Reblog: Flüchtlinge auf der Insel Kos

spiegel-banner

Sonnenaufgang auf Kos, Flüchtlinge schleppen sich an den Strand. Daniel Etter hat eine Familie bei der Ankunft auf der griechischen Insel fotografiert. Das Bild geht um die Welt. Im Interview erzählt er, wie es entstanden ist.

Laith Majid ist ein Mann wie ein Bär. Mächtige Unterarme, Dreitagebart, ein Gesicht, als habe er schon so manche Rauferei durchgestanden. Jetzt steht Majid da, seine Tochter, seinen Sohn, seine Frau eng umschlungen. Majid weint: Sie leben.

Hunderte Flüchtlinge kommen jeden Tag am Strand der griechischen Insel Kos an. Flüchtlinge, die in winzigen, wackligen Booten von der Türkei aus versuchen, in die EU zu gelangen. Flüchtlinge wie der Syrer Majid und seine kleine Familie. Daniel Etter hat sie getroffen, hat den Moment ihrer Ankunft im Morgengrauen festgehalten. Es ist ein besonderes Foto, mit dem die renommierte “New York Times” ihre Flüchtlingsberichterstattung illustriert. Ein Foto, das tausendfach in den sozialen Netzwerken geteilt wird. Es geht um die Welt.

“Damit habe ich nicht gerechnet”, sagt Etter. Der 34-Jährige lebt in Barcelona. Als freier Fotograf reist er zu den Orten, an denen die Flüchtlingskrise ein Gesicht hat. “Vielleicht bin ich nicht der emotionalste Mensch”, schreibt Etter auf Facebook, aber Majids Reaktion “bringt mich immer noch zum Weinen”. Auf SPIEGEL ONLINE erzählt er die Geschichte des Bildes.

SPIEGEL ONLINE: Herr Etter, Ihr Foto zeigt eine sehr emotionale Szene auf Kos. Fällt es Ihnen in solchen Momenten schwer, Ihre Arbeit zu machen?

Daniel Etter: Nein, da bin ich völlig auf meine Arbeit konzentriert. Es geht alles wahnsinnig schnell, die Boote kommen an, alle wollen sofort vom Strand weg. Aber natürlich war das ein sehr emotionaler Moment, auch für mich. Laith Majid wirkt ja nicht gerade gefühlsduselig. Dann mitzuerleben, wie all die Angst und die Sorgen um die Familie von ihm abfallen, war sehr bewegend. Bei mir kam das alles später hoch, als ich das Foto immer wieder angesehen habe. Mir sind immer wieder die Tränen gekommen. Das ist mir noch nie vorher passiert.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist das Bild entstanden?

Etter: Ich bin gegen 4.30 Uhr an den Strand von Kos gegangen. Die meisten Flüchtlinge kommen während des Sonnenaufgangs an. Ich habe in der Ferne das kleine Schlauchboot entdeckt. Zwölf Personen saßen darin, ausgelegt war es vielleicht für drei oder vier. Nach über zwei Stunden Fahrt hatte das Boot Luft verloren, Wasser war hineingelaufen, die Flüchtlinge waren durchnässt, als sie am Ufer ankamen. Sie waren dann völlig erleichtert, heil angekommen zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Was wissen Sie über die Familie, die Sie fotografiert haben?

Etter: Sie kommen aus Deir ez-Zor, einer syrischen Stadt, die seit Jahren im Kampf zwischen Islamisten und der Regierung in Grund und Boden bombardiert wird. So lange es irgendwie ging, haben sie es dort ausgehalten. Sie wollten nicht weg. Die Mutter arbeitete als Englischlehrerin. Jetzt sucht die Familie nach einem Ort, an dem ihre Kinder sicher leben können. Sie wollen nach Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat die Familie auf Sie reagiert?

Etter: Die haben mich zunächst überhaupt nicht wahrgenommen. In diesem Moment kam bei ihnen alles zusammen: Die Freude, es geschafft zu haben; die Liebe für die Familie; die Trauer über das, was früher war. Ich war aber dann länger mit ihnen unterwegs, habe ihnen erklärt, wo sie sich melden müssen. Als sie mich ein bisschen kennengelernt haben, waren sie wahnsinnig liebenswert.

SPIEGEL ONLINE: Was ist aus ihnen geworden?

Etter: Ich habe sie noch einmal in Kos getroffen. Da haben sie in einem einfachen Zelt an der Strandpromenade übernachtet. Die Tochter hatte nach der anstrengenden Reise hohes Fieber, auch der Sohn hat die ganze Zeit geschlafen. Am Abend wollten sie auf die Fähre gehen, die als eine Art Auffanglager dienen soll. Ob sie das geschafft haben, weiß ich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die vielen positiven Reaktionen auf das Bild überrascht?

Etter: Ich wusste schon, dass das ein gutes Bild ist. Ich arbeite seit ein paar Jahren als Fotograf und habe viele emotionale Szenen erlebt. Aber es hat mich noch nie eine Situation so berührt wie diese. So etwas in einem Bild einfangen zu können, ist der Grund, warum ich Fotojournalist bin. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass das Foto auch so viele andere Menschen bewegt. Das ist ein tolles Gefühl.

***

Der Autor:

Daniel Etter ist freier Fotograf und Autor. Der 34-Jährige lebt in Barcelona. Ausgebildet wurde er an der Deutschen Journalistenschule in München. Heute fotografiert er unter anderem für die “New York Times”. Texte von ihm wurden auch auf SPIEGEL ONLINE veröffentlicht. Für seine Arbeiten erhielt er mehrere Auszeichnungen.

Haus Europa

Brigitte von Ungern-Sternberg

Kindheiten in Europa: Heidi Ramlow

Überquert man eine Landesgrenze und kommt in ‘fremdes’ Land so ist einfach alles anders: die Sprache, das Essen, die Musik, wie sich Menschen zueinander verhalten …die Art zu denken. Oft erlebt, aber immer wieder spannend!

