Puppendienstag: Christine

Gertraud Pohl

Manchmal siehst du Menschen fröhlich beisammen sein
und du bist allein.
Du möchtest zu ihnen, ja sogar mit ihnen gehn –
würden sie das verstehn?

Es gibt Zeiten, in denen Kontakte überaus erschwert sind, und meine “Puppenaktion” ist ein guter Beitrag, die Blokade zu durchbrechen.

Christinedoppel1
Vor einigen Monaten kaufte ich eine neue kleine Digitalkamera, die mich überall hin begleiten sollte und meinen Blick für die “Bilder” des Daseins schärfen sollte – und in Erinnerung an meine längst verstorbene Mutter, Gisela Agnes Christine, die uns Kinder angeleitet hatte, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, nannte ich sie “Agnes”. Den Namen Christine  verlieh ich meinem neuen, sehr fotogenen Puppen-Modell. Und nun kommuniziere ich auf zwei Ebenen über “Agnes” und “Christine” mit meiner eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, und das bereitet nicht nur mir großes Vergnügen.

Ur-Christine
Dann entdeckte ich den bisher unbeachteten Charme einer Puppe von einem Flohmarkt, die sehr fotogen war, und ihr gab ich den dritten Namen meiner Mutter “Chistine”. Nun habe ich mit diesem Team Agnes-Christine einige Tage verbracht – und bin total begeistert von der Wirkung – nicht nur in Bezug auf die entstandenen Fotos, sondern auch von der Reaktion der Menschen, die mich beim Fotografieren bemerken, mit mir sprechen und manchmal auch Fotos geschickt haben möchten.

Christinedoppel2

ChristinemitLoewenDas bin ich

Ich kann vierblättrige Kleeblätter finden,
aus Sonnenstrahlen Girlanden winden,
ich kann tagtäglich Blumen verschenken
und über den Sinn des Lebens nachdenken,
ich kann ein köstliches Mahl bereiten,
wenn´s sein muss, kann ich königlich schreiten,
ich kann mein Lebensmuster stricken
und mich nach Regenwürmern bücken,
ich kann die spanische Sprache verstehen
und manchmal in die Zukunft sehen,
ich kann sehr schöne Fotos machen
und kann aus tiefstem Herzen lachen,
ich kann fast alles mit jemandem teilen
und lange an schönen Plätzen verweilen,
ich kann den Augenblick genießen
und meine Blumen pünktlich gießen,
im Luxus leben und bescheiden,
kann mich und andre richtig kleiden,
ich kann recht gut mit Stäbchen essen
und mich mit „Sternendeutern“ messen,
ich kann verstehen und kann schweigen,
kann mich in der Gesellschaft zeigen,
mit Mensch und Tier zusammenleben
und aufwärts zu den Gipfeln streben –
das bin ich…

1 thought on “Puppendienstag: Christine”

  1. Das Gedicht u. Ihre Puppen versetzen mich zurück in den Roman von Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer. Bes. erinnern Sie mich an Abigail. Anne Schmidt

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