Frauenblick. Prag 2. Barataria.

Monika Wrzosek-Müller

„Man braucht in Prag nicht verwurzelt zu sein; es ist eine Heimat für Heimatlose“ schrieb Joseph Roth.

Sie war in Prag und fühlte genau das, was ihr der berühmte österreichisch-europäisch-jüdische Schriftsteller ins Ohr geflüstert hatte und ging, spazierte und bummelte weiterhin durch die prunkvollen Straßen und die prächtigen Gassen, dabei schaute sie sich neben den wunderschönen, manchmal wirklich traumhaften Fassaden genauer die Passanten an.
Plötzlich hatte sie eine Eingebung, einen Geistesblitz: ihre Reisen nach Indien, Tunesien, Sri Lanka, Marokko, Italien, Frankreich immer und immer wieder, war das nicht auch die Suche nach Don Quixotes legendärer Insel Barataria; jedes Leben war von einer Suche und den Kämpfen mit Windmühlenflügeln bestimmt, auch solchen, die im Kopf stattfanden: nur man musste den Mut haben, sich gegen sie zu stellen und etwas für sich zu finden. Aber letzten Endes suchte jeder seine glückliche Insel, sein persönliches Barataria, wenigstens einen kleinen Hoffnungsschimmer. Insofern schrieben wir alle an einem Thema!
All die Menschen, die hier in Prag herumschwirrten, wie Heuschrecken die Baudenkmäler belagerten, von einem Baudenkmal zum anderen hinzogen: sie alle suchten offensichtlich auch nach Erlösung, nach Antworten, nach etwas, was sie ablenken würde. Sie sah das in ihren Gesichtern, in ihren Blicken; an dem manchmal hastigen und nervösen und dann wieder ganz verträumten, phlegmatischen Gesichtsausdruck. Schon die Art, wie sie gingen, ihre Gangart verriet oft, ob sie Touristen oder Einheimische waren, oder woher sie kamen: zugegeben echte Prager waren äußerst selten zu finden. Vielleicht waren sie, die echten Prager, alle emigriert, wie Madeleine Albright oder Ivana Trump oder Milan Kundera und Milos Forman, um nur die berühmtesten zu nennen. Der Gang der Touristen war schlendernd, stockend und sie waren eher in Sneakers, Doc Martens und anderen Sportschuhen bekleidet. Anders die Tschechen, die tschechischen Frauen trugen eher Stiefel, manchmal sogar mit ziemlich hohen Absätzen; sie gingen energisch, zielsicher und schnell. Viele der jungen Frauen waren auch sehr hübsch.
Meistens zogen sie die puppenhaften Gesichter der asiatischen Mädchen magisch an; sie gingen oft zu zweit oder aber auch in kleinen Gruppen, sehr schick angezogen, mit dem Handy in der Hand. Der Blick war eigentlich eher in sich gekehrt. Sie schienen die Außenwelt nur bedingt wahrzunehmen, auch wenn sie ständig Fotos, hauptsächlich aber eigentlich Selfies schossen, für die sie peinlich genau aufpassten, wie sie aussahen. Sie konnten ganz lange und geduldig ihren Schal, ihre Haare zurechtmachen, die Schminke ihrer Lippen noch mal korrigieren, sich sprichwörtlich die Nase pudern, bevor dann ein Foto gemacht wurde. Diese Mädchen kauften in den Souvenirläden und in anderen Läden, von denen es hier tausende gab, alles Mögliche ein; liefen dann mit ganz vielen Einkaufstüten herum, schauten immer wieder in die Tüten rein, so als ob sie sich vergewissern wollten, was sie denn alles eingekauft hätten. Sie versuchte herauszukriegen, was es war, doch es ging nicht, es handelte sich um ganz unterschiedliche Sachen. Manche kauften einfach neue Kleidung, andere irgendwelches Kristallglas, wieder andere etwas Bijouterie: die tschechischen Granatsteine und andere Halbedelsteine waren sehr begehrt, doch durchaus auch Mützen und Schals wurden in großen Mengen gekauft. Es gab unter ihnen Kundschaft für die ganz teuren italienischen MarkenLäden, aber nicht nur; als Verkäufer bei Gucci, Fendi, Ferragamo, Dior, Bulgari, Hogan, Geox, Luisa Spagnioli, Dior, Chanel, Escada usw… standen auch oft asiatisch aussehende junge Menschen. Es war offensichtlich ein großes Geschäft, diese Mädchen zufrieden zu stellen. Sie hatte den Eindruck, Prag bildete eine angemessene Kulisse, um so viel Geld auszugeben. Dasselbe hatte sie in Florenz, Rom und Mailand erlebt, dabei aber gedacht, es ginge um italienische Mode.
Dann gab es ganze Gruppen von hauptsächlich Chinesen, die sehr brav und diszipliniert dem Führer durch das Labyrinth der Gassen folgten. An den Gesichtern konnte sie keine Müdigkeit aber auch keine Neugierde, eigentlich sehr wenig Rührung erkennen, manchmal sahen sie etwas verschreckt aus. Sie wurden zu sechs oder siebt in die old cars gesteckt und durch die Altstadt kutschiert; die richtigen Pferdekutschen kamen offensichtlich erst im Frühjahr zum Einsatz. Wie viel sie wirklich von den historischen Verwicklungen der tschechischen Geschichte verstanden, konnte man nicht wissen. Aber man sah sie überall, auch auf dem jüdischen Friedhof und in den Synagogen, das war auch ein Teil des Pflichtprogramms. Sie dachte an sich selbst in den indischen Tempel und an die verwunderten Blicke der Einheimischen, wahrscheinlich waren sie auch überrascht, warum sie da herumging und so völlig fehl am Platz wirkte.
Erstaunlich viele Gruppen von Italienern gingen durch diese Hollywood-Kulisse, meistens mit ihren eigenen Reiseführern, die ihnen alles erklärten – wo sie zu frühstücken hätten, wo es den besten Kaffee gebe, was und wo sie zum Lunch essen sollten, und letztendlich dass alles sowieso italienisch sei, denn es seien doch die italienischen Architekten gewesen, die diese Wunder an Bauwerken vollbracht hätten. Offensichtlich liebten die Italiener sich selbst in dieser Rolle, nie hat sie so viele andächtig zuhören gesehen. Sie strömten auch in die diversen Konzertsäle der Stadt. Kauften dafür weniger, sorgten aber mit ihrer aufgeregten und empathischen Art zu reden, zu lachen, sich zu unterhalten für ein sehr fröhliches Straßenbild.
Noch eine Nationalität war ihr aufgefallen, leider sehr negativ; sie war aber so sichtbar, dass man kaum die Augen zu machen konnte, und so laut, dass man sie auch mit Ohropax noch hörte: das waren die schottischen Jungs, die manchmal in Kilts, und T-Shirts, johlend schon am Vormittag, wahrscheinlich vom Bier betrunken, über das Kopfsteinpflaster stolperten. Abends waren sie dann kaum mehr fähig ihren aufrechten Gang zu halten, doch dafür laut genug, um gehört zu werden. Die suchten wirklich nur günstige Möglichkeiten, sich volllaufen zu lassen und viel zu essen.
Es gab auch Paare, die offensichtlich ihre Flitterwochen hier verbrachten; sie machten dann auch romantische Fotos am Moldauufer, mit Aussicht auf den Hradschin, vor der atemberaubenden Kulisse der Burg. Manche brachten dann schicke Schuhe, manchmal einen besonderen Hut mit, kleideten sich schnell auf der Bank um und ein Freund aber oft auch ein professioneller Fotograf machte dann Fotos in verschiedenen Posen.
Es gab auch Nachtbesichtigungstouren durch das magische Prag; da stand plötzlich, während sie mit ihrem Hund Gassi ging, ein junger Mann mit Hellebarde und Laterne vor ihr, mit großem schwarzen Hut und Umhang bekleidet, der meistens auf Englisch die Geschichten vom Golem, vom Ghetto, dem Rabbi Löw, dem Kaiser Rudolf II erzählte. Eine Gruppe junger, meistens aus verschiedenen Länder stammenden Menschen hörten ihm zu, lachten, fragten. Der Ausflug endete meistens in einer der vielen traditionsreichen Bierkneipen

Błędne mapy (nie ma Baratarii)

Wiadomo Komu w podziękowaniu za wieczór filmowy i film

Ewa Maria Slaska

Obejrzałam film Błędne mapy w reżyserii Szymona Uliasza na podstawie scenariusza Magdaleny Barbaruk, kulturoznawczyni, zajmującej się współczesnym trwaniem dziedzictwa Cervantesa
i nowymi obliczami donkichotyzmu. Film został wyprodukowany już kilka lat temu, po hiszpańsku i po polsku, w ramach projektu badawczego realizowanego dla Narodowego Centrum Nauki. Niestety mimo iż film był sponsorowany przez NCN, a od czasu jego produkcji minęło już siedem lat, nadal nie ma go na youtubie, w cda i na zalukaj.

Szkoda. Opowiem więc wam o tym filmie.

Autorzy wyszli od pierwszego zdania powieści: W pewnym miejscu w La Manchy, którego nazwy nie chcę pamiętać… „W pewnym miejscu”, czyli właściwie gdzie? Od dawna wiele miejscowości w tym regionie Hiszpanii pretenduje do miana „tego miejsca”. Twórcy filmu postanowili to wyjaśnić.

