Malujemy jak Kubicki / Wir malen wie Kubicki

Für diese Veranstaltung malten wir, Schüler von Marianne-Cohn-Schule, neue Kunstwerke. Es war die dritte Werkstatt unter dem Titel: Wir malen wie Kubicki, diesmal unter der Leitung von Ewa Maria Slaska. Wir malten auch ein Rock für Ewa (siehe unten).

Wir werden Übermorgen ab 10 Uhr unsere Ausstellung aufhängen und laden ein ab 11 Uhr – es wird der Film gezeigt über “Hermann Stöhr und Stanisław Kubicki – zwei Vorreiter der Deutsch-Polnischen Versönung”, der während des Projekts aufgenommen war. Das war ein langes Projekt, dauerte drei Jahre und beinhaltete so viel, dass man es aus dem Kopf nicht wissen kann. Jedenfalls gab es Vorträge, Ausstellungen, Spaziergänge, Ausflüge in Berlin und in Stettin, Museum- und Bibliotheksbesuche und vieles, vieles mehr. Darunter auch unsere Malworkshops.
Also: Übermorgen um 11 Uhr wird im Regenbogen-Kino der Projektfilm gezeigt. Dabei kan man auch uns sehen 🙂

Jesteśmy uczniami szkoły specjalnej w Berlinie. Od kilku lat współpracujemy z panią Ewą Marią Slaską w ramach projektu “Hermann Stöhr – Stanisław Kubicki – dwaj prekursorzy pojednania polsko-niemieckiego”.
Kilka tygodni temu podczas lekcji przygotowaliśmy nowe prace na wtorkową wystawę w Regenbogenfabrik. Zostanie też pokazany film Michaliny Mrożek o tych dwóch odważnych ludziach i o tym projekcie. A więc i o nas 🙂 

Dziękujemy naszym partnerom, organizatorom i sponsorom.
Danke an all unsere Projektpartner, Organisatoren und Sponsoren!

IX Liceum Ogólnokształcące Stettin Szczecin
Berlinische Galerie, Berlin
Blog “ewamaria2013”, Berlin
Bogdan Twardochleb, Stettin Szczecin
Christine Ziegler, Berlin
Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Potsdam Poczdam
Dorota Kot, Berlin
Dr. Lidia Głuchowska, Berlin Zielona Góra
Ewa Maria Slaska, Berlin
Fraueninitiative Berlin-Warschau, Berlin
Friedensbibliothek und Antikriegsmusem, Berlin
Fundacja Progressum Stettin Szczecin
Hufeisensiedlung gegen Rechts, Berlin
Jacek Bołądź, Berlin
Jochen Schmidt, Berlin
Książnica Pomorska, Stettin Szczecin
Marianne-Cohn-Schule, Berlin
Michalina Mrożek & MIMO Filmproduktion, Berlin
Museum Topographie des Terrors, Berlin
Professor St. K. Kubicki, Berlin
Programm Erasmus EU
Rathaus Kreuzberg, Berlin
Redakcja gazety szkolnej “IX Wrota”, Stettin Szczecin
Redakcja “Kuriera Szczecińskiego” i dodatku “Szkolny Pulitzer”, Stettin Szczecin
Regenbogenfabrik Kulturprogramm, Berlin
Regenbogen-Kino, Berlin
Städtepartner Stettin e.V., Berlin
Stara Rzeźnia i Projekt Łasztownia, Stettin Szczecin
Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, Berlin
Uniwersytet Zielonogórski, Grünberg-Zielona Góra

Und? Haben wir etwas oder jemanden vergessen? Dann Entschuldige und meldet euch!

I kto jeszcze? Zapomnieliśmy o kimś? O jakiejś osobie lub instytucji? Jeśli tak, to przepraszamy i prosimy o natychmiastowe zgłoszenie nam tego faktu 🙂

Tokarczuk. Nach der Rede.

Arkadiusz Łuba

Olga Tokarczuk – Die empfindliche Erzählerin

Literaturpreisträgerin Olga Tokarczuk stiftete dem Nobelpreismuseum ihr persönliches Tagebuch aus dem Jahr 2018, fot. Clément Morin © Nobel Media

Wer dem obligatorischen „Nobel Lecture“ von Olga Tokarczuk zugehört, oder ihn sogar gesehen hat, der weiß, er trägt den Titel „Der empfindliche Erzähler“. Darin hinterfragt sie die moderne Literatur, in der zu viel in der ersten Person erzählt werde. Darin fordert sie eine Erzählperspektive, eine der – wie Tokarczuk sie nannte – „vierten Person“, jenseits der klassischen „Ich“, „Du“ oder „Er*“. Sie erkennt diese Erzählweise in der Genesis des Alten Testaments: „Am Anfang war das Wort“ und fragt: „Wer ist es, das da weiß, was Gott denkt?“ Darin (wir sind immer noch bei Tokarczuks Vortrag) äußert sie ihre Freude darüber, dass „die Literatur auf wunderbare Weise das Recht auf alle Macken, auf Phantasmagorien, auf Provokationen, auf Groteske und Verrückte bewahrt“ habe. Tokarczuk träume darin „von hohen Standpunkten und weiten Perspektiven, in denen der Kontext weit über das hinausgeht, was wir erwarten würden“. Sie träume „von einer Sprache, die die dunkelste Intuition ausdrücken“ könnte, sie träume „von einer Metapher, die kulturelle Unterschiede“ überwinde, und schließlich träume sie „von einem Genre, das geräumig und transgressiv“ werde, „während die Leser es gleichzeitig lieben“ würden.

Ich übersetze aus Tokarczuks Vortrag: „Abgesehen von allem theologischen Zweifel können wir diese Figur des mysteriösen und empfindlichen Erzählers als wunderbar und bedeutsam betrachten. Es ist ein Punkt, eine Perspektive, aus der alles gesehen werden kann. All dies zu sehen, bedeutet, die endgültige Tatsache der Wechselbeziehung bestehender Dinge als Ganzes anzuerkennen, auch wenn diese Beziehung uns noch nicht bekannt ist. Alles zu sehen, bedeutet auch, eine ganz andere Art von Verantwortung für die Welt, denn es wird offensichtlich, dass jede Geste »hier« mit der Geste »dort« verbunden ist, dass eine Entscheidung, die in einem Teil der Welt getroffen, sich in einem anderen Teil der Welt auswirken wird, dass die Unterscheidung zwischen »mein« und »dein« fragwürdig zu sein beginnt. Daher sollte man so erzählen, dass der Leser den Sinn für das Ganze entwickelt und die Fähigkeit, Fragmente in ein Muster zusammenführen zu können und in jedem kleinen Geschehen ganze Konstellationen zu entdecken; so erzählen, um zu verdeutlichen, dass jeder und alles in einer gemeinsamen Idee liegt, die wir bei jeder Erdumdrehung sorgfältig in unseren Köpfen erzeugen“.

Mein Gott, wie nah ist sie mit ihren Forderungen und Wünschen an dem Versuch James Joyces, alles in ein Buch („Finnegans Wake“) zu packen! Doch all das verblasst irgendwie im Schatten der Aufregung um Peter Handkes politische Stellungnahmen für Slobodan Milosevic und sein „Großserbien“, es wird zu Unrecht übersehen, entschärft. Umso mehr freute es mich, dass ich heute hier meine Gedanken teilen kann.

Ich las Tokarczuk während des Studiums, da war sie gerade eine junge, aber dennoch an Ruhm gewinnende Schriftstellerin. Der Literaturnobelpreis bestätigt nun mal, dass ich und viele meine Gleichaltrigen uns nicht zufällig in ihrem Werk verliebt haben, es diskutierten, kommentierten, interpretierten und es dabei auseinandergenommen haben. Tokarczuk begann in einer Zeit, nachdem die größte lebende polnische Humanistin, Maria Janion, das Ende des romantischen Paradigmas verkündet hatte. Seitdem versucht die polnische Literatur generell, die neue Realität zu beschreiben, sich von den romantischen und Märtyrermythen zu befreien. Tokarczuk schöpft allerdings aus dem Ur und erforscht den heterogenen Ursprung unserer heutigen Kultur. Und aus diesem Hintergrund heraus wirft sie Fragen nach der jetzigen Form des Menschen. Zärtlich, behutsam, vorsichtig und dennoch stark.

Es seien 36 Jahre vergangen, schrieb Janion 2017 in einem Brief an den Polnischen Kulturkongress, und „der Teufelskreis des Polentums“ habe sich gewendet. Es bestehe ein Widerspruch zwischen Modernisierung und Modernismus. Letzteres erfordere geistige Anstrengung und die Bedeutungserneuerung der Gesellschaft – es erfordere es als Bedingung einer Desakralisierung und der wirklichen Ermächtigung: „Der so verstandene Modernismus fordert die Emanzipation von Minderheiten, die Achtung der individuellen Rechte und die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter. Dies kann nicht mit den Bestrebungen der Rechten [in Polen – Anm. A. Ł.] in Einklang gebracht werden“, so Janion weiter. Die Emanzipation von Minderheiten, die Achtung der individuellen Rechte und die Gleichstellung der Geschlechter sind alles Werte, die in Tokarczuks Werken auftauchen. Und genau deswegen können auch diese nicht mit den polnischen Rechten in Einklang gebracht werden.

Schwedische Buchhändler melden derzeit deutlich höhere Verkaufszahlen für Tokarczuk als für Handke. In den öffentlichen Bibliotheken muss man dort länger auf einer Warteliste für Tokarczuks Bücher stehen als für die des Österreichers. Es wäre interessant zu erfahren, wie es derzeit in Polen aussieht.

Ihren Vortrag beendete Tokarczuk mit denen, „die noch nicht geboren sind, sich aber eines Tages dem zuwenden, was wir über uns selbst und über unsere Welt geschrieben haben“, diesem „wunderbaren Werkzeug der raffiniertesten Art der menschlichen Kommunikation, dank dem unsere Erfahrungen durch die Zeit reisen können“. Sie denke mit Schuld und Scham an die noch Ungeborenen. Denn die Welt würde „auf den Status eines Objektes reduziert, das geschnitten, benutzt und zerstört werden“ könne: „Deswegen glaube ich, dass ich so erzählen muss, als sei die Welt, in der wir leben, eine Einheit, die sich ständig vor unseren Augen bildet, und als seien wir ein – kleiner und zugleich mächtiger – Teil davon“.

