Entropie des Chaos

Michał Talma-Sutt

… bzw. Potpourri der Themen in Rondo-Form

Laschet Söder, Söder sein, während eine Partei sich fragt, ob sie auf seinen Kandidaten scholz sein darf. Wenn man keinen Bock mehr auf GroKo hat, ist Frau Baerbock da und will, und könnte sogar nächste Kanzlerin sein. Alles wird grün, wie schön, ist es doch die Farbe der Hoffnung. Wäre es auch grün-schwarz gewesen? Schwarz-grün eher weniger, Gro-Ko-Rokoko. Muss aber nicht sein…, kann aber, because we must grow. Bei manchen wächst tatsächlich. „My name is Bezos, Jeff Bezos, hi Elon, should I buy some coins, Bitcoins, or Dogecoins or else…”, “Lust auf kleine Blockchain-Transaktion?”, “Gerne, eine Grafikkarte bitte”, “Nope, haben wir nicht, alle verfügbare Grafikkarten arbeiten im Bergbau“, „Wat?“ „Dat, blockchain mining, nie gehört? Übrigens Data ist die heiße Ware von heute, ein paar Namen und Passwörter von Facebook Usern?“ „Das ist doch asozial und mor…“ „Sozial, Social Media heißt es doch…“, „Aber…“ „Kein aber, Zeit ist Geld, Geld ist Zeit, oder wie war es…, aaa, Geld ist Gott, und du sollst nebenbei keine anderen Götter haben, also kaufen sie?“ „Was?“ „Einen Hund z.B., bitte beachten Sie aber, nach 22.00 Uhr nicht mit ihm Gassi zu gehen, schließlich haben wir doch Pandemie.“ „Und falls er muss?“ „Wir haben auch für mickrige 1000 EUR eine vollautomatisierte mechanische Hundetoilette, mit Abflussanschluss.“…, „(lange Pause)“, „(lange Pause)“, „Eine runde Monopoly?“, „Online?“, „Wie sonst, schließlich haben wir doch Pandemie.“

Haben Sie nicht den Eindruck, dass wir in sehr chaotischen Zeiten leben? Aber der Reihe nach…

K-Frage

Beantwortet, aber noch nicht gelöst, die Lösung ist in fünf Monaten zu erwarten. Natürlich die spannendste Frage, ob Annalena Baerbock Kanzler kann. Auch hier eine recht simple Antwort, falls sie Kanzlerin sein wird, werden wir ja sehen, ob sie es kann. Ich persönlich sehe keine Gründe, warum nicht, eine spannendere Frage ist für mich jedoch, ob es sich Deutschland trauen wird, so zu wählen, dass eine tatsächlich noch sehr junge Grüne das wichtigste Amt bekleiden könnte. Das Wort „junge“ ist hier relativ, dasselbe hat man über Angela Merkel in Jahr 2005 geschrieben und gesagt als sie mit 51 als erste Frau in der deutschen Geschichte das Amt übernommen hatte (bzw. auch Kohl / 52 und Schröder / 54 als noch „relativ“ junge Politiker galten). Annalena Baerbock wäre dann noch 11 Jahre jünger als Merkel damals, damit meine Wortwahl „sehr junge“ relativiert sich noch mehr, weil mit 40 niemand eigentlich sehr jung ist. Baerbock wäre auch wahrscheinlich mit 48 die jüngste ex-Kanzlerin / ex-Kanzler, falls ob.

Jeff

„Ich bin wieder der reichste Mensch der Welt geworden, und x-mal in Folge habe ich den Charmantestes-Lächeln-Preis gewonnen, alles zu Recht. Vergessenszauber kann ich auch, Sie sollen einfach vergessen, warum ich so reich geworden bin (erneutes bezauberndes Lächeln, was Jeff nächstes x in Folge sichert), husch, vergessen Sie einfach und versuchen bloß nicht nachzudenken.

Grafikkarten

Mein Sohn (14) hat einen Traum, er will einen Gaming-PC selbst bauen. In sich eine Supersache, einen Computer selbst zu bauen, da lernt man etwas dabei. Er spart sein Geld dafür, jegliche Weihnachts- Oster- Geburtstags-Geschenke werden ebenfalls diesem Zweck untergeordnet. Er hat schon ganz viele Komponenten, es hapert jedoch an der Grafikkarte. Momentan totale Mangelware. Die Schuld liegt bei einer echten Kryptowährung-Manie, die unsere Welt zu befallen scheint. Um sogenannte Blockchain Transaktionen zu betätigen, braucht man Hardware, und raten Sie mal, welche Komponente meistens dazu benutzt wird? Die Grafikkarte, genau. Und da unsere kapitalistische Welt sich nach Angebot und Nachfrage richtet, wiederum der größte Teil der Elektronik in China produziert wird, und wie auch man es nennen will, Blockchain, Bitcoin oder Crypto Mining, findet gerade auch im großen Stil in China statt (65% der weltweiten Beteiligung – wegen sehr billigen Stroms, wohl bemerkt, man braucht dafür jede Menge Strom, aber darüber später), kommt es dazu, dass in der ganzen Welt die Preise für Grafikkarten in enorme Höhen steigen, verbunden mit Engpässen, weil der größte Teil dieser Karten China nicht verlässt, sondern, an irgendeine der sogenannten und unzähligen Mining-Farms angeschlossen ihre Arbeit tun, die auch überhaupt nichts mit der Grafik zu tun hat. Bei diesen Transaktionen werden auch, wie Glückshormone, die Bitcoins oder andere Coins ausgeschüttet, was ich noch später in sehr einfacher Form versuchen werde zu erklären. Da diese Coins wie Pilze aus dem Boden erscheinen, d.h. immer neue entstehen, habe ich leider nicht so gute Nachrichten für meinen Sohn. Die Kryptowährung Chia, die gerade vor kurzem zu digitalen Leben erwacht ist, benötigt für ihre Glückshormone-Ausschüttung SSD Festplatten. Chia, chia, ciao SSD? Gibt es keine KI, die um die Rechte der Computer-Komponente gegen deren Versklavung in der Bergbauarbeit kämpft? Laschet Grafikkarte, Grafikkarte sein. Und so landen wir wieder bei der…

K-Frage

Die Spekulation, dass Annalena Baerbock die jüngste Ex-Kanzlerin/Kanzler werden kann (falls ob), basiert auf der Annahme, dass sie es ernst nimmt, wenn sie über eine zukünftige Reform des Amtes redet, nämlich die Amtszeit des Bundeskanzlers auf zwei Legislaturperioden zu begrenzen. Das wird eine Veränderung des Grundgesetzes benötigen, aber ich kann mir vorstellen, dass die nötige Mehrheit sich dafür in nächstem Bundestags finden lassen wird. Also wäre Frau Baerbock mit 48 nicht mehr Kanzlerin/Kanzler, und damit drei Jahre jünger als Merkel, als Kanzlerin/Kanzler geworden ist. Falls ob… Eine solche Zeitbegrenzung des Kanzleramtes wäre auch ganz sinnvoll, besonders wenn man sieht, dass es der armen Frau Merkel langsam so ergeht, wie dem Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft – Joachim Löw. Für ihn wäre es vielleicht besser gewesen, früher abzudanken, z.B. nach dem gewonnenen Weltmeister Titel 2014. So wird das glorreiche 7:1 gegen Brasilien von damals von dem schmerzhaften 0:6 gegen Spanien (2020) überschattet.

Frau Merkel hatte natürlich enormes Pech mit der Pandemie, aber wer hatte das nicht?

Die Pandemie, also der größte Erfolg eines Virus in der Weltgeschichte, hat viele Sachen verdeutlicht. In Deutschland unter anderem das, dass die GroKo-Formel ausgedient hat. Aber verlassen wir für einen Moment die K-Frage, um jemanden zu treffen, hier ist…

Elon

Elon Musk, ein Genie und Zauberer, der Nachthimmel verändern kann. Ein Mann, der aus einer Firma, die ein Modell eines Elektroautos produziert (Entschuldigung, zwei Modelle, ich habe den Cybertruck mit unkaputtbaren Fensterscheiben, die doch kaputtgehen, vergessen), eines der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht hat. Der zukünftige Imperator des Planeten Mars, wo er zusammen mit all seinen reichen Freunden auswandern will, weit weg von diesem Elend, das auf dem Planeten Erde herrscht. Ein Visionär von sich selbst. Seine Zauberkräfte haben auch enormen Einfluss auf die Börse, also die Börsenaufsicht, Tesla und die Krypto-Community haben die Ehre ein Theaterstück vorzustellen „Elon, der Prophet und die Coins“.

Personen: Elon, Krypto-Fans (Chor), Jeff, Vorhang, Starlink-Satelliten, Aktienkurs, Bitcoins

Vorhang (geht bei bebenden Applaus auf)

