Der süsse Donnerstag

Joasia Rubinroth

DER SÜSSE DONNERSTAG

SWEET THURSDAY

SŁODKI CZWARTEK

Bevor es in die Askese geht, schnell noch ein Lobgesang auf den Zucker!

ZUCKER IST etwas göttliches, Zucker ist etwas tröstliches, Zucker ist ein Sehnsuchtsort, Zucker bedeutet Wärme, Vertrauen, Geborgenheit, geradezu Glück. Der lang ersehnte Lolli, der rosa Kaugummi, die Schokolade die Tränen trocknet.

Marcel Proust, der sein ganzes Leben lang auf der Suche nach dem Geschmack der Madelaine war. Ein Geschmack aus der Kindheit, der wir unser Leben lang nachjagen.

Manche behaupten, jeder Mensch suche sein Leben lang seine eigene private Madelaine…

Angeblich kommen in der Bibel und im Koran kein Zucker vor. Der indische Gott Krishna hingegen ist vernarrt in die Süßigkeit Laddu, süss, buttrig, mit dem exotischen Geschmack von Kardamon:

(c) public domain

Wie unterschiedlich fällt der Vergleich des sinnlichen Happy Buddha der mit seinem dicken Bauch aussieht, als würde er von morgens bis abends kichernd süß, sweet und umami in sich reinstopfen, gegen den armen ausgemergelten Jesus aus…

Zucker bedeutet das Gegenteil von bitter, also von giftig, Zucker bedeutet Vertrauen. Das Gehirn hat die Erfahrung aus der Steinzeit noch gespeichert. Fruchtwasser und Muttermilch schmecken süß.

Mit Zucker verbinden wir Lob, Belohnung, Geselligkeit. Ein Geburtstag ohne Torte? Ein Namenstag? Eine Hochzeit? Weihnachten ohne Zimtstern und Ostern ohne Mazurki und Zuckerlamm?

In Zucker eingelegt wurden die ersten exotischen Obstsorten nach Europa gebracht und 1412 hat ein Kalif eine Moschee aus Zucker bauen lassen, die die Bettler verspeisen durften.

Und des Zuckers Formel, die chemische Formel von Saccharose, diese zwei sich an den Händchen lieblich haltenden Kügelchen!

Ach, Zucker, wenn er doch nicht diese verfluchte andere, finstere, Seite hätte… die Seite die zerstört, und manche von uns zu willenlosen Zombies verwandelt…

PS.

Vielleicht war Eva auch einfach nur von der Süße der Apfelfrucht angelockt, vielleicht ging es gar nicht um die Erkenntnis…

PPS.

Ein Lied, das mit Zucker lockt, in black & white.

White:

Black:

PPPS a propos black:

Das Gedicht von OGLALA LAKOTA:

“When I’m born I’m black, when I grow up I’m black, when I’m in the sun I’m black, when I’m sick I’m black, when I die I’m black, and you… when you’re born you’re pink, when you grow up you’re white, when you’re cold you’re blue, when you’re sick you’re blue, when you die you’re green and you dare call me colored”

Besser nicht zusehen…

Schrecklich dieser Krieg, es wird keine Sieger geben

Tibor Jagielski, der sich diesen Beitrag ausgedacht hat

Jürgen Kaube (reblog)

Drei Wörter, sagt Filmemacher Raoul Peck in der FAZ, fassen die gesamte Historie der Menschheit zusammen: Zivilisation, Kolonisation und Vernichtung. Kurz danach sagt er, ein einziger Satz fasse die Geschichte der westlichen Welt und des europäische Kontinent zusammen. Er stammt aus Joseph Conrads Herz der Finsternis, wird dort von einem Kolonialverbrecher gesagt und lautet „Rottet die Bestien aus!“
Peck zufolge, gibt es stets die Gewissheit einer überlegenen Rasse, stets wird aus ihr das Recht abgeleitet, die Unterlegenen zu bekriegen, umzusiedeln, zu bestehlen, zu missionieren, zu töten oder sterben zu lassen. In den Spielszenen ist es immer derselbe Schauspieler, der die Grausamkeit repräsentiert, vom Mord an der Seminolen um 1815 über den Oberkongo 1895 bis in die Gegenwart. Einen geschichtlichen Fortschritt weg von diesem so selbstbewussten wie grausamen Rassismus kann der Film nicht finden. Den Abscheu gegenüber dem Schrecklichen behandelt er als Einstellung Weniger, zu denen auch er selbst gehört. Deswegen spricht er wiederholt seine Biographie und seine vorigen Filme an. Sätze wie Die bloße Existenz dieses Films ist ein Wunder, klingen selbstgefällig. Wichtiger aber ist, dass Peck den Eindruck erweckt, wir lebten nach wie vor oder demnächst wieder im neunzehnten Jahrhundert, in der Zeit der totalitärer Massenmorde und einer allgemeinen Überzeugung, es gebe sterbende Nationen, denen man Sterbehilfe leisten dürfe. Einmal stellt er die Frage, was jemals großartig an Amerika gewesen sei. Der Eintritt in den Zweiten Weltkrieg fällt ihm nicht ein.

Ein zum Tode Verurteilter auf dem elektrischen Stuhl des Gefängnisses „Sing Sing“ im Bundesstaat New York

Der Film Rottet die Bestien aus! von Raoul Peck erzählt die Verbrechensgeschichte des Westens. Dabei schert er sich nicht um die Unterschiede zwischen Kolonialismus und Judenvernichtung.

Rottet die Bestien aus! alle vier Teile sind momentan bei Arte zu sehen: https://www.arte.tv/de/videos/RC-022134/rottet-die-bestien-aus/
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Tibor Jagielski sagte dazu noch:
In einem Punkt hat Peck sicherlich recht: Wir funktionieren mental im 19. Jahrhundert, und wenn wir nicht aufpassen, werden wir nach der nuklearen Nacht auf das Niveau der Steinzeit zurückfallen.

Ich erinnerte mich dabei daran, dass ich einmal, 1997, in einem Theater ein Faultier gespielt hatte. Die Role war schrecklich, aber was sollte es, die Bezahlung stimmte und drum ging es… Die ganze Vorstellung über hing ich eigentlich nur an einem Ast, pfiff ab und zu oder kratzte mich unter den Achseln und erst am Ende des dritten, letzten Aktes warf ich mich auf eine Piratin. Ich zertrümmerte ihren Schädel und aß ihr Hirn (es war Vanillepudding mit Erdbeersoße), wobei ich versuchte, nicht zu schmatzen, weil während der Probe einer der Zuschauer in Ohnmacht fiel und die Regisseurin mir verbot, die hochtrabenden Ideen des Stücksschreibers zu expressionistisch zu interpretieren.

Frauenblick: Norblin-Fabrik

Monika Wrzosek-Müller

Neue Räume in Warschau

Eigentlich hatte ich vor, in Warschau lange Spaziergänge zu meinen alten, aber auch den neuen Orten zu unternehmen. Doch die Tage sind zu kurz, auch es ist zu dunkel, das Wetter spielt manchmal völlig verrückt; es gibt Schneegewitter oder Hagelstürme, dann scheint plötzlich die Sonne und mich überfällt eine Lethargie, die ich erst einmal überwinden muss, bevor ich mich überhaupt in Bewegung setzten kann. Sich aus dem geschützten und noch sehr altmodischen Viertel Saska Kępa in die Großstadt zu bewegen, erfordert Mut; hier ist alles klein, bekannt, überschaubar; drei größere, vertikal verlaufende Straßen und etwas mehr horizontale. Natürlich findet man auch hier schöne alte Bauhaus-Häuser, noch nicht herausgeputzt, noch im Urzustand, die mich anlächeln. Manchmal verfehlen die allzu pingeligen Renovierungen ihr Ziel, sie lassen die alte Patina verschwinden, zusammen mit der Schönheit und Einfachheit, zu schade. Doch die große neue Welt befindet sich eindeutig außerhalb von diesem Viertel.

