Frauenblick 11

Monika Wrzosek-Müller

Juli Zeh „Unterleuten“

„Die Klatschsucht war ein Juckreiz und das Dorf kratzte sich.“

Es gibt Sätze, die einfach bleiben, die einen festhalten und nicht sich vorwärts zu bewegen erlauben, bis man sie auswendig kennt und sich irgendwann an sie erinnert, wie an Sprichwörter. Der Roman ist so gut, dass er jetzt schon wahrscheinlich zu den Klassikern zählt, obwohl er nicht einmal ein Jahr alt ist. Die Welt im Mikrokosmos, in Brandenburg, weit weg und nah zugleich. Das Buch ist über 600 Seiten dick, trotzdem schnell zu lesen. Die Mitwirkenden sind wie auf einer Bühne, es hat etwas von einem Welttheater, einer Weltbühne an sich und es ist wie ein antikes Drama. Ein Drama, in dem die Einheit von Ort, Zeit und Handlung im Groben beibehalten wird. Das Dorf rast auf eine Katastrophe zu und wir, die Leser, werden zum Chor stilisiert, der für sich alles kommentiert und Vermutungen anstellt. Die Handlung ist an sich einfach, doch die Charaktere und Beschreibungen der einzelnen Figuren meisterhaft. Zwar steht der Titel Unterleuten (unter Leuten) für menschliches Zusammensein, doch man spürt von der ersten Seite an, dass die Gemeinschaft des Dorfes in kleinere Parteien aufgeteilt ist, die am Anfang bedingungslos aneinander hängen. Die Schriftstellerin lässt zwei Paare aus Berlin nach Unterleuten kommen und sie dann streiten; die Paarbeziehungen gehen zu Bruch; ob man an der dörflichen Realität verzweifelt, muss jeder für sich entscheiden.

Die Ankunft der Neuen führt dazu da, dass sich die Konstellationen verändern. Man ist unter Leuten und die Konflikte werden direkter ausgetragen, man sucht ein Kind zusammen mit den anderen, man hetzt einen gegen den anderen auf, man geht von Tür zu Tür und sammelt Unterschriften; die Polizei wird immer erst zum Schluss gerufen.

Es ist ein Dorf, das alles miterlebt – in den sechziger Jahren die Kollektivierung, die Enteignungen und dann die Gründung einer LPG, und nach der Wende gründen dieselben Leute einen landwirtschaftlichen Biobetrieb, der alle mit Arbeitsplätzen versorgen soll. Und es kommen die Neuen, die Zivilisationsmüden aus der Stadt, halb Intellektuelle, Naturnaive und Freunde. Sie mischen die Bevölkerung neu auf und versuchen mitzumachen und den Lauf der Dinge mitzubestimmen.

„Für Gerhard hingegen war ständig irgendwas „unfassbar“ und er selbst dabei „fassungslos“.

Damit sorgen sie für ein Ferment, das vielleicht noch bedrohlicher wird, als es das Leben mit Leichen im Keller ohnehin ist. Sie geben ihren Frust, Durchsetzungswillen, Individualismus und einfach eigene Vorstellungen noch dazu.

Und es ist die Art, wie Juli Zeh schreibt, wie sie auf den Punkt genau formuliert und keine überflüssigen Wörter verliert und das trägt auch bestimmt zum Erfolg des Buchs bei. Es fallen Sätze, die man fast Aphorismen nennen würde, die aber ganz einfach nebenbei geäußert werden, in denen viel Klugheit und Einsicht in die zwischenmenschlichen Beziehungen steckt.

Der Epilog erklärt das Unerklärbare, wie die Schriftstellerin auf diesen Sammelsurium gestoßen ist, und er rundet die Geschichte ab. Ein gutes, wichtiges Buch für unsere Zeit und über unsere Zeit.

„Draußen legt sich die frühe Nacht dem Dorf wie eine beruhigende Hand auf den Scheitel“

Muzeum kotów

Ewa Maria Slaska (tekst), Maria Gast Ciechomska (zdjęcia)

Poszłyśmy do Muzeum Kotów, miało więc być o muzeum kotów, ale gdy siadłam do pisania przypomniało mi się nagle Muzeum Psów, dość niemiła ale świetna książka Jonathana Carolla, którą czytałam wiele lat temu w wydaniu Rebisu i tłumaczeniu Pawła Kwiatkowskiego. Wydawnictwo dołączyło do książki taki tekst:

Harry Radcliffe, sławny i błyskotliwy architekt, bez skrupułów wykorzystuje każdą nadarzającą się okazję i każdą piękną kobietę. Podejmuje się nawet zaprojektowania Muzeum… Psów, na które sułtan Saru, obawiający się zamachu na swoje życie, chce wydać miliard dolarów, by się zapisać w pamięci potomnych.

Ciekawe, wydawało mi się, że akcja powieści rozgrywa się przede wszystkim w rozmowach projektanta muzeum z synem zleceniodawcy. A że facet jest bez skrupułów, nie wiem, nie pamiętam… Chyba przede wszystkim pamiętam puste spalone słońcem górskie krajobrazy, gdzie w jakiejś rozpadlinie powstanie muzeum… W gruncie rzeczy nic nie pamiętam. A mimo to wiem, że była to świetna książka. Niespokojna.

Muzeum kotów mieści się w spokojnej mieszczańskiej dzielnicy Berlina, w spokojnej mieszczańskiej kamienicy i nie ma w nim, na szczęście, nic demonicznego… Przeciwnie – jest Helmut Glantz, miły starszy pan, który od ponad 40 lat zbiera wszystko o kotach – figurki, obrazki, porcelanę, przedmioty codziennego użytku i wyszukane obiekty kolekcjonerskie. Masową produkcję pamiętkarską i cenne unikaty. A zaczęło się wszystko od małego białego kotka, kupionego za kilka marek przez ucznia ze szkoły średniej… Teraz koty zajęły całe mieszkanie, kurator i jego rodzina (teraz już tylko żona, dzieci poszły na swoje) oraz, oczywiście, koty zajmują inne mieszkanie w tej samej kamienicy. Tu nie ma miejsca dla żywych, tu rządzą koty uprzedmiotowione. Ale jak!

Katzenmuseum
Über 30 Jahre sammelten Katzenliebhaber Helmut Glantz und seine Frau alles, was mit Katzen zu tun hat. Das Ergebnis dieser Leidenschaft macht er der interessierten Öffentlichkeit in Berlins einzigen Katzenmuseum zugänglich.

Tassen, Teppiche und Vasen mit Katzenmotiven, gestrickte Katzen, Katzen aus Holz, Spieluhren mit Katzen und über 1000 Katzen-Porzellanfiguren. Es gibt buchstäblich nichts, was nicht mit Glantz’ Lieblingsmotiv verziert wurde. Zusätzlich verfügt das in einer 3 Zimmer-Wohnung in Lichterfelde beheimatete Katzenmuseum über eine kleine Bibliothek mit Sachbüchern zur Katzenzucht und Pflege. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, die Besucher werden nur nach telefonischer Voranmeldung empfangen und durch das Museum geführt.

Adresse / Adres:
Luisenstraße 38
12209 Berlin
Telefon: (030) 772 51 49
Öffnungszeiten / godziny otwarcia: Besichtigung nur nach Terminvereinbarung möglich / trzeba się umówić
Eintrittspreise / Ceny: frei / bezpłatnie (Spenden willkommen, datki mile widziane)

Postdeutsches Stettin

Beata Kozak

Feministin, Chefredakteurin der Frauenzeitschrift Zadra, wuchs in Stettin auf. In ein paar Tagen wird sie aus dem unveröffentlichten Manuskript in der Regenbogenfabrik lesen.

