Unser Fest

Aśka & Renka

Auf der Flucht vor Weihnachten hat Aśka (to nie ja, Joasia, to TA KATASTROFA AŚKA!!!) das wichtigste vergessen…

…um doch noch zu erzählen, wie Aśka und Renka den 24. Dezember verbracht haben, schickt Joasia UNSER FEST, als email, als doc, als odt, als pdf, und mit Foto noch dazu… (aber erst am 26. Dezember, als alle Tage schon von anderen Autoren belegt sind – Anm. EMS)

…und im sinne dieser christianischen Vergebung, wo Jesus heute doch 2 Tage alt ist, vergeben wir auch dieser Aśka? (unter uns gesagt ist Jesus schon nicht nur 11 Tage alt, sondern auch schon beschnitten, was die Kirche am Neujahr gefeiert hatte. Aber die Geschichte ist auch mit Verspätung schön und amüsant. Mit ihr geht unser Christmas-Zyklus vorerst zu Ende, es sei denn auch Dorota noch etwas schreibt. – Anm. EMS)

UNSER FEST

RENKA:        Na weil das war so: Aśka kommt nach Hause und schreit:

AŚKA:           „Du, Renka, Rachela, meine alte Mutter, ist einfach abgehaun nach Israel, und hat uns n Hunderter dagelassen, und an der Klagemauer betet sie jetzt, und die denkt noch, dass du hier so n Weihnachten für alle machst, nicht nur für deine Familie, sondern für meine dazu, weil du doch immer alles machst.“

Und RENKA leuchten die Augen:

RENKA:        Jesus, ein ganzer Hunderter in einem Stück, das hab ich seit ich lebe in diesem deutschen Lande, auf Augen nicht gesehen. Das ist doch ein Wunder, das grösste Wunder der Welt. Guck, der Hunderter ist grün! Und das hab ich nicht gewusst.

AŚKA:            Auf einmal wird Renka weiss wie die Wand, weil jetzt muss sie doch machen diese 13 Gerichte, so wie normal man das in der Heimat macht, zu Weihnachten

RENKA:        das ist doch Gottes Geburt und nicht irgend ein Furz.

AŚKA:            Weil Renka, die ist vom Dorf, wo die noch haben heilige Bilder auf allen Wänden, sogar im Flur hinter der Tür

RENKA:        und nur weil wir hier leben entschuldigt nicht, dass es keine 13 Gerichte gibt. Das ist doch ein Muss, weil als ich 12 war, da hab ich den Papst getroffen, live, als er damals in Polen war, und er, normal, hat mich auf die Stirn geküsst. Und meine Mutter hat mir verboten, die ganze Woche, diese Stirn zu waschen und alle wollten mich anfassen.

AŚKA:            Ee, Renka, lass locker, wir sind doch hier in diesem deutschen Lande, hier glaubt doch niemand an Gott, und an diesen dein Papst, an den glaubt hier nicht mal der hinkende Hund.

RENKA:        Du Aśka, lieber lästerst du nicht, sonst wächst dir ein Herpes auf der Zunge, du weißt doch nicht mal, wie er hieß, unser Papst, der hieß nämlich doch Karol Wojtyła, und sogar Du Aśka, du bist doch Polin, und denkst, der hieß mit Vornamen Johannes und mit Nachnamen Paul.

AŚKA:            Und Renka denkt schwer nach:

RENKA:        Aber Aśka, irgendwie Recht hast du, hier glaubt doch niemand an Gott.

AŚKA:           Und Renka fällt ein, die hat sich mal verlaufen, auf eine deutsche Messe.

RENKA:        Und dort standen drei Leute, in dieser riesigen Kirche, und singen konnte keiner davon. Und wie die mich hier jeden Tag beschimpfen als Katholikin, ständig muss ich ihnen beglaubigen, dass ich normal bin. Und wenn ich mich hübsch anziehe, weil ich in die Kirche gehe, fragen sie mich, ob ich heute Geburtstag hab.