Vor ein paar Tagen habe ich mich dann doch rausgewagt und bin in andere Räume, Stadtteile von Warschau aufgebrochen, eigentlich ganz im Zentrum, wohin ich früher nie vorgedrungen war. Der Raum hinter dem Zentralbahnhof, hinter der Shoppingmall „Złote Tarasy“, voll von richtigen Wolkenkratzern, Hochhäusern und mit ganz breiten geraden Straßen, hat mich erstaunt. Es ist da so viel entstanden, ganz neue Viertel, die für mich eher nach einer Metropole in Amerika aussehen und dem mir unbekannten New York als nach dem mir bekannten Warschau. Umso mehr freute ich mich, als ich die alten, gerade renovierten Gebäude der Norblin-Fabrik von weitem sah. Sie bilden einen schönen Kontrast zu der übrigen Bebauung in der Gegend. Eigentlich müssten wir in Europa doch aufpassen, nicht überall dasselbe zu produzieren und zu reproduzieren, dieselben Glasfassaden mit den schnell sich bewegenden Liften draußen, alles hochmodern und zugleich eher unmenschlich, so dass das individuelle Gesicht einer Stadt völlig verschwindet. Am „Rondo ONZ“ wehte der Wind so stark, dass viele Leute ihre ursprüngliche Route aufgaben und umkehrten; ein Mann im Rollstuhl wäre fast auf die Straße geweht worden, wären da nicht zwei kräftige junge Männer gewesen, die ihm halfen.

Endlich aber war ich doch bei der Norblin-Fabrik, Gebrüder Buch und T. Werner, angelangt und bewunderte erst einmal von außen das sehr schöne Objekt, das sich über mehrere alte Fabrikgebäude erstreckt mit den integrierten Bürotowern dazwischen. Von weiten sieht man schon ein nicht allzu buntes Murale von Pola Dwurnik, das die Fabrik darstellt und im Stil ihres berühmten Vaters, einen Maler, gehalten ist. Die Wahl der Materialien bei der Instandsetzung der Fabrik hat mich begeistert, neben edlen Holzarten gibt es Rosteisen [oxidierten Stahl], schöne Steinfußböden mit eingelassenen alten Schienenresten, die schöne Muster auf dem Boden bilden. Alles ist sehr elegant, präzise und in guter Harmonie zwischen der alten und modernen Struktur eingerichtet. Revitalisiert wurden insgesamt 9 alte Gebäude, die auch Baudenkmäler sind, sowie 50 Maschinen aus dem alten Maschinenpark, die im ganzen Gelände ausgestellt stehen, z.B. eine hydraulische Presse, die 50 Tonnen wiegt. Manche der Maschinenteile wurden ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und fungieren z.B. als Untersätze für die Glastische, für die Bänke. Manche von den Gebäuden wurden komplett neu, aber in historischer Gestalt wiederaufgebaut.

Die Geschichte der Familie ist bemerkenswert: der Sohn eines Zeichners und Malers Warschauer Motive, des Franzosen Jean Pierre Norblin de la Gourdine, Aleksander Jan Konstanty Norblin, genannt John, geboren 1777, wurde nach langer Ausbildung in Paris zum Metallgießer (Bronze) nach Warschau angeworben und gründete dort 1820 die Norblin-Fabriken, damals „Warszawska Fabryka Bronzów“ (Warschauer Bronze-Fabriken) genannt. Sie produzierten hauptsächlich künstlerische Objekte in Bronze, z.B. große Leuchter für Kirchen, Epitaphien, auch Büsten. Er arbeitete viel für die Familie Czartoryski, fertigte eine Büste des Fürsten, auch Figuren und Ornamente für die Gräber der ganzen Familie. Erst später begann die Fabrik, auch Alltagsgegenstände wie Besteck etc. herzustellen. Die Fabrik wurde immer größer, fertigte auch die Samoware für russische Adelige; die Nachfrage nach den schönen, edlen Gegenständen stieg ständig, so wundert die Größe des Terrains, das die Fabrik einnahm, nicht. Auf dem Gelände befindet sich jetzt auch ein Museum, das die Firmengeschichte dokumentiert.

Noch sind nicht alle Räume in der Fabrik fertig und belegt, das Gelände wurde erst Ende September 2021 eröffnet; doch jetzt schon kann man sehen, dass es eine gelungene Mischung von Kunst bietet: zwei Galerien, Kultur, ein sehr luxuriöses Kino, „Kinogram“, mit einer noch moderneren Bar, mit mehreren Kinosälen, ein Bereich für eine Bio-Markthalle, „Biobazar“, wo man frische Bioprodukte kaufen und auch essen kann, und ein ganz großer Bereich für eine Food Town mit 23 gastronomischen Konzepten aus Europa, und anderen Teilen der Welt, wo man in geräumigen Fabrikhallen gut essen kann. Hier ist auch eine wunderschöne Piano-Bar untergebracht mit einer Bühne für die live-Musik und Tanzflächen.

Ich schlenderte langsam durch das ganze Gelände, das noch nicht überlaufen ist, und irgendwann gelangte ich in den ersten Stock mit einer wunderschönen Ausstellung in geräumigen, sehr gut designten Vitrinen, die aus den alten historischen Wagen der Fabrik gefertigt sind: die ganze Produktion der Fabrik von silbernen und versilberten Objekten; wir sehen Vasen, Platten, Besteck, Kelche, Kannen, Unterteller, Silberringe, Zuckerdosen, überhaupt Dosen etc… Großer Beliebtheit erfreuten sich kleine Tischbürsten mit ebenso kleinen, schön verzierten Schaufelchen. Ich erinnere mich an die alten, halb „aufgegessenen“ Löffel, die meine Oma in ihrer winzigen Wohnung in Mokotów noch benutzte und die sie über die Verbannung nach Kasachstan bewahrt und dann mit zurückgebracht hatte. Mit den Löffeln konnte man nichts mehr essen, die Versilberung war gesprungen, sie kratzten und man konnte sie nicht mehr richtig reinigen. Das meiste Silber war natürlich da, in der Verbannung, verkauft oder in Essbares eingetauscht worden; geblieben waren für uns Enkelkinder Erinnerungen wie: „das war doch echtes Norblin, oder eher Fraget“. Meine Oma schätzte die Erzeugnisse dieser polnischen Fabriken sehr und sie erzählte mir, dass in dem Flügel, den sie in ihrer Wohnung in Lemberg hatten zurücklassen müssen, drei Komplette von je 24 Besteckteilen für jede ihrer drei Töchter eingelagert waren; sie konnten nicht so viel in die Verbannung mitnehmen. Als ich vor ein paar Jahren in Lemberg war, auch in ihrer Wohnung, zwar verkleinert, denn da wohnten nun drei Familien, konnte ich keinen Flügel ausfindig machen, geschweige denn die Besteckkomplette für die Mädchen.

Die Norblin-Fabrik scheint mir eine Mischung aus Zukunft und fortgesetzter Vergangenheit in diesem während des Zweiten Weltkrieges wirklich total zerstörten Warschau zu sein. Im Sommer wird sich der Ort bestimmt mit Tausenden von Besuchern füllen.

Sweet Thursday

A tu po polsku

Von der Administratorin: Von heutigem Donnerstag her wird Joasia Rubinroth vom Zucker schreiben. Donnerstag und Zucker ergaben gemeinsam den von ihr vorgeschlagenen Titel der Reihe: Sweet Thursday. Ich freute mich sehr, als ich das hörte, weil ich das gleichnamige Buch von John Steinbeck sehr mag. Ich bin mir sogar sicher, dass wenn ich etwas an Amerika liebe, ich es eben diesen drei Steinbecks Büchern verdanke, die ich als junges Mädchen im Original las: Tortilla Flat, Cannery Row und eben Sweet Thursday.
Wonniger Donnerstag ist übrigens, laut John Steinbeck, der Tag nach dem lausigen Mittwoch (Lousy Wednesday).