Film jest esejem antropologiczno-kulturoznawczym. Jego twórcy wędrują po La Manchy w poszukiwaniu Don Kichota, próbując powtórzyć słynną podróż literacką zrealizowaną w trzechsetlecie powieści Cervantesa (1905) przez Azorína, którą nazywa się “starą trasą Don Kichota”. Polacy wędrują już jednak po “nowej trasie”. Spotkane przez ekipę filmową postaci, obserwowane wydarzenia (np. Madryt podczas strajku śmieciarzy) stają się okazją do zaktualizowania wzorca podróży sprzed stu lat. Za stolicę nowej trasy, która powstała z okazji czterechsetlecia powieści (2005), uznać można prowincję Ciudad Real, gdzie do 2012 roku zapowiadano utworzenie „Królestwa Don Kichota” i zbudowano lotnisko „Don Kichota”. La Mancha z miejsca tranzytowego miała stać się regionem docelowym setek tysięcy turystów. W obliczu idei budowy gigantycznego parku tematycznego, opartego na figurze błędnego rycerza, spór o to, gdzie leży prawdziwe un lugar de la Mancha nabrał nowego sensu. Podróż stała się również refleksją nad przemianami krajobrazu La Manchy – nie ma już bowiem krajobrazu, który widział Cervantes i po którym wędrował jego bohater. Więc już z góry wiadomo, że nie da się wędrować po śladach Don Kichota. Podobnie jak tak naprawdę nie ma Baratarii, bo baratarystyczna wędrówka prowadzi przez obszary psychologii. Stąd specjaliści w dziedzinie marketingu wymyślili hiszpański narodowy Disneyland  – Królestwo Don Kichota i Park Rozrywki.
***
Ale mimo to wciąż ktoś szuka miejsc, które zdaniem Cervantesa odwiedzili Don Kichot i jego giermek. Kilka lat temu na trasę ruszyli Aron Moses i jego ojciec. Zaczęli za Madrytem. Przeszli tysiąc kilometrów. (Kto zna niemiecki może zajrzeć TU.)
Ale i oni nie dotarli do Baratarii. I… w swej relacji nie zamieścili żadnej mapy 🙂

Mapę znajdę dopiero na oficjalnej stronie rządowej, promującej Hiszpanię.
Trasa obejmuje następujące etapy:

Dzień 1. Alcala de Henares (miejsce urodzin Cervantesa)
Dzień 2. Madryd
Dzień 3. Esquivias – Toledo
Dzień 4. Consuegra – Alcazar de San Juan
Dzień 5. Campo de Criptana – El Toboso
Dzień 6. Argamasilla de Alba – Ossa de Montiel – Villa Nueva de los Infantes
Dzień 7. Ciudad Real – Almagro

Tata i syn Mosesowie zaczynają od wędrówki przez mesetę, bezdrzewną równinę Hiszpanii, świetnie znaną każdemu, kto kiedyś szedł trasą francuską do Santiago de Compostela. Nie tłumaczę opisu ich wędrówki, jest za długi, ale postaram się w skrócie opowiedzieć o ich trasie.

Już z daleka widzimy Toledo, kościoły i domy na wysokiej skale nad Tagiem. Cervantes uważał, że Toledo jest najpiękniejszym miastem hiszpańskim. Być może dlatego cała historia Don Kichota zaczyna się właśnie tu, na targu w Toledo, gdzie narrator kupuje od pewnego młodzieniaszka zapisane po arabsku szpargały, które okazują się ni mniej ni więcej, tylko historią Don Kichota napisaną przez niejakiego Sidi Haméta Benengelíego. Narrator jest więc zaledwie tłumaczem.
Na południe od Toledo Mosesowie powędrują przez la Manczę. To arbskie słowo al-Mansha, które oznacza “suchy kraj”. Latem jest to rzeczywiście archaiczny suchy kraj, podzielony na czerwone i brunatne  kwadraty pól. Na wzgórzu w Consuegra fotografują jedenaście wiatraków, które są prawdziwym cudem techniki, jaki Arabowie zostawili w spadku Hiszpanom. Podobnie jednak jak nie wiadomo, w jakim miasteczku w la Manczy zaczyna się opowieść o Don Kichocie i skąd obaj, on i jego giermek, pochodzą, tak nie wiadomo też, które zachowane jeszcze z czasów Cervantesa wiatraki, stały się wyimaginowanymii wrogami błędnego rycerza. Może właśnie te? Nieważne, ważne że już na zawsze weszły do historii kultury, stając się symbolem wszystkiego, z czym kiedykolwiek przyszło walczyć idealistom.

Wiele scen powieści rozgrywa się w oberżach i zajazdach – w La Manchy niemal w każdym miasteczku można więc zobaczyć blaszane sylwetki Rycerza o Smętnym Obliczu i jego giermka. Tak też jest w Puerto Lápice. Wg powieści tu właśnie, w “Venta de Don Quijote”, Don Kichot został przez złośliwego oberżystę pasowany na rycerza, stoczywszy jednak najpier zaciekłą walkę z bukłakami czerwonego wina.

Wzorem Don Kichota i Sancho Pansy Mosesowie często gęsto śpią na świeżym powietrzu, czasem jednak korzystają z gościny w pensjonatach. Pewnego dnia docierają do Villanueva de los Infantes, małego miasteczka, pełnego domów z czasów reneansu i baroku, jednogo z tych, skąd pochodzić miał błędny rycerz. W Ruidera, gdzie kilkanaście jezior rozciąga się jedno za drugim schodzą do podziemnego labiryntu jaskiń, w którym zbłąkali się też 400 lat temu nasi bohaterowie. Don Kichot wierzył, że znalazł tam kryształowy pałac i spotkał bohaterów legend o Królu Arturze.

W Argamasilla de Alba, w podziemnym więzieniu miał spędzić jakiś czas nie tyle nasz chudy szaleniec, ile sam autor opowieści o nim. Podobno wtedy właśnie zaczął pisać tę historię. Mieszkańcy wioski i pracownicy muzeum wierzą bez zastrzeżeń, że tak właśnie było. Podobno nie ma na to żadnych dowodów. No i co? Idźcie do muzeum, zobaczcie stół, krzesło, kamienną ławę przykrytą matą słomianą, obejrzyjcie, jak przez małe okienko wpadają promnienie słońca i oświetlają stół. Jeszcze macie wątpliwości, że to tu? Doprawdy jesteście niepoprawnymi realistami, jak owi historycy, przykuci do skały dokumentu i dowodu, a całkowicie pozbawieni fantazji.

El Toboso, miasto Dulcynei, wędrowcy uważają z jedno z najpiękniejszych miasteczek La Manczy. W El Toboso mieszkała przed ponad 400 laty Ana Zorca de Morales, z którą Cervantes przeżył podobno gorącą hiszpańską miłostkę. Jej dom to kolejne muzeum na trasie: “Museo Casa Dulcinea”, a parę ulic dalej można jeszcze odwiedzić “Biblioteca Cervantina” – zbiór dzieł sztuki, wydawnictw, karykatur oraz ponad 300 wydań książkowych w 50 językach, w tym po galijsku, arabsku, chińsku, persku, hebrajsku i esperanto. W księdze gości znajdują się podpisy znamienitych osobistości, króla Juana Carlosa, Margaret Thatcher, Ronalda Reagana, Richarda von Weizsäckera i Paula von Hindenburg. Franco, Mussolini i Hitler też się tu wpisali.

Pewnego popołudnia wędrowców zaskakuje burza. Całkowicie przemoknięci spotykają na drodze Frederica, starego wieśniaka z krzywym wąsem, w połatanym kaszkiecie na głowie. Frederico oferuje im nocleg w starej szopie, a potem przynosi im dzban wina i kolację – pieczonego kurczaka z kartoflami. Burza się skończyła, przez ciemne chmury prześwituje wieczorne słońce.

W zamku Belmonte Don Kichot stoczył pojedynek z rycerzem luster, a trasa prowadzi Mosesów dalej, przez pola wyschniętych słoneczników i porośnięte sosnami wzgórza do casas colgadas, wiszących domów w Cuenca. Dalej przez góry i wąwozy docierają do Ocana i Aranjuezu. To miasto letnich rezydencji hiszpańskich królów, malowniczo rozsianych nad brzegiem Tagu. Ani Ocany ani Aranjuezu nie ma na oficjalnej propozycji trasy Don Kichota. Ale co tam, każda trasa i tak doprowadzi wędrowca do  Madrytu i na Plaza de Espana, gdzie stoi wspaniały pomnik Cervantesa i jego błędnych bohaterów.

Tu się zaczyna albo tu się kończy każda wędrówka po błędnych trasach błędnych rycerzy.

PS. Gdy szukałam w internecie wspomnianego na początku filmu, ze zdumieniem stwierdziłam, że istnieje w sieci cała subkultura błędnych map – błędnych celowo i przez przypadek.

Frauenblick. Prag.

Monika Wrzosek-Müller

Mein Prag, die ersten Tage

Prag hat sie in Beschlag genommen. Eine Stadt, die wirklich verzaubert und vereinnahmt, so dass man an wenig anderes denkt, denken kann. So viel Schönheit aus allen Epochen, so viel Vielfalt hat sie selten erlebt. Alle Stilrichtungen der Architektur sind vertreten: Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Jugendstil, der böhmische Kubismus, Bauhaus und eine Menge der modernen experimentellen Architekturstile, die sie nicht zu benennen wüsste, die sich aber auch stolz präsentieren. Vieles sticht richtig ins Auge und breitet sich aus, wie in einem Lehrbuch für Architektur bei einem Spaziergang, besonders im Letna-Park, von dem ihr der Wahnsinnsausblick immer wieder den Atem stocken lässt. Im Moment sind wenig Touristen unterwegs, sie könnte sogar auf der Karlsbrücke verweilen und die Ausblicke genießen. Sie fühlt, dass in der Stadt verschiedene Kulturen aufeinander trafen und treffen, aber in weicher Variante, man erlaubt den anderen zu leben. Zugleich aber spürt sie so etwas, als ob die Stadt niemanden gehören würde, als ob sie für sich da stünde, eine wirklich globale europäische Stadt, weder deutsch noch jüdisch, aber tschechisch auch nicht. Wenn am Samstagabend die Kassiererin an der Kasse bei „Tesco“ zehn Personen auf Tschechisch immer wieder fragte, ob sie Kleingeld hätten, konnte ihr niemand in der Sprache antworten. Sie lächelte verschmitzt, als ich ihr dekuji sagte.

Zwar stehen in Prag viele tschechische Regierungsgebäude, doch den Tschechen gehöre sie auch nicht wirklich. Seit Jahrhunderten lebten hier Deutsche, Tschechen und Juden zusammen; dann kamen Vietnamesen und jetzt abertausende Touristen aus wirklich allen Ecken der Welt, erstaunlich viele aus asiatischen Ländern; Gruppen von sanft lächelnden asiatisch aussehenden Mädchen streifen durch die Straßen, kaufen in den tausenden Geschäften tausende Kleinigkeiten ein. Sie bestimmen das Bild der Stadt; auf sie stellt die Stadt sich um und davon lebt sie.