Starlink-Satelliten (wie am Schnürchen verändern der Nachthimmel)
Krypto-Fans: „Wie schön, ein Zauber, ein Zauber!!“
Jeff: „Nicht schlecht, nicht schlecht, ich bin aber reicher.“
Elon: „Nein mein lieber, ich bin es, ich habe gerade 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins investiert“
Krypto-Fans: „Oh wie schön, es geht los, der Mann ist ein Visionär.“
Aktienkurs (steigt rasant)
Krypto-Fans: „Ein Zauber, ein Zauber! Wir werden reich!!!“
Bitcoins (schütten die Glückshormone auf Krypto-Fans aus)
Krypto-Fans: „Ooohhh“ (totale Ekstase)
Elon: „Na Jeff?“
Jeff: „Ich sehe, ich sehe, nicht schlecht, aber vergiss nicht, dass ich mehr verkaufe als deine zwei Modelle, ich verkaufe alles und nichts eigentlich, was lustig ist, wenn ich darüber nachdenke, ich verkaufe das Verkaufen, genial, oder? Was für wunderschöne Zeiten“.
Elon (verkauft seine Bitcoins): “Ich habe gerade meine Bitcoins zurück in Dollar reinvestiert.”
Aktienkurs (fällt rasant)
Krypto-Fans: „Oh nein!!!“ (vereinzelt): „Warum?“ (noch mehr vereinzelt): „Verräter.“
Elon: „Und jetzt guck und lerne, Jeff (Augenzwinkern). Meine lieben Fans, ich habe erneut in Bitcoins, Dogecoins, und irgendwelche Coins investiert, es ist die Zukunft der Zukunft.“
Krypto-Fans: „Oh wie schön, es geht los, der Mann ist ein Prophet.“
Aktienkurs (steigt rasant)
Krypto-Fans: „Ein Zauber, ein Zauber! Wir werden reich!!!“
Elon: „Ich kann ewig so weitermachen, was für wunderschöne Zeiten.“
Aktienkurs (fällt rasant)
Krypto-Fans: „Oh nein!!!“
Aktienkurs (steigt rasant)
Krypto-Fans: „Ein Zauber, ein Zauber! Wir werden reich!!!“
Aktienkurs (fällt rasant, steigt rasant, fällt, steigt und so weiter und sofort)
Krypto-Fans (sind beschäftigt, zwar kostet die ständige Beobachtung des Aktienkurses Nerven, aber diese Glückshormone, die ab und zu…)
Elon: „Apropos Verkaufen des Verkaufens, Jeff, ich merke, dass du irgendwie nicht mehr das Verkaufen der Grafikkarten und Festplatten verkaufen kannst, da alle Grafikkarten und Festplatten in die Bergbaubranche gewechselt sind, darf ich dir das neueste Tesla-Produkt vorstellen?“
Jeff: „Aber bitte sehr“ (ein sehr, sehr, sehr charmantes Lächeln, der nächste Preis wird bestim…)
Elon: „Ein sprechender Computer, da die visuelle Kommunikation mit dem Rechner nicht mehr möglich ist, mit Floppy-Disk (es ist dann zu langsam für Bitcoin Mining), und die größte Überraschung, doch ein Monitor dazu, mit direkter Verbindung zu den Starlink-Satelliten, die dann mit ihren Kameras dir die Bilder der Erde und des Weltalls schicken. So kannst du mindesten einen wunderschönen Bildschirmschoner haben, und der Computer sagt dir das, was ich gesagt habe, damit du den Aktienkurs im Auge, Entschuldigung, im Ohr behalten kannst, toll, oder?“
Krypto-Fans: „Wow!!! Das ist der Mann der Zukunft, ein Genie“

Vorhang (fällt bei bebenden Applaus)

Währenddessen die…

K-Frage

Die Hürde eine Frau zu sein, um dem wichtigsten Amt in Deutschland zu bekleiden, entfällt. Schließlich 16 Jahre lang hat es eine Frau vorgemacht. Die Frage bleibt, wird Deutschland es sich trauen, Annalena Baerbock als Kanzlerin indirekt zu wählen? Direkt natürlich geht es nicht, die Deutschen haben nicht diese Entscheidung in der Hand, wie die US-Bürger z. B. Es ist der wichtigste Posten, aber es ist die Partei, die die Mehrheit kriegt, die „seine/seinen“ Kanzlerin/Kanzler kriegen wird. Werden die Grünen die stärkste Partei, wird es Frau Baerbock sein, gewinnt die CDU/CSU wird es doch Herr Laschet sein. Es ist natürlich banal, jeder Deutsche weiß, dass es so funktioniert, und ich bin weit entfernt davon, es zu sagen, dass das Wahlsystem in den USA besser ist, ist es nicht, aber das ist schon ein ganz eigenes Thema. Diese Feststellung, wie in Deutschland die K-Frage funktioniert, gibt uns jedoch eine gewisse Räumlichkeit für gewisse Spekulationen. Und gleich, weil wir diese Räumlichkeit geschaffen haben, machen wir ein kleines Gedankenspiel und stellen uns eine Waage vor. Die Waage: „Was für und was gegen Frau Baerbock spricht“. Jedoch, zuerst, weil es dieses Potpourri einer musikalischen Rondo-Form gleicht, und jeder Form tut es gut, die zu brechen, werde ich noch kurz aus der K-Frage ausbrechen. Habe ich doch versprochen eine Sache möglichst einfach zu erklären, und paradoxerweise, so ganz ist es nicht entfernt von den Aufgaben, die jede künftige Regierung in einer ungewissen Zukunft zu bewältigen haben wird. Denn, was sind eigentlich…

Blockchains, Bitcoins and Co…

Erste Differenzierung, Blockchain ist eine Technologie, genau gesagt eher ein technologisches Verfahren, welches strikt mit Verschlüsselungstechniken verbunden ist. Bitcoins, Dogecoins, Chia und andere Kryptowährungen sind die Produkte, die aus diesem Verfahren entstehen. Diese Differenzierung ist elementar, weil obwohl das Blockchain-Verfahren ein sehr interessantes Potenzial verbirgt, desto mehr dessen Produkte (also alle diese Coins) gewisse Gefahren mit sich bringen. Deswegen…

Blockchain

Soll ich es einfach machen? Ok. Stellt euch vor, wir haben zwei Personen, A und B. Was soll‘s, Alfred und Bernd. Alfred will etwas verkaufen, was Bernd kaufen will, und nein, Jeff, du wirst dafür nicht gebraucht. Es gibt noch ein drittes Element, eine Dechiffrierungsmaschine, nennen wir sie Enigma-2.

Für jüngere Leser: Enigma (1) war eine Verschlüsselungsmaschine. In Kriegszeiten ist es besonders wichtig, dass dein Feind dich nicht abhören kann. Das geht natürlich nicht, mindestens soll er aber nicht verstehen, was du deiner Armee befiehlst. So hatte jede Einheit seine Enigma Maschine, der General hatte sie auch, und aus „Angreifen die linke Flanke“ wurde dann z. B. „A1B5A7B9A5965B50A4950B3A9B52A50A6B3A1B52A5“, dieser verschickte Code von einer Enigma wurde von der anderen Enigma in den ursprünglichen Text umgewandelt.

Es muss nicht unbedingt so sein, dass Alfred und Bernd etwas verkaufen oder kaufen wollen. Es kann gut sein: „C5A950A758C2‘1?“ „B62.“, was heißt: „Wie geht’s?“ „Ok“. Jedoch ist der Unterschied von Enigma-2 zu Enigma von damals, dass Alfred und Bernd ihre Chiffrierungsmaschinen überhaupt nicht haben, sondern jemand Drittes, genauer gesagt ganz viele Dritte, je mehr, desto besser und sicherer vor Gefahren, dass der Feind dich abhören, bzw. hacken kann. Und natürlich ist alles digital.

Noch einfacher, wenn wir 1 + x = 2 als eine verschlüsselte Information annehmen, dann sagt Alfred „1 +“, Bernd „= 2“, Enigma-2 (besteht aus mehreren Grafikkarten und bald auch SSD-Festplatten) rechnet das „X“. In Wirklichkeit können Alfred in Brasilien und Bernd in Australien vor der Computer sitzen und ihre „1+“ und „=2“ in das Internet schicken, Millionen von Enigmas-2, auf dem ganzen Globus verteilt (jedoch mit 65% Wahrscheinlichkeit wird es in China sein), werden sich mit dem „X“ beschäftigen. Die Enigma-2 Einheit die dann ausgerechnet hat, dass x = 1 ist, für diese Leistung mit bestimmter Zahl von Bitcoins, Dogecoins oder Sonstcoins belohnt wird, d.h., der konkrete Besitzer einer Enigma-2 kriegt seine Glückshormone.

Übrigens, das „X“ im Fachjargon wird Hash, bzw. Hashwert genannt, „1+“ und „=2“ sind einfach zwei Blocks, die erst dann Sinn ergeben, wenn das Hash ausgerechnet wird, was die beiden Blocks gültig macht, 1+1 ist 2, oder?

Ein Blockchain ist auch eine Art Datenbank, die alle Blocks und Hashwerte, die jemals dabei entstanden sind beinhaltet, und das von Anfang an. Die Blocks werden einfach in eine Kette geordnet. Am einfachsten wäre es sich einen ständig wachsenden Zug vorzustellen, wo jeder Wagen einen Block darstellt, die Anschlüsse – Hash, die Verbindung – Hashwert.

Unsere Datenbank entsteht also aus einer Kette durch Hash/Hashwerte verbundenen Blocks. Der Hashwert, wie gesagt, macht den Block gültig, wenn wir das mathematisch darstellen, z.B. 1+x+1+x+1+x … +1+x = 24567, dann muss jedes x stimmen, versucht man ein einziges x zu verändern, macht es nicht nur einen Block ungültig, sondern die gesamte Kette. Das macht die Blockchain Technologie so interessant. Es ist sehr resistent gegen jegliche nachträgliche Manipulation. Der zweite wichtige Punkt: es passiert alles im globalen Netz (Internet). Die Blockchains sind gleichzeitig auch Netzwerke, wo jede beteiligte Person theoretisch in alles, was dort passiert, ein Blick haben kann, und ob alles noch stimmt, bzw. gültig ist, überprüfen kann. Von Natur her ist es dezentral, solches Netzwerk kann überall sein, damit wird es schwer, dass ein Einzelner es unter Kontrolle haben kann. Blockchains sind auch sehr sicher, je mehr Teilnehmer, desto sicherer, man müsste eigentlich alle beteiligten Computer hacken, um ein Blockchain zu knacken.

Blockchains sind vor allem jedoch mathematische algorithmische Aufgaben, die alle diese Enigmas-2 (Mining-Farms) ausrechnen müssen, das kostet sehr viel Rechnen-Power, was konkret Stromverbrauch bedeutet. Der jährliche Energiebedarf der Digitalwährung wird mittlerweile auf etwa 120 Terawattstunden geschätzt, damit ist es so viel, wie für ein mittelgroßes Land, wie die Schweiz oder Portugal benötigt wird. Es ist also nicht unbedingt umweltfreundlich und ressourcenschonend…, damit landen wir erneut bei der…

K-Frage

Es scheint, dass in diesem Jahr Ökologie und Klimaschutz doch sehr wichtige Wahlthemen für die Mehrheit der Bevölkerung sein werden, sofern, ein natürliches Umfeld der Grünen. Kann also Annalena Baerbock Kanzlerin werden, was spricht dafür, was dagegen?