Was ist aber Wonniger Donnerstag? Steinbeck beschreibt ihn im Kapitel 19.:

Schaut man zurück, so vermag man in der Regel den Tag festzustellen, an dem etwas angefangen hat, den Tag von Sarajewo, den Tag von München, den Zeitpunkt von Stalingrad oder Valley Forge. Man prägt sich Tag und Stunde mittels eines Vorfalls ein, der einem selbst zugestoßen ist. Man entsinnt sich genau, was man getan hat, als die Japaner Pearl Harbour bombardierten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß an diesem Donnerstag sich in Cannery Row bestimmte Kräfte in Bewegung gesetzt hatten. Gewisse Ursachen und Zielrichtungen sind schon seit Generationen in Wirkung. Es gibt immer Leute, die behaupten, sie hätten deren Herannahen gespürt. Diejenigen, die sich dessen erinnern, sagen, es sei gewesen, als habe ein Erdbeben in der Luft gelegen. Es war ein Donnerstag und einer jener Tage in Monterey, an dem die Luft wie gewaschen und geputzt ist, daß man wie durch eine Linse die Häuser in Santa Cruz zwanzig Meilen über der Bucht drüben und die Rotholzbäume auf dem Berg über Watsonville sehen kann. Die Felsspitze des Frémont’s Peak jenseits Salinas hebt sich edel gegen den Osthimmel ab. Die Sonne schimmerte in goldenem Schein, und rote Geranien versengten gleichsam die sie umgebende Luft. Die Ritterspornblüten waren wie kleine Löcher im Himmel. Tage gleich diesem kommen nirgendwo viele vor. Die Menschen halten sie wert gleich seltenen Schätzen. Kleine Kinder geben grundlos Schreie wie aus Blechpfeifen von sich, und Geschäftsleute finden es plötzlich notwendig, eine Fahrt zu einem Grundstück hin zu unternehmen. Greise sitzen da, schauen in die Ferne und erinnern sich verschwommen daran, dass die sämtlichen Tage ihrer Jugendzeit so gewesen seien wie dieser. Pferde wälzen sich auf den Weiden an einem solchem Tag, und Hennen brechen in gräßliches Freudengegacker aus. Ein zauberischer Tag war dieser Donnerstag, ein Wundertag.

Eure Ewa Maria Slaska

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Joasia Rubinroth

DER SÜSSE DONNERSTAG
SWEET THURSDAY
SŁODKI CZWARTEK

In seinem Video HOW DO I LOVE MYSELF (link s.u. im PS) spricht Thích Nhất Hạnh davon, was für ein WUNDER unser Körper ist, und wie wichtig es ist, dieses Wunder, dieses Meisterstück des Kosmos, zu würdigen, und sich dieses Wunders Bewusst zu sein.

Und so entschließe ich mich: um das Wunder meines Körpers, der ein Meisterstück des Kosmos ist, zu würdigen, starte ich ein 8 – Wochen – Zucker – Entwöhnungsprogramm.

Auch wenn Zucker so wunderschön sein kann, wie diese Süssigkeiten aus Vietnam, aus Hue, der Stadt, in der Thích Nhất Hạnh am 22.01.2022 gestorben ist:


Ich bin zuckersüchtig. Unfassbar zuckersüchtig.

Ich liege stundenlang auf dem Sofa, nicht irgendeinem Sofa, auch nicht der Psychoanalytikercouch sondern auf dem wunderschönen Riesenkolonialsofa namens Maharadscha und träume von Kuchen, Torten, Eis, Milchreis, Grießbrei, von Schüsseln voller Tiramisu, von Lastwagen voller Doughnuts, die ich nicht mal mag, aber es ist egal, HAUPTSACHE SÜSS WEIL AUS ZUCKER.

Übrigens: Kolonial-sofa, also überhaupt „Kolonialmöbel“ und „Kolonialstyl“ sollten vielleicht als Begriff ausdienen… wäre es nicht treffender zu sagen Unterwerfung-Rassismus-Mord-Möbel?

Zurück zum Zucker: Wer also seinen Körper wertschätzen will, kann ihn logischerweise nicht mit Zucker vollstopfen, nur für diesen kurzen Dopamin-Kick.

In Amerika baut ein Reverend in seine Predigt den berühmten Zucker-Coca-Cola-Vergleich ein: er stellt 33 Zuckerwürfel neben einer Cola-Dose auf, um aufzuklären, wieviel Zucker eine Cola enthält. Um dann, nach dem Begräbnis des Nächsten Diabetes-Toten mit der Gemeinde den Leichenschmaus bei Donuts und Riesen-Cola-Flaschen zu begehen.

In seinem Film „Voll verzuckert“ macht der Regisseur Damon Gemeau einen Selbstversuch: 60 Tage lang 40 Teelöffel Zucker täglich essen. (die WHO empfiehlt 6 Teelöffel pro Tag). Nach 60 Tagen ist er nicht nur 8 kg schwerer – er hat eine Fettleber.

Was wird mit mir in 8 Wochen geschehen? Wird es mir gelingen, den Wolf in mir zu bändigen? (((An dieser Stelle noch eine Buchempfehlung: DER WILDE! – der Wolf ist dem meinem sehr ähnlich…)) Und was alles wird mir zum Thema Zucker so einfallen?

PS. Thích Nhất Hạnh, er ruhe in Frieden
HOW DO I LOVE MYSELF?

PPS. In Vietnam wohnen die Toten oben im Himmel, in einer Parallelwelt, und die Verbliebenen verbrennen Papier-Motorräder, Papier-Visa-Karten, Papier-Lacoste-Hemden, Papier-Handys – in dem Glauben, dass der Rauch alles zu den Verstorbenen bringt – und diese es brauchen. Auch TNH?


Don Kichot in der neuen deutschen Regierung?

Echt, jetzt? Ist das wirklich wahr? Kann mich mal jemand kneifen, um zu wissen, ob dass der Realität entspricht?

Na ja, so behauptet es zumindest der Berliner Tagesspiegel.

Kampf gegen Vorbehalte der Union. Habecks Klimaplan für Deutschland – vom Winde verweht? Wirtschaftsminister Habeck tourt durch Deutschland und trommelt bei den Ministerpräsidenten für die Energiewende. Bei Söder in Bayern erhielt er am Donnerstag ordentlich Gegenwind.1

Er ist Deutschlands „grüner“ Wirtschafts- und Klimaminister (Bündnis 90/ Die Grünen) und er schmiedet einen großen Plan für Deutschland. Er meint, dass Deutschland in der Sache Klimaschutz gar nicht so fortschrittlich sei, wie wir seit Jahren geglaubt hatten.

Kaum zu glauben, oder? Ich erinnere noch sehr gut, als Angela Merkel plötzlich und ohne großen Konsultationen die Energiewende ankündigte und gleichfalls versprach, in 10 Jahren auf Atom gar zu verzichten.

Die ganze (zugegeben – nicht sonderlich große) „linke Bulb” in Polen, die seit Jahrzehnten ergebnislos gegen polnische Kohlenwirtschaft und für Windenergie kämpfte, war regelrecht außer Atem vor Bewunderung.

Wie kann man nur um Gottes Willen? – fragten wir uns.
Ich kann und will um jeden Willen – antwortete Deutschland.

Die zehn Jahre sind vorbei!

Am 1. Januar diesen Jahres ist es dazu gekommen – die ersten zwei von den zehn, deutschen Atomkraftwerken wurden angehalten. Merkels Versprechen trat in Kraft und …

Und alle waren unzufrieden. Vor allem die jungen Menschen, die aus heiterem Himmel entdeckten, dass es vielleicht mit Atom besser und schneller zur nachhaltigen Energiewende kommen würde, als mit all den anderen Energiegewinnformen allerseits.

Die ältere Generation ist wiederum dabei so baff, dass man kaum etwas murkst. Sie haben doch seit Jahrzehnten dafür gekämpft, dass man das Atom stoppt – ihre ganze Jugend wurde von diesem Kampf bestimmt. Man blockierte die Zugangswege zu den Kraftwerken, die deswegen wie mittelalterliche Festungen gebaut wurden, man blockierte die Atommülltransporte, jedes Jahr wieder gingen die Osternmarsche los. Die Grüne-Partei, die sich jetzt an der Macht beteiligt, verdankt gerade dieser zähen Anti-Atomstimmung ihre nachhaltige Profilierung.

