Aus dem Leben einer Dichterin

AUF DER POST
von Jana Stoklasa

Ich stand auf der Post,
in Gedanken mit den Umständen beschäftigt,
die mit meiner Sendung verbunden waren.

 Da wurde mir plötzlich bewusst,
dass ein kleiner dicklicher Mann im Anzug,
schnurbärtig und mit gebräunter Glatze,
mit einem solchen fixierenden Blick meine Hände beobachtete,
dass in mir blitzartig eine Art Terror-Paranoia hochstieg.
Denn ich stand da
mit einem kleinen schwarzen Köfferchen auf Rollen,
eine schändlich mit Werbeaufklebern zugeflickte Briefsendung in der Hand
und zog mein Handy aus der Handtasche.
Seit meiner Notiznahme dieses mir unheimlichen Mannes,
dessen Blicke wie alles durchzudringen suchten,
beanspruchte ein Plakat links der Schlange seine volle Aufmerksamkeit,
obwohl genau darüber Bilder auf einem Infoscreen liefen.
Durchweg in dieses omniprāsente Gefühl versunken, verdächtigt zu
werden,
hörte ich alsdann erst gar nicht die Rufe der schon genervten Beamtin am
Schalter.

 Mein Angstgefühl verbot mir jede weitere Auseinandersetzung
mit meiner über diesem öffentlichen Raum schwebenden Frage,
ob ich mich nun von einer generellen
zur potenziellen Verdächtigen hochgearbeitet habe,
und was es eigentlich bedeutete,
wenn schon das banale Betreten einer Post
als eine Selbstgefährdung auf mich wirkte.

Beim Hinausgehen
musste ich dann schließlich doch über mich selbst lächeln
– sobald ich in mich die Luft ausserhalb dieser Post
wie in einem befreienden Atemzug hineingesogen hatte.

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