AŚKA:            Und Renka nervt sich maximal:

RENKA:        Die sollen mich doch küssen, du weißt schon wo, und wenn ich diese 13 Gerichte mache, lachen die mich noch aus. Und daraufhin trifft Aśka ein Blitz der Erleuchtung:

AŚKA:            Hör zu, machen wir doch einfach ein jüdisches Fest, weil meine jüdische Familie die kommt bestimmt, und wenn wir nicht befriedigen die koschere Fraktion, kommt noch so n Dibbuk in uns, oder schlimmer… nimmt uns Rachela diesen wunderschön grünen Hunderter zurück.

RENKA:        Du Aśka, das hau du dir mit einem Gummihammer aus deinem Kopf, das ist doch Jesus Geburt, und wer war für die Juden Jesus? Na, normal, ein Betrüger. Und ausserdem, Aśka, sieh die Sache rational: so n Hunderter, der reicht nur für n Aldi, und nicht für so n koscheres Geschäft. Und Aśka verschluckt sich fast:

AŚKA:            Die Rachela lässt uns hier mit diesem einsamen Hunderter zurück und selber fliegt sie nach Israel? Soll die sich doch selber machen ihr koscheres Fest! SIE hat doch den orthodoxen Menopausentick, dass ihr unbeschnitten kommt keiner ins Haus. Und sieht sie ein Doppel-s, und im Deutschen gibt’s viel davon, die ganze Zeit denkt sie an die SS.

RENKA:        Und wir werden ganz trübsinnig und unsere Köpfe lassen sich hängen, weil gleich kommen diese unsere Gäste,

AŚKA            und was, sollen sie diesen grünen Hunderter essen?

RENKA:        Und aufeinmal springt Aśka fast unter die Decke:

AŚKA:            Du, Renka, ich hab, normal, eine Idee, aber welche: machen wir es so wie in diesem deutschen Land, im Sinne dieser ihrer Integration!

RENKA:        Was? Kaufen, kaufen, sich vollfressen und sich verstreiten, und dann noch so tun, als wäre alles Wunderglück – oh nein, mit mir nicht.

AŚKA:            Du Renka, Recht hast du, aber leise, unsere Wände haben doch Löcher, und wenn die hier dich hören, geben die mir nie Hartz IV.

RENKA:        Und in der Damaschkestrasse 24, verliert das Leben seinen Sinn,

AŚKA:            und beide wollen wir sterben,

RENKA:        und zwar sofort.

AŚKA:           Komm Renka, wir machen kein Fest, wir gehen schlafen, und wenn sie an die Tür klingeln, machen wir nicht auf, als wären wir in Polen oder tot.

Und Renka wird noch untröstlicher:

RENKA:        Und was? Sollen wir Rachela geben diesen wunder-grünen Hunderter zurück?

AŚKA:            Oh nein, nur über unsere Leichen. Weil wann sehen wir wieder so n grünen Hunderter in einem Stück?

RENKA:        Und plötzlich klingelt es an der Tür und schon kommen die Gäste:

AŚKA:            unser Moslem aus Bosnien, aufgebrezelt wie zum Impfen,

RENKA:        im Anzügchen a la Broz Tito, diesem Parteibonzen von den Jugos.

AŚKA:            Und dann, zum Ausgleich, der israelische Soldat,

RENKA:        voll und so schwankend, als geben die in dieser israelischen Armee zu enge Schuhe aus.

AŚKA:            Gleich danach, die langweiligeren Gäste, fünf nicht praktizierende Katholiken,

RENKA:        fett eingeflogen, total high, direkt aus Amsterdam.

AŚKA:            Und zum Ausgleich, dank Rachela, der angenähte Onkel Abraham,

RENKA:        wo Aśka den nie auf Augen gesehen hat.