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Poster Dorota Kot

Hier ein Prosafragment:

Wenn man das Wort „poniemieckie” bei Google eingibt, erscheinen verschiedene Vorschläge: postdeutsche, das heißt ehemals deutsche Häuser, postdeutsche Geheimfächer, Schätze, Bunker. Auf das Wort „Postdeutschsein” (poniemieckość) reagiert die Suchmaschine, als ob sie einen Fehler korrigieren würde. Sie ignoriert die Vorsilbe „post” und schlägt einfach das Deutschsein vor, konkret das Deutschsein der DDR, von Wrocław (Breslau), von Śląsk (Schlesien),von Gdańsk (Danzig). Aber was für eine Ahnung kann diese amerikanische Erfindung von der Realität der polnischen Westgebiete haben? Mehr weiß darüber das „Wörterbuch der Polnischen Sprache”, das das Adjektiv „postdeutsch” erklärt als „erstmalig gebraucht nach dem Zweiten Weltkrieg: von den Deutschen, auch von den deutschen Besatzern, übriggeblieben; früher den Deutschen gehörend”. An einer anderen Stelle präzisiert das Wörterbuch, dass man so „das Vermögen, die Gebiete, die von den Deutschen geblieben sind, [bezeichnet], welche bis zum Zweiten Weltkrieg in den westlichen Gebieten des heutigen Polens lebten”. Interessant ist, dass es in der polnischen Sprache eine ähnliche Verbindung des Präfixes „post” (po) mit einer Nationalitätenbezeichnung nur noch in der Form „postjüdisch” (pożydowski) gibt, wobei das Wort „postjüdisch” am ehesten mit Gold, Vermögen und Immobilien kombiniert wird. Die Geschichte hinterließ in der Sprache eine tiefe Spur.

Das Wort „postdeutsch” (poniemiecki) besteht im Polnischen aus vier Silben. Nur die erste, „po”, bezieht sich darauf, was später stattfand, nachher, danach. Dazu sieht diese erste Silbe zufällig wie eine Abkürzung des Wortes „polnisch” aus, was ihr, im Zusammenhang mit dem gesamten Wort „po-niemiecki”, eine zusätzliche Bedeutung verleiht. So ist eben das Postdeutsche: ein kurzes Jetzt, das die Last der Vergangenheit hinter sich herschleppt.

Die ersten zwanzig Jahre meines Lebens war ich, ähnlich wie alle meine Altersgenossen, vom Postdeutschen umgeben. Das ehemals Deutsche war in Städten wie Stettin allerorten vorhanden, es war ein Teil der Wirklichkeit. Ich besuchte postdeutsche Schulen in postdeutschen Städten und wohnte in Wohnungen in postdeutschen Häusern, in denen moderne Hochglanzschrankwände neben den postdeutschen Möbeln standen. Das Postdeutsche bedeutete etwas Großes, Erdrückendes, Dunkles, Düsteres, Bedrohliches, was in modrigen Kellern und in Dachböden lauerte. Es lauerte in finsteren gotischen Buchstaben, die unter dem Verputz an den Hauswänden hervorlugten, oder in Form schwerer Kredenzen und Deckenlampen in den Wohnungen. Postdeutsch waren auch kleine, bunte Fensterscheiben in den Treppenhäusern und der Stuck an den Zimmerdecken der Mietshäuser, der aber weiss gestrichen war und dadurch leicht wirkte. Postdeutsch waren auch Gehsteigplatten und kleine eiserne Schlitze in den schweren Wohnungstüren mit der Aufschrift „Briefe &Zeitungen”, durch die der deutsche Briefträger einst Briefe und Zeitungen hineingeworfen hatte. Auf all dieses Postdeutsche legte sich ein Jahr nach dem anderen, eine Dekade nach der anderen, eine dünne Schicht der Gegenwart. Aber das polnische Jetzt stand, ging und lief bis zu den Knien im Postdeutschen umher. Diejenigen, die in den Städten und Städtchen mit dem doppeltem Boden, mit den eisernen Türschlitzen „Briefe & Zeitungen” geboren wurden und heranwuchsen, trugen und tragen ein mehr oder weniger bewusstes Gefühl in sich, das Gefühl nämlich einer fehlenden Eindeutigkeit und Sicherheit gegenüber allem, was sie umgibt.

Es war – und ist – nichts, was aus all denen, die seit 1945 in Stettin lebten, psychiatrische Patienten machen würde. Und trotzdem empfand ich einen grossen Unterschied zwischen der Atmosphäre in Stettin, wo ich in die Grundschule und ins Gymnasium ging, und derjenigen in Krakau, wo ich nach dem Studium in Deutschland wohnte. Am deutlichsten spürte ich es an einem Sommerabend, als ich auf dem Weg vom Krakauer Bahnhof, wo ich mit einem Nachtzug aus Stettin angekommen war, über die Sławkowska Strasse, über den Markt und die Planty nach Hause ging. In den sogenannten Wiedergewonnenen Gebieten war alles doppelt, uneindeutig, kompliziert. Keine Stadt, kein Städtchen, kein Dorf hatte schon immer so geheißen, wie es jetzt hieß, jede Strasse und jeder Platz trug einen neuen Namen, der von Beamten oder von zu diesem Zweck angeheuerten Dichtern ausgedacht worden war. Auf dem Lande gab es keine traditionellen Trachten oder Volkstänze, in den Wäldern und in den Vorstädten wimmelte es von Bunkern und unterirdischen Durchgängen, die wer weiß wohin führten. Die Menschen lebten in diesen Gebieten wie Kiefern im flachen Sand. Alles, was man sah, warf einen beunruhigenden Schatten, hatte einen doppelten Umriss, vielleicht, so spürte man untergründig, war nichts so, wie es aussah. Im Vergleich dazu schien Krakau ruhig und selbstsicher, es strahlte ein ungebrochenes Selbstwertgefühl aus. Die Tuchhallen, Sukiennice, hießen nie anders, Wawel war nicht ein slawischer Name, der künstlich konstruiert werden musste, um den vorherigen deutschen Namen zu überdecken. Alles war hier authentisch und in sich ruhend, die Stadt gaukelte nichts vor, nervöse Diskussionen über Identität waren überflüssig. Die Stettiner aber, die der jahrelangen Propaganda über die piastischen, urpolnischen Gebiete, der ständig wiederholten Slogans über die historische, gerechte Rückkehr der Stadt zum polnischen Mutterland überdrüssig geworden waren, lachten schließlich darüber in privaten Gesprächen. So lautete eine ironische Antwort auf die übliche Begrüßung „schön, dass ihr gekommen seid”: „wir sind nicht hierher gekommen, wir sind hierher zurückgekehrt”.

Weiter am Dienstag in der Regenbogenfabrik!

Frauenblick: L´Amica geniale

Monika Wrzosek-Müller

Elena Ferrante, „Meine geniale Freundin“

Wieder fuhr ich nach Italien und atmete meine Luft der unbegrenzten Toleranz und Neugier für alle und alles. Ich las viel Zeitung, schaute Nachrichten im Fernsehen und spürte, wie anders die Welt mit den Augen der Italiener aussah; obwohl es nicht weniger Probleme gab. Sie wurden nur anders angegangen und obwohl die Zahlen und die politische Ereignisse für Pessimismus sorgten, konnte ich auf der menschlichen Ebene alles andere als Kälte, Abweisung und Unverständnis erleben und ich wünschte mir, Europa würde Italien helfen. Dem Land, das inzwischen zum Hotspot der Flüchtlinge geworden ist, das von Erdbeben immer wieder erschüttert wird und doch wirklich menschlich und hilfsbereit bleibt.

Auf diesem Hintergrund stoße ich auf eine Schriftstellerin, von der ich in Berlin schon gehört habe. Im Flugzeug, im „Spiegel“, las ich ein Interview mit einer italienischen Schriftstellerin, die sich hinter einem Pseudonym versteckt und mit ihren letzten Büchern über das Leben in Neapel für Begeisterung sorgte. Hier angekommen besorgte ich mir das erste Buch aus der Reihe L´Amica geniale, das in diesen Tagen auch in deutscher Übersetzung erscheinen soll. Es sind vier Bände mit über 1500 Seiten, in Italien schon alle vier Bestseller, in Deutschland hoffentlich bald auch. „Meine geniale Freundin“ erscheint im Herbst in Suhrkamp Verlag mit 422 Seiten, weitere Bände sollen bald folgen.

Schon im Interview spürte ich, dass mir die Schreibart und das Thema gefallen würden. Dazu kam die Tatsache, dass die Schriftstellerin ihre Identität hinter dem oben angegebenen Namen versteckt, also existiert sie nach außen nur in ihren Büchern und den schriftlichen Interviews, die sie sporadisch und dann aber sehr ausführlich gibt. In Italien erscheinen ständig Bücher von ihr; das letzte gerade eine neue Ausgabe von Frantumaglia: eine Sammlung von Aufsätzen, Interviews, Essays. Das Paradoxe bei Ferrante ist, man weiß fast alles, was sie denkt, doch wer sie als reale Person ist, bleibt immer noch geheim. Aus kleinen Fetzten in Interviews baute man inzwischen einige Fakten der Biografie zusammen; dass sie in Neapel und Turin gewohnt hat, dass sie eine Frau ist (war lange umstritten), dass sie einen anderen Beruf auch noch ausübt, dass sie Familie mit Kindern hat… Das sorgt natürlich für mehr Aufmerksamkeit und Interesse, doch die Schriftstellerin beharrt auf ihrem Inkognito auch als Programm, ihr Schreiben sei wichtig, da teilt sie alles mit, sie selbst wolle im Schatten bleiben. In der Zeit, in der alles allen mitgeteilt, fotografiert und zugänglich gemacht wird, eine scheinbar seltsame Verhaltensweise.