Das Hauptargument der Gegner, gleichzeitig eigentlich einziges, ist eine gewisse politische Unerfahrenheit, da Frau Baerbock nie in einer Regierung saß. Es wäre tatsächlich eine Premiere, da noch nie jemand ohne eine solche Erfahrung das wichtigste Amt in Deutschland innehatte. Jedoch bin ich mir nicht so ganz sicher, ob dieses Argument sehr aussagekräftig ist. In den Augen der Bevölkerung kann es sogar zum Vorteil mutieren, für Frau Baerbock und die Grünen. Nach 12 Jahren GroKo, zusätzlich ermüdet durch die sehr lange Pandemie-Zeit und auch besonders wie die GroKo es handhabte, kann es sein, dass die Leute ihren inneren Wunsch, dass sich etwas ändern muss, sehr wohl nachgehen und dem Grünen die stärkste Macht in dem Bundestag verschaffen werden.

So unwahrscheinlich ist das nicht. Wenn man die Umfragen anschaut, sind die Grünen momentan die stärkste Partei. Was es wiederum wahrscheinlich macht, dass es als fast sicher gelten kann, dass es keine Regierung ohne die Grünen geben wird. Um den gewissen Enthusiasmus um die Grünen und Frau Baerbock, der momentan besonders in den Medien aller Art spürbar ist, ein bisschen zu trüben, sollen wir uns jedoch an Herrn Schulz erinnern (nein, nicht Scholz) und die SPD. Nach der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten (2017) sind die Umfragewerte der SPD auch sehr hochgeschossen. Heute weiß kaum jemand noch, wer Martin Schulz ist.

Ein ähnliches Schicksal kann auch eventuell die Grünen treffen, kann aber auch nicht. Erstens, die SPD von damals war eine Regierungspartei, zweitens die Gegnerin von Schulz hieß Merkel und war immer noch beim Volk geschätzt, die GroKo war erst acht Jahre alt und es gab keine Pandemie.

Was spricht noch dafür, dass die Grünen bei den Bundestagswahlen 2021 die stärkste Partei werden können und damit Frau Baerbock die Kanzlerin? Natürlich erwähntes Klima in den Medien, die man zurzeit sogar als regelrechten Hype pro Grün und Baerbock bezeichnen könnte. Wenn sich selbst irgendwann alles verflachen wird, kann es trotzdem sein, dass dieses Klima über fünf Monate bis zu Wahl bleibt, weiter umwelt- und klima- und in der Konsequenz Grünen freundlich. Wenn die Grünen selbst und ihre Kandidatin keine großen Dummheiten machen und z. B. nicht allzu große Pauke schlagen werden, mit solchen Themen wie Städte ohne Auto (das Auto ist die heilige Kuh der Deutschen), oder Migrationsoffenheit (was doch viele Wähler erschrecken kann), und stattdessen ihre doch sehr kluge PR-Strategie fortsetzen, können sie eigentlich nichts falsch machen.

Es ist interessant, wie die Grünen gezielt mit der Mitte liebäugeln, jemand hat sogar geschrieben, dass die Grünen von heute die Schwarzen von gestern sind. Was noch interessanter ist, wenn wir noch mal auf die Umfragen einen Blick werfen, aber nicht auf diese, welche die generelle prozentuelle Teilung zeigen, sondern auf diese, die die Wähler konkreter Parteien befragen. Besonders viele Wähler von Union (16%) und SPD (28%) wollen grün wählen. Noch erschreckender für die CDU/CSU und die SPD sind die Zahlen ihrer Wähler, die sie dann überhaupt nicht mehr wählen wollen. Bei der Union sind es 52%, bei den Sozialdemokraten sogar 58%! Ein Wahlforscher, Matthias Jung schätzt das Potenzial der Grünen im Jahr der Bundestagswahl auf bis zu 60%, obwohl hier werde ich schon sehr skeptisch.

Was zusätzlich den Grünen und Frau Baerbock Punkte bringen kann, sind die Kontrahenten in der K-Frage. Das Automobil mit Laschet als Chauffeur, mit Söder als Passagier auf der Rückbank, der vor sich hinmurmelt, dass er der bessere Fahrer sei, und mit Merz als Motor, sieht irgendwie komisch aus. Auf jeden Fall eher Diesel als Elektro. Kandidat Scholz kann nur mit seine Regierungsbeteiligungserfahrung scholzieren, sorry, stolzieren, was ihm und der SPD, übereschattet durch Wirecard-Affäre, um die Pandemieverwaltungserfahrung nicht zu erwähnen, wahrscheinlich wenig helfen kann.

Also wird es Grün im September, wie Grün – werden wir in fünf Monaten sehen.

Es kann aber doch noch mal GroKo sein, anders verfärbt. Jedoch aus Sicht der Grünen, falls es Schwarz-Grün sein sollte, kann es gefährlich für sie werden. Irgendwie tendiert es dazu, wenn Schwarz an der ersten Stelle steht, dass die andere Farbe verblasst, bzw. verschwärzt. So ist bei der SPD nur noch sehr wenig Rot vorhanden. Wenig Grün bei den Grünen, wo die Farbe sogar gleichzeitig der Name der Partei ist, keine gute Idee.

Die spannende Frage ist, ob im Falle, dass es umgedreht sein könnte, Grün-Schwarz, wird dann Schwarz ergrünen? Es kann für die CDU/CSU auch gefährlich werden…

Was für Zeiten, und wenn wir schon über Gefahren reden, und Rondo-Form, dann…

CODA

Bitcoin

Eine der Kryptowährungen, war aber die Erste. Ein Teil der Utopie, die teilweise irgendwann doch nicht so utopisch sein wird, eventuell. Fakt ist, wenn wir statt des Geldsystems von heute nur eine Kryptowährung als Zahlmittel hätten, mit Blockchain-Technologie, wären die Banken überflüssig. Dazu, was vielleicht nicht alle wissen, die Bitcoinszahl ist begrenzt, es wird nur 21 Millionen Bitcoins geben. Mehr nicht. Deswegen nennen manche es digitales Gold.

Problem jedoch ist, dass immer neue Kryptowährungen entstehen, schließlich ist das Ganze im Endeffekt nur doch ein System von Algorithmen, und jeder Informatiker kann solche konzipieren und dann zu Leben erwecken. Und nicht jede Kryptowährung hat eine solche Begrenzung wie Bitcoin. Auch Banken können eigene Kryptowährungen, genau mit derselben Technologie, machen lassen und dabei die Kontrolle behalten. Genauso passiert es jetzt in China – die Zentralbank hat eine digitale Version seiner Landeswährung eingeführt. Damit kann die chinesische Regierung seine Bürger noch besser kontrollieren, jetzt weiß sie passgenau, wofür die Chinesen ihr Geld ausgeben. Wenn es etwas Verbotenes sein wird, kann man die Transaktion einfach blockieren.

Noch am Schluss eine Sache. Abgesehen davon, dass Bitcoin und Co. im kriminellen Milieu sehr populär ist (kann man damit auch Geldwäsche betreiben, was genau passiert, und im Darknet ist es das Hauptzahlungsmittel), abgesehen von der ganzen Träumerei der Krypto-Fans, über neue digitale Welt ohne Banken und staatlichen Gewalt, bleiben Bitcoins und Co. strikt am jetzigen Finanzsystem gebunden, einfach weil sie auf der Börse notiert sind. Sofern sind sie nur eine Spekulationsblase, die flattert nach oben und unten. Dabei ist es höchst interessant, wie sie davon abhängig ist, was Elon Musk gesagt hat, aber auch von Stromausfällen und andere Katastrophen, besonders in China. Ich glaube, dass ich das nicht besonders erklären muss, warum es so ist. Ich wollte nur erinnern, dass der größte Teil von Bitcoin Mining Farms unsere Grafikkarten und bald SSD Festplatten genau dort zu seiner Sklavenarbeit nutzt.

O pewnej niedzieli w Berlinie / Über einen Sonntag in Berlin

Anna Kuzio

Niedziela 25 kwietnia 2021

Wstałam dziś przed siódmą rano. Czemu? Sama nie wiem. Podeszłam do okna w kuchni i zobaczyłam krążące nad drzewami ptaszyska. Sześć wron i dwie sroki, z wrzaskiem okrążały lewy narożnik hali. Widzę ją z okien.
O, kuna, pomyślałam. Tym razem to nie one, tylko ktoś inny wyjada wronom małe.
Za chwilę zobaczyłam coś szarego, co sobie spokojnie szło trasą, którą normalnie o tej porze przemierza wiewiórka w wielkim pędzie. Tylko, że ona pokonuje tę odległość z prawej na lewą. A to coś szło z lewej strony. Coś co wyglądało z daleka na wielkiego kota, okazało się jednak szopem-praczem.

Wszystkie zdjęcia autorka

Tydzień temu, jak sroki zrobiły przelot i inspekcję drzew, to cały ptasi świat umilkł. Zapanowała śmiertelna cisza. Wszystkie stworzenia się pochowały, a dwie sroki w ogromnym tempie przelatywały po drzewach z lewej na prawo, latając od góry do dołu i szukając gniazd, z których mogłyby powybierać jajka i pisklaki. Ptasi świat zamarł z przerażenia. Dziś te paskudy połączyły się z wronami i w obliczu grożącego im niebezpieczeństwa poszukały współpartnera w celu odstraszania wroga.

A szop-pracz, nic sobie z tych wrzeszczących nad jego głową ptaszydeł nie robiąc, powędrował dalej, na drugi koniec hali.

Po kilku minutach tam zrobiło się głośno. Ptaki przy innych drzewach wzbiły się w powietrze i krążyły nad głową napastnika, próbując go odgonić. Tymczasem wiewiórka, która zawsze o tej porze pokonuje dach z prawej na lewo, ostrzeżona tumultem, po cichutku przebiegła jezdnią.

Jak już się wszystko uspokoiło i natura wróciła do jako takiej równowagi, to zaniosłam wróblom ich śniadanie i dzień potoczył się jak co dzień.

