Poesis – Poetry – Poesie – Poezja / Carl Orff

Carl Orff “Carmina Burana”

Carmina Burana is a scenic cantata composed by Carl Orff in 1935 and 1936. It is based on 24 of the poems found in the medieval collection Carmina Burana. Its full Latin title is Carmina Burana: Cantiones profanæ cantoribus et choris cantandæ comitantibus instrumentis atque imaginibus magicis (“Songs of Beuern: Secular songs for singers and choruses to be sung together with instruments and magic images.”) Carmina Burana is part of Trionfi, the musical triptych that also includes the cantata Catulli Carmina and Trionfo di Afrodite. The best-known movement is “Fortuna Imperatrix Mundi” (“O Fortuna”) that opens and closes the piece.
Carl Orff (July 10, 1895 – March 29, 1982) was a 20th century German composer, best known for his cantata Carmina Burana (1937). In addition to his career as a composer, Orff developed an influential method of music education for children.

FORTUNA IMPERATRIX MUNDI
O Fortuna
velut luna
statu variabilis,
semper crescis
aut decrescis;
vita detestabilis
nunc obdurat
et tunc curat
ludo mentis aciem,
egestatem,
potestatem
dissolvit ut glaciem.Sors immanis
et inanis,
rota tu volubilis,
status malus,
vana salus
semper dissolubilis,
obumbrata
et velata
michi quoque niteris;
nunc per ludum
dorsum nudum
fero tui sceleris.Sors salutis
et virtutis
michi nunc contraria,
est affectus
et defectus
semper in angaria.
Hac in hora
sine mora
corde pulsum tangite;
quod per sortem
sternit fortem,
mecum omnes plangite!
O Fortune
like the moon
you are changeable,
ever waxing
and waning;
hateful life
first oppresses
and then soothes
as fancy takes it;
poverty
and power
it melts them like ice.Fate – monstrous
and empty,
you whirling wheel,
you are malevolent,
well-being is vain
and always fades to nothing,
shadowed
and veiled
you plague me too;
now through the game
I bring my bare back
to your villainy.Fate is against me
in health
and virtue,
driven on
and weighted down,
always enslaved.
So at this hour
without delay
pluck the vibrating strings;
since Fate
strikes down the strong man,
everyone weep with me!
Fortune plango vulnera
stillantibus ocellis
quod sua michi munera
subtrahit rebellis.
Verum est, quod legitur,
fronte capillata,
sed plerumque sequitur
Occasio calvata.In Fortune solio
sederam elatus,
prosperitatis vario
flore coronatus;
quicquid enim florui
felix et beatus,
nunc a summo corrui
gloria privatus.Fortune rota volvitur:
descendo minoratus;
alter in altum tollitur;
nimis exaltatus
rex sedet in vertice
caveat ruinam!
nam sub axe legimus
Hecubam reginam.
I bemoan the wounds of Fortune
with weeping eyes,
for the gifts she made me
she perversely takes away.
It is written in truth,
that she has a fine head of hair,
but, when it comes to seizing an opportunity
she is bald.On Fortune’s throne
I used to sit raised up,
crowned with
the many-coloured flowers of prosperity;
though I may have flourished
happy and blessed,
now I fall from the peak
deprived of glory.The wheel of Fortune turns;
I go down, demeaned;
another is raised up;
far too high up
sits the king at the summit –
let him fear ruin!
for under the axis is written
Queen Hecuba.
O Fortuna!
Wie der Mond
So veränderlich,
Wachst du immer
Oder schwindest! –
Schmähliches Leben!
Erst mißhandelt,
Dann verwöhnt es
Spielerisch den wachen Sinn.
Dürftigkeit,
Großmächtigkeit
Sie zergehn vor ihm wie Eis.Schicksal,
Ungeschlacht und eitel!
Rad, du rollendes!
Schlimm dein Wesen,
Dein Glück nichtig,
Immer im Zergehn!
Überschattet
Und verschleiert
Kommst du nun auch über mich.
Um des Spieles
Deiner Bosheit
Trag ich jetzt den Buckel bloß.Los des Heiles
Und der Tugend
Sind jetzt gegen mich.
Willenskraft
Und Schwachheit liegen
Immer in der Fron.
Drum zur Stunde
Ohne Saumen
Rührt die Saiten! –
wie den Wackeren
Das Schicksal
Hinstreckt; alle klagt mit mir!Die Wunden, die Fortuna schlug,
Beklage ich mit nassen Augen,
Weil sie ihre Gaben mir
Entzieht, die Widerspenstige.
Zwar, wie zu lesen steht, es prangt
Ihr an der Stirn die Locke,
Doch kommt dann die Gelegenheit,
Zeigt sie meistens ihren Kahlkopf.Auf Fortunas Herrscherstuhl
Saß ich, hoch erhoben,
Mit dem bunten Blumenkranz
Des Erfolges gekrönt.
Doch, wie ich auch in der Blüte stand,
Glücklich und gesegnet:
Jetzt stürze ich vom Gipfel ab,
Beraubt der Herrlichkeit.Fortunas Rad, es dreht sich um:
Ich sinke, werde weniger,
Den anderen trägt es hinauf:
Gar zu hoch erhoben
Sitzt der König auf dem Grat:
Er hüte sich vor dem Falle!
Denn unter dem Rade lesen wir:
Königin Hecuba.
O Fortuno
niby Księżyc
nieustannie zmienna,
ciągle rośniesz
lub zanikasz
ciemna lub promienna.
Życie podłe
wciąż kapryśnie
chłodzi nas lub grzeje,
niedostatek
lub bogactwo
jak lód w nim topnieje.Kołem toczy
się Fortuna
zła i nieżyczliwa,
nasze szczęście
w swoich trybach
miażdży i rozrywa,
z twarzą szczelnie
zasłoniętą
często u mnie gości,
by na kręgach
mego grzbietu
grać swe złośliwości.Los zbawienia,
cnót zasługi
przeciw mnie są teraz,
w mej słabości
albo woli
wspierały mnie nieraz.
A więc zaraz
nie mieszkając
uderzajcie w struny
i użalcie
się nade mną,
ofiarą Fortuny!Rany od Fortuny ciosów
opłakuję łzami
nigdy zresztą mnie nie psuła
skąpymi łaskami.
Wprawdzie mówię, że jej czoło
zdobią pukle złote,
lecz czas spod nich też obnaży
łysiny sromotę.Na Fortuny złotym tronie
siedziałem wyniosły,
zdobny w wieniec powodzenia
z wszystkich darów wiosny.
Lecz choć stałem u zenitu
o swe szczęście wsparty,
nagle spadłem z wszystkich darów
do szczętu obdarty.Obróciło się Fortuny
koło nieżyczliwe,
innego już po mnie wznosi
na szczyty zdradliwe,
król im wyżej nad tłum siędzie,
tym pewniejsza zguba,
gdyż na kole tym czytamy:
“Królowa Hekuba”.

