führt man auch durch, um eventuelle Drogen festzustellen.

Die junge Mahtab hat den gutaussehenden Ali Reza geheiratet, obwohl er einen Drogen-Problem hatte. Mahtabs Bruder hat Ali Opium rauchen gesehen und es ihr erzählt, doch sie war verliebt. Kurz nach der Hochzeit hat Ali öffentlich den Drogenkonsum (Opium und Heroin) gebeichtet und in einer Klinik eine Entzugskur gemacht. Danach hat er aber nur ein Monat ohne Drogen durchgehalten. Mahtab wurde schwanger. Ali Reza ging wieder in eine Entzugskur. Nach ein paar Monaten wurde es schlimmer, und da Ali schon seit geraumer Zeit nicht mehr gearbeitet hat, hat er Mahtab´s Schmuck geklaut und verkauft, um Geld für die Drogen zu beschaffen. Eine neue Entzugskur folgte. Die hat nicht gewirkt. Ali Reza ist nun zu Mahtabs Großmutter gegangen und hat ihr Geld und Schmuck gestohlen. Mahtab hatte endlich genug von Ali, hat die Polizei eingeschaltet, und hat sich von Ali getrennt. Ali landete im Gefängnis und ist da gestorben. Und das war Mahtabs Glück, da das Sorgerecht in Iran immer bei dem Mann liegt, aber so durfte sie den gemeinsamen Sohn behalten. Der zweite Mann von Mahtab war Fernfahrer und hatte schon drei Kinder (nach der Scheidung mit der ersten Frau sind die Kinder rechtmäßig bei ihm geblieben). Wegen verschiedenen Machenschaften landete er im Gefängnis und Mahtab ließ sich scheiden. Als ich vor einem Jahr in Iran wahr, war Mahtab wieder glücklich. Sie hatte einen Freund, kurz danach jedoch hat sich  Mahtabs Freund von ihr getrennt. Mahtab muss für sich und ihren 8-jährigen Sohn sorgen – sie arbeitet in einer Nachtschicht in der Fabrik. Die Familie hilft ihr finanziell, aber es ist schwer, ohne einen Mann, in Iran.

irandawniej2Ich habe auch Kinder gesehen, die Blumen auf den Straßen oder Stifte in der U-Bahn verkaufen. Und die Menschen kaufen die Blumen und die Stifte gerne ab, oft obwohl sie die nicht brauchen, Barmherzigkeit ist einer der Gesetzen im Islam. Die Kinderarmut ist in Iran durch eine Art bedingungslosen Grundeinkommens gemildert. Jeder Bürger, egal ob Kind oder Erwachsener, bekommt monatlich von der Regierung eine bestimmte Summe Geld. Es ist nicht viel, aber es reicht um jeden Tag für eine Person Brot, Käse und etwas Gemüse zu kaufen.

Die Männer in Iran dürfen mehrere Frauen haben.

Foteme und Anis sind Saids Frauen. Foteme hat eine wesentlich höhere Stellung, da sie die erste Frau ist und Said einen Sohn geschenkt hat. Sie ist auch diejenige, die ein Handy besitzt – wenn das Telefon klingelt, erklingt die melodische Stimme eines Muezzins. Anis schielt neidisch in die Richtung des Handys, denn sie besitzt keins. Sie ist noch mehr neidisch, da sie mit Said kein Kind hat.

Die Situation einer Frau, die keine Kinder zur Welt bringen kann, ist nicht beneidenswert. Es kann der Grund einer Scheidung werden. Der Mann muss nur zu der Frau kommen und drei Mal das Wort: Tallok, Tallok, Tallok aussprechen, um die Frau zu verstoßen. Meistens dauert jedoch eine Ehe in Iran das ganze Leben an.

Die Küche ist der wichtigste Raum in einer persischen Haushalt, und der Kühlschrank das wichtigste Möbelstück. Oft ist er riesig, noch mit der Schutzfolie an den Griffen, in welche er in der Fabrik verpackt wurde, um ihn von den Gebrauchspuren zu schützen (die Schutzfolie wird übrigens nie abgenommen, egal ob von Stühlen, Sitzen in Autos, Handys oder Haushaltsgeräten, obwohl die Geräte manchmal schon 20 Jahre alt sind und die Folie total zerfetzt ist – aus Sparsamkeit – die Perser sind die Schotten des Orients).

irandawniej3-dubletMindesten zwei Mal am Tag sammelt sich die Familie um gemeinsam zu essen. Wenn ich an eine iranische Familie denke, habe ich immer vor Augen die Erdmännchen. Sie sind immer in der Gruppe, immer zusammen, immer am kommunizieren oder kuscheln. Alleine werden sie krank, oder sterben! Genauso ist es mit den Iraner.

Die Familien sind sehr groß, oft leben viele Generationen zusammen, Altersheime sind da nicht bekannt, man findet in Iran Halt in der Familie. Wenn es einen Ehestreit gibt, werden von anderen Mitglieder der Familie Mediationen durchgeführt. Auch wenn einer arbeitslos ist, lassen sie die familiären Connections spielen. Sie lassen einen an Einsamkeit nicht sterben.

Und nächste Woche – Aus den Erzählungen meiner Schwiegermutter – Das glückliche Leben von Agha Said!

Mężczyzna. Der Mann.

zieloni2004. Plakat wyborczy Partii Zielonych / Wahlposter der Grünen (Liebe ist Liebe. In die EU, damit sich etwas ändert)

Lidia Głuchowska

Mężczyzna. Zmiany obrazu

„Nikt nie rodzi się jako kobieta”, to stwierdzenie Simone de Beauvoir analizuje się często w odniesieniu do polskiej sztuki współczesnej także w związku z opresyjnymi, konotowanymi kulturowo i politycznie konstrukcjami męskości. Działania i strategie społeczno-kulturalnej interakcji obnażają „niebezpieczne związki sztuki z ciałem”, by przywołać tytuł książki Izabeli Kowalczyk (…). Demaskacja ta dokonuje się poprzez przeniesienie w nowy, nietypowy kontekst określonych gestów, póz, sformułowań i reguł etykiety. Dekontekstualizacja wywołuje efekt obcości, choćby w takich pracach jak Archiwum gestów Zofii Kulik, Krzesło 2 (2000) Katarzyny Kozyry czy Kompania Reprezentacyjna Wojska Polskiego (2000) Artura Żmijewskiego, w którym artysta zestawia schematycznie upozowane umundurowane i nagie ciała.

Nagi człowiek jest bezbronny. Jak komentuje Artur Żmijewski w wywiadzie z Izabelą Kowalczyk, mężczyźni też są słabi: „(…) My słabi eksponujemy nasze różowe pupy i (…) zaświadczamy nimi o własnej miękkości, o własnej słabości. Nasze pośladki i nasze majtające się fiutki, są ambasadorami naszej delikatności”. Artyści wskazują więc na to, iż poza mówcy, mężczyzny w garniturze bądź w mundurze oddziałuje często jak konwencjonalna zbroja, oddzielająca sferę prywatną od intymnej.

Interesujące jest, iż to samo w odniesieniu do pozornie równouprawnionych społecznie kobiet udokumentowała w sztuce polskiej już przed laty choćby Ewa Partum w pracy Autoidentyfikacja (1980), w której na zdjęciu sceny ulicznej naprzeciw siebie pokazane zostały: kierująca ruchem policjantka w mundurze i naga kobieta w szpilkach.

Przemoc, którą instytucje totalitarne bądź działające na zasadzie surowego rygoru i hierarchii – takie jak armia, szkoła czy szpital – wywierają na sferę prywatną jednostki, ukazana tu zostaje jako oczywistość. Ponadto krytycznej analizie poddana zostaje także natura prywatnych związków heteroseksualnych. Ich charakter demaskuje np. Dorota Nieznalska w pracy Bez tytułu (1999), ukazując problem rodzinnej, nierzadko psychicznej przemocy mężczyzny nad partnerką, która w omawianym dziele utożsamiona i traktowana jest jak pies.

Cały tekst po polsku
z ilustracjami i przypisami w czasopiśmie Pro Libris 2009

Der Mann. Änderungen der Abbildung.

„Niemand wird als Frau geboren“. Diese Feststellung von Simone de Beauvoir wird in der polnischen gegenwärtigen Kunst auch in Bezug auf oppressive, kulturell und politisch bedingte Konstruktionen von Männlichkeit analysiert. Solche Verfahren und Strategien der interaktiven sozial-künstlerischen Koexistenz entblößen die „gefährlichen Beziehungen der Kunst und des Leibes“ (…). Dies geschieht, indem bestimmte Verhaltensmuster, Gesten, Posen und verbale Zeichen des traditionellen maskulinen Codes in neue Kontexte gesetzt werden. Häufig erzeugt dies einen Aufmerksamkeit erregenden Verfremdungseffekt, wie z. B. in den Werken Archiwum gestów von Zofia Kulik (Archiv der Geste, 1987-1991), Krzesło 2 (Der Stuhl 2, 2000) von Katarzyna Kozyra und Kompania Reprezentacyjna Wojska Polskiego (Die Repräsentationskompanie der Polnischen Armee, 2000) von Artur Żmijewski, in dem wirklich oder metaphorisch uniformierte und nackte Körper zusammengestellt sind.

