Frauenblick. Kapadokien.

Monika Wrzosek-Müller

Die Reise nach Kappadokien und Antalya

Die Reise liegt nun schon mehr als eine Woche zurück, trotzdem habe ich mich noch nicht wieder ganz hier in Berlin eingelebt. Es ist zu kühl, zu chaotisch und voll mit Problemen, die ich lösen sollte, einige schon vorher, oder solche, die man gar nicht angehen sollte. Eine Reise bedeutet doch ein bisschen Flucht vor dem überbordenden, routinierten Alltag, vor Verpflichtungen jeglicher Art, vor kleinen mühsamen Zusammenhängen, die einen einengen? Auf die Reise gehen, sich auf den Weg machen, aufbrechen, Neues erleben, aktiv sein, auf jeden Fall motiviert so eine Reise immer zu neuen Blickwinkeln, zu neuen Perspektiven, besonders wenn der Weg in Gebiete führt, die zu einem anderen Kulturkreis gehören.

Morgens, kurz vor Sonnenaufgang weckte mich meistens der Muezzin, nicht immer war mir das angenehm; doch wir sollten darauf achten, welchen Ton er anschlug: morgens, mittags und abends und noch zwischendurch, denn er ruft fünfmal am Tag; zweifellos war für mich der Ruf Adhan morgens am schönsten. Die immer gleichen paar Sätze: „Gott ist groß. Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah. Eilt zum Gebet. Eilt zur Seligkeit. Gott ist groß.“ wurden durch Lautsprecher hörbar. Angeblich gibt es noch einen Satz: „Das Gebet ist besser als Schlaf“, wird aber nur von Sunniten ausgerufen. In der Türkei Atatürks erfolgte der Ruf auf Türkisch, seit 1969 gab es wieder die arabische Variante und so ist es bis heute.

Der Flug nach Antalya mit „Sunexpress“ dauerte 3,5 Stunden und wäre an sich angenehm gewesen, nur wurde uns nichts zu Trinken angeboten, nicht einmal Wasser, das ich vergessen hatte zu kaufen. Die Gruppe, die sich nach der Ankunft zusammenfand, bestand aus eher ältlichen Teilnehmern aus Berlin und München. Die ein wenig Jüngeren konnten das Durchschnittsalter kaum senken. Der Graben zwischen Ost- und Westdeutschen hat sich, schien mir, noch vertieft, so war ich ganz selig und froh, dass ich ausgerechnet eine allein reisende Schwedin in der Gruppe traf.

Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in der Nähe von Antalya und dem Ort Manavgat sollten wir gleich in die Berge aufbrechen und bald ging es auch schon durch das Taurus Gebirge über viele Serpentinen bergauf, durch richtig viel Schnee, nach Kappadokien. Die Unterschiede bei Klima und Vegetation hätten nicht größer sein können, unten in der Antalya-Ebene blühten Orangen, Mandeln, Aprikosen, Zitronen auch Granatäpfel – ein blühendes, grünes Meer von Pflanzen, Früchten und Gemüse, aber auch Blumen mit unheimlich vielen Gewächshäusern lag auf beiden Seiten der sehr gut ausgebauten Schnellstraßen. Oben auf dem Pass, auf 1850 m, lag kniehoch Schnee, wir waren in den Wolken, es gab Tannen und Kiefern, aber auch riesige alte Zedern. Der Übergang zu der anderen Seite war weniger dramatisch, denn die Hochebene Richtung Konya liegt auf 1200 m. Kurz vor der Reise hatte ich auf ARTE eine Sendung über Pferdezüchter in der Mongolei gesehen und die weiten, breiten, hügeligen, wunderschönen Landschaften bewundert; das erlebte ich jetzt hier vor meinen Augen. Bevor die Steppe zu trocken, grau und steinig wird, gibt es einen Streifen wunderschöner Landschaft mit noch grünen Weiden und Hügeln im Hintergrund, menschenleer soweit das Auge reicht, diese Weite ist imposant, unendlich, überwältigend. An mehreren Stellen haben wir Projekte zur Aufforstung und Urbarmachung des Bodens gesehen; es ist eine Gegend, in der es kaum regnet. So sind riesige Anstrengungen nötig, um Wasser von den Bergen in die Hochebene zu leiten und die Pflanzungen zu bewässern. Bereits da unterwegs habe ich gespürt, dass die Türkei ein riesiges Land mit noch ungeahnten Möglichkeiten ist und dass sich unheimlich viel in dem Land getan hat seit meinem letzten Aufenthalt zu Ende 80er Jahre. Wir kamen dann hinter Konya in die Steppenregionen, die bedrückend leer und fast tot sind. Stundenlang graue Steppe, die auch zu dieser Jahreszeit (Frühling) ausgetrocknet ist. So, habe ich gedacht, musste die Steppe in Kasachstan ausgesehen haben, wohin meine Mutter 1940 mit ihrer Familie aus Lemberg von den Sowjets verschleppt wurden. Völlig menschenleer, ohne Tiere, aber auch ohne Bäume oder höhere Pflanzen, nichts war zu sehen, keine Dörfer, keine Häuser, stundenlang nichts. Wie hat man da überlebt, wie hat man das bewältigt, fragte ich mich immer wieder; die Steppe dort in Kasachstan war noch größer, noch leerer, noch hoffnungsloser, ohne Straßen, Zivilisation, ohne Fluchtmöglichkeiten. Von dort kamen die Nomadenvölker, die Seldschuken, die auch die Steppe in Anatolien bevölkert haben.