Puppendienstag: Christine

Gertraud Pohl

Manchmal siehst du Menschen fröhlich beisammen sein
und du bist allein.
Du möchtest zu ihnen, ja sogar mit ihnen gehn –
würden sie das verstehn?

Es gibt Zeiten, in denen Kontakte überaus erschwert sind, und meine “Puppenaktion” ist ein guter Beitrag, die Blokade zu durchbrechen.

Christinedoppel1
Vor einigen Monaten kaufte ich eine neue kleine Digitalkamera, die mich überall hin begleiten sollte und meinen Blick für die “Bilder” des Daseins schärfen sollte – und in Erinnerung an meine längst verstorbene Mutter, Gisela Agnes Christine, die uns Kinder angeleitet hatte, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, nannte ich sie “Agnes”. Den Namen Christine  verlieh ich meinem neuen, sehr fotogenen Puppen-Modell. Und nun kommuniziere ich auf zwei Ebenen über “Agnes” und “Christine” mit meiner eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, und das bereitet nicht nur mir großes Vergnügen.

Ur-Christine
Dann entdeckte ich den bisher unbeachteten Charme einer Puppe von einem Flohmarkt, die sehr fotogen war, und ihr gab ich den dritten Namen meiner Mutter “Chistine”. Nun habe ich mit diesem Team Agnes-Christine einige Tage verbracht – und bin total begeistert von der Wirkung – nicht nur in Bezug auf die entstandenen Fotos, sondern auch von der Reaktion der Menschen, die mich beim Fotografieren bemerken, mit mir sprechen und manchmal auch Fotos geschickt haben möchten.

Christinedoppel2

ChristinemitLoewenDas bin ich

Ich kann vierblättrige Kleeblätter finden,
aus Sonnenstrahlen Girlanden winden,
ich kann tagtäglich Blumen verschenken
und über den Sinn des Lebens nachdenken,
ich kann ein köstliches Mahl bereiten,
wenn´s sein muss, kann ich königlich schreiten,
ich kann mein Lebensmuster stricken
und mich nach Regenwürmern bücken,
ich kann die spanische Sprache verstehen
und manchmal in die Zukunft sehen,
ich kann sehr schöne Fotos machen
und kann aus tiefstem Herzen lachen,
ich kann fast alles mit jemandem teilen
und lange an schönen Plätzen verweilen,
ich kann den Augenblick genießen
und meine Blumen pünktlich gießen,
im Luxus leben und bescheiden,
kann mich und andre richtig kleiden,
ich kann recht gut mit Stäbchen essen
und mich mit „Sternendeutern“ messen,
ich kann verstehen und kann schweigen,
kann mich in der Gesellschaft zeigen,
mit Mensch und Tier zusammenleben
und aufwärts zu den Gipfeln streben –
das bin ich…

Gottes Schuh – Boży but

Po polsku i po niemiecku / Auf Deutsch und auf Polnisch

Kolejny film Renaty Borowczak, tym razem o naiwnym artyście, Stanisławie Zagajewskim z Włocławka. Nächster Film von Renata Borowczak – über einen naiven Künstler aus polnischen Włocławek.

Stanislaw Zagajewski habe ich im Winter 2004 besucht. Der unscheinbare Künstler, der damals in einem bescheidenen Häuschen in Wloclawek, Polen, lebte, wollte zuerst nicht erlauben, dass ich über ihn den Kurzfilm “Der Schuh Gottes” drehe. Als er erfahren hat, dass ich den langen Weg aus Berlin zurücklegte, stimmte er zu.