Nackt ist der Mensch wehrlos: „Wir, die Schwachen, Männer, stellen unseren rosa Po zur Schau und verwenden ihn als unseren Stempel. Damit bezeugen wir unsere Weichheit und Schwäche. Unsere Hinterbacken und unsere schwingenden Schwänzchen sind Botschafter unserer Zartheit“, kommentiert der Künstler Artur Żmijewski selbst. Die Pose des Redners, der Anzug oder die Uniform erscheinen dadurch als eine Art konventionelle Rüstung, welche die Sphären des offiziellen und des privaten Männerbildes voneinander trennt.

Interessanterweise dokumentierte die polnische Kunst Offenbarungen solcher Art in Bezug auf die angeblich sozial gleichgesetzte Frau bereits von vielenJahren, so z. B. in der Autoidentyfikacja (Selbstidentifikation, 1980) von Ewa Partum, wo auf einem mitten auf der Straße aufgenommenen Foto einer uniformierten Polizistin eine nackte Frau in Pumps gegenübergestellt wird.

Die Gewalt, die besonders in den totalitären Institutionen – wie etwa Armee, Schule oder Krankenhaus – auf die Privatsphäre ausgeübt wird, erscheint somit als offensichtlich. Doch auch die Natur privater heterosexueller Beziehungen wird in der Kunst der kritischen Analyse unterzogen. So entblößt z. B. Dorota Nieznalska in ihrem Werk Bez tytułu (Ohne Titel, 1999) die familiäre, nicht selten auch psychische Gewalt des Mannes über seine Partnerin, die hier, wie auch in vielen anderen Werken, als Hündin bezeichnet und behandelt wird.

Der ganze Text auf Deutsch mit Fußnoten und Abbildungen: Endfassung_Gluchowska_autoris

Der brennende Dornbusch / Krzew gorejący

Stanisław Kubicki 

Der brennende Dornbusch.
Die Berufung
Krzew gorejący.
Wezwanie
Wer rief?
Um mich die brennende Wüste
der gelbe sengende Sand
ein strahlendes Meer
ohne Küste
endlos gewelltes Land – –
Kto wzywał?
Wokół płonąca pustynia
piach spalony od słońca
oślepiające morze
bez wybrzeży
grzbiety wydm bez końca – –
Und doch ist als riefe wer
in diesen unendlichen Stillen!
als schrie’ es in meinem Herzen,
so daß ich wider willen
vergaß den Palmenhain
und das schattige kühle Zelt,
und eilte in diese Welt
und horchte hier
im öden Revier
weiß nicht, auf wessen Stimme. .
A przecież jakby ktoś wzywał
w tej bez kresu ciszy!
jakby w sercu mym wołał,
i choć nie chcę słyszę
zapomniałem o palmach,
o cienistym namiotów chłodzie,
tak w świat uchodzić mi pora
gdy słucham nikt nie odpowie
poprzez jałowe pustkowie
i nie wiem czyjżeż to głos. .
Tönen die Schmerzen
und dieses ferne Rufen
aus meinem eigenen Herzen?
Hat meine Seele solche Wüsten und Winde
und tödlichen Durst?
Ich hör in mir einen Widerhall
jetzt sehnend wie Schrei in Lebensnot
jetzt sanft und gelinde,
als weinte das All
um einen jungen allzufrühen Tod!
A może mój to ból
i moja rozterka
co z mego płynie serca?
W duszy padół pusty
wysączony suchymi usty?
A we mnie jakby echo grało
ongiś krzyk w ostatniej potrzebie
dziś łagodny bez grozy odwiecznej,
jest jakby wszechświat łkał
z powodu śmierci przedwczesnej!
Denn:
hier muß ich vergessen und lassen hinter mir
all meine jungen Tage
und meine Liebe
und Haus
und Tier . . .
Die stillen sanften Herden –
alles muß so vergessen werden,
daß nicht einmal die stillste Frage
– zaghaft und sacht –
“Wo” und “Warum”
in mir erwacht – – –
Bo:
zapomnieć mi trzeba zostawić
dni młodości
i miłość
i dom
i zwierzę . . .
i spokojne łagodne stada –
wszystko w niepamięć zapada,
nie obudzi
bo nie ma we mnie
nawet pytania
– nieśmiało wyjąkanego –
“gdzie” czy “dlaczego” – – –
O!
Meines Weibes stilles Weinen
seinen schmerzlichen Widerhall
darf ich nicht hören,
er könnt mich betören,
und reißt mir doch das Herz
entzwei – – –
O!
Cichy płacz mej kobiety
bolesnym powraca echem
już nie mnie go słuchać,
bo wszak może oszukać,
a rozdziera mi serce
na pół – – –
In meinen Ohren
ist nur noch dieser Schrei,
von dem ich nicht weiß:
kommt er von ferne
oder ist er in mir geboren?
W mych uszach daremnie
tylko ów krzyk,
i nawet nie wiem:
nadbiegł-że z daleka
czy zrodził się we mnie?
MojzeszOlej
O! ewige Qual!
denn ich bin wie ein Dornbusch, der brennt,
und werde doch nicht verzehrt,
denn mein Herz es lodert und glüht
und bleibt doch unversehrt! – – –
O! Bólu odwieczny!
I jestem jak gorejący krzew
nie zgorzeję jednak do trzew,
serce me żarzy się i płonie
a nie tknięte trwa! – – –
Und
durch dieses schmerzliche Tal
durch der Zeiten Endlosigkeit
durch diese Wüste,
die so öd’ und breit
über allem liegt auf Erden,
muß ein Weg gefunden werden . . .
Patrz
poprzez dolinę łez
przez nieskończony czasów zew
przez pustynię,
szeroką, daleką
jak ziemia bezkresna,
droga mnie wiedzie bolesna . . .
Und meine Seele,
in der es weint,
in der es ruft und spricht . . .
ich kenne sie nicht:
sie ist vielleicht wie die Welt
und voller Widerhall,
darinnen Durst und Hunger bellt
wie nachts Hyäne und Schakal . .
I dusza moja,
w której łkanie tkwi,
w której coś woła i mówi . . .
nie znam jej:
lecz wiem, pełna jest ech
po dech ostatni, po brzeg,
pragnienie i głód tu szczekają
jak hieny wtórują szakalom. .
Es gibt wohl stille Oasen
irgendwo
mit Palmen und kühlendem Quell,
da schöne Herden grasen
beschützt von der Hunde Gebell – –
Wiem są tu oazy ciche
gdzieś tu są wśród drzew
chłodne źródła, gdzie
stada się piękne pasą
co psi ich strzeże zew – –
Doch die sind klein
und vergessen –
es ist, als dürft’ es nicht sein,
als wär’ es frech
und vermessen,
hier vor Gottes Zorn
vor giftigen Winden
und Tod
vor zehrendem Hunger
vor des Durstes Not
zu hüten einen Born,
da heimlich und stille
vor der Wüsten Zorn
eine schattige Fülle
mit grünenden Ernten
und sanften Tieren
und einfachem Glück
vor der Qual der Welt
und der Not der Menschen
sich zog zurück . . .
Małe są
zapomniane –
tak jakby być nie mogły,
jakby to chytre było
i na wyrost,
tu się chronić, gdy tam
Boży gniew, wichru jad
i zgon,
głód nienażarty
i pragnienia grad
tu się chronić przy źródle,
szyto kryto ukradkiem
przed gniewem pustyni
w cienistej obfitości
w plonów zieleni
gdzie zwierz łagodny
a szczęście proste
przed bólem świata
i ludzką nędzą
się schronić tak . . .
Herr!
Wer machte mich zu diesem qualvoll brennenden Strauch
zu diesem Gewirre
aus Holz und Flammen,
das da ächzt unter Qualm und Rauch
und kann nicht in Asche fallen zusammen?
Herr!
ich fürchte mein Weg geht irre! . . .
Panie!
Któż uczynił ze mnie ten krzew gorejący
ten żmut
korzenia, dymu, płomienia,
ten jęk w oparach dymu
co się spopielić nie może?
Panie!
boję się, że się zbłąkam! . . .
Von meiner Brüder engen rauchigen Hütten
von ihrer Not und ihrem Weh’
bin ich so weit und fort geschritten
daß ich sie nicht mehr seh’ – – –
Daleko odszedłem precz
od biednych sadyb brata
mego w bólu daleko
jego biedy i męki nie moja już rzecz– – –
Herr!
und ich muß noch sagen
ein böses schmerzendes Wort:
nicht nur, von seinen Plagen
auch von meines Bruders Liebe
ging ich fort!
aus seinem ärmlichen Leben
aus seiner engen Welt
und seinem kleinen Streben,
in die du mich gestellt,
ging ich schon lange einen fernen Weg
einsam
weinend
ein verlachter Tor,
der stumm und dumm
das Beste verlor – – –
Panie!
pozwól, że jeszcze jedno
słowo powiem, tak złe,
bom nie tylko plagi jego porzucił
lecz i braterską miłość jego
i poszedłem, precz!
Obróciłem się od jego biedy
i ciasnego świata
małych potrzeb,
które i mnie przeznaczyłeś,
lecz ja dawno odszedłem daleko
sam
płacząc
wyśmiewany szaleniec,
błędny i zbędny
pogubiwszy to co najlepsze – – –
Denn:
ich liebe sie nicht,
die ich lieben wollte.
Bo wszak:
Nie kocham tych,
których kochać chciałem.
Und doch:
ich weiß um der Liebe Glanz
über allem irdischen Leben, –
ich weiß um den milden Strahlenkranz,
den sie um uns kann weben,
daß sie der helle Weg zum Paradies.
A jednak:
Wiem co miłości blask
na tym ziemskim padole, –
wiem jaki wieniec łask,
nam położy na czole,
i wiem, że drogą jest jasną do raju.
Ich weiß auch dies:
und hab’ es gefunden
in den stillsten Stunden,
wenn man die Arme um alles, was ist,
ausbreiten mag:
um Mensch und Tier und Pflanze und Stein,
um Jahr und Mond und Tag,
daß man nur dann kann glücklich sein,
wenn man sich selber verloren:
es zittert das Herz
und Lust ist wie Schmerz
und wir sind wie Kinder und Toren!
I to też wiem:
bo znalazłem ten jasny kwiat
w godzinie najgłębszej ciszy,
gdy człowiek wziąłby w ramiona,
cały swój świat:
człeka i zwierzę, roślinę i kamień,
na rok, na miesiąc lub dzień,
wiem, żem tylko szczęśliwy,
gdy się zapomnę:
gdy serce w radości i bólu
drży siebie niepomne,
a my jak dzieci i głupcy!
Und schau’ ich in solchen Stunden
meinem Bruder ins Angesicht,
dann ist mir der Glanz erloschen
und das Glück mit verschwunden – – –
A spojrzałbym w tę godzinę
w twarz brata mego,
na zawsze zniknął by blask
szczęścia słodkiego – – –
Und ich höre, wie mein Bruder spricht:
von seines armen Alltags Sorgen
von seiner tägliche Fron
von Weib
und Sohn
und daß er morgen
den Zins muß zahlen – und nicht kann.
I słyszę jak brat mój woła:
to troski mego powszedniego dnia
to znój mój w pocie czoła
to kobieta moja
i syn
a jutro
poradlne mi płacić – lecz jak.
Den Reichtum aber und himmlischen Glanz
den schaut er nicht an
und lacht
und spottet ob solcher inneren Pracht.
Nie spojrzy w oblicze niebios
w jego blask i obfitości zdrój
naigrywa się
i drwi ze mnie brat mój.
O! Herr!
ich weiß:
ich sollte lieben seine ganze Jämmerlichkeit
und seine Armut
und seinen Schmutz
sein armes tägliches Leid.
O! Panie!
wiem:
kochać mi trzeba jego biedną małość
jego mizerię
i brud
i znojny codzienny trud.
Doch schau ich ihn an
und seinen Tag
und sein Gebet,
kommt Mitleid mich an
und ich mag
ihn nicht sehn, wie er da steht
kurzsichtig eifrig
weinerlich und voller Klage
um seine kargen Tage . . .
Lecz gdy myślę
że to jego dzień
i to modlitwa jego,
choć litość mnie ogarnia
nie chcę widzieć wcale
tej pokory stania
ni krzątania ślepego
ani słyszeć jak jęczy
i skargi woła, i żale . . .
Dann ängstet mich die Frage:
warum ist die L I E B E so schwer –
so voller Qual?
Es geschiehet mir,
daß ich einem Tier
– einer garstigen Spinne –
eher meine Minne
meine volle Seele mag geben,
das Geschöpf an meinen Busen zu heben,
als diesem deinem Ebenbild – – –
Lecz pojawi się w tym pytaniu udręka:
czy M I Ł O Ś Ć musi być tak ciężka
i czy w niej jeno troska i męka?
Jakbym mą duszę oddał
nie tej, którą kocham
na podobieństwo Twe stworzoną
– lecz podłym zwierzom jakimś –
pająkom, pluskwom,
skorpionom – – –
Herr!
warum ist die L I E B E so schwer
und voller Qual?
woher die Not,
daß Mitleid wird der Liebe Tod? – – –
Panie!
czy M I Ł O Ś Ć musi być tak ciężka
i czy w niej jeno troska i męka?
skąd ta udręka,
i dlaczego litość śmierć miłości znaczy? – – –
Das Schlimmste aber ist mir mein Herz,
meine feige und gesunde Seele,
die alles schaut und um jeden Schmerz
zittert und schluchzt . . .
wie ich ihr befehle.
Bo serce me to najgorsza męka,
i moja zdrowa dusza tchórza,
co najmniejszego bólu się lęka
i płacze i jęczy . . .
tak jak jej każę.
Wer machte mich zu diesem qualvoll brennenden Strauch
zu diesem Gewirr
aus Holz und Flammen,
das da ächzt unter Qualm und Rauch
und kann nicht in Asche fallen zusammen?
Któż uczynił ze mnie ten krzew gorejący
ten żmut
korzenia, dymu i płomienia,
ten jęk w oparach dymu
co się spopielić nie może?
Denn ich bin wie ein Dornbusch, der brennt,
und wird doch nicht verzehrt,
mein Herz es schreit
und am End’
bleibt es doch unversehrt! . . .
I jestem jak gorejący krzew
nie zgorzeję jednak do trzew,
serce me żarzy się i płonie
lecz przecież
nie tknięte trwa! – – –
21.III.34 Tłumaczyła Ewa Maria Slaska, Berlin, marzec 2013