Die Ironie der Geschichte ist, dass gerade die CDU-Kanzlerin dies entschieden hat, dass Deutschland auf Atom verzichte. Es war eine von diesen emotionalen Entscheidungen Merkels, die nach der Fukushima-Katastrophe ganz genau wusste, dass jetzt nur radikale Worte ihre Macht weiter tragen werden. So ist sie gewesen. Nette Mutti, die plötzlich zur Diktatorin wurde.

Schon zuvor hat sie genauso alleinhändig und emotional entschieden, dass man den Euro retten muss, koste es, was es wolle. Als Nebenwirkung wurde die Mitgliedschaft Griechenlands in der EU gerettet. Das dritte Mal kam sie mit ihrer Entscheidung während der Flüchtlings-Krise 2015 zum Wort. „Wir schaffen es“, sagte sie und ließ eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Da man sich nie bei allen beliebt machen kann, wurde sie für all` diese drei Entscheidungen sowohl gelobt und geliebt, als auch gehasst und gebrandmarkt. Das Entscheidende ist, dass sie in allen drei Fällen gewonnen hat. Griechenland blieb in der EU und wir zahlen immer noch mit Euro. Die Flüchtlinge kamen in einem Massenandrang hier her und sie tun es immer noch, vielleicht nicht in solchen Massen, dafür aber stetig. Ah-ja, und auf Atom verzichten wir auch noch gerade.

Eine weitere Ironie der Geschichte ist es, dass wir uns Anfang 2022 in unglaublicher Energiekrise befinden und dass wir dies dem SPD-Kanzler, Gerhard Schröder zu verdanken haben. Klar, er war nicht der Erste, schon in Kohl-Zeiten wollte man Deutschland mit dem sowjetischen Gas verkuppeln. Das Siegel kam aber von Schröder, der ohne zu zögern, für eigenen Wohl ganz Deutschland in die Situation schubste, wo wir Russlands Gas lieben und Putins Gnade fürchten müssen. Wenn Putin es für nötig hält, zittern bald 80 Millionen Deutschlands Bewohner vor Kälte und unser ganzer Wohlstand binnen zwei Wochen stützt in ein schwarzes, kaltes Loch.
Ja und was will und was kann Habeck in dieser Situation noch tätigen? Was ist also sein Plan?

Wirklich schneller mehr Ökostrom herzustellen?
Tatsächlich neues “Wind-an-Land-Gesetz” einzuführen?
Ernsthaft die Solardachpflicht für Neubauten zu oktroyieren?
Sicher die Abschaffung der EEG-Umlage umzusetzen?
Und dazu noch die Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung der Industrie zu unterstützen?

Das sind die Hauptbestandteile Habecks “Klimaschutz-Sofortprogramms”. Von dem russischen Gas und Putin selbst ist ja nicht die Rede. „Was uns in die Schnelle treibt“, meint unser Klimaminister, „sind Klima-Konferenzen-Ergebnisse: Verschärfter Klimaziele für 2030 und der angestrebten Klimaneutralität bis 2045.“2

Aha.

Aber egal. Die Namen sind Schall und Rauch, wie Goethe es sagt. Der Klimawandel ist wichtig. Und es soll schnell gehen. Aber schnell in der deutschen Politik soll es immer sein – und dann handelt es sich nur um ein paar Monate. Das weiß Merkel ganz genau und falls es wirklich schnell ging, war es ihr bewusst, dass sie auf alle Unterredungen und Verhandlungen verzichten und diese diktatorisch beschließen muss. Habeck ist jedoch nicht Merkel. Der erste Teil seiner geplanten Sofort-Maßnahmen sollen noch im April beschlossen werden. Gut zu wissen, dass “sofort” drei Monate bedeutet und “schnell” – ein Jahr: Der Rest des Programms soll bis zum Jahresende folgen und im kommenden Jahr in Kraft zu treten.

Bis zum Jahr 2030 sollen 80 % der Energie vom Wind und Sonne gewonnen werden. Dafür soll jedes Bundesland 2 % seiner Fläche für Energie-Anlagen zur Verfügung stellen. Die Windräder werden jetzt auch dichter zueinander stehen. Es werden Wälder und Förste der Windräder entstehen.
Die bürokratischen Hürden sollen verschwinden, damit jeder, der will, sofort seine eigene Windmühle bauen kann.

Na ja. Der einzige Knackpunkt, den Habeck vielleicht vergessen hat, ist, dass Deutschland eine Föderation ist – ein Bund. Manches, was er will, kann er überhaupt nicht entscheiden, da es den Länder-Befugnissen unterliegt. Es ist klar, dass wir es zügig brauchen, die Frage ist lediglich: Wie? Wie zwingt man 16 unabhängige und teils sehr autarke Länder, gemeinsam und schnell zu entscheiden?

Es ist aber noch härter. Es gibt nicht nur 16 Länder und 16 Länderchefs, die zum Teil gar nicht das wollen, was die Regierung will. Es gibt noch ein anderes Problem und zwar ca. 80 Millionen Deutsche, die zwar generell vielleicht für die Wende wären, wenn sie aber nicht direkt vor deren Tür stattfindet. Im Klartext bedeutet es: Der Habeck kann sich so viele Windräder und Solaranlagen bauen lassen, wie er will, nun bitte nicht in meinem Garten. Und die Solardächer, bitte sehr, überall, aber nicht bei uns. Nicht in unserem eigenen Heim. Zur Zeit heißt es, nur die wirtschaftliche Neubauten müssen Solardach erhalten, aber im Koalitionsvertrag steht es klip und klar: “Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden”.

Das heißt im Klartext: Hier ist Solidarität von Nöten – und globale Verantwortung. Dies sind aber nicht die sozialen Eigenschaften, die momentan in Europa vorhanden sind. Wir sind ein Kontinent von 450 Millionen Individuen. Man hätte vielleicht Pflicht und gesetzlichen Zwang einführen müssen.

Aber Pflicht & Zwang – mit welchen Wörtern jonglieren wir hier überhaupt?

Soll wirklich eine Pflicht-Diskussion – über Pflicht-Impfung auf einmal reichen? Und wenn wir nicht auf unsere soziale Verantwortung zählen können, wenn es um unsere Gesundheit geht, wie können wir uns auf diese wage Emotion berufen in der abstrakten Sache der globalen Klima-Krise? Welche Krise?

“In meinem Garten ist das Wasser klar und das Gras grün.”

Zu guter Letzt bleibt ja noch die Sache der sozialen Gerechtigkeit. Die Wende darf nicht auf Kosten der Bevölkerung stattfinden und schon gar nicht deren armen Teil. Die Menschen benötigen also finanzielle Unterstützung. Wenn die Regierung es tut, wird es sehr viel kosten und immer noch und vor allem symbolische Bedeutung haben. Wenn wir die Angelegenheit ernst nehmen sollen, muss die Wirtschaft leiden und die Kosten der Klimawende auf eigenem Rücken tragen. Stattdessen erwägt man jetzt schon die finanzielle Unterstützung für die Industrie, die die klimaneutrale Energie anwenden wird.

Ahja, das war noch nicht alles – Die Sache mit dem Atom. Da war ja was.

Was ist, wenn doch das Atom die Zukunft bildet und nicht die Windräder und Solardächer? Die Jugend, die viel mehr Hoffnung in der künstlichen Intelligenz legt und überhaupt lieber an modernen Technologien glaubt als Versprechungen der “Alten” (und Habeck ist schon “der Alte”), hofft auf neue, kleine, effiziente Atomgewinnungsanlagen, die man in eigenem Auto nutzen und in eigener Tasche tragen wird.

Science fiction? Vielleicht.

Aber vieles, was wir jetzt für eine Selbstverständlichkeit halten, schien vor noch 10, 20 oder 50 Jahren, Hirngespinst zu sein.

Es scheint, die Energiewende sei ein schwieriges Unternehmen. Dazu noch sind alle Habecks Maßnahmen zu teuer,

zu wenig,

zu veraltet,

zu spät,

zu langsam.