Ich habe einen Tag mit ihm, seinen Hunden und seiner Kunst verbracht. Schon damals, als er noch lebte (er starb 2008), hatte er ein eigenes Museum in Wloclawek. Die Skulpturen haben solch eine enorme Kraft, dass man am liebsten Eine mit nach Hause nehmen möchte.

Stanislaw Zagajewski war ein Autodidakt, und ein Genie. Obwohl er nicht mal genau sagen konnte, wann er geboren wurde (man schätzt sein Geburtsdatum auf das Jahr 1927), als Waisenkind von Nonnen großgezogen wurde und nicht mal eine elementare Ausbildung genoss, verzauberte mit seinen ausdrucksvollen, kompromisslosen Tonskulpturen. Seine Werke werden in Warszawa, Katowice, Torun und  Lausanne ausgestellt.

***

Odwiedziłam Stanisława Zagajewskiego zimą 2004 roku. Artysta mieszkał wówczas w małym domku we Włocławku. Początkowo nie chciał się zgodzić na propozycję, że nakręcę o nim film krótkometrażowy “Boży but”. Zgodził się,  gdy dowiedział się, że przyjechałam specjalnie do niego aż z Berlina.

Spędziłam cały dzień z nim, z jego psami i z jego sztuką. Już wtedy, gdy artysta wciąż jeszcze żył (zmarł w roku 2008), we Włocławku znajdowało się jego muzeum. Jego rzeźby mają siłę i najchętniej człowiek zabrałby jakąś do domu.

Stanisław Zagajewski był samoukiem. I geniuszem. Nie był w stanie powiedzieć, kiedy się urodził, ale ocenia się, że było to w roku 1927. Osierocony, wychowywał się u sióstr zakonnych i nie otrzymał nawet podstawowego wykształcenia. Był wspaniałym rzeźbiarzem, a jago gliniane dzieła są magiczne, mocne i bezkompromisowe. Jego prace znajdują się w zbiorach muzealnych w Warszawie, Katowicach, Toruniu i Lozannie.

Poezja – Poesie – Poetry – Poésie / Baudelaire

It is a virtual movie of the legendary French poet Charles Baudelaire (1821 — 1867) reading his poem L’Albatros” The Albatros. Kind Regards Jim Clark All rights are reserved on this video recording copyright Jim Clark 2011

Charles Baudelaire L’Albatros / Albatros / Albatross / Der Albatross 1861

L’Albatros

Souvent, pour s’amuser, les hommes d’équipage
Prennent des albatros, vastes oiseaux des mers,
Qui suivent, indolents compagnons de voyage,
Le navire glissant sur les gouffres amers.

À peine les ont-ils déposés sur les planches,
Que ces rois de l’azur, maladroits et honteux,
Laissent piteusement leurs grandes ailes blanches
Comme des avirons traîner à côté d’eux.

Ce voyageur ailé, comme il est gauche et veule!
Lui, naguère si beau, qu’il est comique et laid!
L’un agace son bec avec un brûle-gueule,
L’autre mime, en boitant, l’infirme qui volait!

Le Poëte est semblable au prince des nuées
Qui hante la tempête et se rit de l’archer;
Exilé sur le sol au milieu des huées,
Ses ailes de géant l’empêchent de marcher.

Albatros

Czasami dla zabawy uda się załodze
Pochwycić albatrosa, co śladem okrętu
Polatuje, bezwiednie towarzysząc w drodze,
Która wiedzie przez fale gorzkiego odmętu.

Ptaki dalekolotne, albatrosy białe,
Osaczone, niezdarne, zhańbione głęboko,
Opuszczają bezradnie swe skrzydła wspaniałe
I jak wiosła zbyt ciężkie po pokładzie wloką.

O jakiż jesteś marny, jaki szpetny z bliska,
Ty, niegdyś piękny w locie, wysoko, daleko!
Ktoś ci fajką w dziób stuka, ktoś dla pośmiewiska
Przedrzeźnia twe podrygi, skrzydlaty kaleko!

Poeta jest podobny księciu na obłoku,
Który brata się z burzą, a szydzi z łucznika;
Lecz spędzony na ziemię i szczuty co kroku –
Wiecznie się o swe skrzydła olbrzymie potyka.

Tłumaczyła Bronisława Ostrowska

Albatross

Often, to amuse themselves, the men of a crew
Catch albatrosses, those vast sea birds
That indolently follow a ship
As it glides over the deep, briny sea.

Scarcely have they placed them on the deck
Than these kings of the sky, clumsy, ashamed,
Pathetically let their great white wings
Drag beside them like oars.

That winged voyager, how weak and gauche he is,
So beautiful before, now comic and ugly!
One man worries his beak with a stubby clay pipe;
Another limps, mimics the cripple who once flew!

The poet resembles this prince of cloud and sky
Who frequents the tempest and laughs at the bowman;
When exiled on the earth, the butt of hoots and jeers,
His giant wings prevent him from walking.

Translated by William Aggeler

Der Albatros

Oft kommt es dass das schiffsvolk zum vergnügen
Die albatros • die grossen vögel • fängt
Die sorglos folgen wenn auf seinen zügen
Das schiff sich durch die schlimmen klippen zwängt.

