Neues aus der Känguru-Welt oder wo ist hier der Don Quijote?

Marc-Uwe Kling, Känguru-Offenbarung, Ullstein 2014

Grandeur

»KENNST DU DIESEN PINGUIN?«, ruft das Känguru und hält meinem Lektor das Passbild des Pinguins unter die Nase. (Im ganzen Buch ist man zuerst auf der Suche nach einem Pinguin, dann aber… o neee, liest lieber selber – Anm. d. Red.)
»Gutes Foto«, sagt mein Lektor. »Wollen wir das aufs Cover nehmen?«
»Auf keinen Fall«, sage ich. Wir sitzen im Innenhof des Hauptsitzes der Ullstein Buchverlage an einem Gartentisch.
Mein Lektor blättert in den Aufzeichnungen über die Abenteuer, die wir erlebt haben, seitdem das Känguru wieder zurück ist.
»Du musst dir immer klarmachen, dass dieses Buch das Finale eurer Triologie ist«, sagt er. »Und fürs Finale fehlt mir Grandeıır«
»Grandeur?«, frage ich skeptisch.
»Größer, weiter, mehr«, sagt mein Lektor.
»Eine Jagd rund um den Globus, oder was?«, frage ich genervt.
»Ja! Super. Könntet ihr nicht den Pinguin verfolgen? Der Pinguin ist ja eh eine Art MacGuffin.«
»Eine Art was?«, fragt das Känguru.
»Ein MacGuffin«, sagt mein Lektor, »ist zum Beispiel der Malteser Falke im Malteser Falken, der leuchtende Koffer in Pulp Fiction oder der Datenträger mit der wahren Identität aller CIA-Agenten in jedem zweiten Actionthriller. Hitchcock hat diesen Begriff geprägt. Er bezeichnete damit Objekte oder Personen, die dazu dienen, die Handlung voranzutreiben, selbst aber von keinem besonderen Interesse sind.«
»Kennt ihr Hitchcocks Lieblingswitz?«, frage ich. »Zwei Ziegen fressen die Rollen eines Films auf der nach einem Bestseller gedreht worden ist. Sagt die eine Ziege zur anderen: Mir war das Buch lieber.«
»Hitchcock hat auch gerne folgende Geschichte erzält«, sagt mein Lektor. »Es gab mal einen Drehbuchautor, der hatte seine besten Einfälle meist mitten in der Nacht, konnte sich am nächsten Morgen aber immer an nichts mehr erinnem. Also beschloss er, Papier und Bleistift neben das Bett zu legen. Gleich in der darauffolgenden Nacht hatte er eine tolle Idee. Schnell schrieb er sie auf und schlief zufrieden wieder ein. Am nächsten Morgen schaute er auf den Zettel, und da stand: Boy meets girl.«
»Worauf willst du hinaus?«, frage ich.
»Kannst du nicht diese angedeutete Lovestory mit Gott ausbauen?« (Gott ist der Name einer Frau, die dem Erzähler gefällt – Anm. der Red.)
»Ja, schreib doch, wie du einsam und verzweifelt bist, dann aber zu Gott findest«, sagt das Känguru.
»Entschuldigung«, sage ich empört, »aber Verfolgungsjagden, Lovestorys, Unfug! Ich schreibe hier einen Tatsachenroman! In diesem Buch steht nichts als die Wahrheit…«
»… so wahr dir Gott helfe«, sagt das Känguru.
»Liebesgeschichten. Das ist es, was die Leute lesen wollen«, sagt mein Lektor.
»Oder natürlich Fantasy«, sagt das Känguru.
Ich verdrehe die Augen.
»Ich muss ja gestehen«, sagt mein Lektor, »ich selber lese auch am liebsten Fantasy.«
»Wie bitte?«, frage ich.
»Ich muss für meine Arbeit immer schon so langweilige Sachen lesen«, sagt mein Lektor, »drum schmökere ich in meiner Freizeit gerne in spannenden Bücher.«
»Ich habe ihm auch schon gesagt, er soll lieber über die epische Schlacht zwischen Gut und Böse schreiben«, sagt das Känguru.
»Langweilt euch das eigentlich nicht längst?«, frage ich. »Als Finale immer und immer wieder eine epische Schlacht? Eine epische Schlacht übrigens, die ja in den meisten Fällen auch eine ethnische Schlacht ist. Nach dem Motto: Nur ein toter Ork ist ein guter Ork. Und natürlich immer wieder die guten Menschen aus dem Westen gegen die bösen Horden aus dem Osten. Geradezu rassistisch, wenn man mal drüber nachdenkt. Es wäre doch witzig wenn es als Finale statt einer epischen Schlacht mal eine ethische Schlacht geben würde. Also ein Fantasy-Buch, dass niclıt mit Gemetzel, sondern mit eiııer Diskussion endet. Anstatt dass der gute König über den bösen Uııterdrücker obsiegt, debattieren die Helden darüber, ob es so etwas überhaupt gibt, einen guten König, oder ob das nicht schon ein Widerspruch in sich ist.«
»Iclı glaube nicht, dass das funktionieren würde«, sagt das Känguru.
»Zu verkopft«, sagt mein Lektor.
»In welcher Fantasy-Serie steckst Du denn gerade?«, fragt das Käııgııru.
»Ich lese gerade Thorsten Mann«, sagt mein Lektor.
»Thomas?«, frage ich.
»Nein, nein. Thorsten Mann. Der Zauberzwerg
»Drei oder Sieben?«, fragt das Käııguru.
»Eine Triologie«, sagt mein Lektor.
»Es heißt Trilogie, nicht Triologie«, sage ich.
»Sicher?«, fragt mein Lektor,
»Ja.«
»Hm.« Er macht sich eine Notiz. »Ich darf nicht vergessen, deinen Klappentext noch mal zu überarbeiten.«
»Um was geht’s denn im Zauberzwerg?«, fragt das Känguru.
»Der Zauberzwerg Imli und seine Gefährten, darunter der Dreißig-Prozentling Rodo, müssen den Helm des Mambrin finden – übrigens auch eine Art MacGuffin -, um den guten König des Westens Eoden von seiner Geisteskrankheit zu befreien…«

»Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit«, sage ich.
»Apropos geisteskrank«, sagt mein Lektor, »Diese Kapitel über deinen Psychiater, die sind mir zu abgefahren. Können wir die bitte rausnehmen? Gerade das letzte. Da weiß man ja nicht mal, ob das jetzt ein Traum sein soll oder nicht.« (Der Psychiater ist wahrscheinlich ein Homosexueller und macht den Erzähler an – Anm. d. Red.)
»Spielst du eigentlich auch World of Warcraft?«, fragt das Känguru.
»Na klar«, sagt mein Lektor. »Ehrensache.«
»Ich habe erst gestern eine echt epische Schlacht mit Dein Vatern«, sagt das Känguru.
Ich ziehe meine rechte Augenbraue nach oben.
»Der Typ, mit dem ich gekämpft habe«, sagt das Känguru. »Der hat sich so genannt, Dein Vater. Weiß auch nicht, was das soll.«
»Das ist ja witzig«, sagt mein Lektor.
»Das ist nicht witzig, das ist nervig«, sage ich.
Mein Lektor lacht uııd sagt: »Nein. Das ist witzig, denn ich bin DEIN VATER!«
Ich kratze mich an der Nase.
»Das ist supernervig«, sage ich. »Du hast dich nur so genannt, um irgendwann mal diesen Witz machen zu köıınen. Außerdem ist es seit dem Zweiten Komikerkonzil strengstens verboten, ich-bin-dein-Vater-Witze zu machen.«
»Was liest du denn gerade?«, fragt mein Lektar das Känguru.
»Der Alchimist«, sagt es. »Der Titel hat mich getäuscht. Aber dann habe ich trotzdem weitergelesen. Ich wollte wissen, warum das so erfolgreich ist.«
»Und?«, frage ich.
»Es ist furchtbarer Kitsch«, sagt das Känguru angewidert »Keine Monster, kein Gemetzel. Keine epische Schlacht. Nicht mal eine ethische. Was soll das? Das ist Wellness-Fantasy! Und obendrauf noch diese furchtbar abgeschmackte You can do it if you really want -Verarsche. Ich meine, als ob.«
»Allerdings Wellness-Fantasy mit 65 Millionen verkauften Exemplare«, sagt mein Lektor. »Und Marc-Uwe, natürlich hat das Buch auch eine Lovestory.«
»Du verstehst nicht«, sage ich. »Ich bin kein Schriftsteller, ich bin nur Chronist. Ich kann nur aufschreiben, was wirklich passiert ist. Immer wenn ich anfange, mir Sachen auszudenken, kriege ich sofort eine Schreibblockade.«
»Ja, aber was wirklich passiert ist, ist doch auch nur Ansichtssache«, sagt mein Lektor. »Da kann man doch ein bisschen schummeln. Du bist der Erzähler, Du entscheidest, was im Buch landet.«
»Das stimmt«, sagt das Känguru. »Ich meine, wer kann schon sagen, ob ich das, was ich gerade sage, wirklich gesagt habe. Vielleicht habe ich etwas völlig anderes gesagt als das, was die Leute am Ende lesen.«
»Ja«, sage ich, »Das ist gut möglich.«
»Wahrscheinlich haben wir dich noch weiter endlos mit Nacherzählungen von Fantasy-Romanen genervt«, sagt mein Lektor.
»Ja. Wahrscheinlich.«
»Habe ich dir übrigens schon mal gesagt, dass ich dich bewundere?«, fragt das Känguru. »Du bist so witzig und intelligent. Und du hast fast immer recht. Hier hast du übrigens all das Geld zurück, das du an mich beim Wetten verloren hast.«

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*Schreibblockade, die: Zustand, in dem man frustriert mit beiden Fäusten auf die Tastatur haut (Anm. des Chronisten)

Hańba! (muzyka) / Schande! (Musik)

Już to raz zapowiadałam, ale to dziś…
Ich habe es schon Mal angesagt, die Veranstaltung findet aber statt heute, daher…

HAŃBA!

Folk-Punk aus Polen

Freitag, 04. Oktober 2019

Ort: Maschinenhaus in der KulturBrauerei
Schönhauser Allee 36
10435 Berlin

Eintritt: VVK: 12 Euro (zzgl. Gebühr) | AK: 15 Euro

Beginn: 20.00 Uhr

Was, wenn Punkrock nicht in den 1970ern in die Welt gekommen wäre, sondern in den späten 20er Jahren – und zwar in Polen? 