Nach solch einer Aussage, bleibt die Spannung hoch, wie das nächste Werk von Olga Tokarczuk sein wird.


siehe auch HIER

Nagroda. Tokarczuk.

Fragment auf Deutsch: ganz unten;
ganze Beiträge auf Deutsch – vorgestern sowie morgen

Od kiedy ukazali się Bieguni, wiedziałam, że tak będzie. I z uporem maniaka powtarzałam: Tokarczuk pracuje na Nobla i dostanie Nobla. No i dziś go dostanie.

Z tej okazji poprosiłam moich blogowiczów o napisanie, zadedykowanie bądź zacytowanie czegoś, co podkreśli ważność tego dnia. To zdjęcie też zostało skomponowane do tego wpisu. Myślałam, że teksty i przemyślenia zaproszonych do zabawy autorów, opublikuję w jednym wpisie w kolejności ich napływania. Jednak tak się nie dało. Posty o Tokarczuk wyparły z bloga wszystko, co było zaplanowane i zmiotły z powierzchni wszystkie ustalone od dawna terminy.

Wpis Arkadiusza Łuby został opublikowany już w poniedziałek (zob. TU), Eli Kargol wczoraj (TU), następny tekst Łuby będzie jutro (TU), Marka Włodarczaka TU. Zapraszam. A wszystkich, którzy czekają na  następne zapiski niespiesznego cyklisty lub chcą się dowiedzieć, co robią kolejni sąsiedzi, muszą poczekać, aż minie  szaleństwo związane z nagrodą Nobla.

I pomyśleć, że facet wynalazł dynamit. Niby wiem to od dawna, niby wszyscy to wiemy, ale mimo to straszne…

Krystyna Koziewicz

A nie mówiłam…

Czasami zdarzało  mi się coś intuicyjnie przewidzieć, niekiedy moje myśli spełniły się w życiu naprawdę, obróciły jakby w „złoto”. Tak było po przeczytaniu książki Olgi Tokarczuk „Księgi Jakubowe”, która mnie do tego stopnia zafascynowała, że sobie wtedy pomyślałam, tu cytuję… “jeśli ta książka nie otrzyma Nobla, to upadł bezpowrotnie międzynarodowy prestiż tej nagrody literackiej”. Miałam rację, co mnie niezmiernie ucieszyło – wartości uniwersalne przekonały gremium, przyznające nagrodę. Gratulacje dla Olgi Tokarczuk!

Zdjęcia zrobione przez Autorkę (z ukrycia) podczas Berlinale roku 2017, kiedy to film POKOT zsotał nagrodzony Srebrnym Niedzwiedziem – reżyseria Agnieszka Holland, scenariusz wg powieści Olgi Tokarczuk Prowadź swój pług przez kości umarłych.


Teresa Rudolf

Kręć się, kręć wrzeciono!

Słowo do słowa,
a tam wzorek, a tam pytanie,
a tam zagadka, a tam zdziwienie.

Słowo do słowa,
a tam smutek, a tam radość,
a tam wypadło oczko…

Słowo do słowa,
a tu już utkany z liter szal,
z Krakowa do Wiednia.

Słowo, do słowa,
a tam już nowy wzorek,
ciąg dalszy nastąpi.

Pisać, znaczy tkać
z myśli, emocji, zdarzeń
a czasem pruć, by znow tkać.

Pisać, znaczy tkać,
kolorowo lub szaro,
w głowie i sercu…

we własnym domku,
na własnym wzgórku,
na własnym wrzecionku…

W sobie,  dla siebie,
zanim ktoś inny….
zanim ty, lub ty, to zobaczysz…


Julita Bielak

Dwie twarze i filiżanka herbaty

Fotografie oddychają czy też: mają swoje tchnienie. Możemy doskonale objąć ich zawartość, zgłębić ich kompozycję, umieścić je w dziejach sztuki, zrozumieć emocje, jakie wywołują. Jeśli jednak nie poczujemy na twarzy ich tchnienia, nie poczekamy na chwilę, gdy je z siebie wypuszczą, przejdziemy mimo nich.

Marek Bieńczyk, Książka twarzy

Jej przeszłość wydawała mi się biało-czarna, jak stary film. Ludzie poruszali się w niej nerwowo i szybciej niż w rzeczywistości. Wszystko tam było jakieś toporne, nie miało głębi.

Olga Tokarczuk, Gra na wielu bębenkach, Szkocki miesiąc

Na klasowym spotkaniu po latach zapytałam pewnego poetę, co czyta: „Życie każdego z nas jest książką, nie sądzisz?” – odpowiedział. Nie sądziłam, moje przypominało wówczas stary program w muzycznej telewizji Dzika szafa grająca albo co najwyżej poradnik Drewno moje hobby. Tomasz Pągowski, z zawodu konserwator drewna zabytkowego, mawia, że choćbyś nie wiem, jak się wiórami upieprzył, to zawsze ładnie pachniesz. Pewnie istnieją wyjątki.

Dopiero w liście ów poeta, może targany wyrzutami sumienia, że mnie zbył, przyznał, że spośród polskich pisarzy najwyżej ceni Olgę Tokarczuk. – Czyta Tokarczuk – powtarzałam. To „czyta Tokarczuk” chodziło za mną, niepokoiło. Z księgarni przyniosłam Księgi Jakubowe, które z punktu uznałam za wyzwanie. Nie myliłam się, zakładka długo tkwiła na siedemnastej stronie, tam, gdzie zwykle pieczątkę stawiają biblioteki. Nie rezygnowałam, na Literackim Sopocie do Ksiąg… dokupiłam Grę na wielu bębenkach, opowiadania przeczytałam w jeden wieczór. Następnego dnia wróciłam do Ksiąg…, już wiedziałam, jak je czytać.

W jednym z wywiadów Andrzej Piaseczny opowiedział o mailu otrzymanym od nieznanej mu dziewczyny: „Niedawno umarł mój mąż, miał tyle lat, co Ty. Dzisiaj w samochodowym radiu usłyszałam Twoją piosenkę ‘Przyjdź, przytul, przebacz’, nie mogłam powstrzymać łez. To nie Ty ją napisałeś, napisało ją moje życie”. Opowiadania Olgi Tokarczuk stały się moją znaczącą lekturą, zaczynam zawsze od początku, docieram do Tancerki i każde „Kochany Tatusiu” dławi mnie w gardło. Jest styczną obrazów literackich i mojego życia. Powrotem do czegoś, czego już nie ma, a może w ogóle nie było.


EMS: 25 lat temu, w czwartym numerze wydawanego przeze mnie wówczas polsko-niemieckiego czasopisma literackiego WIR, znalazł się wywiad Judith Büsser z Olgą Tokarczuk. Olga była już znaną pisarką, po EE, Prawieku i Podróży ludzi Księgi wiadomo było, że pojawił się Ktoś.

Judith Büsser, Sny są ważną częścią życia (przedruk)

Olgo, jakie masz tempo pisania?

Myślę dosyć długo, zanim zacznę pisać.

A potem, pewnego dnia wychodzi gotowy tekst?

(…) Jedyne , co mogę powiedzieć to to, że tę książkę pisałam w amoku. Ty jako czytelniczka odbierasz tę energię, którą ja jako autorka wkładałam w tekst, a tej energii było dużo. Pisałam w ogromnym napięciu. Ale jest też mnóstwo materiału, który nie został wykorzystany, a był napisany. Pod koniec cięłam, bardzo dużo wyrzucałam. Bardzo mi zależało, żeby forma była zwarta. (…)

Każdy z rozdziałów jest w gruncie rzeczy krótkim, zamkniętym w sobie opowiadaniem.

Jeśli będę pisała jeszcze coś, to właśnie w taki sposób, ponieważ tak myślę – krótkimi historiami. Łatwiejsza jest dla mnie krótka forma. Jestem zbyt niecierpliwa, żeby długo utrzymać napięcie.

Postaci w twojej powieści miewają zdumiewająco dużo snów.

Sny są ważną sferą życia. Nie można robić prób opisania czyjegoś życia, pomijając sny. (…)


Ewa Maria Slaska

Dokładnie przed stu laty, 10 grudnia 1919 roku, Marcel Proust otrzymał najważniejszą francuską nagrodę literacką – nagrodę Goncourtów – za drugi tom swojego Dzieła, które potem urosło do wymiarów siedmiotomowego ARCYdzieła: W poszukiwaniu straconego czasu. Była to pierwsza książka wydana we Francji natychmiast po zakończeniu I wojny światowej.

Czy coś z tego wynika? Czy te dwie daty łączą się ze sobą? Zapewne nie, zapewne zwykła to koincydencja, jakich w naszym życiu tak wiele, że czasem ich nawet nie zauważamy. Ale jakoś dobrze się czuję z tą myślą, że sto lat temu Proust, mój Autor naj naj naj, a dziś Tokarczuk, nasza Autorka naj naj naj… Niech i o niej za sto lat ludzie myślą, niech o niej pamiętają, wciąż ją czytają i znajdują w jej książkach ważne dla siebie przemyślenia, tak jak my czytamy Prousta i pomaga on nam zrozumieć w życiu tyle spraw, przede wszystkim nas samych.


trzydzieści lat temu umarł mur wokół nas,
ale odrodził się w sercach;
sytuacja nie jest jednak beznadziejna;
byłem i jestem zdania wilhelma reicha,
że jeśli ktoś chce pokonać totalitaryzm,
to powinien zacząć od samego siebie;
właściwie od dziecka to, niełatwe, zadanie podjęli pani olga tokarczuk i  pan peter handke,
tegoroczni nobliści, ludzie, nie tylko literacko, niepospolici
gratulacje!

tibor jagielski
berlin, grudzień, roku dwa tysiące dziewiętnastego


Monika Wrzosek-Müller

Der Preis für Olga Tokarczuk war für meine Generation erstaunlicherweise eine große Genugtuung. Das höre und lese ich aus verschiedenen Aussagen und Notizen, die jetzt erscheinen. Es ist nicht einmal ein Gefühl des Stolzes, aber eine Erleichterung und Zufriedenheit, dass polnische Literatur, unsere oft weit ausschweifende Ausbildung belohnt wurde. Beim Nobelpreis für Szymborska dachte ich, niemand schreibt einfach so leichte und ironische Gedichte. Es hatte aber für mich wenig mit uns Polen zu tun und noch weniger mit denen, die im Ausland leben und am wenigsten mit mir. Warum also jetzt die Wärme, frohe Stimmung und Erleichterung bei Tokarczuk? Ich persönlich war durch „Unrast“ auf die Autorin aufmerksam geworden. Was ich bei ihr spüre, ist die Lust sich mit der Sprache auseinanderzusetzen, den Worten, der Erzählung, der großen epischen Form einen Platz zu geben. Ich denke, sie wird zu einer Symbolfigur für das bessere, intellektuelle und offene Polen, das mit den Wurzeln in der Heimat verankert ist aber sie nicht glorifiziert. Für uns junge und ältere DZIEWCZYNY ist sie die nächste Polin, die die Auszeichnung bekommt und damit uns anspornt, besänftigt und herausfordert! Bravo!