Der Habeck, als Ritter einer sehr traurigen Gestalt, hat sehr viel zu tun, um seine Windmühlen allerseits zu verteidigen. So lässt sich sagen: Der moderne Don Quixote säet, der erntet aber nicht, sondern um seine Mühlen kämpft.

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1 https://plus.tagesspiegel.de/politik/kampf-gegen-vorbehalte-der-union-habecks-klimaplan-fur-deutschland–vom-winde-verweht-367501.html

2 https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_91453804/robert-habecks-klimaplan-das-sind-die-knackpunkte.html

Remembering Day / Dzień pamięci / Tag der Erinnerung

Yad Vashem: World Holocaust Center, Jerusalem 

„Ich möchte, dass sich jemand erinnern wird, dass einst ein Mensch gelebt hat, der David Berger hieß.”
Aus David Bergers letztem Brief, Vilna 1941

Heute, 81 Jahre nach der Ermordung von David Berger während des Holocaust, bitten wir Sie, unserer #IRemember Wall beizutreten und der Namen und Geschichten anderer Holocaust-Opfer zu gedenken.

Mit dem Beitritt unserer IRemember Wall wird Ihr Name automatisch mit dem Namen eines Holocaustopfers aus Yad Vashems Zentraler Datenbank verbunden. Mit diesem einzigartigen Projekt können Sie eines bestimmten Opfers gedenken, dessen Namen erfahren, seine Geschichte lesen und sein Bild sehen. Sie können dann die Geschichte des Opfers mit anderen teilen, um das Holocaust-Bewusstsein am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust zu unterstützen. Gemeinsam können wir sicherstellen, dass die Erinnerung an die 6 Millionen während des Holocaust ermordeten Juden niemals vergessen wird. Begehen Sie den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust 2022 (27. Januar) indem Sie der Millionen Holocaustopfer, wie David, gedenken.

Für mich ausgesuchter Name war Inge Kanthal, aus Achaffenburg in Deutschland:

Sie war die Tochter von Selma (Erna), geb. Rotshild und Willi Kanthal. Selma wurde 1906 geboren, Willi – 1901. Eltern und Kind sollten 1945 ermordet sein.

Die Angaben in Yad Vashem Kartei sind sparsam. Man notiert nur, dass alle drei durch eine Verwandte, Margaret S. Fletscher registriert wurden.

Mehr erfährt man aus einer Kartei der Stadt Aschaffenburg zum Thema Schicksale der lokalen Juden.

Inge Kanthal wurde 1934 in Frankfurt am Main geboren. Ihr Vater war Kaufmann. Der Name der Mutter war Selma und nicht Erna. Die Familie lebte in Aschaffenburg in Elisenstr. 16.

1942 wurden sie zuerst nach Würzburg, dann nach Ghetto Kraśniczyn und danach in benachbarten Ghetto Izbica in Polen deportiert.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Familie Kanthal in einer gut dokumentierten Transport aus Würzburg in den Raum Lublin kam. In deutschen Wikipedia zu Standorte Krasiczyn und Izbica findet sich folgender Eintrag an:

Am 25. April 1942 marschierten 852 Juden in Würzburg vom Platz’schen Garten zum Bahnhof Aumühle. Dort stand der Transportzug DA 49 zum Abtransport bereit. Um 13:00 Uhr dem Transportführer „ordnungsgemäß übergeben“, passierte der Zug um 15:20 Uhr den Würzburger Hauptbahnhof in Richtung Bamberg; hier wurden noch weitere 103 Juden aufgenommen. Über Lichtenfels, Kronach und Saalfeld, durch das nördliche Schlesien traf der Transport am 28. April 1942 um 2:00 Uhr in Lublin ein. Dort Anfahrt um 5:00 Uhr erreichte er den Zielbahnhof Krasnystaw um 8:45 Uhr. Die Würzburger Gestapo vermerkte: „Der Transport wurde vollzählig übergeben; Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. Ein polizeiliches Einschreiten war nicht erforderlich.“ Die Deportierten wurden zu Fuß nach Kraśniczyn weitergeleitet. Mit ziemlicher Sicherheit wurden alle Überlebenden am 6. Juni ins Vernichtungslager Sobibór gebracht.

Ich habe mit Hilfe von Google eine Karte gefertigt. Vieleicht so fuhr Inge Kanthal in den Tod nach Sobibór. Heutzutage wären es mit dem Auto 14,5 Stunden. Mit dem Zug fuhren sie Tage.

Sobibór KL © United States Holocaust Memorial Museum (USHMM)

Inge war 8 Jahre alt.

Unser Mauerbuch / Nasza książka o Murze Berlińskim

Ela Kargol / Krystyna Koziewicz / Ewa Maria Slaska

W piątek 21 stycznia o godzinie 18.30 w VHS Mitte na Antonstraße 37 (sala 207) zaprezentujemy nasze książki / Am Fr 21. Januar um 18.30 Uhr in der VHS Mitte Antonstraße 37 (Saal 207) werden wir unsere Bücher präsentieren.

Czyli dziś. / Dh. heute.

Czekają nas normalne aktualnie rygory pandemiczne – trzeba mieć dwa szczepienia plus test, albo być ozdrowieńcem plus test. Potrzebne są też oczywiście maski.

Es gelten übliche Anti-Covid-Bedingungen – man muss zwei Impfungen vorweisen oder genesen sein, dazu noch Test (also 2G+). Selbstverständlich muss man auch Masken haben.

Zastanawiałam się, co mam tu opublikować, żeby Was zachęcić do przyjścia na nasze dzisiejsze spotkanie i po dłuższym namyśle wybrałam wiersz o kościele wysadzonym w powietrze z powodu budowy Muru Berlińskiego. To piękny wiersz. Pisała o nim Ela Kargol – TU:

Milly Hilgenstock (1961)

Die Kirche steht leer und verlassen
Milly Hilgenstock /tłum. Ewa Maria Slaska (2019)

Cichy jest kościół, opuszczony
Es liegt an der Bernauer Straße
Inmitten der Stadt Berlin
Die Kirche, die jetzt verlassen,
Es steht eine Mauer darin.
Es mahnten so viele Stunden
Versöhnungsglocken die Stadt.
Sie klagten über die Wunden
Die Krieg uns geschlagen hat.
Nun sind die Glocken verklungen,
Vermauert die Kirchtür, das Tor.
Und wo Lieder gesungen
Schweigt jetzt Gemeinde und Chor.
Die Uhr am Kirchturm blieb stehen
Bevor es Mitternacht schlug.
Wohin Herr sollen wir gehen?
Wann ist des Wartens genug?
Was will der Zeiger uns sagen,
Der fünf vor 12 blieb stehn?
Die Mauer hat uns zerschlagen,
wir können uns nicht mehr sehn.
Wir grüßen drüben die Brüder,
Die jetzt durch die Mauer getrennt.
Wir wissen, wir sehen uns wieder,
Der Herr die Seinen doch kennt.
Die Kirche steht leer und verlassen,
Kein Licht, kein Orgelton mehr.
Und an der Bernauer Strasse
Die Steine klagen so schwer.
Die Zeit mag das Kreuz verhöhnen,
Es bleibt, wenn die Mauer zerfällt.
Dann wird uns wieder versöhnen
Gott über den Mauern der Welt.
Ulica Bernauer w Berlinie,
Linia co środkiem miasta bieży,
Cichy tu kościół, opuszczony
Mur, wieża i dzwony na wieży.
Te dzwony od tylu brzmiały lat
na cześć i chwałę pojednania
Obiecywały szczęśliwy świat,
I koiły wojenne rany.
Teraz przebrzmiały dzwonów tony,
Zamurowany kościół i drzwi.
A gdzie pieśnią dźwięczały dzwony
Milczy nawa i niemy jest chór.
Zatrzymał się zegar na wieży,
zanim północ wybiła w mroku.
Pokąd Panie trzeba nam wierzyć?
I czekania czas kiedy minie?
Co mówią wskazówki zegara,
Zatrzymane tuż przed północą?
Mur nam się spotkać nie zezwala
Mur nas wypędził na krawędź dnia.
Nasi bracia, siostry czekają,
martwy nas od nich mur oddzielił.
Wiemy, kiedyś się znów spotkamy,
Pan pozna swoich, nie traćmy nadziei.
Cichy jest kościół, opuszczony,
Nie ma blasku świec i organów.
Na ulicy wiodącej do Bernau
Płaczą kamienie i kraczą wrony.
Lecz przyjdzie czas, że krzyż urośnie,
Doczekamy, strwożeni, słabi.
Bóg pojedna nas z sobą radośnie
I niech moc znowu będzie z nami.

