Ausnahmezustand

Ab dem 10. September präsentiert das Berliner ZAK /Zentrum für Aktuelle Kunst / in der Zitadelle Spandau die Gruppenausstellung 
„Ausnahmezustand. Polnische Fotokunst heute“, 
die bisher größte Schau polnischer Fotografie in Deutschland.

Ausnahmezustand. Polnische Fotokunst heute
mit Werken von Filip Berendt, Kuba Dąbrowski, Karolina Gembara, Weronika Gęsicka, Aneta Grzeszykowska, Magda Hueckel, Pawel Jaszczuk, Irena Kalicka, Anna Kieblesz, Zuza Krajewska, Adam Lach & Dyba Lach, Diana Lelonek, Michał Łuczak, Rafał Milach, Igor Omulecki, Anna Orłowska, Witek Orski, Zosia Promińska, Agnieszka Rayss, Łukasz Rusznica, Michał Siarek, Michał Szlaga, Dominik Tarabanski, Łukasz Wierzbowski, Karolina Wojtas und Piotr Zbierski
Eröffnung: Freitag, 9. September 2022, 19Uhr
Laufzeit: 10. September 2022 – 1. Januar 2023
Ort: ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst, in der Zitadelle Spandau
Am Juliusturm 64, 13599 Berlin | Fr. – Mi., 10 – 17Uhr, Do., 13 – 20Uhr


Pressetext:

Die Gruppenausstellung „Ausnahmezustand. Polnische Fotokunst heute“ und gewährt einen faszinierenden Einblick in die zeitgenössische Fotografie Polens.
Vorgestellt werden 26 Stellvertreterinnen der jüngeren und der mittleren Generation polnischer Fotografinnen und Fotokünstlerinnen, von denen viele bisher kaum oder gar nicht in Deutschland bekannt sind. Zu Unrecht, wie die Besucherinnen feststellen werden. Neben vielen Formen einer ästhetisch und formal frischen Dokumentarfotografie reicht das Spektrum des Gezeigten von der Porträt- und Selbstporträtfotografie über Stillleben und Landschaftsfotografie bis hin zu freien künstlerischen Ansätzen in der Abstraktion. Präsentiert werden die Werke als klassische Tafelbilder, in Projektionen sowie in objekthaften Installationen.

Unter anderem werden Rafal Milachs Fotografien von den Protesten gegen die Ende 2020 verabschiedete Abtreibungsgesetzgebung zu sehen sein, die es Polinnen praktisch unmöglich macht, einen Schwangerschaftsabbruch im eigenen Land vornehmen zu lassen (Strajk), sowie Aneta Grzeszykowskas Annäherung an ihren eigenen Körper, indem sie Teile von ihm aus Schweinehaut nachbildet (Selfie).
Von der interdisziplinär arbeitenden Diana Lelonek wird es Bilder aus ihrem jüngst erschienenen Buch Wasteplants Atlas geben, in der sie pflanzliche Lebensformen auf illegal entsorgtem Wohlstandsmüll untersucht und kategorisiert. Und Pawel Jaszczuk widmet sich in seiner Serie ¥€$U$ der Kommerzialisierung der Muttergottes und Jesus in seinem katholischen Heimatland.

Ein Leseraum mit zahlreichen Fotobüchern und Katalogen von Ausstellungsteilnehmern und -teilnehmerinnen als auch zahlreicher nicht direkt an der Ausstellung Beteiligter wird geneigten Besucherinnen die Möglichkeit geben, noch tiefer in die polnische Fotoszene einzutauchen, die sich anschickt, auch international stärker Fuß zu fassen. Wie wichtig dieses nach Außen gerichtete Engagement für polnische Fotografinnen ist, wird in den parallel zur Ausstellung angebotenen Vorträgen und Podiumsgesprächen deutlich werden, in denen es u.a. um die schlechter werdenden Arbeits- und Ausstellungsbedingungen für Kreative in Polen geht. Die unter der aktuellen nationalkonservativen Regierung, oftmals im Zusammenspiel mit Teilen des katholischen Klerus, eingeleiteten Maßnahmen zur Schwächung rechtsstaatlicher Strukturen sowie geschürte Ressentiments gegen Minderheiten wie nichteuropäische Flüchtlinge und LGBT+-Mitbürgerinnen, ebenso wie der wachsende Nationalismus sind Themen, die viele Fotografinnen natürlich in ihren Arbeiten aufnehmen. Dies jedoch birgt inzwischen tatsächlich das Risiko, von Stipendien und anderen staatlichen Unterstützungen sowie von Ausstellungsmöglichkeiten in einer Vielzahl von staatlich subventionierten Museen und Institutionen ausgeschlossen zu werden.

Die nun geplante Ausstellung, die die bisher größte Schau polnischer Fotografie in Deutschland sein wird, soll einen Beitrag zur Vertiefung der deutsch-polnischen Nachbarschaftsverhältnisse darstellen.
Ein Interesse an dem östlichen Nachbarn Deutschlands und seiner Kultur ist hierzulande in den vergangenen Jahren größer geworden. Hier möchte die Ausstellung einen verbindenden Beitrag leisten.

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