I na zakończenie: TU, czytaj i słuchaj. Wykład noblowski, wygłoszony przez Tokarczuk w minioną sobotę!

Treffen mit Olga Tokarczuk

Arkadiusz Łuba

(mit Zbigniew Herbert, Wisława Szymborska und Witold Gombrowicz im Hintergrund)

Dass ich als Literaturbegeisterter und -studierter gleich zwei moderne polnische Nobelpreisträgerinnen erleben werde, habe ich mir nie gedacht. Seit meinen frühen Jahren an prägte mich die Lyrik Zbigniew Herberts und genauso wie im Falle der Opposition, ja, des Antagonismus, Adam Mickiewiczs und Juliusz Słowackis (ich stand immer an der Seite Słowackis) habe ich Wisława Szymborska eher verachtet als verehrt. So habe ich mal in einem Referat für den Literaturunterricht an meiner Oberschule an ihre Verwicklungen in sozrealistische Poesie erinnert. Ich war 1996 traurig, dass anstelle Herberts sie den Literaturnobelpreis erhielt. Herbert starb am 28. Juli zwei Jahre später (ich erfuhr darüber während eines Jugendlagers in einem abgelegenen Kaff in den Masuren, wo jeweils nur zwei Exemplare der Tageszeitungen geliefert wurden und stand schon um 7 Uhr morgens vor dem Lebensmittelladen, um die gedruckten Nachrufe zu kaufen) und damit auch jede Hoffnung an einen Nobelpreis für ihn. Erst Jahre später, als ich die Ausstellung „Szuflada Szymborskiej“ (Szymborskas Schublade) in Krakau gesehen habe, änderte sich meine Meinung über die Person der Lyrikerin (ihre Lyrik habe ich ja als Literaturstudierter wohl gelesen). Was für ein humorvolles, freches, ironisches und liebes Wesen ist sie gewesen. Da fühlte ich auf einmal gewisse Seelenverwandtschaft. Ich interviewte sogar ihren Sekretär Michał Rusinek für eine Radiosendung. Kann den Bericht momentan nicht finden, hier aber stellvertretend etwas über Zbigniew Herbert und seine Jahre in Berlin.

In Krakau habe ich 2013 das Literaturfestival „Festiwal Conrada“ entdeckt, Witold Gombrowiczs Witwe Rita mit und ohne mich fotografiert und einen ersten deutschsprachigen wissenschaftlichen Artikel zu Gombrowiczs geheimen Tagebuch „Kronos“ geschrieben.

Rita Gombrowicz mit mir und der Faksimile-Ausgabe des geheimen Tagebuches „Kronos“ auf dem Conrad-Literaturfestival in Krakau, 2013, fot. © Arkadiusz Łuba

…und ich berichtete als erster in deutschsprachigen Medien über die heute in aller Munde vorhandenen „Jakobsbücher“.

Signatur von Olga Tokarczuk in meinem „Jakobsbücher“- Exemplar, fot. © Arkadiusz Łuba

Olga Tokarczuk selbst traf ich dann auf verschiedenen Veranstaltungen im Im- und im Ausland. Als ihr „Prowadź swój pług przez kości umarłych“ (Gesang der Fledermäuse) 2011 erschien, stellte ich ihr in Anwesenheit einiger Literaturprominenz in Berlin folgende Frage (Audioaufnahmen in meinem Archiv): „Der polnische Titel ist ein Zitat aus William Blake, er kommt auch oft in dem Buch vor, auch das Mystische und die Astrologie. Im »Unrast« zeigten Sie uns eine moderne Welt in Bewegung und Instabilität. Suchen Sie jetzt nach etwas Stabilen, Geordneten, Chaoslosen?“ Daraufhin kam dann die Antwort: „»Unrast« sehe ich als mein Opus Magnum. Ich habe viel zu diesem Buch recherchiert und lange daran geschrieben und wollte nachdem es fertig war eigentlich einen längeren Urlaub machen. Dann rief mich mein Krakauer Verleger an und erinnerte mich höflich daran, dass ich einen Vertrag für zwei Bücher unterschrieben habe und dass die Frist bald um ist. (…) Das hat mich motiviert, etwas Einfacheres wie ein Krimi zu schreiben. (…) Ich hatte Spaß am Schreiben, allerdings überkam mich schnell das Gefühl der Langweile, nur die kriminellen Ereignisse zu erzählen und es wurde mir bewusst, dass ich an einem Buch mit doppeltem Boden schreibe. (…) Anspruchsvolle Leser finden darin ernsthafte und fundamentale Fragen. In diesem Buch hinterfrage ich bestimmte philosophische Traditionen und verschiedenen Denkweisen, die seit dem 18. Jahrhundert galten. Hier ist also auch Platz für Blake, den Philosophen und Dichter, der auf der Schwelle zwischen Aufklärung und Romantik gelebt hat. Durch ihn werden hier die zwei Epochen miteinander konfrontiert“. Sie sagte auch: „Das Leitmotiv aller meiner Bücher ist die Suche nach einer Ordnung. Für den Leser scheint oft diese Suche verstörend zu sein, als ob meine Protagonisten diese Ordnung dort suchten, wo sie anscheinend nicht sollten“. Und ich wollte mehr wissen: „In dem Buch stellt sich die Frage, wie wird es in einer Million Jahren aussehen und ob der Himmel noch die gleiche Farbe haben werde. Und genau das wollte ich gerne wissen – Welche Farbe wird der Himmel in Ihrem nächsten Buch haben?“ Und so hat mir und allen Anwesenden Olga „Die Jakobsbücher“ angekündigt, ohne etwas Konkretes zu verraten: „Es wird der Himmel des 18. Jahrhunderts werden, ich kenne allerdings nicht seine Farbe. Der Plot beginnt in Osteuropa und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch Wien, Brünn bis hin nach Offenbach bei Frankfurt“. Daraufhin folgte ein verrücktes Foto (s. unten), wo wir Grimassen zeigen sollten (Olga hat schlussendlich gar nicht):

03 Olga Tokarczuk mit mir in der Berliner Akademie der Künste (hinten links der Schriftsteller Andrzej Stasiuk), 2011, fot. © Archiv Arkadiusz Łuba
Olga Tokarczuk mit mir in der Berliner Akademie der Künste (hinten links der Schriftsteller Andrzej Stasiuk), 2011, fot. © Archiv Arkadiusz Łuba

Die Jakobsbücher“ sind nun bekannt und ausführlich diskutiert worden. Und nun wurde Tokarczuk für ihre „erzählerische Vorstellungskraft, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform“ darstelle mit dem Literaturnobelpreis gekrönt und ich war stolz. Gleich musste ich ein Interview mit einigen Einschätzungen für das deutschsprachige Publikum des Auslandsdiensts des Polnischen Rundfunks geben.

Nun gründet Tokarczuk eine Stiftung, die Kultur in Polen und im Ausland unterstützen und umweltbewusste und Antidiskriminierungsmaßnahmen sowie die Bürgergesellschaft fördern soll. Die Nobelpreisträgerin hat gemeinsam mit dem Stadtpräsidenten von Wrocław Jacek Sutryk und dem Direktor des Breslauer Literaturhauses Irek Grin die Einzelheiten zur Tätigkeit der Stiftung vor ein paar Tagen bekannt gegeben. In die Satzung der von der Nobelpreisträgerin gegründeten Stiftung wird ein breiter Umfang von Tätigkeiten eingetragen. Kulturelle und künstlerische Aktivitäten sind zu erwarten, aber auch Umweltprojekte, und zwar für die Gleichbehandlung und Förderung der Entwicklung der Bürgergesellschaft. Die Stiftung setzt sich auch zum Ziel, die umfassende Entwicklung von Niederschlesien zu unterstützen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu koordinieren sowie die polnische Kultur in der Welt und die Weltkulturerbe in Polen zu fördern: „Die Arbeiten an der Gründung der Stiftung dauern noch an. Wir wissen aber schon, was wir vorhaben“, sagte Tokarczuk während einer Pressekonferenz in Wrocław: „Ich wünsche mir, dass sich die Stiftung mit den mir ganz besonders am Herzen liegenden Sachen befassen wird, daher Umweltschutz“.

Literaturpreisträgerin Olga Tokarczuk und Stadtpräsident Jacek Sutryk bei der Pressekonferenz zur Gründung der Stiftung in Wrocław, fot. © Urząd Miasta Wrocław

Dem Stiftungsrat werden – neben Olga Tokarczuk – noch zwei Personen angehören: Regisseurin Agnieszka Holland und Direktor des Breslauer Literaturhauses Irek Grin. Die Schriftstellerin wird für die Tätigkeit der Stiftung den Betrag in Höhe von 350.000 PLN (80.000 Euro) aus ihrem Nobelpreisgeld bestimmen. Als strategischer Partner der Stiftung wird im Namen der Stadt das Breslauer Literaturhaus fungieren. Tokarczuk ist seit mehr als einem Jahr Mitglied des Programmausschusses dieser Institution, daher gestaltet sie aktiv die strategische Tätigkeit des Breslauer Literaturhauses mit.