Inzwischen waren wir schon auf der Route der Seidenstraße und besichtigten in Aksaray, eine seldschukische Karawanserei, die es an Mächtigkeit mit einer Festung, einer Burg hätte aufnehmen können, auch hinsichtlich der unheimlichen Baukunst, mit schönen Steinmetzarbeiten an den Portalen. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Karawanen mit ihren Waren und Transporttieren (Kamele, Esel, seltener Pferde) und die Menschen dort Unterschlupf fanden, also ein Nachtlager, Ruhe und vor allem Sicherheit. Entlang dieser Straße gab es alle 30 bis 50 km. eine solche Karawanserei, nicht alle waren so reich geschmückt und groß, doch alle wehrhaft und mit einem riesigen verschließbaren Tor versehen.

Die Hochebene von Kappadokien erstreckt sich zwischen zwei riesigen Vulkanen, Hasan Dagi (3268 m) und Erciyes Dagi (3916 m), die sich mit schneebedeckten Gipfeln in der klaren, durchsichtigen Luft sehr schön präsentierten und über die Ebene wachten. An den Hängen des Erciyes Dagi kann man angeblich sogar Skifahren; ich selbst habe abends einige junge Japaner mit Skiern in unserem Hotel unweit von Göreme gesehen. Auf jeden Fall sehen die Berge imposant aus, auch von der ohnehin schon auf ca. 1000 m gelegenen Hochebene. Tatsächlich ähneln sie für mich dem Fuji-Vulkan bei Tokio, meistens waren ihre Gipfel auch von den Wolken verhüllt.

Die Geschichte Kappadokiens begann schon in Urzeiten; seitdem zogen immer wieder viele verschiedene Nomadenvölker durch dieses erstaunliche Land. Mal blieben sie länger, mal zogen sie schnell weiter. Von den wichtigeren seien hier Hethiter, Phrygen und Perser zu nennen, auch Alexander der Große hat das Territorium besetzt. Dann gab es starke griechische Einflüsse, bis schließlich das Land zur römischen Provinz wurde. Doch gleichzeitig blühte das Christentum in Kappadokien auf, wovon auch die unzähligen Kirchen, Klöster und Abteien zeugen, die bis heute existieren. Zwischenzeitlich kamen die Araber mit dem Islam und die Kirchen wurden geschlossen, doch schon bald breiteten sich die Seldschuken aus, die die christliche Religion durchaus tolerierten. Erst danach übernahmen Osmanen die Herrschaft.

Doch es ist ein Land geblieben, das von vielen Völkern/ Ethnien bewohnt war und ist, immer wieder auch überfallen wurde. Davon zeugen die unterirdischen Städte, die 150 unterirdischen Zufluchtsstätten, über 30 davon kann man als Städte bezeichnen. Sie erstreckten sich über mehrere Stockwerke und auch in die Breite, verfügten über sehr komplizierte, raffiniert konstruierte Systeme für die Wasserversorgung und die Luftzirkulation und über Vorratskammern. Die Bewohner dieser Städte konnten sich einige Monate dort versteckt halten. Die Eingänge wurden mit riesigen flachen Steinen blockiert; diese Torsteine waren aus einem anderen harten Stein gemeißelt, sie erinnerten an Mühlsteine und waren rundlich. Eindeutig erwiesen scheint die Tatsache, dass es sich vorwiegend um christliche Bevölkerung handelte, die dort Unterschlupf fand; davon zeugen die Kirchen und Kapellen, die man gefunden hat. Diese Städte sind wirklich unheimlich und riesige Gebiete besitzen solche Anlagen. Leider wurde mir bei der Besichtigung einer solchen Stadt schon im zweiten unterirdischen Stockwerk übel; ich bin also nicht ganz nach unten vorgedrungen, so habe ich sie nur aus Erzählungen und Beschreibungen erlebt. Ganz unten befanden sich offenbar Toiletten und Grabstätten; es war an alles gedacht. Die Temperaturen blieben das ganze Jahr niedrig, um 10 Grad, deshalb werden einige Räume heutzutage als Weinkeller genutzt. Die ländliche Bevölkerung lebte noch sehr lange in den unterirdischen Räumen, den Höhlen; als in den 60er Jahren endgültig Schluss damit sein sollte, kehrten im Sommer immer wieder Leute in ihre alten Behausungen zurück. Sie wussten, dass es derart frische Temperaturen auch in modernsten Appartements nicht gab.

