Der Weber und Schriftsteller, Hugo Lubliner

Ewa Maria Slaska:

2018 wurde mein (auto)biographischer Roman Die Lubliner auf Polnisch herausgegeben. Es war eine, leicht beletrisierte, Familiengeschichte. 20 Jahre habe ich mich auf diese Aufgabe vorbereitet. Danach noch sieben Jahre recherchierte ich. Ich dachte, ich habe damals alles gefunden, was man über die Familie finden konnte, auch manche Lubliner in den Veinigten Staaten, die zur Familie nicht gehören, nur den gleichen Namen besitzen. Lubliner, der aus Lublin.

Im letzten Jahr aber schrieb Ela Kargol das Wort “Lubliner” in Internet ein und fand sofort einen deutschen Schriftsteller (und Weber) aus Berlin, einen gewissen Hugo Lubliner, von dem ich nie gehört habe.

Nun ja, was kann ich jetzt sagen: Bravo Ela!

Zu meiner Erleichterung fand ich später, dass der Wikipedia-Eintrag über Hugo Lubliner, von Ulrich Goerdten, einen pensionierten Bibliothekar in Berlin, erst November 2020 verfasst wurde.

Wikipedia:

Lubliner, Hugo (Pseudonym Hugo Bürger), Bühnendichter, Romanschriftsteller
* 22.4.1846 Breslau, † 19.12.1911 Berlin. (israelitisch)

Sein Vater war Kaufmann in Breslau. Die Familie zog nach dessen Tode 1858 nach Berlin, wo Hugo die Realschule besuchte und anschließend eine kaufmännische Lehre durchlief. Er war von 1865 bis 1873 Leiter einer Weberei.

1865 wurde sein erstes Lustspiel aufgeführt. Ein paar Jahre später entschied er sich für den Schriftstellerberuf und schrieb seit 1873 ständig Lustspiele, die im Königlichen Schauspielhaus in Berlin sowie am Burgtheater in Wien und anderen Theatern aufgeführt wurden. Seine Stücke waren bei den Theatern beliebt und beim Publikum erfolgreich.

Lubliner schrieb auch Romane, in denen das Großstadtleben seiner Zeit geschildert wurde. 1892 gründete er die Zeitung Der Abend, die jedoch keinen geschäftlichen Erfolg hatte. Für den Österreichischen Lloyd redigierte er unter seinem Pseudonym Hugo Bürger vier, 1901 und 1902 erschienene, Reisehandbücher.

Lubliners Grab befindet sich in Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee.

Die Liste seiner Werke ist sehr lang und das Wort “Auswahl” lässt vermuten, dass sie länger hätte sein können:

