Wiersze z brodą i bez 7

Tibor Jagielski

indyk i niedziela

ptak przebiega po parapecie i potrąca ogonem kasztan
który wylądował tam przed paroma miesiącami
i rozgościł się
– brązem w srebrzystym metalu –
na moich tęczówkach

nie zmiotła go jesienna burza
ani ja
gotujący loggię do zimowego snu

a teraz
w styczniu
ogon! trach! mach!
koniec projekcji

tak to jest
z pierzastymi


jeden dzień dzieciństwa

kwiat lipy
strącany z drzew
wciskany do płóciennych worków
i zanoszony do skupu

jutro
na winniczki!

poeci

to jak wiadomo dupy
rzadko w okopach
a na bagnety to zapomnij

nie nadają się właściwie do niczego

jako meldunkowi
gubią rozkazy pod ogniem nieprzyjaciela

w kuchni upijają się z kucharzem
i przypalaja zupę

a postawieni na warcie
dają się natychmiast zastrzelić

nawet w oddziale propagandy
nikt nie chce o nich słyszeć

tylko ptaki
upominają się o nich
i chmury…

tak
jednym słowem
niepotrzebni
die dichter

sind wie jeder weiss ärsche
selten in den schützengräben
und beim bajonettangriff nie da

sie taugen eigentlich zu nichts:

als meldegänger
verlieren sie die befehle unter dem gegnerischen feuer

in der küche brennen sie die suppe an
und besaufen sich mit dem koch

und als wachposten gestellt
lassen sie sich gleich erschissen*)

sogar in der propagandaabteilung
will keiner was von ihnen hören

nur vögel
fragen nach ihnen
und wolken…

so
mit einem wort:
unbrauchbar

*) für den deutschen leser:
der polnische dichter krzysztof kamil baczynski
fiel, von einer kugel getroffen, als wachposten
während des warschauer aufstandes (1944)

Krieg und Panik

Der Beitrag wurde von Brigitte von Ungern-Sternberg zusammengestellt.

Deutschland liefert endlich Mal etwas mehr als alte Helme in die Ukraine. Dh. Panik wächst.

Liebe Ewa,  liebe Ela, (gemeint ist Ela Kargol – Anm.d.R.)

es gibt eine interessante ARTE Doku darüber, wie die Anrainerstaaten der Ostsee aufrüsten, um Putin ‚klare Kante‘ zu zeigen. Ihr habt sie ja vielleicht schon gesehen. 

Ich denke, Putin wird der Appetit auf weitere ‚militärische Aktionen‘ inzwischen vergangen sein, solange er sich mit der Ukraine abarbeitet. Aber man kann nie wissen.

Aus Estland bekam ich Fotos von Sandskulpturen mit aktuellem Thema, die im Sommer entstanden sind, zwei davon im Anhang.

Mit allen guten Wünschen für 2023, hoffentlich hört der Krieg bald auf!!!

Brigitte

Drei Freudinnen und die Mauer

https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/leben-in-zwei-systemen-die-generation-der-transformation-in-polen-swr2-leben-2022-11-21-100.html

Leben in zwei Systemen – Die Generation der Transformation in Polen

STAND 18.11.2022 RENATA NASSERI

Leben in zwei Systemen – Die Generation der Transformation in Polen

Malgorzata, Agnieszka und Renata wurden 1973 in Poznan geboren. In der Schule waren sie unzertrennlich und lernten, dass es kein besseres und gerechteres System als den Kommunismus gibt.

Beim Mauerfall 1989 waren sie 16 Jahre alt. 1991 erlebten sie, wie die Sowjetunion endgültig zerfiel. Die Welt stand für sie von nun an Kopf, alte Gewissheiten lösten sich auf. Die Freundinnen mussten sich mit der neuen ökonomischen und politischen Realität auseinandersetzen.

Die frühen 1990er Jahre haben ihr Leben geprägt – bis heute.

Manuskript zur Sendung / Sendung

Sendung vom Mo., 21.11.2022 15:05 Uhr, SWR2 Leben, SWR2

Wiersze z brodą i bez (6)

Tibor Jagielski

Mechtchild von Magdeburg (1207 – 1282)

Jak Bóg do duszy przybywa

Przybywam do ukochanej
Jak rosa na kwiat.


Ewa Lipska (1945)

Die Sturzflut hat mich nicht gerettet
obwohl ich tief am Boden lag.

Die Feuersbrunst hat mich nicht gerettet
obwohl ich viele Jahre brannte.

Die Katastrophen haben mich nicht gerettet
obwohl Autos und Züge über mich hinrollten.

Die Flugzeuge, die mit mir in der Luft explodierten
haben mich nicht gerettet.

Es stürzten auf mich
Die Mauern großer Städte.

Die giftigen Pilze haben mich nicht gerettet
und auch nicht die Salven der Exekutionskommandos.

Der Weltuntergang hat mich nicht gerettet
dafür hatte er keine Zeit übrig.

Nichts hat mich gerettet.

ICH LEBE.