Für sie war aber erst mal wichtig, dass es eine weiche, harmonische, helle barocke Stadt ist, in sanftes Licht getaucht; oft steigen Nebelschwaden aus der Moldau hoch und die Sonnenstrahlen zerstreuen sich und tauchen die Stadt in einen goldenen Heiligenschein. Dann sieht man von oben nur die Konturen der Brücken, dadurch wirkten sie leichter, beschwingter, die Konturen der Kuppeln und der Türme; von da oben (den Letna-Park) scheint alles weit weg zu sein, am Horizont, hinter der Brücke, in Wirklichkeit aber ist fast alles zu Fuß zu erreichen in 10, 20 Minuten kann man in der Altstadt aber auch auf der Kleinseite alles erreichen. Natürlich geht sie auf den Wegen der Touristen, die waren auch sehr geschickt angelegt, so dass die Menschenströme später dann im Frühjahr oder Sommer gelenkt werden können: nach oben zum Hradschin, zum Veitsdom, nach unten zur Karlsbrücke, in die Mitte zum Altstädter Ring. Dafür wird man mit schönen Ausblicken belohnt, die Wege sind auch extra so gebaut, mit einer Bank zum Verweilen, oder einer Balustrade um sich daran anzulehnen, dass man länger sich auf ihnen aufhalten kann. Überall gibt es Hinweisschilder und man kann schnell zu einzelnen Denkmälern gelangen. Die Situation erinnert sie an Florenz, eine Stadt, die sich den Touristenmassen ergeben hat und eigentlich für sie existierte. Doch hier ist die Vielfalt und Größe vielleicht noch überwältigender.

Man kommt mit der Straßenbahn leicht überall hin; es gibt auch eine U-Bahn, doch die Stationen gehen so steil in die Tiefe hinunter, dass sie immer wieder Angst bekommt und die Straßenbahn vorzieht, außerdem kann man von der Straßenbahn am Fenster klebend die Fassaden der Häuser, der vorbei huschenden Bauten bestaunen. Natürlich gibt es für Touristen Kutschfahrten auch Bootsfahrten, allerdings in einem begrenzten Areal der Moldau, denn sie bildet Stufen. Man kann sich aus der Flotte von alten Automobilen in verschiedenen Farben eins aussuchen und durch die Altstadt rasen. Die jungen Leute ziehen neuerdings E-Roller, E-Scooter vor, auch wenn die meisten Straßen sich dafür eigentlich gar nicht eignen, sie sind nämlich mit Kopfstein gepflastert. Die Zahl der Cafés, Restaurants, Kneipen, Bistros ist schier unendlich; von edel bis Schnellimbiss ist alles dabei; auch Musik-, Jazzkneipen sind überall zu finden. Die Qualität des Essens ist gut bis sehr gut; die Touristen verschlingen alles, so dass es frisch ist, jeder kann für sich etwas finden.

Die Tschechen scheinen den Touristenrummel mit stoischer Ruhe zu ertragen, sie fallen nicht auf; ja sie sind fast unsichtbar in der Altstadt und auf der Kleinseite und doch müssten sie diese Stadt von irgendwoher dirigieren, leiten. Die meisten scheinen ihr sehr angenehm und zurückhaltend. Viele sprechen mehrere Sprachen, die jungen Leute meist eher Englisch.

Der Fluss Moldau bildet Mäander und kleine Inseln, die sich zum Spazieren sehr gut eignen. Wegen des Hundes entdeckte sie auch Kampa, die auf der Kleinseite gelegene Insel; durchzogen mit Kanälen, mit kleinen Brücken, kleinen alten Häuschen, wunderbaren Cafés, einem Museum für moderne Kunst und einen Skulpturenpark, das Ensemble präsentiert sich prachtvoll, wurde von Exiltschechen Jana und Medy Mladovych errichtet. Sie nannte es Kleinvenedig, jetzt, in Februar, ist noch alles eher leer und mühelos zu erreichen und zu durchwandern.

Auch hat sie Plattenbauten in den Peripherien von Prag entdeckt. Wie die französischen banlieues ziehen sich die Wohnblocks in die Täler und Hügel sternenförmig aus der Stadt hinaus, sie sind von Streifen mit Natur durchzogen, die wirklich sehr schön, naturbelassen wirken. Der Reiz dieser Landschaftsstreifen beruht auf den felsig-hügeligen Formationen, mit kleinen Waldabschnitten, dazwischen gibt es oft große Wiesen, die mit Obstbäumen bepflanzt sind; das müsste in Frühjahr toll aussehen, denkt sie. Die Plattenbauten sind selbst für sie, die aus Warschau kommt, gewöhnungsbedürftig, sie ziehen sich kilometerlang und haben somit mit der Altstadt und ihren Baudenkmälern nichts zu tun. Doch, wie ihre jungen Freunde feststellen, man lebt da angenehm, ist schnell in der Stadtmitte und vor Ort mit aller Infrastruktur ausgestattet.

Sie hat das Gefühl, die Stadt ist harmonisch und lebenswert, trotz der Touristen, wahrscheinlich doch wegen der Sehenswürdigkeiten und den jahrhundertealten, von Menschen für Menschen geschaffenen, gewachsenen Strukturen, auch die Lage mit den Hügeln, die Aussichten über größere Entfernungen erlauben, ist herrlich. Das bedeutet nicht, dass alles perfekt ist; dass alles zu bewundern gilt. Doch man merkt, dass Prag wieder zu seiner Größe zur Goldenen Stadt zurückgefunden hat.

Die ersten Tage waren sehr angenehm, hoffentlich nicht zu sehr…

KIG 115 (Reblog)

Ela Kargol

Tekst ze strony stowarzyszenia Städtepartner Stettin e.V. na FB / vom Fanpage des Vereins Städtepartner Stettin e.V. 

In Berlin und in Stettin / W Berlinie i Szczecinie

Vor 115 Jahren ist Konstanty Ildefons Gałczyński geboren, ein bekannter polnischer Dichter, der seine lyrischen Spuren sowohl in Berlin als auch in Stettin hinterlassen hat. Der Dichter arbeitete von 1931 bis 1933 als Kulturattaché bei der polnischen Botschaft in Berlin.

Er besichtigte Museen, unternahm viele Reisen und entdeckte für sich ein kleines Kabarett, nah am Potsdamer Platz.
“Die Katakombe” war ein politisch-literarisches Kabarett in Berlin, das von 1929 bis 1935 bestand.
Inge Bartsch, junge Schauspielerin und Sängerin, eine hübsche junge Frau mit roten Haaren, sang Tucholsky’s Texte: „du bist so stolz und fern, und hast mich doch so gern…”
Gałczyński war so beeindruckt, dass er über sie ein Gedicht verfasste, über sie und auch über den sich rasch entwickelnden Faschismus in Deutschland zu der Zeit.

Das ganze Gedicht ist unter diesem Link zu hören und zu sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=3hlExHOrr_g…

Meine damals 15-jährige Tochter Helena nahm vor sieben Jahren an einem Projekt “Poesie verbindet” teil, wo sie das Gedicht rezitierte, durch Inge Bartsch’s Berlin schlenderte und in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts abtauchte.

Nach Stettin kam Gałczyński im Frühjahr 1948. Ihn beeindruckten die Magnolien, die gerade blühten, das neue Haus in Pogodno mit großem Garten und Veranda, auch die Straßenbahn, die vorbeifuhr, der Wind, der von der Oder wehte und… damals auch das neue Polen. Er schrieb:

Tutaj mój port, tu słońce mam na czole
i dom i sad i kota – nie do wiary!
Natalia na werandzie Kira w szkole.
A babci wchodzą sny pod okulary…

Hier ist mein Hafen, hier strahlt die Sonne auf meinen Stirn.
Und Haus und Garten und Katze – nicht zu Glauben!
Natalia auf der Veranda, Kira in der Schule
und Großmutter kriechen die Träume unter die Brillen.

Bevor er Szczecin nach einem Herzinfarkt verlassen hat, gründete er den Club der 13 Musen, der bis heute existiert.
In diesem Club wird jedes Jahr Gałczynskis Geburtstag gefeiert. Diesmal ist es der 115.

***
115 lat temu urodził się Konstanty Ildefons Gałczyński, poeta berliński i szczeciński.
W obu miastach nie zabawił zbyt dlugo, ale na tyle wystarczająco, żeby zostawić liryczne ślady. Berlińskim śladem oprócz słynnego „Balu u Salomona“ jest z całą pewnością „Inge Bartsch“ wiersz, nie tylko o pięknej Indze, której głosem i urodą poeta się zachwycił, ale też o rosnącym w Niemczech faszyzmie.

Inge Bartsch nie jest postacią wymyśloną, istniała naprawdę, była aktorką, piosenkarką. Poeta trafił pewnego dnia w Berlinie przy Placu Poczdamskim do kabaretu Katakombe. Na afiszu widniały dwa nazwiska: Kurt Tucholsky i Inge Bartsch. Inge o płomiennych włosach i drobnej sylwetce śpiewała niskim głosem „du bist so stolz und fern, und hast mich doch so gern…” Kabaret, który zapewniał, że jest apolityczny, takim nie był. Nie trzeba było długo czekać. W 1935 na wyraźny rozkaz Goebelsa kabaret zamknięto, a Wernera Fincka, jednego z założycieli aresztowano.
Gałczyński był już wtedy w Wilnie.

Potem była wojna, mobilizacja i cudem uniknięta śmierć w Kozielsku, obóz jeniecki w Niemczech, Kraków i w roku 1948 Szczecin.

Do Szczecina przyjechał wiosną w porze kwitnięcia magnolii. Zachwycony ukwieconymi drzewami, krzewami, wiatrem od Odry, domem na Pogodnie, i nową Polską, a nawet tramwajem „jedynką“, chciał tu pozostać na dłużej. Z żoną, córką i teściową.

Tutaj mój port, tu słońce mam na czole
i dom i sad i kota – nie do wiary!
Natalia na werandzie Kira w szkole.
A babci wchodzą sny pod okulary
Nad klombem ptaka cień przefrunął modry.
Grzmi w rękopisie moim epopeja.
Dobrze mi tu. I wieje wiatr od Odry,
odurzający i zwycięski jak nadzieja.

W Szczecinie powstał Klub 13 Muz, którego poeta, jak legenda głosi był założycielem. Klub działa do dzisiaj.
Urodziny Gałczyńskiego obchodzi się w klubie co roku. W tym roku Salon Artystyczny Seniorów „13 Muz” przygotował interpretacje wierszy poety. Panie recytowały, tańczyły, Zielona Gęś gęgała, szczecinianie bili brawo. Całości dopełnił pokaz filmu „Adresy Konstantego”, według pomysłu i scenariusza Marka Brzezińskiego, a… Konstanty, gdyby żył, może łagodniej spojrzałby na „Bożą krówkę” i nie dziwił się, że zimą jest ich coraz więcej.

Nasz autor Mieczysław Węglewicz spędził dzień 115 urodzin Gałczyńskiego w leśniczówce Pranie – zob. TU

Worldwide Screening

Worldwide Screening on 75th International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust

We called for participation in the worldwide screening of “Shoah” by Claude Lanzmann. This can take place privately in a small circle, in a school, in a cinema, in a cultural institution or through a TV channel.