Das alles ermöglicht der Tuffstein; die in früheren Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden aktiven Vulkane spien Asche und vulkanische Erde aus, es strömte Lava aus, in Jahrtausenden sind diese vulkanischen Aussonderungen versteinert. Jetzt präsentieren sie sich als Tuffstein mit bizarren, wirklich außergewöhnlichen Formationen. Der Tuffstein ist so weich, dass er sich relativ leicht formen lässt und macht das Aushöhlen für unterirdische Anlagen möglich, erst in Verbindung mit Sauerstoff, also an der Luft, verhärtet sich der Stein. Noch heutzutage entstehen Bauwerke in dieser Bauweise: wir haben ein Keramik-Museum in ausgehölten Grotten, sehr schönen Räumen, besichtigt. Die Arbeiten für dieses private Güray Müse in Avanos dauerten 6 Jahre, doch das Ergebnis beeindruckt durch die Präsentationsart und die Objekte, aber auch durch die moderne Verkaufsgalerie. Es gibt ein Café, man kann auch Führungen buchen; an den ausgestellten Objekten wird die kulturelle Vielfalt und das Alter dieser Kulturregion sichtbar.

Über meine Ballonfahrt und die „Feenkamine“ berichte ich das nächste Mal.

Wiersze z brodą i bez (20)

Das Gebet des Thomas Morus (1473-1535) um Humor

“Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Augenblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel findet, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. 
Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt, und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir zu viele Sorgen mache, um dieses sich breitmachende Etwas, das sich ich nennt.
Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben, und anderen davon mitteile.”

NOTA BENE:

Thomas Morus wurde zur Hinrichtung gebracht. Bevor er das Gerüst bestieg, wandte er sich an einen der Männer und bat ihn, ihm beim Hinaufsteigen behilflich zu sein: “Beim Herunter wird das nicht mehr nötig sein.” Und als er seinen Kopf auf den Block legte, strich er den Bart auf die Seite mit der Bemerkung: “Der hat doch nichts angestellt…”

Frauenclub Begine. Projekt Irena Bobowska.

Sonntag, 07.05.2023 15:00 Uhr

Ausstellung, Diskussion, Performative Lesung und Buchvorstellung

Die Botschaft der Pol*innen lädt ein: zu einer Diskussion mit Anna Krenz, Ewa Maria Slaska und Monika Wrzosek-Müller über die Erinnerungskultur in den deutsch-polnischen Beziehungen aus feministischer Sicht, einer Ausstellung über Leben und Werk von Irena Bobowska, einer performativen Lesung ihrer Gedichte und einer Präsentation des Buches „Die fehlende Hälfte der Geschichte”.

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“Krönungs-Quiche”

… nach dem Rezept vom Buckingham Palast

Am 7. Mai, ein Tag nach der Charles und Camilla Krönung werden überall in Großbritannien die Menschen in den Straßen zum so genannten großen Krönungsschmaus zusammenkommen. Dabei wird es überall das gleiche Essen geben: Krönungs-Quiche, Salat und junge Kartoffeln.

Gmx, dem ich diese Informationen verdanke, schreibt dazu: Die britische Nachrichtenagentur PA betonte, Quiche sei als französisches Gericht bekannt, sei aber vermutlich im Mittelalter in Deutschland entstanden. Charles hat auch deutsche Wurzeln. Camilla ist seit 2013 Schirmherrin der Initiative Big Lunch, die Nachbarn und Gemeinschaften zusammenbringen will.

Na dann, wir können uns auch in Berlin treffen und Quiche essen. 🙂

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Frauenblick auf Frauenliteratur und Frauenleben

Monika Wrzosek-Müller

Tove Ditlevsen

Drei schmale Bändchen und so viel Erfahrung, so viel Wissen über das Leben von Menschen, über sich selbst, so viel Erlebtes darin, aber vor allem so viel Sensibilität und Gefühl für Worte, Sätze, Sprache. Und ein Leben voller Brüche, Wendungen, Leid und Hoffnung. Erstaunlich, erstaunlich, dass wir/ich sie nicht schon längst entdeckt haben. „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“, so die Titel der drei Bände, erschienen zuerst 1967, dazu noch der Roman „Gesichter“, 1968 auch in Kopenhagen veröffentlicht.