Ich stürzte mich auf das Buch, meine Kenntnisse des Italienischen reichen gerade so, dass ich den Text und Kontext verstehe, doch nicht alle Nuancen und Redewendungen, besonders die aus dem Neapolitanischen Dialekt. Das Buch liest sich wie ein Fluss, die Sätze und die darin enthaltenen Gedanken folgen einer Strömung, die man nicht anhalten kann und die einen in den Zustand des Entzückens und fast der Hypnose versetzen; man will unbedingt weiter. Die beiden Protagonistinnen Lena, von allen Lenù genannt, und Lila (Greco und Cerullo mit Familiennamen) treffen und lernen sich kennen in einem verfallenen barocken Bürgerhaus (Pallazo) in einem heruntergekommenen Stadtteil von Neapel und suchen nach ihren Puppen Tina und Nu, die sie im Streit, während einer Mutprobe, in den Keller geworfen haben. So beginnt ihre Freundschaft und Rivalität und ihr Leben, das die Schriftstellerin uns vorführt. Wir verfolgen die Jahre mit den Augen von Lenù, der ruhigeren und ausgewogeneren, die sich immer wieder mit ihrer Freundin messen und sie überholen will und doch eine zarte Zuneigung und Hochachtung für die andere hegt. Die Erzählerin ist auch diejenige, die dann schreiben wird. Wieviel Klugheit und Wissen über das Leben in den engen Straßen wir dabei erfahren, verdanken wir der Beobachtungsgabe und Empfindsamkeit der Schriftstellerin. Manchmal kommen mir die beiden Mädchen mit ihren zwölf oder dreizehn Jahren unheimlich erwachsen und klug vor, weit erwachsener als die heutigen 25-jährigen, die keine wirklichen Mutproben zu bestehen haben. Wir erfahren das Leben mit allen seinen Facetten: es ist grausam und brutal, bis aufs Blut wird geschlagen, mit Hass und Liebe, die zärtliche und unschuldige aber auch die zerstörende und schmutzige Liebe; und vor allem sehen wir, wie unheimlich kompliziert die Entscheidungen waren, wer was im Leben geworden war; trotz der markanten Charaktere, trotz des starken Willens. Wir bemerken erstaunt, wie wichtig die Lehrer damals waren, wie weit sie das Leben der Schüler bestimmen konnten, weit mehr als ihre eigenen Eltern. Die Eltern kommen immer wieder auch vor und da treffen wir auf Leute, die fast nie aus ihrem Stadtteil herausgekommen sind, geschweige denn sich ans Meer (in Neapel!) nach Ischia, Capri oder die Costa Amalfi hinaus gewagt haben. Vor allem aber sind wir gespannt, wie ich schon seit langem nicht mehr, auf die weiteren Ereignisse. Dieses Panorama des Lebens entführt uns und zeigt, dass alles möglich, alles erlebbar ist. Und dabei ist es kein bisschen kitschig, die beiden Mädchen sorgen dafür.

Es ist auch ein Buch über Freundschaft, die da in Neapel unheimlich viel bedeutet hat und vielleicht auch noch bedeutet, denn hier geht es gar nicht um die ferne Vergangenheit; es sind die sechziger Jahre. Die Freunde, amici, helfen einem, können aber auch vernichten. Der wirtschaftliche Aufbruch im rione (dem Stadtteil) wird an den vielen Unternehmen, die dort entstehen, sichtbar; das Geld, wie man reich wird, ist auch ein Thema. Die eine will es mit Bildung versuchen, die andere träumt von einer Manufaktur für exzellente Schuhe, braucht aber Startkapital, das sie durch eine Heirat zu bekommen hofft. Doch was das Leben weiter gehen lässt, sind die Emotionen: Freundschaft, nicht nur zwischen den Mädchen, sondern auch ihre männlichen Freunde, die sie beschützen und umgarnen, Liebe, Hass und Unmut, die Gegensätze. Das Buch ist bunt von Stimmungen, von den Erwartungen und Kämpfen der jungen Mädchen, die zum Schluss des Romans als erwachsene Frauen angesehen werden und sich selbst so empfinden und eine von ihnen heiratet mit ihren gerade vollendeten 18 Jahren. Vor allem erfahren wir glaubhaft nah und nachvollziehbar, wie das Leben in Neapel in der Zeit ausgesehen hat, wie die Menschen arbeiteten, wie sie untereinander Konflikte ausgetragen haben, wie sie ihre Freizeit verbrachten (immer in der Bar und mit ausgedehntem Promenieren an der Hauptstraße).

Für mich, die Neapel und Ischia sehr gut kennt und die Straßen und Viertel, die im Buch beschrieben werden, auch selbst abgelaufen hat, fühlt es sich an, wie ein langer, ein sehr dichter, emotionaler Spaziergang zurück in die so schöne und aber leider sehr vernachlässigte, an vielen Ecken fast zerstörte italienische Stadt.

Von ganzem Herzen empfehle ich das Buch zu lesen.

W parku księcia Pücklera / Beim Fürst Pückler in Bad Muskau

Mehr darüber / Jeszcze o tym samym

Pamiętajcie o Ogrodach

1 września 2016 roku w Nowym Zamku, w uwodzącym wszechobecną i kojącą zielenią Parku Mużakowskim na granicy polsko-niemieckiej otwarto wystawę Ogrody. Zwiedzenie jej to świetny pomysł na ciepły wrześniowy weekend.

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Powyżej: Park Mużakowski; poniżej: Jazzband Suan Tun Hoan (Wietnam) – gitara (lider zespołu), Marcin Włodarczyk – fortepian, Paweł Narajowski – kontrabas, Kuba Lechki – perkusja

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Wystawa zorganizowana została we współpracy Uniwersytetu Zielonogórskiego i Muzeum Ziemi Lubuskiej w Zielonej Górze z Fundacją „Park Księcia Pücklera Bad Muskau”. Jest trzecią ekspozycją z cyklu Topografia polskiej sztuki współczesnej, a zarazem wydarzeniem inaugurującym obchody 25-lecia istnienia Instytutu Sztuk Wizualnych Wydziału Artystycznego Uniwersytetu Zielonogórskiego.
Podczas wernisażu dr Cornelia Wenzel, zastępca dyrektora zarządzającego Fundacji, stwierdziła z humorem: „Pokaz prac Ogrody jest prezentem urodzinowym, który przedstawiciele Instytutu [Sztuk Wizualnych] sami sobie sprawili na jego 25 urodziny, w czym i my mogliśmy mieć swój udział. Dziękujemy Państwu za to serdecznie i gratulujemy z okazji jubileuszu.”

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Z kolei Hansjörg König, Przewodniczący Rady Fundacji, w swej przemowie przypomniał, że Park Mużakowski, który 1 maja 2015, w 200-lecie swego istnienia wpisany został na listę światowego dziedzictwa UNESCO, stał się wzorcowym przykładem ośrodka bilateralnej współpracy polsko-niemieckiej, służącej rozwojowi transgranicznego regionu kulturalnego. Podziękował serdecznie wszystkim pracownikom Instytutu Sztuk Wizualnych UZ – uczestnikom wystawy – za oryginalny wkład w te działania. Zwracając się do inicjatora cyklu wystaw Topografia polskiej sztuki współczesnej, dyrektora Muzeum Ziemi Lubuskiej, Leszka Kani, stwierdził natomiast: „właśnie tego typu współpracy polsko-niemieckiej życzyliśmy sobie w roku 2005, by aktywnie ożywiła obiekt światowego dziedzictwa kultury – Park Mużakowski. Jestem bardzo zadowolony, że właśnie dzięki Pańskiemu zaangażowaniu jest ona dziś niemal oczywistością. Oczywiście wiem, że w codziennej rzeczywistości jeszcze długo nie będzie ona wolna od ustawicznego wysiłku. Stąd też także w przyszłości chętnie wesprę ten piękny i ważny projekt. (…) jestem pewien, że prezentowane tu dzieła sztuki dostarczą nam przyjemności intelektualnej, która towarzyszyć nam będzie w drodze do domu.”
***
ogrody2-4W ramach wystawy Ogrody dwudziestu artystów z Zielonej Góry wypełnia przestrzeń czasu, wspomnień, poznania i sztuki. Tytuł ekspozycji rozumieć można dosłownie i metaforycznie. Wpisuje się ona w kontekst jedynego transgranicznego założenia ogrodowo-parkowego w Europie, jest formą międzynarodowego dialogu na temat kultury, ekologii oraz historii i współczesności stosunków polsko-niemieckich.
W recenzji katalogu wystawy prof. Beata Frydryczak zauważyła: „[Ta] polsko-niemiecka publikacja wykracza poza standardową monografię. (…) Już sam fakt jej zatytułowania Ogrody/Gärten i zaprezentowania w czasie wystawy przygotowanej przez artystów pracujących w Instytucie Sztuk Wizualnych Uniwersytetu Zielonogórskiego w Nowym Zamku w Parku Mużakowskim dodaje jej dodatkowych wartości.