AŚKA:            Und in dieser unserer Bude in der Damaschke 24, wurden plötzlich fünf Sprachen gesprochen,

RENKA:        normal, der Babelturm,

AŚKA:            nur ist nichts schlimmes daraus erwachsen.

RENKA:        Weil  wir habens noch mit dem Hunderter ins Aldi geschafft, und Renka hat schnell noch 200 Pieroggis geklebt

AŚKA:         und niemand hatte so tolle Weihnachten,

RENKA:     die besten in der Welt 

weihnachten bei renka und askaUnd sogar hat sich herausgestellt, was koscher ist: die Giraffe, ja, aber das Zebra schon nicht mehr, weil es Hufen hat.

pszpsz

Achtung: unten Kultureller Ratschlag von Johanna und Tanja auf Deutsch.

To musiał być ciężki miesiąc, ten styczeń dwa lata temu. A jednak i z takich ciężkich miesięcy można się otrząsnąć…

Honti

point
8 stycznia 2011

chleb
do szczęścia
potrzebuje
ust,

nie masła.

są światy,
których
mi
nie
możesz
dać.

– – –

tęcza
zagasła.

mimo
11 stycznia 2011

opowiedz mi
czemu
myśli
jak ptaki

ruszają z dwóch
brzegów
by się
mgłami
rozminąć

opowiedz mi
czym się karmi
wspomnienia
puszczone
na
wolność

o, powiedz mi
jak daleko
do
twojej
miłości

ryss
12 stycznia 2011

rozbijam wzrok
o lustro
twej złości

patrząc wstecz
ścigam cię
zwielokrotniona
płaczem

zagryzam
kanapką
z
ciszą

ból
nieistnienia

Pomost
20 stycznia 2011

odwiedź mnie

odśnież
odczaruj
odczytaj

zdmuchnij pył,
co w płatkach smutku
zakwita

odwiedź mnie

choćby
we
śnie

pszpsz
21 stycznia 2011

zakochane duchy
tańczą w parku walca –

który wygra turniej
może zjeść padalca

i zanurzyć piętę
w migdałowym sosie

by rozśmieszyć muchy
harcujące w nosie

________________

Tanja und Johanna über den Film “Mitternachtskinder” (Spiegel: Die Regisseurin Deepa Mehta hat Salman Rushdies magischen Roman für das Kino adaptiert)

Geschichte Indiens, von 1917-1977, allerdings mit Verwebung von Fantasie-Geschichten, göttlichen Gleichnissen und Realität – im fliegenden Wechsel – durch und durch indische Erzählweise.Viele märchenhafte Elemente. Drei Schwestern, vertauschtes Kind, geisterhafte Begegnungen, eine Hexe, die zaubern kann. Indira Gandhi, die Kinder mit besonderen Fähigkeiten fürchtet, jagt und vernichtet. Und grünes Chutney bringt schließlich das Happyend. Schöne Farben, geschmeidige Bilder, auch im Slum. Gesangseinlagen fast a la Bollywood. Leute haben im Laufe des Films graue Haare gekriegt, sonderliche charakterliche, Veränderungen hat aber niemand durchgemacht. Nicht so schlimm wie die Verfilmung von “Die Liebe in den Zeiten der Cholera”, aber das Buch garantiert besser.
Today is full moon. So look! Marvellous full moon in New Zaeland – video made by Mark Gee.
http://vimeo.com/markg/fullmoonsilhouettes

131281

Aśka & Renka
oder Johanna Rubinroth und Renata Borowczak-Nasseri
oder Metropolinnen / Metropolki

Sie schreiben über sich selber auf ihrer Homepage:
“… zwei Polinnen in Berlin. Die Küche ist der wichtigste Raum unserer Wohnung. Hier geht es hoch her. Wir braten nicht nur polnische Bouletten, hier wird vor allem diskutiert. Wie ist das zum Beispiel mit der Verteilung von arm und reich – wie kann man überleben am Rand der Gesellschaft? Und wie steht es mit Helmut, dem argwöhnischen Nachbarn, und der deutsch-polnischen Völkerfreundschaft? Wie…”
Als der Aufruf kam, 2011 für den Wetbewerb vom Polnischen Rat in Berlin, über Erinnerungen an den “Kriegszustand” in Polen und Hilfe aus Berlin zu schreiben, schrieben sie…