Autofiktionales Schreiben, oder ist das eher biografisches Schreiben? Auf jeden Fall bringt Ditlevsen Erlebtes und Erfundenes zusammen, die Fakten, auch die sehr intimen, sind mit Fantasiesträngen durchflochten. War denn ihre Kindheit in wirklich sehr ärmlichen Verhältnissen daran schuld, dass sie psychisch labil geworden war und daran zerbrach, oder war ihr dritter Ehemann der eigentlich Schuldige? Schon als kleines Mädchen lebte sie immer in ihrer eigenen Welt, stellte sich ganz viel vor, schrieb auch ganz früh Gedichte. Sie las auch viel, doch ihren Wunsch, Schriftstellerin, Dichterin zu werden, musste sie geheim halten. Sie fragte ihren Vater: “´Was bedeutet Kummer, Vater´? Ich war bei Gorki auf dieses Wort gestoßen und liebte es. Er überlegte lange, während er über seine gezwirbelten Schnurrbartenden strich. ´Das ist ein russischer Ausdruck´, antwortete er dann. ´Es bedeutet Schmerz, Elend, Trauer. Gorki war ein großer Dichter`. Ich sagte fröhlich: ´Ich möchte auch Dichter werden`! Er runzelte die Stirn und erwiderte: ´Bild dir bloß nichts ein. Ein Mädchen kann nicht Dichter werden´. Ich zog mich gekränkt und betrübt wieder in mich selbst zurück, während meine Mutter und Edvin über meinen abstrusen Einfall lachten. Ich schwor mir, nie wieder jemand anderem meine Träume zu verraten und hielt mich meine ganze Kindheit daran.“ Doch sie kämpfte ihr Leben lang dafür und bekam auch ihren Platz in der dänischen Literaturgeschichte, im Kanon der Schullektüre.

Apropos Lesekanon: Nebenbei habe ich das gut recherchierte Buch von Nicole Seifert über den unpassenden Begriff Frauenliteratur gelesen. Erstaunlich für mich, was sie über Deutschland berichtet; nur Droste-Hülshoff hat es in den Kanon der Schullektüre geschafft, es gibt keine anderen „vorzeigbaren und würdigen“ Autorinnen. Da könnte Deutschland von seinem Nachbarland Polen viel lernen; ich bin mit so vielen Schriftstellerinnen aufgewachsen, dass ich sie gar nicht aufzählen kann. Hier nur die wichtigsten: Konopnicka, Orzeszkowa, Zapolska, Łuszczewska und natürlich die Königin der Trivialliteratur Rodziewiczówna, dann Pawlikowska-Jasnorzewska, Nałkowska. Folglich ist es wenig verwunderlich, dass gerade zwei Polinnen, Szymborska und Tokarczuk, in letzter Zeit den Nobelpreis bekommen haben.

„Schreiben heißt, sich selbst auszuliefern“, sagte Ditlevsen in einem Gespräch, “sonst ist es keine Kunst. Man kann das verschleiern, aber letzten Endes schreibt man doch immer über sich selbst.“ All die kleinen aber feinen Momente aus ihrer „Seelenbibliothek“ schrieb sie irgendwann auf, zuerst in ihr Poesiealbum, später in ihr Tagebuch; da standen alle ihre Gedichte, Gedanken und Reflexionen, die sie fleißig notierte. Sie durfte nicht aufs Gymnasium, musste eine Stelle annehmen, obwohl sie sehr gerne weiter gelernt hätte. Trotz der vielen Widerstände beharrte sie darauf, ihren Weg zu gehen, zu schreiben. Darum hat sie auch ihren ersten Mann geheiratet, der zwei Jahre älter als ihre Mutter und dreißig Jahre älter als sie selbst war – um überhaupt einmal veröffentlicht zu werden und um mehr Bildung und an etwas mehr Wohlstand zu kommen. Irgendwann wollte sie auch ein Zimmer für sich allein, zum Schreiben haben; es hätte auch eine Dachkammer ohne Heizung gewesen sein können. „´Denk immer daran, dass es Schoffeur heißt´, sagt er, ´nicht Schafför, Französisch, nicht Kopenhagenerisch´. Die Bemerkung verletzt mich, und ich gerate in Wut auf meine Herkunft, meine Unwissenheit, meine Sprache, meinen völligen Mangel an Bildung und Kultur, diese Wörter, die ich kaum kenne.“