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To sprawia, że dwugłos: teoretyczno-artystyczny w sposób konieczny uzupełniony jest o kontekst zewnętrzny: otoczenie parku i jego estetykę, związaną z nim historię i wspólne polsko-niemieckie działania o wymiarze ponadgranicznym i kulturowym, czego książka i zapowiadająca ją wystawa jest doskonałym dowodem. Ogrody/Gärten to publikacja (i wystawa), która buduje nową wartość w tym, co już artystyczne (Parku Mużakowskim), a podejmując dyskurs na temat ogrodów, wprowadza go na metapoziom, w którym ogród nabiera wymiaru ideowego i metaforycznego zarazem. O ogrodach w ogrodzie, o krajobrazach w krajobrazach – mówić można tylko obrazami i metaforami. Ta publikacja otwiera taką możliwość, rozbrzmiewając na trzech poziomach: teoretycznym, artystycznym i ideowym, jeżeli za ideę uznać naturalne medium Parku Mużakowskiego. (…) Projekt graficzny książki (…) doskonale współgra z jej zawartością (…) Meandry Parku Mużakowskiego mogą być refleksem meandrów myśli artystycznej oplatającej to, co ujęto wspólnym mianem ogrodów. Wprowadza do nich tekst Artura Pastuszka Il faut cultivert notre Jardin, który w eseistycznej formule próbuje znaleźć podstawy idei ogrodu jako takiego. Tekst Lidii Głuchowskiej posiada bardziej krytyczny wymiar, będąc ambitną próbą zaprezentowania obecnych na wystawie artystów i ich prac.”

ogrody2-8Wystawa Ogrody potrwa do końca października. Serdecznie zapraszamy
Nowy Zamek, Park Mużakowski/Bad Muskau
Kuratorzy: Leszek Kania (Muzeum Ziemi Lubuskiej, Zielona Góra)
prof. Paulina Komorowska-Birger (Instytut Sztuk Wizualnych UZ, Zielona Góra)
Kierownictwo naukowe: dr Lidia Głuchowska (Instytut Sztuk Wizualnych UZ, Zielona Góra)
Koordynacja: Regina Barufke, Bad Muskau
Uczestnicy: mgr Paweł Andrzejewski, mgr Basia Bańda, prof. Andrzej Bobrowski, prof. UZ dr hab. Radosław Czarkowski, prof. Jarosław Dzięcielewski, dr Katarzyna Dziuba, prof. UZ Magdalena Gryska, mgr Mirosław Gugała, dr Jarosław Jeschke, dr Helena Kardasz, prof. Paulina Komorowska-Birger, prof. Stanisław Kortyka, mgr Marek Lalko, prof. UZ dr hab. Alicja Lewicka-Szczegóła, prof. UZ dr hab. Jarosław Łukasik, mgr Maryna Mazur, dr Anna Owsian-Matyja, prof. Piotr Szurek, dr Patrycja Wilczek-Sterna, prof. UZ dr hab. Ryszard Woźniak

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Plakat: dr Piotr Czech (Instytut Sztuk Wizualnych UZ, Zielona Góra)
W projekcie plakatu i okładki katalogu wykorzystano fragmenty ekolinowego obrazu Basi Bańdy Sadzonki (2013).
Katalog/Publikacja towarzysząca Ogrody:
Red. naukowa: dr Lidia Głuchowska
Projekt graficzny: dr Piotr Czech
Tłumaczenie: Mirosława Kowęzowska, Reiner Mende, Andre Rudolph
Konsultacja naukowa: Cord Panning, Artur Pastuszek, Andre Rudolph
Redakcja językowa: Regina Barufke, Lidia Głuchowska, Cornelia Wenzel
ISBN: 978-83-88426-96-4
Prace z wystawy, fot. Lidia Głuchowska, skatalogowane w publikacji Ogrody

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Vergisst nicht die Gärten…

Am 1. September 2016 wurde im Neuen Schloss, im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau an der deutsch-polnischen Grenze, welcher mit dem ewigen Grün besticht, die Ausstellung Gärten eröffnet. Diese Schau zu besichtigen ist eine gute Idee für ein sonniges September-Wochenende.

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Die Ausstellung entstand als Ergebnis der Kooperation der Universität Zielona Góra und des Lebuser Landesmuseums in Zielona Góra mit der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ als die dritte Ausstellung der Reihe Topografie der polnischen Gegenwartskunst.
Gleichzeitig bildet sie den Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens, welches das Institut für Visuelle Künste an der Kunstfakultät der Universität Zielona Góra in diesem Jahr begeht.

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Hansjörg König, Vorsitzender des Stiftungsrates in seiner Eröffnungsrede erinnerte daran, dass der Muskauer Park, welcher am 1. Mai 2015 in einem feierlichen Akt auf die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen wurde, zum Vorbild der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Dienste der Entwicklung der grenzüberschreitender Region wurde. Herr König bedankte sich bei allen Ausstellenden aus dem Institut für Visuelle Künste für ihren originellen Beitrag dazu. In seiner Ansprache an den Initiator der Ausstellungsreihe Topografie der polnischen Gegenwartskunst, den Direktor des Lebuser Landesmuseum in Zielona Góra, Leszek Kania merkte er ebenfalls an: „Genau diese Art der deutsch-polnischen Zusammenarbeit haben wir uns 2005 für die aktive deutsch-polnische Bespielung der Welterbestätte Muskauer Park gewünscht. Ich bin glücklich, dass sie gerade dank Ihres Einsatzes heute fast schon selbstverständlich ist. Natürlich weiß ich, dass das in der Realität des Alltags und bei den Mühen der Ebene noch längst nicht immer der Fall ist. Dieses schöne und wichtige Projekt unterstütze ich daher sehr gern auch für die Zukunft. (…) Ich bin mir sicher, dass die Kunstwerke intellektuellen Genuss bereiten werden, der uns erfüllt nach Hause begleitet.“

ogrody2-6Im Rahmen der Ausstellung Gärten kreierten zwanzig Künstler aus Zielona Góra einen exterritorialen, mentalen Raum der Zeit, der Erinnerung, der Erkenntnis und der Kunst.Der Titel der Schau ist wörtlich und metaphorisch zu verstehen. Die Ausstellung Gärten fügt sich in den Kontext des einzigen grenzüberschreitenden Landschaftsparks Europas ein und ist Ausgangspunkt für einen internationalen Dialog über Kultur und Ökologie ebenso wie über die Geschichte und Gegenwart der deutsch-polnischen Beziehungen.