No ruz

Drogie Czytelniczki & drodzy Czytelnicy. Wiosna nie przyszła, i za Koszałkiem Opałkiem stwierdzamy, że w ogóle nie przyjdzie, ale mimo to składamy Wam życzenia ciepłych i pogodnych świąt Bożego Narodzenia! No oczywiście – Wielkiej Nocy. Ah, whatever…

Liebe LeserInnen – Alles Gute zu Weihnachten, o, pardon, zum Ostern!

Persische Gattin

NO RUZ – persisches Neues Jahr

Wie bei uns Ostern

No Ruz ist das wichtigste persische Fest. Es  hat mit unserem Silvester und Neujahr-Feierlichkeiten nicht viel gemeinsam, vielmehr erinnert es an Ostern. Vielleicht aus dem Grund, dass es auch in Frühling gefeiert wird.

Schon Wochen vor No Ruz, an dem Tag, an welchen der Schnee geschmolzen ist, wird Korsi abgebaut. Korsi ist eine Art Feuerstelle. In einem eisernem Behälter brennen Holzkohlen, drüber stellt man einen niedrigen Tisch. Auf den Tisch legt man einen riesigen Teppich, etwa 4 Meter mal vier Meter groß. Früher war das die einzige Wärmequelle in dem ganzen Haus. Mein Mann erzählt, dass er sich auf Korsi immer sehr gefreut hat. Nach der Schule rannte er, so schnell, wie er nur konnte, und das erste, was er, zu Hause angekommen, gemacht hat, war unter das Teppich zu schlüpfen. Im Haus betrug die Temperatur etwa 10 Grad, unter dem Teppich, dank Korsi, war es mollig warm. Aber vor No Ruz muss Korsi abgebaut werden, egal wie das Wetter spielt. Gleich im Anschluss wird Hune Tekuni gemacht. Hune Tekuni bedeutet – das Haus durchschütteln. Die Frau trägt alle Möbel nach draußen, die werden im Hof gründlich gewaschen, im Haus werden Fenster geputzt, Fußboden geschrubbt, wie in Polen vor Ostern, erst dann dürfen die sauberen Möbel wieder rein. Meine Schwiegermutter hat sich auf diese Weise Rheuma geholt, weil sie die Möbel und Hausgegenstände draußen bei den Temperaturen um den Gefrierpunkt, mit kaltem Wasser gewaschen und geputzt hat. Aber es ist eine der wichtigsten Traditionen in Iran und, unbeachtet der Verluste, muss sie durchgeführt werden.

Am meisten freuen sich die Kinder 1

Immer am Mittwoch vor dem Tag an welchem No Ruz gefeiert wird, werden Feuerwerks veranstaltet  und Feuer angezündet. Anders als in Deutschland, wo meistens ein großes Osterfeuer brennt, zünden die Iraner kleinere Feuer an, um drüber springen zu können –  diese Tradition ist auch in Polen bekannt (obwohl zu anderen Zeitpunkt). Auf diese Weise wollen die jungen Männer ihren Mut beweisen, und sich Gesundheit und das Wohl erkaufen, denn bei jedem Sprung wiederholt man eine magische Formel: Sardije man az to, Sorhije tora be Mane. Das Gelbe soll mit Dir (mit dem Feuer) verschwinden, das Rote zu mir kommen. Das  Gelb  symbolisiert in diesem Fall, das, was verwelkt, ungesund oder alt ist, und das Rote – das Neue, Vitale, Gesunde.

Festliches Essen

Zum No Ruz gehört auch Adschile Moszkel bosza – ein Teller mit Kernen und Nüssen –  man soll die mit Bedacht kauen und bei dieser ruhigen Tätigkeit, über die eigenen Probleme nachdenken bis man eine Lösung findet. Zu den bekanntesten persischen No Ruz Traditionen gehört auch Sabsi – Grünzeug – man tut auf flache Teller Wasser, schüttelt die Samen von Sabsi darauf und bedeckt sie mit einem Küchentuch. In zwei Tagen nimmt man das Tuch ab. Nun wächst Sabsi. Die Teller stellt man auf den Festtisch, sie sollen das neue Leben und den Neuanfang symbolisieren. Auch das kennen wir aus Polen – bei uns wächst die Kresse. Früher hat man große Wasserkannen mit Jute umwickelt, und da die Samen eingepflanzt, im Effekt sind grüne Wasserkannen entstanden, die wie lebende, wachsende und sich ständig ändernde Kunstwerke ausgesehen haben.