Rund um diese Idee fanden sich vier Musiker in Krakau zusammen. Neben der Musik verband sie die Faszination für die Anfangsjahre der Zweiten Polnischen Republik. Ähnlich wie die Weimarer Republik war sie geprägt von einer glanzvollen, avantgardistischen Kulturszene, politisch zogen aber schon düstere Zeiten auf. Hańba! haben die künstlerische Inspiration dieser Ära und den damaligen Geist der Arbeiterklasse ebenso aufgesogen wie die Revolte der Sex Pistols.

Eine Street-Folk-Band, die aus dem Rahmen fällt, fanden auch Musikjournalisten und kürten Hańba! 2014 einmütig zum Debüt und zur Band des Jahres. Im Sommer 2018 begeisterten sie beim Rudolstadt Festival – jetzt spielen sie erstmals in Berlin.

Tickets

Links

https://kesselhaus.net/event/658404
http://www.hanba1926.pl/eng/
www.facebook.com/events/370785630171454/

Zum Hören und Anschauen:

30 lat temu upadł Mur Berliński (8)

No cóż – temat aż się sam prosił. Od wielu tygodniu Ela Kargol i Joanna Trümner (i ja jako adminka) publikujemy tu co pewien czas opowieści o Murze Berlińskim. Od ponad roku berliński TIP też publikował kolejne odcinki serialu pod tytułem Grenzgänge – Wanderungen auf dem Berliner Mauerweg. Teraz TIP i ZITTY zebrały te opowieści, uzupełniły wywiadami i wydały jako książkę. Może my też tak zrobimy. Bo to na pewno nie są – nigdy nie są – ani te same opowieści, ani takie same.

 Ela Kargol

Mur, Niederkirchnerstraße

W Berlinie są dwie ulice Niederkirchner. Nie byłoby w tym nic dziwnego, gdyby nie fakt, że jedna, ta bardziej znana, dzieląca dwie dzielnice, dwa sektory, dwa systemy polityczne, przy której do dziś stoją resztki autentycznego, nieco już okaleczonego muru berlińskiego, od 1961 roku przestała fizycznie istnieć, bo znalazła się w pasie granicznym, tzw. pasie śmierci.

A ponieważ Käthe Niederkirchner, komunistka z przekonania i działania, zamordowana w Ravensbrück bardzo pasowała do obrazu dobrych Niemców z NRD, w 1974 roku przemianowano ulicę w Prenzlauer Berg z Lippehner Straße (od miasteczka w zachodniopomorskim Lipiany) na ulicę Käthe Niederkirchner.

Teraz są znowu dwie ulice.Ta pierwsza, na granicy dwóch dzielnic Kreuzbergu i Mitte jest bardziej zauważalna. Do roku 1951 nosiła jeszcze nazwę Prinz-Albrecht-Straße. A ponieważ ten adres, kojarzył się z faszystowskim terrorem (tu mieściła się główna kwatera Gestapo), zmieniono ją po wojnie, dając jej imię zagorzalej antyfaszystki, która w walce z nazizmem poświęciła swoje życie.

Przy Niederkirchnerstraße znajdowało się nie tylko Gestapo, ale też należące do niego więzienie, dowództwo SS, służba bezpieczeństwa SS, oraz główny Urząd Bezpieczeństwa Rzeszy. Tych budynków już nie ma, w odkopanych piwnicach jeszcze do 13 października można oglądać wystawę poświęconą Powstaniu Warszawskiemu. A MuzeumTopografii Terroru, otwarte w roku 2010, pokazuje bardzo dokładnie i precyzyjnie historię terroru III Rzeszy.

Może w 1951 roku jeszcze nikt nie przypuszczał, że w tym miejscu między sektorem amerykańskim i radzieckim będzie stał mur lub, używając retoryki z NRD, antyfaszystowski wał ochronny.

Przyjechaliśmy do Berlina w roku 1984. Mur dzielił miasto już ponad 20 lat i nic nie zapowiadało jego rychłego końca. Mur był zawsze i w owej chwili nie umiem sobie przypomnieć, żebyśmy poświęcali mu szczególną uwagę. Córkę odprawadzaliśmy do przedszkola przy Askanischer Platz, a więc niedaleko Niederkirchnerstraße, i nie pamiętam, żebyśmy podchodzili do muru i robili zdjęcia dla potomnych, a szkoda. Żyliśmy w tym mieście, otoczonym murem, jak na jakiejś wyspie, i dopiero teraz po 30 latach od jego upadku, zastanawiam się więcej nad jego fizycznym istnieniem i nad tamtą potrzebą szybkiego zapomnienia, wymazania z pamięci, tak że trudno jest mi trafić do miejsc, gdzie fizycznie istniał.

W roku 1985 odwiedził nas David spod Londynu. David był artystą malarzem, a Berlin Zachodni fascynował go szczególnie. Brał sztalugi i szedł w miasto, do Kościoła Pamięci (Gedächniskirche), do dworca Anhalckiego (Anhalterbahnhof), a w zasadzie do ruin, które z nich zostały i przypominają do dziś okrucieństwo wojny oraz do muru okalającego miasto, właśnie przy Niederkirchnerstraße. Była tam platforma widokowa, niejedna po zachodniej stronie muru, która mieszkańcom zachodniego sektora pozwalała spojrzeć na umocnienia graniczne Berlina Wschodniego. Wejście na taką platformę odbywało się na własną odpowiedzialność, a ponieważ różne opowieści krążyły o terrorze i możliwościach enerdowskiej straży granicznej, towarzyszyło mi przy tym zawsze lekkie uczucie strachu i dreszczyk emocji. David ze sztalugą, farbami, pędzlami spędzał na niej kilka godzin. Niestety nie mam zdjęć efektu jego pracy, ani przy pracy. David opowiadał, że był cały czas obserwowany i fotografowany. A więc kto wie, być może, gdzieś w archiwach Stasi zachowały się jeszcze raporty i zdjęcia. Niedawno dowiedziałam się o istnieniu wieży wartowniczej, jakby z drugiej strony pasa granicznego, położonej w kierunku Placu Poczdamskiego przy dzisiejszej Erna-Berger-Straße. Stamtąd rozpościerał się widok na budynki znajdujące się przy Niederkirchnerstraße.

Dzisiejszy budynek Parlamentu Berlina, dawny gmach Landtagu Prus był miejscem, gdzie toczyły się spory między dyktaturą a demokracją. Budynek otwarty dla wszystkich, który w pewnym miejscu na parterze posiada jeszcze podłogi z siedmiu epok politycznych, począwszy od czasów tzw. II Rzeszy przez Republikę Weimarską, czasy nazizmu, wojny, podziału Niemiec po dzień dzisiejszy. Gmach został odbudowany na rozkaz radzieckiej administracji wojskowej i w latach 1949-53 był siedzibą pierwszego rządu NRD, a w latach 80 – miejscem podsłuchu prowadzonego przez Ministerstwo Bezpieczeństwa Państwowego („Stasi”). Wejścia główne zamurowano potrójnymi murami, bo znajdowały się zbyt blisko zachodniej strony. Pracownicy wchodzili bocznymi drzwiami, poddając się licznym kontrolom.

David nie wiedział jaki budynek maluje, umieszczając go w drugim lub trzecim planie swojego obrazu.

Teraz przed głównym wejściem do gmachu można oglądać wystawę o upadku berlińskiego muru (Schön aber ist es, dass die Mauer Löcher bekommen hat), która jest jakby dalszą częścią poprzedniej wystawy o Pokojowej Rewolucji z 1989 roku (Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit).

Idąc dalej w kierunku Wilhelmstraße mijamy były gmach Reichsluftfahrtministerium (Ministerstwo Lotnictwa Rzeszy), na czele którego stał Hermann Göring. Po wojnie i powstaniu NRD ten monumentalny budynek skupiał w sobie wiele ministerstw, Niemiecką Komisję Gospodarczą, Państwową Komisję Planowania NRD, później został nazwany „Domem Ministerstw“ ( Haus der Ministerien), obecnie budowla nosi imię zamordowanego w roku 1991 Detleva Rohweddera, szefa Urzędu Powierniczego i mieści się tu Federalne Ministerstwo Finansów.

W latach 50 ubiegłego wieku w westybulu budynku, w miejsce obrazu przedstawiającego maszerujących żołnierzy Wehrmachtu zawisło socrealistyczne dzieło Maxa Lingnera, wykonane na zamówienie enerdowskiego rządu: „Budowa Republiki” (Aufbau der Republik). W roku 2000 jako przeciwstawieństwo obrazu „szczęśliwego państwa robotników i chłopów” artysta Wolfgang Rüppel, bazując na fotografii demonstrantów z 17 czerwca 1953 roku, stworzył niczym karykaturalne odbicie dzieła Lingnera tzw. fotoinstarsję, przedstawiającą demonstrantów, tym samym upamiętniając powstanie robotników w Berlinie Wschodnim.

W formie komiksu na ogrodzeniu Ministerstwa Finansów pokazana jest spektakularna ucieczka rodziny Holzapfel z dachu budynku na zachodnią stronę.

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Videos_tatue-app/Historisch/2016-06-30-flucht-holzapfel/2017-06-30-flucht-der-holzapfels.html

 

W roku 1988 w Martin-Gropius-Bau (budynek Gropiusa), już w zachodniej części miasta, dokładnie na przeciwko budynku Landtagu, odbywała się wystawa znanego, dla niektórych kontrowersyjnego niemieckiego artysty Josepha Beuysa. Wchodzilo się wtedy do muzeum od Stresemannstraße, bo główne wejście, od Niederkirchnerstraße znajdowało się zbyt blisko muru.

Budynek Królewskiego Muzeum Rzemiosła Artystycznego po zachodniej stronie muru, zniszczony mocno podczas wojny, który cudem uniknął wyburzenia, został pieczołowicie odrestaurowany w końcu lat 70 i ponownie w latach 90, już po upadku muru. Jest to miejsce, gdzie można oglądać wspaniałe i ważne wystawy. To tu odbywała się w roku 2011 wystawa “Obok. Polska – Niemcy. 1000 lat historii w sztuce”, której kuratorką była Anda Rottenberg.