Laut Erklärung des Präsidenten Jacek Sutryk wird die Stadt die Villa von Maria und Tymoteusz Karpowicz an der Krzycka-Straße für den Sitz der Stiftung überlassen. Sie soll zum Treffpunkt von Literaten und Übersetzern werden, aber auch als Diskussions- und Begegnungszentrum dienen. Die Villa umgeben von einem Garten wird allen Bürgern offen stehen. Wrocław wird somit zum ersten Förderer der Stiftung von Olga Tokarczuk sein. Die Stiftung wird ihre Tätigkeit möglichst bald beginnen, ohne auf die Renovierung des Objektes zu warten. Bereits jetzt wurden die Pläne für die ersten Monate ihrer Tätigkeit dargestellt.

Gestaltet werden Förderregelungen für die größten literarischen Veranstaltungen in Niederschlesien. Es handelt sich hierbei sowohl um ein von Olga Tokarczuk initiiertes Literaturfestival „Góry Literatury” (Berge der Literatur), die in Nowa Ruda und in der Umgebung stattfindet als auch um andere. Der Stiftungsrat will außerdem das hervorragende, aber bedrohte Bruno Schulz-Festival in Drohobycz unterstützen, das seit Jahren die größte Szene zur Förderung der polnischen Literatur in der Ukraine darstellt. Olga Tokarczuk ist inhaltlich mit dem Festival verbunden. Geplant wird auch die Vorbereitung der Veranstaltung zum 100. Jahrestag der Geburt von Stanisław Lem und Tadeusz Różewicz, der in das Jahr 2021 fällt.

Die Ziele der Stiftung, des Breslauer Literaturhauses und diejenigen, die in unserer Bewerbung um den Titel der UNESCO-Literaturstadt enthalten sind, sind gleich“, sagte Irek Grin: „Die enge Zusammenarbeit ist als selbstverständlich zu betrachten“.

Am 10. Dezember wird der Nobelpreis an Tokarczuk verliehen. Der Tag soll ab dann für immer als ein großes Literaturfest in Wrocław gefeiert werden – in den Breslauer Schulen werden an ihm Prosa-Stücke berühmter Schriftsteller vorgelesen.

Die Preisverleihung wird ab 15:30 Uhr auf dem Breslauer Markt live übertragen. Während der Veranstaltung können Bücher von Olga Tokarczuk gekauft werden. Auch kann ein Gedenkstempel von diesem Tag auf die bereits mitgebrachten Bücher gedrückt werden. Was für eine Feier!

Ein Text, den niemand publizieren wollte (Reblog)

Woran die Menschen sterben, weiß niemand genau. Der Totenschein ist regelmäßig falsch. Durchgerutschte Misshandlungen und sogar Morde sind nicht ungewöhnlich. Dennoch ist die Todesursachenstatistik einer der wichtigsten Maßstäbe der Gesundheitspolitik. Milliardenbeträge werden an den luftigen Zahlen ausgerichtet.

Susanne Donner (riffreporter.de)

Dr. Schlendrian und der Tod

Da liegt er nun, kre­piert und auch ein biss­chen mal­trä­tiert. Was trag ich bloß ein, in den To­ten­schein? Herz­ver­sa­gen, das passt immer.

Unter Ärz­ten ist es kein Ge­heim­nis: Die Lei­chen­schau ist un­be­liebt und so­wie­so nur etwas für die ganz Ro­bus­ten. Übel wird selbst denn Ex­per­ten hin und wie­der vom Ge­ruch und Aus­se­hen des Toten. Bis Ende 2019 war die Lei­chen­schau zudem völ­lig un­ter­be­zahlt. Das Bun­des­land Ber­lin ver­gü­te­te sie im schlimms­ten Fall mit knapp mehr als 14 Euro. „Das hebt nicht ge­ra­de die Mo­ti­va­ti­on für einen Arzt, nachts um drei Uhr auf­zu­ste­hen, sich ins Auto zu set­zen, einen Leich­nam zu ent­klei­den, gründ­lich zu un­ter­su­chen und dann sorg­fäl­tig For­mu­la­re aus­zu­fül­len“, sagt Pa­trick Lar­scheid, Lei­ter des Zen­tral­ar­chivs der Lei­chen­schau­schei­ne in Ber­lin.

Und woher soll der Arzt über­haupt wis­sen, woran die­ser Mensch ge­stor­ben ist? Al­len­falls der Haus­arzt kennt die ver­schie­de­nen Krank­hei­ten, die ihn zu Leb­zei­ten plag­ten. Aber statt den Kol­le­gen aus­fin­dig zu ma­chen, trägt der Me­di­zi­ner nicht sel­ten ein­fach Herz­ver­sa­gen oder Lun­gen­em­bo­lie ein. Das sind be­lieb­te An­ga­ben, wenn Ärzte keine an­de­ren An­halts­punk­te haben, weiß Rü­di­ger Les­sig, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Rechts­me­di­zin in Halle. Was man als Schlen­dri­an abtun könn­te, hat weit­rei­chen­de ge­sund­heits­po­li­ti­sche, wirt­schaft­li­che und ge­sell­schaft­li­che Kon­se­quen­zen.

Über­se­he­ne Morde und Miss­hand­lun­gen
Auf­grund der man­gel­haf­ten Lei­chen­schau­en gehen Morde als na­tür­li­che To­des­fäl­le durch. Min­des­tens ge­nau­so schlimm: Se­nio­ren, die miss­han­delt wur­den und an den Fol­gen ster­ben, er­ken­nen die Ärzte mit­un­ter nicht als Opfer einer Ge­walt­tat. Rü­di­ger Les­sig, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Rechts­me­di­zin in Halle, be­rich­te­te auf der Ta­gung „Der tote Kör­per“: „Bei einem von 25.000 von uns be­schau­ten Leich­na­men pro Jahr steckt ein un­ent­deck­tes Tö­tungs­de­likt da­hin­ter.“

Er bit­tet, keine Fotos zu ma­chen. Vorne auf der Lein­wand er­scheint ein blut­über­ström­ter Mann mit einer rie­si­gen Kopf­ver­let­zung. Das Ge­sicht ist ent­stellt. Der Mann sitzt schräg auf einem Sofa, als hätte ihn je­mand ab­sicht­lich so dra­piert. „Auf dem To­ten­schein war ,na­tür­li­cher Tod’ an­ge­kreuzt“, sagt Les­sig und lacht leise. „Soll er etwa gegen die Arm­leh­ne ge­fal­len sein? Das macht keine sol­che Ver­let­zung.“ Vie­les hat er schon er­lebt: Er­schos­se­ne, die laut To­ten­schein einem Herz­in­farkt er­la­gen. Ver­kehrs­to­te, die na­tür­lich ge­stor­ben sein sol­len. Er­häng­te, denen der Kol­le­ge eine Lun­gen­em­bo­lie at­tes­tiert hatte. Äl­te­re Men­schen, die wegen Pfle­ge­feh­lern ge­stor­ben sind, ohne dass das im To­ten­schein auf­tauch­te.
Wer Les­sig hört, er­schrickt unter dem Ein­druck: Nach dem Tod herr­schen in die­sem Land Chaos und Schlam­pe­rei. Man fin­det nicht ein­mal einen Rechts­me­di­zi­ner hier­zu­lan­de, der dem wi­der­spricht. „Die Qua­li­tät der Lei­chen­schau ist er­schre­ckend schlecht“, be­stä­tigt Burk­hard Madea, Di­rek­tor des In­sti­tu­tes für Rechts­me­di­zin am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Bonn.

Jeder zwei­te To­ten­schein ist falsch
Das ist in höchs­tem Maße be­un­ru­hi­gend, wol­len wir doch si­cher sein, dass das Ver­bre­chen auf­ge­klärt würde, wenn uns einer nach dem Leben trach­te­te oder un­se­re Nächs­ten be­sei­tig­te. Aber man kann lei­der gar nicht si­cher sein. Hoch­ge­rech­net gehen die Ex­per­ten von etwa 2000 nicht na­tür­li­chen To­des­fäl­len pro Jahr aus, die un­er­kannt blei­ben. Und jede zwei­te To­des­ur­sa­che auf dem To­ten­schein stellt sich bei der Über­prü­fung durch eine Ob­duk­ti­on, also der Öff­nung der Lei­che, als falsch her­aus. Das be­sag­te in die­ser Deut­lich­keit schon 1987 eine mul­ti­zen­tri­sche Ob­duk­ti­ons­stu­die. Seit­her haben Fach­ärz­te viele Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge ge­macht. Pas­siert ist aber nichts. Neue Stich­pro­ben und die Er­fah­run­gen der Me­di­zi­ner be­le­gen das. Nur 43 Pro­zent der Ob­duk­ti­ons­er­geb­nis­se deck­ten sich mit dem Er­geb­nis der Lei­chen­schau, lau­tet das Er­geb­nis einer 2019 er­schie­ne­nen Dok­tor­ar­beit aus der Ar­beits­grup­pe von Rü­di­ger Les­sig. Jeder Zehn­te ster­be in den In­dus­trie­na­tio­nen sogar an einem völ­lig un­er­kann­ten Lei­den, das hätte be­han­delt wer­den kön­nen, be­rich­tet eine wei­te­re Stu­die von 2019.

Jene schlam­pig und falsch aus­ge­füll­ten To­ten­schei­ne bil­den aber die Grund­la­ge der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik. Sie ist eine der wich­tigs­ten Sta­tis­ti­ken in die­sem Land. Ihr Ran­king ent­schei­det dar­über, wohin das Geld in der Ge­sund­heits­po­li­tik und in der Ge­sund­heits­wirt­schaft flie­ßt. Mil­li­ar­den Euro geben För­der­insti­tu­tio­nen und In­dus­trie auch auf ihrer Grund­la­ge aus.