Tove Ditlevsen wurde 1917 in Kopenhagen geboren, starb 1976, erlebte schlimme Phasen der Alkohol-, und Medikamentenabhängigkeit. Sie nahm Drogen, wozu ihr dritter Mann sie verführt hatte. Er war Arzt und gab ihr Spritzen mit Pethidin, um sie an sich zu binden. Dabei war sie zu dieser Zeit eigentlich schon eine gestandene Schriftstellerin, die viel veröffentlichte und gut davon alleine hätte leben können. Doch die Wirkung der Drogen, die sie bekam, war für sie so entlastend, sie verlor sich in Träumereien, musste an nichts mehr denken, nichts mehr machen. Die Zustände nach den Drogeninjektionen versetzten sie in ein anderes Leben, sie hatte keine Schmerzen, keine Verantwortung, keine Verpflichtungen, sie beschrieb es so: „Schlapp und fern und selig sah ich zu, wie er Kaffee trank und Helle ihren Haferbrei zubereitete. Dann verabschiedete ich ihn ebenso dösig und glücklich, doch tief in meinem vernebelten Gehirn nagte eine leise Angst“. Sie wurde vollständig drogenabhängig und landete irgendwann in der Psychiatrie, im Krankenhaus. Dort eine Entwöhnungskur, die sie sehr ehrlich beschreibt. Das Buch endet positiv, sie trennt sich von dem Mann, findet einen neuen: „Ich war von meiner jahrelangen Abhängigkeit geheilt, aber noch heute erwacht die alte Sehnsucht manchmal ganz leise in mir, wenn ich mir Blut abnehmen lasse oder an der Apotheke vorbeigehe. Sie stirbt nie ganz, solange ich lebe“.

Im wirklichen Leben verlief das etwas anders, bereits neun Jahre nach Erscheinen der autobiografischen Romane starb sie an einer Überdosis an Schlaftabletten, doch schon zwei Jahre vorher hat sie einen Suizidversuch gemacht. Die Beziehung zu ihrem letzten, ihrem vierten Mann Victor Andreasen scheint die beste und glücklichste gewesen zu sein. Trotzdem war der Mangel an Geborgenheit und Sicherheit, die unendliche Einsamkeit seit der Kindheit stärker als ihr Erfolg, der Mangel führte zu Depressionen, zur Schlaflosigkeit, sie versuchte damit zu kämpfen, indem sie immer mehr Tabletten konsumierte, immer mehr Alkohol trank und letztlich Drogen nahm; geholfen hat ihr das alles nicht. In ihren Aufzeichnungen finden wir aufschlussreiche Sätze: „Mit niemanden kann man seine heimlichsten Gedanken teilen. Mit dem Wichtigsten auf der Welt ist man allein. Es ist eine ewige Bürde und eine leise Freude, dass dich niemand dort erreicht und du niemanden hereinlässt.“

Sie fand in den Kanon der Schullektüre in Dänemark, wird auch gelesen und von jungen Leuten besprochen. Inzwischen gilt sie als Wegbereiterin für viele Autorinnen und Autoren, so für Anni Ernaux, für viele englische, aber auch deutsche Schriftstellerinnen und ihr autofiktionales Schreiben. Inwieweit das Schreiben sie befreit hat, denn sie schrieb offen und direkt über ihr Leben; was die Ursache für ihren frühzeitigen Tod war, werden wir nicht erfahren.

Drift! Psychogeography Festival

4 MAY AT 18:00 – 7 MAY AT 19:00

Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
Mariannenplatz 2
Kreuzberg

Was für ein Festival! Niezwykły festiwal! Amazing festival!

Drift! Festival is dedicated to psychogeography, “the study of the specific effects of the geographical environment on the emotions and behavior of individuals” (Guy Debord). Urban walks, lectures, discussions, screenings, and performances by prominent Ukrainian and German participants! Stay tuned for the updates, and for now, you are welcome to visit our website for more information 😊

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Das Drift! Festival ist der Psychogeografie gewidmet, “der Erforschung der spezifischen Auswirkungen der geografischen Umgebung auf die Gefühle und das Verhalten des Einzelnen” (Guy Debord). Stadtspaziergänge, Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen und Performances von prominenten ukrainischen und deutschen Teilnehmer*innen! Weitere Informationen werden bald folgen. Besucht unsere Website für weitere Informationen 😊

***https://www.facebook.com/drift.festivalberlinkyiv

Drift! Фестиваль присвячений психогеографії, «вивченню специфічних впливів географічного середовища на емоції та поведінку людей» (Ґі Дебор). Міські прогулянки, лекції, дискусії, кінопокази та перформанси учасни_ць з України та Німеччини! Більше оновлень – незабаром, а поки можете подивитися наш сайт 😊

Where did psychogeography come from?

The first attempts at the political and artistic application of the practice of psychogeography came from the Situationist movement. The Situationist International (1957-1972) is an organization whose members synthesized art, theory, and social criticism, aiming to make life more authentic, accentuate the destructive tendencies of society, and undermine standardized narratives. Relevant, isn’t it?

The central technique of the situationists – drift (walk) – was considered the main tool of such subversion. By its virtue, people found their own routes and moved away from the dominant modalities driven by commodity fetishism and socio-cultural homogenization.

During our festival, you can visit as many as 6 different drifts organized by participants from Ukraine and Germany! We invite you to dive into this journey together.

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Звідки взялася психогеографія?

Перші спроби політичного та мистецького застосування практики психогеографії постали із ситуаціоністського руху. Ситуаціоністський Інтернаціонал (1957-1972) – організація, учасни_ки котрої синтезували мистецтво, теорію та соціальну критику з метою перетворити життя на більш аутентичне, акцентувати руйнівні тенденції тогочасного суспільства та підважити стандартизовані наративи. Актуально, чи не так?