Weil das war so: Wir sitzen in dieser unserer psychodelischen Küche, Renka raucht diese dünne weiße Zigarette, und Aśka glotzt in diese ihre „Kauf-dich-glücklich“-Prospekte.

Und Aśka blättert bis in die Spielzeugabteilung, als ihre Augen werden plötzlich ganz weich:  Renka, guck, Barbies! Ich habe auch, als Kind, so eine Barbie bekommen. Sie war in einem Spendenpaket: normal, diese blonde Super-Puppe, in einem rosa Koffer, mit drei Kleidern zum Wechseln, und einem kleinen Plastik-Hund, und das in diesem kommunistischem Polenland!

Und auf einmal weiß Renka bescheid: Heiliges Recht hast du, ich auch! Schokolade aus Deutschland habe ich bekommen, damals in diesem Kriegszustand! Der Pfarrer hat in der Kirche Pakete verteilt,  und da waren die Lions, diese Schokoriegel mit Karamel, das sich göttlich an die Zähne klebt und auf der Zunge dreht!

AŚKA: Du Renka, mit meiner Barbie war ich noch drei Monate der Star im ganzen Dorf!

RENKA: Und ich, Aśka, die Verpackung von meinem Lion, die hab ich aufgehoben, um immer wieder zu riechen daran.

Und Aśka sagt: Wir wollen auch spenden, auch wenn wir selber leben am unteren Rand der sozialen Gerechtigkeit! Komm Renka, machen wir so ein Paket, mit Barbie, Schokolade, und andrem Essen. Und schicken es zu den Ärmsten der Armen, am Besten zu dem Hunger nach Afrika. Weil Renka eins sage ich dir: jedes arme Kind einmal im Leben hat so was verdient!

Aber Renka sagt: Aśka, Wann hat dein Konto das letzte mal Kasse gesehen, wenigstens einen Eurocent?

Aber Aśka muß helfen, kann jetzt nicht aufgeben, und schon stehen wir, vor diesem Bankomaten, und warten und beten, und wir haben Glück, weil wirklich – da kommt es – das erlösende Rattergeräusch. Und wir gehen raus, ganz glücklich, mit einem 50-Euro-Schein in der Hand.

Und wir gehen in dieses Ihre „Befriedige-alle-deine-Konsum-Wünsche“-Kaufhaus und müssen blinzeln, so viele Sachen gibt es da. Und wir streiten:

RENKA: Wir müssen diese Lions kaufen.

AŚKA: Nein, diese Barbie.

RENKA: Nein, erst das Essen, dann die Barbie, wenn was übrig bleibt.

Und Renka sagt: Du, Aśka, guck, wie wir uns daran gewöhnt haben, an dieses Übermaß. Erinnerst du dich, wie das damals war, als dieser General Jaruzelski, dieses kommunistische Oberhaupt, in der schwarzen Brille, uns mit dem Kriegszustand beschert hat, das war auch direkt vor Weihnachten – da gingst du in so ein Laden rein: alle Regale leer, und nur auf einem Brett stand Essig, oder höchstens Senf. Und das monatelang.

Und wir laufen durch dieses Riesenkaufhaus, und wir packen in den Einkaufswagen Schokolade, die mit den Rosinen und Zucker zwei Kilogramm.

Und auf Aśka flüstert: Ich weiß noch, wie ich das trockene Brot unter dem Wasserhahn naß gemacht habe, und mit Zucker bestreut, das war unsere made-im-Kommunismus-Süßigkeit. Du, und in dem Paket aus Deutschland, da waren warme Unterhosen. Und eine Winterjacke obendrauf. Komm, so was nehmen wir auch.