ogrody2Im Gutachten zu deren Katalog (hg. von Dr. Lidia Głuchowska) stellte Prof. Beata Frydryczak fest: „[diese] deutsch-polnische Publikation sprengt den Rahmen einer typischen Monografie (…). Einen besonderen Wert verleiht dem Buch neben dem zweisprachigen Titel Ogrody/Gärten die Tatsache, dass es während der Ausstellung im Neuen Schloss im Fürst Pückler Park in Bad Muskau präsentiert wird, wo die Werke der Künstler des Institutes für Visuelle Künste der Universität Zielona Gora ausgestellt werden. Folglich wird die theoretisch-künstlerische Zweigleisigkeit auch durch den äußeren Kontext komplementär ergänzt, nämlich durch die Parkumgebung, dessen Ästhetik und Geschichte sowie durch gemeinsame deutsch-polnische Vorhaben von grenzübergreifender kultureller Dimension. Die Ausstellung im Vorfeld und auch das nun vorliegende Buch sind der beste Beweis für eine gelungene Komplementarität der beiden Artefakte. Ogrody/Gärten sind eine Publikation (und Ausstellung), die in künstlerischer Hinsicht einen Neuwert schafft (Muskauer Park); und indem sie an den Diskurs über Gärten anknüpft, hebt sie den Garten auf eine Metaebene, auf der er eine ideelle und zugleich metaphorische Dimension gewinnt. Über Gärten im Garten und Landschaften in der Landschaft kann nur in Metaphern und Bildern gesprochen werden. Die vorliegende Publikation eröffnet solch eine Möglichkeit, indem sie auf drei Ebenen verweist: die theoretische, künstlerische und ideelle Ebene, sofern man das natürliche Medium Muskauer Park als Idee betrachten kann. (…) Die Mäander des Muskauer Parks können als Reflex der Mäander künstlerischer Reflexion um all das betrachtet werden, was unter dem Namen Muskauer Park vereinigt wurde. Eine Einführung in diese Reflexionen bietet der Text von Artur Pastuszek Il faut cultivert notre Jardin, der in essayistischer Form auf den Ursprung der Idee des Gartens an sich einzugehen versucht. Der Text von Lidia Głuchowska dagegen enthält eher eine kritische Dimension und stellt einen ambitionierten Versuch dar, die in der Ausstellung präsentierten Werke und die Künstler darzustellen.“
Die Ausstellung dauert noch bis Ende Oktober. Herzlich willkommen!

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Ausstellung Gärten
Ausstellungsdauer: 1. Sept. – 31. Okt. 2016, Neuer Schloss, Nowy Zamek, Bad Muskau
Kuratoren: Leszek Kania (Lebuser Landesmuseum, Zielona Góra)
Prof. Paulina Komorowska-Birger (Institut für Visuelle Künste, Universität Zielona Góra)
Wissenschftliche Leitung: Dr. Lidia Głuchowska (Institut für Visuelle Künste, Universität Zielona Góra)
Koordination: Regina Barufke, Bad Muskau
Ausstellende Künstler: Mag. Paweł Andrzejewski, Mag. Basia Bańda, Prof. Andrzej Bobrowski, Prof. UZ Dr. habil. Radosław Czarkowski, Prof. Jarosław Dzięcielewski, Dr. Katarzyna Dziuba, Prof. UZ Magdalena Gryska, Mag. Mirosław Gugała, Dr. Jarosław Jeschke, Dr. Helena Kardasz, Prof. Paulina Komorowska-Birger, Prof. Stanisław Kortyka, Mag. Marek Lalko, Prof. UZ Dr. habil. Alicja Lewicka-Szczegóła, Prof. UZ Dr. habil Jarosław Łukasik, Mag. Maryna Mazur, Dr. Anna Owsian-Matyja, Prof. Piotr Szurek, Dr. Patrycja Wilczek-Sterna, Prof. UZ Dr. habil. Ryszard Woźniak
Plakat: Dr. Piotr Czech (Institut für Visuelle Künste, Universität Zielona Góra)
Für das Plakat und den Cover wurden Fragmente des Ekolinegemäldes von W projekcie plakatu i okładki Basia Bańda Sätzlinge (2013) verwendet.
Katalog/Begleitpublikation Gärten:
Herausgeberin: Dr. Lidia Głuchowska
Grafische Gestaltung: Dr. Piotr Czech
Übersetzung: Dr. Mirosława Kowęzowska, Reiner Mende, Dr. Andre Rudolph
Wissenschaftliche Beratung: Cord Panning, Dr. Artur Pastuszek, Dr. Andre Rudolph
Lektorat: Regina Barufke, Lidia Głuchowska, Cornelia Wenzel
ISBN: 978-83-88426-96-4
www.muskauer-park.de   www.mzl.zgora.pl   www.wa.uz.zgora.pl   www.isw.uz.zgora.pl
FOTOS Werke aus der Ausstellung, Fot. Lidia Głuchowska, verzeichnet im Katalog Gärten

Frauenblick auf Italien und Film

Monika Wrzosek-Müller

In grazia di Dio; Ein neues Leben

Regie: Edoardo Winspeare
Darsteller: Celeste Casciano, Laura Lichetta, Gustavo Caputo, Anna Boccadamo, Barbara de Matteis
Italien 2014

Denjenigen, die tüchtige Leser beim Blog sind/waren, konnte nicht entfallen, dass ich öfters über Italien schrieb, dabei einige Texte über Apulien. Diese Region in Italien bleibt für mich uritalienisch, magisch, geheimnisvoll und wunderschön; vielleicht durch die vielen uralten Olivenbäume oder den Wind, der in Salento von einer Seite des Meeres zur anderen weht aber auch durch die antiken Kirchen, Burgen und Tore, die überall anzutreffen sind; auch durch Armut, die immer wieder zu sehen ist und die man sorgfältig versucht zu verbergen, denn die Armut lehrt Demut – und die wiederum beeinflusst den Charakter positiv, aber darüber später…

Desto erfreulicher war für mich der letzte Gang in mein Geheimtipp-Kino Bali in Zehlendorf. Es gibt hier oft Filme in Originalsprache und eben oft italienische. In grazia di Dio führte mich nach Salento, in eine Gegend, die ich sehr gut kenne, nicht weit von Tricase, wo wir einen Urlaub verbracht haben. Auf der einen Seite zur Adria hin ist die Küste steil, zerklüftet mit vielen Felsen und kleinen Bassins, die in die Felsen eingeritzt sind; auf der anderen Seite, am Ionischen Meer, erstrecken sich feine, fast rosafarbene Sandstrände, ein Paradies für Sonnenanbeter.

Hier spielt die Handlung des Films, in einem Kaff, der noch kleiner als klein ist, aber kein Dorf, wo niemand und nichts von Bedeutung ist. Es ist die Zeit der tiefen Krise in Italien und besonders aus dieser Gegend emigrieren viele in die Schweiz oder in den goldenen Norden des Landes. Der kleine Textilbetrieb kann nicht mehr überleben, wegen der Verschuldung und des Mangels an Aufträgen muss der Betrieb schließen und die die Besitzer ihr Wohnhaus verkaufen. Und doch kämpfen die vier Frauen, die Hauptheldinnen des Filmes um ihr Überleben und ihre Unabhängigkeit – ganz tapfer und eben typisch italienisch. Die beiden ganz verschiedenen Schwestern, die Tochter der einen und die Großmutter, sie alle ziehen in eine Ruine von einer Masseria, die am Anfang unbewohnbar erscheint, aber mit Geschick und Aufwand verwandelt sie sich in eine schöne Behausung, umgeben von einem großen Orto (Gemüsegarten), der schließlich die Grundlage ihrer Existenz wird. Sie betreiben Landwirtschaft, haben Olivenbäume und eben das Gemüse, das sie anbauen; die älteste Schwester erarbeitet sich schnell ein Netz von Tauschpartnern, bei denen sie für ihr Gemüse Brot, Butter, Pasta etc…bekommen. So kehren sie zu der ältesten Form des Handels zurück, dem Tauschgeschäft mit Naturalien, um überleben zu können.

Das ist der äußere Rahmen der Handlung, die inneren sind komplizierter und implizieren das Leben der anderen. Natürlich spielt sich alles unter den vier Hauptheldinnen nicht immer harmonisch und ohne Konflikte ab. Am ruhigsten und ausgeglichensten scheint die Oma, die alle Schicksalsschläge gelassen, mit Liebe zu Allen und zur Natur hinnimmt, sie findet ihren Trost im starken Glauben und in frommen Routinehandlungen, wie dem Rosenkranzbeten; sie ist die Säule für die anderen. Die heftigsten Auseinandersetzung gibt es zwischen der Mutter (eine sehr schöne Schauspielerin, fast zu schön um glaubhaft zu sein) und der Tochter im Teenageralter, die immer wieder ausbricht, die Schule hinschmeißt, nicht lernen will, viele männliche Freunde hat und letztendlich schwanger wird.  Dann die andere Schwester, die unabhängig von der materiellen Notlage und den Sorgen der Familie nur an ihre hoffnungslose Karriere als Schauspielerin denkt. Es sind heitere Momente, fast komische oder solche, die man mit zugedrücktem Auge verfolgt, wenn sie ihre Probetexte rezitiert und alle damit belästigt, ihr zuzuhören, und sich lange nicht entmutigen lässt.

Die kleinen Liebesgeschichten sind sehr geschickt eingeflochten und erzählen von dem späten Glück der Oma, die auf die alten Tage ihren Liebsten findet und ihn sogar, zur Empörung der Enkelin, heiratet. Die ungeschickten Annäherungsversuche des Verehrers der ältesten Tochter enden im Nichts, doch es sind schöne einfühlsame Szenen, die das Leben dieser Frauen erträglicher machen.