In the 9½-hour film “Shoah” both, surviving victims and perpetrators of the systematic extermination of Jews by the German Reich, have a chance to speak. Lanzmann worked on the film for eleven years, from 1974–1985. The Berlinale awarded the director the Honorary Golden Bear for his life’s work in 2013. His film is regarded as an »epochal masterpiece of memory studies«.

January 27, International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust, was introduced by the United Nations in 2005 to commemorate the Holocaust and the liberation of the Auschwitz-Birkenau concentration camp on January 27, 1945. The Auschwitz-Birkenau concentration camp was the largest German extermination camp during National Socialism. About 1.1 million people were murdered there. A total of over 5.6 million people fell victim to the Holocaust.

Until January 20th we will collect information about the screening you have organized. Please send us an to worldwidescreening@literaturfestival.com so that we can communicate the events on our website www.worldwidereading.com.

Here you find a list of participants. There will be screenings in Austria, Canada, Chile, France, Germany, Great Britain, Greece, Italy, Nigeria, Spain, USA.

Worldwide Screening am 75. Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust

Das internationale literaturfestival berlin [ilb] rief Personen, Schulen, Universitäten, Medien und kulturelle Institutionen zu einer weltweiten Filmvorführung von »Shoah« von Claude Lanzmann am 27. Januar 2020 auf. Damit knüpft das ilb an die Serie der weltweiten Lesungen an, die es seit 2006 zu verschiedenen Themen, vor allem auf die Menschenrechte bezogen, organisiert hat.

In dem 9½-stündigen Film kommen überlebende Opfer wie Täter der systematisch betriebenen Vernichtung der Juden durch das Deutsche Reich zu Wort. Lanzmann arbeitete an dem Film elf Jahre, 1974-1985. Die Berlinale verlieh dem Regisseur 2013 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

Der 27. Januar, Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, wurde 2005 von den Vereinten Nationen eingeführt, um dem Holocaust und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 zu gedenken. Bei dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau handelte es sich um das größte deutsche Vernichtungslager während des Nationalsozialismus. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet. Insgesamt fielen über 5,6 Millionen Menschen dem Holocaust zum Opfer.

Bis zum 20.1. nehmen wir gern noch Veranstaltungshinweise an. Bitte schicken Sie uns eine Nachricht über Ihre Veranstaltung an worldwidescreening@literaturfestival.com. Auf unserer Website www.worldwidereading.com werden wir diese Informationen einstellen.

Eine aktuelle Veranstaltungsübersicht finden Sie hier. Es wird Veranstaltungen in Chile, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, Nigeria, Österreich, Spanien und USA geben.

Trailer #ilb19
With this video we commemorate a great festival in 2019 and look forward to the 20th ilb in Septembre 2020.

https://www.literaturfestival.com/%2B%2Bresource%2B%2Bcollective.flowplayer/flowplayer.swf

Mit diesem Video blicken wir zurück auf ein großartiges Festival in 2019 und schauen vorfreudig auf das 20. Jubiläum des ilb im September 2020.

internationales literaturfestival berlin
Chausseestr. 5
10115 Berlin
Fon +49 (0) 30 – 27 87 86 65
Fax +49 (0) 30 – 27 87 86 85
presse@literaturfestival.com

www.litfestodessa.com
www.worldwide-reading.com
www.comics-berlin.de
http://www.wordalliance.org
20. internationales literaturfestival berlin | 9-19. September 2020
#ilb20 #ilb2020


In Berlin gibt es Vorführungen sowohl heute als auch morgen:

Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sonntag, 26.01.2020
10.00 – 21.00 Uhr
Eintritt frei, Anmeldung unter
https://calendar.boell.de/de/civi_register/139583
https://calendar.boell.de/de/event/claude-lanzmann-shoah

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
Berlin
27.01.2020
10 Uhr
https://www.adk.de/de/programm/index.htm

Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin
27.01.2020
13 Uhr
Eintritt pro Teil: 5 EUR. Alle vier Teile: 15 EUR
https://www.brotfabrik-berlin.de

KulturMarktHalle
Hanns-Eisler-Str. 93
10409 Berlin
26.01., 12.00 Uhr (mit vier kleinen Pausen)
www.kulturmarkthalle-berlin.de

Container
Am Weidendamm 3
10117 Berlin-Mitte (Nähe Bahnhof Friedrichstraße, der Eingang wird ausgeschildert)
Sonntag, 26.01.2020, ab 13 Uhr in drei Etappen  (3,5h, 3h, 3h – jeweils eine Stunde Pause zwischen den Teilen)
Alle Mitschauenden werden gebeten, Essen und Getränke mitzubringen, damit in den Pausen zusammen gegessen werden kann
Interessierte werden gebeten ihr Kommen kurz per Mail an
verfolgt-verschwiegen-vergessen@riseup.net anzukündigen

Janusz-Korczak-Bibliothek
Berliner Straße 120
13187 Berlin
26. Januar, 10.00 – 19.30 Uhr
http://stadtbibliothek-pankow.berlin.de

SANDALIA – Un’isola a Berlino
Schillerstraße 106, 10625 Berlin-Charlottenburg
Montag, 27. Januar 2020, 11.00 Uhr – 21.00 Uhr
Eintritt frei
www.sandalia.org

 

Barataria. Reblog. Rittertum.

Don Kichot gilt als letzter Beweis, dass das Rittertum Mal von Bedeutung war. Jetzt sagen die Wissenschaftler, dass es vom Anfang an eine Illusion war, ein Image-Konstrukt, geschaffen am Hof und nicht auf dem Schlachtfeld. Die Bücher, die Don Kichote so gern gelesen hat, waren eben Teil dieses künstlich geschafenes Trugbildes. Dies bedeutet also, dass Don Kichote nicht DER Letzte war, der daran glaubte, edle Ritter durchwanderten Europas Landschaften, um den Bösen zu besiegen und den Unschuldigen zu helfen, sondern vielmehr er DER Einzige war, der dies für die Wahrheit hielt. Der ganze Stand, dem er so gern angehört hätte, war eine gesellschaftliche Barataria.

spektrum.de 

Klaus-Dieter Linsmeier

Mittelalter: Der Mythos vom edlen Ritter

In unserer Vorstellung gehören die gepanzerten Reiter zum Mittelalter, als Streiter für Witwen und Waisen, als die schlagkräftigste Waffen­gattung ihrer Zeit. Doch nun erklären Forscher dieses Bild zur Fiktion.

© inakiantonana / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Historiker nennen Kaiser Maximilian I. (1493–1519) den »letzten Ritter«. Denn als sich das Mittelalter bereits dem Ende zuneigte, ließ der Habsburger in Porträts und Heldenliedern die Ideale des Ritterstands noch einmal aufleben, inszenierte sich als edlen Helden, der um Ehre und Gerechtigkeit willen den Kampf sucht, Mann gegen Mann oder Mann gegen Ungeheuer. Dabei war eine solche Selbstinszenierung schon damals ein Anachronismus, der Historiker verwundert.

Denn Maximilian wusste als erfolgreicher Kriegsherr sehr wohl um die militärische Wirklichkeit seiner Zeit. Offene Feldschlachten, in denen gepanzerte Reiterkrieger hätten brillieren können, bildeten die Ausnahme. Wer Krieg führte, belagerte meist gut verteidigte Städte. Kanonen zertrümmerten ihre Mauern, die Söldner zu erstürmen versuchten. Diese waren als Berufssoldaten einfacher zu rekrutieren als adlige Ritter, die auf Grund von komplizierten Eiden und Dienstverpflichtungen für einen Fürsten in den Krieg zogen. Auch in der Bewaffnung waren Söldner flexibler: Bogen und Armbrust etwa galten einem Edlen lediglich als Jagdwaffe. Der Trend ging daher zu hochmobilen, nichtberittenen Kampfeinheiten.

Der christliche Ritter, der mal für die gute Sache kämpft, mal Minnelieder vorträgt, erweist sich nach Ansicht der Freiburger Mittelalterhistoriker um Jürgen Dendorfer als reines Idealbild, als in jener Epoche übliche Schablone für die Heroisierung. Damit betreten die Forscher Neuland, denn bislang galt das Interesse ihrer Zunft eher dem Entstehen des Ritterstands oder seiner Kultur, nicht der militärischen Praxis. Unter anderem aus der höfischen Literatur extrahieren Historiker seit dem 19. Jahrhundert meist ein Rittertum, das mit der Wirklichkeit wohl wenig gemein hat.

© Alamy / World History Archive (Ausschnitt)
Schlacht von Crécy | Die Schlacht von Crécy 1346 während des Hundert­jährigen Kriegs wurde nicht von Rittern, sondern von englischen Langbogenschützen entschieden, die beim Adel schlecht angesehen waren.

Das zeigte sich schon lange vor Maximilian I., etwa im anglo-französischen Hundertjährigen Krieg: In den Schlachten von Crécy (1346), Poitiers (1356) und Azincourt (1415) starben französische Ritter im Pfeilhagel englischer Langbogenschützen. Bis zu zwölf Pfeile pro Minute, dazu eine hohe Durchschlagskraft selbst auf große Distanz – dagegen kannten gepanzerte Reiter zunächst kein Mittel. Zudem mangelte es ihnen an Wendigkeit, wie auch der Sieg Schweizer Bauern über habsburgische Ritter bei Sempach 1386 offenbarte. Die Adligen passten sich zwar an, verstärkten ihre Rüstungen und formierten sich mit einer Gruppe Fußkämpfer zu kleineren Kampfeinheiten. Doch wenn es gegen eine Stadt ging, konnten sie ihre Stärke nur im Umland wirklich ausspielen und – wenig heldenhaft – den gegnerischen Nachschub abschneiden sowie Schrecken verbreiten.
Falsche Vorstellungen vom Ritter
Die überraschende Diskrepanz zwischen der militärischen Wirklichkeit und unserer Vorstellung vom Rittertum lässt sich Dendorfer zufolge sogar bis zu seinen Anfängen im 11. und 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Aus vormals unfreien »Ministerialen«, wie man im frühen Mittelalter Kämpfer und Verwalter der Könige und des hohen Adels nannte, entwickelte sich durch den Kriegsdienst ein Stand des niederen Adels. Der legitimierte sich nicht zuletzt durch die Kreuzzüge ins Heilige Land – wer im Namen Gottes gegen die Heiden kämpfte, dem konnte die Kirche das Ausüben von Gewalt nicht absprechen.