Центральна методика ситуаціоністів – дрейф (прогулянка) – вважалася головним інструментом такої субверсії. Люди запрошувалися віднаходити власні маршрути, і відходити від панівних модальностей, керованих товарним фетишизмом, культурною та соціальною гомогенізацією.

Впродовж нашого фестивалю ви можете відвідати аж 6 різних дрейфів, організованих учасни_ками з України та Німеччини! Запрошуємо зануритися у цю подорож разом.

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Woher kommt die Psychogeografie?

Die ersten Versuche, die Praxis der Psychogeografie politisch und künstlerisch umzusetzen, stammen aus der situationistischen Bewegung. Die Situationistische Internationale (1957-1972) war eine Organisation, deren Mitglieder Kunst, Theorie und Sozialkritik miteinander verbanden, um das Leben authentischer zu machen, die zerstörerischen Tendenzen der Gesellschaft zu betonen und standardisierte Erzählungen zu untergraben. Klingt spannend, oder?

Die zentrale Technik der Situationisten – das Driften (Gehen) – galt als Hauptinstrument dieser Subversion. Mit ihrer Hilfe fanden die Menschen ihre eigenen Wege und entfernten sich von den vorherrschenden Modalitäten, die von Warenfetischismus und soziokultureller Homogenisierung bestimmt waren.

Während unseres Festivals könnt ihr mehr als 6 verschiedene Drifts besuchen, die von Teilnehmern aus der Ukraine und Deutschland organisiert werden! Wir laden Sie ein, sich gemeinsam auf diese Reise einzulassen.

London Psychogeographical Association, The Workshop for Non-Linear Architecture, Glowlab, Psy-Geo-conflux festival, and other big and small initiatives connected to psychogeography are among those contemporary manifestations of psychogeographic thought worth your attention. Iain Sinclair, a writer and filmmaker, is one of the dearest psychogeographers to our hearts regarding his vision and the ambiance Iain can create in his books. At the festival, you are welcome to visit the presentations of Sven Koch and Jürgen Ghebrezgiabiher, translators who are trying to make the work of Iain Sinclair better known in German-speaking countries.

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Die “London Psychogeographical Association”, der Workshop für “Non-Linear Architecture”, das “Glowlab”, das “Psy-Geo-conflux”-Festival und andere große und kleine Initiativen im Zusammenhang mit der Psychogeografie gehören zu den zeitgenössischen Manifestationen des psychogeografischen Denkens, die Ihre Aufmerksamkeit verdienen. Der Schriftsteller und Filmemacher Iain Sinclair ist einer der Psychogeografen, die uns aufgrund seiner Vision und der Atmosphäre, die er in seinen Büchern schaffen kann, besonders am Herzen liegen. Auf dem Festival sind Sie herzlich eingeladen, die Präsentation von Sven Koch und Jürgen Ghebrezgiabiher zu besuchen, die als Übersetzer versuchen, das Werk von Iain Sinclair im deutschsprachigen Raum besser bekannt zu machen.

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London Psychogeographical Association, The Workshop for Non-Linear Architecture, Glowlab, фестиваль Psy-Geo-conflux та інші великі й малі ініціативи, пов’язані з психогеографією, належать до тих сучасних проявів психогеографічної думки, які варті вашої уваги. Письменник і режисер Ієн Сінклер – один із найцікавіших сучасних психогеографів, і ми дуже радимо зануритися в атмосферу його книжок! На фестивалі запрошуємо відвідати презентації Свена Коха та Юргена Гебрецгіабіхера, перекладачів, які намагаються зробити творчість Ієна Сінклера більш відомою в німецькомовних країнах.

ph by Joy Gordon

Among other bright representatives of psychogeography are Jacqueline de Jong, painter, and sculptor, editor of “The Situationist Times,” Laura Oldfield Fold with her famous streetpunk zine “Savage Messiah” (worth a read!), and, of course, Will Self with his books, in particular, “Psychogeography” (2007) that catches his observations around different cities. So, if you are ready to discuss this, let’s say extraordinary stuff – welcome to our little festival, a feast of maps, traces, and personal geographies.

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Zu den anderen herausragenden Vertretern der Psychogeografie gehören Jacqueline de Jong, Malerin, Bildhauerin und Herausgeberin von “The Situationist Times”, Laura Oldfield Fold mit ihrem berühmten Streetpunk-Zine “Savage Messiah” (Große Leseempfehlung!) und natürlich Will Self mit seinen Büchern, insbesondere “Psychogeography”, das seine Beobachtungen in verschiedenen Städten festhält. Wenn Sie also bereit sind, über diese sagen wir, außergewöhnlichen Dinge zu diskutieren – willkommen zu unserem kleinen Festival, einem Fest der Karten, Spuren und persönlichen Geographien.