Für mich zeigt der Film vor allem eines: dass die materielle Armut nicht ausschlaggebend ist, wenn die Menschen zusammenhalten und sich gegenseitig helfen und unterstützen. So rücken die vier ganz eng zusammen und leben ihr einfaches, schweres Leben auf einem Plätzchen, das, wenigstens von außen gesehen, wie das Paradies auf Erden erscheint; malerisch, am Hang über dem Meer, mit dem vielen Grün und der guten roten Erde. Kein Wunder, dass sich bald Kaufinteressenten finden und ihnen die Masseria abkaufen wollen, doch die Frauen bleiben fest und lassen sich von den Angeboten nicht blenden.

Vielleiecht ist der Film zu positiv, zu gradlinig und einfach; doch für mich fühlt er sich authentisch an, erzeigt die salentinische oder apulische Wirklichkeit sehr gut.

Von dem Regisseur hörte ich in Tricase, bei dem Filmfestival, das „sotto le stelle“ (als Freiluftkino) in einem alten Schlosshof stattfand. Er selbst stammt aus einer alten aristokratischen anglo-neapolitanischen Familie, daher sein voller Name Winspeare-Guicciardi, die sich in einem malerischen Schloss nahe bei Tricase in Depressa niedergelassen hat, wo er auch aufgewachsen ist. Später studierte er in Florenz und in München an der Hochschule für Fernsehen und Film. Seine Filme, auch die Kurzfilme, spielen oft in Apulien und sein erster bekannter Film ‚Sangue vivo‘, wurde im apulischen Dialekt gedreht, alle berühren die Geschichte der Region und ihre Probleme.

Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Nolde der Maler – Ausstellung im Brücke-Museum

Also gingen wir in die Nolde Ausstellung, zu dritt und hauptsächlich, weil es an einem Sonntag in diesem Sommer eine kostenlose Führung gab, und ich weil ich mich früher für seine Blumenbilder immer wieder begeistert hatte. Es warteten schon viele Leute da, für mich unerwartet viele.

Schon am Anfang der Ausstellung wunderten wir uns, dass es überhaupt keine Information über den Künstler gab. Dann bekamen wir ein Faltblatt, in dem Daten aus seiner Biografie aufgelistet wurden. Die Erklärungen und Führung durch die Ausstellung führten uns vom Künstler, von seiner Zeit weg zu ausschweifenden Bildbeschreibungen; Farben, Stimmungen, die Macht der Naturgewalten aber doch auch Verlauf des Lebens, verortet in der sehr prekären politischen Situation, spielten in seinem Malen eine wichtige Rolle; also dass er am Deich spazieren ging und Naturgewalten wahrnahm und diesen ausgesetzt war, genauso wie seine Zugehörigkeit, seit 1934, zur „Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig“ und seine Begeisterung für Rassegedanken, die nicht erwähnt wurden. Sein Schaffen wurde uns völlig losgelöst von der politischen Situation in Deutschland und in der Welt dargestellt, so als ob die kleinen Familien, die er manchmal abbildete, abgeschnitten von der Welt existiert hätten. Das spielte doch offensichtlich für Nolde, für sein politisches Engagement, eine große Rolle, denn schon 1937 wurden seine Bilder beschlagnahmt und 1941 wurde er auch aus der Reichskunstkammer ausgeschlossen, und seine Bilder waren in der Ausstellung über „Entartete Kunst“ stark vertreten. Das muss doch für sein Schaffen eine Bedeutung gehabt haben, genauso wie die Tatsache, dass er keine Kinder hatte.

Kann man also ein Werk so verstehen, und wichtiger noch, darf man auf diese Weise einen Künstler ausstellen?

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass die Ausstellung schnell aufgehängt wurde; im Gegensatz dazu stand der aufwendig gemachte Katalog, so wie die vielen Leihgaben aus Seebühl. Auch der chronologische Durchgang durch das Schaffen des Künstlers berücksichtigte nicht immer seine besten Bilder. Natürlich ist man durch die Pracht der Farben und seine Malweise für vieles entschädigt und die Bilder sprechen meistens für sich, doch zu einer durchdachten Ausstellung gehört meiner Meinung nach auch die Verortung des Künstlers in der Gesellschaft, Informationen über die Zeit, in der er schuf – gerade bei diesem Künstler, der offensichtlich mit den Nazis liebäugelte und das zunächst auch nicht versteckte: “In diesem politisch unruhigen Winter sind so vielerlei Geschehnisse, die einen dauernd in Anspruch nehmen, weil wir doch sehr mitleben in der so stark durchgeführten und schönen Erhebung des deutschen Volkes.” So schreibt er selbst an seinen Bekannten, einen dänischen Kunsthistoriker 1937.

Gerade wegen seiner manchmal unverständlichen und für Ungereimtheiten sorgenden Biografie müsste man den Betrachtern seinen Lebenslauf präsentieren, denn sonst kommen auch manchmal abwegige Gedanken: Hat er die auffallend blauen Augen von Christus vielleicht wegen der Rassentheorie gemalt? Vielleicht denken nicht viele bei dem Besuch an die Ereignisse, die hinter den Bildern stehen, doch das Schaffen kann man nicht von der Zeit loslösen.

Was in den Bildern sichtbar ist, ist sein Kampf darum, sich von dem Einfluss seines Lehrers Liebermann und den Impressionisten wie den Expressionisten zu lösen, denen er kurze Zeit angehört hatte und sich auch nicht ganz unterordnen lassen wollte, obwohl seine Farben und seine Malweise, immer noch als typisch expressionistisch beurteilt werden. Er begeisterte sich und wurde inspiriert von den Werken von französischen Malern wie Van Gogh oder Gauguin, hat selbst mit Aquarellen experimentiert, die Bilder der unheimlichen Gesichter, mit Tusche nachgezogen, gehören neben den Kerzentänzerinnen meiner Meinung nach zu den besten in der Ausstellung.

Über Noldes unglückliches und sehr verwickeltes Verhältnis zur Nazi-Deutschland und seine Versuche später alles zu vertuschen lesen Sie unter http://www.zeit.de/2013/42/emil-nolde-nationalsozialismus/seite-3

Angesichts dieser Erkenntnisse und der Diskussionen der letzten Jahre über den Künstler wäre es seitens der Ausstellungsmacher wirklich geschickter gewesen, wenn sie Noldes Lebenszusammenhang deutlicher erklärt und den Epochenkontext unterstreichen hätten, anstatt – wie bei der Führung – das alles außen vor zu lassen.

Es bleibt eine leichte Irritation, und doch lohnt die Schau dieser farbenfrohen, vitalen Werke in der Ausstellung, die man ansonsten nicht zusammen zu sehen bekommt.

Mal von Oborishte gehört?

Info po polsku

Dorota Kot

Ein Hungriger Bär wird nie tanzen – oder?

Kein Schwein in Berlin interessiert sich für Bulgarien bzw. die bulgarische Kultur – solche Aussagen habe ich mehrmals gehört, als ich über die Idee der Bulgarischen Kulturwoche stolz und aufgeregt erzählte.

Ob Interesse besteht – ist das eine Frage der Form / Gestaltung – oder? Oder liegt es an den Menschen, die mitmachen und ein Herz für die Thematik haben? Vor fünf Monaten habe ich mich auf den Weg gemacht Netzwerk-Kontakte der bulgarischen Aktivisten zu holen. Polin und die über Bulgarisches Kulturinstitut gewonnenen zwei aktive Bulgarinnen. Die Ärmel hochkrempelt und los! Ich habe über vierzig Treffen mit Vertretern der bulgarischen Community gehabt – offiziell und privat.

Auf beiden (privat und offiziell) Ebenen habe ich viel erfahren: Witze, Beschwerden, Begeisterung und freundliche Aussagen über bulgarische Kulturschaffende, bulgarischsprachige Vertreter diverser Institutionen in Berlin … stur habe ich immer mehr Menschen angesprochen. Viele kennen einander nicht. Aber die bulgarische Woche hat alle miteinander verbunden. Vielleicht ist das eben das Rezept für einen Erfolg unter Migrantengruppen?

Noch nie habe ich mit einer anderen Migrantencommunity gearbeitet.

Gibt es Kulturunterschiede?

Jein. Wir sind Slaven, Europäer, Migranten, Mitbürger – im Prinzip einfach Menschen!