Zudem entwickelte der Ritterstand einen Ehrenkodex, der Willkür oder ungezügelte Brutalität ausschloss, insbesondere gegen einen bereits unterlegenen Gegner. Überdies gebot er dem Recken, hilfsbedürftige Frauen, Witwen und Waisen zu schützen. Auf dieser Grundlage entwickelte sich eine höfische Kultur, zu der Tischsitten ebenso gehörten wie das Minnelied, außerdem spezifische Rituale wie die Schwertleite beziehungsweise später der Ritterschlag und Turniere mit ihren Gruppenkämpfen. Dieses Rittertum prägte das Selbstverständnis aller Adelsschichten bis hin zu den Monarchen.
Dass man die militärische Praxis davon unterscheiden muss, illustriert William Marshall, Earl of Pembroke, eine Ikone der Formationszeit. Als zweiter Sohn eines eher unbedeutenden Adligen war er ohne jede Aussicht auf Land und Titel geboren worden, dennoch errang William einen der höchsten Adelstitel Englands. Das ist umso erstaunlicher, als er nur selten auf einem Schlachtfeld zu finden war. Eine bald nach seinem Tod 1219 in Versen verfasste Biografie verrät aber: William bewährte sich im Dienst diverser Herren und siegte in Zweikämpfen wie in zahllosen Turnieren. Als Belohnung für diese Heldentaten gab ein Earl ihm eine Tochter zur Frau. Für den Biografen, so meinen die Freiburger, zeichnete dieser Lebensweg Marshall sogar aus: Statt sich mit Blut zu besudeln wie ein gemeiner Söldner, praktizierte er die Ideale des Rittertums. Ein weiterer Beleg für die These, dieses habe keinen maßgeblichen Anteil am militärischen Alltag gehabt.

Die Nagelprobe bildet das Studium eines Kriegsberichts: In den »Gesta Friderici Imperatoris«, den »Taten Kaiser Friedrichs«, behandeln Bischof Otto von Freising und später sein Kaplan Rahewin die ersten beiden Italienfeldzüge Friedrich Barbarossas (König 1152–1190). Dendorfer und sein Team prüfen, ob von Freising und Rahewin bei ihren Schilderungen ritterlichen Qualitäten Gewicht beimessen.

© Alamy / Historic Images (Ausschnitt)
Bild aus einem ritterlichen Turnierbuch | Um sich als Ritter zu inszenieren, war eine Teilnahme an Kriegen nicht erforderlich. Wichtiger war es, die Rituale des Rittertums zu pflegen. Dazu gehörten vor ­allem Turniere.

Nicht jeder adelige Reiter war auch ein Ritter

Mit dem Anspruch, auch oberster Richter zu sein, hatte Barbarossa ab 1154 in Konflikte zwischen italienischen Städten eingegriffen. Unter anderem nahm er, von zahlreichen Kommunen unterstützt, Partei gegen Mailand. Im Mittelpunkt vieler Episoden der »Gesta« stehen mit Helm, Harnisch, Lanze und Schwert ausgestattete und als »milites« bezeichnete adelige Reiterkrieger. Waren das also Ritter? Zwar gewinnen die »milites« Zweikämpfe und vollbringen Heldentaten, doch dergleichen berichteten die beiden Geistlichen auch von Ingenieuren und Fußknechten, wenngleich seltener. Spezifische ritterliche Tugenden oder Umgangsformen erwähnen sie keine, dafür zeitlose Heldenmerkmale wie Tapferkeit, Kühnheit und Todesmut.

Den »Gesta« zufolge hatten die gepanzerten Reiter schon zu Barbarossas Zeit Konkurrenz: Über Seiten hinweg schrieb der Bischof von Belagerungstürmen, Rammböcken, beweglichen Schutzdächern und Wurfmaschinen, Werken der kaiserlichen Ingenieure. Bezeichnend ist auch Rahewins Beschreibung der Marschfolge beim Zug gegen Mailand: Den Anfang machten »milites« und Spezialisten für die Beseitigung von Hindernissen und für den Wiederaufbau vom Feind zerstörter Brücken. Möglicherweise dienten ihnen die »milites« als Aufklärer und Geleitschutz. Es folgten die Knechte der Ritter und Fußsoldaten. Sodann marschierten diejenigen, die laut den »Gesta« beispielsweise »Maschinen zum Erobern der Stadt und andere Wurfgeräte« transportierten. Den Abschluss des Heerzugs formte die Masse der Söldner.

Dass die »milites« an der Spitze ritten, unterstreicht zwar ihren Rang, doch die Eroberung Mailands war eine Aufgabe für viele. Mehr noch, die geistlichen Autoren bewerteten die berichteten Handlungen nach ihrer militärischen Effizienz. Und da konnten Kühnheit und Wagemut – ritterliche Ideale – fehl am Platz sein, wenn sie eine Operation gefährdeten. Geriet eine Gruppe von Adligen durch unüberlegtes Vorpreschen in einen Hinterhalt, wurden die Überlebenden sogar von Barbarossa persönlich getadelt.

Aber deutet nicht die häufigere Erwähnung der von Adligen vollbrachten Heldentaten durchaus auf eine militärische Schlüsselrolle dieser Kämpfer hin – womit man wieder bei der Identifikation mit Rittern wäre? Die Freiburger Historiker winken ab. Vermutlich entstand das Werk auf Anregung und im Austausch mit dem Hof, das Publikum waren die Angehörigen der Führungsschicht. Was den beiden Geistlichen als berichtenswert erschien, war somit gesellschaftlich motiviert. Ihr Werk sollte die Feldzüge nicht dokumentieren, sondern diente einer höfischen Elite dazu, ihr Weltbild zu bestätigen. Und das verlangte nun einmal eine Heroisierung der Taten von Männern ihres Standes, mochten auch Söldner und Ingenieure die Löwenarbeit geleistet haben. Ob Lanzelot oder Prinz Eisenherz – das Rittertum war wohl von Anfang an eine gesellschaftliche Utopie. Oder wie Dendorfer es formuliert: »Schon der erste Ritter war bereits der letzte.«


Aber… und so beginnt das Nachwort von der Blogadministratorin, aber je weniger man an die Ritter glaubt, desto mehr Ritter brauchen wir. Schaut euch nur das an:

Eine Kulturgeschichte der Kartoffel (Reblog)

spektrum.de 
Daniel Meßner und Richard Hemmer

Kleine Geschichte der Kartoffel – oder: Warum heutzutage alles anders ist
Wäre die Kartoffel nie nach Europa gelangt, würde die Welt heute ganz anders aussehen.

© AKG Images (Ausschnitt)

Wer einen Abstecher ins Europa des 15. Jahrhunderts machen könnte, würde wohl auf dem Speiseplan der Menschen die Kartoffel vermissen. Die Pflanze ist heute so allgegenwärtig, dass es schwerfällt, sich ein Leben ohne sie vorzustellen. Dabei war sie zu jener Zeit in anderen Teilen der Welt schon ein weit verbreitetes Nahrungsmittel: An den ersten Kartoffelknollen taten sich Menschen in Peru wahrscheinlich schon vor 5000 Jahren gütlich.

Dass die Kartoffel schließlich nach Europa kam, ist vermutlich den Spaniern zu verdanken. Im Jahr 1565 wurde eine Kiste der Knollen an den spanischen König Phillip II. geschickt, der einige davon dem Papst in Rom weitergab. Der war so angetan, dass er einem niederländischen Kardinal ein paar Kartoffeln zukommen ließ. Schließlich gelangten diese Knollen zu jenem Mann, der sie als Erster in seinem Werk »Rariorum Plantarum Historia« beschreiben sollte: dem niederländischen Botaniker Carolus Clusius.

Die Spanier waren’s – oder die Engländer!
Auch den Engländern wird nachgesagt, sie hätten die Kartoffel aus der Neuen Welt mitgebracht. Richtig beweisen lässt sich aber weder die eine noch die andere Theorie. Tatsache ist, dass die Kartoffel gegen Mitte des 17. Jahrhunderts in Europa bekannt war und auch angepflanzt wurde, anfangs allerdings in erster Linie als Zierpflanze.

Vor allem in Deutschland verlief die Verbreitung der Kartoffel eher schleppend. In England wurde der Anbau bereits um 1660 empfohlen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit Missernten – die verbreitete Art Andigena war nämlich für das nordeuropäische Klima nicht wirklich geeignet. Erst mit der Solanum tuberosum, die aus Chile importiert wurde, gelang der Anbau in nördlicheren Gebieten.
Nicht ganz unwesentlich für die stockende Verbreitung war der anfängliche Glaube, dass die Kartoffel giftig sei. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, da nur der Genuss der Knolle unbedenklich ist. Doch nicht nur das: In Frankreich beispielsweise hielt sich hartnäckig der Mythos, die Kartoffel würde Lepra auslösen.

Schließlich gab es auch noch einen agrarpolitischen Grund: den Flurzwang. Durch Vorschriften von Gemeinde und Obrigkeit hatte die Landbevölkerung meist keine freie Wahl, welche Frucht sie auf ihren Feldern anpflanzen konnte.
Es ergeht: der Kartoffelbefehl!
Dass die Kartoffel schließlich doch ihren Siegeszug begann, ist in weiten Teilen wohl einem Monarchen geschuldet: Friedrich II. von Preußen (1712-1786). Schon sein Vater, Friedrich Wilhelm I., hatte dasselbe versucht, allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

© AKG Images (Ausschnitt)

Die Kartoffel von 1588 | Dieses Aquarell von Philippe de Sivry ist die erste europäische Zeichnung der Kartoffel. Das Bild erschien in Carolus Clusius’ Werk »Rariorum Plantarum Historia«.

Friedrich der Große beschloss die Sache offiziell zu machen und erließ ab 1746 nicht nur ein, sondern gleich drei Kartoffel-Edikte. In allen drei Edikten wurde verlautbart, dass die Kartoffel nun, wo auch immer möglich, anzupflanzen sei. Zusätzlich wurden Instruktionen zum Anbau gedruckt und unter der Bevölkerung verteilt. Friedrich und seinen Beratern war aufgefallen, dass die Bevölkerung noch sehr wenig über die Kultivierung der Pflanze wusste.

Wer sich fragt, warum Friedrich solch ein Interesse daran hatte, den Kartoffelanbau in seinem Reich zu forcieren, muss sich nur die Auswirkungen diverser Kriege jener Zeit ansehen. Schon im Dreißigjährigen Krieg, aber auch zur Regierungszeit Friedrichs, als mehrere Kriege gegen das Habsburgerreich geführt wurden, waren die Folgen für die Landbevölkerung katastrophal. Es wurden Felder zerstört, und marodierende Heere plünderten die Getreidereserven. Die Kartoffel brachte da gleich zwei Vorteile mit: Die Knolle ist deutlich kalorienreicher als Getreide und lässt sich besser und länger lagern.