Josepha Beuysa poznałam osobiście, krótko przed jego śmiercią i krótko po moim przyjeździe do Berlina. Był na pewno nieprzeciętnym artystą i charyzmatycznym człowiekiem. W czasie wojny studiowł w moim rodzinnym mieście na uczelni, którą skończyłam 40 lat później. Wtedy nosiła nazwę Reichsuniversität Posen.

W sztuce wykorzystywał materiały tak nietrwałe jak tłuszcz, filc, miód, oraz rzeczy codziennego użytku. Tworzył akcje, performace, był jednym z głównych członków artystycznego ruchu Fluxus, w którym sztuka wykraczała bardzo poza istniejące kanony.

W roku 1964 Beuys zaszokował wszystkich swoją ideą, postulatem, aby mur w Berlinie z powodów estetycznych i proporcjonalnych podnieść o pięć centymetrów. W zasadzie można powiedzieć, że żart artysty się spełnił, bo mury następnych generacji były wyższe i bardziej perfekcyjne. To właśnie taki mur typu 75 (Grenzmauer 75) stoi do dzisiaj przy Niederkirchnerstraße, otoczony z obydwu stron siatką, która ma chronić resztki tego betonu przed tzw. „dzięciołami”.

Po swojej wypowiedzi artysta musiał się tłumaczyć w Ministerstwie Spraw Wewnętrznych. Dla niego mur był absurdem, który tylko fizycznie podzielił miasto i jego stan rzeczywisty nie był tak ważny, jak ważny był stan duchowy i mentalny tych, którzy mur stworzyli. „Nie należy tyle rozprawiać o murze, ale udowodnić przez samoudoskonalenie, wyższą moralność w ludziach, a wszystkie mury znikną.”

Joseph Beuys zmarł dwa lata przed upadkiem muru.

 

Jeder, der kämpft, ist Don Quijote

Für Michał T.-S. Dankend

Michał hat mich regelrecht gezwungen, die Känguru-Bücher zu lesen. Ich wollte nicht, ich habe mich ernsthaft gewährt, was aber nicht half. Eines Tages lag das dritte Buch aus der Reihe, weil es schon drei davon gibt (Achtung! Werbung!), einfach im Treppenhaus meines Hauses. Ich nahm es mit nach Hause, mit dem mulmigen Gefühl, sich der Bestimmung beugen zu müssen. Und gleich am ersten Tag bei der Lektüre der ersten Seiten wurd’ ich findig und zitierte in einem der Barataria-Beiträge aus dem Vorwort. Mea culpa, Michał, dass es so lange gedauert hat. Ich glaube, du hast recht. Marc-Uwe Kling ist ein verdammt guter, kluger und witziger Autor, der darüber hinaus noch immer das schreibt, was man (dh. Du und ich) politisch so denkt und für richtig hält, was natürlich bedeutet, er ist genial (weil wir es sind – obwohl, ob man heutzutage, als die Ironie, und damit auch Autoironie, verschwunden sind, noch etwas derartiges schreiben kann?)

Louie

“Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann”, Thomas mann bei der Nobelpreisverleihung 1929

»Ahahamuhmuhmuh. Und der Deutsche Buchpreis der Ullstein Buchverlage in der Kategorie ‘Buch mit sprechendem Tier’, muh, geht dieses Jahr an…«
Die Moderatorin Julia Müller öffnet das Kuvert, juchtzt und ruft: »Louie, der lustige Leguan von den Kindern der Kindertagesstätte Sümpfe der Traurigkeit

»Ich fasse es nicht«, sage ich. Auf der Tribüne hinter uns jubeln Kinder. Die Gäste der Preisgala beginnen zu applaudieren.

»Du hättest deıı Preis beim ersten Mal nicht ablehnen sollen«, sagt das Känguru. Es sitzt links neben mir, in einem rosa Tutu, und liest vollig gelangweilt Wendy. Auf dem Kopf hat es eine Krone, ein Zauberstab liegt auf dem Tisch. Mein Agent, der rechts neben mir sitzt, kratzt sich ratlos am Kopf.
»Das scheint auch mir eine inhaltlich wirklich aııgreifbare Entscheidung«, sagt er und nimnıt sich ein Salınetönchen vom Tabiett mit Desserts, welches das Känguru irgendeinem Kellner abgenommen hat.
»Kommt auf die Bühne, Kinder«, ruft die Moderatorin. Unter lautem Geschrei stürmt eine Gruppe Fünfjähriger mit ihrer Erzieherin die Bühne. Fast alle Anwesenden erheben sich und spenden stehend Applaus.
»Ich werde gerade unfassbar attrakiv« (dies bedeutet in der Tat: aggressiv – Anm. der Administratorin), sage ich.
»Und wie Sie ja alle wissen, ist der Preis dieses Jahr zum ersten Mal dotiert« sagt die Moderatorin. »Tante Isabel, was werden Sie denn mit den 10.000 Euro machen?«
»Damit können wir endlich das Dach unserer Kita reparieren lassen, damit die Kinder bei Regen nicht mehr nass werden«, sagt Tante Isabel.
»Das ist doch wirklich ein Skandal«, rufe ich. Ein paar Leute drehen sich zu uns um, die große Menge hat aber nichts gehört, denn ihr Applaus hat mein Rufen verschluckt.
»Du hast ja recht …«, beschwichtigt mein Agent, »aber bitte etwas leiser. Die hatten halt einen Bonus, weil sie noch so klein sind«.
»Ach was …«, fauche ich, »Aber kuck dir die Bilder mal an! Da hat doch garantiert ein Erwachsener geholfen«
»Ja, das ist wirklich gemein«, sagt das Känguru. »Wenn dir ein Erwachsener geholfen hätte, wäre dein Buch bestimmt auch besser geworden.«
»Nicht aufregen«, sagt mein Agent. »Probier lieber mal eins von diesen leckeren Sahnetörtchen.« »Louie, der lustige Leguan spricht ganze fünf Sätze«, sage ich eingeschnappt. »In diesem ganzen sogenannten ‚Buch‘!«
Ich setze mit Zeige- und Ringfingem wütende Anführungszeichen um das Wort Buch.
»Du kennst das Buch?«´, fragt das Känguru.
»Ich habe alle nominierten Bücher gelesen«, sage ich. »Alle beide …«
Endlich verebbt der Applaus.
»Ahamuhmuh«, sagt Julia Müiler. »Und wie geht es nun weiter für euch Kinder?«
Ein kleines Mädchen tritt ans Mikrofon.
»Wir schreiben eine Fortsetzung, wo Louie in die Schule kommt. Damit wollen wir genug Geld verdienen, um das Abzest…«
»Asbest«, sagt Tante Isabel.
»Asbest aus der Kita wegzumachen», sagt das Mädchen.
Wieder stehen die Leute auf und klatschen.
»Buh!«, rufe ich. »Buh!«
»Bitte beruhige dich doch!«, sagt mein Agent.
»Louie läuft lässig«, zische ich. »Louie lacht lustig. Louie lebt locker. Louie liebt liegen. Louie lutscht Lutscher. Das ist alles, was der bekackte Leguan sagt. Das ist der komplette Text von dem bekackten Buch«
Die Kinder verlassen unter erneutem Applaus die Bühne.
»Und dabei stellt sich noch die Frage, warum der bekackte Lemur…«
»Leguan«, sagt mein Agent.
»…das überhaupt alles sagt. Und zu wem! Der ist allein auf den Bildern. Der spricht mit sich selbst, oder was? Der hat doch ‘ne Macke! Und so was gibt man Kindern zum Lesen? Kein Wunder, dass unsere Gesellschaft so kaputt ist. Ich fasse es nicht«
Der Applaus brandet noch mal auf, als Tante Isabel und ihre Kinder Kusshände in den Saal werfen. »Ich habe ein Manifest verfasst, voller Witz und Weisheit«, schimpfe ich innerlich brodelnd. »Einen Fels in der Brandung stumpfer Pipi-Kaka-Witze, eine Rettungsboje für alle, die etwas faul dünkt an dieser widerwärtigen Weltordnung, ein Buch voll Tucholsky’schem Witz, voll Orwell’scher Weitsicht, voll Beckett’scher Radikaliıät…«
»Voll Goeıhe’scher Beschieidenheit«, wirft das Känguru ein.
»…eine große Satire über ein idealistisches, wenn auch leider wahnsinniges Känguru und seinen flexiblen, belastbaren, innovativen, kreativen, teamfähigen, begeisterungsfähigen und kreativen Begleiter …«
»So beruhige dich doch«, sagt mein Agent eindringlich. »Bitte, bitte. Die Leute kucken schon.« »LASS SIE DOCH KUCKEN!«, brülle ich, »ICH BIN KÜNSTLER! DIE LEUTE SOLLEN MIR ZUKUCKEN! ICH BIN KÜNSTLER!«
»Kleinkünstler«, sagt das Känguru.
»NEIN! NEIN! NElN!«, rufe ich, »KÜNSTLER! Nichts Geringeres als einen modernen Don Quijote habe ich verfasst! ABER NEIN! Louie, der lustige Leguan. Das ist natürlich relevanter. Das ist natürlich…«
Das Känguru schlägt mir mit der Wendy auf den Kopf. »Halt die Klappe, Knappe!«
Der Applaus verebbt zum letzten Mal.
»Ahahamuhmuhmuh«, sagt Julia Müller. »Glauben Sie mir, das war der schönste Moment meiner professionellen Karriere.«
»Du dumme Kuh!«, rufe ich.
»So bringen Sie ihn doch zum Schweigen«, fleht mein Agent das Känguru an.
»Muh! Muh! Muh!«, rufe ich. »Die Kuh, die lach…«
Das Känguru stopft mir ein Sahnetörtchen in den Mund:
»Halt mal kurz.«


© 2014 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

 

Reblog: Universum oder…

Fortsetzung vom gestern

Miroslav Stimac

… Was, wenn die Menschheit vorher vernichtet wird?

Niemand kann sagen, wie wahrscheinlich es ist, dass wir vernichtet werden, bevor wir eine Welt simulieren können. Sehr wahrscheinlich aber liegt es in unserer eigenen Hand. Denn wir leben auf einem relativ stabilen, sicheren Planeten (sei er nun physisch oder in der Simulation so modelliert), dessen Sonne noch etwa eine Milliarde Jahre einen akzeptablen Energie-Output liefern wird.