Muszę przyznać, że mnie ten szop-pracz zaskoczył, wdrapując się na komin, bo nigdy nie widziałam żadnego ptaka, który by tam szukał schronienia, więc i gniazda tam nie podejrzewałam. A jednak coś tam musiało być fascynującego. W jego mniemaniu przynajmniej.

No tak, kto rano wstaje, ten… ogląda ciekawe zdarzenia.

Serdecznie pozdrawiam z centrum Berlina.

Gołąbek został przez autorkę nazwany gołąbkiem pokoju, te natomiast dostały tytuł fucking pigeons 🙂

***

Christine Ziegler

Sonntag, 25. April 2021. Handschuhwetter

Ende April – immer noch Handschuhwetter. Bin auf dem Weg zum Flughafen Tegel. Hier fliegen nur noch die Raben. Wir Menschen reihen uns still in die geschickt angelegte Schikane ein. Es ist erst mal gar nicht sichtbar, wie lang die Schlange ist. Ist aber auch nicht schlimm, es geht zügig voran. Seit der BVG-Bus uns fünf Passagiere an der ehemaligen Auskunftstafel ausgespuckt hat, sind wir perfekt betreut. Freundliche Securitymenschen schauen nach der Einladung, um sicherzugehen, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort sind. Die Maschine läuft von Anfang an perfekt geölt.

Wir besteigen einen kleinen Shuttlebus, der Flughafen ist nicht für Fußgänger*innen gemeint. Das Ziel ist der Terminal C.

Es ist Sonntag Morgen, kurz nach Aufstehen, so sind die Menschen still, keine Gespräche. Nächste Station ist Fiebermessen und der zweite Check der Einladung. Prima, ich Möchtegern-Perfektionistin hab jeden doofen Fragebogen dabei aber nicht das Einladungsschreiben mit dem Buchungscode. Doch das System läuft stabil und ohne Ausschlag. Sie finden mich in ihren Computern auch ohne den praktischen QR-Code. Ich werde weitergeschickt und mein Fragebogen wird neu ausgefüllt. Sogar Zeit ist noch für einen Schwatz über ALDI in der Markthalle Neun, weil ich unter all meinen Zetteln auch einen Aufruf zur Trauerkundgebung hab.

Check-in 13, mir scheint davon gibt es über einhundert. Kurze Frage, weshalb ich eigentlich schon dran bin in meinem Alter. Verrückt, dass da Nervosität ausbricht. Bitte kein Stoppschild so kurz vor dem Ziel!

Als ich meinen Laufzettel endlich habe, stehen gefühlt zwanzig Menschen bereit, dafür zu sorgen, dass ich mich im Labyrinth nicht verliere. Noch dreimal um die Ecke, dann der Wartebereich, sie werden platziert! First in, first out, es soll nicht sein wie an der Transitstrecke, wo du gefühlt IMMER in der langsamsten Schlange standest.

Und dann die Aufforderung zum Weitergehen. Jetzt hat der Staff schon andere Signaljacken an, wir nähern uns dem medizinischen Bereich. Vorhang auf, Kabine betreten, Laufzettel abgeben. Von der anderen Seite wird mir ein Arzt zugewiesen. Es ist wie in einer Fertigungsstraße, von links die Impflinge, von rechts das medizinische Personal. Ein routiniertes Aufklärungsgespräch, dabei werden schon alle Vorbereitungen getroffen. Aufkleberchen für den Impfpass, Stempel, Unterschrift, Impfstoff aufziehen, Ärmel hoch. Routiniert und trotzdem zugewandt. Fragen? Nein, nach Wochen von Infos aller Art hab ich keine Fragen mehr. Die mRNA kann kommen und ihren Job machen.

So viele Leute im Einsatz, unglaublich. Und alle sind überaus freundlich. Die eigentliche Sache also vielleicht fünf Minuten, dann geht es wieder auf gewundenen Wegen nach draußen. Vorher noch Gelegenheit, für ein Viertelstündchen auszuruhen und auch abzuwarten, ob die fiesen Nebenwirkungen schon jetzt kommen. Doch alle sitzen ruhig und zufrieden und schauen sich die Halle an. Ich bin erfreut, dass es nun geschafft ist!

Vom Flughafen ist nicht mehr viel zu bemerken. Doch die Halle hat den gleichen Zweck wie vorher: dafür sorgen, dass viele Menschen so schnell wie möglich von A nach B kommen. Nette junge Leute gehen durch die Reihen und fragen nochmal, ob alles in Ordnung ist und ob wir was zu trinken haben wollen. Seltsam, noch gar keinen Bekannten getroffen…

Und dann ab ins Freie. Zur Haltestelle. Wo ist die denn? Seltsam, wir sind entlassen aus der Maschine, plötzlich wieder die normale Welt. Kein Schild, kein wegweisender Mensch, erstaunlich.

Die Sonne wärmt, ich genieße das Gefühl der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Blutbrüder (3)

Anne Schmidt

4. Alpträume

Kai erwacht mit einem Schrei; er reisst sich die Decke vom Kopf und weiss nicht, wo er sich befindet.

Er richtet sich abrupt auf zu einem sit-up; sit-ups gehören zu seinem täglichen Fitness-Programm, seitdem er im Gefängnis ist, zuerst in Köln, jetzt in Berlin. Er erinnert sich, dass er selber die Strichliste an die Wand gemalt hat, um nicht, wie in Köln, die zeitliche Orientierung total zu verlieren.

Er lehnt sich erschöpft zurück und versucht, die Erinnerung an den Traum zu verscheuchen; es ist immer der selbe Traum mit geringfügigen Variationen: Ein Mann, der nach Alkohol und Zigarettenrauch stinkt, steckt ihm seine Zunge tief in den Hals. Kai versucht zu schreien, wedelt mit seinen Händen, versucht irgendetwas zu fassen, greift aber immer ins Leere. Um ihn herum sind Menschen, Teenager in seinem Alter. Sie tanzen zu überlauter Musik, niemand versteht den Anderen, aber das ist auch nicht der Sinn diser Party.  Sie feiern das Ende ihrer Klassenreise mit verzweifelter Fröhlichkeit, denn alle würden gern noch bleiben – bis auf ihn. Ihn hat Herr Krause, der einzige Mann auf dieser Party, zu seinem Sexsklaven erkoren, er hat zu parieren, stramm zu stehen, wenn Herr Krause ihm die Hose herunterzieht, sich in Bankstellung zu begeben, wenn Krause sich selber die Hose auszieht.

Kai fühlt im Traum noch den stechenden Schmerz, wenn der Mann in ihn eindringt.   Warum hat er sich nie gegen  Krauser Misshandlungen  zur Wehr gesetzt, ist immer wieder zu ihm hingefahren, hat sich Besserung geloben lassen, die nie eintrat?

Damals, als er das erste Mal in Krauses Wohnung war, hätte ihm dämmern müssen, dass dieser etwas von ihm wollte, was ausserhalb von Kais Vorstellellung von einer normalen Lehrer-Schüler-Beziehung lag. Die Art, wie Krause ihm in die Augen schaute, wie er harmlos seine  Hand auf Kais legte, seinen heissen Atem in Kais Nacken blies, war Kai zuwider, aber er versuchte es zu ignorieren. Alles wirkte wie zufällig, denn Kai saß auf einem Drehstuhl vor einem Computer und Krause stand hinter ihm, um ihm die Funktion der Tastatur zu erklären oder ihm auf dem Bildschirm etwas zu zeigen.

Kai war fasziniert von dem Spiel, das Krause auf den Screen gezaubert hatte, denn er hatte noch nie vor einem Computer gesessen, geschweige denn, an einem gespielt.

Nach diesem ersten Tag war Kai immer wieder zu ihm gefahren, obwohl Krause  zudringlicher wurde, aber Kai traute sich nicht sich zu wehren. Er fürchtete, Krause könne ihn aus der Wohnung werfen und nie wieder zum Spielen einladen. Inzwischen war er geradezu spielsüchtig geworden und wartete während des ganzen Schultages darauf, endlich sein Spiel vom Vortag fortsetzen zu können.  Die anderen Jungen aus seiner Klasse tuschelten über seine Hektik nach Schulschluss und versuchten, aus ihm das Geheimnis seiner Freizeitbeschäftigung herauszufragen.

Felix, sein bisher bester Freund, warf ihm Treuebruch vor und insistierte so lange, bis Kai etwas von Computerspielen murmelte. Damit war ein Damm gebrochen, denn nun wollten alle Mitschüler in der Klasse wissen, wo Kai einen Computer zur Verfügung hatte. Kein Klassenkamerad hatte bisher einen PC zu Hause, aber alle Jungs wünschten sich nichts sehnlicher als vor einem Bildschirm zu sitzen und digitale Menschen kämpfen zu lassen.

5. Hoffnung

Kai musste Felix versprechen, Krause zu fragen, ob er Felix mal mitbringen dürfe. Nach längerer Überlegung fand er die Idee nicht schlecht, denn die Gegenwart von Felix würde Krause vielleicht daran hindern, ihn immer wieder von hinten zu umarmen. ihn in den Nacken zu küssen und ihn zu streicheln.

Krause kannte Felix vom Unterricht und fand es nicht schlecht, dass Felix mitkommen würde; er hatte ihn schon immer sehr anziehend gefunden, wie er Kai mit einem maliziösen Grinsen mitteilte.  Felix erwies sich als gelehriger Schüler und schien die Annäherungen von Krause, die ihm zuteil wurden, nicht unangenehm zu finden. Kai überlegte, ob es an seiner Erziehung lag, dass er Krauses Verhalten nicht normal fand. Hatten die Frauen, die seine Kindheit geprägt hatten, Mutter, Großmutter und Erzieherinnen, ihn vielleicht zu einem Macho gemacht, der männliche Berührungen unangenehm fand?

Wenn Mitschülerinnen ihn knutschten, fand er es zwar albern, weil sie es mit viel Gekicher in der Gruppe taten, aber eklig fand er es nicht.

Felix schien Krauses Annäherungen nicht unangenehm zu finden, wand sich lachend aus dessen Umarmungen und kümmerte sich nicht um Kais gequältes Aufstöhnen, wenn Krause, den sie inzwischen Hotte nennen durften, wieder so zudringlich wurde, dass Kai seine Finger von der  Tastatur nehmen musste.