RENKA: Nach Afrika warme Unterhosen? Aśka, hör auf. Nehmen wir lieber doch mit so n Schweinefleisch in Soße in der Dose.

Aber  Aśka läuft schon zu dem bunten Obst-Gemüse stand, starrt die Früchte an, und haucht: Du Renka, für mich der Westen, damals, das war ein Zauberwort, und schmeckte nach rosa Kaugummis und Bananen!

Aber auch Renka hat ihre Erinnerungsvision an dem Gemüsestand; weil einmal Renka sollte Butter kaufen, und normal, es gab nur so was grünes rundes, wie Bälle, und es sah aus wie geschwollene Gurken. Und Renka hatte furchtbare Angst – kaufen, oder nicht kaufen. Zum Glück hat die Nachbarin gesagt: Nimm, was es gibt, weil morgen gibt es vielleicht gar nichts.

RENKA: Und als wir die geschwollene Gurke aufgeschnitten haben, hat sich gezeigt, daß sie innen drin rot sind und süß. Und so hab ich, mit acht, und meine Oma mit 77, zum ersten Mal eine Wassermelone gegessen.

Aber Aśka hört nicht zu, sie driftet zu der Spielzeugabteilung, die Barbiepuppe zu kaufen für das afrikanische Kind, Renka hinterher, und plötzlich bleibt sie stehen: Aśka guck, wie viele Waschmaschinen, normal, wie soll man entscheiden, welche man kaufen soll? Damals im Kommunismus, hat man sich gefreut, wenn man überhaupt eine hatte. Und um eine zu bekommen, in der Schlange mußte man stehen, Tag und Nacht, weil sonst ist der Platz verflogen. Und einmal, da standen wir und zwar eine Woche lang: Morgens mein Bruder, er hatte Schule zur Spätschicht, weil es nur wenig Klassenzimmer gab, wie ich von der Schule kam, hab ich ihn ausgewechselt, am Nachmittag ging Mutter in die Schlange, und Nachts stand Vater, und so die ganze Woche lang. Na und eines Nachmittags haben sie die Waschmaschinen angefahren. Sie haben 18 Waschmaschinen gebracht und stell dir vor: wir waren die 19 in dieser Schlange…

Und wir stehen an der Kasse und die Schlange ist lang, fast wie damals in diesem kommunistischen Polen, weil es gibt hier in Deutschland diesen Konsumwahn, und besonders vor diesen Weihnachten.

Und plötzlich sagt Aśka: Ich weiß nicht wie dieser Krieg ausgebrochen war, weil ich noch klein war. Ich weiß nur, wie ich mit meiner Tante war in der Stadt, um mir diese Okkupation anzuschauen. Soldaten, und Panzer, normal, überall. Und im Bus, eine Frau hat gesagt: “Jetzt werden wir die von “Solidarność” aufhängen“. Und die Augen brannten, von dem ganzen Tränengas.

Aber Renka hat ein Einstein-Gedächtnis und weiß alles ganz genau.

RENKA: Es ist der 13.12 Dezember 1981, ich stehe auf, zu gucken diese Kindersendung, diesen “Teleranek“, und wie immer gehe ich zum Opa, weil Opa und Oma haben über der Diele gewohnt, im gleichen Haus. Und dort auf dem Bildschirm, statt meiner Sendung: ein kahler Typ in großer schwarzer Brille und in Uniform, wie eine riesige schwarze Fliege sieht der aus. Und ich gucke – weil was macht mein Opa? Er steht auf und geht zum Fernseher, und spuckt auf den Bildschirm, auf diesen Fliegenmann. Und meine Oma, angepisst wie eine Messerschmitt, kommt mit einem Lappen gerannt, und reibt. Opa spuckt wieder, und schimpft: „Sie haben uns an die Russen verkauft.“

Und auf einmal sind wir schon an der Kasse angelangt, und müssen bezahlen, mit unserem kostbaren 50-Euro-Schein.