Größere gefährliche Ereignisse wie Explosionen von naheliegenden Supernovae oder riesige Asteroideneinschläge innerhalb der nächsten Millionen Jahre sind unwahrscheinlich. Somit bleibt als wahrscheinlichste Möglichkeit der Vernichtung der Menschheit der Einsatz gefährlicher Technologien, insbesondere für militärische Zwecke.

Und wenn wir nicht simulieren wollen?

Im zweiten Szenario fragt Bostrom sich: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Menschheit sich gegen die Erschaffung einer Simulation entscheiden würde – auch wenn sie möglich ist? Denkbar ist, dass es als uninteressant oder ethisch nicht akzeptabel eingestuft und durch Gesetze und hohe Strafen verhindert würde. Dies findet Bostrom zwar vorstellbar, aber basierend auf bisherigen Erfahrungen unwahrscheinlich.

Ahnensimulation, also die Simulation der geschichtlichen Entwicklung menschlicher Zivilisationen über kurze oder lange Zeiträume hinweg, ist sowohl für Geschichtswissenschaftler als auch für Unterhaltungszwecke interessant. Viele unserer modernen Videospiele basieren auf Settings und Simulationen vergangener geschichtlicher Epochen, sei es nun bei Strategiespielen wie der Total-War-Reihe oder in Abenteuer- beziehungsweise Rollenspielen mit geschichtlichen Settings wie Assassin’s Creed.

Auch die Simulation von sozialen Interaktionen kleiner Gemeinschaften und Freundeskreise ist beliebt, wie man an der Sims-Spielereihe sehen kann. Die Geschichte zeigt zudem, dass man den Einsatz von Technologie auf lange Sicht kaum verbieten kann.

Wahrscheinlich leben wir selbst in einer Simulation

Das dritte Szenario beschreibt eine Zukunft, in der solche Simulationen technologisch möglich sind und von der Menschheit durchgeführt werden. Wenn dem so sein sollte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass einige der simulierten Welten selbst dazu fähig werden, neue Simulationen zu erschaffen und auszuführen. Folglich leben wir wahrscheinlich in einer Simulation, und die Erschaffer unserer Simulation leben vermutlich auch in einer Simulation. Es ist laut dieser Hypothese sehr unwahrscheinlich, dass wir in der einen, ursprünglichen, physischen, nicht-simulierten Welt leben.

Und weiter?

Nick Bostrom schlussfolgert daraus, dass entweder vor uns Zivilisationen Simulationen erschaffen haben und wir somit höchstwahrscheinlich in einer Simulation existieren – oder keine Zivilisation es zuvor geschafft hat, Simulationen auszuführen, weil sie sich davor wahrscheinlich selbst vernichtet hat, was in diesem Fall auch uns vermutlich passieren würde.

Sobald eine Zivilisation die Fähigkeit erlangt, Ahnensimulationen zu erschaffen, wird sie Bostroms Hypothese zufolge viele solcher Simulationen durchführen. Somit erschafft eine physische Zivilisation viele Ahnensimulationen, von denen manche sich selbst so weit entwickeln werden, eigene Simulationen erschaffen zu können.

Aus Sicht der Wahrscheinlichkeitslehre ist es nach dieser Hypothese somit unwahrscheinlich, dass wir in einer physischen Welt leben. Es ist nur dann statistisch wahrscheinlich, dass wir in einer physischen Welt leben, wenn alle oder fast alle physischen Zivilisationen den technologischen Stand, selbst Ahnensimulationen zu erschaffen, nicht erreichen, weil sie sich davor selbst vernichten, und es deshalb im Universum mehr physische als simulierte Zivilisationen gibt.

Die finale Schlussfolgerung: Wir existieren wahrscheinlich in einer Simulation oder werden uns wie andere Zivilisationen vor dem Erschaffen der Simulationen selbst vernichten. Die Möglichkeit, dass wir die Ersten sind, die Simulationen erschaffen werden, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich.

Gab es unsere Geschichte und gibt es dunkle Materie?

Wir wissen nicht, ob es unsere Menschheitsgeschichte tatsächlich gab oder die Simulation zu einem späteren Zeitpunkt begann und unser Geschichtswissen samt archäologischer Funde auf festgesetzten Startdaten der Simulation basiert. Vielleicht ist ein Teil unserer Geschichte nur eine Illusion.

Wann unsere Simulation gestartet wurde und welchen Zweck sie hat, können wir kaum beurteilen. Die Erschaffer könnten sie aus wissenschaftlicher Neugier oder für Unterhaltungszwecke betreiben. Sie könnten eine Simulation zum Zeitpunkt des Urknalls starten oder erst im Mittelalter und die davor liegende Geschichte, also die Antike und frühere Epochen, als festgelegte Startdaten wählen, ohne dass die Simulation je die Antike durchlaufen hat.

Anm. der Administratorin: Es gibt auf Polnisch ein Fantasy-Buch – Inanna von Julitta Mikulska – das erzählt, wir, denkende Menschen, in der Zeit der alten Sumeren (also vor ca. fünf Tausend Jahren) erschaffen wurden, als Roboter dh. Wesen, dazu bestimmt, Arbeit zu verrichten. Deshalb halten wir die Arbeit für das Götliche. Und dann sind unsere Erschaffer verschwunden und wir blieben, ein so zu sagen, menschlicher Überbleibser, eine Art von alten Besen, die ununterbrochen die Wassereimer schleppen…

Des Weiteren wissen wir nicht, ob das Universum wirklich so ist, wie wir es messen. Wir können nicht sagen, ob es wirklich dunkle Materie und dunkle Energie gibt und ob das Universum so groß ist, wie wir bisher annehmen. Vieles kann simuliert sein, wenn unsere Wahrnehmung von Computerprogrammen beeinflusst wird.

Phänomene in der Quantenphysik werden plausibel

Die Unschärfe in der Quantenphysik (siehe zum Beispiel die Heisenbergsche Unschärferelation) wäre im Zusammenhang mit der Simulationstheorie plausibel. Denn selbst ein zukünftiger Supercomputer kann nicht unendlich schnell rechnen, um unendlich genau zu simulieren. Deshalb wäre eine Unschärfe im Mikrokosmos ein eleganter Trick.

Gleiches gilt auch für das Phänomen, dass Quanten sich erst zum Zeitpunkt der Messung für eine Ausprägung ihrer Eigenschaften wie dem Spin entscheiden: Der Computer muss diese Entscheidung erst treffen, wenn es jemanden gibt, der die Beobachtung durchführt und sich für das Teilchen interessiert. Das ähnelt prinzipiell der bereits erwähnten Technologie Occlusion Culling in Videospielen.

Auch die Begrenzung der Lichtgeschwindigkeit, die mit etwa 300.000 km/s im Verhältnis zum Radius des beobachtbaren Universums von etwa 46 Milliarden Lichtjahren sehr gering ist, ist danach plausibel. Denn so kann der Supercomputer die Datenrate bei Messungen von kosmischen Ereignissen durch Beobachter wie uns Menschen elegant begrenzen.

Und so weiter. Lesen Sie HIER

Reblog: Universum oder willkommen in Matrix

Miroslav Stimac

Woher kommen das Leben, das Universum und der ganze Rest?

Reblog vom 12. September 2019

Erst kam der Urknall, dann entstand zufällig Leben – oder es war alles vollkommen anders. Statt Materie und Energie könnten Informationen das Wichtigste im Universum sein, und vielleicht leben wir in einer Simulation.

Eine Aufnahme der Feuerrad-Galaxie, die 21 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Das Standardmodell der Kosmologie beschreibt ein Universum, das aus dem Nichts mit dem Urknall entstand und seitdem expandiert. Die Biologie geht davon aus, dass in diesem Universum Leben aus nicht lebendiger Materie zufällig hervorging und sich gemäß der Evolutionstheorie von Charles Darwin weiterentwickelt. Und jede Religion hat ihre eigene Erklärung. Doch es gibt noch alternative philosophische Modelle, von denen zwei besonders für Informatiker interessant sind.

Sie basieren auf der Annahme, dass nicht nur Materie und Energie, sondern auch Informationen zu den Grundbestandteilen des Universums zählen. Demnach war die Entstehung von intelligentem Leben kein Zufall, sondern wird vom Universum selbst oder einer Intelligenz außerhalb des Universums begünstigt. Eines der Modelle könnte sogar zu der Schlussfolgerung führen, dass Informatiker vom Universum gewollt sind.

Das Standardmodell der Kosmologie

Beide Modelle sind aus der Auseinandersetzung mit einigen Aspekten des Standardmodells der Kosmologie entstanden, das ich deshalb zuerst kurz erläutern möchte. Zeit und Raum sind danach zugleich mit dem Urknall entstanden. Seither dehnt sich das Universum aus.

Normalerweise würde man wegen der Gravitationskraft erwarten, dass der Raum immer langsamer expandiert und es sogar zu einer Umkehr kommen kann: das Zusammenfallen aller Masse zu einem Zentrum, was man als Big Crunch bezeichnet. Alle Materie müsste demnach im Laufe der Zeit in schwarze Löcher fallen, die wiederum durch die Gravitationskräfte miteinander zu einem einzigen riesigen schwarzen Loch verschmelzen und die Gesamtmasse des Universums an einem Punkt verdichten. Denkbar ist, dass danach wieder ein neuer Urknall stattfindet und ein neues Universum geboren wird.

Beobachtungen deuten jedoch auf das Gegenteil hin: Der Raum selbst expandiert immer schneller, was durch die Rotlichtverschiebung von entfernten Galaxien beobachtet werden kann. Um diese Beobachtungen mathematisch zu erklären, wurde die dunkle Energie erfunden. Sie muss laut Berechnungen etwa 68 Prozent der Gesamtmasse des Universums ausmachen. Was genau dunkle Energie ist, ist jedoch unbekannt – direkt gemessen wurde sie noch nicht.

Neben der dunklen Energie gibt es die sogenannte dunkle Materie. Sie wurde ebenfalls mathematisch aus der Beobachtung abgeleitet, dass es bei Weitem zu wenig sichtbare Materie (Sterne, Sternennebel und so weiter) gibt. Denn diese erzeugt nicht genug Gravitationskraft, damit die äußeren Bereiche der Galaxien die Formen haben, die wir beobachten. Daher geht man von der Existenz der dunklen Materie aus, die so genannt wird, weil man sie schwierig oder gar nicht beobachten beziehungsweise messen kann.