Sofre - Tischdecke auf dem Teppich ausgebreitetAm Tag des No Ruz Festes legt man eine festliche Decke auf den Tisch, oder breitet man sie auf dem Teppich aus. Darauf müssen  die Haft Sin – die sieben Sachen, die mit S anfangen, stehen (ähnlich wie bei Weihnachten in Polen- auf den Tisch müssen die vorgeschriebenen 12 Speisen). Es sind: Sabsi -Grünzeug, Sir – Knoblauch, Seke – Goldstück, Samanu – gemahlenes Getreide, Serkhe – Essig,  Sendschet – eine Art Maulbeeren, Sib – Äpfel. Ansonsten werden Lammfleisch, Reis und Tomaten gegessen. Viele Iraner glauben an Vorhersagen – auf die festliche Decke legt man einen Spiegel und auf den Spiegel ein Ei. Aus den Bewegungen des Eis kann man die Zukunft deuten.

No Ruz kommt um den 20 März, die Uhrzeit ist aber jedes Jahr unterschiedlich und wird durch die Position der Sonne und des Mondes zueinander bestimmt. Manchmal kommt der No Ruz tagsüber, manchmal nachts. Falls es nachts passiert, weckt man die Kinder und entweder schenkt man ihnen nagelneue Scheine, oder sie finden sie unter dem Kopfkissen. Vor dem No Ruz erleben die persischen Banken einen wahren Sturm, da die Erwachsenen die neuen, nicht geknickten und nicht abgenutzten Geldscheine massenweise holen.

Am meisten freuen sich die KinderAm ersten Tag des Neujahrs besuchen die jungen Familienmitglieder die Älteren. Es ähnelt einem Marathon, durchschnittlich statten an diesem Tag die jungen Iraner bis zu zehn Besuche ab. Obligatorisch werden Nüsse, Süßigkeiten und Tee serviert. Derjenige, der als Erstes eine Familie besucht, bringt mit sich Glück oder Unglück ins Haus. Falls jemand in der Familie stirbt, oder die Familie Geldprobleme bekommt, wird dessen, im Stillen natürlich, derjenige beschuldigt, der am No Ruz, als Erster zum Besuch war.

261px-HajjiFiruzDie Iraner haben auch eine Figur, die für No Ruz charakteristisch ist, wie wir den Hasen zum Ostern, oder den Weihnachtsmann zu Weihnachten. Die Figur heißt Hadsch Firuz und es ist ein Mann mit schwarzer Haut und rotem Gewand, wie früher die persischen Könige. Hadsch Firuz geht am No Ruz durch die Straßen und singt. Wenn die Iraner ihn kommen sehen, rennen sie nach draußen, und beschenken den Hadsch Firuz mit Geld. Interessant ist, dass den Titel “Hadsch” nur die Menschen tragen dürfen, die eine Pilgerreise nach Mekka absolviert haben. Für Firuz ist es jedoch nur ein Höflichkeitstitel.

An dem 13 Tag nach No Ruz darf man nicht zu Hause bleiben. Die Iraner glauben, dass es Unglück bringt und gehen picknicken. Die einzigen, die an diesem Tag arbeiten, sind die Diebe, denn sie genau wissen, dass an diesem Tag die Häuser leer stehen. Im Grünen kochen die Frauen Tee und bereiten Essen zu, die Männer spielen Karten. Es sieht etwa so aus, wie im Sommer in Berlin in dem Tiergarten, wenn die türkischen Familien, auf den Decken sitzend, die freien Nachmittage verbringen. Mit einem Unterschied – in Iran muss der Picknickplatz sich in der Nähe eines Baches mit fließendem Wasser befinden. Ein alter, persischer Brauch besagt, dass die jungen, unverheirateten Mädchen an diesem Tag Sabsi – grüne Pflanzen, miteinander zu einem Knoten gebunden, ins Bach werfen sollen, und sagen siszde bedar, soale digar, huneje schohar –  lass mich am dreizehnten Januar, nächstes Jahres, im Haus meines Ehemannes sein. Sie glauben der Wunsch nach einer Ehe wird auf diese Weise in Erfüllung gehen.

Nächste Woche ein Text über die iranische Ehe und Familienleben.

Reblog: Der Lippenstift meiner Mutter

Artur_BeckerArtur Becker

Der Lippenstift meiner Mutter

Verlag Weissbooks, Frankfurt/Main 2010

lippenstift

Masuren, Winter, polnische Provinz  in den 70ern.

Die Bloggerin bedankt sich bei Artur Becker, der ihr erlaubt hatte, hier ein Fragment seines Romans
zu präsentieren.