Julian Kornhauser (1946)

Eine Frau

Eine Frau gebiert
wird eine Blume
führt den Mann an der Hand

Eine Frau schließt die Augen
berstet explodiert

Frauenleib
empfängt
dürstet

Eine Frau geht nicht
sie schwebt

wenn sie spricht
sprechen ihre Augen und Brüste
Haut und Finger

Eine Frau liebt keinen
sie gib sich hin

Frauenblick: Irgendeinen Zug nehmen

Monika Wrzosek-Müller

Wsiąść do pociągu byle jakiego
Nie dbać o bagaż
Nie dbać o bilet
Ściskając w ręku kamyk zielony
Patrzeć jak wszystko zostaje w tyle…

[Irgendeinen Zug nehmen, sich nicht ums Gepäck kümmern und nicht um eine Fahrkarte
In der Hand ein grünes Steinchen haltend, schauen wie alles zurückbleibt]

Als ich noch in Warschau Ende der siebziger Jahre dieses Lied von Maryla Rodowicz hörte, war mir eher der erste Satz des Reifrains wichtig, mit den Jahren gewinnt eher der letzte an Bedeutung. Gerade habe ich erfahren, dass die Verfasserin des Liedtexts, Magdalena Czaplińska einen Prozess gegen die Polnische Bahn (PKP) gewonnen hat. Die Bahn hat auf Plakaten mit dem Text geworben, ohne sich um die Rechte daran zu kümmern.

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Wiersze z brodą i bez 5

Tibor Jagielski

Władysław Zawistowski (1954)

Danzig, Januar

Spät in der Nacht haben nur Huren und Apotheken Dienst
im Angebot: Syphilis und Antibrechmittel
das Meer hustet mit dem Wind in die leeren Strassen
die Fußgängerstreifen verlieren ihren Sinn.

Spät in der Nacht sind die rosa Fenster
Muscheln der Liebe
ihre Fensterscheiben spenden den erhitzten Stirnen Kühle
und der Nachtwächter trägt seine Müdigkeit auf den Schultern
und fehlender Schnee nimmt der Stadt den Sinn.

Spät in der Nacht ist die Luft wie kalter Wodka
und Pharmazeuten,
Dichter der späten Nacht,
erschrecken den Januar mit seiner Sauberkeit
und zwei Kerle tragen einen Schrank
durch Danzig
und plötzlich gewinnt die Stadt
ihren Sinn wieder im Knattern
von tausend Weckern.


Julian Kornhauser (1946)

ein interview

man lebt nicht schlecht
frieden geld
interessante arbeit ausflüge

mit bestimmten entwicklungen
ist man nicht einverstanden
weil sie begrenzen
jenes oder dieses

aber wenn man hinschaut
allgemein
ob etwas fehlt
vielleicht zu wenig fußball
oder zu viel schlamperei
aber jeder hilft sich
und wer schafft sich aufzurichten
der arbeitet auch besser
also lebt man nicht schlecht
obwohl alle meckern

vielleicht lebt man zu langsam
man hätte es lieber schneller
intensiver
außerdem haben manche fast alles
und die anderen schaffen es kaum
das ist frustrierend

und obwohl alle wissen was gespielt wird
werden wir von denen die da oben
wie kinder behandelt
das ist lächerlich

ein bisschen ähnelt das
an pfadfinderlager

mehr mut
meine herren


Ewa Lipska (1945)

Das Heim der ruhigen Jugend

Im Leihgeschäft der Meuterei
funktioniert der Speisesaal.

Roter Wein des Sees
fließt vor den Fenstern.

Man kann in ihm schwimmen
aber nur unter Geschichtsgefahr.

Nicht alle Hurrarufe
bedeuten hier Sieg.

Die Popularität genießt
der nationale Gambit.

In den Spielhallen
gewinnt man große Niederlagen.

Manche sammeln Walderdbeeren
und Beweismittel.

Unter dem Segel der Bettwäsche
segeln sie in den Schlaf.

Andere starren stur auf die Tür
als ob von dort die Rettung kommen sollte.

Denen, die an das Land über dem Kopf denken,
brennt die Erde unter den Füssen.

Das Heim der Ruhigen Jugend
ist grau wie eine Taube.

guten rutsch!

tibor

Im Gewissen jedes Einzelnen wiederspiegelt sich die Staatsform, in der er lebt.

Noch zum Blogjubiläum

Esther Schulz-Goldstein

Im Gewissen jedes Einzelnen wiederspiegelt sich die Staatsform in der er lebt.

Der Antiliberalismus geht um in der Welt. Nicht nur in China, mit dem neu gewählten ‚Sohn des Himmels‘, oder in der verunglückten Demokratie russischer Oligarchen, sondern auch in der antiliberal unterfütterten jungen Demokratie Polens.

Ihre Funktionseliten leiden unter der vom Europa oktroyierten „formalistischen Verfahrensdemokratie“, in der sie nun leben müssen, die elitär, ungerecht und irgendwie nicht polnischer Wesensart entspricht.

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