Ganz gleich ob und wie sich das ‘Haus Europa’ entwickeln wird, es wird in diesem großen ‘Haus’ immer viele separate Wohnungen geben, die sich höchst unterschiedlich präsentieren: polnische, französische, deutsche, griechische, italienische … Wohnungen (Wie viele? Siehe Europakarte!)

‘Haus Europa’? Das reicht nicht! Eigentlich sollte man eher von einer großen ‘Wohnanlage Europa’ sprechen.

Es empfiehlt sich, in diesen europäischen Wohnungen gelegentlich das Kinderzimmer aufzusuchen – denn wann haben wir sprechen, singen, denken gelernt, die Art Feste zu feiern und zu kochen? In der Kindheit natürlich! War man einmal in einer solchen Kinderstube, versteht man schon einiges davon, warum ein Mensch, der da groß geworden ist, so ist wie er ist. Und gut ist es auch, sich bei einer passenden Gelegenheit gegenseitig etwas von seinen prägenden Kindheitserlebnissen zu berichten.

Heidi RamlowHeidi Ramlow hat angefangen, diesen Faden des gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens über die Kindheitserzählungen aufzugreifen. Sie ist 1941 in Pustchow/Pustkowo zur Welt gekommen, hat also Wurzeln in Pommern, die sie in ihrem langen Leben in Hamburg, München und Berlin nicht vergessen hat. Und schon ist man mitten drin in gar nicht so einfachen Kindheiten. Viele sind in Europa nicht in säuberlich abgetrennten Wohnungen aufgewachsen, sondern sind einmal oder sogar mehrmals in der ‘Wohnanlage’ umgezogen. Da steht in einer verlassenen oder aufgegebenen Wohnung so ein Kindheitskoffer herum. Die jetzigen Bewohner fragen sich vielleicht: Wie ist der denn dahin gekommen? Anzumerken ist natürlich, dass das ‘Haus Europa’ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz und gar nicht ein Ort friedlichen Zusammenlebens war.

Ein von Heidi Ramlow herausgegebenes Buch über Kindheiten in Schweden und Deutschland gibt es seit Mai 2015 schon im Handel.

Ein zweites Buch mit dem Titel “Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen” ist im Entstehen, soll am 1.9.2015 erscheinen und 12 Euro kosten. Es werden in der zweisprachigen Anthologie 27 polnische und deutsche Autoren und Autorinnen von ihren Kindheitserlebnissen berichten, in unterschiedlicher literarischer Form, von Familie, Liebe, Religion, Ideologie, Fluchterlebnissen und Heimatsuche erzählen. Es ist ein Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und auch zur Versöhnung, so Heidi Ramlow. Herausgeber des Buches ist Heinrich von der Haar, Vorsitzender des Literatur-Kollegs Brandenburg e.V., Schirmherrin der Anthologie – Gesine Schwan, Präsidentin der Europauniversität Viadrina, Frankfurt/Oder.

Es gibt auch bereits einen Terminplan für eine Reihe von Lesungen in Deutschland und Polen, fünf davon im Oktober und November in Berlin. Von Kindheiten zu lesen ist interessant, sie erzählt zu bekommen einfach schön!

Flyer Deutsch  Flyer Po polsku

Die Herstellungskosten des Buches sind noch nicht gedeckt, über den Crowdfan-Link erfährt man, wie man mit einer Spende dazu beitragen kann.

Do dzieci i młodzieży/ An die Kinder und Jugendlichen!

filmdzieciZgłaszajcie się!

Czy imigracyjne pochodzenie może być naszą zaletą?
Co wnosimy do kraju, do którego emigrujemy i co otrzymujemy?

Z tymi pytaniami już pod koniec sierpnia zmierzy się grupa młodzieży w wieku
14-18 lat i udzieli na nie odpowiedzi w sposób filmowy.

W ciągu pięciu dni młodzi filmowcy będą mieli okazję stać się aktorami, reżyserami, operatorami, kierownikami planu filmowego, montażystami – jednym słowem, będą mogli wypróbować się w różnych zawodach filmowych.

Film, który powstanie w ramach warsztatów, będzie prezentowany w TV ALEX oraz weźmie udział w konkursach filmowych, przeznaczonych dla młodych twórców.

Warsztaty są darmowe i wciąż są jeszcze miejsca… a więc,

Kamera… akcja!

Zgłoś się pod adres email: aktywnie.prs@gmail.com
lub zadzwoń: 01758595921

Kolejna edycja rusza już pod koniec sierpnia 2015 roku

Ostatnim razem było fantastycznie! Zobaczcie sami!

https://vimeo.com/123721581

***

Meldet Euch an!

Kann ein Migrationshintergrund auch ein Vorteil sein?
Was bringen wir in ein Land ein, in das wir emigrieren und was erhalten wir im Gegenzug?

Mit diesen Fragen wird sich eine Gruppe von Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren bereits Ende August auseinandersetzen und uns ihre filmischen Antworten präsentieren.

Im Laufe von fünf Tagen werden junge Filmemacher/innen die Möglichkeit haben Schauspieler/in, Regisseur/in, Kameramann/-frau, Aufnahmeleiter/in, Cutter/in zu sein – mit anderen Worten werden sie die Möglichkeit haben sich in unterschiedlichen Filmberufen auszuprobieren.

Der Film, welcher im Rahmen dieses Workshops entsteht, wird bei Alex TV ausgestrahlt und bei Filmfestivals für junge Filmemacher eingereicht.