Kaum sind sie unten auf des deckes gängen
Als sie • die herrn im azur • ungeschickt
Die grossen weissen flügel traurig hängen
Und an der seite schleifen wie geknickt.

Er sonst so flink ist nun der matte steife.
Der lüfte könig duldet spott und schmach:
Der eine neckt ihn mit der tabakspfeife
Ein andrer ahmt den flug des armen nach.

Der dichter ist wie jener fürst der wolke
Er haust im sturm • er lacht dem bogenstrang.
Doch hindern drunten zwischen frechem volke
Die riesenhaften flügel ihn am gang.

Übersetzt von Stefan George

Die Vertriebenen Europas

VertriebeneJohann Jankowsky

Die Vertriebenen Europas

Um als Deutscher über Vertriebene in Europa zu schreiben, ist es sicher notwendig, einen Blick auf das letzte Jahrhundert zu werfen. Das soll nicht mit der Absicht geschehen, irgendwelche Realitäten zu relativieren.

Ich will mich bemühen, das Thema – trotz aller Brisanz – zu erörtern und dabei ein Höchstmaß an Fairness und Objektivität zu bewahren.

Objektivität, als unverzichtbares Element leitet sich bestimmt nicht nur aus eigenen Erfahrungen ab, es verlangt einen nüchternen Blick auf die Geschichte.

Insbesondere die beiden Weltkriege waren Menschheitstragödien von unvorstellbaren Ausmaßen. Es waren Ereignisse, die mit äußerster Brutalität und Skrupellosigkeit – ohne Rücksicht auf alle Prinzipien des Humanismus – geführt wurden. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass sich die Völker Europas jahrzehntelang unversöhnlich gegenüberstanden.

Es stellt sich immer wieder die Frage nach der Schuld. Darin ist sich die Welt einschließlich der Deutschen im klaren. Im Bewusstsein der Menschen und in den Geschichtsbüchern sind die Deutschen als Verursacher von Leid und Elend eindeutig identifiziert und tragen deshalb auch die Schuld für das Unentschuldbare.

Deutschland hat versucht in den Jahren nach Ende des 2. Weltkrieges die  Problematik mit den Betroffenen aufzuarbeiten. Natürlich traten bei diesem Prozess die begangenen Verbrechen und die damit verbundenen Verletzungen, Tötungen und Vernichtungen zutage und machten und machen bis zum heutigen Tage  Differenzierungen in Fragen der Vertriebenen fast unmöglich.

Aus Sicht der Deutschen soll es auch keine Relativierungen über Schuld und Verantwortung geben.

Wie kann und sollte jetzt aber mit dem Vertriebenenproblem insgesamt umgegangen werden?  Ist das einzige Resultat, dass der Verursacher von Leid und Elend für immer zu schweigen hat, weil er Täter war?

Auch dieser Auffassung sollte unser uneingeschränkter Respekt gelten.

In Teilen der insbesondere von der Vertreibung betroffenen deutschen Bevölkerung regt sich jedoch der Wunsch nach Anerkennung des eigenen Leids  mit der Begründung den Krieg nie gewollt zu haben und mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun gehabt zu haben.

Flüchtlinge waren nach dem 2. Weltkrieg Millionen von Deutschen allemal. Die Frage stellt sich: Haben sie es durch die Verbrechen der Nationalsozialismus verwirkt, Anspruch auf Anerkennung als Vertriebene zu erheben.

Von Opfern und ehemaligen Tätern, die über diese Frage zu befinden haben, ist  eine Entscheidung mit Ängsten, Aggressionen, Hoffnungen und Schmerzen verbunden.

Eine eindeutige Antwort wird es nicht geben, aber lässt sich vielleicht die Sprachlosigkeit ein Stück überwinden? In einem vereinten Europa sollte die Frage unter Berücksichtigung aller Aspekte beantwortet werden.

Vielleicht sind es ja auch zwei Antworten.

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Foto: Krystyna Koziewicz

Puppendienstag: Olga

Gertraud Pohl, eine Photographin und Dichterin, gastierte hier vor einer Woche mit der Puppe namens Bukfenz, heute – Olga.

Über Olga schrieb die Autorin:

Olga begleitet mich seit fast 50 Jahren, sie hat alle Stürme meines Lebens miterlebt, und die “Geschichte, die sie zu erzählen hat”, ist auch meine eigene Geschichte.

Olga4.webWen hab´ ich gestört?

Der Folter der Worte
Für immer entfliehn
Zur himmlischen Pforte
Von geistvollem Sinn.
Gefängnis aus Fragen
Und keiner, der schützt,
mein Weinen und Klagen,
es hat nichts genützt,
mein Schweigen verklungen,
von keinem gehört.
Die „Mörder“ gedungen –
Wen hab´ ich gestört?

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Puppen sind magisch. Puppen sind unheimlich. Puppen sind symbolisch. Weil… Puppen sind wir,  von unbekannten Gewalten am Draht gezogen, sagt Danton in “Dantons Tod” von Georg Büchner. Und Heinrich von Kleist verstärkt es noch mit seinem berühmten Zitat aus dem Text “Über das Marionettentheater” (1810):

Die Puppen brauchen den Boden nur, wie die Elfen, um ihn zu streifen, und den Schwung der Glieder, durch die augenblickliche Hemmung neu zu beleben, wir brauchen ihn, um darauf zu ruhen, und uns von der Anstrengung des Tanzes zu erholen.