Und Aśka sagt: Weißt du noch? Damals, in Polen, da war alles auf Marken. Und auf ein Kind, auf ein Monat, fiel eine einzige Schokolade.

RENKA: Aha, von wegen, Schokolade, das war ein Schoko-ähnliches-Produkt, das schmeckte wie eine Mischung aus Asche und Mehl.

Und wieder stehen wir auf der Straße, vollgeladen wie die Weiber aus Rußland, mit diesem unserem Carepaket, und hauen in Richtung zu diesem Hilfswerk.

Und dort, die Frau, guckt uns an, und sanft sagt sie: Wir nehmen keine Sachen, wir nehmen nur Geld.

Und wir sehen aus, als ob uns eine Taube auf den Kopf geschissen hätte.

Aber Renka lässt sich nicht beleidigen von der Wirklichkeit und denkt wie immer praktisch: Komm, wir geben alles zurück, holen wieder das Geld, und bringen es her.

Und wieder hauen wir zu dem Kaufhaus, aber an der Kasse Aśka schaut in die Tasche, und, normal, der Bon ist nicht mehr da. Und Renka nervt sich, aber wie, auf maximal: Aśka, oh nein, du hast ihn verloren! Sollen wir die Afrika-Spenden jetzt selber essen?

Aber plötzlich Renkas Blick fällt auf einen Korb, voll mit Essen, und allerlei, und sie liest die riesige Aufschrift: „Kauf eine zusätzliche Packung für die Kinder zu Weihnachten“.

Und Aska guckt, denkt, auf einmal blitzt Intelligenz in ihrem Gesicht, sie lächelt von Ohr zu Ohr, und verkündet: Aber Renka, machen wir, wie da steht! Wieso suchen wir soweit? Die Deutschen haben uns damals gegeben, geben wir jetzt ihnen!

Die Kunst des schönen Gebens wird in unserer Zeit immer seltener, in demselben Maße, wie die Kunst des plumpen Nehmens, des rohen Zugreifens täglich allgemeiner gedeiht.
Heinrich Heine

Die Oder-Flut

Die Oder-Flut in Polen. Versuch einer Rekonstruktion
von Renata Borowczak-Nasseri und Johanna Rubinroth
Audycja radiowa – Radiosendung:
Freitag / 18.01.2013 /20:10 / Deutschlandradio

Sprecher 1: Radio-Moderator:
Polnischer Rundfunk Niederschlesien. Radio Dolny Śląsk, wir haben den 6. Juli 1997, es ist 20 Uhr 10. Unser Studiogast heute: Pan Krzysztof Miazga, Experte für die Prophezeiungen des Nostradamus. Wir Polen sind ja sehr abergläubisch und gehen öfter zu einer Wahrsagerin als in ein Lebensmittelladen, (Miazga lacht) – panie Miazga,  was passiert  in  Zukunft mit uns?

Sprecher 2: Krzysztof Miazga:
Lassen wir Nostradamus selbst sprechen:

Das Jahr folgt, entblößt durch Überschwemmung – so
schrecklich stark!
Bei Jung,  Alt und Tier: Blut, Feuer, Überschwemmungen,
die größten, die es je hier gab!

Sprecher 1:Radio-Moderator:
Das klingt ja ungeheuerlich!

Sprecher 2 Krzysztof Miazga:
In der Tat! Nostradamus hat für die Zeit zwischen 2003 und 2022 einen Klimacrash angekündigt. Es sollen kosmische Umwälzungen stattfinden, die sich katastrophal, aber zugleich auch heilend auf unseren Planeten auswirken werden. Die Pole werden schmelzen, es wird große Überschwemmungen in der Sahara und Hitze- und Dürrekatastrophen in Südeuropa und den Regenwaldgebieten geben.