Der Workshop ist kostenlos und es gibt noch freie Plätze, also …
Kamera ab!
Melde Dich einfach an unter
E-Mail: aktywnie.prs@gmail.com
oder telefonisch: 01758595921

Die nächste Runde startet Ende August 2015
Beim letzten Mal hat es sehr viel Spaß gemacht! Schaut rein!
https://vimeo.com/123721581

Die kleine große Welt (14)

Monika Wrzosek-Müller

Zehlendorf

Sie wohnte jetzt seit einigen Monaten in Zehlendorf; die Gegend war wunderbar, alles zu Fuß zu erreichen, die S- und U-Bahn, kleine und größere Läden, viel Grün rundherum, das man nicht selbst pflegen musste, auf dem Balkon viel Platz zum Sitzen, sich sonnen, die Mitbewohner ausgesprochen sympathisch, gebildet, freundlich, ruhig, unaufdringlich und doch gesprächig. Zehlendorf-Mitte fast städtisch, menschenvoll, geschäftig, urban, aber ohne riesige Einkaufszentren, mit einem kleinem Kino, einem Heimatmuseum, einer Kirche, dem Bürgeramt und allem was dazu gehört.

Das Haus lag in einer Sackgasse, sie endete mit einem Rondell, sehr elegant und den Verkehr mindernd. Das große Gebäude selbst offensichtlich ein Relikt noch besserer Zeiten, ein schönes altes Bürgerhaus mit bröckelnder Fassade mit Kriegsschäden, noch sichtbar und nachvollziehbar, morbid, elegant und gemütlich; der Eingang gesäumt mit zwei rostroten monströsen Meerungeheuern sehr außergewöhnlich. Ihr war das alles lieb und unangestrengt, eine Gegend gewachsen mit den Jahren, wie das Grün der riesigen Bäume im Streifen zwischen der kleinen Wohn- und der großen Verkehrsstraße, alles wirklich geplant für ein glückliches, ruhiges, gelungenes Leben. Wenn man sich die Menschen dann länger und näher anschaute, bemerkte man zwei Gruppen oder Sorten; die einen waren eher ausgeprägte Individualisten; meistens allein lebend, skurril, ältlich um nicht direkt zu sagen alt, mit interessanten Berufsbildern; die anderen dagegen ganz jung mit kleinen Kindern, viele alleinstehende Mütter darunter. Es fehlte die mittlere Ebene; die war entweder gut versteckt, nicht sichtbar, oder eben nicht vorhanden. Die weit verbreiteten Stereotypen über diesen Wohnviertel stimmten für die ein paar Straßenüberhaupt nicht; es wohnten hier keine sehr reichen, versnobten Menschen, mit teuren Autos und dicken Portemonnaies.

Sie ging ihren kleinen Beschäftigungen nach, lernte ein paar von den Nachbarn kennen, nicht näher aber doch so, dass es nett sein konnte, dass man immer wieder ein paar Worte wechselte, sich immer begrüßte. So plätscherte das Leben vor sich hin, ohne dabei mühevoll zu erscheinen.

Das junge Paar aus Chile, das in dem Gebäude Hausmeister spielte, war unheimlich nett, bemüht alles richtig zu machen; sie putzten jede Woche das ganze Treppenhaus genauestens, kümmerten sich auch um den Vorgarten. Ihr kleiner Sohn war weit und breit das einzige Kleinkind, das überhaupt keine Angst vor ihrem Mini-Dackel hatte. Da dachte sie, wie kommt es, dass die im Wohlstand lebenden, in einer Großstadt erzogenen Kinder so viel Angst vor Tieren an den Tag legen. Sie versuchte mit den Kleinen darüber zu sprechen, aber meistens gab es nichts zu bereden, sie schrien sobald der winzige Hund sich ihnen näherte, die Eltern lächelten dabei schief und unsicher und erklärten, es gebe doch so viele böse Hunde. Prinzipiell würde mein Kind keinen Hund streicheln dürfen. Sie dachte; das Leben besteht aber doch nicht aus prinzipiellen Verboten und Erlaubnissen, sondern aus Einzelfällen und Zufällen, es wird immer wieder neu entschieden, neu verhandelt und neu gelebt, auch wenn dabei oft die alten Muster wirken. So könnte man doch einem kleinen Kind erlauben einen kleinen Hund zu streicheln und ihm damit die Angst nehmen.

Das Hausmeisterehepaar war wirklich außerordentlich nett und irgendwie doch auch in der deutschen Wirklichkeit verloren, so hielt sie immer wieder an und unterhielt sich mit ihnen. Da erzählten sie ihr, sie würden nach Polen in Urlaub fahren, an die Ostsee. Das hat sie natürlich sehr gefreut, sie erklärte ihnen, dass sie aus Polen stamme, aus Warschau, der Hauptstadt. Ja, sie würden auch mit einer Polin fahren, die ihre Freundin geworden sei, sie wohne in unserer Straße, habe zwei kleine Kinder und ihr Mann leite eine Firma, die wiederum lauter Polen beschäftige…; so ging das weiter und weiter. Sie erzählten auch vom Heimweh und vom Sparen für Flugticket nach Chile, von der Freude mit dem wunderbaren kleinem Jungen, vom kurzen Sommer und langen Winter in Berlin. Es waren warme, sehr fleißige und besondere Menschen, durch ihre Liebe zueinander und zu ihrem Sohn vereint. Die Polin hatte sie schon von weitem einige male gesehen; es war eine sehr hübsche, sehr junge Frau, der es offensichtlich sehr gut ging, die Kinder waren wie aus dem Bilderbuch,sehr stillsicher angezogen, gut erzogen, mit hellen Puppengesichtern, fuhren mit ihrer Mama im riesigen Mercedes in ihren Kindergarten.

