Vom ICH zum WIR

Christine Ziegler

So lautet oft der Slogan, wenn wir über Solidarität nachdenken. Doch wie geht das überhaupt, wo wir immer weiter um das ICH kämpfen, kämpfen müssen und wollen.

Was weiß ich, ob es stimmt, ich war nicht dabei, aber nein, bin es gerade jetzt doch:
Einstmals gab es ein WIR, doch auch dieses erst, als WIR begriffen, dass wir eine besondere Art Lebewesen sind, die sich nicht mehr so ganz einordnen kann in das Leben an und für sich, dem wir aber doch weiter angehören.

Dann ein ER, SIE, ES? Oder doch als erster Schritt ein ICH? Was machen die Kinder? Wenn sie sprechen lernen, ist es mit ICH noch kompliziert. Und dann kommt auch noch ein DU dazu?  Und DU ist ICH und ICH ist DU?

Und wer darf von ICH sprechen? Weshalb sind Frau, Kind, Knecht, Magd, Vieh und alles was seins ist, erst mal nur Eigentum? Oder gab es ein Dasein ohne Eigentum? Hatten wir dann Personalpronomen?

Was für ein Glück, wenn das ICH bestimmen kann, dass es ein ER ist? Eine SIE ist. Das ES im Kind, ganz kurz ist es MENSCH egal, was mensch ist, dann kommt der Zwang zum ER und SIE. Wieso DAS Mädchen, na ja, alles was seins ist, kann wohl kein SIE sein, erst recht kein ICH. Kein Wunder, dass wir alle um die Selbstbestimmung des Personalpronomens kämpfen. Und staunend lernen, wie viele Personalpronomen es in Wirklichkeit gibt.

Gelingt da ein Weg zurück zum WIR, zur Solidarität? Wo doch auch noch das IHR da ist. Denen ist sowieso nicht zu  trauen. Vielleicht ist dieses Mistrauen erst zu überwinden, wenn es welche gibt, die SIE über uns sagen und uns alle meinen?

 

1 thought on “Vom ICH zum WIR”

  1. Super Beitrag, danke.
    Ich denke so: WIR, was fällt mir zu dem Begriff ein?
    -wir sind LGBT…
    -wir sind Charlie..
    -wir sind gegen…
    -wir sind pro…
    -wir sind RTL …..
    -wir sind Papst..
    Wir sind, wir sind…etc….
    WIR, oft ist das ein Mantel für die plötzliche emotionale Identifizierung mit dem Ereignis, mit einer Person, die uns motiviert, die uns imponiert, oder die unserer Weltanschauung entspricht.
    Nicht immer bedeutet das aber die Stabilität von der einzelnen Person (also ICH) in der Gruppe von WIR.
    Also, meiner Meinung nach, WIR kann nur dann zur wahren Solidarität mit etwas, oder Jemanden werden, wenn die einzelne Person genau weiß :
    wofür sie persönlich steht, und ob sich das mit den Überzeugungen der Gruppe, zur welchen sie gehört, oder gehören möchte, deckt.
    Das Gefühl WIR mit schwachem ICH kann auch die Zugehörigkeit zu Randgruppen, politischen, religiösen, asozialen Gruppen bedeuten.
    NUR die reife Entwicklung des Ichs (die Werte, sexuelle Orientierung, die Toleranz zu etwas anderem, als ich selbst bin, Stellungnahmen, etc) ist die Basis zur gut gewählten Solidarität, dh. mit WEM und WARUM ich mich geistig und emotionall verbinde, also auch von wem ich mich abgrenze.
    Teresa

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