Fortsetzung in einer Woche

Mank oder Hearst? Wer ist hier Don Quijote?

Für Tomasz, den ich nicht kenne, der mich aber in einem Kommentar auf diesen Film aufmerksam gemacht hat

Mank, ein Film darüber, wie ein sturer Drehbuchautor ein Drehbuch über einen Sturer Zeitungsverleger durchboxt. Eine wahre Geschichte. Am Ende des Kampfes bekommt der Schriftsteller einen Oskar, einen einzigen den der Film bekommen hat, obwohl er in neun Kategorien nominiert war.

Alles alte Geschichte, über Kreativität, Freundschaft, Sturheit, Loyalität, Treue den Anderen und sich selbst und Armut des Sturen in der Welt der reichen Opportunisten.

Auf Wikipedia liest man:

Mank ist eine US-amerikanische Filmbiografie von David Fincher, die am 4. Dezember 2020 von Netflix veröffentlicht wurde. Der Regisseur widmet sich in seinem Film der wahren Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz, gespielt von Gary Oldman, und dessen Streitigkeiten mit Regisseur Orson Welles über das Drehbuch für Citizen Kane, ein Film aus dem Jahr 1941. Das Drehbuch schrieb Jack Fincher, der verstorbene Vater des Regisseurs. Im Rahmen der Oscarverleihung 2021 erhielt der Film in zehn Kategorien eine Nominierung, so als bester Film, David Fincher für die beste Regie und Gary Oldman als bester Hauptdarsteller. (…) Der Protagonist des Films ist Zeitungsverleger William Randolph Hearst, dem der Drehbuchautor vorwirft, seine eigene Jugendideale verraten zu haben und mit dem Nationalsosialismus in Deutschland zu sympathisieren.

Manks Drehbuch, zunächst America betitelt und dann von Oskar Welles als Citizen Kane verfilmt, ist zu einer ganz persönlichen Abrechnung mit Hearst und einem anti-liberalen Hollywood geworden. Die Gerüchte um das Drehbuch kochen in Hollywood hoch, Hearst und Mayer (der Chef von MGM – Metro Goldwyn Meyer) versuchen eine Verfilmung zu verhindern und Mank mit Versprechungen des Geldes und Einflusses zum Rückzug zu überreden, doch er bleibt standfest. Mankiewicz verlangt schließlich auch, neben Welles in den Credits zum Drehbuch des Films genannt zu werden, was Welles widerwillig hinnimmt. Citizen Kane wird in neun Sparten für den Oscar nominiert und erhält die Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch.

Schon vor ein paar Wochen schrieb hier auf dem Blog ein Kommentator, dass der Film eine moderne Version der Don Quijote-Geschichte ist:

In dem Film von David Fincher, der gerade für Oscar nominiert wurde (in zehn verschiedenen Kategorien!) Mank, die Hauptfigur – gespielt von Gary Oldman – zitiert und paraphrasiert nicht nur, sondern ist es auch! DQ. Und sein Sancho ist eine Frau, oder es sind gar die Frauen. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film bezieht sich auf Citizen Kane (Gewinner des Oscar für das beste Originaldrehbuch von 1941 und nominiert in neun Kategorien), dessen Drehbuch von Herman J. Mankiewicz (Spitzname Mank) geschrieben wurde und hier eben von Oldman gespielt. Die Handlung basiert auf Manks wahrer Geschichte und seinen Auseinandersetzungen mit Regisseur Orson Welles. Der Charakter von Kane war – wie wir wissen – dem Geschäftsmann William Randolph Hearts nachempfunden, dem Verleger und Pressemagnaten, den Mank kennengelernt und mit dem er sich angefreundet hatte. Diese Freundschaft hat sich – wie es manchmal bei Freundschaften der Fall ist – verschlechtert. Citizen Kane – so offiziell, distanziert und cool benannt – wurde aus der Manks Perspektive geschrieben, dazu auch seine persönliche Beziehungen mit Hearst und seine Ansichten des antiliberalen Hollywoods gehören. In der Ära von #meetoo, #fakenews, Ausbeutung und Regierungspropaganda werden beide Filme mit vage Freude betrachtet.
Und in welchen Kategorien Mank-DQ gewonnen hat, werden wir wahrscheinlich am 25. April während der Oskar-Preisverleihung herausfinden
.

Also gerade eben.

Ich habe den Film schon gesehen und “mache es hiermit kund”, dass es eine doppelte Don Quijote Geschichte ist. Einerseits sagt Mank, dass es der Hearst ist, der Don Quijote verkörpert. Andererseits aber ist es der Mank selber…

***
Also Hearst.

Am Ende des Films findet ein Empfang statt, bei dem alle wie Zirkussartisten verkleidet sind. Zirkus der Reichen und Schönen. Mank kommt zu spät, ist nicht verkleidet und sichtlich besoffen. Er wird reden. Er beginnt seine Rede damit, dass er mit dem Messer absichtlich so stark in ein Glas voller Wein stösst, dass das Glas zerbricht und Wein und Glassplitter in alle Richtungen springen. Der Wein ist rot. Mank steht auf.

– Ich habe eine fabelhafte Idee für einen Film, Louis (gemeint ist Hearst, der Gastgeber des Empfangs). Ein Film, den ihr alle lieben werdet. Eine moderne Version von Don Quijote. Ich weißt zwar, dass keine von ihnen liest, aber sie wissen worum es in der Story geht. Um einen alten verrückten Adliger, der gegen den Windmühlen kämpft. Also, wie übertragen wir diese Geschichte in unsere moderne Zeit? Wie wäre es, wenn wir aus unserem Quijote einen Zeitungsmann machen? Wer sonst verdient sein Lebensunterhalt mit dem Kampf gegen die Windmühlen? Aber das reicht nicht! Er will nicht nur die Leserschaft. Er will mehr als nur Bewunderung. Er will Liebe. Deshalb kandidiert er für einen öffentlichen Amt und weil er reich ist, gewinnt er. Bemerken wir es, ein, der reich und mächtig ist, kann kein Publikum gewinnen. Es sei denn, er bekennt sich in letztem Akt zu seiner Fehler. Merken wir es uns dazu noch, dass wenn man reich und mächtig ist und braucht sich nie für seinen Taten zu entschuldigen, ist nur in echtem Leben bewunderswert. Habe ich nicht recht, Louis?

Er zündet sich eine Zigarette von einem großen offenen Kaminfeuer.

– Also was tun wir? Wir geben ihm Idealen, mit denen sich das bettelarme, wirtschaftskrisemüde Publikum identifizieren kann. Er, unser Don Quijote, ist gegen die Großkonzerne, für den achtstundigen Arbeitstag, für faire Einkommensteuer, bessere Bildung und sogar Verstaatlichung der Eisenbahn. Und wie nennen wir solche Menschen?
– Kommunisten!
– Sozialisten!

– Nein! Unser Don Quijote ist ein schlagfertiger Skandalreporter. Manche prophezeien, dass er eines Tages die Präsidentschaft gewinnt, also Präsident wird und als solcher Initiative unternimmt, dass es dazu kommt, Achtung! dass er die sozialistische Revolution einleitet!

Er lacht.

– Was für ein Schwachsinn!
– Ach ja? (…) Unser Don Quijote, er hungert, er giert, dürstet danach, dass die Wähler ihn lieben. Ihn genug lieben, um ihn zu Präsidenten zu machen. Aber das tun sie nicht. Sagen Sie, wie konnte das passieren? Könnte es sein, dass sie im tiefsten Inneren ihrer Herzen wissen, dass ihm die Macht mehr wert ist als die Menschen? Vom Kongress enttäuscht…

Die Empfangteilnehmer erheben sich nacheinander und gehen.

– Ist er nicht imstande in zwei Amtszeiten ein einziger Gesetz einzubringen. Können Sie das fassen? Sowas muß gut geschreieben werden.
Er wird als Präsidentschaftskandidat nomniniert, aber… er ist zu radikal für Hintermänner. Er scheitert, aber wir erreichen etwas. Und daraus können wir etwas machen. Wir bauen Sympathie auf. Zurückgewiesen flüchtet er ins Paradies. Ins Lotusland, wo sein treuer Troll Sancho ein Märchenreich vorbereitet hat. Der treue, treue Sancho, der wunderbare mythisches Königsreich… Warten sie mal, die romantische Heldin habe ich vergessen. Ihr Name… Dulcinea. Witzig, abenteuerlustig, klüger als sie sich gibt. Sie ist ein Revue-Girl, gesellschaftlich unter seine Schicht, aber es passt. Denn die wahre Liebe auf der Leinwand ist, wie wir alle wissen, ideal also… blind. Und sie… ja… sie liebt ihn auch. Also nimmt er sie mit in sein mythisches Märchenland.
Und jetzt, Auftritt von Nemesis. Das ist griechisch für “schwarzer Hut”.

Die Partygäste verliessen den Saal. Und ich weiß, dass der Paradies Barataria heißt.

Aber Mank hat noch eine Parabel im Ärmel. Eine Geschichte, die ein paar Jahre vorher passiert ist, als ein sozialistisch veranlagter Schriftsteller, Upton Sinclair, fürs Amt des Gubernators Kaliforniens kandidierte. Damals hat die gemeinsame Aktion von Hearst and Mayer seine Chancen zunichte gemacht.

– Es kommt Nemesis! Nemesis kandidiert als Gouverner und hat beste Chancen zu gewinnen. Wieso? Weil er exact so ist, wie unserer Don früher mal gewesen ist. Ein Idealist. Verstehen Sie? Und nicht nur das. Er ist auch derselbe Bursche, der mal vorausgesagt hat, dass unser Don Quijote eine sozialistische Revolution einleiten würde. Unser Quijot sieht in den Spiegel seiner Jugend ein und beschließt, diesen Spiegel zu zerbrechen. Und somit den Mann zu zerbrechen, den er einmal war. Mithilfe seiner getreuen Sanchos. Und mit allen Mittel der Schwarzen Magie (gemeint ist der Film als Medium), die ihm zur Verfügung stehen, tut er genau das. Und damit vernichtet er nicht nur einen Mann, sondern zwei.