Kapitel I
Der Stepptanz und »Die Geliebte des französischen Leutnants«

Die sichelförmigen Absatzeisen, deren unermüdliches und unüberhörbares Klappern auf den Straßen von Dolina Róż erst in den langen und schneereichen Wintern fast gänzlich zum Verstummen kam, waren bei Herrn Lupicki, dem einzigen Schuster des Städtchens, der Verkaufsschlager. Damit würde Herr Lupicki zwar nie reich werden, und das wusste er, der seinen Beruf seit mehr als vierzig Jahren ausübte, wohl am besten, doch was sollte er machen. Alle Männer und Halbwüchsigen ließen bei ihm ihre Schuhe regelmäßig mit diesen hauchdünnen Absatzeisen veredeln. Sechs Nägel reichten, um die halbmondartigen und etwa sieben Zentimeter langen Eisen aufzuschlagen, und schon war selbst der letzte Armleuchter ein gemachter Mann. Keiner der Männer und heranwachsenden Jungen mochte auf das metallische Klappern auf den Bürgersteigen und Straßen – den hörbaren Beweis für die Männlichkeit oder Gerissenheit eines Kerls – verzichten. Ja, selbst die Pfarrer, die Milizionäre und Barteks Lehrer griffen zu diesem altbewährten Köder, der alte Weiber, widerspenstige Töchter und begehrenswerte Schülerinnen vom Gymnasium oder von der Nähschule davon überzeugen sollte, dass sie es nicht mit irgendwelchen Angsthasen und dahergelaufenen Hunden zu tun hätten, sondern vielmehr mit echten Helden, die zu jedem Schritt bereit seien − buchstäblich. Und den zahlreichen Mitbewerbern wurde signalisiert, sich warm anzuziehen, denn je lauter das metallische Klappern, dieser tägliche chaotische Stepptanz von Dolina Róż, war, desto wichtiger kamen sich die Träger der durch Herrn Lupicki persönlich aufgerüsteten Schuhe vor.
An diesem Stepptanz im Städtchen fand auch Bartek großen Gefallen, obwohl er erst fünfzehn Jahre alt war. Sein wichtigster Feind Schtschurek − die Ratte − ging sogar so weit, dass er sich selbst seine Turnschuhe mit Eisen, die er im Übrigen ständig verlor, beschlagen ließ. Doch jeder wusste, dass Schtschurek ein Idiot war und nur eines im Sinn hatte: solchen Muttersöhnchen, wie seiner Meinung nach Bartek eines war, bei passender Gelegenheit die Nase zu polieren. Schtschurek hasste Kinder, deren Mütter beliebte, hübsche und schwarzhaarige Lehrerinnen waren, da seine eigene Mutter, die an der Flasche hing, nicht einmal für knauserige Freier vom Lande ein Objekt der Begierde darstellte. Schtschureks Vater war zudem Totengräber, und man erzählte sich in der Werkstatt von Herrn Lupicki, dass der Totengräber Biurkowski ein mieser betrügerischer Grabhändler sei. Er würde nämlich die besten Liegeplätze des alten Friedhofs an der Luna für teures Geld an die Reichen verhökern, und die Armen hätten wieder einmal das Nachsehen und müssten ihre Angehörigen an den Randzonen bestatten, wo man noch hier und da alte Gräber mit Skelettresten und Schädeln aus deutschen Zeiten vermutete oder gar zu erkennen glaubte. Die von Efeu, Sträuchern und Gräsern überwucherten Gräber ähnelten riesigen Ameisenhaufen. Herr Lupicki sagte bloß: »Was ärgert ihr euch über dieses Stinktier Biurkowski! Ihr würdet an seiner Stelle genauso handeln! Der Gute will mit seiner Familie doch auch nur überleben!«
Jedenfalls versuchte Bartek, seinem größten Feind aus dem Weg zu gehen, nicht deshalb etwa, weil er dessen Arschtritte fürchtete. Nein, Schtschurek tat ihm sogar leid, zumal das Gesicht seines Erzfeinds tatsächlich der spitzen Schnauze einer ausgehungerten Ratte ähnelte. Diese Schnauze war der wahre Grund für Barteks Fluchten vor Schtschureks Verfolgungsjagden. Barteks Opa Monte Cassino väterlicherseits, der mit zwei Beinstümpfen im Rollstuhl saß, weil ihm im Krieg die Beine amputiert worden waren, und der in der Werkstatt von Herrn Lupicki als Aushilfe arbeitete, hatte nämlich seinen Enkel schon mehrmals gewarnt, Schtschurek nicht ins Gesicht zu sehen, vor allem nicht in seine Augen, denn das Böse sei eine Krankheit, die sich durch direkten Blickkontakt automatisch vermehren würde. Er wisse, wovon er spreche, so Opa Monte Cassino, er habe schließlich den Krieg an allen denkbaren Fronten mitgemacht – von Monte Cassino bis nach Afrika. Böse Augen seien stärker als die eines Normalsterblichen, mahnte er seinen Enkel, wenn dieser wieder einmal in die Fänge Schtschureks geraten war, und selbst Heilige zögen den Kürzeren, wenn sie von Angesicht zu Angesicht vor einem Bösewicht stünden.
Da Bartek nach der Schule so gut wie nie direkt nach Hause ging, wo ihn ohnehin niemand erwartete − außer seinem jüngeren Bruder Quecksilber vielleicht, der weinerlich und kränklich war, regelmäßig gläserne Fieberthermometer zerbiss und nach dem täglichen Schulunterricht meistens von Oma Olcia umsorgt wurde −, trieb er sich bis zum Abend auf den Straßen von Dolina Róż herum. Immer wieder suchte er die Werkstatt von Herrn Lupicki auf, um sich vor dem Regen oder einem Schneesturm zu verstecken oder, ganz einfach, um den neuesten Klatsch zu erfahren. Dann saß er stundenlang am Tresen, machte dort seine Hausaufgaben, hörte den Schustergesprächen und der eintönigen Musik zu, welche die Schuster mit ihren Hämmern und Feilen und Schleif- und Nähmaschinen erzeugten, oder er unterhielt sich mit der jungen Meryl Streep, von der er glaubte, sie wäre sein Mädchen, seine erste große Liebe! Er hatte im Kino Zryw den Film »Die Geliebte des französischen Leutnants« mit der Streep in einer Doppelhauptrolle gesehen, und seitdem war er wie ausgewechselt. Er begriff, dass er sich verliebt hatte, und obwohl seine Geliebte nur auf der Leinwand zu sehen war, beschloss er, der rothaarigen Meryl treu zu sein – bis er eines Tages eine echte Meryl treffen würde: eine aus Fleisch und Blut. Bartek machte sich da zwar keine allzu großen Hoffnungen, aber das Wichtigste war für ihn, dass er ein hübsches Mädchen liebte, das begehrenswerter war als die Schülerinnen vom Gymnasium oder von der Nähschule.
Zu Hause zu sitzen bedeutete für Bartek, dass er keine einzige ruhige Minute hatte, denn seine Eltern ließen ihn gern kleine Botengänge erledigen: »Bartek, renn schnell los und kauf bitte für den Papa eine Schachtel Zigaretten!« Oder: »Hol bitte für die Mama den neuen Schminkstift ab! Ich hab ihn bei Frau Żuławska unter dem Ladentisch gekauft!«, sagte Stasia gelegentlich, Barteks schwarzhaarige Mutter. Sie ist eine Hexe, eine ganz ausgebuffte Hexe, dachte er oft, mit ihren schwarzen Haaren fängt sie die Männer wie mit einem Kescher und stopft ihnen ihren schwarzen Schopf in den Mund, damit sie an ihrer Hexenschönheit ersticken.
Am schlimmsten war es jedoch am frühen Morgen oder am frühen Abend, wenn etwas Wichtiges fehlte, und es fehlte immer etwas Wichtiges: Zigaretten zum Beispiel. Warum kauft sich der Vater nie selbst Zigaretten?, fragte sich Bartek jedes Mal, wenn er wieder zum Kiosk gehen musste, um Popularne, Sporty oder Klubowe zu besorgen. Warum muss ich ständig seine Zigaretten kaufen? Und das Brot – entweder war es verschimmelt oder vertrocknet, und Bartek musste wieder los und einen Laib Brot, einen Liter Milch und ein Kilo Zucker und kostkę masła, ein Stück Butter, kaufen. Manchmal dachte er, seine Eltern hätten ihn lediglich deshalb gezeugt, um einen guten und gehorsamen Diener zu haben, den fleißigen Hermes. Sie saßen im Wohnzimmer auf dem Kanapee, sahen fern und erteilten ihm Befehle, während der Fernseher Neptun − eine alte polnische Schabracke, wie sich sein Vater Krzysiek auszudrücken pflegte − laut aufgedreht war, aber nur dann, wenn keine Konzerte mit klassischer Musik übertragen wurden. Chopin, Debussy und der Pianist Krystian Zimerman machten den Vater wahnsinnig, er fasste sich an den Kopf und schrie: »Bartek! Stell diesen fürchterlichen Krach aus! Diese Musik ist krank!«
Zum Glück stand der Fernseher auf vier dünnen Beinen, und zu Barteks Freude – Schadenfreude − war es ganz leicht, ihn im Vorbeigehen umzustoßen. Er landete immer auf dem Rücken, sodass der Bildschirm nie zu Bruch ging. Aber Stasia verteidigte ihren Sohn nicht, weil sie Angst vor ihrem Mann hatte, Angst vor seinen cholerischen Wutattacken, wenn sein Adamsapfel wieder einmal zu zittern begann, die Augäpfel sich mit roten Äderchen bedeckten, weshalb er von Sekunde zu Sekunde geistesabwesender und wutentbrannter wirkte. Diese Väter waren keine Freunde der Menschheit. Im ganzen Haus, auf jeder Etage des orange gestrichenen Wohnblocks im Plattenbauquartier, in dem Bartek mit seinen Eltern und seinem Bruder Quecksilber wohnte, waren sie anzutreffen, und einmal in der Woche zogen diese unberechenbaren Väter ihre von Herrn Lupicki gelochten Ledergürtel genüsslich aus der Hose, um ihre Söhne zu verprügeln. Ja, solche Weltmeister der cholerischen und alkoholgesteuerten Wutattacken bewohnten ganze Plattenbausiedlungen, und Bartek sorgte sich, eines Tages auch so ein unberechenbarer Weltmeister der Wut zu werden. Daher beschloss er für sich schon früh, nie Kinder zu zeugen. Manchmal fragte er seine Geliebte, der er fast jeden Tag einen neuen Namen gab: »Und, willst du mit mir Kinder haben?« − »Nein, mein Liebster! Du weißt doch, was sie ihren Kindern antun! Sie bilden sie zu Butlern aus und schicken sie jeden Sonntag in die Kirche zur Heiligen Messe, um ein reines Gewissen zu haben, oder sie lassen sie bei ihren alkoholischen Sexorgien in Ungewissheit taumeln, ob es da im benachbarten Wohnzimmer, aus dem seltsame Geräusche und Stimmen kommen, wirklich mit rechten Dingen zugeht…« − »Ach meine Liebe! Du musst jetzt schlafen gehen, ich habe noch etwas Wichtiges zu erledigen.« Und dann verschwand seine Meryl Streep, die so gut wie jeden Tag anders hieß und die noch nie jemand gesehen hatte, weshalb man Bartek für einen Angeber, Lügner und Träumer hielt, der steif und fest behauptete, Meryl Streep sei in ihn verliebt. Doch seine Eltern und auch der Schuster Lupicki und selbst Opa Monte Cassino sagten ihm: »Bartek! Du hast keine Freundin! Du sprichst mit Gespenstern! Und mit dir selbst!« Die Mutter Stasia machte sich Sorgen, und sie überlegte ernsthaft, ob sie ihren Sohn nun nicht doch einem Facharzt vorstellen sollte, einem Psychiater oder einem Psychologen aus Gdańsk oder Olsztyn; oder auch dem Mörder Baruch, der, nachdem er seine Strafe abgesessen hatte, ein Heiliger geworden war – nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis war er zum besten Kurpfuscher des Landkreises Dolina Róż avanciert: Mit flauschigen Pfoten von Kaninchen, die er züchtete und mit großem Appetit verspeiste, versuchte er, die Menschen zu heilen und die bösen Geister zu vertreiben, indem er die Stirn seines Patienten mit einer Kaninchenpfote massierte.
Der einzige, der Bartek glaubte und auch seine Meryl mehrmals gesehen hatte, war Norbert, der dreißigjährige Sohn von Herrn Lupicki.
Norbert hatte einen Buckel − und an der rechten Hand sechs Finger. Für diese Laune der Natur und auch dafür, dass er nicht imstande war, seinen erbsengroßen Wortschatz zu erweitern, stellte man ihm gelbe Papiere aus: »Gelbe Dokumente für die Ewigkeit des Universums…«, sagten kichernd die älteren Jungen, die nach der Heiligen Messe vor der St.-Johann-Kirche Zigaretten rauchten. Der geistig behinderte Sohn von Herrn Lupicki spielte in Dolina Róż den Narren, und er spielte diese Rolle gern, zumal er von den Bewohnern des Städtchens für seine Nummern immer wieder mit Beifall oder gar Geschenken (Pfannkuchen mit Heidelbeeren, einer Flasche Bier oder einer Zigarette) belohnt wurde.
Man kann nicht gerade sagen, dass Norbert, der anhänglich war wie ein herrenloser Hund, Barteks bester Freund war. Und da Bartek − wenn er nicht gerade in der Schusterwerkstatt die Zeit totschlug − die Abende am liebsten mit Marcin und seiner Musik, seinen Büchern und Geschichten über exotische Auslandsreisen teilte, musste er Norbert oft den Laufpass geben. Er konnte ihn zu Marcin nicht mitnehmen, den verlorenen Narren, da Marcin, der bald achtzehn werden sollte, als Aristokrat des Denkens und Handelns – diese Bezeichnung war seine eigene Erfindung − keine Launen der Natur tolerierte. Er zitierte pausenlos große Namen, so auch den Philosophen Nietzsche, den er übrigens ins Polnische übersetzte − in Nietzsches eigentliche Muttersprache, so Barteks Kumpel und Lehrmeister −, und manchmal sagte er in belehrendem Ton: »Bartek! Du weißt gar nicht, wozu der Mensch fähig ist! Der Bucklige beleidigt nicht das Antlitz Gottes, sondern vielmehr das unserer menschlichen Spezies. Ich würde ihn in einem Käfig halten wie ein wildes Tier!«
Im Grunde genommen war Marcin in Dolina Róż nur ein Gast, ein Astronaut, der seit Jahren seine baldige Rückkehr ins Paradies, in das Gelobte Land plante. Er sagte, er wandere nach dem Abitur sofort in die USA aus und er bereitete sich auf diese große Ausreise jeden Tag vor, nicht nur, indem er intensiv Englisch lernte, nein, er versuchte auch, ein vorbildlicher Antikommunist zu sein. In der Tat war er in seiner politisch konsequenten Haltung eines Unangepassten und Aufwieglers nicht zu übertreffen, doch Bartek hatte dafür eine Erklärung: Nur der Sohn eines hohen Parteibonzen durfte ungestraft in seinem eigenen Rhythmus trommeln und protestieren und die Kommunisten für alle Misserfolge und die bitteren Niederlagen der Meinungsfreiheit in den Tageszeitungen aus Olsztyn oder Warschau verantwortlich machen; sein Papa würde ihn so und so immer in Schutz nehmen, und Marcin konnte damit nicht von der Schule verwiesen werden, obwohl er schon so oft die Lehrer und die Partei beleidigt hatte, meist im Gemeinschaftskunde- oder Polnischunterricht, wenn die Lehrer Gedichte über die Revolution von 1905 und 1917 vortrugen.
Marcin wohnte im einzigen von Reklamen und grellen Farben erleuchteten Wolkenkratzer des Städtchens – einem Wolkenkratzeraspirant, wie diese Mietskaserne im Jargon der Bewohner von Dolina Róż hieß. Dabei handelte es sich bei dem buntscheckigen Gebäude um einen ganz gewöhnlichen Wohnblock aus Betonplatten, der vier Eingänge und Stockwerke hatte. Da aber der Wolkenkratzeraspirant auf einem gewaltigen Sockel thronte, ragte er hoch in den Himmel wie der Turm der St.-Johann-Kirche. Im Sockel befand sich ein Restaurant mit der berüchtigten Dancing-Bar Piracka, in dem Barteks Tanten Hania und Agata, die zwei schwarzhaarigen Schwestern seiner Mutter Stasia, von Zeit zu Zeit für ungeheure Skandale sorgten: klassische Liebesszenen auf dem Billardtisch oder unangekündigte Verlobungs- und Hochzeitsfeiern. Einmal machte Barteks Oma Olcia, die in der Kopernikusstraße wohnte, vor dem Eingang des Piracka eine Verschnaufpause, weil sie unter mörderischem Bluthochdruck litt und ihr die Einkäufe vom Wochenmarkt zu schwer geworden waren – vor allem die Gans, die noch lebte und in einem Korb aus Todesangst ununterbrochen schnatterte. Und da das Piracka wegen einer Feier wirklich aus allen Nähten platzte, fragte Oma Olcia den nächstbesten Passanten, wer denn in diesem vom Teufel besessenen Schuppen feierte: »Das wissen Sie nicht, Pani Olcia?«, antwortete der junge Mensch. »Ihre Tochter Agata hat den Versicherungsbetrüger geheiratet, diesen Russischpolen! Jetzt saufen sie und tanzen sie!«
Mit anderen Worten: Marcin, der Aristokrat des Denkens und Handelns, lebte im Zentrum von Dolina Róż wie mitten im verruchten Warschau. Und wenn man zum Beispiel in der Silvesternacht auf dem Dach des Wolkenkratzeraspiranten stand − was eigentlich verboten war −, blickte man als Erstes auf die alten Wallanlagen, die einst die Altstadt vor den Angriffen der Pruzzen und anderer heidnischer Barbaren beschützten. Dann wanderte der Blick unweigerlich zum mittelalterlichen Kreuzrittertor mit der schwarzen, im Winter meist verschneiten und vereisten Uhr, auf der weiße Ziffern leuchteten. Im nächsten Moment schaute man auch noch auf den gigantischen Defilierplatz und das Kino Zryw, und vor allem flog man zu der Hanka-Sawicka-Straße und ruhte wieder eine Weile auf dem mittelalterlichen Tor mit der schwarz-weißen Turmuhr, von Bartek auch liebevoll Big Ben genannt, um schließlich bei den kleinen Läden und Arztpraxen und Ämtern der Hanka-Sawicka-Gasse zu verweilen: Dort auch lag die Werkstatt von Herrn Lupicki.