Wir haben viel Gemeinsames, aber auch über die Unterschiede und schöne Traditionen möchte ich kurz berichten. Ich werde meine Beobachtungen einfach aus dem Ärmel schütteln! Lernt meine Sichtperspektive kennen!

Slawische Seelen
Warmherzig, ehrgeizig, familiär – das sind die Grundlagen der Völkerverständigung. Polen und Bulgaren sind eben diese Eigenschaften angeboren.

Verständnisprobleme?
Ein kleines Missverständnis kann entstehen, wenn man ein bisschen (ein kleines bisschen!) Bulgarisch versteht, aber die bulgarische Körpersprache nicht kennt. Bulgaren bestätigen und verneinen, indem sie andersrum den Kopf schütteln. Total verwirrend! Aber das ist auf die Geschichte zurückzuführen. Sprecht mich mal an – gerne erkläre ich den Hintergrund!

Gentelmens und gute Feen.
Viele Bulgaren sind Gentlemen oder einfach altmodisch erzogen. Sie helfen sehr gerne und bieten Hilfe an – das schätze ich privat und beruflich.

Missverständnis? аз не разбирам..
Polen haben in den 90ger Jahren sehr oft den Urlaub in Bulgarien verbracht. Daran erinnert sich die Elterngeneration sehr gut und ganz sentimental, da die zwischenmenschliche Chemie einfach gestimmt hat. Trotzdem kann es zu Missverständnissen kommen, wenn man die Sprache zu verstehen versucht. Auf Polnisch: Rozbierać bedeutet ausziehen (Kleidung). Auf Bulgarisch aber bedeutet razbera „verstehen”
Das war am Anfang ganz lustig und überraschend, als ein junger Mann im Gemüseladen mich fragte, ob ich rozberam… Jetzt aber аз разбирам! Dh. Ich verstehe (vielleicht mehr als vor ein Paar Jahren?) J

Omatag
Der Omatag wird in Bulgarien ganz anders gefeiert. Nämlich so: die verheirateten Frauen bedanken sich bei den Omas (auch Nachbarinnen), die bei der Kindererziehung geholfen haben.

Rakija
Wie ich bereits erwähnt habe, Bulgaren sind sehr familiär und sitzen gerne an einem Tisch mit Freunden und der Familie. Dabei habe ich einen praktischen Spruch gelernt, der bei der Partyvorbereitung herauskam:

Ein Aperitif ist wie eine Ermunterung zum Schnapps (Mezeto e swodnik na rakija.)

Bulgaren trinken gerne Rakija – es ist sehr unhöflich abzusagen, wenn man zu Gast ist. Kamenitza, Shumensko, Zagorka – die Biere mit „tzatza“ (Kleine Fischchen) schmecken hervorragend am Strand in Burgas oder Primorie – das ist ein traditionelles Duet aller Einheimischen und Touristen am Schwarzen Meer. Die Biere werden übrigens auch in 2,5L Flaschen produziert. Es wäre nichts Außergewöhnliches, aber so eine große Flasche beim Treffen mit Freunden auf dem Tisch sah (zum ersten Mal) exotisch aus. Jetzt denke ich: wie praktisch und welch gastfreundliche Ökonomie!

Hunger
In bulgarischen Haushalten wird man nie verhungern. Banitza (Banitsa), Tarator und Shopska Salata – meine Lieblingsversorgung in Bulgarien! Was das Essen angeht, habe ich in Bulgarien eine für mein ganzes Leben währende Belehrung bekommen.

Vor vielen Jahren war ich in Burgas. An einem Tag wusste ich nicht, was ich zuerst machen soll – schnell was dienstlich abarbeiten oder lieber davor was essen (ich hatte Hunger)? Die Antwort kam sofort: das Bärchen wird nie tanzen wenn es hungrig ist – das habe ich mal bei einer befreundeten Familie in Burgas gehört.

Die Geschichte, die dahinter steckt, ist folgende: früher holte man kleine Bären aus dem Wald für eine Straßen- Performance, aber sie tanzten nie, bevor sie nicht satt waren.

Die goldene Regel ist also: erst essen, dann ran an die Arbeit und den Spaß – sonst wird es nicht gut laufen. Mit leerem Magen kann man doch nicht arbeiten!

Die gleiche Vorgehensweise haben wir uns für die Tage der Bulgarischen Woche vorgenommen. Für Seele und Leib, generationenübergreifend, Themenvielfalt, offen für andere Kulturen – so haben wir die Bulgarisch-Deutsche Woche gestaltet. Lernt Bulgarien und die Kultur kennen! Bulgarien zum Anschauen, Tanzen, Beisammensein, Hören, Kosten in der Küche und und und…

Morgen also geht es los! 🙂

Filmabend
Mir sind die Regisseure/innen der Balkanregion unbekannt gewesen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, einen Film zu sehen, der bei der Berlinale dabei war. Interessanterweise hat sich auch die Initiative BulDoc gemeldet und uns unterstützt. Die Organisatoren werden über Buldoc vor dem Film berichten.

Kunst
Du stehst in Versailles oder in der Kunstakademie, wo die wichtigsten Werke der Künstler ausgestellt werden. Kunstkuratoren und manchmal die Schaffenden selbst erzählen von der Hintergrundidee und Bedeutung einzelner Farben und Formen. Der emotionale Bezug des Künstlers ist immer der wichtigste Einflussfaktor.

Roza ot Ljubov_Liebesrose

 Silviya Zdravkova, Liebesrose (Foto: Autorin)

Bulgarien in meinem Herzen – ich bin gespannt auf Mittwochabend, wie unsere drei Künstlerinnen die Liebe, Erinnerungen und vielleicht das Heimweh darstellen werden. Die Künstlerinnen haben auch zweisprachige Gedichte geschrieben. Über Pinsel und Schreibwerk wird Bulgarien vorgestellt.

Literatur & Musik
Der Schriftsteller erzählt erfrischende Kurzgeschichten und dabei wird Vladimir Karparov uns mit Musik verwöhnen. Der Musiker trat auch letztens beim zig zag auf. Ich bin gespannt!

Einladung_KochabendKochen & Tanzen
Zuerst treffen wir uns fürs Kochen im Kakadu, wo Maria von PriMaria Restaurant uns die bulgarische Küche zeigt, danach bewegen wir – gesättigt – unsere Hüfte beim Balkan-Beat im Hangar 49. Der Hangar hat einen schönen Ausblick auf die Spree, was ich genießen konnte, als ich spontan zur Jazz Session vorbeikam.

Event-Facebook-Party

Out-Door-Bibliothek
Während der bulgarischen Woche arbeiten wir handwerklich an einem Schrank… das ist ein gemeinsames Projekt mit unseren Partnern aus Bulgarien. Nachdem wir den Schrank renoviert und schön gemacht haben, eröffnen wir am Samstag die Out- door- Bibliothek in der Regenbogenfabrik!

Kiez-Erkunden
Ein kleiner Rundgang in Kreuzberg. Ein Muß!

Osteuropa-Picknick
hält Osteuropa zusammen? Mögen die osteuropäischen Communities zusammenarbeiten?

Wir schauen mal am Sonntag. Gemütliches Beisammensitzen, Chillen, osteuropäische Kultur genießen- das haben wir vor! ForumFactory hat für uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt! Bei jedem Wetter können wir uns treffen – es gibt einen Außerbereich mit Bänken, im Saal gibt es Bühne und Gastronomie.

Wir haben open stage eröffnet – jeder darf sein Talent zeigen.

Tanz, Gesang, Schreibtalente, Brettspiele, Fotoausstellung, Ausstellung des Filmworkshops und und und…

Für mich als Polin ist es ein Vergnügen, eine mir bereits bekannte Community neu zu entdecken. Für Leib und Seele, generationenübergreifend und locker – so eine schöne Kulturwoche mit der Bulgarischen Community freut sich auf Besucher und Mitmacher!

Graphik: Anina Takeff / Projektleitung: Dorota Kot

 

Flucht – Ucieczka 2

Po polsku

Flucht-Ucieczka

Dokumentartheater im Güterzug

„Flucht – Ucieczka“ heißt die Inszenierung, mit der die niedersächsische Theatergruppe Das Letzte Kleinod (Schiffdorf) zurzeit in Polen gastiert. Die Kooperation mit dem Teatr Gdynia Główna wird von vielen Partnern gefördert, zu sehen ist das Stück an Bahnhöfen in Gdynia, Piła und Poznań, in Frankfurt/Oder, Berlin-Spandau, Lüneburg, Hannover-Linden, Bremerhaven, Bad Bederkesa und Geestenseth.