Aus unseren Bücher suchte ich für Euch ein Gedicht, geschrieben als die Berliner Mauer errichtet wurde – 1961. Die polnische Übersetzung fertigte ich, als Ela Kargol mit Joanna Trümner auf diesem Blog über die Mauer schrieben; der Beitrag über Versohnungskapelle, in dem auch dieses Gedicht seinen Platz fand, wurde veröffentlicht am 13. August 2019 zum Jahrestag der Errichtung der Mauer.

VHS-Antonstr-Mauerbuch – pdf zum Öffnen

Reblog (rbb): Wie ich mich auf Omikron einstelle

Aktuelle Studienlage – Wie ich mich auf Omikron einstelle

Eine biologisch-technische Assistentin bereitet PCR-Tests auf das Corona-Virus von Patienten im PCR-Labor vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) für die Analyse vor. (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
Bild: dpa/Julian Stratenschulte

Milder als vorherige Varianten – aber auch so ansteckend, dass womöglich alle sich anstecken werden. Haluka Maier-Borst hat die neuesten Erkenntnisse zur Omikron-Variante gesammelt und versucht, für seinen Alltag Schlüsse daraus zu ziehen.

A: “Was machen wir eigentlich, wenn einer von uns Omikron kriegt?”
H: “Dann haben wir es wohl sowieso alle. Was sollen wir dann zu dritt in Quarantäne machen?”
J: “Makrame-Schaukeln für unsere Pflanzen?”

Nach fast zwei Jahren Pandemie hat sich in meiner WG die Erschöpfung und der Fatalismus breit gemacht. Wieder ein Winter, in dem die Zahlen steigen. Wieder ein Winter, in dem Clubs zu sind und Konzerte ausfallen. Dazu die Aussicht, dass es noch schwieriger wird, das Virus aus den eigenen vier Wänden zu halten. So geht es uns, aber auch vielen anderen.

Vielleicht reicht es darum nicht, nur den Stand der Forschung zusammenzufassen. Vielleicht ist es wichtig, mögliche Schlüsse für den eigenen Alltag zu skizzieren. Weil aber Überschriften wie “Was Sie jetzt beachten sollten” manchen schnell zu lehrerhaft vorkommen und teilweise regelrecht triggern, funktioniert dieser Text anders. Es sind schlicht meine Schlüsse für die nächsten Wochen, basierend auf den aktuellen Studien. Sie sind sicher nicht perfekt. Sie sind nur eine erste Idee.

Es ist klar: Die Chance, dass ich Omikron bekomme, ist hoch

Die nahezu senkrecht steigenden Kurven für Großbritannien, Dänemark, Australien, die USA, Kongo, Angola… all das zeigt, dass die Omikron-Variante viel mehr Menschen ansteckt als zuvor. Das zeigt eindrücklich diese Sammlung an Grafiken des britischen Datenjournalisten John Burn-Murdoch [twitter.com].

Nichts deutet darauf hin, dass uns in Deutschland das erspart bleiben könnte. Im Gegenteil. Inzwischen zeichnet sich dieser Trend auch in Berlin ab, nachdem sich die Meldelücke der Feiertage langsam geschlossen hat. Und das wird sich wahrscheinlich weiter verschärfen.

In England war in der ersten Jahreswoche schätzungsweise eine von 15 Personen positiv [ons.gov.uk]. In London war es gar eine von zehn. Wir als WG stellen uns inzwischen auch darauf ein, dass es uns erwischen könnte. Heißt: Der Kühlschrank ist voll und fiebersenkende Medikamente sind zur Hand.

Aber die Chance auf einen schweren Verlauf ist geringer als vor einem Jahr

In meinem konkreten Fall (31 Jahre alt, keine bekannten Vorerkrankungen) sprach aber schon am Anfang der Pandemie eher wenig für einen schweren Verlauf, ganz unabhängig vom Impfstatus. Und bei Omikron scheint es so zu sein, dass grundsätzlich die Infektion weniger schwer die Lunge angreift [spektrum.de]. Auch das Risiko auf einen schweren Verlauf selbst bei Ungeimpften ist wohl um etwa ein Viertel geringer als bei Delta [imperial.ac.uk]. Allerdings muss man dabei mehrere Dinge beachten.

– Auch ein leichter Verlauf könnte immer noch bedeuten, dass ich ins Krankenhaus muss, nur eben ohne Beatmung.
– Auch nach leichtem Verlauf kann man mitunter noch lange oder gar dauerhaft unter Atemnot und dergleichen leiden.
– Nach wie vor ist bei Geimpften das Risiko auf einen Krankenhausaufenthalt nochmal deutlich mehr verringert als bei den Ungeimpften.

Wenn ich aber ins Krankenhaus muss, könnte meine Versorgung schlechter sein als vor einem Jahr

Das wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Trotz Rekord-Inzidenzen sterben deutlich weniger Menschen an Covid als vor einem Jahr. Die neue Variante scheint zudem milder zu verlaufen.
Wieso sollte ich also in der Klinik eine schlechtere Situation vorfinden? Der Grund dafür ist, dass durch die höhere Übertragbarkeit mehr Menschen gleichzeitig das Virus haben werden, wenn es so weiter geht. Die Belastung für das System als Ganzes ist damit höher.

Nimmt man mal für ein simples Rechenbeispiel an, dass bei 1.000 Infektionen mit Delta 100 davon ins Krankenhaus müssen und es bei Omikron 75 sind, Omikron sich aber doppelt so schnell verbreitet wie Delta. Dann wären es bei einer im Fall von Delta unter Kontrolle stehenden Entwicklung so, dass auch in der nächsten Woche sich wieder 1.000 Menschen neu infizieren und davon 100 schwer. Bei Omikron dagegen sind es in der folgenden Woche schon 2.000 und 150. In der dritten Woche sind es dann schon bei 4.000 Neuinfektionen 300 neue schwere Fälle. Sprich das Gesundheitssystem würde selbst bei derselben Kapazität schneller an seine Grenze stoßen. Erkrankte würden potenziell schlechter versorgt.

Hinzukommt aber noch, dass – ausgebrannt durch die früheren Wellen – weniger Personal in den Kliniken zur Verfügung steht und von diesem Personal sich auch einige anstecken und in Quarantäne gehen müssen. Kurzum: Wer in den nächsten Wochen auf die Intensivstation muss, könnte noch mehr in Konkurrenz zu anderen Fällen stehen. Entsprechend hat es Sinn, das eigene und das Risiko anderer vor einem schweren Verlauf möglichst gering zu halten. Und das geht mit bekannten Mitteln.

Was hilft: Boostern – oder, wenn noch nicht geschehen, erste Impfung abholen.

Die Studienlage zu den Booster-Impfungen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gefestigt. Relativ klar ist, dass ein Booster mit den mRNA-Impfstoffen wirkt und auch Infektionen mit Omikron verhindern kann. Konkret liegt die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen wohl laut britischen Daten irgendwo zwischen 65 und 75 Prozent [gov.uk]. Eine andere frühere Studie hatte ähnliche Werte gefunden [khub.net.]. Das ist nicht so gut wie gegen den Wildtyp oder auch Delta, wo kurz nach der Impfung der Wert bei rund 90 Prozent lag. Aber es ist auch deutlich besser als die Mindestmarke von 50 Prozent, die für eine Zulassung für Impfstoffe angesetzt wurde.