Berechnungen zufolge besteht das Universum zu etwa 95 Prozent aus dunkler Materie und dunkler Energie. Alles, was wir sehen – die Galaxien, Sterne und auch die messbare Energie in Form von elektromagnetischen Wellen wie dem Licht – sind also nur etwa fünf Prozent des Universums.

Wieso der Urknall stattfand und warum es mehr Materie als Antimaterie gibt, kann mit dem Standardmodell der Kosmologie noch nicht erklärt werden. Die gewöhnliche Materie in unserem Universum besteht aus Atomen, deren Kerne elektrisch positiv geladen sind und um die sich negativ geladene Elektronen in bestimmten orbitalen Bahnen bewegen. Daneben gibt es auch freifliegende Elektronen und ionisierte Atome, die nur aus dem positiv geladenen Kern bestehen. Antimaterie ist im Universum sehr selten und besteht aus elektrisch negativ geladenen Kernen und positiv geladenen Elektronen, die man Positronen nennt. Antimaterie ist somit umgekehrt elektrisch geladen wie Materie.

Wenn man sie zusammenbringt, verwandeln sich beide in pure Energie, was Einstein mit der berühmten Formel E = mc² beschrieben hat. Ein Gedankenspiel: Würde man ein Gramm Antimaterie mit einem Gramm Materie kombinieren, würden etwa 1,8 x 10 hoch 14 Joule Energie freigesetzt werden. Das entspricht in etwa dem chemischen Brennwert von vier Millionen Kilogramm Erdöl. Deshalb wird in vielen Science-Fiction-Filmen Antimaterie als Energieträger für Raumschiffe verwendet.

Statistisch ist zu erwarten, dass nach dem Urknall gleich viel Materie und Antimaterie entstanden wären und diese sich gegenseitig aufgehoben, das heißt in pure Energie umgewandelt hätten.

Leben – einfach nur Glück?

Zum Glück für uns gab es aber anscheinend mehr Materie als Antimaterie, so dass wir in einem Universum leben, das Materie enthält – und dies ist wiederum eine Voraussetzung für die Bildung von Sternen, Planeten, Molekülen und somit Leben. Auch ein Glück ist, dass das Universum weder zu heiß noch zu kalt ist. Noch viele andere Faktoren sind so kalibriert, dass sie unsere Existenz ermöglichen, etwa die Gravitationskraft.

Es stellt sich die Frage, ob das Universum zufällig entstanden und zufällig so parametrisiert ist, dass sich intelligente Lebensformen entwickeln konnten, die über das Universum nachdenken können. Manche Wissenschaftler vermuten, dass es viele Universen gibt und die meisten dieser Universen kein Leben ermöglichen. Wir hätten demnach einfach das Glück, in einem lebensfreundlichen Universum zu existieren.

Der Philosoph und Astrophysiker Nick Bostrom ist mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Er ist primär Philosoph, doch er studierte auch Astrophysik und hat einen Master im Themenbereich Computational Neuroscience am King’s College (University of London). Er hat eine Alternativhypothese entwickelt. Er ist der Ansicht, dass sie absichtlich geschaffen wurde – zu wissenschaftlichen Zwecken oder zur Unterhaltung. Seiner Hypothese zufolge leben wir in einer Simulation. Und sehr wahrscheinlich werden wir laut Bostrom selbst in der Zukunft Simulationen von Zivilisationen erschaffen.

Bostrom ist Professor an der philosophischen Fakultät der Universität Oxford. Schon im Jahr 2003 erregte er mit seiner Simulationshypothese Aufsehen. Zu den Anhängern dieser oder verwandter Simulationshypothesen zählen unter anderem Elon Musk, Mitbegründer von Tesla und Gründer von SpaceX, und Tom Campbell, Physiker, Bewusstseinsforscher und ehemaliger Mitarbeiter bei der Nasa. Ein aufgezeichnetes Gespräch mit Elon Musk über die Simulationshypothese gibt es hier. Tom Campbell erklärt in diesem Video, wieso er die Hypothese plausibel findet.

Mit Simulation ist gemeint, dass alles simuliert ist, also das Leben, unser Bewusstsein und alle Wahrnehmungen von der angeblich physischen Welt, die demnach nicht wirklich physisch existiert, sondern eben simuliert wird. Das leitet Bostrom als wahrscheinlichste Annahme her, indem er drei Szenarien durchspielt, von denen seiner Ansicht nach mindestens eines eintreten muss.

Simulation ist unmöglich oder wir werden davor vernichtet – unwahrscheinlich

Das erste Szenario spielt die Annahme durch, dass die Simulation des menschlichen Bewusstseins technologisch unmöglich sei oder die Menschheit vernichtet würde, bevor sie in der Lage wäre, eine solche Simulation zu erschaffen. Betrachtet man die rasanten Fortschritte der Computertechnologie und insbesondere von Videospielen sowie die Zeit, die uns bleibt, um sie weiterzuentwickeln, sieht es danach aus, dass dieses Szenario unwahrscheinlich ist.

Die ersten Videospiele wie Pong (1972 von Atari veröffentlicht) oder Space Invaders (erschienen 1978, programmiert von Tomohiro Nishikado und vertrieben von Taito) waren sehr simpel, weil wegen geringer Rechenleistung und Speicherkapazitäten komplexe Spiele nicht möglich waren.

Pong bestand aus nur drei Objekten, zwei Balken und einem Ball. Die Simulation des Bewegungsverhaltens des Balls erforderte nur wenige Inputvariablen wie den Einfallswinkel des Balls auf den Balken und die vertikale Bewegungsrichtung des Balkens. Im Vergleich dazu stellen moderne Spiele wie Elite Dangerous (erschienen 2014), das – für ein Spiel – relativ gelungen den Aufbau der Milchstraße simuliert und dessen Simulation etwa 400 Milliarden Sterne, Planeten und Monde umfasst, gigantische Fortschritte dar. Zwischen Pong und Elite Dangerous liegen nur 42 Jahre – sehr wenig im Vergleich zum geschätzten Alter des Universums von etwa 14 Milliarden Jahren.

Uns bleiben noch viele Millionen Jahre Zeit …

Unsere Sonne wird in etwa 5 Milliarden Jahren zum roten Riesen werden und die Erde verkohlen. Schon davor wird es zwar auf der Erde wegen der höher werdenden Leuchtleistung der Sonne ungemütlich werden, aber vermutlich haben wir noch etwa eine Milliarde Jahre Zeit, bis wir auf einen anderen Planeten umsiedeln sollten.

Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip bestimmter Größe alle 12 bis 24 Monate verdoppelt, was ungefähr auch zu einer Verdopplung der Rechenleistung führt. Doch auch wenn die Verdopplung etwas langsamer stattfindet, spielt das keine Rolle, angesichts von vielen Millionen Jahren Zeit. Es ist somit nur eine Frage der Zeit, wann die Rechenleistung von Computern ausreichen wird, um Simulationen des menschlichen Bewusstseins zu erschaffen.

Man schätzt, dass die Informationsverarbeitungsleistung des menschlichen Gehirns einer Rechenleistung von etwa 10 hoch 16 Rechenoperationen pro Sekunde entspricht, vielleicht auch 10 hoch 17 Rechenoperationen. Gemäß dem Mooreschen Gesetz wird diese Rechenleistung relativ bald mit Computern realisierbar sein, und wenige Jahrzehnte später wird die Rechenleistung ausreichen, um Milliarden Menschengehirne zu simulieren, also die gesamte Menschheit.

Ein Bewusstsein braucht keinen Körper

Die Annahme, dass die Menschheit simuliert werden könnte, beruht auf der Hypothese der Substratunabhängigkeit. Sie besagt, dass ein Bewusstsein kein bestimmtes Trägermedium benötigt, sondern austauschbar ist. Das heißt, es spielt keine Rolle, ob die Gedanken durch Aktivitäten in neuronalen Netzen eines biochemisch arbeitenden Gehirns oder in Computern entstehen. Dies beschreibe ich später noch ausführlicher.

Auch Objekte wie zum Beispiel einen Stein kann man beliebig genau simulieren. Zwar besteht ein Stein aus einer großen Anzahl von Atomen, und auch mit zukünftigen Supercomputern wäre es unmöglich, alle Atome der Erde in Echtzeit zu simulieren – aber das ist gar nicht nötig. Es genügt, die Atome erst dann zu simulieren, wenn jemand ein Objekt wie den Stein mit Instrumenten genauer betrachtet.

Wenn man den Stein gut genug simuliert, so ist er aus Sicht eines Beobachters nicht von einem echten Stein unterscheidbar. Zwar besteht ein echter Stein aus physischer Materie und ein simulierter Stein aus Informationen, aber ist für den Beobachter unerheblich, weil seine Beobachtung eine Informationsverarbeitung ist. Seine Sinne nehmen Daten auf und sein Gehirn, egal ob physisch oder simuliert, verarbeitet diese zu Informationen und Wissen.

Ansonsten genügt es, die aktuell optisch wahrnehmbaren Eigenschaften des Steins zu simulieren, wofür es wenig Rechenleistung braucht. In Videospielen wird dies bereits gemacht, beispielsweise mit der Technik Occlusion Culling: Man muss nur die Objekte präzise berechnen und rendern, die im Sichtfeld des Spielers sind.

Die Schlussfolgerung ist demnach, dass früher oder später die Simulation von Bewusstsein und somit von Zivilisationen möglich sein wird. Simuliert man Bewusstsein und dessen Wahrnehmungen von der Welt, kann man ganze Welten erschaffen. Wir könnten ganze Planeten und Galaxien in der Wahrnehmung des Bewusstseins simulieren, ohne diese kosmischen Objekte physisch erschaffen zu müssen.

Aber was, wenn die Menschheit vorher vernichtet wird?

Fortsetzung folgt morgen

Was mich wundert (immer noch)

Ewa Maria Slaska

Wir sind alle Kriminelle. Und Idioten obendrauf.

Die Impressionen und Reflexionen, die ich hier präsentieren werde sammelten sich in den letzten Wochen an und sie taten es nicht umsonst. Ich gewann von ihnen den oben formulierten Eindruck: Man hält sich gegenseitig für Kriminellen, die unter Kontrolle der Polizei gehören, und obendrauf findet man, dass die Mitmenschen einfach Idioten sind.