Olga & Sara.web
Dieses Foto kam mit der Unterschrift: Olga und Sara. Vielleicht kommt Sara auch Mal zu uns.

Poezja – Poetry – Poesie / Tuwim

2013 to rok Tuwima. Niezależnie od tego, czy Sejm tak chciał (a w końcu jednak chciał), albo czy Młodzieszy Wrzehpolskiej się to podoba czy nie (się nie podoba).  Poeta urodził się w roku 1894, zmarł w 1953. Ale jest inny powód, dla którego obchodzimy rok tuwimowski. Przed stu laty – 6 stycznia 2013 roku – Kurier Warszawski opublikował wiersz Prośba. Autor miał wtedy 18 lat i była to jego pierwsza publikacja. Wiersz, który dziś publikuję – Berlin 1913 – powstał dopiero kilkanaście lat później, ale chyba jasne jest, dlaczego z całego bogactwa wierszy Tuwima wybrałam właśnie ten.

Julian Tuwim, Berlin 1913, śpiewa Leszek Długosz, muzyka Leszek Długosz albo Zygmunt Konieczny, źródła plączą się w zeznaniach.

O, smętne, śnieżne, nevermore!
Dni utracone, ukochane!
Widzę cię znów w Cafe du Nord
W mroźny, mglisty poranek.

Strach, słodki strach od stóp do głów,
Dygot błękitnych, czułych nerwów,
I sen był znów, i list był znów:
Mgła legendarnych perfum.

Lecz nie ma mnie i nie ma mnie,
I nigdy w życiu mnie nie będzie.
Zostanę w liście, zostanę w śnie,
W tkliwej, śnieżnej legendzie.

Nic o tym nie wiesz. Czekasz, drżąc.
Dzień sennie sypie się i szepce.
Ach, serce moje i młodość mą
W srebrnej nosisz torebce.

Wczoraj? A co to było? Tak:
Carmen, kareta, wino, walce…
Mignęło w oczach. Nie – to ptak,
Wyszyty na woalce.

Pusto i ciepło w tym Cafe.
Zima się w oknie szronem perli.
Nie przyjdę. Idź. Nie spotkasz mnie.
… Wielki, Wielki jest Berlin.

Wiersz powstał w roku 1926. Podobno poeta nie znał Berlina, ani w roku 1913 ani 1926. Podobno było to miasto symbol wolności twórczej i mit pięknej epoki.

Oh klägliches verschneites nevermore!
Verlorene geliebte Tage!
Ich seh´dich erneut im Café du Nord
An einem frostigen Morgen im Nebel.

Angst, süßer Angst, vom Scheitel bis zur Sohle.
Ein Zittern der blauen, empfindsamen Nerven.
Und der Traum war wieder da, und der Brief war wieder da:
Der Nebel der legänderem Pärfume.

Doch ich bin nicht da und bin nicht da,
und nie im Leben werde ich da sein.
Ich bleibe im Brief, ich bleibe im Traum,
in der zärtlichen, verschneiten Legende.

Nichts weißt du darüber. Du wartest zitternd.
Der Tag plätschert schlaftrunken dahin und flüstert.
Ach, mein Herz und meine Jugend
trägst du in einer silbernen Handtasche.

Gestern? Und was war das? Ja:
Carmen, Kutsche, Wein, Walzer…
Es blinkte in den Augen. Nein – es war ein Vogel,
Gestickt an einem Hutschleier.

Leer und warm ist´s in diesem Café.
Der Winter perlt am Fenster mit Rauhreif.
Ich komme nicht. Du triffst mich nicht.
… Groß, groß ist Berlin.

Übersetzt RL Andreas, wobei RL “Reiseleiter” bedeutet. Er ist nämlich einer.

Oh, dismal, snowy nevermore!
Days lost and adored!
I see you again in the Café du Nord
On a frosty, foggy morn.

Fear, sweet fear from head to toe,
The quiver of blue and tender nerves,
A dream came so, and a letter came so:
Fog of legendary perfumes.

Though I am not and I am not,
And I will never be.
In a letter caught; in a dream, caught
In a gentle, snowy mythology.

You know not of this. Only wait, trembling.
As the day sleepily spills and whispers.
Oh, this heart of mine, this youth,
You carry with you in your silver purse.

Yesterday? But what was that?
Carmen, coaches, wine, and waltzes…
Flash before my eyes. No – a bird,
Sewn onto the veil around your hat.

It’s empty and warm in this Café.
Winter frosts the glass like skin,
I won’t come. You won’t see me. Go away.
…Great, great is the city of Berlin.

