Besser nicht zusehen…

Schrecklich dieser Krieg, es wird keine Sieger geben

Tibor Jagielski, der sich diesen Beitrag ausgedacht hat

Jürgen Kaube (reblog)

Drei Wörter, sagt Filmemacher Raoul Peck in der FAZ, fassen die gesamte Historie der Menschheit zusammen: Zivilisation, Kolonisation und Vernichtung. Kurz danach sagt er, ein einziger Satz fasse die Geschichte der westlichen Welt und des europäische Kontinent zusammen. Er stammt aus Joseph Conrads Herz der Finsternis, wird dort von einem Kolonialverbrecher gesagt und lautet „Rottet die Bestien aus!“
Peck zufolge, gibt es stets die Gewissheit einer überlegenen Rasse, stets wird aus ihr das Recht abgeleitet, die Unterlegenen zu bekriegen, umzusiedeln, zu bestehlen, zu missionieren, zu töten oder sterben zu lassen. In den Spielszenen ist es immer derselbe Schauspieler, der die Grausamkeit repräsentiert, vom Mord an der Seminolen um 1815 über den Oberkongo 1895 bis in die Gegenwart. Einen geschichtlichen Fortschritt weg von diesem so selbstbewussten wie grausamen Rassismus kann der Film nicht finden. Den Abscheu gegenüber dem Schrecklichen behandelt er als Einstellung Weniger, zu denen auch er selbst gehört. Deswegen spricht er wiederholt seine Biographie und seine vorigen Filme an. Sätze wie Die bloße Existenz dieses Films ist ein Wunder, klingen selbstgefällig. Wichtiger aber ist, dass Peck den Eindruck erweckt, wir lebten nach wie vor oder demnächst wieder im neunzehnten Jahrhundert, in der Zeit der totalitärer Massenmorde und einer allgemeinen Überzeugung, es gebe sterbende Nationen, denen man Sterbehilfe leisten dürfe. Einmal stellt er die Frage, was jemals großartig an Amerika gewesen sei. Der Eintritt in den Zweiten Weltkrieg fällt ihm nicht ein.

Ein zum Tode Verurteilter auf dem elektrischen Stuhl des Gefängnisses „Sing Sing“ im Bundesstaat New York

Der Film Rottet die Bestien aus! von Raoul Peck erzählt die Verbrechensgeschichte des Westens. Dabei schert er sich nicht um die Unterschiede zwischen Kolonialismus und Judenvernichtung.

Rottet die Bestien aus! alle vier Teile sind momentan bei Arte zu sehen: https://www.arte.tv/de/videos/RC-022134/rottet-die-bestien-aus/
—————————————————————————————————–
Tibor Jagielski sagte dazu noch:
In einem Punkt hat Peck sicherlich recht: Wir funktionieren mental im 19. Jahrhundert, und wenn wir nicht aufpassen, werden wir nach der nuklearen Nacht auf das Niveau der Steinzeit zurückfallen.

Ich erinnerte mich dabei daran, dass ich einmal, 1997, in einem Theater ein Faultier gespielt hatte. Die Role war schrecklich, aber was sollte es, die Bezahlung stimmte und drum ging es… Die ganze Vorstellung über hing ich eigentlich nur an einem Ast, pfiff ab und zu oder kratzte mich unter den Achseln und erst am Ende des dritten, letzten Aktes warf ich mich auf eine Piratin. Ich zertrümmerte ihren Schädel und aß ihr Hirn (es war Vanillepudding mit Erdbeersoße), wobei ich versuchte, nicht zu schmatzen, weil während der Probe einer der Zuschauer in Ohnmacht fiel und die Regisseurin mir verbot, die hochtrabenden Ideen des Stücksschreibers zu expressionistisch zu interpretieren.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.