Überhaupt hat es mir geholfen, gewisse Sachen noch mal in verschiedene Verhältnisse zu setzen und auch durchzurechnen. So zeigte zum Beispiel diese dänische Studie, dass Geboosterte sich bei Omikron drei Mal häufiger anstecken als bei Delta [medrxiv.org]. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass also gegen Omikron-Infektionen die Impfstoffe gar keinen Schutz bieten. Das stimmt aber nicht.

Nehmen wir mal die Zahlen zur Wirksamkeit aus Großbritannien. So bedeutet die Wirksamkeit von 65 Prozent Folgendes: Von 100 Menschen, die sich ganz ohne Impfung mit Omikron angesteckt hätten, stecken sich trotz drei Impfungen dann 35 immer noch an. Bei Delta waren es dagegen von den besagten 100 nur etwa 10. 35 durch 10, das ergibt 3,5 und ist in etwa der Wert der dänischen Studie. Es heißt aber eben auch, dass etwa zwei Drittel derer, die ohne Impfung sich angesteckt hätten, geschützt sind. Dieser Wert sieht gewissermaßen nur so schlecht aus, weil gegen Delta die Booster-Impfung hervorragend gewirkt hat.

Außerdem ist inzwischen auch klar, wie gut die Wirksamkeit gegen Krankenhausaufenthalte ist. Hier reden wir sogar vor einer Wirksamkeit von ungefähr 90 Prozent. Selbst die Spätentschlossenen mit momentan nur einer Impfung oder mit zwei Impfungen, die aber mehr als sechs Monate zurück liegen, haben schon einen gewissen Schutz. Das Risiko auf einen schweren Verlauf mit Klinikbehandlung ist bei ihnen halb so groß wie ohne Impfung. Selbst wenn man sich also geimpft anstecken kann, sind die Folgen vollkommen andere.

Insgesamt muss ich darum sagen: Wenn mir kurz nach der ersten Welle jemand einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 65 Prozent versprochen hätte, wäre ich heilfroh gewesen. Klar, ein an Omikron angepasster Impfstoff wäre noch besser, aber das eigene Risiko minimiert sich dramatisch mit der Impfung.

Auch imperfekte Tests können das Risiko minimieren

Immer wieder wird berichtet, dass die Schnelltests nicht anschlagen. Wir haben unter Kollegen und Kolleginnen oft auch darüber gesprochen. Gleichzeitig haben immer wieder Forscherinnen und Forscher berichtet, dass in Labortests sehr wohl die Antigen-Tests auf Omikron anschlagen. Was ist also das Problem?

Omikron ist ansteckender, auch weil wohl weniger Virusmenge nötig ist, um eine Person zu infizieren. Die meisten Schnelltests schlagen aber erst bei einer großen Virusmenge positiv aus. Das heißt: Eine Person kann mit Omikron infiziert und womöglich ansteckend sein, ohne dass der Schnelltest ausschlägt. Das Problem bestand schon bei der Delta-Variante des Coronavirus, hat sich durch Omikron aber verschärft.

PCR-Tests müssen wohl ebenfalls ein wenig mit Vorsicht interpretiert werden. Auch sie schlagen womöglich am ersten Tag einer Omikron-Infektion nicht sofort an, weil noch nicht genügend Viren und damit genügend Virus-Erbgut da ist, damit der Test anschlägt, wenngleich PCR-Tests um ein Vielfaches sensibler sind als Schnelltests.

Der Epidemiologe Michael Mina aus Boston fasst die Sachlage darum mit folgendem Fazit zusammen [twitter.com]: “Wenn Sie Symptome haben, gehen Sie erstmal davon aus, dass Sie positiv sind – egal was der Test sagt. Aber seien Sie sich auch sicher: Die Tests können Omikron finden – nur nicht unbedingt an Tag 1.” Entsprechend haben wir ein paar Tests zu Hause, lassen uns regelmäßig bei der örtlichen Apotheke in der Nase bohren und wissen auch, wo die öffentliche PCR-Teststelle in der Gegend ist.

Für alles Weitere gilt: Abwägen

Ja, es gibt die Einzelberichte von Menschen [cnn.com], die sich in der Quarantäne womöglich über einen Hotelflur hinweg mit Omikron angesteckt haben. Und es wird sicher auch Menschen geben, die sich selbst umgeben von Erkrankten in einem gut besetzten Auto nicht angesteckt haben. Am Ende ist alles Biologie. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber eben mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten.

Der Wissenschaftsjournalist Lars Fischer hat das schon vor einer Weile ganz gut zusammengefasst, nämlich mit einem Vergleich der Infektion zum Würfeln einer bestimmten Zahl. Das eine ist das Risiko der einzelnen Situation, in der man anderen Menschen begegnet. Das ist gewissermaßen die Anzahl an Seiten, die der Würfel hat. Je weniger Seiten der Würfel hat, desto eher würfelt man eine Eins und infiziert sich. Das andere ist die Frage, wie oft man sich trifft beziehungsweise würfelt. Je häufiger man würfelt, desto eher erwischt man eine Eins. Und dann ist da noch der Effekt der Impfung, die Fischer gewissermaßen mit einem Extrawurf vergleicht. Sprich nur wenn man bei einem Wurf eine Eins gewürfelt hat und dann auch beim Extrawurf der Impfung eine Eins hat, ist man angesteckt.

Doch klar ist auch: Das Leben ist nicht nur ein Infektionsrisiko. Wir brauchen andere Menschen, wir brauchen Gemeinschaft. Entsprechend verstehe ich die, die sich mit ihren Freunden treffen wollen, und noch mehr die Eltern, die ihre Kinder nicht wieder im Distanzunterricht sehen wollen. Aber beim einen ist vor allem die Frage, wie oft man würfelt (muss ich drei Mal die Woche in die Kneipe mit den Kumpels?). Und beim anderen, wie man das Risiko der einzelnen Situation mindert (Könnte man mit Tests, Lüfter, Masken im Unterricht, kürzeren Unterrichtsstunden entgegenwirken?). Kompromisse zu schließen, kann das Infektionsrisiko senken und gleichzeitig dafür sorgen, dass man in diesem zweiten Corona-Winter nicht vor Einsamkeit eingeht.

Und vor allem wichtig: nicht an einfache Gewissheiten klammern

Eine letzte Sache ist vielleicht aber am wichtigsten in der Pandemie – und die hat wenig mit Impfstoffen, Tests und Masken zu tun. Es ist die Art zu denken.

Da ist zum einen das Akzeptieren der Tatsache, dass es keine einfachen Gewissheiten und Lösungen gibt. Ja, es stimmt: Mehr Kinder, mehr Erwachsene waren 2021 von Depressionen betroffen als in Vorjahren. Das ist eine Tragödie. Aber die Alternative ist eben nicht ein normaler Berufs- und Schulalltag ohne Maßnahmen, wie wir ihn vor Corona kannten.

Zu glauben, dass zum Beispiel Kinder glücklich sind, während eine Pandemie durchs Land schwappt, solange sie nur in die Schule können, ist für mich eine absurde Idee. Die Frage ist eher, wie man angesichts dieser Umstände am besten so etwas wie Normalität etabliert. Wie man testet, schützt und Menschen in Krisen psychisch unterstützt. Wie man körperliche und geistige Gesundheit von allen in der Gesellschaft so gut es geht austariert.

Gleiches gilt auch für den Umgang mit Prognosen, Modellen, Szenarien. Nur weil sie nicht eins zu eins eintreten, heißt das nicht, dass da lauter Ahnungslose am Werk sind, so wie es gerne ein paar meinungsstarke Lautsprecher erklären. Es zeigt vielmehr, dass es verdammt schwierig ist, das Verhalten eines neuen Erregers bei Millionen von Menschen mit unterschiedlichem Impfstatus, verschiedenem Verhalten und unterschiedlichen Einflussfaktoren abzuschätzen. Und trotzdem kann die grobe Abschätzung, was als nächstes kommt, dabei helfen, richtig zu reagieren.

Der andere Teil dieses “pandemischen Denkens” ist aber der Wille, sich zu korrigieren und zu lernen. Als die ersten Fälle in Bayern auftauchten, waren einige von der Akribie der Ärzte vor Ort beeindruckt. Man hatte nachvollzogen, dass Patient Null den anderen einen Salzstreuer gegeben hatte und vermutete, das er darüber diese angesteckt hatte [reuters.com].