Beweise? Bitte sehr.

Ich wohne in einer schöner Kleinhäuser- und Niedrigmiethäuser-Siedlung, die, gegründet Ende des 19. Jahrhunderts und ausgebaut in den 20ern, mal Gartenstadt hieß. Und es ist wohl wahr – wir wohnen in einer Gartenidylle. Man stellt die Körbe voll mit Fallobst geladen auf die Straßen, damit die anderen es sich nehmen können, man hat größtenteils Gartenzäune entfernt, damit wir das Gefühl haben, es ist alles unser. Man macht Straßenpartys, Grünanlagenpicknicks und Plantchbeckenkonzerte, man, man, man…

Nun ja…

Eine kleine Nebenstraße. Zwei große Quittenbäume sind im September vor einem Haus voll goldener Früchte, es sind so viele, dass entweder macht man eine Produktionskette für Marmeladen, Süßwerk und Liköre, oder die magischen Birnen fallen runter und verfaulen. Auf dem Baum hängt ein Zettel:
Dieb, nimm die Früchte nicht weg, komm nach 1. Oktober, dann werden sie gesammelt und verteilt.
Die Botschaft ist klar und einleuchtend, soll gar friedlich anmuten, wieso aber beginnt sie mit dem Wort DIEB, wieso nicht Nachbar, Freund, Kumpel, Passant, gar Fremder? Nein, DIEB.

Eine andere kleine Straße. Vor dem Haus hat man einen Miniatur-Park gezaubert. In einem Kreis von Rosen wurde ein kleiner runder Platz eingerichtet, schön mit Steinquader ausgelegt. Mitten des Kreises wurde eine Bank gestellt, genauso eine wie in einem richtigen Park nur kleiner. Es gibt sogar ein gewundener Pfad zur Straße hin, ebenfalls mit schön bearbeiteten Steinen gepflastert. Alles sehr geschmackvoll. Nicht mein Still vielleicht, aber an sich eine bildhübsche Anlage, die nie von jemandem benutzt wird. Mindesten seit zehn Jahren als ich hier in der Nähe wohne, habe ich auf der Bank nie jemandem gesehen.

Offensichtlich irre ich mich. Seit ein paar Wochen klebt auf der Bank ein Zettel in einer Plastikhülle. Von der Strasse her lässt sich nicht entziffern, was da geschrieben steht. Ich komme also näher (betrete das Grundstück!) und lese: Es ist unser privates Grundstück. Beim Betreten und Banknutzen wird sofort die Polizei gerufen. Also. SOFORT und POLIZEI. Und natürlich UNSER und PRIVAT. Am nächsten Tag, um den Eindruck ein Bißl zu besänftigen, hat man neben dem Zettel zwei Plüschbären gesetzt. Aber das Wort POLIZEI bleibt.

In einem der Häuser gibt es Party. Bin ja auch eingeladen. Nach wunderbarem Essen und schönen Plaudern im Garten gehen wir nach Hause. Vor mir zwei ältere Damen, beide schon sehr schlecht auf den Beinen. Der Ausgang besteht aus vier kleinen Stufen ohne Gelände. Eine der Damen hat sichtlich Schwierigkeiten damit. Die andere und ich eilen ihr zur Hilfe, halten sie, sozusagen, fest im Griff und bringen sie nach unten. Eigentlich ist es verboten, sagt sie. In Berlin muss man ab drei Stufen ein Gelände einmontieren. Man kann die Polizei rufen.
Ich schaue sie verdutzt an. Wir waren doch bei einer Freundin. POLIZEI RUFEN? Ist es ihr ernst? Sind die POLIZEI und VERBOT einzige Kategorien, in denen sie denken kann? Stadt zum Beispiel zu sagen, dass man vielleicht mit Gertrud darüber sprechen soll, irgendetwas bei der Sache zu unternehmen.

OK, aber nicht nur unsere Gartenidylle bereitet mir Kopfzerbrechen. Ab und zu muss ich doch raus in die grosse Welt. Zum Beispiel in ein Ministeriumshaus. Ich bin eine Urlaubsvertretung für meine Freundin. Das tue ich schon seit ein paar Jahren, jetzt arbeitet sie aber in einem neuen Raum. Ich gehe in die kleine Teeküche nebenan. Es ist eigentlich keine richtige Teeküche, sondern eh ein sparsam eingerichtet Rattenloch. Ich warte, bis das Wasser kocht und schaue mir eine komplizierte Kombination aus Kabel und Schalter, die es erlaubt (zwingt) jeglicher Wasserkochgang drei Mal zu versichern. Mir ist ein bisschen mulmig. Wieso denkt man nicht, dass wir imstande sind, Wasser zu kochen ohne gleich große Schäden einzurichten. Wieso setzt man voraus, dass wir hier etwas falsch machen werden. Und dann, jaaaa, dann sehe ich, dass daneben noch ein Zettel hängt. Ich lese es und glaube meinen Augen nicht:

Also SCHWEINESTALL, CHAOS, GESTOHLENES ESSEN… Nicht Mal Kühlschrank gibt es in dieser Küche, keine Schubladen, keine Schränke, wo ist das Essen, das irgendjemand hier stehlen kann? Und wenn es hier auch etwas gäbe und zugleich jemand, der es stehlen möchte, was hätte er stehlen können – ein Teebeutel ab und zu, ein Löffel Kaffee, zwei Weintrauben? Was kann man groß in diesem Rattenloch verrichten? Wer ist auf die Idee gekommen, hier so eine Beleidigung aufzukleben? Ja klar, auch hier sieht man wieder ein laues Versuch, wie bei der Bank zwischen den Rosen, die Sache zu entschärfen, damit jemand über kleine Geschenke schreibt. Aber wieso nimmt er/sie den Zettel nicht einfach weg. Wieso erlauben alle Küchenutzer, dass das Ding da sichtlich seit langem klebt?

Was seid ihr alle? Auf Polnisch werde ich fragen: pogięło Was? Seid ihr gekrümmt worden?

Zur allgemeinen Aufheiterung zeige ich hier noch etwas, was uns ausnahmsweise nicht für Diebe hält, wohl aber für Idioten. Schaut ihr euch das an.

Telefonieren und Gewinnen

Habt ihr es gesehen? Dann bitte, sagt mir, WO ist die Telefon-Nummer, die man anrufen soll???

Barataria oder was passiert mit unseren Utopien

Für Christine anhand von Auszügen aus einem fabelhaften Buch, das ich von ihr bekommen habe; es wäre auch für Konrad, der aber noch kein Deutsch kennt

Klappentext:

Orient und Okzident, Einwanderer, Auswanderer, Aussteiger, Islam, Christentum, Kapitalismus und die Suche nach dem Glück: Michael Kleeberg erzählt Geschichten und Schicksale in einer globalisierten Welt. Mühlheim bei Frankfurt. Ein Kreis von Freunden trifft sich und versucht, über Freundschaft und Gesellschaft nicht nur nachzudenken, sondern auch Utopien eines anderen Zusammenlebens zu verwirklichen.
Dabei: Hermann, einst Doktorand der Philosophie, dann Aussteiger, jetzt Lehrer in Frankfurt. Maryam, eine iranische Sängerin, die auswandern musste, weil ihr das Singen verboten wurde. Ausserdem: Younes, ein libanesischer Pastor, Zygmunt, ein polnischer Handwerker, Bernhard, ein Ex-Sponti, der lange einen Verein für Jugendsozialarbeit leitete, Ulla, seine Frau, Kadmos, ein arabischer Lyriker.
In einem kaleidoskopischen Roman in zwölf Büchern (angelehnt an Goethes West-Östlichen Divan und Nezamis Leila und Madschnun) erzählt Michael Kleeberg ihre Geschichten und Geschichten um sie herum und begibt sich zu den Wurzeln ihrer Kulturen. Kleebergs Buch spielt in Deutschland, Iran, im Libanon und im Reich der Mythen.


»Die Fundamentalisten wie die Materialisten sind sich ja darin einig, dass wir an gar nichts glauben, was nicht stimmt, wie wir wissen. Aber die Rückbindung ist das eine, wie jedoch steht es mit der Zukunft? Wollen wir etwas bewahren, oder wollen wir etwas schaffen?
Eine Utopie? Muss es dann nicht, wie alle Utopien, eine mosaische sein? Ein Ausblick? Eine Hoffnungskarotte? Ein Vorgefühl von höchstem Gliick? Wir blicken darauf wie Muse hinunter ins Gelobte Land (…). Betreten kann man sie immer nur kurzfristig, denn alle Utopien verwandeln sich zu totalitärem irrsinn, wenn sie sich konsolidieren. (…)«

(…)
»Liest du was Neues? Oder ist das hier aus dem Bestand?«
»Was Neues. Judith Shklar. Der Liberalismus der Furcht. Kennst du sie?«
Ernst nickt. ››Sie ja. Das Buch noch nicht. (…) Aber warum Furcht?«
»Es geht um die Sicherheit vor Grausamkeit als Grundbedingung für die individueile Freiheit. Die Grausamkeit jeglicher Machtausübung. Ihr großes Thema. Und woran arbeitest du?«
»Ich habe mich für den Bachelor gerade an einer Analyse der Spontibewegung versucht.«
Hermann lacht. »Eine geistige Herleitung deines Vaters. Hast du ihn gelöchert?«
»Ja, aber da kriege ich nur Anekdoten über Fußball und Äppelwoi zu hören.«
»Dabei gehört Bernhard zu den wenigen, die sich ihre ideale nie haben korrumpieren lassen«, sagt Hermann.
»Ja, leider«, erwidert Ernst. »Sonst könnte er vielleicht heute auch von seinem Management 50000 pro Vortrag verlangen lassen wie Joschka Fischer.«
»Na komm, es reicht doch auch so. Wobei, du hast insofern recht, als wenn wir alle auf Hartz IV wären und nur unsere Armut zu teilen hätten, auch dieser Ort hier nicht existieren würde. Die innere Freiheit ist und bleibt bis zu einem gewissen Punkt eine Funktion der Mittel, die du dir erwirtschaftet hast.«
»Notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung«, sagt Ernst.
»Ja, und da wären wir bei dem ›überschüssigen Bewusstsein‹ von Marcuse oder Bahro oder beiden. Den humanen Kapazitäten, die übrigbleiben, nachdem du für dein materielles Überleben geschuftet hast. Die beiden haben zwar geglaubt, dass nur im Sozialismus so ein geistiger Mehrwert herauskommt, aber das wissen wir ja nun besser.«
»Wie war das nochmal?« fragt Ernst.
»Es werden Bedürfnisse freigesetzt, und zwar entweder kompensatorische oder emanzipatorische? (…) Willst du Erstere befriedigen, um dich für die Arbeiterei zu entschädigen, kaufst du Autos, machst Kreuzfahrten und spielst Golf. Die emanzipatorischen dagegen ließen in die Bildung, die Kultur, die Schönheit, die Menschlichkeit und die Gerneinschaft. Und genau darin, lieber Ernst, bist du groß geworden. Wenn Ulla und Bernhard ihr Geld lieber für sich ausgeben würden, dann gäbe es diesen Ort nicht,wo wir leben, lieben, denken und trinken können.« (…)