Die To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik und die Mil­lio­nen
Das Ran­king der To­des­ur­sa­chen füh­ren die herz­kreis­lauf­be­ding­ten To­des­fäl­le an. Kli­ni­ken, noch in der kleins­ten Kreis­stadt, er­öff­nen kar­dio­lo­gi­sche Ab­tei­lun­gen. Auf Platz zwei in der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik ste­hen die Krebs­er­kran­kun­gen. On­ko­lo­gen haben gute Zei­ten. Die Phar­ma­in­dus­trie ver­dient enorm mit immer spe­zi­fi­sche­ren Me­di­ka­men­ten, die Krebs­kran­ken durch­schnitt­lich ein paar Wo­chen Le­bens­zeit schen­ken. Neu­er­dings gibt es auch mehr Geld für die Sep­sis­for­schung, weil die Blut­ver­gif­tung eine immer häu­fi­ge­re To­des­ur­sa­che sein soll.

In­fek­tio­nen ran­gie­ren hin­ge­gen unter fer­ner Lie­fen mit we­ni­gen Pro­zent der To­des­fäl­le in der Sta­tis­tik. Kaum zu glau­ben, bei all den In­fek­tio­nen, die sich ge­schwäch­te Men­schen be­son­ders in Kran­ken­häu­sern hier­zu­lan­de zu­zie­hen. Der Ob­duk­ti­ons­stu­die zu­fol­ge blei­ben sol­che To­des­fäl­le in­fol­ge von Krank­heits­er­re­gern tat­säch­lich viel­fach un­er­kannt: Bei Män­nern er­kann­ten die Lei­chen­be­schau­er sie zu Null Pro­zent rich­tig, bei Frau­en zu 23 Pro­zent. „Es ist wahr­schein­lich, dass In­fek­tio­nen in der Sta­tis­tik un­ter­re­prä­sen­tiert sind“, sagt Burk­hard Madea. Das be­dingt auch, dass die Phar­ma­in­dus­trie kaum noch neuen An­ti­bio­ti­ka sucht. Die meis­ten Kli­ni­ken hier­zu­lan­de be­schäf­ti­gen nicht ein­mal einen In­fek­to­lo­gen.

„Wir haben auch eine mas­si­ve Miss­ach­tung der ech­ten Grip­pe­fäl­le, der In­flu­en­za. Wenn je­mand an einer Lun­gen­ent­zün­dung stirbt, müss­te der Lei­chen­schau­arzt nach­for­schen, ob eine In­flu­en­za zu Grun­de lag und La­bor­be­fun­de dazu vor­han­den sind. Das macht kaum je­mand. Da haben wir eine mas­si­ve Ver­zer­rung der To­des­ur­sa­chen“, sagt Pa­trick Lar­scheid. Er ist sich si­cher: Wenn die Öf­fent­lich­keit wüss­te, wie le­bens­ge­fähr­lich die In­flu­en­za sein kann, wür­den sich mehr Men­schen imp­fen las­sen. Je nach Sai­son kön­nen die Viren so ris­kant sein wie ein Herz­in­farkt, schätzt das Robert-​Koch-Institut. Aber so genau weiß das eben nie­mand, wenn der Tod nach einer In­flu­en­za einer an­de­ren Krank­heit an­ge­las­tet wird.

Be­such im Ber­li­ner Zen­tral­ar­chiv der Lei­chen­schau­schei­ne. Pa­trick Lar­scheid nimmt einen Sta­pel der ro­sa­far­be­nen To­ten­schei­ne von einem Tisch. „Herz­kreis­lauf­ver­sa­gen als To­des­ur­sa­che. Das ist na­tür­lich gro­ßer Un­sinn. Wenn je­mand in mein Herz schie­ßt, be­kom­me ich auch ir­gend­wie ein Herz­kreis­lauf­ver­sa­gen. Wich­tig ist die Frage, was führ­te zum Ver­sa­gen?“ Nächs­tes Blatt. „Ma­ras­mus. Oh Mann! “Ma­ras­mus” be­deu­tet, dass man nicht mehr isst und trinkt. Das ma­chen alle Men­schen in der Ster­be­pha­se. Ent­schei­dend ist doch, warum.“ Nächs­tes Pa­pier, er atmet hör­bar auf: „Das kann man mal so ste­hen las­sen: Aor­ten­klap­pen­in­suf­fi­zi­enz, da­durch Links­herz­ver­grö­ße­rung und da­durch Herz­schwä­che, die zum Tod führ­te.“

Min­des­tens 90 Pro­zent aller Lei­chen­schau­schei­ne stel­len sich beim blo­ßen Stu­die­ren der Pa­pie­re als feh­ler­haft her­aus, ur­teilt der Rechts­me­di­zi­ner Fred Zack von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ros­tock. Sie sind bei­spiels­wei­se in sich me­di­zi­nisch un­lo­gisch oder An­ga­ben feh­len. Er hatte über 10.000 Do­ku­men­te ge­prüft. Nur 223 Ur­kun­den er­schie­nen ihm ta­del­los. Dabei hat er die Lei­chen nicht ein­mal in­spi­ziert. Dann wäre wohl kaum ein rich­ti­ges Do­ku­ment üb­rig­ge­blie­ben.

Geld und Ge­wis­sen
Warum ist Ärz­ten die Lei­chen­schau so un­wich­tig? Die ers­ten Ant­wor­ten lau­ten oft, der Dienst an den Le­ben­den habe Vor­rang oder die Ar­beit sei schlecht be­zahlt. Bei­des sind vor­der­grün­di­ge Ar­gu­men­te. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt führt wei­ter aus: Jeder drit­te Arzt wisse Be­fra­gun­gen zu­fol­ge nicht ein­mal, dass der To­ten­schein Grund­la­ge des To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik ist. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Stel­len­wert der Lei­chen­schau ist vie­len Ärz­ten trotz über hun­dert­jäh­ri­ger Pra­xis nicht be­kannt. In Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung und Ap­pa­ra­ti­sie­rung möch­ten au­ßer­dem kaum noch Ärzte den Leich­nam ent­klei­den und an­fas­sen. Das Ab­tas­ten mit den Hän­den – davor haben viele junge Kol­le­gen heute Scheu, be­rich­tet die Ana­to­min Heike Kiel­stein von der Uni­ver­si­tät in Halle an der Saale. Wer den Leich­nam nicht ein­mal be­rührt, kann frei­lich schwer die Lei­chen­star­re oder An­zei­chen von Ge­walt­ein­wir­kun­gen wahr­neh­men. Und dann übe auch die Po­li­zei immer wie­der Druck aus, eine To­des­ur­sa­che an­zu­ge­ben, be­kla­gen Ärzte ge­gen­über dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt. Denn bei einem nicht na­tür­li­chen oder un­kla­ren Tod muss sie er­mit­teln. Das macht Ar­beit. Der Schlen­dri­an hat auch mit Be­quem­lich­keit zu tun.

Zur Ent­schul­di­gung der Ärzte kann man vor­brin­gen: Viele Men­schen am Le­bens­en­de pla­gen heut­zu­ta­ge meh­re­re Krank­hei­ten, vom Dia­be­tes über eine In­fek­ti­on bis zur Herz­schwä­che. Was davon sie letzt­lich ge­tö­tet hat, ist schwie­rig ein­zu­krei­sen.

Jahr für Jahr prä­sen­tiert das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt die lan­gen Zah­len­ko­lon­nen der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik. In Bezug auf die Qua­li­tät muss die Be­hör­de selbst ein­räu­men, dass über die Ge­nau­ig­keit keine Aus­sa­ge ge­macht wer­den könne. Viel­mehr be­klagt sie sogar die „nach­läs­si­gen Ein­tra­gun­gen“ in die To­ten­schei­ne und „un­nö­ti­ge Ver­zer­run­gen“ mit­un­ter durch un­le­ser­lich aus­ge­füll­te Pa­pie­re. Sie bie­tet seit ge­rau­mer Zeit Fort­bil­dun­gen an, damit Ärzte sorg­fäl­ti­ger mit den Lei­chen um­ge­hen. Doch die Me­di­zi­ner zei­gen kaum In­ter­es­se.

Ma­ro­des Mau­er­werk und wie wei­ter?
Die Nach­läs­sig­keit der Ärzte ist nicht ein­mal die ein­zi­ge Feh­ler­quel­le der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik, er­klärt das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt. Das Lei­chen­schau­we­sen ist Län­der­sa­che. Dort sit­zen die sta­tis­ti­schen Be­hör­den, die die Hand­schrift der Me­di­zi­ner ent­rät­seln und einer Zif­fer im in­ter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­tem der Krank­hei­ten, dem ICD, zu­ord­nen müs­sen. Die Ver­ga­be der Codes weicht aber von Bun­des­land zu Bun­des­land er­heb­lich ab. Das ver­zerrt die To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik noch zu­sätz­lich, klagt die obers­te Sta­tis­tik­be­hör­de. Beim Tod nach Herz­schwä­che und an­de­ren Herz­lei­den ist nach­ge­wie­sen, dass star­ke re­gio­na­le Un­ter­schie­de in­ner­halb Deutsch­lands zu­sätz­lich auf die un­ter­schied­li­che Co­die­rungs­pra­xis in den Be­hör­den zu­rück­ge­hen. Auch des­halb star­ben 2011 in Bre­men nur 34 Men­schen auf hun­dert­tau­send an einem Herz­in­farkt, in Sachsen-​Anhalt aber mehr als drei Mal so viele – 104 auf hun­dert­tau­send. In Mecklenburg-​Vorpommern er­la­gen wie­der­um fast drei Mal so viele Män­ner an Krank­hei­ten des Ver­dau­ungs­sys­tems wie in Schleswig-​Holstein. Die Zu­nah­me der Sep­sis­to­ten füh­ren Ex­per­ten eben­falls dar­auf zu­rück, dass die Ämter öfter als frü­her die ent­spre­chen­den Zif­fern ver­ge­ben. Ei­ni­ge Sta­tis­ti­sche Lan­des­äm­ter nut­zen nun Com­pu­ter­pro­gram­me, um die lü­cken­haf­ten und oft fal­schen An­ga­ben auf den To­ten­schei­nen we­nigs­tens ein­heit­lich via Soft­ware zu über­set­zen. Diese Pra­xis er­in­nert an ein Haus mit ma­ro­dem Mau­er­werk, das man uni­form ver­putzt, damit die Un­eben­hei­ten ver­schwin­den.

Woran die Men­schen wirk­lich hier­zu­lan­de ster­ben, weiß nie­mand genau.