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Серед інших яскравих представни_ків психогеографії можна згадати про Жаклін де Йонг, художницю і скульпторку, редакторку «The Situationist Times», Лауру Олдфілд Фолд з її знаменитим стрітпанк-журналом «Savage Messiah» (варто почитать!), і, звичайно, творчість Вілла Селфа із «Психогеографію» (2007) зокрема, де він фіксує свої спостереження щодо різних міст. Отже, якщо ви готові обговорювати ці незвичайні речі – ласкаво просимо на наш маленький фестиваль буквальних й метафоричних мап та особистих географій.

is another good question, isn’t it? Why return to the idea of drifting? As practice shows, many of us engage in aimless walks, letting the environment influence us in a chancy way. Moreover, it can lead to unexpected discoveries. During the Drift! festival, you can visit some walks that resuscitate drifting this or that way and share your own discoveries with us. The walks program on May 6th is here https://driftfestival.net/program-eng/.

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Eine weiter gute Frage, nicht wahr? Warum sollte man auf die Idee des Umherschweifens zurückkommen? Wie die Praxis zeigt, gehen viele von uns ziellos umher und lassen sich von der Umwelt auf ungewisse Weise beeinflussen. Dies kann zu unerwarteten Entdeckungen führen. Während des Drift!-Festivals können Sie einige Spaziergänge besuchen, die das Driften auf diese oder jene Weise wiederbeleben, und Ihre eigenen Entdeckungen mit uns teilen. Das Programm: https://driftfestival.net/program/

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ще одне хороше питання, правда? Навіщо повертатися до ідеї дрейфу? Як показує практика, ми часто вдаємося до безцільних прогулянок, дозволяючи середовищу випадково на нас впливати. Окрім того, прогулянки призводять до несподіваних відкриттів. Під час фестивалю Drift!, ви можете відвідати прогулянокi, які реанімують дрейф у тій чи тій формі, а також поділитися з нами власними відкриттями. Програма: https://driftfestival.net/program-ua/

The dérive (drift) includes studying the city terrain, but it also means facing diverse potentialities this or that path may introduce. An unexpected meeting, a finding, a conversation, a memory, or a perspectivity, working as “tools for the liberation of everyday life” or just as a reminder there is something.

One of the walks during our festival is a hiking trip by Dan Voronov, a multidisciplinary artist from Kyiv, with whom you are welcome to walk 25 km around Berlin through landscapes of observations and territories of thought.

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Das “dérive” (driften) beinhaltet einerseits die Erkundung des städtischen Terrains, andererseits aber auch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten, die dieser oder jener Weg mit sich bringen kann. Eine unerwartete Begegnung, eine Entdeckung, ein Gespräch, eine Erinnerung oder eine Perspektive, die als “Werkzeuge zur Befreiung des Alltags” oder einfach als Erinnerung dient, dass etwas um uns herum existiert.

Einer der Spaziergänge während unseres Festivals ist eine Wanderung von Dan Voronov, einem multidisziplinären Künstler aus Kiew, der Sie einlädt, mit ihm 25 km rund um Berlin durch Landschaften der Beobachtung und Territorien des Denkens zu wandern.

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Dérive (дрейф) передбачає дослдження місцевості, але це також і зіткнення з різноманітними можливостями, які може створити той чи інший шлях. Несподівана зустріч, знахідка, розмова, спогад чи перспектива, які працюють як «інструменти для звільнення повсякденного життя» або просто як нагадування про те, що щось є.

Одна з прогулянок фестивалю – це піший похід Дана Воронова, мультидисциплінарного митця з Києва, з яким можна пройти 25 км Берліном через ландшафти спостережень і території думки. Так шо приєднуйтесь, друзі.

Spacer / Spaziergang

SATURDAY, 22 APRIL 2023 AT 16:00

Steglitz
Ulica Pałacowa i pałace
Die Schloßstraße und die Schlösser

Treffpunkt: Grunewaldstrasse 3
U-Bahn & S-Bahn Steglitz

PL
Ulica Pałacowa i pałace na Steglitz
Ukryta synagoga i Ściana Lustrzana
„Pałac” w chmurach i willa Schwartzów…

Między wsią i miastem, starym i nowym, nowoczesnym i staroświeckim, pamięcią i niepamięcią.
Zapraszamy serdecznie na spacer wokół pałaców!!!

Spotykamy się na Steglitz, przy „Pałacu“, wejście od Grunewaldstraße 3, w sobotę, 22 kwietnia 2023 roku o godzinie 16.00.