Und weiter:

Um ein offenes Haus führen zu können, braucht man ein Haus. Das Essen, das jeder, der hereinschneit, vorgesetzt bekommt, muss eingekauft werden (…). Großzügigkeit braucht Mittel, und Großherzigkeit kommt aus der Selbstachtung, die wiederum daher rührt, dass man Arbeit hat und angemessen dafür bezahlt wird. Das Gefahr ist immer, dass man solch einen Ort für selbstverständlich nimmt, für gegeben und unveränderlich, und ausschließlich am Wesen der Gastgeber festmacht anstatt an den komplizierten und unsichtbaren Mechaniken des Lebens, die die Existenz dieser Gastgeber bedingen.

Und so ist es auch im Divan. Der Gastgeber, Bernhard oder TK genannt, verliert gerade seine Existenzgrundlage, was von seinem früheren Freund verursacht wird, aber doch letztlich an ihm selbst liegt und seinen Prinzipien, aud die er nicht verzichten will. TK und sein Kumpel Krüger unterhalten sich darüber beim Jogging. Krüger möchte wissen, was sich in der Sache gerade tut.

TK antwortet nicht.

»Mit einem Wort«, sagt Krüger, „du hast nie die Machtfrage gestellt.«
»Nein, warum hatte ich auch sollen. Der ganze Verein war doch über all die Jahre auf flache Hierarchien und den gedanken kollektiver Gemeinschaftsentscheidungen ausgerichtet.«
»Und das ist genau der Punkt, wo du dich täuschst! (…) Wenn nicht explizit in festen Hierarchien, dan implizit in Form von individueller Exzellenz.«
»Exzellenz, hör auf«, lacht TK.
»Und vor allem füllt sich Machtvakuum immer sofort. Wenn einer die macht abgibt oder ausschlägt, ist ein anderer da, der si übernimmt. Aber denk doch mal nach: Wessen Idee war dieser Verein?«
»Meine.«
»Und wer hat ihn aufgebaut und ausgeweitet?«
»Ich. Aber nicht nur.«
»Und wer hatte die Ideen dazu?«
»Die kamen aus gemeinsamen Diskussionen.«
»Schon. Aber wer hat solche Diskussion eingefordert, angeregt und ihnen eine Richtung gegeben? Sei ehrlich!«
»Ich«, sagt Bernhard (…).
»Und wer hat die Richtungsentscheidungen gefällt?«
»Immer gemeinsam im Kollektiv. Aber stimmt schon, ich habe die anderen schon meist in die Richtung gelenkt, die mir am besten vorkam.«
»Und deshalb bist du ja auch der Vorsitzende des Vereins gewesen.«
»Nie. War ich nie. (…) War mir nie wichtig.«
»Aber was für eine Position hast du denn dann innegehabt?«
»Gar keine. Mitarbeiter.«
»Aber du hast den Verein doch nach außen repräsentiert. Gegenüber der Stadt, dem Sozialamt, dem Jugendamt, was weiß ich?«
»Naja sicher, ich kenne die ja alle.«
»Bernhard, du bist naiv!«
»Mag schon sein. Aber warum ist es naiv, sich nicht in den Vordergrund zu drängen, wenn sowieso alle wissen, dass man den Laden schmeißt?«
»Genau deshalb, mein Lieber. Weil sich sonst jemand dahin drängt, der ihn eben nicht schmeißen kann, oder der ihn auch schmeißen kann. aber anders als du. Ich nehme doch an, dass dein Freund und Mitgründer, der dich jetzt rausgeekelt hat, der Vorsitzende des Vereins ist.«
»Ja, für den war das wichtig. (…) Die Probleme hatten ganz unscheinbar begonnen. Vielleicht damit, dass A.S. vor einigen Jahren neben dem Verein eine eigene Entrümpelungs- und Umzugsfirma gegründet hat, die jugendliche Alkoholiker und Straftäter resozialisierte. Eigentlich ein tolles Projekt. Nur dass er, als im ersten Jahr die Liquidität fehlte, in die Vereinskasse griff, um das auszugleichen. Sie hatten das durchdiskutiert und die Summe dann in ein offizielles Darlehen umgewandelt.«
»Kein Wunder, dass er einen Rochus auf dich hat!« sagt Krüger.
»Wieso denn er auf mich?«
»Weil er in deiner Schuld steht. Und weil du seine Schwäche und sein Fehlverhalten kennst und gerade nicht öffentlich gemacht hast. Und natürlich, weil er die Gelder hätte ganz bequem und legal verschieben können, wenn es alles sein Laden gewesen wäre.«
»Es war aber so lange alles gut. Bis er mit der Überwachung anfing. Effizienzsteigerung. Monitoring! Wo dann kein Platz für Vertrauen und Selbstverantwortung bleibt.«
»Die gewiss jeder bis ins letzte Glied in jeder Minute geübt hat …«
»Krüger, jetzt wirst du zynisch. Wir sind alle Menschen und machen Fehler. Und das muss auch erlaubt sein. Jedenfalls fing A.S. dann mit Stichprobenkontrollen an, und es gab die ersten Abmahnungen statt eines Gesprächs. Und dann kam er mit der Idee, den Verein in eine GmbH umzuwandeln. Und erst dagegen habe ich offen opponiert«
»Ohne dir die Machtmittel gesichert zu haben«, sagt Krüger. »Ich nehme mal an, da hast du dann auch deine erste Abmahnung bekommen. Aber weißt du, wenn du von der Wut und der Enttäuschung abstrahieren kannst, wird dir Folgendes auffallen: Dass die entscheidende Rolle bei alledem nicht der gewiss schäbige Charakter deines früheren Freundes spielt (…), sondern der Zeitpunkt und das Alter. (…) Der natürliche Weg aller jugendlichen, idealistischen Gründungen und Unternehmen ist gleich. Sie fangen alle mit der alleinigen Konzentration aufdie Sache an. das Ziel, den Stern am Horizont. Einigkeit herrscht.Jugend herrscht, da können die Hierarchien flach bleiben, die Einkünfte symbolisch, und die Diskussionen finden schnell zu einem gemeinsamen Ergebnis, und Macht ist ein Zwangsmittel, das nur Alte und Analneurotiker brauchen, und gleich sind wir sowieso und können im Kollektiv entscheiden, denn alle leitet uns die Vernunft.
Aber irgendwann merkt der Klügste oder Arbeitssamste oder Ehrgeizigste, dass es immer schon er war, der die Sache entscheidend vorangebracht hat. Und jetzt wird er älter und will endlich auch persönlich etwas von dem Ganzen haben. Dass die Gleichheit aller Beteiligten eine fromme Illusion und Lüge ist und immer war, das fällt ihm jetzt langsam wie Schuppen von den Augen. Das machen das Alter und die Erfahrung und der Blick nach rechts und links. Irgendwann stellst du fest, du bist ein Individuum geworden, das ganz anders ist als die anderen. Und du sagst dir: Jetzt muss es aber auch endlich mal um mich und meine Meriten gehen. Und mit Alter und Erfahrung steigt auch die Verachtung für die Mitläufer und Profiteure und die Nichtskönner und Faulenzer und Durchmögler. Oder wenn dir Verachtung ein zu scharfes Wort ist, dann die Unduldsamkeit für Schlamperei und Dummheit. Es wächst einem ein Bewusstsein für Rangunterschiede zu. Wir reden nicht von Menschenrechte, Achtung! Es geht nicht darum, einen netten Versager auszupeitschen, aber muss er unbedingt das Gleiche verdienen wie ich? Du bekommst ein Gefühl dafür, dass Gerechtigkeit, von der immer so viel die Rede ist, eigentlich das wäre, wenn der Bessere und Klügere und Fleißigere, derjenige, der die Verantwortung trägt und auf sich nimmt, auch den größeren Teil des Kuchens für sich beanspruchen dürfte. Nochmal: Nicht dass die anderen darben sollen. Nie und nimmer. Aber mitreden sollen sie nicht, wenn sie nichts verstehen und sich im Grunde ihrer Seele auch nicht dafür interessieren, gottverdammt!«
»Ja, so ungefahr hat A.S. wohl gedacht«, sagt Bernhard.
»Und zweifellos hättet ihr die GmbH zusammen gründen können, euch zu Geschätsführern machen, die Gewinne teilen und der Realität endlich eine adäquate Struktur geben. Teilen und herrschen.«
»Ja«, sagt TK schweratmend. »Ja, aber das wollte ich nicht. Das kam mir wie Verrat vor an dem Grundgedanken der Unternehmung. Außerdem haben wir alle sehr ordentliche Gehälter bekommen, und ich hab’ auch beizeiten für eine erstklassige betriebliche Altersvorsorge gesorgt. Mehr brauche ich nicht.«
»Klassischer Denkfehler aller Utopisten der Machtlosigkeit. Zu glauben, es gebe einen endlichen Bestand an Bedürfnissen und alles, was darüber hinausgeht, sei Gier.«
»Ich will gar nicht mit dir darüber streiten, dass die Dinge die Tendenz haben, größer werden zu wollen, und dass nichts schwieriger ist, als sich mit einem Status quo zu begnügen. Worurm‘s mir geht, sind die menschlichen Schäden dieser Vergrößerungs- und Optimierurıgs- und Effizienz- und Kontrollwut. Weil sie so zutiefst unnötig sind. Weil wir fast dreißig Jahre bewiesen haben, dass man gute und sinnvolle Arbeit eben auch ohne Macht leisten kann.«
»Was du sagst«, meint Krüger, »erinnert mich an Utopia von Thomas Morus. Aber der logische Fehlschluss daran lässt sich in einen Satz fassen: There is no free lunch. Sowas wie kostenloses Mittagessen gibt es nicht.«
»Ich kann dir gleich das Gegenteil beweisem, erwidert Bernhard.«
»Ja, aber warte ab, wie du reagierst, wenn ich Geschmack daran finde und jeden Mittag bei euch vor der Tür stehe und es einfordere. Es gibt ein Grundprinzip, das überall wirkt, wo der Versuch gemacht wird, die Macht auszublenden. Es mag gelingen, Hierarchien, Eigentum und Geld abzuschaffen. Aber in dem Maße, in dem die Macht aus den hierarchischen Ungleichheitsverhältnissen verschwindet, kehrt sie durch die Hintertür zurück als strukturelle Gewalt. Es braucht ein rigides System der Überwachung, um sicherzustellen, dass alle sich an die Regeln der Gleichheit, Besitzlosigkeit und Briiderlichkeit halten. Das utopische System kommt nicht ohne drakonischen Strafenkatalog aus. Strafen zu können ist aber einer der Grundpfeiler von Macht. Und eine Quelle permanenter Gewalt. Deshalb lieber eine GmbH mit einem Chef als ein Kollektiv mit einem Revolutionstribunal, das den Eierdieb dann irgendwann einen Kopf kürzer macht, um ein Exempel zu statuieren. Der vermeintliche Verzicht auf Macht kann eine perverse Sache sein.«