Nun hat der Staat die Ge­büh­ren­ord­nung über­ar­bei­tet, und der Satz für die Lei­chen­schau steigt ab 2020 auf ma­xi­mal 166 Euro. Ob das viel än­dert? Da die schlech­te Be­zah­lung nur eine Ur­sa­che des Miss­stan­des ist, darf man kei­nen grund­le­gen­den Wan­del er­war­ten. Und: Die ein­zi­ge Mög­lich­keit die Dia­gno­se der Lei­chen­schau zu über­prü­fen, bie­ten stich­pro­ben­ar­ti­ge Aut­op­si­en. Hier­zu­lan­de wer­den aber seit Jah­ren immer we­ni­ger Tote ob­du­ziert. Nur­mehr an­dert­halb Pro­zent sol­len es sein. Für eine Qua­li­täts­si­che­rung der Lei­chen­schau und der To­des­ur­sa­chen­sta­tis­tik wären zehn Pro­zent an­ge­mes­sen, for­dern Rechts­me­di­zi­ner. In Skan­di­na­vi­en, Großbri­tan­ni­en und Dä­ne­mark lie­gen die Ob­duk­ti­ons­ra­ten deut­lich höher, teils in der Grö­ßen­ord­nung von 30 Pro­zent. Das und eine ge­wis­sen­haf­te Lei­chen­schau wären ein ech­ter Bei­trag zu mehr Rechts­si­cher­heit und zur fai­ren Ge­sund­heits­fi­nan­zie­rung.

Ino z Zatoką Gdańską w tle / “Semele”

Komische Oper*jutro*Komische Oper*morgen*Komische Oper*tomorrow

Von der Pressetexte der Komischen Oper:

Eine Oper im Gewand eines Oratoriums könnte man Semele von Georg Friedrich Händel bezeichnen. Mit prächtigen Chören, knappen Rezitativen und ausdrucksstarken Arien musste das Werk nicht dem starren Schema einer Opera seria folgen und wirkt bis heute frisch. Für ein fastenzeitliches Oratorium eher »ungewöhnlich«: die saftig-erotische, durchaus auch witzige Handlung. Heute zählt Semele weltweit zu den beliebtesten Werken aus der Feder Georg Friedrich Händels. Barock-Spezialist Konrad Junghänel und Chefregisseur und Intendant Barrie Kosky setzen auf das menschliche Drama hinter den göttlichen Ränkespielen und zeigen klar auf: »Wen die Götter strafen, dem erfüllen sie seine Wünsche«.

Die Rolle der Ino wird gesungen von der wunderbaren Karolina Gumos – seit 2006 im Ensemble der Komischen Oper Berlin ist und hier schon große Erfolge gefeiert hat.

Semele, oratorium operowe Händla z roku 1743, jest uważane za jedną z pierwszych oper angielskojęzycznych.

Semele była córką króla Kadmosa i Harmonii w Tebach, kochanką Zeusa. W Oratorium bóg urządził jej przepiękny pałac w kraterze wulkanu, którego strzegły smoki. Hera odkrywa kryjówkę kochanków, dostaje się do pałacu pod postacią Ino, siostry Semele, i namawia dziewczynę, by ta wystawiła kochanka na próbę – jeśli naprawdę jest bogiem, niech w takim razie ukaże się jej w swej boskiej postaci. Wiemy ze wszystkich opowieści o Pięknej i Bestii czy Amorze i Psyche, że takie zabawy z bogami źle się dla dziewcząt kończą. Zeus wzbrania się, ale dziewczyna tak nalega, że bóg w końcu spełnia życzenie i pojawia się jako Piorun. Semele ginie w płomieniach, ale Zeus – co za makabryczna część opowieści – zdąży wyjąć z brzucha płonącej kochanki jej nienarodzone jeszcze dziecko. Zaszywa je w swym udzie i po kilku miesiącach wydaje na świat małego Dionizosa – boga wina i płodności. Semele po śmierci trafiła do Hadesu, ale gdy Dionizos dorósł, zabrał ją stamtąd na Olimp, jako boginię Tyone.

W zapowiedzi niemieckiej słusznie przypomina się, że jeśli bogowie chcą kogoś ukarać, spełniają mu życzenia. No bo cóż, ok, to Hera namówiła Semelę, by wystawiła kochanka na próbę, ale to jednak ona sama tak długo wierciła kochankowi dziurę w brzuchu, aż ustąpił i ukazał jej swą boską moc.

Generalnie krwawa jatka. Zresztą proszę:

Wielkie gesty i strugi krwi. Nie wiem, czy by mnie ten trailer zachęcił do wizyty w operze. (Uwaga – nieważne, że pojawia się tam majowa data z 2018 roku – Semele zostaje właśnie wznowiona).

Zachęca jednak przysłana w zaproszeniu opowieść o Karolinie Gumos, grającej i śpiewającej u Kosky’ego rolę Ino, siostry Semele.


Solistin/Mezzosopranistin: Karolina Gumos (Komische Oper Berlin)  Foto: Gunnar Geller

Julia Maier referentka prasowa Komische Oper pisze:

Direkt an der Danziger Bucht wuchs Karolina Gumos auf. Vor ihrer Haustür lag das weite Meer und weckte die Neugier auf das, was hinter dem Horizont lag – für die Augen unsichtbar, aber mit dem Herzen zu erahnen. So auch das Singen. Ihre erste Rolle (im Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry) sang sie in dem am Strand ihrer Heimatstadt gelegenen Musical-Theater. Sie war 18 Jahre alt, und mit Gesang hatte sie vorher nichts am Hut gehabt. Sie ging zum Vorsingen, weil ihr damaliger Freund in der Produktion mitwirkte. »Plötzlich merkte ich, wie viel Spaß mir das Singen macht!« Und ihre Stimme entpuppte sich als perfektes Material für die Oper.

Der Ruf der Oper lockte sie! Erst zu einem Gesangsstudium nach Poznań und dann nach Deutschland. »Hier wollte ich erst gar nicht hin. Das deutsch-polnische Verhältnis ist ja recht belastet.« Dazu kam ein familiärer Hintergrund: Ihr Vater hatte als junger Mann während des Naziterrors im Untergrund für die Unabhängigkeit Polens gekämpft – und war dafür im KZ gelandet. »Ein unglaublicher Mann. Nach all den schlimmen Dingen, die er erlebt hatte, war er nie bitter und setzte sich nach dem Krieg immer wieder für Versöhnung ein.« Die Kammeroper Schloss Rheinsberg war ihre erste Station im Nachbarland. Hier lernte sie einen jungen Mann kennen, der ein Grund war, warum sie in Deutschland blieb und Wurzeln schlug. »Er war Hornist im Orchester.« Die große Liebe. »Er spielte für mich Alphorn am See, und da war’s um mich geschehen!« Seitdem sind die beiden zusammen.

»Einmal spazierten wir gemeinsam in Berlin Unter den Linden entlang. Da gab es einen Fensterkasten, in dem Aufführungsvideos der Komischen Oper gezeigt wurden. Damals redeten wir darüber, wie toll es doch wäre, wenn ich hier mal singen könnte …« Das Schicksal führte sie nach Stationen in Dortmund und Braunschweig tatsächlich an die Komische Oper Berlin. Hier ist nun ihre Heimat. Sie liebt die Seen und die Flüsse Brandenburgs. Leidenschaftlich gerne fährt sie Kajak und durchforstet in ihren liebsten Gummistiefeln die Wälder nach Pilzen. Wenn es sie in den Ferien in die Berge verschlägt, muss sie aufpassen: »Bei Serpentinen wird mir übel.« Sie ist halt doch ein Kind des Meeres…

Mehr Info auf Deutsch.

I po polsku (włączcie głos)

No cóż, trudna rada, przyjdzie pójść. Gehen wir?  Szczegóły / Mehr

1. Advent / Pierwsza niedziela adwentu

Adwentowy Flash Mob z Budapesztu sprzed kilku lat / Advents Flash Mob aus Budapest

🙂

Miłej lektury / Viel Spaß beim Lesen

Hallelujah – Adventi Flashmob a Bazilikánál
2016. december 11. Vasárnap

Az Út Mosolyért Alapítvány adventi jótékonysági rendezvényének csúcspontjaként hazai sztárok énekelték közösen Leonard Cohan világhírű dalát, a Hallelujah-t. Köszönettel tartozunk mindenkinek aki részt vett az eseményen és ezáltal hozzájárult gyűjtésünk sikeréhez. Az Út a Mosolyért Alapítvány a Heim Pál Gyermekkórház súlyosan sérült, tartós lélegeztetésre szoruló betegeinek egy új, korszerű lélegeztetési környezet kialakítását tűzte ki célul.

Ötlet: Út a Mosolyért Alapítvány
Közreműködők: Szulák Andrea, Hevesi Tamás, Kasza Tibor, Veres Mónika Nika, Kollányi Zsuzsi, Berkes Olivér
Kórus: Budapest Show Kórus
Zenei Rendező: Temesi Bertalan
Film/Edit: LIVEPOINT
Rendező: Tokay Péter
Társproducer: Nyakas Laura – Young&Trinity
Producer: Gubcsó Balázs – Út a Mosolyért Alapítvány

Kulinarisches Krakau

Seit Jahrhunderten wird Krakau für ihre Küche geschätzt und ist dieses Jahr die Europäische Hauptstadt der gastronomischen Kultur (http://culinary.krakow.pl/). In der ehemaligen Haupt- und Königstadt von Polen kann man exzellente polnische Küche genießen. Arkadiusz Łuba ist auf einer Recherchereise in Krakau gewesen und hat dortige Restaurants, Bars und Cafés unter die Lupe genommen. Und natürlich auch die polnische Küche Krakaus getestet.

Arkadiusz Łuba

Unterwegs in der Europäischen Hauptstadt der gastronomischen Kultur 2019

Der Krakauer Drachen und das Schwefel-Schaf (Bild im Restaurant „Wierzynek“), fot. © Arkadiusz Łuba
Der Krakauer Drachen und das Schwefel-Schaf (Bild im Restaurant „Wierzynek“), fot. © Arkadiusz Łuba

Krakau war schon seit dem Mittelalter für seine kulinarischen Besonderheiten bekannt. Der Legende nach, wohnte einst in der Höhle unter dem Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige, an den Ufern der Weichsel, ein Drache. Er tötete die Bürger, steckte ihre Heime in Brand und verschlang ihr Vieh. Kein Ritter konnte ihn besiegen. Bis der schlaue Schusterlehrling namens Dratewka ihn zum Frühstück mit einem mit Schwefel gefüllten Schaf fütterte. Der Monster musste wegen des im Magen brennenden Schafs so viel trinken, bis er endlich platzte. Kein Drachen wohnt seitdem in der Höhle. Der Ort wird heutzutage nur noch reichlich von jungen Touristen besucht.