Der Partyraum ist schon fast leer.
Mank ergibt sich.
Hearst begleitet ihn zum Ausgang und erzählt ihm eine Anekdote. Anekdote über den Affen des Leierkastenspielers. Der Affe denkt, dass er entscheidet und der Spieler dann spielt, wenn er, der Affe, Lust hat, zu tanzen. In der Tat aber ist es natürlich umgekehrt.

Nemesis, das sei aber im Film nicht gesagt, Nemesis war eine griechische Göttin des gerechten Zorns.

Ist also Hearst der Don Quijote? In einem gewissen Sinne – ja, aber andererseits ist vor allem Mank selber der Don Quijote, ein Mann von einer festen Überzeugung geleitet, dass es seine Mission ist, die Machenschaften der Film- und Zeitungsindustrie zu enthüllen und an Pränger zu stellen. Ein allein kämpfender Ritter der verlorenen Sache: Der Warheit, Treue und sozialer Gerechtigkeit.

Ein sehr guter Film. Möge er alle seine Oskars bekommen, zu denen er nominiert wurde.

PS am Montag früh: Nix hat er bekommen bei Oskarverleihung, nicht Mal eine müde Statuete für Make-up.

Wie soll das gute Leben nach der Pandemie aussehen?

Für Christine Ziegler, absichtlich eine Stunde früher, damit sie den Beitrag auf ihren Regenbogenfabrik-Geburtstagsblog rebloggen kann

Ewa Maria Slaska

Ja, wie soll unser Leben nach der Pandemie aussehen? Wie wird es aussehen? Was wollen wir und was über unsere Köpfe passieren wird?

Vor einem Jahr träumten wir von hellen Himmeln, klaren Wassern, stillen, ruhigen Städten. Glaubten wir daran?

Ja, ich glaube, wir glaubten daran. Wir glaubten, dass wir daran glauben dürfen. Dahinter versteckten sich zwei vollkommen verschiedene Gedanken: “Wir werden uns ändern” und “DIE werden es ansehen, dass WIR UNS ändern müssen (sonst stirbt das Leben auf der Erde)”.

Ja, WIR und DIE. Die WIR Seite sollte viel stärker sein als DIE Seite, endlich Mal sollten DIE an UNS hören. Endlich Mal werden WIR gewinnen. Endlich Mal wissen WIR, was WIR wollen und wollen, dass DIE es wissen. WIR werden besser und werden DIE zwingen zur Verbesserung der Welt. In letzter Sekunde vor der Katastrophe, als Greta Thunberg eigentlich nur weinte, weil Fridays for Future nix brachten, schlug die Natur zurück und brachte UNS allen (dh. für WIR und für DIE) eine NEUE Erkenntniss: Wenn WIR überleben sollen, müssen WIR uns und die Welt beruhigen, verlangsamen, heilen helfen, UNS gegenseitig unterstützen, solidarisch werden…

Den ganzen Frühling 2020 haben wir so geträumt.

Es war schön. Die Regierung gab UNS das Geld, um die Pandemie zu überstehen. Home office schien ein Arbeitsideal zu sein. Ruhig, in unserem eigenem Tempo arbeiten, selber entscheiden, was wichtig ist, wann WIR was tun oder eben nicht.

Die Läden waren zu, man brauchte aber nichts und musste nichts kaufen. Nur einfache Sachen, etwas zum Essen, ein bißchen mehr zu Trinken, Kino und die Bibliothek waren zu Hause, Konzerte auf der Straße oder auf den Balkonen. WIR machten Ordnung, teilen gute Sachen mit den Anderen. Lächelten mehr und malten schöne Regenbogen oder Herzen auf den Fenstern.

Und WIR träumten bis UNSERE Kinder ohne Schule verblödeten und zuhause nervten, WIR vom Home office Nase voll hatten und dicker wurden. In der Welt draußen begannen alle die Waren online zu bestellen, UNSERE mit Kartons vollverpackte Mülltonnen ein Asyl für Ratten geworden sind, die Transportburschen übernahmen die heimliche Macht in der Welt, UNSER Geld alle war und WIR wussten, dass der Jeff Bezos von Amazon es UNS allen wegnahm. Oder Elon Musk.

So wurde in ein paar Monaten eine UTOPIE zu einer DYSTOPIE.

Was können WIR also jetzt tun, ein Jahr später? Das Geld ist alle, der Frühling ist bitter kalt, die Lockdownmaßnahmen scheinen höhstens ein Alibi für Reiche und Mächtige zu sein, dies verdeckend, was wir alle jetzt spüren, dass uns unsere demokratische Freiheiten und Rechte weggenommen sind, wohl wissend, dass wenn die Macht dir schon etwas weggenommen hat, wird sie es NIE freiwillig zurückgeben. Harari schrieb letztens, dass es uns einfacher ist, uns das Weltende vorzustellen als Ende des Kapitalismus.

Haben wir wieder den Moment überschlaffen, dass wir zurückschlagen sollten? Schliefen wir zu lange? Träumten zu viel? Badeten wir uns immer noch in klaren Wasser in Venedig Kanälen, als DIE (wer auch immer SIE plötzlich geworden sind) uns schon alles wegnahmen?

Wie wird also die Welt aussehen? Unsere Arbeit, unser Wohlstand, unsere Sicherheit? Haben wir noch etwas in der Hand?

Ich schaue mich um. Vielleicht ist noch nicht alles verloren. Vielleicht haben wir doch etwas gelernt von dem bitteren Erwachen. Die Grünen gewinnen jetzt an Unterstützung und sind auf dem besten Weg, eine Volkspartei zu sein. Wird es politisch umschlagen? Gewinnt Annalene die Wahlen im September?

Harari meint, einziges was uns hilft, ist sich selber besser kennenzulernen. PM, dass wir alles wieder klein machen sollen. Kleine Gruppen, kleine Ziele, kleine Aufgaben, k(l)eine Gewinne. Zurück in die Zukunft. Klein und gemeinsam.

Und dann fehlt mir wieder die Regenbogenfabrik ein, mein Lieblingsbeispiel, wie das Leben eigentlich aussehen soll. Ein Squatprojekt, der sich im Laufe von 40 Jahre zu moderner nachhaltiger Utopie entwickelt hatte. Viel über sich selber wissend und alles klein, gemeinsam und solidarisch haltend. Irgendwann, vor 20 Jahren, schrieb ich über die Fabrik, dass sie für mich eine moderne Mischung aus ein Kloster und einen Kibbuz ist. Also ein Traum.

Von der Besetzung bis zur Legalisierung dauerte es Jahrzehnte – heute ist die Regenbogenfabrik eines der erfolgreichsten Lebens- und Wohnprojekte, schrieb zum 40 Geburtstag des Projekts Gerd Nowakowski im Tagesspiegel.

Auf dem Höhepunkt der Hausbesetzerzeit, als im damaligen West-Berlin über 100 Häuser vor der Abrissorgie im Namen einer fehlgeleiteten Stadterneuerung gerettet wurden, wurde das heruntergekommene und Abriss-bedrohte Industriegelände am 14. März 1981 von den Aktiven „instandbesetzt“. Eine verlassene Chemiefabrik und das Hinterhaus, beide in der Lausitzer Straße in Kreuzberg, sind heute Genossenschaft geworden. Auf den vier Etagen des Hinterhauses leben 33 Menschen – große und kleine. In der ehemaligen Fabrik findet man Radwerkstatt, das Hostel und die Kantine, die Kita, Tischlerei, die Bauwerkstatt, das Regenbogen-Kino und der Kultursaal. Manche Bestandteile des Projekts gibt es nicht mehr, das Café ist verschwunden, ebenfalls Seminar- und Proberäume, ein Kunstatelier, dazu kommen aber die neuen, wie z.B. Sauna im Hinterhaus oder manche Projektbüros. Auch Projekte kommen und gehen. Fete de la Musique kam schon zweimal hin, polnische Kochwochen blühten ein paar Jahre lang und wurden fallen gelassen. Lag es an mir? Ich weiß es nicht. Es gibt Winterbasare und Sommerhofpartys, Wanderungen und Fahrradtouren durch die Stadt, seit Jahren nimmt Fabrik an Tagen des offenen Denkmals teil. Das gesamte Gelände ist seit vielen Jahren ein Baudenkmal. Was hier geschieht, ist aber nicht museal, sondern ein lebendiges Projekt. Die Vision eines anderen Zusammenlebens und eines selbstbestimmten Arbeitens mit gemeinschaftlichen Eigentumsverhältnissen ist hier über Jahrzehnte immer wieder neu diskutiert und verwirklicht worden. (…) „Das Leben in der Gemeinschaft war oft schwierig“, erzählten Aktive zum 25. Jubiläum: „Äußere und innere Feinde waren zu bekämpfen; es flossen Tränen und einige MitstreiterInnen und Prinzipien sind auf der Strecke geblieben. Unter dem Motto ‚Zusammen wohnen, leben und arbeiten‘ wurde eine Gratwanderung zwischen Glück und völligem Genervtsein gewagt, was mitunter ernüchterte. Dennoch wurde nie aufgegeben.“

So ein schöner Projekt. Immer wieder versuche ich zu verstehen, weshalb ich die Fabrik nur beobachte und (noch) nie ein Teil davon geworden?

Harari meint, man soll sich selbst erkennen. Muss ich ja auch wohl.