Zwei Jahre später wirkt das natürlich geradezu absurd, Man weiß inzwischen, dass sich der Erreger über die Luft überträgt. Wer welchen Salzstreuer in der Hand hielt, ist vollkommen egal. Nur das heißt eben nicht, dass die Leute vor zwei Jahren dumm waren. Sie wussten es nicht besser – und das ist ein feiner Unterschied.

Ich habe vor ein paar Wochen geschrieben, dass man eher auf Dänemark als auf Großbritannien schauen sollte, wenn es um die Pandemiebekämpfung geht. Rückblickend war das zu einfach formuliert. Denn ja, die Informationspolitik der Dänen war sicher besser als hierzulande. Aber das Fallenlassen von allen Maßnahmen war zu früh. Eine Pandemie endet nicht von einen auf den anderen Tag. Man erreicht nicht die Herdenimmunität und dann endet der Spuk schlagartig.

Selbst die besten Forscherinnen und Forscher, die besten Politiker und Politikerinnen haben sich geirrt und werden sich irren, selbst wenn sie sich so gut es geht informieren und ihre Arbeit so gut es geht tun. Das größere Misstrauen sollte man nach zwei Jahren Corona-Achterbahn gegenüber denen haben, die sich kein einziges Mal korrigiert haben.

Reblog: Bahnfahrt

18.755 Kilometer in 21 Tagen

Die längste Zugstrecke der Welt führt von Portugal nach Singapur

Ein paar Eisenbahn-Nerds haben errechnet, dass man dank der neuen Eisenbahn zwischen Laos und China nun von Portugal nach Singapur durchgehend mit dem Zug reisen kann.

Von Lagos im Süden Portugals ist es jetzt möglich, bis nach …
… Singapur in Südostasien mit dem Zug zu reisen. Dauert halt ein bisschen länger.
Möglich ist dieser Megatrip, weil Anfang Dezember 2021 China die erste Teilstrecke der “Neuen Seidenstraße” durch Südostasien eröffnet hatte.

18.755 Kilometer in 21 Tagen, von Südeuropa bis an die Südspitze der Malaiischen Halbinsel, alles mit dem Zug: Nach Ansicht von Experten wurde ein neuer Rekord für die längste ununterbrochene Bahnfahrt aufgestellt. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um eine Direktverbindung.

Möglich ist dieser Megatrip, weil Anfang Dezember 2021 China die erste Teilstrecke der “Neuen Seidenstraße” durch Südostasien eröffnet hatte. Nach fünf Jahren Bauzeit wurde der rund 400 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen der laotischen Hauptstadt Vientiane und der chinesischen Stadt Kunming fertiggestellt: Über den Grenzbahnhof Boten werden Vientiane und Kunming über 242 Tunnel und Brücken durch bergiges Terrain verbunden.

Mehrere Zwischenstopps

Die Anbindung von China an Laos ermöglicht nun die wohl längste Zugverbindung der Welt, wie es Reddit-Nutzer gemeinsam mit dem britischen Eisenbahn-Enthusiasten Mark Smith ausgerechnet haben: Start der Rekordreise ist die Stadt Lagos in der Algarve im Süden Portugals. Weiter geht es über das französische Hendaye im Baskenland und über Paris nach Moskau.

Mit der berühmten Transsibirischen Eisenbahn geht’s weiter bis nach Peking. Kurzer Zwischenstopp in Kunming – der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan –, und weiter geht die Reise in die laotische Hauptstadt Vientiane. Über Bangkok und die drei malaysischen Städte Padang Besar, Penang und Kuala Lumpur erreicht man schlussendlich nach mindestens dreiwöchiger Reisedauer Singapur.

Auf der Route müssen Reisende in Lissabon, Madrid und Paris jeweils einmal und in Moskau und Peking zweimal übernachten, um die weiteren Anschlusszüge zu bekommen. Bei fünf so spannenden Hauptstädten sind diese Stopps aber wohl eher als eine Bereicherung zu sehen.

Die Kosten für eine Fahrt auf der längsten Bahnstrecke der Welt belaufen sich laut “Daily Mail” auf etwa 1.200 Euro – in eine Richtung.

Przeszłość fotografii

Seit wann gibt es Fotografie?

Die Wurzeln der Fotografiegeschichte liegen weiter zurück, als wir annehmen: Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus beschrieb Aristoteles die Camera Obscura. Hierbei wird ein Bild in das Innere der Lochkamera projiziert. Durch eine kleine Öffnung sieht man die auf dem Kopf stehende Projektion der Außenwelt. Die Camera Obscura gilt als Urstein fotografischer Verfahren – sie ebnete den Weg für weitere revolutionäre Erfindungen.

Wer erfand die Fotografie?

Joseph Nicéphore Niépce (auch Nièpce oder Niepce) und Louis Daguerre gelten als die Erfinder der Fotografie:

  • 1826 gelang es Joseph Nicéphore Niépce, das erste beständige Bild aufzunehmen. Dafür belichtete er eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte – und das 8 Stunden lang! Nièpce wählte ein naheliegendes Motiv: den Ausblick aus seinem Arbeitszimmer im französischen Saint-Loup-de-Varennes.
  • Der Maler Louis Jacques Mandé Daguerre war so begeistert von der Errungenschaft, dass er Nièpces Partner wurde. Er tüftelte weiter an der Technik und entwickelte ein Verfahren mit Kupferplatten und Quecksilberdämpfen, welches eine deutlich kürzere Belichtungszeit ermöglichte.
  • Damit fand Daguerre 1839 mit der nach ihm benannten Daguerreotypie einen Weg, Fotografie erstmals kommerziell für Portraits zu nutzen. Hier begann die bahnbrechende Erfolgsgeschichte der Fotografie.
  • William Henry Fox Talbot entwickelte wenige Jahre später das Negativ-Positiv-Verfahren. Mit seiner Hilfe konnten Fotografen nun ihre Bilder durch Negativabzüge vervielfältigen.


Fotografie Geschichte damals wie heute: Selfies und „sex sells“

Bevor Fotografie zur eigenständigen Kunstgattung aufstieg, dominierte insbesondere Malerei die Kunstszene. Noch im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Fotografen von Künstlern als minderwertige Rivalen angesehen. Traditionell ließ man sich zu dieser Zeit von Malern porträtieren, die nun um ihre Daseinsberechtigung fürchteten. Dennoch integrierten die ersten Künstler Fotografie in ihren Arbeitsprozess.

Das erste “Selfie” der Geschichte nahm 1839 der amerikanische Lampenhersteller und Fotografie-Enthusiast Robert Cornelius auf: mit Hilfe der Daguerreotypie. Geschäftstüchtige Fotografen erkannten sofort den kommerziellen Mehrwert der Reproduzierbarkeit der Bilder.

Aktfotografen wie Alexis Gouin oder Bruno Braquehais produzierten in den 1850er Jahren mit ihren erotischen Darstellungen die Vorläufer klassischer Pin-up-Fotos. Diese fanden reißenden Absatz, was nicht verwunderlich ist: „Sex sells“ – daran hat sich auch heute nichts geändert. Nach wie vor gehören Aktbilder zum festen Repertoire vieler Fotografen, doch nur wenige finden den schmalen Grat zwischen Ästhetik und Erotik.

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Aber es ist alles nicht so eine simple story, wie man sie hier, im rebblogten Text und beigefügten Film(chen) darstellt, weil eben die Camera Obscura schon in der Antike bekannt war und den findigen und pfiffigen Künstler dies zu tun ermöglichte, was von der Welt als schier Unmögliches, ergo – Wunder, ergo – Schwarz Magie, klasifiziert wurde. Eine solche Geschichte erzählt ein deutscher Schriftsteller, Mathias Gatza in seinem faszinierendem Roman Der Augentäuscher (siehe oben). Ich werde Euch nicht erzählen, worum es in diesem Buch geht. Es ist so lustig, ironisch, gesellschaftskritisch und interessant, dass Ihr es einfach lesen musst.