Translation Pacze Moj

Eine alte Dame und das Boxen

RIMG0077Gestern habe ich beim Boxen gelesen, heute kann man es selber lesen und, falls gewünscht, selber boxen…
Ich danke Werner Kastor für seine wunderbare Idee, das Boxen und das Lesen zu verbinden
🙂

Photo: Krzysztof Pukański 28. Juni 2013 Ufer Studios

Ewa Maria Slaska, Eine alte Dame und das Boxen

Ich habe eingeheiratet in die Geschichte Polens. In vielerlei Hinsicht. Nehmen wir zum Beispiel Palatinen oder gar „comes palatinen“, das heißt Pfalzgrafen – also die „im Palast bzw. bei Hofe“. Die Familie meines Mannes gehörte seit dem 12. Jh. zu den polnischen Pfalzgrafen, dh. wäre der König krank oder tot, oder außer Landes, würde ein Pfalzgraf seine Funktion ausüben. Es wurde mir so nebenbei beim ersten Besuch bei der Geschlechtsältesten mitgeteilt. Nicht etwa, um damit zu protzen, um Gottes Willen! Einfach so. Allerdings war das verlorene Liebesmüh, weil ich zwar das Wort  kannte, aus dem Lateinischen, aber nicht wusste, was es wirklich bedeutet. Irgendwelche alte Römer…

Und das war so.

Vor dem ersten Besuch bei der Pfalzgräfin musste ich ernsthaft überlegen, ob ich tatsächlich nur eine Viertelstunde bleiben soll, da es immer hieß: „der erster Besuch darf nicht länger als 15 Minuten dauern, die Frau behält ihren Hut an und zieht nur die Handschuhe aus“.

Es war im kommunistischen Polen. Hut und Handschuhe wirkten – so wie sie waren – total altmodisch. Oder provinziell, wenn man`s will. Erst später, als ich schon zur Familie gehörte, wurde ich – wohlgemerkt von einer Familienschneiderin! –  belehrt, dass ab Mitte August ein Filzhut zu tragen wäre und Lederhandschuhe. Kein Organzakleid, sondern Tweed und dünne Wolle.

Phi, Organzakleid. Handschuhe glaceé. Filzhut. Ich saß an einem Biedermayer-Tisch, nippte den Tee aus breiten Porzellantassen und schaute die Frau, die mir gegenüber saß, im Geiste mit breitgeöffnetem Mund an. Solche Frauen gab es einfach nicht. Ihre Adlernase, die hohe Stirn, grüne Augen, weißer Spitzenkragen am schwarzen Seidenkleid, eine Kamee…

Ich habe meinen Mann an der Uni kennengelernt. So wie es sich gehört. Er war Bruder meiner Studienkommilitonin gewesen. Mädchen aus einem Adelshause lernten so ihre zukünftigen Ehemänner kennen. In der Bibliothek und nicht in der Diskothek.

Es ist mehr als 40 Jahre her. Ich weiß nicht mehr, weshalb ich bei diesem ersten Besuch total allein war. Aber ich war allein. Und unvorbereitet. Weder auf die Schwiegermutter meiner Schwiegermutter, noch auf das Abendbrot, und am wenigsten auf Boxen und Geschichte Polens.

Mindestens eine Sache hat sich an dem Abend sofort geklärt: Mir wurde gleich gesagt, dass ich zum Abendessen bleibe. Die Sache mit den 15 Minuten. Dies hätte auch geholfen, was ich mit dem Hut und den Handschuhen hatte machen sollen. Vorausgesetzt, ich  hätte welche angehabt… Nun, ich blieb also zum Abendbrot.

Schon um das Abendbrot zu beschreiben, muss ich weit ausholen. Und danach wieder einmal, noch weiter. Zum Essen gab es Brot und Butter, und Wurst, und Schinken, und Sülze, und Kessler…  Fleisch und Wurstware. Und Fleisch und Wurstware. Und Fleisch… Über dem Tisch ein Kelim, drauf die Säbel und Ahnen-Porträts, deren Augen mich vorwurfsvoll anschauten. Zu recht. Ich gehörte nicht hierhin. Ich war fremd. Jüdisch. Blasphemisch. Anarchistisch. Linksorientiert. Frech. Das alles wusste ich noch nicht, nicht desto trotz  warf es einen langen Schatten auf die Gegenwart und Zukunft.

Nach dem Essen schaltete die Großmutter das Radio an. Wir sollten versuchen, etwas über Boxen zu erfahren!

Boxen? Boxen? Eine total verpönte Sache. Eine brutale Männerangelegenheit für die Unterschicht, Schweiß, Blut, Sand. So waren die Zeiten. Sogar den Rocky gab es noch nicht. Der Film war erst 1976 Kassenschlager und gewann im Folgejahr drei Oscars.  Es war aber erst der 1. Oktober 1975. Muhammad Ali kämpfte gegen Joe Frazier.

„It’s gonna be a thrilla // and a chilla // and a killa // when I get the gorilla // in Manila“  – das war gerade dieser Kampf.

Bist du für Clay oder für Frazier? – fragt die elegante alte Dame, indem sie mir den Tee aus der Porzellankanne „Maria weiß” eingoss. Rosenthal, sagte sie. Offensichtlich hatte sie die Tatsache nicht wahrnehmen wollen, dass Cassius Clay  Mohammedaner wurde und jetzt Muhammad Ali hieß. Die weiße Maria war ein Hochzeitgeschenk… Irgendwann sollen wir es besitzen. Be-sitzen ist jedoch ein weites Feld. Jetzt sitze ich nur, ohne Be-, auf einem Biedermeier-Sofa, mir ist nach Pipi, habe aber keine Mut, danach zu fragen. Wie fragt man so was?