Der ehrenvollste und den Schustern immer willkommene Gast − zugegeben, ein seltener Gast − war Mariola, Herrn Lupickis Tochter, die junge, fünfundzwanzigjährige Krankenschwester, in die selbst der Aristokrat des Denkens und Handelns verliebt war. Jedes Mal wenn sie, stets leichtfüßig wie aus dem Nichts, die Schusterwerkstatt betrat, brachte ihr Halbbruder Norbert seine Ministrantenglocken zum Läuten, die er immer bei sich trug und die meist in einer ledernen Umhängetasche steckten. Mariolas Halbbruder kramte die Ministrantenglocken nur in Momenten hervor, wenn er seine Freude bekunden wollte. Allerdings verursachte er dann einen riesigen Lärm, und da er vor allem von seinem Vater für das debile Läuten, wie sich Herr Lupicki auszudrücken pflegte, ordentlich Schelte bekam, verwandelte sich die unbändige Freude in Sekundenschnelle in Wut und Trauer. Norbert zerrte im nächsten Augenblick hastig aus seiner Soldatenumhängetasche die aus sechs fetten Lederriemen geflochtene Geißel hervor, schlug sich damit auf den Rücken und wiederholte den einzigen Satz, den er in grammatikalisch korrektem Polnisch sagen konnte: »Norbert hat eine böse Strafe verdient! Norbert hat eine böse Strafe verdient! Norbert zasłużył na tę straszną karę!«

http://de.wikipedia.org/wiki/Artur_Becker_%28Schriftsteller%29
http://pl.wikipedia.org/wiki/Artur_Becker

Staub. Die Erbse. Alles blüht.

Agnieszka Dębska

Staub

Ich lag halb auf dem Sofa und las ein Buch. Hin und wieder nippte ich an meinem Weißwein. Es war ein schöner Tag, aber das Buch stimme mich traurig. Vielleicht als Resultat davon, fing mein Inneres an zu knurren. Es machte schon immer laute Geräusche, ganze Welten lebten darin. Singende Sägen, ein klappernder Storch, knarrende Dielen, so etwas eben.

Diesmal war es anders. In mir explodierten Bomben. Ich hörte, wie sie einschlugen. Nicht das Pfeifen, bevor sie den Boden berührten, es war die Explosion, die Wucht der umher fliegenden Partikel. Ich hatte nie Bomben fallen gehört, außer in Fernsehen, doch das Geräusch war eindeutig. Langsam verhallte es. Dann kamen die Maschinengewehre; sie schossen kurze Salven ab, abgehackt und unerbittlich. Eine weitere Bombe fiel, Gebäude stürzten zusammen. Ich sah, wie jemand gebückt über den Platz lief, schemenhaft zu erkennen inmitten der Wolken aufgewirbelten Staubs. An der Oberfläche, wo die Sonne auf die feinen Partikel traf, leuchtete er kupferfarben, fast golden, wie ein Heiligenschein für diese unheilige Stätte. Irgendwann kamen die Schüsse nur noch vereinzelt. Nach einiger Zeit schließlich legte sich der Staub und ich erhob mich vom Sofa. Es war der 15. Mai 2012 und der Krieg verlangte nach Nahrung.

Die Erbse

Ich saß in der Bahn und schaute allen Menschen ins Gesicht. Es waren nicht viele, es war Dienstag Nachmittag, die Luft drückend heiß. Ich war an diesem Tag wie auf Wolken gewandert, wie in Watte gepackt. Die Sitze waren aus Stoff, man blieb nicht an ihnen kleben. Ich fragte mich, wie viel fremden Schweiß sie aufgesogen haben, das nun in meine Poren drang; meine Beine waren nackt. Ich wollte mich anfassen, dort in der Bahn, mit den Menschen drin. Meinen Körper ertasten, mir selbst genug sein. Eine Königin, von Geburt Gnaden.