Selbst nach Friedrichs Kartoffel-Edikten dauerte es aber noch einige Jahre, bis die »Tartuffel«, wie sie unter anderem genannt wurde, tatsächlich weit verbreitet war. Doch Hungersnöte wie die von 1770 bis 1772 und 1774 überzeugten die Landbevölkerung dann von den Vorzügen des Kartoffelanbaus.

Eine folgenreiche Entwicklung
Die Auswirkung der schließlich großen Verbreitung der Kartoffel ist laut Historiker William McNeill kaum zu überschätzen: Mehr Kalorien und weniger Arbeit beim Getreideanbau setzten ein Bevölkerungswachstum in Gang, aus dem sich auf lange Sicht nicht nur die Industrialisierung, sondern auch die großen europäischen Armeen speisten. Im Grunde dürfte auch die neuzeitliche Kolonialisierung auf die Kartoffel zurückgehen. Freilich nicht nur – diese Erklärung allein wäre zu simpel.

Doch nicht immer brachte die Kartoffel Vorteile. Das wird im Fall der großen Hungerkatastrophe im Irland des 19. Jahrhunderts sichtbar: Eine durch Kartoffelfäule ausgelöste Hungersnot kostete mehr als einer Million Menschen das Leben, zwei weitere Millionen waren gezwungen, das Land zu verlassen, um vor allem in der Neuen Welt ihr Glück zu suchen.
Wie auch immer – die Kartoffel hat Europa nachhaltig verändert. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal Pommes essen!

Die beiden Historiker Richard Hemmer und Daniel Meßner bringen jede Woche eine Geschichte aus der Geschichte auf ihrem Podcast »Zeitsprung«. Auch auf »Spektrum.de« blicken sie in die Vergangenheit und erhellen, warum die Dinge heute so sind, wie sie sind.

 


PS: Für diejenige, die Kartoffel, Holz und Bäume mögen und faszinierende Familien-Geschichten gern lesen, ist an dieser Stelle dieser Roman sehr herzlich zu empfehlen. Eine Geschichte über einen Kartoffelbauern.

Aus der Buchbeschreibung des Buchhandels:

Auf einem entlegenen Bergbauernhof im norwegischen Gudbrandstal wächst Edvard mit seinem wortkargen Großvater Sverre auf. An seine Mutter hat er nur eine vage Erinnerung – an einen Duft, ein Gefühl von Wärme, einen blauen Rock. Lars Mytting erzählt die Geschichte einer verzweifelten Suche nach der Mutter, dem Vater, den eigenen Wurzeln – und einer Reise, die Edvard durch fremde Länder führt und dessen Familiengeschichte ein ganzes Jahrhundert umfasst: das Jahrhundert der großen Tragödien.Edvards Eltern sind ums Leben gekommen, als er drei Jahre alt war. Um ihren Tod wird ein Geheimnis gemacht, und auch um den Ort, an dem sie starben. Zu diesem Geheimnis gehört auch das Schicksal Einars, des Bruders des Großvaters. Edvard weiß nur, dass er ein Meistertischler war und als junger Mann zur Ausbildung nach Paris ging. Dass er seine Werkstatt mitsamt dem Wald von Flammenbirken zurückließ. Dass für den Großvater ein Sarg geliefert wurde, lange vor dessen Tod – ein Stück Kunsttischlerei, wie es noch nie jemand gesehen hat -, und dass Einar womöglich gar nicht tot ist, wie es der Großvater behauptete …

Eine Utopie zu mithaben (Reblog+)

Im Voraus, weil es im Artikel keine Erwähnung findet und erst im Kommentar angesprochen wird. Wünsdorf ist eine nach der Wende gegründete Bücherstadt, wo sich vor allem Antiquariate mit ihren enormen Bücherdepots niederliessen. Mehr dazu HIER.

Roland Mischke

Grüner Visionär
Über eine Idee von Eckhart Hahn

Berliner Zeitung, 25.10.019

 

40 Kilometer vor Berlin
Wie Wünsdorf die erste Öko-Stadt der Welt werden könnte

Ausgerechnet Wünsdorf, die lange verbotene Stadt. Sie ist zu seinem Lieblingsprojekt geworden, zu seinem Lebensprojekt. In Wünsdorf will Ekhart Hahn die erste Öko-Stadt der Welt errichten.

Auf brandenburgischen Sand soll auf 90 Hektar Fläche eine Gartenstadt entstehen, der Gründer nennt sie „einen ökologischen Lernort, wie es ihn weltweit noch nirgendwo gibt. Ein neuer Lebensraum, ein Zukunftsmarkt.“ Und der Sand, sagt Hahn, der Siedlungsökologe, werde dabei kein Nachteil sein, ganz im Gegenteil.

Für DDR-Bürger war Wünsdorf gesperrt

Ausgerechnet Wünsdorf, 40 Kilometer südlich von Berlin. Seit 1910 Militärstadt mit Infanterieschule, Kasernen und Truppenübungsplätzen. Im Ersten Weltkrieg war hier das Hauptquartier der Reichswehr. 1935, zwei Jahre nach Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde das Oberkommando der Wehrmacht dorthin verlegt.

1945 übernahm der militärische Führungsstab der sowjetischen Streitkräfte der Roten Armee die Stadt, von Wünsdorf aus wurde die finale Schlacht um Berlin befehligt. Nach der Kapitulation rückte das Oberkommando der sowjetischen Streitkräfte ein, der Kalte Krieg begann. Für DDR-Bürger war Wünsdorf gesperrt.

1994 zogen die Russen ab und hinterließen eine heruntergekommene Stadt, teilweise vermint und weitgehend leer. Heute hat Wünsdorf knapp über 6000 Einwohner, nun sollen noch 10.000 dazukommen. Wenn es nach Ekhart Hahn geht.

(…)
Er ist Architekt, Raumplaner und Siedlungsökologe, 76 Jahre alt, Segler. Das erklärt seine Sprache.

Unsere Städte, sagt er, seien wie fossile Tanker, würden immer schwerfälliger. „Wir brauchen postfossile, wendige, gutorganisierte Segler. Wünsdorf soll zu dem Segelboot werden, das der Welt zeigen wird, wie sich die Städte umbauen lassen. Dass es in der Brandenburger Sandwüste steht, ist für unser Projekt von Vorteil. Mit neuen Nährkreisen werden wir daraus eine fruchtbare Gartenstadt machen.“

Ekhart Hahn ist ein nüchterner Mann, er hat alles durchgeplant und 2016 den Verein ICEC gegründet, International Campus Eco City. Hahn hat Kontakte zu großen Wirtschaftsunternehmen, zu Bundestagsabgeordneten, Brandenburger Landespolitikern und zu Softwareunternehmen. Für ein großes Projekt muss mit anderen zusammen groß gedacht werden. Und wenn sie es verstehen, werden sie zu Unterstützern. Wie der SPD-Politiker Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., den Hahn vor Jahren kennenlernte.

Sie kamen ins Gespräch darüber, was jeder Einzelne dazu beitragen kann, den Klimawandel und die damit verbundenen Flucht- und Siedlungsbewegungen zu begleiten. Die größte Herausforderung auf dem Planeten, sagte Thierse. Hahn erzählte vom Plan einer Eco City. Im Grußwort für das Heft, das das ICEC-Projekt vorstellt schreibt Thierse: „Wir brauchen durchdachte Visionen, wie die zentralen Probleme unserer Zeit zu lösen sind. Ich wünschte sehr, dass dieses Projekt gelingen möge – als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft.“

(…)

Ekhart Hahn ist in Stettin geboren, die Eltern waren Ärzte, die Familie wurde 1945 vertrieben und landete in Niedersachsen. Von dort ging Hahn 1970 an die TU Berlin, war nach fünf Jahren Studium Dozent und bereiste 1975 im Auftrag des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit China. „Noch in der Mao-Zeit, das Land war rückständig, aber es wollte vorankommen.“ In den Siebziger- und Achtzigerjahren hat Hahn in China gelehrt. Sein Thema: die umweltbezogene Siedlungspolitik.

Beeindruckt von dem Report „Die Grenzen des Wachstums“ vom Club of Rome entschied er sich dann für eine berufliche Neuausrichtung und zog sich für sieben Jahre in das Dorf Riedlingen im Schwarzwald zurück. Dort entwickelte er die Thesen zur Siedlungsökologie, die er in mehreren Büchern verbreitete. Zurück in West-Berlin folgten weitere Bücher über die Zukunft der Städte. Die TU Dortmund berief ihn zum Honorarprofessor für Ökologische Stadt- und Raumplanung, das lehrt er seit 1998 auch in Japan.

(…)

Hahn und der Verein ICEC wollen in Wünsdorf 30 Millionen Euro in Grundstücke investieren. In den Machbarkeitsstudien gruppiert sich der Stadtplan um eine grüne Mitte, gerahmt von Wohnquartieren, einer Öko-Station als Herzkammer der Eco City und einem Besucherzentrum. Hier werden sämtliche Energie- und Stoffströme zusammenlaufen, permanent kontrolliert, neu aufbereitet und wieder in den Kreislauf des Stadtorganismus eingespeist. Auf 20 Hektar wird Gartenland, auf 3,5 Hektar werden Gewächshäuser für Gemüse, Obst und Beeren entstehen. Terra preta, schwarze Erde, die sich im Boden des Amazonasbeckens als fruchtbar erwiesen hat, wird den märkischen Sand bedecken. Dazu Biomasse aus Abfällen der Bewohner und ihre Fäkalien zum Düngen.

Die Energieversorgung geschieht nach dem Smart Grid System, es handelt sich um intelligente Stromnetze mit hocheffizienten Energiespeichern. Die kreislauforientierte Technik führt Grund- und Oberflächenwasser, Regen-, Grau- und Schwarzwasser zusammen. Es wird eingesetzt in der urbanen Landwirtschaft, in Gärten, Freiräumen und zur Kühlung. Angelegt werden Wasserläufe, Teiche und eine Fischzuchtanlage. Autos dürfen nicht hinein in die Gartenstadt, Fahrradwege werden gebaut, die Beförderung der Versorgung wird durch Lastenräder und Elektromobilität geleistet. Die Zugereisten sollen  in lichten Häusern mit bunten Fassaden leben.

„Öko-Städte werden unser Überleben sichern“

Angetan ist Ekhart Hahn von den massiven denkmalgeschützten Bauten Wünsdorfs. Die robuste Bausubstanz wird ökologisch saniert. In die einstige Panzerhalle, 120 Meter lang und ebenso breit, 90 Meter hoch, werden drei Etagen implantiert – für Seminarräume und Werkstätten des Campus-Instituts.