– Clay, antwortete ich.
Ja nie jestem Filip Clay, ja nie jestem Doris Day, ja nie jestem także Frank Sinatra – sang polnischer Liedermacher Bohdan Łazuka vor über zehn Jahren. 1967 als ich noch in der Schule war. Ich bin kein Philip Clay, ich bin keine Doris Day, ich bin gar kein Frank Sinatra…  Damals dachte ich, dass Łazuka über den Boxer Clay, also zukünftigen Muhammad Ali singt. Erst viel später wurde mir klar, dass Filip Clay ein französischer Sänger war.  Irrungen, Wirrungen …
Eine Stunde lang versuchen wir in BBC Berichte aus Araneta Coliseum zu erhaschen. Heute lese ich, dass in die ganze Welt gesendet wurde. Aber ob es in Polen zulässig war? Ich bezweifle es. Natürlich hätte Muhammad Ali in der VR Polen beliebt sein müssen – als derjenige, der gegen den Vietnamkrieg protestierte. War er es aber? Ich habe keine Ahnung und das  Internet hilft nicht dabei. Erst ein Boxen-Journalist hat mich darüber informiert, dass er tatsächlich der Regime-Liebling war. Nicht aber so Liebling, dass man seinen Kampf zeigte. Der Radioempfang war erbärmlich, es knirschte und rasselte. Der Kampf selbst entsprach all dem, was ich vom Boxen dachte. Blut, Schweiß, Ekel. Am Ende sagte der Reporter über Fraiziers Auge, „Jesus! Dieser Ali, ein richtiger gorilla in Manila“.

Ich glaube, ich hätte selber nicht gewagt, zu fragen, wie es möglich war, dass die feinste und vornehmste Dame, die ich je in meinem Leben traf – bis heute! – sich fürs Boxen interessierte. Aber gemeinsames Boxenzuhören hat uns näher gebracht. Nach dem Kampf, der… – übrigens, wer hat eigentlich damals gewonnen? Weiß es jemand? Ja klar, Muhammad Ali. Nein, nicht Frazier. Es gab 14 Runden!  Während des Berichts ging die Dame mal Pippi, d.h. ich konnte es auch. Und nach dem Kampf machte sie das Fenster auf und sagte, ich darf RAUCHEN!  Danach redeten wir miteinander. Stundenlang. Im Laufe dieses Abends, der allmählich Nacht wurde, erfuhr ich das ganze Ausmaß der Geschichte, in die ich einheiraten mochte, wollte, sollte, Angst hatte …

Sie hat ihren Mann schon vor dem Krieg geheiratet. Er war ein polnischer Offizier, sie ein Mädchen aus einem vornehmen adeligen Haus, Schwester seines Militärkameraden. Sie haben sich bei einer Hochzeit kennengelernt und als er um sie warb, haben sie bei einem Sommerspaziergang gemeinsam die Sternschuppen fallen sehen. Er dachte sich dabei, dass er sie gern heiraten würde. Und so kam es.  Sie haben ein Gut gekauft oder er hat es bereits gehabt, das weiß ich nicht mehr, und dort gewirtschaftet.  Nach dem Krieg mussten sie vor den Sowjets fliehen. Das Gut war sowieso hin wegen der sog. Boden-Reform. Sie landeten 400 Kilometer weiter, in Großpolen, wo er seit Januar 1946 Direktor der Staatlichen Landsgüter (Państwowe Nieruchomości Ziemskie) in Posen wurde. Nach zwei Jahren wurde er inhaftiert.  1949 begann ein Schauprozess gegen die ehemaligen adligen Guts- und Landbesitzer.  1951 wurde er zu 10 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Saß in Gefängnissen in Posen und Warschau und danach  in Wronki, wo einst auch Rosa Luxemburg gesessen hatte. Danach arbeitete er im Bergbau Andaluzja in Schlesien. Entlassen 1956, wurde er kurz danach rehabilitiert. Vom Entschädigungsgeld hat die Familie einen Fernseher gekauft. Einen der ersten, die man in der Volksrepublik Polen erwerben konnte. Das erste Mal in der VRP gab es ein TV-Programm am 25. Oktober 1952 um 19 Uhr – eine halbe Stunde Musik und Ballett. Aber es hat gedauert, bis sich das Volk einen Fernseher kaufen konnte.

1975 stand der Fernseher immer noch da.

Aber Boxen, frag ich die Gräfin, weshalb Boxen? Am längsten saß er in Wronki. Der Zug kam um 12:27 Uhr in Wronki an, die Besuchszeit begann um 17 Uhr. Sie musste fast fünf Stunden totschlagen. Besonders an Wintertagen könnte man sich nicht in einen Park hinsetzen und lesen. Es gab kein Café, nur ein Restaurant, in dem Wodka trinkende Männer saßen. Keine Frau wagte sich allein in den 50ern in ein Restaurant, in der Provinz schon gar nicht. Manchmal gab es im Kino eine Filmvorführung am Vormittag –  für Schulen, das aber sehr selten. Sie hat zig Mal einen Film gesehen, den ich ja auch kannte – September 1939. So war es. Und auch einen über Jungs, die in den Ruinen mit den Blindgängern spielten.