Irgendwann sah sie dann auch den Mann, von weitem; in der kleinen Straße begrüßten sich eigentlich alle, auch sie grüßten einander. Er kam ihr bekannt vor, das Gesicht kannte sie aus anderen Zusammenhängen, sie musste nur darauf kommen, aus welchen. Irgendwann grüßte er sie auch auf Polnisch und da fiel es ihr ein: sie hatte in seiner Firma die Polen unterrichtet, die da arbeiteten; hatte ein Jahr lang versucht, den Menschen die Sprache ihrer nächsten Umgebung näherzubringen. Es war eine mühsame Arbeit, die meisten wollten die Sprache gar nicht lernen oder beschränkten sich nur auf das Nötigste, da sie ohnehin ihren Lebensmittelpunkt in Polen hatten, das Geld dorthin brachten, dort ihr richtiges Leben führen wollten. So blieb ihre Mühe erfolgslos, die Zahl der Kursteilnehmer sank, die Firma wollte verständlicherweise kein Geld mehr ausgeben und der Unterricht wurde eingestellt.

Sie dachte bei sich, wie es ist, wenn man in einem fremden Land nur aufs Geldverdienen aus ist, nichts rundherum wahrnehmen will oder kann, wegen Sprachschwierigkeiten, wegen all der kleinen Problemen, die dann zu großen werden und einem das Kennenlernen erschweren oder unmöglich machen. Und sie dachte, dass da niemanden eine Schuld treffe, dass die Zeit einfach zu schnell lief, dass die Prioritäten woanders lagen und das konnte sie für sich nur sehr schwer nachvollziehen und akzeptieren.

 

Strümpfe stopfen

Do moich polskich Czytelników – we wpisie jest mowa o cytacie z powieści Henninga Mankella Piąta Kobieta. Cytat dotyczy cerowania skarpetek. To bardzo ważny cytat. Kiedyś znalazłam link do tego cytatu po polsku, ale niestety w międzyczasie zniknął.

Ewa Maria Slaska

Wallander, Die Fünfte Frau und das Stopfen der Strümpfe

Ich lese gerade den 5. Roman von Henning Mankell. Gestern fand ich dort einen wichtiger Absatz, der eigentlich mit der Handlug der Krimistory nichts zu tun hat, viel aber mit dem Stand der unseren Gesellschaft. Wallanders Worte über Strümpfestopfen. Ich fand es interesant, dass ein sensibler Mensch schon in den 90gern, schon in reichen Schweden dies gesehen hat, was wir erst 10, 15, 20 Jahre später bemerkt haben. Er wusste, dass wir uns erst am Anfang von etwas befinden, das sich noch verschlimmern wird. Und so war es. Und so ist es. Und es läßt sich nicht ändern. Nicht umkehren. Ich dachte, ich möchte darüber hier, in diesem Blog erzählen, weil es so wichtig ist. Und dann fand ich, dass ich nicht die Einzige bin, die die Wörte von Mankell bemerkenswert findet. Es sind im Internet mehrere, die es tun. Ich möchte hier einem von Ihnen zitieren: Pastor Max Toepffer. 2012 schrieb er in einem Pfarrbrief:

Ich bin ein großer Krimi-Fan und besonders angetan haben es mir Kriminalgeschichten aus Skandinavien. Vor einigen Jahren las ich in einem Buch des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell eine Passage, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Da fragt Linda ihren Vater, den Kommissar Wallander, warum es so schwer sei, heute in Schweden zu leben:

„Manchmal stelle ich mir vor“, sagte Wallander, „dass es damit zu tun hat, dass wir aufgehört haben, unsere Strümpfe zu stopfen!“ Sie sah ihn verwundert an.„Ich meine das ernst“, sagte er. „Als ich groß wurde, war Schweden noch ein Land, in dem man seine Strümpfe stopfte. Ich habe es sogar noch in der Schule gelernt. Dann plötzlich eines Tages war Schluss damit. Kaputte Strümpfe wurden weggeworfen. Keiner stopfte mehr seine Wollsocken. Die ganze Gesellschaft veränderte sich. Verbrauchen und Wegwerfen wurde zur einzigen Regel, die wirklich alle vereinte. Es gab zwar Menschen, die darauf beharrten, ihre Sachen zu flicken, aber man sah und hörte sie nicht. Solange es nur die Strümpfe betraf, war diese Veränderung vielleicht nicht so gravierend. Aber das Prinzip griff um sich! Schließlich wurde es zu einer Art unsichtbarer, aber ständig gegenwärtiger Moral. Ich glaube, das hat unsere Auffassung von richtig und falsch verändert, von dem, was man anderen Menschen gegenüber tun durfte und was nicht. Alles ist so viel härter geworden. Immer mehr Menschen fühlen sich überflüssig oder sogar unwillkommen im eigenen Land. Und wie reagieren sie darauf? Mit Aggression und Verachtung! Am erschreckendsten aber ist, dass wir uns erst am Anfang von etwas befinden, das sich noch verschlimmern wird. Es wächst im Moment eine Generation heran, die mit noch größerer Aggressivität reagieren wird. Und die haben keine Erinnerung mehr daran, dass es tatsächlich einmal eine Zeit gegeben hat, wo wir unsere Wollsocken gestopft haben. Wo wir weder Wollsocken noch Menschen verbraucht und weggeworfen haben!“

Soweit Kurt Wallander im Roman „Die fünfte Frau“. Das, was Henning Mankell da für Schweden feststellt (Schweden 1996 – noch so eine schöne Zeit! – Anm. EMS), gilt genauso für Deutschland wie für alle Staaten der westlichen Welt. Das Wegwerfprinzip hat tatsächlich unser Leben, unsere Wertvorstellungen, unsere Moral nachhaltig verändert. Es hat unsere Auffassungen von richtig und falsch verändert, von dem, was man anderen Menschen gegenüber tun durfte und was nicht. Und es mündet (überspitzt formuliert) in die bittere Feststellung: Wo man alte Socken wegwirft, da wirft man am Ende auch Menschen weg?! (Heine? wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen – Anm. EMS) Oder was zählt denn heute ein Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt, wenn er die 50 überschritten hat? Was zählt ein Hartz IV-Empfänger? Was ist ein Mensch in unserer Gesellschaft wert, wenn er körperlich, wenn er psychisch beeinträchtigt ist? Zu was ist ein alter Mensch noch nütze? Was erfahren Menschen mit Migrationshintergrund an Ausgrenzung, an handfester Gewalt in Deutschland? Und warum gibt es so viele Menschen, die am Rand unserer Gesellschaft stehen? So viele Einsame und Einzelgänger? So viele Erwachsene und Kinder, die im Grenzbereich einer menschenunwürdigen Existenz leben müssen? Warum ist alles so viel härter geworden? Und warum gibt es so viele Menschen, die sich überflüssig oder sogar unwillkommen fühlen?

