Karl Marx zum 200. Geburtstag

Christine Ziegler

“Frau Kapital trifft Dr. Marx”
vom Weber-Herzog-Musiktheater

Es war der Donnerstag vor genau einem Monat, 5.4.18 um 20 Uhr im RegenbogenKino.

Ein schwarzer Vorhang vor der Kinoleinwand, ein altes Klavier, ein Sofa und ein Lehnstuhl, viel mehr brauchen sie nicht, die Leute vom Weber-Herzog-Musiktheater, um die Thesen von Karl Marx aus dem ersten Band des Kapital in 100 Minuten auf die Bühne zu bringen. Wichtiger war ihre Geduld in unzähligen Diskussionen, die wichtigen Worte und Sätze herauszuschälen, auf die es ihnen ankommt. Hinwenden, herwenden, alles im Licht der Ereignisse der seitdem vergangenen Jahre betrachten, das hat das Distillat dann hervorgebracht.

Ein studierter Marx mit Hang zum Dozieren trifft auf eine feine, etwas exhaltierte Dame mit Lust am Rausch der Macht. Wer besucht hier wen auf wessen Geburtstagsparty?

Ausbeutung, Mehrwert, Öl als Droge und die Betrachtung, wie eigentlich alles anfing mit der Akkumulation, wir können mit Frau Kapital gemeinsam auf Reisen gehen und die Rolle des Kapitalismus als ökonomische Entwicklungsstufe wiedererkennen.

Wie wir das alles wieder loswerden können, das skizzieren sie notwendigerweise nur, denn die Aufgabe, die da vor uns liegt, ist natürlich ans Publikum zurückgegeben.

Wenn wir aber unsere Gesundheit und das Leben auf dem Planeten bewahren wollen, dann muss sich grundlegend was ändern.

Das würde ohne die tolle Musik dann doch an der einen oder anderen Stelle wie ein Seminar daherkommen. Nachdenken ist halt auch anstrengend. Mit Lust an der Zuspitzung und mit ganz verschiedenen Stilmitteln unterstützt die Musik den Erkenntnisprozess mit einem Couplet aus den zwanziger Jahren ebenso wie mit einem Choral.
Und immer wieder schaut auch Kurt Weil erfreut um die Ecke.

So kommen alle auf ihre Kosten, ganz sicher die, die sich ihren Marx selber erarbeitet haben, aber auch die, die keinen einzigen Kapitalkurs durchstehen wollten.

Es wirken mit:
Raiko Hannemann, Christof Herzog, Martin Orth und Christa Weber.

Produktionsleitung / Regieassistenz: Dennis Kupfer

Nochmal Gelegenheit, das selber zu sehen:
Di., 15.5.18 um 20 Uhr, wieder im RegenbogenKino
Lausitzer Straße 22
10999 Berlin

1 thought on “Karl Marx zum 200. Geburtstag”

  1. Thank you for making me aware of this anniversary.
    I thought, that I remember so well my young years and here you are – portrait of Karl Marx, together with Lenin, Stalin and Engels hang in my classrooms, I still remember, that he was born in Trier, but date of birth somehow evaporated.
    And how Trier will celebrate a birthday of its most famous citizen?
    Quite properly – a large statue, gift from China, will be unveiled. Look here: http://www.news.com.au/world/breaking-news/german-city-braces-for-marx-200th-protests/news-story/57bca1296d768904a0b4cc1ec56ad608
    Most of my life in Poland I lived in Warsaw, in the shade of a Palace of Culture and Science, a gift of J. Stalin.
    Now, In the new economic order of the world it is most proper, that China distributes gifts.

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