Und da war dort eine Boxhalle! Es war Amateurboxen, drei Runden. Es boxten Buchhalter und Schullehrer. So ein Fight Club in der Provinz vor einem halben Jahrhundert. Die Eintrittskarten waren billig, es war warm, die Leute, offensichtlich gewohnt, dass da Fremde rein kommen, um Zeit tot zu schlagen, friedlich. Irgendwann sickerte es durch, weshalb ihr Mann im Knast saß. Diese Menschen hätten selbst für Diebstahl schon Verständnis, und erst recht für politische Gefangene. Kein Mensch hatte was gesagt, aber es war klar, er war wer, sie war wer, er war ein Held, man hat ihr dünnen süßen Tee angeboten, manchmal sogar belegtes Brot mit Mettwurst und Zwiebel. Sie lernte es zu genießen. Sie mochte es, dort unter diesen einfachen netten Leuten zu sein.

Zu Hause in Posen war das Leben so unerträglich schwer. Die alte Mutter war da, eine kleine Tochter, noch in der Schule, und der Sohn, der jung geheiratet hatte und dann in einem Flugzeugunfall, dem ersten in Polen, ums Leben kam. Übrig geblieben ist die Witwe mit zwei Kindern. Alle wohnten sie zusammen in einer 2-Zimmer Wohnung.  Eine Zeitlang war sie die alleinige Ernährerin in diesem Haushalt, der voller allzu alter, zu kranker oder zu junger Menschen war. Sie war Ehefrau eines politischen Gefangenen, sie hatte keine Arbeit, verdiente das Geld in Heimarbeit, indem sie Pullover und Socken aus Nesselgarn strickte. Und dann irgendwann starb Stalin, irgendwann konnte man hoffen, dass die Gefangenen entlassen werden. Dann, als sie irgendwann beim Boxen zuschaute, kam jemand in die Halle, den sie bereits kannte: Ein  Boxer, der als Kesselarbeiter im Gefängnis arbeitete. Er kam auf sie zu und flüsterte, ihr Mann werde gleich entlassen, und er, der Boxer, werde sie dorthin begleiten. Und so gingen sie zusammen, der Boxer und die Dame…

Sie liebt Boxen. So einfach ist es.

Kunst und Kampf

Heute… Heute lese ich. Es ist diesmal eine merkwürdige Sache. Der Text, den ich heute lese, wird man morgen hier auf dem Blog finden.  Sonst…

boks-plakatKUNST UND KAMPF IM STUDIO 14

Fightnight Events und Boxring Promotions Ltd. – 28. Juni 2013
Ufer Studios Berlin

ROCKEN, LESEN, SCHAUEN & BOXEN

Die Kapelle Weyerer ist anders. Die Musik ist zwar eingängig, aber doch mit Anspruch. Die Texte sind mal lustig, mal sentimental, aber stets überlegt. Die Arrangements klingen irreführend einfach. Der „Professor“ am Schlagzeug gibt alles – und zwar mit Gefühl. Nick Flade am Keyboard  ist einfach phänomenal. Er hat virtuose Phasen, da sitzt man auf der Stuhlkante oder lehnt sich zurück und macht die Augen zu. Der Chef, Stefan Weyerer, ist eine ganz besondere Nummer. Er macht mit seiner Stimme, was man weder ihm noch ihr zugetraut hätte.Die Süddeutsche hat es in einem Satz zusammengefasst, was ihn ausmacht: “Da steht einer, der die Ungereimtheiten des Lebens besser in Worte fassen kann als alle Söhne Mannheims zusammen…”

Bilder sind jedermanns Sache, nur wenn es auf den Geschmack ankommt, wird es kritisch. Renate Herda hat sehr verschiedene Ansätze. Sie arbeitet heute vorwiegend in ihrem molekularen Stil, zeigt im Uferstudio 14 im Wedding aber Bilder aus mehreren ihrer Schaffensperioden, also unterschiedliche Stile. Meist haben ihre Bilder Witz, es gibt auch oft einen Clou, aber keine Programmbilder. Leider nicht dabei hat sie diesmal ihre Ikonen. Das sind sehr kunstvolle, wertvolle Arbeiten. Wer Spaß an Farben, Formen und Witz hat, der kann sich mit ihren gezeigten Bildern gut eine Weile beschäftigen. Wenn die Zeit nicht reicht, kann man sie auch kaufen.

Ewa Maria Slaska hat was, was vielen deutschen Autoren fehlt. Sie kann ernste Dinge mit Humor behandeln. Sie hat zum Beispiel einen sehr unterhaltsamen Aufsatz zum 60. Todestag Josef Stalins geschrieben. Ewa hat noch eine attraktive Eigenschaft als Autorin. Sie glaubt nicht, dass Unverständliches intellektuell wäre und hält Länge nicht unbedingt für Qualität. Freuen Sie sich auf polnischen Charme im Wedding.

Das Boxen ist exemplarisch im Studio. Wir unterscheiden – Kickboxen und englisches Boxen. Technik, Stile, Stärken, was setzt sich durch? Die Profis zeigen es uns unter lokaler Beteiligung. Kraft ist nicht alles, aber Mut braucht man in jedem Fall. Und Disziplin. Wir werden sehen.