Wenn ich in die Bibel schaue, wird mir wieder bewusst, wie so ganz anders Jesus mit Menschen umgeht – mit Menschen in Grenzsituationen, mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Da erlebe ich Hinwendung und Beachtung, da geschieht Heilung. Für Jesus gibt es kein „Das geht mich nichts an!“ oder gar „Was habe ich davon!“ Wenn ich in die Bibel schaue, erlebe ich immer wieder staunend, wie behutsam und liebevoll, wie verbindlich Jesus mit den Menschen umgeht. Er hat keine Berührungsängste vor Menschen mit Behinderungen, körperlichen oder seelischen Gebrechen, Krankheiten, auch nicht vor Menschen, die anders sind. Damit setzt Jesus Maßstäbe!

Als Christen nehmen wir uns diese Maßstäbe zu Herzen! Wir versuchen, sie umzusetzen, zu leben. Das verlangt auch von uns ganz bewusst mehr Achtsamkeit und Behutsamkeit im Umgang mit anderen Menschen. Die Wegwerfgesellschaft darf uns nicht dazu verleiten, mit Menschen auch nach dem Prinzip: Verbrauchen und Entsorgen! zu verfahren. Jesus setzt Maßstäbe – und so ist für mich als Christ jeder Mensch, der an meinem Lebensweg steht, eine Aufgabe.

Ihr Max Toepffer

mankellskarpety

Uwolnić Asię Bibi / Freiheit für Asia Bibi

Für meine deutsche Leser – sieh’ in Wikipedia, wer Asia Bibi ist und was ihr droht


asiabibi1asiabibi2

Sekcja polska organizacji CitizenGo, która zajmuje się sprawą Asii Bibi, stworzyła film o Asii Bibii. Film znajduje się na płycie DVD dołączonej do kartki pocztowej, która ma dotrzeć do tych, którzy mają wpływ na uwolnienie kobiety.

Wysyłajmy i rozdawajmy kartki z filmem wszystkim ludziom sumienia.
Działamy międzynarodowo!

Nasza inicjatywa odbywa się jednocześnie we wszystkich krajach Europy.

***

23 lipca bliscy Asii Bibi poinformowali CitizenGO o wyniku rozprawy w Sądzie Najwyższym w Islamabadzie, który uchylił wyrok Sądu Apelacyjnego w Lahore z października zeszłego roku i przejął sprawę do rozpoznania. To oznacza, że Sąd Najwyższy zbada sprawę na nowo i że w tej chwili nie obowiązuje wyrok śmierci wydany na Asię Bibi. Ciągle jest oskarżona, lecz według pakistańskiego prawa – nie można jej teraz zamordować.

Asia Bibi mogłaby opuścić więzienie (ale nie kraj) do czasu kolejnej rozprawy w Sądzie Najwyższym (jej termin nie jest jeszcze znany), lecz wraz z rodziną i prawnikami zdecydowała się na pozostanie w więzieniu do ostatecznego wyroku, ponieważ tam jest bezpieczniejsza. Poza więzieniem mogłaby zostać natychmiast zamordowana (wyznaczono nawet nagrodę w wysokości ok. 5000 $ dla tego, kto ją zabije). Rodzina uznała, że życie Asii Bibi jest ważniejsze od bolesnej rozłąki…

Ciągle podpisujmy petycję, a jeśli już to zrobiliśmy, poprośmy znajomych o podpisanie!
Nasze podpisy mają sens. Pozwalają – choć trochę – równoważyć nacisk tych, którzy chcą Asię Bibi zamordować.

Podpisz petycję

Dziękuję
Magdalena Korzekwa

Dyrektor CitizenGO Polska

Pishka

Ewa Maria Slaska

Jedzenie po baszkirsku / Essen auf Baschkirisch

Oczywiście najpierw trzeba się zapytać, gdzie leży Baszkiria? / Natürlich muss man sich zunächst fragen, wo die Baschkiria liegt? Baschkiria das heißt Bashkortostan. /Baszkiria to Baszkortostan. Autonomiczna republika, wchodząca w skład Federacji Rosyjskiej, u podnóża Uralu. / Eine autonome Republik im östlichen Teil des europäischen Russlands, dicht an den Ural. Die Bevölkerung besteht zu über 90 % aus Russen, die Minderheiten sind die Tataren, Baschkiren, Kasachen, Ukrainer und Weißrussen. / W Baszkirii mieszkają głównie Rosjanie – mniejszości to Tatarzy, Baszkirzy, Kazachowie, Ukraińcy i Białorusini. Stolicą jest Kurgan. Tak podaje Wikipedia. Silja, właścicielka Pishki napisała mi jednak, że stolicą jest Ufa. Mapa Google by to potwierdzała. / Wikipedia meint, die Hauptstadt wäre Kurgan, aber Silja, Inhaberin von Pishka meint, es ist Ufa. Google-Map scheint es zu bestätigen.

baszkiria ***

Am 25. Juni eröffnete man ein baschkirisches Restaurant PISHKA in Kreuzberg. / 25 czerwca na Kreuzbergu otwarta została PISHKA, baszkirska restauracja. Poszłyśmy tam z koleżanką. Było świetnie. / Wir waren dort mit meiner Freundin. Es war wunderbar. Es gibt gutes hausgemachtes Essen und Wunderbares zum Trinken d.h. Kwas in vier Farben und Kompott, was keine Ähnlichkeit mit dem deutschen Kompott vorweist, ein Lieblingsgetränk aller aus dem Osten.