Ein Denkmal erinnert an den Krakauer Drachen, fot. © Arkadiusz Łuba
Ein Denkmal erinnert an den Krakauer Drachen, fot. © Arkadiusz Łuba

Heutzutage frühstückt man ruhiger, aber gar nicht bescheidener. Die Marke „Handelek“ bietet seit genau zwei Jahren Schnitten, Wein und Bier zum Frühstück – ganz nach der Krakauer Frühstückstradition des 19. Jahrhunderts. Vor mehr als hundert Jahren wurden neben Delikatessengeschäften die „Handelki“ gegründet, also lebhafte Frühstückslokale, in denen man von morgens bis Mitternacht speisen und Bier trinken konnte. Auf der Speisekarte standen Innereien und riesige, viel schichtige Sandwiches mit Schafskäse, Paprika, Lachs, Kaviar und Schweizer Käse.

Frühstück bei Handelek, fot. © Arkadiusz Łuba
Frühstück bei Handelek, fot. © Arkadiusz Łuba

Das heutige „Handelek“ der Inhaberin Katarzyna Młynarczyk ist ein geräumiges Frühstücksrestaurant in der Nähe des berühmten Lebensmittelmarktes Stary Kleparz. Auf die belegten Brote kommt Wurst lokaler Metzgerein, Butter und Käse aus der Molkerei in nahe liegenden Skała und die Forelle aus Ojców, auch unweit von Krakau. „Unser Geheimnis liegt in dem Sauerteigbrot aus unserer eigenen Bäckerei“, sagt Katarzyna Młynarczyk: „Es ist eine Mischung, mit nur 10% Weizenmehl. Wir benutzen uralte, leckere und gesündere Getreidesorten. Das ist die Basis, wozu verschiedene Pasten hinzukommen, wie zum Beispiel Ente mit Brandy. Wir haben nur Premiumprodukte mit Brombeer-Streusel oder saisonalem Obst oben drauf. Sehr beliebt ist auch das Kalbshirn, ganz nach Rezepten aus dem 19. Jahrhundert“.

Die Kundin Dorota ist mit ihrem Mann nach Krakau gekommen, eine Geschäftsreise. Sie ist begeistert: „Während mein Mann an vielen Sitzungen teilnimmt, gehe ich in Cafés. Das Café hier ist sehr gut. Ich genieße den Kaffee. Und die belegten Brote sind sehr lecker und gesund“.

Der Krakauer Hauptmarkt in der Altstadt mit Blick auf die Marienkirche und die Sukiennice, fot. ©Arkadiusz Łuba
Der Krakauer Hauptmarkt in der Altstadt mit Blick auf die Marienkirche und die Sukiennice, fot. ©Arkadiusz Łuba

Krakau war eine wichtige Handelsstadt. Kaufleute aus ganz Europa kamen hierher und schließen Geschäftsverträge ab. Der Krakauer Handel fand auf dem Markt statt. Hier versorgten sich nicht nur Kaufleute, sondern auch Bürger. Diese Handelstradition blieb bis heute bestehen. In der ganzen Stadt sind einige Dutzend kleinere und größere Marktplätze zu finden. Damit hängt die Tradition des Straßenessens zusammen. Am häufigsten wird der sogenannte „runde König von Krakau“ – der Obwarzanek – also der Brotringel verspeist. „Bevor der Brotringel im Ofen landet, wird er kurzgekocht, damit der Aufgehenprozess gestoppt wird. So bleibt der Brotringel drinnen weich und wird zugleich außen knusprig“, sagt Marta Krzyżek-Siudak vom Museum des Brotringels.

Krakauer Obwarzanek
Krakauer Obwarzanek

Der Krakauer Obwarzanek hat weltweit seine Cousins: den türkischen Simit, den südgermanischen Brezel, oder den jüdischen Bagel. Doch der Obwarzanek wird aus zwei – und nicht aus einer – daumendicken Teigrollen geformt. Nur acht zertifizierte Bäckereien in Krakau dürfen ihn nach einer 600 Jahre alten Rezeptur backen. Jeden Tag werden
150 Tausend Stück produziert und gegessen.

Krakauer Wagenfahrer, fot. © Arkadiusz Łuba
Krakauer Wagenfahrer, fot. © Arkadiusz Łuba

An der Ecke der Straßen Grodzka und Poselska wurde wahrscheinlich die beste Maczanka serviert. Diese besonders mit Krakau verbundene Spezialität sollte am Ende des 17. Jahrhunderts als ein schneller Imbiss für Krakauer Wagenfahrer entstehen. Bereits im April gewann Maczanka des Restaurants „Baroque“ im Wettbewerb zum Krakauer Stadtmenü. Der Chefkoch Ryszard Warnke: „In diesem Menü haben wir typische Krakauer Gerichte. Ein leckeres Mischmasch, das aus all den verschiedenen Einflüssen entstanden ist, die sich hier einst getroffen haben. Krakau war ja doch ein wichtiger Knoten auf internationalen Handelswegen. Bis heute erinnern sich die ältesten Einheimischen an verschiedene Speisen. Zu der Maczanka haben wir beispielsweise in uralten Büchern nach Rezepten gesucht. Etwa sechs, sieben Versuche haben wir gewagt, bis unser Experte es als das akzeptierte, was er aus seiner Kindheit kannte. Also ein lang gebratener Schweinekamm mit Kümmel und Zwiebel in dicker Soße, in die eine Wassersemmel getaucht wurde. Etwa wie Pulled Pork“

Maczanka im Restaurant „Baroque“
Maczanka im Restaurant „Baroque“

Ein paar Schritte weiter, am Hauptplatz der Altstadt, befindet sich das Restaurant „Wierzynek“. Wierzynek stammt aus dem Mittelalter. Es ist berühmt für die große Hochzeitsfeier von 1364, als die Prinzessin Elisabeth von Pommern – die Enkelin des Königs Kasimir den III. – Karl den IV., den Heiligen Römischen Kaiser, geheiratet hatte. Die Feier wurde von zahlreichen europäischen Monarchen und dem Adel besucht. Der Legende nach, erhielten die Gäste Gold- und Silbergeschirr zum Andenken.

Rehrücken mit Topinambur, Thymian Eclair, Moosbeeren und karamellisiertem Fenchel in„Wierzynek“
Rehrücken mit Topinambur, Thymian Eclair, Moosbeeren und karamellisiertem Fenchel in „Wierzynek“

In bester Tradition einer polnischen Hofküche serviere „Wierzynek“ heute vor allem Wildfleisch, sagt der Chefkoch, Michał Hajdus: „In unserem Menü stehen Rebhuhn, Perlhuhn und Fasan. Wir basieren auf Reh, Hirsch und Wildschwein. Dazu kommen verschiedene klare Sude und Bouillons sowie rote Soßen. Alle Produkte kommen aus der Region, aus dem Njepolomitz-Urwald oder anderen Ecken Kleinpolens in der Nähe von Krakau. Wir versuchen bei den alten Rezepten neue Technologien und Serviermethoden anzuwenden, wie Vakuumgaren oder Confit, wodurch die Nährwerte beibehalten und Haltbarkeiten verlängert werden. Dazu bleiben die Gerichte saftig und verlieren nicht ihre Aromen“. Am Servicepersonal werde es nicht gespart, so Hajdus weiter. Gleichzeitig könnten zehn bis zwölf Gäste synchron bedient werden. Früher gab es bei Wierzynek sogar bis zu 25 Kellner pro Schicht.

Reporter Arkadiusz Łuba und Restaurantinhaber Jerzy Łodziński bei den hausgemachten Marinaden in Pod Aniołami, fot. © Arkadiusz Łuba
Reporter Arkadiusz Łuba und Restaurantinhaber Jerzy Łodziński bei den hausgemachten Marinaden in “Pod Aniołami”, fot. © Arkadiusz Łuba

Die Küche des Goldenen Krakau ist doch am meisten in „Pod Aniołami“, also „Zu den Engeln“, sichtbar. Das uralte, gotische Mietshaus aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich das Restaurant befindet, ist wie ein Geschmackssinn-Museum. Hier kreisten einst Domherren, Gesandten, Senatoren und Ritter. Hier wird es immer noch adelig auf Dukaten gekocht, Fleisch und Lebkuchen werden vergoldet. Hausgemachte Marinade-Rezepten lassen sich auf die alten Chroniken zurückführen. Im Ofen brennt das Buchenholz, das vergessene Aromen des mittelalterlichen Polens hervorbringt. Dazu serviert der 78-jährige Restaurantinhaber, Jerzy Łodziński, persönlich selbstgemachte Liköre. Er ist der Erbe eines 126-jährigen Geschäfts seiner Großmutter. „Zu den Engeln“ ist für ihn ein Zufluchtsort mit einer besonderen Philosophie: „Zwischen diesen mittelalterlichen Wänden fühle ich die alte Kultur. Die Leute hatten damals friedlich miteinander gelebt. Man hat das Recht respektiert. Gemeinsames Essen hat etwas von dem Frieden, ist weit entfernt von dieser bösen Welt, weit weg von der Politik. Das Essen lässt uns edler werden. Es bringt uns auf ein anderes Lebensniveau von einst. Schade, dass dies vorbei ist. Daher möchte ich die vergangene Stimmung des alten Krakau hier wieder reinbringen. Ich möchte die Nächstenliebe am gemeinsamen Tisch hier wieder erleben“.