Der „Kulturpalast“, in dem einst führende Militärs der Sowjets Klassikkonzerten lauschten, wird zum interkulturellen Zentrum, zum House of One für lernende und lehrende Studierende, die Muslime, Buddhisten und Christen sind. „Öko-Städte werden unser Überleben sichern“, sagt Hahn. „Wenn alle zusammenhalten. ICEC Wünsdorf wird die Blaupause sein.“

Eine Schlüsselaufgabe der Menschheit

Die behördlichen Voraussetzungen sind erfüllt, dank einer großzügigen privaten Spende konnte ein Koordinationsbüro etabliert werden. Jetzt soll Hahns Vorarbeit Früchte tragen. Er hat einen Stab an Experten versammelt: für urbane Landwirtschaft, Landschaftsarchitekten, Pioniere des baubiologischen Planens, dazu Stadtplaner und Künstler.

Der Spezialistenpool wird Studierenden aus aller Welt zur Verfügung stehen, sie werden einige Monate oder Jahre in Wünsdorf leben und dann in ihre Länder zurückkehren.

So arbeitet ICEC inzwischen mit einem Büro in Singapur zusammen, dass dort eine völlig neue Wasserversorgung entwickelt hat. Hahns will Ideen von überallher in der Campusstadt zu konzentrieren. „Der ökologische Stadtumbau ist die Schlüsselaufgabe der Menschheit im 21. Jahrhundert“, sagt er immer wieder.

Er weiß aber auch, dass es nicht genügt, den weltweiten Anforderungen mit Plastikreduktion oder Wärmedämmung zu begegnen. Gebraucht wird ein überzeugendes Konzept. Die Aktivisten von Fridays for Future unterstützt er. Er sagt aber auch: „Sie kennen die Lösungen nicht.“ Ekhart Hahn hingegen glaubt, die Mittel zu kennen, um dem Klimawandel effektiv begegnen zu können.

Da ist die zellulare Vernetzung der Systeme: Wärme aus der Erdtiefe, Energie von der Sonne durch Fotovoltaik, Wasserrecycling und ein perfekter innerer Nährkreislauf. „Die Ressourcen, die wir zum Lebensunterhalt brauchen, werden auf Quartiersebene dezentral neu in Beziehung gesetzt“, sagt Hahn. „Das deutet bereits die neue Mobilität an: kurze Wege, Fahrrad- und Fußgängerbereiche, Frischemärkte, kleine Läden.“ Die lokale Ökonomie hat sich in Mikrostrukturen und der Kiezkultur durchgesetzt. In Wünsdorf sollen 80 Prozent des Gemüse- und Obstbedarfs in der Stadt produziert werden. Für Ekhart Hahn ist das „der Übergang ins postindustrielle Zeitalter“.

Noch wird in Wünsdorf nicht umgegraben und gebaut. Bald aber könnte es so weit sein.


Kommentare:

Anne Schmidt

Die Idee Herrn Hahns von der ökologischen Stadt in Wünsdorf erinnert mich an die Ökostadt Davis bei San Francisco und an die Aussteigerkolonie Eden bei Oranienburg, die Ende des 19. Jahrhunderts von Lilienthal aus Blockhohlsteinen errichtet wurde.
In der Zeit der Planung für ein neues Tempelhofer Feld teilten wir (Bürgerinitiative Flughafen Tempelhof) in einer der zahlreichen Pressekonferenzen der damaligen zuständigen Senatorin, Frau Junge-Reyer, mit, dass die Ökostadt Davis ein Vorbild für eine autofreie Siedlung auf dem Flughafen sein könne.
Leider gingen die späteren Planungen, die Volk sei`s gedankt, in einer Volksabstimmung abgelehnt wurden, völlig an diesen Visionen vorbei. Hätte die Utopie einer ökologischen, autarken kleinen Stadt zur Abstimmung gestanden, wäre das Ergebnis sicherlich anders ausgefallen.
Wünsdorf ist bahntechnisch gut an Berlin angebunden, aber sind die Altlasten aus Land und Wasser wirklich verschwunden? Die befürchteten Kosten für die Dekontaminierung des riesigen Militärareals bei Jüterbog haben die Entscheidungsträger und Lobbyisten Anfang der 1990er dazu bewogen, Schönefeld zum Standort für den Mammutflughafen BER zu küren.
Die Kosten, die bisher in Schönefeld und Umgebung entstanden sind, haben alle anderen wichtigen Problemfelder in Berlin in den Schatten gestellt. Die Brände vom letzten Jahr auf dem “Minenfeld” bei Jüterbog stellen ein weiteres Kapitel im Brandenburger Katastrophenarchiv dar.
Ich hoffe, dass Herr Hahn in der einstigen Bücherstadt Wünsdorf nur ein zurückgebliebenes Archiv und kein vergrabenes und versenktes Arsenal vorfindet. Vielleicht wäre es einfacher eine zweite Abstimmung zur Nutzung des
Tempelhofer Feldes herbeizuführen als in Wünsdorf Altlasten zu beseitigen.

Ewa Maria Slaska

Ach jej, Männer! Dieser Anspruch! ICH war der Erste, der Wichtigste! Noch nie in der Welt gab es so etwas, was ICH mir ausgedacht habe!
Wer verantwortet diese Alleinstellung-Ansprüche in dem obigen Text? Der Ekologe oder der Autor?
Anne Schmidt schreibt über Ökostadt Davis bei San Francisco und die Kolonie Eden bei Oranienburg. Ich habe hier auf diesem Blog mehrere Male über realisierten Utopien geschrieben. Vor allem über Silvio Gesell. Als Silvio Gesell, der übrigens auch zeitlang in der schon erwähnten Kolonie Eden wohnte, seine Teorie des “freien Geldes” veröffentlichte, entstanden in der ganzen Welt mehrere, meistens sehr erfolgreich wirtschaftende, Freie-Geld-Kommunen. Ich schrieb über Silvio HIER, HIER, HIER und HIER. Da er ein deutscher Autor ist, “polonisierte” und übersetzte ich seine Theorie in meine Sprache. Die deutschen Leser können ein Buch von Silvio Gesell über Wirtschaft mit dem Freien Geld HIER lesen.
Wichtiger ist aber, dass man – erfolgreich – versuchte die Gesellsche Theorien lebendig zu machen. In den 30ern gab es mehrere Städte, die es machten, am erfolgreichsten war die Stadt Wörgl in Österreich.

Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass der Modellversuch in der Presse als das „Wunder von Wörgl“ gepriesen wurde. Das Interesse daran stieg derart, dass über hundert weitere Gemeinden im Umkreis von Wörgl dem Beispiel folgen wollten. Auch im Ausland und in Übersee fand die Aktion starke Beachtung und Nachahmer. Aus Frankreich reiste der Finanzminister und spätere Ministerpräsident Édouard Daladier nach Wörgl, und in den USA schlug der Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher der amerikanischen Regierung – wenn auch vergeblich – vor, ein Wörgl-ähnliches Geld mit dem Namen Stamp Scrip zur Überwindung der Wirtschaftskrise einzuführen.

Allerdings erhob die Oesterreichische Nationalbank gegen die Wörgler Freigeld-Aktion vor Gericht erfolgreich Einspruch, weil allein ihr das Recht auf Ausgabe von Münzen und Banknoten zustand. Das Experiment von Wörgl und alle weiteren Planungen wurden verboten. Nach Androhung von Armeeeinsatz beendete Wörgl das Experiment im September 1933.

Na, kann man sagen, dem neuen Visionär geht es nicht um Geld, sondern um, na ja, wie in jeder utopischen Narration – DIE RETTUNG DER WELT, die wie ein Wunder auf dem Sand wachsen wird.

Dazu kann ich nur sagen, der Sohn von Silvio Gesell, Carlos, baute die ganze grüne Stadt auf den Dünnen in Argentinien: Villa Gesell in der Mar de la Plata, wo nichts aber nichts wachsen wollte. Ich schrieb darüber HIER für meine polnische Leser. Der deutsche Leser kann viel über die Villa Gesell HIER erfaren. Auf dem Foto unten sieht man, wie Villa Gesell heute aussieht. Es wohnen dort im Winter ca. 30 Tausend Menschen, im Sommer wesentlich mehr, weil es ein Kurort ist.


Anne Schmidt
Mitbegründerin der aufgelösten BI Flughafen Tempelhof (BIFT)

Ewa Maria Slaska
Blogadministratorin und Utopistin

Feuer in Australien (Reblog)

Australien erlebt gerade eine der schlimmsten Feuersaisons seit Jahrzehnten. Unerwartet kommt die Katastrophe allerdings nicht: Die Politik hat sie begünstigt.

spektrum.de

Daniel Lingenhöhl

Ein Desaster aus Menschenhand

© Picture Alliance / TT NYHETSBYRÅN / DELWP

Mindestens 18 Menschen und eine geschätzte halbe Milliarde Tiere sind tot, fast sechs Millionen Hektar Land verbrannt – eine Fläche, die fast so groß ist wie Bayern. Tausende Menschen müssen teilweise vom Militär von Stränden in Sicherheit gebracht werden, weil ihre Siedlungen vom Feuer umschlossen sind. Die wirtschaftlichen Schäden lassen sich noch nicht beziffern; sie sollen aber einige Milliarden Euro betragen. Millionenstädte wie Melbourne oder Sydney waren in den vergangenen Wochen immer wieder tagelang in dichten Rauch gehüllt, und die Schadstoffkonzentrationen lagen um bis das Zwölffache über den offiziellen Grenzwerten. Die Aschewolken der Brände zogen sogar weit über den Pazifik, bedeckten Gletscher auf Neuseeland und waren noch in Südamerika nachweisbar.

Wem das jetzt schon zu apokalyptisch ist: Der Höhepunkt der Feuersaison steht Ostaustralien eigentlich noch bevor. Denn der Sommer hat gerade erst begonnen, mit den Höchsttemperaturen und trockensten Wochen ist im Januar und Februar zu rechnen. Dabei war schon der Frühling zu warm und zu trocken; in manchen Regionen fiel so wenig Niederschlag wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn.

© Picture Alliance / AP Photo (Ausschnitt)
Machtlose Feuerwehr | Die Brände sind so riesig und intensiv, dass die ohnehin schon vielfach ausgelaugten und überstrapazierten Feuerwehrleute mancherorts nur noch zusehen können.