Personal ist unglaublich freundlich. Alle sind fröhlich, sie und wir. Super.

/ Do jedzenia są pierogi, wareniki, pielmieny, różne świetne pasztety, krokiety i pulpety, trzy zupy, w tym barszcz, do picia kwas w czterech kolorach i nasz swojski kompot. Przemiła obsługa. Wesoło.

pishka-scianka pishka1-menu pishka-dziewczyny  pishka-napoleonka

pishka-ruskaAlso – nichts wie hin. Eine Losung von Pishka ist: Esst mehr Piroggen Und so soll es sein! / Koniecznie trzeba iść. I podjeść pierogów, które smakują inaczej niż te nasze, a to zawszeć ciekawostka.

Ach und noch eine Preis-Frage – was bedeutet PISHKA? I jeszcze pytanko z nagrodą – co znaczy PISHKA?

Kreuzberg, Bergmannstr. 1, U-Bahn Mehringdamm.

Spreegöttin

Mittig-Abb-3Brigitte von Ungern-Sternberg

Eine Flussgöttin im Sockel des Nationaldenkmals

Berlin hat, wie jede große Stadt, unter den Straßen und Häusern seine vielfältigen ‘Unterwelten’. So stand auch das tonnenschwere ehemalige Nationaldenkmal vor dem Berliner Stadtschloss auf einem soliden Sockel mit einer Unterwelt. Den Sockel samt Unterwelt gibt es noch heute.

Berlin_Nationaldenkmal_Kaiser_Wilhelm_mit_Schloss_1900Passiert man den Eingang zu dieser Unterwelt, so begegnet man einer Frau, die einen Fisch im Arm trägt. Ganz anders als ehedem der nationale Tumult über ihr, liegt ihr der Fisch am Herzen. Sie erscheint als Flussgöttin der Spree.

800px-Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal_-_Sockel_4800px-Berlin_-_Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal_-_Gewölbe_2

437px-Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal_-_Sockel_5Es ist lange Zeit sehr ruhig in dieser Unterwelt zugegangen und Wasserfledermäuse haben sich angesiedelt. Ob sie sich dort noch wohlfühlen werden, wenn über ihnen mit einigem Baulärm das Denkmal für die deutsche Einheit errichtet wird?

Vor einer Woche gab es HIER einen Beitrag von Brigitte über die Löwen von dem Kaisersdenkmal. Brigitte wird jetzt öfter über Berlin erzählen.

Die kleine große Welt (13)

Monika Wrzosek-Müller

Yoga Festival-Kladow

Wie jedes Jahr fuhr sie mit der Fähre nach Kladow; was wichtiger war: die Fahrt selbst oder das jährliche Event des Yoga-Festivals, wusste sie nicht. Leider war die Fähre modernisiert und die alte, die an ein Boot erinnerte – klein, mit ein paar Plätzen auf dem Dach – durch ein Monstrum aus geschlossenem Plexiglas ersetzt, das an eine breite S-Bahn erinnert. Vorbei damit, dass man den Wind spürte und auf dem Deck eng mit den anderen auf Yogamatten zusammen saß. Es war sauber, übersichtlich, mit Reihen von Sitzplätzen, wie im Kino, mit enorm viel Platz für wenige, die ihn nicht brauchten; doch sie fuhr damit.

Und wie immer war die Überfahrt ein Erlebnis für sich; sie war in ihrem Kopf noch Meilen von dem Yoga Event entfernt; schaute verträumt um sich herum, auf das Wasser, die vielen Boote, die bewaldeten Ufer des Wannsees; die schöne Seite von Berlin stimmte sie melancholisch. So lange kämpfte sie schon mit sich um ihren Platz in diesem Berlin und den Platz von Berlin in ihr; es war unendlich schwer das zu verbinden, sich zu finden als Mensch, als Ehefrau, als Mutter, als Fremde, als Germanistin, als Arbeitskraft, als Yogalehrerin, als Übersetzerin und als Deutschlehrerin. Immer wieder nagte das Gefühl an ihr, nicht dazu zu gehören, etwas verpasst zu haben; sich nicht einmischen zu wollen, das Leben von außen zu betrachten, nicht bemerkt zu werden und nicht das eigentliche Leben zu leben. Es lag an ihr, der langsame passive Gang ihres Lebens, sich vorwärts schaukeln, wie die Wellen nach vorne rollen und schnell wieder zurückkehren, sich zurücknehmen, was man schon erreicht hat, zerstören. Die Überfahrt war lang und doch kurz oder genau richtig, um nicht zu lange grübeln zu können.

Die jungen Leute um sie herum mit eingerollten Matten zogen sie an, gaben ihr den Vorwand, weiter zu machen, nicht stehen zu bleiben, lebendig zu sein. Und doch spürte sie, dass es für sie eine Außenseiterrolle im Leben war, sie war nicht drin, sondern verlor sich an den Rändern der gesellschaftlichen Aufgaben, auch um nicht allzu ernst genommen zu werden und sich nicht allzu ernst nehmen zu müssen. War das eine Art Flucht oder Ausweg aus ihrer immer wieder sich verknotenden Seele, aus der oft nicht stimmigen inneren und äußeren Welt? Mit diesen Gefühlen saß sie in der Fähre und ging dann den mit blühenden Linden gesäumten Weg zum Gutshaus Neukladow und den Park rundherum, den Abschnitt bewältigte sie mit schnellem und energischem Gang, um mit den jungen Leuten Schritt zu halten. Das Festival, fand sie, war stimmig für Yoga, für sie und für die jungen Leute mit ihren Rasta-Locken und bunten, langen Kleidern mit Tattoos, oft barfuß, aber immer nett und mit einem Lächeln auf den Lippen, es war ganz frei, ohne feste Vorgaben, wo wie und wie lange man bleiben, zuhören, mitmachen sollte. Jeder ging, übte mit, saß, sang, meditierte solange er wollte, konnte oder es ihm Spaß machte. Das fand sie gut, sogar sehr gut in der Welt der vielen Zwänge; meistens sprach sie mit völlig fremden Menschen über dieses und jenes, es waren selten die yogischen Themen, obwohl es irgendwo klar war, dass Yoga sie alle verband, als die Art, wie man das Leben verstand oder zu verstehen versuchte und sich ohne Druck im Leben voran bewegen mochte. Dieses ein bisschen verrückt sein gab ihr mehr Platz, mehr Raum und Freiheit, in der geordneten, sehr von außen gesteuerten Welt zu bestehen; sie verstand, warum so viele Immigranten Künstler waren, es blieb ihnen nichts anderes übrig, das war ihre Art mit der Außenwelt fertig zu werden, zu überleben, im Meer der Fremdheit zu schwimmen.