Blutbrüder (2)

Anne Schmidt

3. In der U-Bahn

In der U-Bahn vertrieb sich Kai die Zeit damit zu raten, aus welcher Hälfte der Stadt die anderen Fahrgäste kommen könnten. Die älteren Männer mit Stoffbeuteln waren garantiert Ossis, fand Kai. Die waren daran gewöhnt, Schnäppchen, wie Südfrüchte, gleich einzukaufen, weil ungewiss war, wann und wo es wieder welche geben würde.  Jetzt brauchte man nicht mehr auf seltene Angebote vorbereitet zu sein, aber Sonderangebote gab es immer irgendwo. Also blieben die Stoffbeutel ständige Begleiter der Ost-Berliner.  
Die alten Wessis dagegen trugen Plastiktüten, auch wenn sie nur ein Medikament aus der Apotheke enthielten.  
So versuchte Kai, die Männer in Ost und West einzuordnen, was ihm bei den Frauen wegen der Handtaschen nicht so gut gelang; bei ihnen versuchte er die geografische Herkunft anhand der Kleidung oder der Sprache auszumachen.
Breites Berlinern oder Sächseln waren für Kai sichere Herkunftshinweise, denn in West-Berlin wurde den Kindern spätestens in der Schule das Berlinern abgewöhnt.
Kai war so in seine Beobachtungen und Überlegungen vertieft, dass er erschrocken auffuhr, als jemand über ihm seinen Namen sagte. Lässig am Griff sich festhaltend stand sein Mathmatik-Lehrer, Herr Krause, neben ihm. Er lächelte Kai freundlich an und drückte ihn beruhigend auf den Sitz zurück, als Kai aufspringen wollte. “Tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe, Kai”, sagte er freundlich, “das wollte ich auf keinen Fall.” Als der Platz neben Kai frei wurde, setzte sich Krause. Er fragte Kai, wohin er wolle und wusste bald mehr über Kai und seine familiäre Situation, als er in der Schule jemals erfahren hätte. Nicht einmal der Schülerbogen, in dem normalerweise alle Zeugniskopien, Briefe an Eltern, Tadel und besonderes Fehlverhalten in der Schule vermerkt wurden, hätte ihm so viele Informationen über Kai geliefert.
In der Station Mehringdamm fragte Krause, ob Kai Lust hätte, mit ihm zu kommen und seinen neuen Computer einzuweihen. Die Versuchung für Kai war groß, aber sein Pflichtgefühl gegenüber seinem Bruder obsiegte. Er versprach, am nächsten Tag nach der Schule zu Krause zu kommen.
Nachdem Krause ausgestiegen war, fand Kai nicht mehr zu seinem alten Spiel zurück. Er empfand eine übergroße Freude und konnte seine Aufregung nur zügeln, indem er mehrmals heftig ein- und ausatmete. Am liebsten hätte er das kleine Mädchen, das neben ihm auf dem Sitz kniete und versuchte, in dem dunklen Tunnel etwas zu entdecken, an sich gedrückt und geknuddelt. Er konnte sich gerade noch beherrschen und drückte statt dessen seine Hände fest in die Jackentaschen. Er schloss die Augen und versuchte sich Krauses Wohnung vorzustellen.
Hatte Krause eine Frau und Kinder? Kai konnte es nicht glauben, denn Krause wirkte immer gleichbleibend relaxed und freundlich, egal wie viele ausserplanmäßige Konferenzen am Nachmittag anstanden oder Elterngespräche am Abend stattfinden mussten. Krause schien immer Zeit für die Schule und die Schüler zu haben; er sei ein Kümmerer, hieß es, einer, der immer ein offenes Ohr für problembeladene Schüler habe.
Tim war vor Kurzem in der U-Bahn von einer Kontrolleurin aufgeschrieben worden, weil er seine Fahrkarte vergessen hatte. Da Tims Eltern arbeitslos waren, war Tim verzweifelt gewesen. Krause hatte aus Tim herausgefragt, warum dieser im Unterricht nicht mehr aufpasste und hatte ihm – ohne Federlesens – das Geld für die zu zahlende Strafe gegeben. Alle Schüler, die davon wussten, sprachen mit Hochachtung von Krause. Er war ein Vorbild  für die Jungen, eine Art Übervater für die Mädchen.

Fortsetzung nächste Woche

Blutbrüder (1)

Anne Schmidt                                                       

1. Vorzeigemutti  

Kai saß vor der Laube am südlichen Stadtrand von Berlin und überlegte, wo seine Mutter den Schlüssel versteckt haben könnte. Sie, sein jüngerer Bruder Olli und er wohnten seit der Wende in dem winzigen Häuschen, weil seine Mutter unbedingt nach Berlin gewollt hatte, und zwar in den Westteil. Bis November 1989 hatten alle zusammen in Cottbus gelebt, wo es der Mutter immer zu eng und zu spießig gewesen war.  

Sie hatte im Konsum gearbeitet, früh zwei Jungen von zwei verschiedenen Männern geboren, die Jungen nach dem Ablauf des Mutterschutzes der Obhut eines Ganztagskindergartens überlassen und sich weiterhin im Konsum – und auch ausserhalb – um die Wünsche von  Kunden gekümmert. Ab und zu war am Wochenende die Oma gekommen, damit ihre Tochter auch über Nacht wegbleiben konnte, wenn eine Feier ausserhalb von Cottbus angesagt war oder ein Karnevalsfest sich bis in den Morgen hinzog. Die Oma war stolz auf ihre hübsche Tochter, der auch die Geburt der Söhne nicht die zierliche Figur hatte verderben können. Ihr feingeschnittenes Gesicht war faltenlos und hatte einen kindlichen Ausdruck, der Männer magisch anzog. Kai und Olli hatten diese feinen Gesichtszüge und den unschuldigen Ausdruck von ihrer Mutter geerbt. Sie waren die Lieblinge der Erzieherinnen im Kindergarten, nicht nur weil sie hübsch waren, sondern auch weil sie eine besondere Sanftheit und Fröhlichkeit im Spiel mit den anderen Kindern ausstrahlten. Sie waren beide sehr beliebt, besonders bei den Mädchen, die mit ruppigen und kämpferischen Jungen nichts anzufangen wussten. Kai und Olli wurden auch gern von anderen Müttern mitgenommen, wenn die junge hübsche Frau Weber Überstunden machen oder zu ihrer kranken Mutter fahren musste. Da niemand ein Telefon besaß, wurden die Angaben der Mutter nie überprüft. Ihren großen blauen Augen traute niemand eine Lüge zu und so genoss Doris Weber als junge Mutter in der Deutschen Demokratischen Republik Freiheiten, von denen andere junge Mütter nur träumen konnten. Kai und Olli litten nicht unter der Abwesenheit ihrer Mutter, denn jeder war nett zu ihnen und verwöhnte sie, bis die Mutti, gut gelaunt und fröhlich, ihre Söhne abholte. Sie zeigte Allen, wie lieb sie ihre Kinder hatte und  überschüttete sie mit Zärtlichkeiten. Sie war eine Vorzeigemutti, die Berufstätigkeit und Mutterschaft miteinander vereinbaren könne, sagte die zuständige Parteisekretärin. Ihre Jungen seien der beste Beweis für die erfolgreiche Unterstützung des Staates bei der Erziehungsarbeit alleinstehender Frauen, die ihren Beruf nicht wegen der Kinder aufgeben wollten.  

2. Willkommen im Goldenen Westen  

Seitdem sie im Westen waren, war alles anders: Kai und Olli gingen in eine weit entfernte Schule mit Ganztagsprogramm. Die Mutter verließ morgens um 8.00  die Laube und fuhr quer durch die Stadt zu dem Hotel, in dem sie arbeitete. Sie kam immer erst am späten Abend – bepackt mit Tüten – müde zurück. Sie war dem Konsumrausch verfallen und fand überall Sonderangebote, die unbedingt genutzt werden mussten. Kai und Olli hatten nie so viele Jeans und T-Shirts besessen wie in den ersten Wochen im Westen. Nach dem Konsumrausch wurde die Mutti von der Vergnügungssucht gepackt. Sie kam oft nachts nicht nach Hause, sondern ließ durch einen Nachbarn, der ein Telefon besaß, ausrichten, sie habe Nachtdienst im Hotel.

Dass ihre Söhne sie durchschauten, interessierte sie nicht. Sie meinte, die Jungen seien inzwischen alt genug, um allein zurecht zu kommen. In der Schule bekämen sie ein Mittagessen und ein Brot könnten sie sich auch allein schmieren. Zur Unterhaltung brachte sie ihren Söhnen Massen von Comic-Heften mit, die im Hotel liegen geblieben waren.  

Im Garten stand eine marode Tischtennisplatte und unter den Büschen lag ein schlapper Fußball. Soviele Sportgeräte, meinte sie, hätten sie in der DDR nie besessen. Leider vergaß sie oft, den Hausschlüssel an dem ausgemachten Ort zu hinterlegen. Einen Nachschlüssel anfertigen zu lassen war Doris Weber zu kostspielig; ausserdem könnten die Jungen den Schlüssel verlieren, was gefährlich und teuer sein könnte, meinte sie. Dieses Risiko wollte sie nicht eingehen.

Kai gab seine Suche auf. Wahrscheinlich hatte sie den Schlüssel eingesteckt und mit ins Hotel genommen, wo er unbemerkt in ihrer Handtasche ruhte. Kai überlegte, ob er den Nachbarn um einen Anruf bitten könne, aber das hatte er schon so oft getan, dass er sich nicht traute, schon wieder um ein Gespräch zu bitten. Olli hatte heute Basketball-Training in der Schule. Er würde ihn dort abholen und mit ihm zum Hotel fahren, beschloss er. Er nahm seine Fahrkarte aus der Schultasche, zog seine Jacke an und rannte zur Bushaltestelle.

Er hatte Glück, dass der Bus gerade kam und ihn bis zur U-Bahnstation brachte. Mit der U-Bahn brauchte er noch ca. 30 Minuten bis zum Kleistpark und von dort war es nicht weit bis zur Schule.

Fortsetzung in einer Woche

Zapiski na mankietach / Notizen auf den Manchetten

śmierc jest jak stara kurwa na kudamie
                                                            (al)

jak staniesz na hermannplac, weźmiesz pomarańczę do ręki, zamkniesz oczy, kilka razy się obrócisz i tą pomarańczą rzucisz, to zawsze trafisz mewkę albo tajniaka
                                                                                      (k-c)

– też chciałbym mieć taki drut w głowie jak wujek, tato!
– nie narzekaj, polewaj!
                                   (l)

– a wiesz jak sie teraz ubana nazywa?
– ??
– corona express
                        (b) 

Wußtest Du schon…

…dass Weinbauern als Haustiere
   bevorzugt Lachtauben halten?
                                             (pg)



               Politikier

Steht auf meinen Zehen und
    behauptet, daß er den
           Schmerz fühlt.
                              (pg)

Gut gesagt!