Schuld daran sind unter anderem die Bedingungen im Indischen Ozean vor der australischen Westküste. Dort fand sich im Dezember 2019 einer der stärksten, positiven Indischer-Ozean-Dipole (IOD), die bislang gemessen wurden. Der IOD bezeichnet eine natürliche Abweichung der Wassertemperaturen im westlichen und östlichen Bereich des Meeres. Herrscht vor Australien durchschnittlich zu kühles Wasser vor, fällt der IOD positiv aus – was weit reichende Folgen für das Wetter hat: Es regnet in Teilen Australiens sehr wenig. Gegenwärtig befindet ist der Wert noch immer im positiven Bereich.

Nicht nur natürliche Ursachen

Feuer sind ein ursprünglicher Teil vieler Ökosysteme des Kontinents: Ihre Arten sind häufig daran angepasst oder fördern Buschbrände sogar noch, um anschließend in den Genuss von Freiraum und frischen Nährstoffen zu kommen. Die Zahl dieser Pyrophyten ist in Australien besonders hoch. Der charakteristische Eukalyptus etwa ist voll mit ätherischen Ölen und heizt Brände damit so richtig an, ist aber dank einer dicken Borke wiederum gut vor dem Absterben geschützt. Viele Wälder werden sich daher relativ schnell wieder erholen – so es denn irgendwann wieder regnet.
Doch die ausufernden Feuersbrünste allein auf natürliche Faktoren zu schieben, wäre ein Fehler. Sie sind auch ein Desaster, das von Menschen und einer schlechten Politik verschärft werden.

Bevor die europäischen Siedler begannen, Feuer als Feind zu betrachten und es zu bekämpfen, brannte es regelmäßig im australischen Busch. Die australischen Aborigines nutzten das Feuer zudem in ihrem Sinn, etwa für die Jagd. Dadurch entstand ein kleinräumiges Muster unterschiedlicher Vegetationsstadien, was Brände natürlich eindämmt. Zudem sammelte sich weniger Brennmaterial in den Wäldern an, weil es schneller abbrannte. Jahrzehntelange Feuerbekämpfung hingegen sorgte dafür, dass sich die Menge an brennbarem Totholz und Laub – der so genannte Fuel Load – dramatisch vergrößert hat. Wenn es heute brennt, dann dank des zusätzlichen Materials und der einheitlicheren Altersstruktur auch intensiver und ausgedehnter.
Der erste Fehler liegt also im europäisch geprägten Umgang mit Feuer an sich. Oder wie es ein australischer Leiter eines Feuermuseums schon vor Jahren gegenüber dem »Spiegel« ausdrückte: »Der Umgang der Weißen mit dem australischen Feuer ist eine 200 Jahre lange Geschichte der Arroganz. Es wird ausschließlich als Bedrohung erlebt.«

Abholzung fördert ebenfalls Waldbrände

Zudem gehört Australien zu den Spitzenreitern bei der Abholzung: Kein anderes entwickeltes Land geht so destruktiv mit seinen Wäldern um wie Down Under. Jedes Jahr werden hunderttausende Hektar Busch, Savanne und geschlossener Wald gefällt, um vor allem Platz für Viehweiden zu machen.

Das fördert die Feuer, auch wenn das im ersten Moment kurios klingen mag. Die Rodungen schaffen Randeffekte bei angrenzendem Waldland, die durch Aufheizung der kahlen Flächen und Winde leichter und schneller an ihren Rändern austrocknen und deshalb leichter brennen. In weiten Teilen Australiens gingen die durchschnittlichen Niederschläge in den vergangenen Jahrzehnten zurück – zumindest teilweise könnte dies auf den Rückgang der Wälder zurückzuführen sein. Etwa die Hälfte der Regenverluste in Westaustralien lässt sich auf die Zerstörung der dortigen Wälder zurückführen, heißt es in einer Studie 2013. Für Südostaustralien werden ähnliche Zusammenhänge diskutiert.

Klimawandel als Gorilla im Raum

Zu diesen regionalen Problemen kommt inzwischen ein globales: Die Erderwärmung macht sich in Australien zunehmend bemerkbar. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die durchschnittliche Temperatur auf dem fünften Kontinent um ein Grad Celsius erhöht, während gleichzeitig die Niederschläge in den besonders von Waldbränden betroffenen Regionen in West- und Südostaustralien deutlich zurückgegangen sind. Ein Teil des Regendefizits schreiben australische Wissenschaftler dem Klimawandel zu. Seit den 1970er Jahren mehren sich Hitzewellen, sie dauern zunehmend länger an und fallen intensiver aus, wobei sich dieser Trend beschleunigt. Insgesamt dauert die Feuersaison länger an, und es häufen sich die extrem feuerbegünstigenden Wetterlagen, wie der jüngste Klimazustandsbericht der australischen Regierung zusammenfasst.

Politisches Handeln leitet die Regierung um den Ministerpräsidenten Scott Morrison daraus allerdings nicht ab. Im Gegenteil: Australien fördert den Klimawandel national wie international. Das Land hat pro Kopf einen der höchsten Werte für Kohlendioxidemissionen und gehört zu den größten Kohleexporteuren weltweit. Und auf dem Gipfel in Madrid blockierte der Staat internationale Bemühungen für mehr Klimaschutz – sicher kein Wunder bei einem Staatsoberhaupt wie Morrison, der Kohlebrocken mit ins Parlament bringt und trotz nationaler Krise seinen Urlaub auf den Hawaii-Inseln antritt.

Dabei hätte der Kontinent ein großartiges Potenzial für saubere Energieerzeugung: Im Outback stehen riesige Flächen für Solarenergie auf übernutzten Viehweiden zur Verfügung, um das Land sauber zu elektrifizieren. Stattdessen soll in Queensland eine der größten neuen Kohleminen des Planeten eröffnet werden.

Und nun?

Wie geht es weiter in Australien? Für das Wochenende sagen die Wetterbehörden eine neue Extremwetterlage für Südostaustralien voraus. Für die heute schon erschöpften und ausgelasteten Feuerwehrmänner droht weitere Schwerstarbeit, bevor sich die Situation nächste Woche leicht entspannen könnte.

Langfristig deutet dagegen vorerst nichts auf Entspannung hin, wenn sich die australische Politik nicht endlich drastisch ändert. Sie muss die Abholzungen stoppen, die Zersiedelung des Hinterlandes eindämmen und endlich aktiv im Klimaschutz werden. Danach sieht es allerdings nicht aus – im Gegenteil: Erste konservative Politiker schieben den australischen Grünen die Schuld für Feuerkatastrophe zu. Frühere Regierungsbeteiligungen hätten dafür gesorgt, dass die Feuerprävention bis heute behindert würde. Und Scott Morrison? Der hat angekündigt, dass seine Regierung keinesfalls mehr für den Klimaschutz tun wolle.

Weihnachtsmarkt / Jarmark Bożonarodzeniowy

Ewa Maria Slaska

Jednym z magnesów przyciągających turystów do Berlina są niewątpliwie Jarmarki Bożonarodzeniowe. Przyjeżdżają Włosi, Hiszpanie, Anglicy, Szwedzi, Polacy, Japończycy i Chińczycy.  I są to naprawdę tłumy. Jarmarków jest w Berlinie masa, są jarmarki koreańsko-japońskie i polskie, są gejowskie i artystyczne, ale najwięcej jest tych całkiem normalnych – z drewnianymi budkami, w których kupić można francuskie naleśniki i włoskie sery, ale przede wszystkim wypić tradycyjnego niemieckiego grzańca, zjeść potwornie słodkie jabłko zanurzone w czerwonym karmelu i kupić malowane kolorowym cukrem pierniki, z napisami po bawarsku, na przykład “Ich liebe Dir”, co można przetłumaczyć jako “Kocham Ci”.
Mają rację ci, którzy powiedzą, że jarmarki bożonarodzeniowe to kicz do potęgi. Tak, to kicz, ale jak dobrze jest choć przez parę godzin zapomnieć o tym, jak ciężko i smutno jest na świecie, jak dobrze jest napić się grzanego wina, zjeść pierogi przy stoisku z polskim jedzenie, nacieszyć się miłą, przyjazną atmosferą.

Można by pomyśleć, że po ataku terrorystycznym trzy lata temu, 19 grudnia 2016 roku, zainteresowanie jarmarkami zmaleje, ale wydaje się, że wręcz przeciwnie, że przybywa jeszcze więcej turystów niż przedtem, być może pod hasłem “nie myślcie, że dacie nam rady”.

Dziś, w trzecią rocznicę tamtego strasznego dnia wspominamy 11 osób, które zginęły pod kołami uprowadzonej przez terrorystę ciężarówki i Łukasza Urbana, polskiego kierowcę, który stawił opór napastnikowi, zginął w walce, ale uratował wiele dalszych możliwych ofiar. Wśród ofiar znaleźli się Niemcy

Ein goldener Riss im Boden erinnert an die Opfer des Terroranschlags am Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016
Tzw. Złota Szczelina przypomina o ofiarach ataku terrorystycznego 19 grudnia 2016 roku

Weihnachtsmärkte sind etwas, was Touristen aus aller Welt nach Berlin zieht. Italiener, Engländer, Spanier, Polen, Schweden, Japaner und Chinesen. Aus allen Herren- und Frauenländer kommt man massenweise nach Berlin, kauft ein, trinkt Glühwein, isst Marzipanstollen, geröstete Mändeln und bunt karmellisierte Äpfel. Man kann sagen, dass es Kitsch ist. Und man wird recht haben. Klar, es ist Kitsch, aber es ist so verdammt gut für ein paar Stunden zu vergessen, wie die Welt da draussen aussieht und einfach die unglaublich schöne, ruhige, freundliche Atmosphäre des Jahrmarkts genießen.

Nach dem Vorfall vom 19. Dezember 2016 hätte man meinen können, der Magnet hat ihre Kraft eingebüsst. Aber nein. Ja, auf dem Weihnachtsmarkt im Herzen der Stadt, zwischen KaDeWe und Europa Zenter, gibt es ein Gedenkort, da, wo der Terrorist mit einem von einem Polen gekaperten Truck eingefahren ist, man geht vorbei, liest die Namen, zündet eine Kerze, legt eine Blume, seufzt, geht weiter. Am Weihnatchstmarkt-Betrieb änderte es wenig, oder hätte es ihn gar verstärkt, nach dem Motto, wir lassen uns nicht runterkriegen

Heute erinnern wir uns an die 12 Todesopfer des Anschlags, darunter auch Łukasz Urban, der polnische Truck-Fahrer, der dem Terrorist Widerstand geleistet hatte und gestorben ist, der aber durch seinen Kampf unzählige weitere Menschenleben gerettet hatte.

 

Zdjęcia: Ania, Ela i Monika