  • Nur nicht romantisch! Dramatischer Scherz in einem Akt. Michaelson, Berlin 1864.
  • Der Frauenadvokat. Marschner & Stephan, Berlin 1876
  • Die Frau ohne Geist. Lustspiel in 4 Akten. Marschner & Stephan, Berlin 1879.
  • Der Jourfix. Lustspiel in vier Akten. Berlin 1881.
  • Die Modelle des Sheridan. Lustspiel in vier Akten. Marschner & Stephan, Berlin 1875
  • Die Adoptirten. Schauspiel in vier Acten. Bloch, Berlin 1876.
  • Die Florentiner. Trauerspiel in 5 Aufzügen. Marschner & Stephan, Berlin 1876.
  • Eine Fessel. Schauspiel in vier Akten. Marschner & Stephan, Berlin 1877.
  • Gabriele. Schauspiel in vier Akten. Marschner & Stephan, Berlin 1877.
  • Auf der Brautfahrt. Lustspiel in vier Akten. Entsch, Berlin 1880.
  • Forschungsresultate. Lustspiel in 1 Act. Sittenfeld, Berlin 1880.
  • Gold und Eisen. Schauspiel in 4 Akten. Marschner & Stephan, Berlin 1881.
  • Aus der Großstadt. Schauspiel in 4 Akten. Bloch, Berlin 1883.
  • Die Mitbürger. Lustspiel in 4 Akten. Bloch, Berlin 1884.
  • Gräfin Lambach. Schauspiel in vier Akten. Bloch, Berlin 1886.
  • Die armen Reichen. Lustspiel in 4 Aufzügen. Entsch, Berlin 1886.
  • Die Gläubiger des Glücks. (Berlin im Kaiserreich I.) Roman. Schottländer, Breslau 1886.
  • Die Frau von neunzehn Jahren. (Berlin im Kaiserreich II.) Roman. Schottländer, Breslau 1887.
  • Wenn der Sommer kommt. Lustspiel in 3 Akten. Bernstein, Berlin 1887.
  • Der Name. Schauspiel in 4 Akten. Bloch, Berlin 1889.
  • Im Spiegel. Schauspiel. Bloch, Berlin 1890.
  • Der kommende Tag. Schauspiel in vier Aufzügen. Lehmann, Berlin 1891.
  • Der Riegnitzer Bote. Schauspiel in 4 Akten. Entsch, Berlin 1894.
  • Das neue Stück. Lustspiel in 4 Akten. Entsch, Berlin 1894.
  • An der Riviera. Schottländer, Breslau 1896.
  • Die junge Frau Arneck. Lustspiel in 4 Akten. Entsch, Berlin 1896.
  • Andere Luft. Schwank in 3 Akten. Entsch, Berlin 1897.
  • Nacht und Morgen. Schauspiel in 5 Aufzügen. Boll, Berlin 1897.
  • Der Zoller. Historie in 5 Aufzügen. Boll, Berlin 1897.
  • Das fünfte Rad. Lustspiel in 3 Aufzügen. Bloch, Berlin 1899.
  • Splitter und Balken. Lustspiel in 4 Aufzügen. Bloch, Berlin 1899.
  • Roman eines anständigen Mädchens. Hillger, Berlin 1899.
  • Die lieben Feinde. Lustspiel in 3 Aufzügen. Bloch, Berlin 1901.
  • Redaktion: Der Österreichische Lloyd und sein Verkehrsgebiet. Offizielles Reisehandbuch der Dampfschiffahrtsgesellschaft. Rudolf M. Rohrer, Wien 1901 u. 1902 (4 Bände)
  • Der blaue Montag. Lustspiel in 3 Aufzügen. Bloch, Berlin 1903.
  • Frau Schubels Tochter. Roman. Schottländer, Breslau 1905.
  • Die glückliche Hand. Lustspiel in drei Aufzügen. Bloch, Berlin 1911.

Ein Buch von Hugo Lubliner habe ich gerade in einer Berliner Bibliothek gefunden. Es ist jedoch, wie man sieht, nicht entleihbar. Man kann es nur im Lesesaal lesen und dafür fehlt mir momentan sowohl Zeit als auch Muse. Irgendwann Mal lese ich es… 🙂

***

Am Ende erlaube ich mir noch einen Ausflug ins Reich der Ethymologie. Hugo Lubliner war ein Weber und ein Autor, und dies ist eine sehr logische Zusammensetzung der Berufe. Der Weber erstellt die Textilien, der Autor - Texte. Es ist kein Wortspiel; so ist in der Tat das Wort Text entstanden - vom Stoffe webern. Bei dem Text-Herstellen gibt es noch andere Begriffe aus dem Wortschatz eines Webern. Zum Beispiel ist es sehr wichtig, dass sich durch den ganzen Text konsequent der rote Faden hindurchzieht, so wie sich im gewebten Tuch am Rande der rote Faden durchzieht. Auch die Dichtung und der Dichter sind mit dem Webern eng verwand. Der Dichter baut die Worte eng zusammen, dichtet sie, so wie der Weber mit einem Dichtkamm die Schussfäden eng zusammen... na ja, eben dichtet. In polnischer Sprache gibt es wiederum im Text Kett- und Schussfaden, also Hauptstrang der Narration und die sich drum herum webende Fäden der Nebengeschichten. Also der Schriftsteller und der Weber sollen immer eng miteinander kommunizieren. 

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