Hausgemachte Marinaden in Pod Aniołami, fot. © Arkadiusz Łuba
Hausgemachte Marinaden in “Pod Aniołami”, fot. © Arkadiusz Łuba

Krakau ist heute genau wie vor Jahrhunderten offen für alle Geschmäcker. Hier kann man verschiedene Küchen mit Gerichten aus der ganzen Welt probieren. Wie die Auszeichnungen und Preise sowie der diesjährige Titel der Europäischen Hauptstadt der gastronomischen Kultur wohl versprechen, muss all das sicher ziemlich schmackhaft sein. Das ist es! Und bis zum Ende des Jahres können die Krakauer Stadtmenüs noch verkostet werden.

Er fehlt

Zu Erinnerung an Witold Kamiński
27.11.1947 – 17.10.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

wir alle hatten das große Glück Witold Kaminski kennenlernen zu dürfen.

Heute sind wir zusammengekommen, da wir Abschied nehmen müssen. Am 17. Oktober ist Witold unerwartet verstorben und die Trauer und der Schmerz sind erdrückend. Er fehlt.

Wir sind zusammengekommen um gemeinsam zu trauern, aber auch um uns an einen außergewöhnlichen Menschen zu erinnern.

Ohne ihn würden wir wohl nicht hier stehen. Dieses Haus gehört auch zu seinem Lebenswerk. Als Mitbegründer und langjähriges Vorstandmitglied des Polnischen Sozialrates und des Migrationsrates Berlin gehört er zu den Menschen, die die Ora34, das Nachbarschaftshaus für interkulturelle Begegnung, geprägt haben.

Witold Kaminski war eine der herausragenden Persönlichkeiten des polnischen Berlins. Seit den 80er Jahren hat er unzähligen Migrant*innen geholfen, unter erschwerten Umständen ein neues Leben in Deutschland aufzubauen. Er hat sich mit Kulturprojekten und politischen Initiativen für den deutsch-polnischen Austausch eingesetzt und geholfen, Vorurteile und Ressentiments abzubauen.

Doch sein Engagement war nie auf die polnische Community beschränkt – er hat Vielfalt immer als Stärke gesehen und stellte sich entschlossen gegen einen einseitigen, Einbahnstraße-artigen Integrationsbegriff. Vielmehr sprach er von Teilhabe und Partizipation aller Menschen in unserer Einwanderungsgesellschaft und lebte die Empowerment-Idee, bevor dies zum Modewort wurde. Dabei fand er Verbündete unter Migrantenvertretern der unterschiedlichen Communities und arbeitete unter anderem mit der türkischen, russischen und afrikanischen Gemeinde eng zusammen. Auch in der Politik fand er Freunde und Mitstreiterinnen, er etablierte sich als gefragter Experte und arbeitete aktiv mit in zahlreichen Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Beiräten, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene.

Die junge Generation der „neuen Deutschen“, wir, die sich selbstbewusst in mehreren Kulturen zu Hause fühlen, profitieren heute von der Arbeit von Vordenkern und Aktivisten wie Witold, die den Diskurs um nationale Identitäten nachhaltig beeinflusst und Glasdecken für uns zerschmettert haben.

Für seine Verdienste wurde Witold Kaminski mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem polnischen Kavalierskreuz. Doch darüber sprach er eigentlich nie. Vielmehr als für Auszeichnungen interessiert er sich für Menschen.

Wie oft haben wir ihn sagen hören: „Es kommen keine Facharbeiter und Migranten, es kommen Menschen, mit ihren Potentialen und Problemen.“ Dabei hatte er ein erstaunliches Talent Potentiale zu erkennen und zu fördern. Das haben viele in diesem Raum selbst erfahren dürfen – vielleicht nicht immer ganz freiwillig. Ich erinnere mich an meinen ersten Monat im Polnischen Sozialrat, als er mir auf dem Weg zu einer Veranstaltung erzählte, er habe mich bereits als Moderatorin angemeldet. Er war ein fantastischer Mentor und durch sein Vertrauen sind Kolleginnen und Kollegen an seiner Seite gewachsen.

Witolds Erfahrungsschatz und sein politischer Instinkt machten ihn zu einer wichtigen kritischen Stimme, die die Migrations- und Integrationsdebatten der letzten drei Jahrzehnte mitgeprägt hat. Und wie wir wissen, konnte diese Stimme laut und deutlich werden – er nahm kein Blatt vor den Mund, folgte seiner Überzeugung und ließ sich nicht beirren.

Bei allem was er tat, war er mit dem Herzen dabei und schonte sich nie. Sein Engagement war stets persönlich und er hatte die Gabe andere mit seinem Enthusiasmus anzustecken und mitzunehmen. Man konnte nicht gleichgültig an ihm vorbeigehen. Seine offene und gleichzeitig direkte Berliner-Art machten ihn auch zu einer Kiezikone – es war fast unmöglich die Oranienstraße mit ihm runterzulaufen, ohne dass er angesprochen wurde.

Witold war seiner Zeit oft voraus, er war ein Visionär, Philosoph und vor allem immer auch Sozialarbeiter, der sich für diejenigen einsetze, die marginalisiert oder vergessen werden – zuletzt besonders in der Obdachlosen- und Geflüchtetenhilfe.

Doch Witek war auch Familienmensch, Ehemann und Vater. Erfolgreicher Trickfilmzeichner, leidenschaftlicher Hobbytaucher und stets rasender Fahrradfahrer.

Er war unser Freund. Er bleibt mein Vorbild. Wir werden ihn nie vergessen.

Dr. Marta Neüff
Vorsitzende des Polnischen Sozialrates e.V.
21.11.2019

Reblog: Evolutionsforschung

spiegel.de

Der erste aufrecht gehende Menschenaffe kam aus dem Allgäu

Forscher entdeckten in einer Tongrube in Bayern eine bisher unbekannte Primatenart. Der Fund stellt bisherige Annahmen zur Evolution auf den Kopf.

Die 21 Knochen des am besten erhaltenen Teilskeletts eines männlichen Danuvius guggenmosi.
Christoph Jäckle/ Nature/ DPA

Vor elf Millionen Jahren herrschte im Allgäu angenehme Wärme. Urzeitliche Tiere durchstreiften dichte Wälder und Flusslandschaften, unter ihnen Schildkröten und Pferde. Auch Überreste von Hyänen fanden Forscher in der Region schon.

Ein Fund aber ragt besonders heraus: 2015 stießen Wissenschaftler in einem Bachlauf der Tongrube “Hammerschmiede” im Unterallgäu auf die versteinerten Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart.

Die Danuvius guggenmosi genannte Spezies hat vor 11,6 Millionen Jahren gelebt. Und wie eine Analyse der Überreste seines Skeletts zeigt, könnte sich der neu entdeckte mögliche Vorfahr von Mensch und Menschenaffe bereits vor fast zwölf Millionen Jahren auf zwei Beinen fortbewegt haben. Das vermutet ein Forscherteam um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen und des dortigen Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment.

“Bislang war der aufrechte Gang ein ausschließliches Merkmal von Menschen. Aber Danuvius war ein Menschenaffe”, sagte Böhme. Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia. Der Fund aus dem Allgäu ist aber mehrere Millionen Jahre älter.

Der Gang des heutigen Menschen auf zwei Beinen hat sich demnach nicht – wie bislang angenommen – in Afrika entwickelt, er könnte aus Europa stammen, schreiben die Forscher in einer Studie im Fachmagazin “Nature”. Sie halten es für “nahezu ausgeschlossen”, dass in Afrika noch ältere aufrecht gehende Menschenaffenformen existierten.

“Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie und ein Paradigmenwechsel”, sagte Böhme. Die Funde stellten die bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage. “Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie.”

Aus der Tongrube bargen die Paläontologen vollständig erhaltene Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen – insgesamt 15 Prozent eines Skeletts. “Damit ließ sich rekonstruieren, wie sich Danuvius fortbewegte”, sagte Böhme. “Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen”, erklärte die Professorin. “Zu unserem Erstaunen ähnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschenaffen.”

So habe Danuvius seinen Rumpf durch eine S-förmige Wirbelsäule aufrecht halten können, während Menschenaffen lediglich eine einfach gebogene Wirbelsäule besitzen. “Danuvius kombinierte die von den hinteren Gliedmaßen dominierte Zweibeinigkeit mit dem von den vorderen Gliedmaßen dominierten Klettern”, sagte Mitautor David Begun von der University of Toronto. Nach Einschätzung der Forscher war der neue Vorfahr des Menschen etwa einen Meter groß. Die Weibchen, von denen ebenfalls Teile eines Exemplars in der Tongrube gefunden wurden, dürften etwa 18 Kilogramm gewogen haben, das gefundene Männchen 31 Kilogramm.

Madelaine Böhme geht davon aus, dass weitere Funde die Erkenntnisse aus dem Danuvius-Fund stützen werden. Von einem Weibchen wurden bereits Zähne, ein Finger und ein kompletter Oberschenkel ausgegraben. Auch von einem jungen Exemplar liegen gut erhaltene Reste vor. Außerdem erwartet die Tübinger Paläontologin weitere erfolgreiche Ausgrabungen in dem Bachbett der Tongrube. “Das muss man sich vorstellen wie ein Puzzle, in das immer mehr Teile eingefügt werden”, sagt sie.

Mit dem Namen für den Fund erinnern die Forscher übrigens an den Hobbyarchäologen Sigulf Guggenmos. Er hatte 1972 in der ehemaligen Ziegelei “Hammerschmiede” in Pforzen erstmals Fossilien an dem Fundplatz entdeckt. Der Ruhm kommt für Guggenmos aber zu spät. Er ist im vergangenen Jahr im Alter von 76 gestorben.

Damit ist ja nicht gesagt, dass dieses Lebewesen der Vorfahr der späteren Homininen wurde, es könnte auch wieder ausgestorben sein. Erst viele Millionen Jahre später traten andere Zweibeiner in Afrika auf, die dann unsere Vorfahren wurden. Diese Entdeckung würde dann keinen Paradigmenwechsel bedeuten, sondern wäre höchstens ein weiteres interessantes Detail in der Geschichte des Lebens auf unserem Planeten.

Das ist ganz interessant – und zeigt nebenbei, das die aktuelle Klima-Debatte vielleicht  doch falsch liegt. Warum darf es nicht endlich wieder schön warm werden hierzulande? Eine Frage bleibt – wird denn auch andernorts intensiv nach Hominiden gesucht?

© SPIEGEL ONLINE 2019