Bei manchem ist Propfen
und Schmalz verloren.
                                  (pg)

Beim Sex:
sie – “Sag’ mir schmutzige Sachen!”
er  –  “Küche, Wohnzimmer…”
                                  (pg)

Aus der Vogelwelt

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus,
es sei denn, es lohnt sich.
                                     (pg)

“Guten Tag” wird abgeschafft.
Dafür folgt “Smörebröd”.
                                    (pg)

Wusstest Du schon…

… dass Chemie und Wahnsinn nahe beieinander liegen?
                                                                                       (pg)

Tip für den Haushalt

Die Helligkeit der Wohnung
kann bedeutend verbessert werden.
wenn man statt Äpfel,
Birnen in die Lampe(n) schraubt
                                                     (pg)


“Warum können wir nicht alle am gleichen Strick ziehen?”
fragte der Delinquent seinen Henker
                                                       (pg)
——————————————-
(al) – adam legyel
(b) – berlinera (polski slang w berlinie zach.)
(l) – ludowe
(k-c) – kaziu – cwaniaczek
(pg) – peter gregor

——————————————

Rysunki Autor: Gekko, Halb&Voll, Troll; winieta: Fakty z kuchni


Reblog: La Mancha ist weit und leer

Vielen Dank an Tibor Jagielski, der diesen Text gefunden hat

faz.net

Paul Ingendaay

Fluchten in die Phantasie: Wo sind denn hier die Riesen?

Ich schwebe über die weite Landschaft hinweg, viel langsamer als ein Auto, aber schneller als die Bauern, die ich vor vielen Jahren zu Fuß auf den Landstraßen dahinlaufen sah, als hätten sie mir mit dem alltäglichsten Bild – zwei Leute unterwegs – ein Gefühl für diese völlig verlassene Gegend in der kargen Mitte Spaniens vermitteln wollen. Ich schwebe in mittlerer Höhe, spüre die heiße Sommerluft, die mich angenehm fächelt, weil sie pulvertrocken ist, schwebe gleichsam ohne eigenen Körper, während Augen, Nase und Haut hellwach sind und jede Einzelheit meiner Reise registrieren. Wer ich bin, ist jetzt egal; allein das Wo zählt. Und das Wohin. Ich fliege.

Der Name der Landschaft unter mir ist uralt: La Mancha. Vermutlich kommt er aus dem Arabischen, genauer weiß man es nicht. Eine Theorie vermutet hinter dem Namen eine „Erde ohne Wasser“. Im Spanischen heißt „la mancha“ Fleck, Klecks oder Tupfer, und von oben versuche ich mir vorzustellen, was das Bild der Landschaft mit der Bezeichnung zu tun hat, aber es gelingt mir nicht. Ich bin eine Ansammlung von Sinnen, ein menschliches Aufnahmegerät, nur ohne Lämpchen und Elektronik. Was mich nach vorn zieht, ist der Name aus einem Buch: El Toboso. Es gibt in der Mancha ein Dorf, das so heißt, aber auch das ist jetzt egal, ich nehme den Namen als reinen Klang, lasse mich auf ihm weitertragen wie auf einem Kissen, während die Augen sich an die beiden Farben gewöhnen, die mich umgeben: das Gelb der Weizenfelder und die Bläue des Himmels. Von Flecken kann keine Rede sein; es sind zwei große Farbmeere, und der warme Wind trägt mich mitten hindurch.

Wie der Kopf an seine Phantasien kommt, ist schwer zu beschreiben. Viel leichter zu finden ist der Rückweg, der Pfad also, auf dem sich die Phantasien wieder mit dem strukturierten Denken verbinden. Das Schweben, das ich mir seit vielen Jahren mit erstaunlicher Intensität vorstelle, wenn ich an die kastilische Landschaft im Sommer denke – kein Meer, kein Strand, nein, nur diese immense Weite, wie leergefegt von Menschen, Tieren, Häusern –, verdankt sich mit Sicherheit dem „Don Quijote“, dem meistübersetzten Roman der Menschheit.

Staubige Straßen, die nur im Kopf existieren

Das ist das Paradox meines Fluges: Obwohl viele dieses Buch gelesen haben und auf der ganzen Welt Leute darüber sprechen und schreiben, bin ich immer ganz allein auf meiner Reise. Die weite Ebene: leer. Die Dörfer: entvölkert. In der Sommerluft, die ich durchfliege, sehe ich kaum einen Vogel. Nach Don Quijote und Sancho Panza, die laut Cervantes’ Roman vor gut vierhundert Jahren über diese Straßen gezogen sind und viele Mitreisende hatten, halte ich gar nicht erst Ausschau. Irgendwie habe ich das sonderbare Gefühl, auch ich sei nur eine literarische Figur, die ein anderer ersonnen hat.

Vielleicht schildern Romane ja keine Landschaften, sondern deuten sie an, beschwören sie herauf, setzen den Klang der Sprache ein, damit wir Leser uns in die Lüfte erheben und mit unserer Vorstellungskraft den Rest erledigen. Dann hätte Cervantes uns eine leere Leinwand hingestellt, die wir mit unseren eigenen Bildern von Spanien füllen. „Man sieht sie vor sich“, steht bei Flaubert, „diese spanischen Wege, die doch nirgendwo beschrieben werden!“ Sie werden wirklich nicht beschrieben, die staubigen Straßen, die ich auf meinem Flug von oben sehe, nur die Kneipen, in denen der Ritter und sein Knappe einkehren und wo sie immer wieder Prügel beziehen. Nicht einmal die weißen Windmühlen, für welche die Mancha so berühmt ist, werden in diesem Roman genau geschildert; ihre Flügel sind für den alten Narren ja Riesen!

Ende des neunzehnten Jahrhunderts nahm die Verwandlungsmacht der Phantasie im spanischen Geistesleben geradezu verrückte Züge an. Denn die ernsthaftesten Köpfe ihrer Zeit, die Autoren der sogenannten „Generation von 1898“, entdeckten „Don Quijote“ neu und erhoben meine Flugzone, die ausgestorbene Weite der Mancha, zum Kern des wahren Spaniens. Einfach so. Sie führten sich auf, als hätte Don Quijote wirklich gelebt. Dabei ging es wohl nur darum, dass die Herren Schriftsteller die politische Gegenwart als öde empfanden – Spanien hatte gerade mit Kuba und den Philippinen seine letzten Kolonien verloren und versank im Katzenjammer europäischer Drittklassigkeit. Da hoben diese Intellektuellen ab in die dünne Luft des Idealismus und der nationalen Verklärung.

Die Literaten wurden so bekloppt wie der edle Ritter

Dass sie damit in gewisser Weise ihrer literarischen Lieblingsfigur nacheiferten, also auch ein bisschen bekloppt wurden, ist in diesem Zusammenhang nicht nur als Witz zu verstehen. Denn ein Wörterbuch des achtzehnten Jahrhunderts definierte den Ritter von der traurigen Gestalt als „Mann, der sich mit lächerlichem Ernst für das einsetzt, was ihn nichts angeht“. Als im Jahr 1905 der dreihundertste Jahrestag des Erscheinens des ersten Teils von Cervantes’ Roman begangen wurde, schrieben gleich mehrere dieser Schriftsteller Bücher darüber. Eines von ihnen, „La ruta de Don Quijote“ von Azorín, wollte gerade in der Armut und Rückständigkeit der abgelegenen Dörfer etwas besonders Sublimes sehen. Was die armen Manchegos zwischen Toledo, Cuenca und Albacete, die vor der Zeit gealterten, ganz in Schwarz gehüllten Frauen und verlausten Jungen davon hielten, ist nicht überliefert. So sind meine Gleitflüge durch Spaniens Mitte gewissermaßen philosophisch geadelt, und aus Spinnerei wird, nur weil sie ihrerseits geschichtlich geworden ist, nationale Metaphysik.

Während ich fliege, versuche ich übrigens, an gar nichts zu denken; ich gucke nur, der Nacken ist wie ein Kreisel, ich spüre die warme Luft auf dem Pelz und so weiter. Neulich aber, während ich wieder einmal über den endlosen Weizenfeldern dahinsegelte, dachte ich an zwei moderne, vielerorts verehrte Spanier, die aus der Mancha stammen: Pedro Almodóvar und Andrés Iniesta. Und plötzlich standen mir wieder die schönsten Szenen aus ihren unsterblichen Werken vor Augen. Da hatte aber schon der sanfte Landeanflug auf das Dorf El Toboso begonnen, einen der magischen Orte in Cervantes’ Roman. Sicher setzte ich im Ortskern auf, gleich am Käseladen, und ordnete die Kleidung, die während des Fluges verrutscht war. Ich ging um die Ecke und lief ein paar Schritte, bis ich vor der Bar „Rocinante“ stand. Und dann? Ach! Von drinnen hörte ich Musik, Gläserklirren und die Stimmen sehr vieler Leute.


  ist Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin, der Text wurde am 21.02.2021 verłffentlicht.

Barataria Wielkanocna & Ostern in Barataria

W Berlinie na święta wielkanocne 2021 pewien pan namówił sąsiadów, kupili wspólnie 6500 plastikowych jajek, wyjęli ze schowków różne ogrodowe ozdoby, jeże, owieczki, prosiaczki, dziadka i babcię na ławeczce, a także Buddę i udekorowali całą swoją ulicę i nawet sąsiednie narożniki.

Die Kunde über Osterallee fand ich in Facebook:
“Büsche und Bäume hängen voll von Tausenden Ostereiern, auf dem gepflegten Rasen sitzen frühlingshafte Tierfiguren. Ein buntes Treiben, über das sich der ganze Kiez freut. Dieser Berliner macht aus der Reußallee die Oster-Allee!
Dariush Dinarvandi (58) lebt dort seit zehn Jahren mit seiner Frau und der Tochter in einem Mehrfamilienhaus. Die Geschichte des Oster-Spektakels reicht fünf Jahre zurück.
„Eine Nachbarin, die mittlerweile weggezogen ist, hatte damals ein paar Eier auf dem Balkon und in den Bäumen“, sagt Dinarvandi, der als Taxifahrer arbeitet. „Als sie umzog, habe ich damit weitergemacht.“