Sprecher 1: Radio-Moderator:
Und Schuld daran sind wir selbst…

Sprecher 2: Krzysztof Miazga:
So ist es.

Sprecher 1: Radio-Moderator:
Lassen wir eine Hörerin zu Wort kommen – wir haben Magdalena in der Leitung:

Sprecherin 3:  Magdalena (Anruf)
Ja, hallo??

Sprecher 1: Radio-Moderator:
Dobry wieczor, wir hören Sie….

Sprecherin 3: Magdalena(Anruf)
Also ich finde, es ist schon beängstigend, dass so viele, unabhängig voneinander, das gleiche voraussagen… Nostradamus, von den Mayas ganz zu schweigen… denken Sie von mir, was Sie wollen, ich glaube, dass da irgendwas passiert… Also wir treffen schon Vorkehrungen…

Sprecher 1: Radio-Moderator:
Danke,  Magdaleno.  Und hier ist Pan Staszek:

Sprecher 4: Staszek   (Anruf, ältere Männerstimme)
Ich sag Ihnen was, wir müssen`s wie die Regierung machen und unseren Scheiß-Bunker selbst bauen! In den letzten 10 Jahren wurden in fast jedem Land Bunker gebaut, z. B. in Spitzbergen. Dort sollen Politiker, Multi-Millionäre, Wissenschaftler, Militär… usw. Unterschlupf finden. Da werden Samen eingefroren, die in der verdorrten Erde –

A0 Unterbrechungs-Signal von RADIO Dolny Śląsk  Pip Pip Pip,

Sprecherin 1:
Radio Dolny Śląsk. Wir unterbrechen die Sendung für eine aktuelle Durchsage. Głuchołazy ist in Folge der starken Regenfälle in den Ostsudeten und in  Südschlesien von Oder und Neiße überflutet worden. Der Premierminister hat Hochwasseralarm ausgerufen. Einwohner von Głuchołazy, Feuerwehr und Militär nehmen an der Rettungsaktion teil. Soweit die aktuelle Durchsage.

Sprecher 1:Radio-Moderator:
Panie Miazga, was sagen Sie zu der Hochwasser-Gefahr – sind Sie beunruhigt?

Sprecher 2: Krzysztof Miazga:
(lacht auf)
 Ach nein, das Ende der Welt beginnt garantiert nicht mit ein bisschen Regen und Wasser in den Gebieten, in denen so was ohnehin jedes Jahr passiert.

Sprecher 1:Radio-Moderator:
Ihr Wort in Gottes Ohr! Wir haben wieder einen Anrufer in der Leitung. 

Sprecher 5:Karol   (junger Mann)
Hallo, hier Karol aus Wrocław. Der Seher der Mayas war auf Drogen, das weiß doch jeder. Und nur weil er Nostradamus hieß, bedeutet das noch lange nicht…

(plötzlich abgebrochen)

Radiosprecherin:
Gerade erreicht uns die Information, dass weitere Städte überflutet sind. Unsere Reporterin, Anna Wilczak, ist  in Klodzko.

Sprecherin Anna:
Hallo? Bin ich zu hören?

Radiosprecherin:
Ja,  Anna, sprechen Sie.

(Totenstille…)

Der ganze Text: Das große Wasser

Der alles gesehn hat überall, das Land regierte,
Der die Ferne kannte, Jegliches erfasst hatte,
… er gleichermaßen;
Alles an Kenntnis der Dinge allzumal hatte Anu ihm bestimmt.
Verwahrtes auch sah er, Verborgenes erblickte er;
Hat Kunde gebracht von vor der Sintflut,
Fernen Weg befahren, war dabei matt einmal und wieder frisch,
Auf einen Denkstein hat er die ganze Mühsal gemeißelt.
Die Mauer um Uruk-Gart ließ er bauen,
Um das heil‘ge Eanna, den strahlenden Hort.
Gilgamesch, 1. Tafel