Ich wollte, dass jemand meine Gedanken fühlt. Ein einziger Mensch auf der Welt, meinetwegen. Ich müsste nicht sprechen, nicht schreiben, nicht malen. In meinem Kopf würde alles entstehen, und so auch im Kopf dieses Menschen. Welten ohne Anfang und ohne Ende, Blitze am Tag und erotische Spiele.
Ich schaute die anderen Fahrgäste an. Ich sendete jedem: Kannst Du Mich Fühlen?
Dem Mann, der trotz Hitze Krawatte trug, dem kleinen Mädchen, das an der Haltestange leckte. Die Frau in Blau ignorierte mich völlig, das junge Paar fühlte nur einander.
Wenn ich mal groß bin, sagte das kleine Mädchen, werde ich Prinzessin.
Unter all der Watte spürte ich etwas hartes. Nicht jedes Mädchen wird Prinzessin, dachte ich. Nicht jede Prinzessin Königin.

Alles blüht

Es war einer dieser Vorsommertage, die Sonne schien, die Luft roch risch.
Sie war auf dem Balkon, als das Telefon klingelte; sie ging hinein. Unter ihren Fingernägeln war Erde.
“Hallo?”
Stille.
Sie trat wieder hinaus. Wenn es keinen Frost gibt, dachte sie, kommen bald die Tomaten.
“Hallo”, sagte sie zum letzten Mal.
Alles blühte. Die Leitung war tot.
Wenn es keinen Frost gibt, denke ich, wird man sie bald riechen.

Hosstegori, Ard, Arrusi

Persische Gattin

Heiraten auf Persisch

Man kann in Iran auf viele Weisen heiraten. Es ist ein einzigartiges Erlebnis, aber nicht immer ein Einmaliges. Die Iraner dürfen ja mehrere Frauen haben. Man muss sich allerdings an die Regeln halten. Den Iraner fällt es nicht sonderlich schwer, denn sie lieben ihre Regeln. Falls allerdings jemand es wagt, aus der Reihe zu tanzen, muss er mit einer gnadenlosen Kritik und scharfen Zungen rechnen, und zwar Jahre, manchmal auch Jahrzehnte danach.

Das Heiraten fängt an mit:

Hosstegori – es ist ein kleines Fest, nur die engste Familie ist dabei. Der Bräutigam in spe, begleitet von seinen Eltern, kommt ins Haus seiner Auserwählten. Früher hat das Mädchen ihren Zukünftigen bei dieser Gelegenheit das erste Mal flüchtig gesehen. Er dürfte auch ein Blick auf sie erhaschen, in den paar Sekunden, in denen sie ihm den obligatorischen Tee (Tschai) serviert hat. Heutzutage kennt sich das junge Paar schon, zumindest in den meisten Fällen. Das wichtigste ist – die Eltern des Mädchens müssen einverstanden sein. Nicht ohne Bedeutung ist die Höhe der Mehrije. Mehrije ist eine Art Geldanlage für die Braut, für ihre Zukunft. Falls die jungen Leute heiraten, muss der Ehemann seiner Gattin zu jedem Zeitpunkt die Summe der Mehrije auszahlen können, falls sie diesen Wunsch äußert. Falls er es nicht tut, wandert er ins Gefängnis. Und es geht hier um keine symbolische Summen: 500 Seke (Goldstücke) ist oft der Standard. Für dieses Geld kann eine Frau bis Ende ihres Lebens, in Iran, fast sorglos leben. Am häufigsten wird die Zahlung der Mehrije in dem Fall einer Scheidung verlangt, aber manchmal will die Frau das Geld ohne Grund, einfach so!

TanzenVor allem die Mutter der Braut ist daran interessiert die höchst mögliche Summe für ihre Tochter auszuhandeln. Mich selbst hat man auch gefragt, welche Mehrije ich haben möchte. Überrumpelt habe ich geantwortet: ich will gar nichts! Geld von meinem Mann zu verlangen, nur weil er mich heiratet, fand ich irgendwie komisch. Das geht aber nicht – war die Antwort –  Mehrije muss sein, mindestens Nabot (Zukerkristalle) und Koran. Ich antwortete: ich möchte aber kein Zucker und mit dem Koran, da bin ich mir auch nicht so sicher…. Mein Mann meinte – sie mag Rosen. Ich habe zugestimmt und so wurden 500 rote Rosen zu meiner Mehrije. Ich kann sie jede Zeit von meinem Mann verlangen. Die versammelten Frauen waren mit meiner Entscheidung nicht besonders glücklich. – Du verdirbst unsere Preise! – hat mir eine von ihnen zugezischt.

Nach Hosstegori kommt Ard.

Ard ähnelt unserer europäischen, standesamtlichen Eheschließung. Die Ehe kann hier für immer oder auf Zeit geschlossen werden. Die Ehe auf Zeit heißt Sirkhe und kann ab einer Minute bis 200 Jahre dauern. Diese Art Ehe wurde eingeführt wegen der unehelichen Kindern. Falls die Eltern nicht geheiratet haben, und infolge ihres Verhältnisses ein Kind zur Welt gekommen ist, wird das Kind nicht automatisch zu einem iranischen Bürger erklärt, denn das Kind nimmt immer die Nationalität des Vaters an. Wenn man aber keine Sicherheit hat, wer der Vater ist…

In der Schah-Zeit war Sirkhe verboten, nach 1979 wurde sie wieder zugelassen. Im Islam sind bis zu 40 Zeitehen für jeden Mann möglich. Früher, als die Perser viele neue Länder und Territorien erobert haben, war die Zeitehe sehr praktisch. Bei den Schlachten, im Kampf wurden ja die männlichen Gegner ausgerottet, die Frauen blieben alleine zurück. Die Perser haben sie also geheiratet, damit sie einen sicheren Hungertot nicht sterben müssen und dank der Sirkhe in Einverständnis mit dem islamischen Glauben.

Das Fest aller Feste ist für die Iraner – die Arrusi,

also – die Hochzeit. Jedes Mädchen in Iran träumt von einer Hochzeit in Weiß, und da unterscheiden sich die iranischen Mädels von den europäischen ganz und gar nicht – und wenn Eine sagt, sie macht sich nichts daraus – lügt sie. Der einzige Unterschied ist, dass ein europäisches Mädchen sich überhaupt nicht vorstellen kann mit welchen Pracht und Prunk so eine persische Arrusi gefeiert wird, außer es hat´s  gesehen.

Heute heiraten Mehdije und Ahmed. Der wichtigste und schönste Tag im Leben des jungen Paars ist vor allem anstrengend. Bei Morgendämmerung rennt Mehdije zum Schönheitssalons. Diese spezialisieren sich in Hochzeits-Make-up und Hochzeits-Frisuren. Sobald die Kosmetikerinnen und Friseurinnen erfahren, dass es sich um eine Hochzeit handelt, steigen die Preise bis ins Unendliche. Ich habe gehört, manche Bräute sagen, dass sie Geburtstag feiern wollen, damit sie nicht so viel bezahlen müssen. Das Make-up ist stark, glitzernd, provokativ, nichts mit der unschuldigen, natürlichen Braut, so was ist kein Modetrend in Iran. Was interessant ist – die Männer werden auch geschminkt. Ahmed kriegt zwar nur etwas Puder, Lippenglos und seine Augenbrauen werden depiliert, aber ich habe schon einen iranischen Bräutigam gesehen, dessen Augen stark geschminkt, Lippen karminrot angemalt und die Haare auf den Tokyo-Hotel-Leader frisiert waren, ein echter ästhetischer Horror.

Fotografen und die Braut

Auch das Make-up von Mehdije, der heutigen Braut, hält sich in Rahmen, sie behält immerhin ihre natürliche Haarfarbe – schwarz, und ich kann nur drei verschiedene Lidschatten auf Ihren Augenlieder zählen, aber ich habe schon eine Braut gesehen, deren lange Locken platinblond, wie bei Pamela Anderson gefärbt wurden, die Augenbraue abrasiert und darauf gemalt, und die Lippen in Feuerwehr-rot geschminkt wurden.

Das Prinzessin-Kleid wartet schon auf Mehdije und es ist wirklich sehr schön, ähnlich wie in Polen oder Deutschland, schulterfrei, mit kleinen glitzernden Steinchen besetzt, mit Schleppe, auf dem Kopf ein Schleier. Sie sieht umwerfend aus, und ich beneide sie ein bisschen, da ich keine Arrusi in Weiß hatte.

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Den ganzen Vormittag und halben Nachmittag verbringt das junge Paar mit einem Fotografen und einem Kamera-Team. Die arbeitslosen Filmemacher in Iran haben ihre Nische gefunden. Der Film mit Mehdije und Ahmed wird am Ende über drei Stunden dauern, er wird mit der Musik von Modern-Talking, iranischem Pop, den ominösen Klängen von Enya und zahlreichen filmischen Effekten: Überblenden, Ausblenden, Zeitluppen, Zeitraffen, sowie Bilder in Sepia im Still der 30-er Jahre und dramatischen schwarz-weiß, untermalt. Die Dreharbeiten beginnen mit einer spektakulären Autofahrt durch Teheran. Die Hupe und die Lichthupe werden ununterbrochen von dem Fahrer betätigt, der Wagen ist, genau wie so oft in Europa, mit Blumen und weißen Schleifen geschmückt, und was vor allem wichtig ist: es ist ein Nissan, also ein ausländisches Auto, und kein produzierter in Iran und sehr populäre Pride, der allem Anschein nach, aus Plastik gebaut wurde und aussieht wie aus den 80-er Jahren.