Sie kommen ins Haus zurück, wo man gerade für alle, es sind acht oder zehn Personen da, free lunch vorbereitet. Der Hermann, derselbe, der Judith Shklar liest, lauscht dem Gespräch des Joggers und füg seinen Senf hinzu:

»Ich verstehe, was du meinst, Krüger«, sagt er, »aber auf Bernhard bezogen, also auf den Einzelnen bezogen, will das nicht viel heißen. Gewiss, er hätte die Umwandlung des Vereins in eine GmbH zustimmen können, er hätte der Hierarchisierung des Betriebs zustimmen können, aber dazu hätte er ein anderer Typus sein müssen als er ist. Der Bernhard, der diese Dingeaus betriebswirtschaftlicher Logik und Eigeninteresse getan hätte, wäre eben ein anderer Mensch, eine andere Weseneinheit als die, die hier sitzt. Oder besser: Bei der wir sitzen. Und jener Bernhard wäre eben vielleicht niemand, dem andere Werte durch den Kopf gehen als macht und Effizienz. Mit der Konsequenz, dass beispielweise ich hier nicht sitzen würde bei diesem Bernhard. (…) Die richtige Frage ist also nicht die, ob unser Bernhard naiv gehandelt hat und letztendlich selbst Schuld an seinem Schicksal ist, sondern die, welche sonstige Auswirkungen auf das Leben anderer jener Bernhard hätte. Und da scheint die Waage doch sehr zugunsten des Unsrigen auszuschlagen.«


Galiani-Berlin
ISBN: 978-3-86971-139-3
Erschienen am: 16.08.2018
464 Seiten, gebunden mit SU
Preis 24,00 €

Michael Kleeberg, geboren 1959 in Stuttgart, lebt als Schriftsteller und Übersetzer (u.a. Marcel Proust, John Dos Passos, Graham Greene, Paul Bowles) in Berlin. Sein Werk (u.a. Ein Garten im Norden, Vaterjahre) wurde in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Zuletzt erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Preis (2015), den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2016) und hatte die Frankfurter Poetikdozentur 2017 inne.

Reblog: Unser Staubsauger! Wer hätte es gedacht?!

Internet der Dinge

Das verrät Ihr kaputter Staubsauger noch alles über Sie.

Ausrangierte Smarthome-Geräte landen auf eBay-Kleinanzeigen, dem Flohmarkt oder im Müll. Oft haben sie noch viele Daten über ihren Vorbesitzer gespeichert. Ein Hacker hat Dutzende gebrauchte Geräte gekauft – und Erstaunliches gefunden.

Von Judith Horchert, Zehdenick

Alles fing damit an, dass Dennis Giese sich im Jahr 2017 einen Staubsaugerroboter kaufen wollte. Der sollte Gieses kleine Wohnung in Darmstadt säubern, aber weil Giese Spezialist für IT-Sicherheit ist, interessierte ihn nicht nur, ob sein Gerät ordentlich Wollmäuse entfernt. Er wollte wissen, welche Informationen so ein Roboter über seine Nutzer sammelt und an den Hersteller weitergibt. Und das war nicht wenig, wie er später in einem Vortrag auf einem Hackerkongress zeigte.

Doch wie viele der gesammelten Informationen verbleiben auf den Geräten selbst – und was kann man noch auf alten Gadgets finden, die beispielsweise im Internet gebraucht verkauft werden? Giese begann einzukaufen.

Die Geräte von deutschen Nutzern kaufte er auf Onlineportalen. In Boston, wo er ebenfalls zur Cybersicherheit forscht, begab er sich auch offline auf Shopping-Touren: “Da gibt es Technik-Flohmärkte, da findet man einiges. Das meiste habe ich aber in Deutschland gekauft”, sagt er.

Dennis Giese hat inzwischen mehr als 200 smarte Geräte auf Datenreste untersucht

(c) Thorsten Schröder CC-BY 2.0

Rund 200 smarte Geräte besitze er inzwischen, neu oder gebraucht. Staubsauger und Überwachungskameras, Media Player und Drohnen, Kühlschränke, Router, Waschmaschinen und Geschirrspüler sind dabei. “Oft werden die kaputt angeboten, zum Beispiel mit einem Wasserschaden oder einem defekten Motor”, so Giese. “Das ist mir völlig egal, ich will eh nur an die Hauptplatine.” Und die hat es mitunter in sich.

WLAN-Passwörter im Staubsauger, Pornos auf der Playstation

Giese hat zum Beispiel Geräte erworben, die von ihren Vorbesitzern gar nicht zurückgesetzt worden sind. Auf einem Media Player fand er etwa nicht nur eine umfangreiche Porno-Sammlung, sondern auch die E-Mail-Adresse des früheren Besitzers, die mit Googles Play Store verknüpft war.

Als er in der Uni von dem Fund berichtete, erzählte ihm ein Kommilitone, auch er habe auf einer gebrauchten Playstation 3 einmal jede Menge “Erwachsenenfilme” gefunden. Gieses Professor riet ihm, sich nicht durch die Daten des fremden Nutzers zu wühlen, sondern es beim bloßen Fund zu belassen. Das sah Giese auch so.

Dass auf alten Geräten – etwa gebrauchten Festplatten, Rechnern oder Handys – oft noch jede Menge Daten schlummern, ist nicht neu, schon gar nicht in der Hackerszene, bei deren Sommercamp Giese seine Funde vorstellt. Doch gerade bei Smarthome-Geräten bleibt die Gefahr für die Nutzer oft abstrakt: Was kann ein Haushaltsgerät schon über mich wissen?

Auf smarten Kameras fand Giese Videoschnipsel, auf Staubsaugerrobotern Karten der zuvor gesaugten Wohnung. Und weil es sich um smarte Geräte handelt, kam er mindestens an die WLAN-Zugangsdaten – womit sich manchmal viel anfangen lässt. “Viele Menschen benutzen ihr Passwort für mehrere Dienste, und dieses Passwort habe ich dann”, sagt Giese. “Und wenn man eine smarte Glühbirne in den Müll wirft, sollte man dran denken, dass ein technisch versierter Nachbar darüber theoretisch an die WLAN-Zugangsdaten kommen könnte. Und damit hätte er Zugang zum Heimnetzwerk.” Schließlich arbeite er selbst mit bekannten Methoden, im Grunde sei das alles nichts Neues – nur würde die Anzahl der vernetzten Geräte in den Haushalten zunehmen.

WLAN-Daten führten den Hacker zur alten Wohnung des Staubsaugers

In manchen Fällen war es Giese sogar möglich, anhand der WLAN-Zugangsdaten herauszufinden, wo der vorherige Besitzer wohnt. Ein Staubsaugerroboter kam aus Magdeburg, einer aus Hanau. “Bei dem aus Hanau waren zwei WLANs registriert. Mithilfe der Google-Lokalisierungs-API konnte ich bis auf 13 Meter genau herausfinden, wo die Wohnung sein musste”, sagt der Forscher. Das habe sich dann leicht verifizieren lassen, weil im Namen des WLANs ein Teil der Adresse auftauchte.

Keineswegs ist es immer die Schuld der Nutzers, dass auf den Geräten noch viele Daten liegen. Laut Giese ist es oft so, dass ein “sauberes Löschen” für den Nutzer gar nicht möglich ist. Das hänge damit zusammen, welcher Speicher in dem Gerät verbaut sei. “Wenn ich Geräte kaufe, treffe ich meistens auf eine dieser drei Möglichkeiten: Entweder wurde gar nichts zurückgesetzt oder die Nutzer haben es zwar versucht, aber nur oberflächlich etwas gelöscht, beispielsweise die WLAN-Daten. Im dritten Fall haben die Hersteller geschludert, weil sie eine komplette Datenlöschung unmöglich machen”, so Giese.

Den Betroffenen hilft diese Einsicht wenig – schließlich ist jede dieser Varianten unangenehm. Und auch Giese hat keine Lösung für das Problem: “Es wäre aber schon ein erster Schritt, wenn sich die Leute bewusst wären, was so ein Gerät speichert und dass darauf noch einiges zu finden sein kann.”

Er rät davon ab, gebrauchte smarte Haushaltsgeräte zu verkaufen oder weiterzugeben, sofern der Nutzer keine Vorstellung davon habe, welche Informationen sich darauf noch befinden. Oder wenn man nicht mehr in der Lage ist, die Daten zu löschen: “Oft geht das ja gar nicht, weil das Gerät defekt ist.” Da sollte sich jeder Nutzer überlegen, ob er es wirklich “an Bastler” verkaufen möchte – denn “Bastler” sind eben auch so Leute wie Giese. Nur nicht immer mit guten Absichten.