„Spektakl documentalny w wagonach towarowych“ steht auf den Werbebannern: „Dokumentartheater in Güterwaggons“. Überraschungen gehören bei diesem Projekt dazu, der Ozeanblaue Zug des Letzten Kleinods spielt eine Hauptrolle. Die sieben Waggons transportieren die Akteure von Ort zu Ort, dienen als Unterkunft und Kantine, Materiallager und Theaterbüro. Vier angehängte Wagen der slowakischen Eisenbahn sind Kulisse und Bühne – mal müssen vor den Vorstellungen Steine beseitigt werden, mal kämpfen die Schauspieler mit staubigem Schotter. Was sie am nächsten Bahnhof erwartet, wissen sie nicht.

Ucieczka fot. m.chojnowska (11)

Aufführungen im schwarzen Saal sind für Kleinod-Gründer Jens-Erwin Siemssen kein Anreiz, er braucht Wind und Wetter, den direkten Kontakt zum Publikum. „Wir bringen Geschichten an die Orte zurück, an denen sie sich ereignet haben“, erläutert er den Ansatz des Theaters, das im vergangenen Jahr mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet wurde. „Dabei geben wir Erinnerungen an die nächsten Generationen weiter“, sagt Siemssen, der im Gespräch immer wieder den Bogen von „Flucht – Ucieczka“ zur aktuellen Flüchtlingssituation schlägt. Der Theatermacher führt Regie und hat den Text geschrieben, als Autor sieht er sich dennoch nicht. „Eher als Arrangeur. Wir haben den Texten der Zeitzeugen nichts hinzugefügt.“

Die Zeitzeugen wurden in Deutschland, Russland und Polen interviewt, das Stück stellt sie nun vor. Margarita Wiesner und Katja Tannert spielen Mädchen aus Ostpreußen, Wlada Vladislava ein Mädchen aus Russland und Matylda Magdalena Rozniakowska ein Mädchen aus Polen. Iwo Bochat ist ein junger russischer Soldat, Radoslaw Smuzny ein litauischer Junge, Szymon Jablonski (Akkordeon) und Marcin Koziol (Gitarre) sorgen für die musikalische Begleitung. Kabeltrommeln sind die einzigen Requisiten, elf Szenen führen vom Blaubeersammeln zur Flucht über das Haff und Fliegerangriffen, zum Ende des II. Weltkriegs. Geschichte in starken Bildern, beeindruckendes Theater, das unter die Haut geht: Nicht nur bei der Premiere in Gdynia gab es stehenden Applaus.

Ucieczka fot. m.chojnowska (7)

Von Gdynia (Gdingen) mit dem Ozeanblauen Zug weiter nach Pila (Schneidemühl), es ist für alle wie eine Reise in vergangene Zeiten. Zuerst das lange Warten neben einer Industriebrache bei Gdansk, schließlich rumpeln die Waggons sanft schaukelnd auf einspurigem Gleis durch Wälder, Wiesen und Felder, ziehen kleine Ortschaften der Woiwodschaften Pommern und Großpolen vorbei. Die untergehende Sonne auf der einen, der aufgehende Mond auf der anderen Seite, das Rattern der Gleisschwellen sorgt für den Rhythmus der Fahrt. Weil der Elektrizitätsanschluss nicht funktioniert, muss nach der nächtlichen Ankunft erstmal hart gearbeitet werden. Aber zwei Stunden später haben die beiden mitreisenden Techniker und ihr polnischer Kollege das Problem behoben, geht in Pila das Licht an.

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Pressegespräche und Proben, der nächste Großeinkauf wird geplant. Das Projekt ist nicht zuletzt eine logistische Herausforderung: Produktionsleiterin Ida Bocian (Teatr Gdynia Glówna) telefoniert einmal mehr mit der Bahn in Poznan, der syrische Koch Ali Ali Deeb tischt noch ein spätes Abendessen auf. Für die erste Doppelvorstellung in Pila gab es zweimal stehenden Schlussapplaus – bis zum 29. Juli spielt das Ensemble das Stück noch auf Polnisch, ab dem 3. August dann auf Deutsch. Egal, in welcher Sprache: „Flucht – Ucieczka“ ist auf jeden Fall ein Theatererlebnis.

Text: U. Müller, Fotos: M. Chojnowska

Spieltermine „Flucht – Ucieczka“

Frankfurt/Oder

Lokwerkstatt der DB Netz, Briesener Str. 4, 15230 Frankfurt/Oder

3.8.2016                     19:00 Uhr, 20:30 Uhr (Premiere Deutschland)
4.8.2016                     19:00 Uhr, 20:30 Uhr
5.8.2016                     19:00 Uhr, 20:30 Uhr

Berlin

Bahnhof Havelländische Eisenbahn, Schönwalder Allee 51a, 13587 Berlin-Spandau

6.8.2016                     19:00 Uhr
7.8.2016                     20:30 Uhr

Regie: Jens-Erwin Siemssen / Dramaturgie: Zindi Hausmann / Ensemble: Matylda Magdalena Rożniakowska, Katja Tannert, Margarita Wiesner, Wlada Vladislava, Iwo Bochat, Radosław Smużny, Szymon Jabłoński, Marcin Kozioł

 

Nieuległa krowa czyli porady kulturalne na lato

Ewa Maria Slaska

Idźcie koniecznie! Natomiast wcale nie musicie czytać!

Ach ta Francja…

Kochani, idźcie koniecznie, bo takiego miłego, serdecznego, dowcipnego i absurdalnego filmu dawno nie widzieliście, a ponieważ czasy są coraz bardziej ponure, to może i długo nie zobaczycie (zobaczymy). I nie czytajcie, bo takiej ponurej książki (zresztą dobrze napisanej i inteligentnej) dawno nie czytaliście, a ponieważ czasy są coraz bardziej ponure, to będzie ich coraz więcej.

Wiem, piszę to po Nicei (a i po Monachium), mogłoby się więc wydawać, że na serdeczny humor już nie ma miejsca, a najbardziej ponure wizje wciąż jeszcze są zbyt pogodne, ale wierzę w Wielkiego Ducha Francji, w to, że Francuzi nie popadną ani w nienawiść, ani w przesadną afirmację wbrew samym sobie, że zachowają to, co w nich kochamy najbardziej – Godność Uczciwego Myślenia.

I film, zrobiony przez Araba z Algierii mieszkającego we Francji, i książka, napisana przez francuskiego autora, który nienawidzi wszystkich (nie tylko Arabów), a przede wszystkim siebie, są konfrontacją z problemem, o którym od roku mówimy i myślimy bez przerwy – z nową falą imigracji, w tym głównie Arabów, do Europy. Ponieważ z tym problemem konfrontują nas Francuzi, pozytywna wizja (filmowa) jest przesycona francuskim esprit, a ponura czyli książkowa – chłodnym francuskim racjonalizmem. Obie postawy zachwycają w porównaniu z tym, z czym stykamy się w Polsce a i w Niemczech. Bo w Polsce – wiadomo, zalew nienawiści, na ulicy w postaci bluzgu, w lepszych sferach – nieco stonowanej, a w Niemczech mnóstwo dobrej woli ze strony polityki i zwykłego człowieka, ale ta dobra wola niemiecka jest tak skuteczna, tak niezastąpiona, tak do pozozadroszczenia i taka w 300%… poważna.

W polskiej sieci nie ma informacji o filmie La Vache

Przypomnijmy, że powieść ukazała się w dniu, gdy islamiści dokonali krwawego zamachu na redakcję francuskiego pisma satyrycznego Charlie Hebdo w Paryżu, a premiera filmu odbyła się 14 lipca czyli w dniu zamachu w Nicei.

Trudno o gorsze auspicje. Albo, niestety, o lepszą rekomendację.

Koniecznie idźcie do kina, a jeśli koniecznie musicie – to i przeczytajcie książkę. I przez cały czas myślcie o Polsce, o tym, że Francja była przez lata, dekady i wieki naszym wzorem duchowym i że zawsze możemy po niego znowu sięgnąć…

PS 1. O powieści już raz TU pisałam.

PS 2. Dla ludzi z Berlina – idziemy dziś wspólnie na godzinę 18 na film Unterwegs mit Jacqueline do kina Filmkunst66 na Bleibtreustrasse tuż koło stacji S-Bahn Savigny Platz – najdroższe bilety po 9 euro, ale są różne zniżki. Zabierzcie koniecznie “swoich” uciekinierów…