Das Paar und Fotografen

Danach geht es zu einem Park und an der kitschigen Romantik wird es hier nicht gespart. Mehdije und Ahmed werden von den Fotografen und Kameraleuten dazu ermutigt:  hinter sich her durch die Grünanlage zu rennen, sich im Laub auf dem Parkrasen zu wälzen, die Blätter von den Kleider abzuschütteln und es noch mal zu wiederholen, sich auf den Treppen einer kleinen Pagode zu strecken, sich sentimental aus den halbgeschlossenen Augen anzustarren, die Lippen an die Lippen den anderen zu nähren, aber um Gottes Willen nicht küssen! Noch sind sie ja nicht verheiratet, und was nicht geht, geht es halt nicht! Casablanca kann man hier nicht nachmachen. Schade um die Kunst!

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Dann geht es zu dem gemieteten Festsaal. Mehdije und Ahmed steigen aus dem Auto, und vor ihnen direkt auf der Straße wird ein braunes Lämmchen mit einem Messerschnitt durch die Kehle, also nach Halal-Vorschriften, geopfert (auf diesen Brauch könnte ich persönlich verzichten, so sehr tat mir das Lämmchen leid). Das Blut fließt über den Gehweg, die Braut hebt geschickt das weiße Kleid und springt drüber, der Bräutigam hinter ihr her. Im Eingang wartet schon die Familie (es ist eine kleine Hochzeit, nur 200 Leute), das Paar wird mit unzähligen Geldscheinen förmlich überschüttet. Sie gehen aber unbeirrt weiter und betreten den festlich geschmückten Saal. Mehdije und Ahmed zünden eine Kerze von dem Koran an. Sie setzen sich an zwei Thronen. Vor ihnen mehrere Tische – bedeckt mit Musselin, auf den Tischen stapeln sich Blumen und Früchte, Nüsse, Perlenketten, Hirtin-Figürchen, kleine Spiegel in goldenen Rahmen, idyllische Bildchen, Ketten aus raren Muscheln.  In der Mitte auf einem silbernem Tablett liegen Eheringe und steht ein Schälchen mit Honig, daneben Nabot –  damit das gemeinsame Leben süß wird. Über die Köpfe des Paares wird ein goldenes Tuch ausgebreitet, das von etwa zehn jungen Frauen gehalten wird. Eine Auserwählte darf zwei Zuckerköpfe über das Tuch reiben – damit das Leben des Paares wie Zucker schmeckt.

Ahmed nimmt den Koran und schlägt es auf. Ein Mulla liest eine Art Eheversprechens. Mehdije sagt als erste: Bale – Ja. Die Frauen jubeln. Nun ist Ahmed an der Reihe und auch er sagt  mit einer etwas zitterigen Stimme: Bale. Alle klatschen. Ahmed schließt den Koran und küsst Mehdije auf den Mund, das erste Mal – zumindest theoretisch. Das Paar unterschreibt den Ehevertrag, und es ist nicht eine Seite wie bei uns, sondern gleich ein ganzes Buch. Die Eheringe werden ausgetauscht. Im Hintergrund singt die Band schon: Man tora micham! – Ich will dich! Mehdije taucht den kleinen Finger in die Schale mit Honig und hält ihn Ahmed hin. Ahmed leckt den Honig ab, dann ist er an der Reihe und Mehdije muss ablecken. Ich weiß selber nicht, ob es auf mich leicht erotisch oder unhygienisch wirkt.

Dann kommen die Geschenke – es ist eine wahre Zeremonie, bei welcher alle zuschauen müssen. Ich werde wieder etwas neidisch, als ich sehe, was Mehdije alles kriegt, und muss auf meinen biederen Modeschmuck starren. Also sie bekommt: goldene Ohrringe mit echten Perlen, einen Armband dazu, eine Kette, eine Uhr, noch mal Kette, und noch mal Ohrringe – alles aus puren Gold. (Ahmed bekommt übrigens fast denselben Satz). Danach kommt Geld oder Goldstücke (Seke). Eine Tante verkündet über ein Mikro, wer und wie viel dem jungen Paar geschenkt hat. Danach erfahre ich – eine iranische Hochzeit ist ein “Null-Summe-Spiel”, meistens das ganze Geld, welches ausgegeben wurde (und es ist ein kleines Vermögen) wird durch die Geschenke wieder reingenommen.

Mit einem Blumenstiel

Das Ritual mit dem Geld wiederholt sich gleich wieder, denn das Paar erhebt sich und geht durch den Saal zu der Tanzfläche, dabei begrüßt sie jeden Familienmitglied persönlich. Der Geldregen fällt wieder auf sie.

Der erste Tanz beginnt: Mehdije und Ahmed schwingen die Hüften, die Mutter der Braut überschüttelt das Paar mit Geldscheinen. Da wurde wahrscheinlich der Tresor einer iranischen Sparkasse gänzlich leergefegt.

Nach dem ersten Tanz, wie auf Befehl, rennen alle auf die Tanzfläche und fangen an sinnlich, rhythmisch, einfach grandios zu tanzen, egal ob jung oder alt, die Iraner haben es einfach im Blut. Lichter pulsieren, ein künstlicher Nebel erfüllt den Saal, und ich habe den Eindruck, ich bin in einer Berliner Disco, wäre da  dieser orientalische Rhythmus nicht gewesen.

Etwas später erfahre ich, dass man eigentlich auf dieser Weise nicht feiern darf, dass es verboten ist und die Familie musste ordentlich schmieren, damit Frauen und Männer zusammen sind. Normalerweise erscheint der Bräutigam nur kurz bei den Frauen, danach geht er zu den Männer und die Festlichkeiten finden getrennt statt. Es ist etwas trist: Frauen tanzen mit Frauen, und Männer mit Männer in getrennten Räumlichkeiten.

Aber zurück zu der Hochzeit von Ahmed und Mehdije. Nach dem Tanzen begeben sich die Braut und der Bräutigam nach draußen und rauchen gemeinsam Schisha und so entspannen sie sich ein wenig.

Kurz darauf folgt die Torte! Zuerst eine junge Frau tanzt mit dem Kuchen (natürlich nicht mit der dreistöckigen Torte), sondern mit einem Mandelgebäck, in der Größe eines Tellers. Die Hüften der jungen Schönheit in einem geschmeidigen grünen Kleid bewegen sich sinnlich. Der Kuchen auf der Handfläche kreist rhythmisch mit den graziösen Bewegungen ihrer Arme. Sie ist eine gute Tänzerin und sie stiehlt der Braut die Show ein wenig, aber es ist zu einem guten Zweck, denn auch sie sammelt für das junge Paar die Scheine.

Die Mutter der Braut bringt ein Teller mit zwei kostbaren, weißen Blüten. Ahmed und Mehdije tauchen die Stiele der Blume in Henna und schreiben gegenseitig ein Zeichen auf die Handflächen. Dann schließen sie die Hände, und verschmieren alles. Ab jetzt sind sie unzertrennlich, auf jeden Fall sie sollen es werden.

Ein anderes junges Mädchen tanzt mit dem festlich geschmückten Torte-Messer. Und auch sie wird mit Scheinen überschüttet, dann übergibt sie das Messer dem Bruder des Bräutigams, er tanzt mit einer ernsten Miene, versucht, so gut wie möglich den Auftrag zu erfüllen und wieder fliegen die Scheine. Der Bruder ärgert den Bräutigam ein bisschen und verzögert die Übergabe des Messers.

Normalerweise gehört der Tanz mit dem Messer der Schwester des Bräutigams. Und falls die Schwester, die Zukunftige ihres Bruders nicht mag, kann der Tanz sehr lange, sogar bis zu einer Stunde dauern. Aber Ahmed hat nun keine Schwester. Endlich übergibt Ahmeds Bruder dem Paar das Messer, die Torte wird aufgeschnitten, aus der Torte schießen Wunderkerzen. Mehdije und Ahmed futtern sich gegenseitig mit der Torte, dann futtern sie ihre Eltern, ihre Geschwister, und alle aus der Familie, die zufällig in der Nähe stehen.

Das gemeinsame Tanzen geht von vorne an. In jeder persischen Familie gibt es eine alte Tante oder einen Onkel, der die Bude rockt. In diesem Fall ist es der Onkel Golem Reza, mit einer weißen Mähne, bringt er ans Licht solch unglaubliche Hüftbewegungen und Vitalität, dass ich staunen muss, dass er schon fast 80 ist.

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Es wird noch lange getanzt, was das Zeug hält, erst danach kommt das Essen. Bis jetzt hat man nur Früchte, süße Plätzchen und die Torte serviert. Das Essen kommt zum Schluss, und es ist ein Zeichen, dass das Fest sich dem Ende neigt.

Aber nicht in den Familien von Ahmed und Mehdije, hier wird es weiter getanzt, gelacht, geredet, gefeiert und das alles ohne ein Tropfen Alkohol. In Polen kann nicht Mal eine Taufe ohne Prozentiges geben. Und bei einer Hochzeit sind sowieso alle vollgetankt. Eine persische Hochzeit ist vollkommen alkoholfrei. Und es ist das Schönste für mich an diesem Fest.