Sie lagen dann alle auf den bunten Matten auf der Wiese, mit ganz verschiedenen Meditationskissen oder ohne, die Reihen von Menschen, unheimlich viele: jung und älter und manchmal ganz alt, mit dem Wunsch und der Neugier sich zu bewegen oder zu spüren, wie es ist, bewegt zu sein, sich wahrzunehmen, bei sich zu bleiben. Manchen gelang das vielleicht, andere kämpften mühsam darum, entdeckten es gerade für sich; eine ganz andere Welt, emotional und sehr nah, körperlich und geistig, sehr anspruchsvoll aber für jeden erreichbar, tolerant und inspirierend. Sie beobachtete die anderen, wie weit gingen sie mit, was machten sie mit dem Atem, wie gut waren sie in den Stellungen. Es gab viele, die alle Übungen perfekt ausführen konnten, und einige, die gerade dabei waren sie zu erlernen; diejenigen schaute sie immer wieder neugierig an, heimlich aber fasziniert. An ihre Anfänge konnte sie sich nicht mehr erinnern; sie übte Yoga schon sehr lange, was nicht bedeutete, dass sie geübt war, wie immer fehlte ihr der Ehrgeiz perfekt zu sein.

Zu Mittag aß sie Falafel, seit vier Jahren an denselben Stand, mit wenig Soße, und trank dazu ihren Mango-Lassi; es schmeckte und stärkte wunderbar. Nebenan saßen zwei ältere Inder in ihren weißen Dhotis und Kurtas sehr yogisch und sehr indisch; sie erzählten, dass bei ihnen zu Hause, in der großen indischen Welt immer Männer zum Yoga kämen, sie würden lange sitzen und Pranayama üben und einige Mantras singen, manchmal meditieren, doch hier würden sie nur Frauen vor sich haben, die alle auf diese gymnastische Übungen aus wären und gar nicht zuhören wollten und ganz bestimmt nicht lange unbeweglich sitzen. Das wäre hier eine ganz andere Welt und das Yoga hätte ein ganz anderes Gesicht; und sie mischte sich ein: dass man auch hier in dieser Welt Mantras singen und zu meditieren versuchen würde, doch viele würden eben dem Körperlichen mehr Platz einräumen. Und sie waren ganz erfreut das zu hören und sagten: Yes madam, you are welcome in our class, please come and join us. Und so gingen sie in ein ganz kleines Zelt der kleinen Yoga Welt in Kladow und übten ihre Pranayama und tönten Om und kehrten irgendwann alle zufrieden nach Hause zurück.

Metropolinnen zwischen Polen und Kudamm

Reńka & Aśka

Unser Kuckuck

REŃKA: Weil das war so:

AŚKA: Reńka, abgerackert wie der Dorfhund und erhitzt wie der Wasserkessel vor Wut, nach diesem ihren Job – der nur zum Geldverdienen da ist, und sonst zu gar nichts –

REŃKA: wo der mir schon durch die Ohren rauskommt

AŚKA: schleppt sich ins Haus, und die Pfoten schleifen ihr auf dem Boden.

REŃKA: Und Aśka, in diese ihre rosa Decke gewickelt, sitzt vor diesem ebay und das in dieser Spielzeugabteilung, als wäre sie, normal, eineinhalb.

AŚKA: Reńka, komm her, aber schnell, und guck, ich bestell uns grad eine fliegende Kuh, dass sie uns durch unsere psychodelische Küche saust. Aber Reńka platzt schwer auf das Bett, nicht mal die Schuhe zieht sie aus.

REŃKA: Aśka, du bist wohl noch in der Kita, und denkst, das Geld kommt raus aus der Wand. Wann hat dein Konto das letzte Mal Kasse gesehen, wenigstens einen mageren Cent? Du denkst wohl, du gibst nichts aus, wenn das Geld ist aus Plastik oder digital.

AŚKA: Weil Reńka sagt, ich bin eine Solipsistin, was ich nicht sehe, das gibt es nicht.

REŃKA: Und überhaupt, Aśka, worauf sitzt du da? Was versteckst du da vor mir? Ich rieche den Schweiß von Beamten, die strafende Hand der Staatsgewalt. Zeig mal, das ist doch wieder eine Rechnung, eine Mahnung, ich sehe die Schrift von dem Amt. Und Aśka,

AŚKA: mit der Miene wie ein geschlagener Hund,

REŃKA: zieht von unter ihrem Arsch,

AŚKA: einen besudelten Umschlag.

REŃKA: Das sind doch garantiert deine post-edukativen Schulden, einer von diesen deinen drei Krediten, los, mach das auf!

AŚKA: Du Reńka, du mach mir keine Angst, weil wenn ich Angst haben will, guck ich einen Horrorfilm.

REŃKA: Und Aśka glotzt auf den Umschlag, als wäre es eine Briefbombe oder radioaktiver Müll aus Tschernobyl.

