Groby / Gräber 2017 (1)

Heut’ ist Buss- und Bet-Tag. Anne hatte letztens zwei Gräber besucht, ich noch eins…

Jutro dla czytelników polskich Ela Kargol z wpisem na podobny temat. I przysięgam – nie umawiałyśmy się, temat wisiał w berlińskim powietrzu

Anne Schmidt

Es gibt Gräber, die muss man suchen, wenn man sie besuchen will.

Sie wurden anonym angelegt, weil die dort begrabenen Personen mit ihren Geschichten zur Zeit ihres Todes als Aufrührer oder gar Verbrecher galten, deren Gräber keinesfalls zu Pilgerstätten werden sollten.

Andere wiederum wünschten sich schon zu Lebzeiten ein idyllisches Plätzchen an einem weltfernen Ort für ein ewiges Ausruhen nach einem ruhmreichen, turbulenten, selbstzerstörerischen Leben.

Zu den anonymen Gräbern gehörte das von Ulrike Meinhof, das jedoch inzwischen ihren Namen trägt und anlässlich ihres Geburtstages am 7. Oktober reichlich geschmückt wurde.

Foto Anne Schmidt

Es befindet sich in Tempelhof auf dem Friedhof der Heiligkreuz-/ und Passionskirchengemeinde an der Eisenacherstraße.

Christa Päffgen, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen “Nico”, hatte sich schon in noch unbeschwerten Jugendjahren den Waldfriedhof am Schildhornweg im Grunewald als letzten Ruheort ausgesucht. Dort findet man auf einem Grab unter dem Stein mit ihrem und dem Namen ihrer Großmutter ein gerahmtes Foto von ihr, das in ihrer glücklichen Zeit als Sängerin und Muse von Jim Morrison gemacht sein dürfte.

Wie lange man sie dort noch besuchen kann, ist der Wilmersdorfer Gemeinde überlassen, die den Friedhof aus Kostengründen schließen will.

Die russichen Selbstmörder, nach denen der Friedhof benannt ist, die vielen Toten einer Bombennacht im Jahre 1945 würden dann genau wie Nico und Rolf von Zukowsky umgebettet werden müssen oder dem Verfall preisgegeben werden.

Die Wildschwein rotten um den Friedhof herum warten schon jetzt auf ein Offenlassen der Pforte.

Foto Elżbieta Kargol

Ewa Maria Slaska

Noch ein Selbstmörder-Grab. Walter Leistikow, Maler. Wikipedia weißt zu berichten, dass:

Walter Leistikow erschoss sich am 24. Juli 1908 während eines Aufenthalts im Sanatorium Hubertus in Berlin-Schlachtensee im Endstadium seiner langjährigen Syphilis-Erkrankung. Nach einer großen ehrenvollen Trauerfeier im Berliner Secessionsgebäude wurde er auf dem Friedhof Steglitz beigesetzt. Sein Grab ist ein Ehrengrab des Landes Berlin. Der Grabstein – ein Werk Franz Seecks von 1909 – wurde zum 100. Todestag erneuert. Die Grabstätte befindet sich in der Abt. Ih – Erbbegräbnis 251.

Was man nicht zu berichten weiss, ist, dass man ihm zuerst nirgendwo begraben möchte, und erst nach langer Suche hat sich die Friedhofsverwaltung des Friedhofs Steglitz, bereit erklärt, ihn zu begraben.

Foto Wikipedia

Als man in Steglitz den 100. Jahrestag des Leistikows Todes feierte, am 24. Juli 2008 weilte Barack Obama, damals noch USA-Präsidenten-Kandidat, in Berlin. Die Organisatoren der Leistikows Feierlichkeiten luden Obama ein, nicht nur zur Siegessäule sondern auch nach Steglitz zu kommen, aber so viel Sinn für den (schwarzen) Humor bewies sogar Obama nicht. Schade, eigentlich.

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