Nasz “pałacowy” spacer po “pałacowej” ulicy przewidujemy na okolo 1,5 godziny.
Zapisy: n.pruefer@sprachcafe-polnisch.org

Udział w wydarzeniu jest bezpłatny.
Spotkanie odbędzie się w ramach cyklu o literaturze, prowadzonego przez berlińskie autorki: Elę Kargol, Krystynę Koziewicz, Ewę Marię Slaską i jej blog „ewamaria.blog“ (www.ewamaria.blog).

DE
Die Schloßstraße und die Schlösser in Steglitz
Die Spiegelwand und die versteckte Synagoge
Die Wolkenburg und die Schwartzsche Villa…

Zwischen Land und Stadt, alt und neu, modern und klassisch, zwischen Gedenken und Vergessen. Sie sind herzlich eingeladen zu einem Spaziergang um die Steglitzer Schlösser!

Wir treffen uns in Steglitz, am Schloss, Eingang Grunewaldstraße 3, am Samstag, den 22. April 2023 um 16.00 Uhr. Unseren “Schloss”-Spaziergang planen wir für ca. 1,5 Stunden.

Anmeldungen: n.pruefer@sprachcafe-polnisch.org

Die Veranstaltung ist kostenlos.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Zyklus über Literatur, geleitet von den Berliner Autorinnen Ela Kargol, Krystyna Koziewicz, Ewa Maria Slaska und ihrem Blog “ewamaria.blog”(www.ewamaria.blog) statt.

Was nun der kleine Mensch,

wo kriegst Du deine Energie?

Zugeschickt von Christine Ziegler. Danke!

Vor weniger als einer Woche hat Deutschland seine letzten drei Kernkraftwerke endgültig abgeschaltet. Die Befürworter des Atomausstiegs triumphieren, die Grünen, die einst mit dieser Politik an die Macht kamen, sind dort angekommen, wo sie schon immer hinwollten. Vor wenigen Jahren endete in Deutschland vor unseren Augen das Zeitalter des Kohlebergbaus, am 15. April 2023 endete das Zeitalter des Atoms.
Kassandras aller Art raufen sich die Haare, junge Leute, die an Bill Gates glauben, behaupten, die Politik sei hoffnungslos rückständig, und die einst so wahren und tragenden Parolen, die den Atomausstieg forderten, seien schlicht überholt, und die heutigen Technologien hätten die Phantasie der SF-Autoren längst überholt.
Die Rettung der Welt liegt in einem netten kleinen Atomkraftwerk, das fast Taschenformat hat. Und dass es keinen Sinn macht, auf die im Atom enthaltene Energie zu verzichten, man muss sie nur anders nutzen.

Ist das wirklich so?
Hier eine mögliche Antwort. Die lautet NEIN.
Nein, wir können es nicht schaffen, wir werden es nicht schaffen, wir werden es nicht bekommen, wir werden es nicht bauen, wir werden nicht genug Quellen haben und wir werden die schwieriegste Hindernis nicht abschaffen … die Bürokratie!
Ha.

So?

Und was nun?

Erneubare Energien! So soll die Antwort sein! Dort sollen wir hin.

Ist es so?

Und was denkt Ihr?

Gender in der Kirche

Für alle in und aus Polen, die wissen, was die Polnische Katholische Kirche aus diesem Wort macht, nämlich Sünde und Schande, wird dieser Text hier reprinted, um zu ziegen, dass selbst Katholische Kirche mit dem Thema anders umgehen Kann: Offen!

Sera Renée Zentiks

Was bedeutet Gender überhaupt?

Die Begriffe Gender bzw. Gender Studies werden immer öfter gehört und gelesen, aber was bedeuten diese Begriffe überhaupt?

Gender Studies analysieren das Geschlechterverhältnis respektive die Geschlechterverhältnisse als strukturierte wie strukturierende Bedingungen menschlicher Gemeinschaften und Gesellschaften. Dabei unterscheiden sie zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem gesellschaftlich-Kulturell konstruierten Geschlecht (gender).
Der Fokus liegt auf Fragen nach der Geschlechterhierarchie, das heißt der Ungleichheit der Geschlechter oder der Geschlechterdifferenz, der Geschlechterrollen und -stereotypen, mithin der Geschlechtsidentität(en), wie sie sich unter verschiedenen soziokulturellen und historischen Bedingungen ausformen oder eben ‚konstruieren‘. Gender Studies betrachten also nicht allein die Rolle der Frau bzw. von Frauen in der patriarchalen Gemeinschaften/Gesellschaften, sondern untersuchen die Rollen beider Geschlechter in dem jeweils vorherschenden Normensystem. das die unterschiedlichen Rollen, Positionen, Młglichkeiten und die Macht bestimmt, die jedem Geschlecht zuerkannt wird. Mittels der Sozialisation werden verschiedene Rollen und Normen eingeübt und verinnerlicht. Durch gesellschaftliche Praktiken (z.B. Verhaltensweisen, Gewonheiten) werden die Geschlechtsidentitäten und Geschlechtszugehörigkeiten immer wieder hergestellt.

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