AŚKA: Du Reńka, nimm das weit weg von mir und leg es auf das silberne Tablett unter den Barock-Spiegel, damit es sich nicht verliert, wenn ich mich dran gewöhnt hab, öffne ich das.

REŃKA: Aśka, guck endlich der Realität in ihr aufgedunsenes Gesicht! Das ist doch ein hyper-offizieller Brief. Und wenn du nicht zahlst, schicken die uns den Kuckuck ins Haus!

AŚKA: Du Reńka, gleich explodiere ich von innen. Selber nur „und“ und „aber“ verstehst du doch von diesem ihrem Steuerbrief.

REŃKA: Und Aśka fliegt durchs Internet als hätte sie eine dritte Hand, und bestellt

AŚKA: eine Trockenhaube und eine Kabeltrommel gleich dazu,

REŃKA: weil Aśkas Fön hat sich verloren,

AŚKA: und seit fünf Jahren schon niemand ihn gesichtet hat.

REŃKA: Aber irgendwie juckt sie Aśka doch, diese amtliche Schrift, und man sieht, wie sie denkt, normal, wie die Synapsen ihr im Gehirn glühen, und eine neue Idee in ihrem Kopf sich gebiert.

AŚKA: Komm wir schreiben, wie damals an die Polizei, wo ich über das rote Licht gefahren bin, dass ich so Durchfall hatte, dass ich mich beeilt hab zu diesem Klo in unserem Haus. Und damit hängen wir sie ab.

REŃKA: Du Aśka, mit dieser Nummer kommst du nicht mehr durch. Solche Nudeln um die Ohren kannst du wickeln der Polizei, aber nicht diesem ihren Amt.

AŚKA: Dann nehme ich einen Spaten, wir graben ein Loch im Hof, richten aus ein Begräbnis und begraben diesen Brief. Ich mach das auch mit grosser Facon, mit allen Schikanen, auf top-katholisch, extra für dich.

Aber Reńkas Augenlid zittert,

REŃKA: weil wenn ich mich nerve habe ich so ein Tick.

AŚKA: Und Reńka schmiert zum Kühlschrank, weil sie ist doch so dünn, dass auf Stress sie essen muss, macht die Tür auf, und dort:

REŃKA: Leere, nur Licht. Ein Stück verreckter Käse und Butter, aber nicht zum Brot – sondern Aśkas Body-Creme, damit sie länger bleibt wie ein Babyarsch glatt.
Soll ich uns jetzt Suppe kochen aus deiner fliegenden Kuh aus dem Plastik-Land? Oder sollen wir in der Badewanne alte Brötchen aufweichen und essen den ganzen Monat lang?

AŚKA: Und Reńka nervt sich, aber wie, auf maximal.

REŃKA: Hör zu, die Schutzzeit für Esel ist vorbei: es gibt doch Arbeitskraftmangel in diesem deutschen Land, in einem Büro gleich stellst du dich ein, da gibt es viele bunte Klebezettel, in rosa, gelb, und sogar leuchtend grün, die die du so magst, und wenn wer anruft kannst du erotisch ins Telefon säuseln

AŚKA: „Hallo“.

REŃKA: Dann kommt kein Kuckuck mehr ins Haus, und du kannst alles kaufen, das ganze Ebayland!

REŃKA: Aber Aśka weiß Bescheid:

AŚKA: Ich kenne dieses ihr Spiel, da spiele ich nicht mit, du schuftest 40h die Woche, und leisten kannst du dir ein Brötchen mit Senf, und damit du dir zu dem Brötchen ein Würstchen kaufen kannst, muss dir dazuzahlen dieses ihre soziale Amt. Und Reńka zerhackts,

REŃKA: weil, da ist doch was dran.

AŚKA: Und Reńka will sich einrollen und schlafen wie ein Bär unter dem nächsten Baum. Und Aśka liest in Reńkas Gesicht, was in ihm steht mit Druckbuchstaben: KRISE. Auf einmal klopft es an die Tür, aber wie, als würde jemand in die Trommel schlagen. Und auf Reńka fällt die blasse Angst.

REŃKA: Aśka, das ist garantiert der nächste Brief von dieser ihrer Gerechtigkeit. Und Aśka rennt in ihr Schmuddelbett und brüllt:

AŚKA: Reńka, mach nicht auf, das ist der Kuckuck, er kommt uns ins Haus. Aber Reńka will nicht leben

REŃKA: an so einem Gesellschaftsrand,

AŚKA: und macht, mit geschlossenen Augen, die Tür auf.

REŃKA: Und dort – ein unschädlicher Postmann, bringt die fliegende Kuh aus diesem Aśkas liebsten-ebay-Land. Und Aśka rauscht aus ihrem Zimmer

AŚKA: und schon fliegt eine Kuh durch unsere psychodelische Küche,

REŃKA: normal, ein Schwergewicht auf Flügeln, als wäre es eine Taube oder ein Storch.

AŚKA: Und Reńka glotzt und auf einmal sperrt sie den Mund auf,

REŃKA: weil ich hab eine Idee, aber was für eine!

AŚKA: als wäre Reńka persönlich dieser Einstein.

REŃKA: Aśka, ab sofort werden wir schreiben: wie dieser Reich-Reinicki-Papst, über dieses mein Leben hier mit dir, ein Lied, ein Gedicht, ein Roman und ein Hörspiel obendrauf. In allen Formaten, jpg, doc, tiff, und sogar rtv, auf Papier und digital. Weil, Aśka, wenn eine Kuh fliegen kann, dann aus so einer laufenden Katastrophe wie dir kann ich doch schlagen dieses Kapital!

AŚKA: Weil Reńka die hat ein Schäden, einfach extraorbital, und ohne Reńka wäre ich verloren wie ein Kind im Nebel.

REŃKA: Und ich, Aśka, ohne dich, wie eine Polin in diesem deutschen Land.

ENDE
Das ist z. Z. die letzte Geschichte von, mit und über Metropolinnen. Schade.