Poesie / August von Platen

Weihnachten bei Avantgardisten. 1914

Dr. Lidia Głuchowska, unsere Fachfrau für Kunst überhaupt und für Kunst der Moderne und der Avantgarde insbesondere, stellt uns die Zeitschrift Die Aktion vor, eine von Franz Pfemfert von 1911 bis 1932 herausgegebene literarische und politische Zeitschrift, die dem Expressionismus zum Durchbruch verhalf und für eine undogmatische linke Politik stand. Die Aktion bereitete immer spezielle Weihnachtsseiten für jeweilige Dezemberausgabe vor. Mit viel moderner Graphik und Dichtung. 

In der Ausgabe vom Dezember 1914 finden wir unter anderem das Gedicht Christnacht von August von Platen (1796 – 1835),  der in Polen von allen wegen seiner Polenlieder sehr bekannt ist.

1914-3
1914-4
Christnacht

Der Engel der Verkündigung:

Seraphimsche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!

Ein Hirte:

Was seh’ ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.

Chor der Hirten:

Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.

Chor der Seraphim:

Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.

Chor der Hirten:

Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!

Chor der Seraphim:

Lasst Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!

Der Engel der Verkündigung:

Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!

Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.

Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.

Chor der Hirten:

Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.

Engel mit Lilien
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.

Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!

Der Engel der Verkündigung:

Schon les’ ich in den Weiten
Des künft’gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.

Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes “Werde”
Erblüht sie jugendlich.

Chor der Seraphim:

Vergesst der Schmerzen jeden,
Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!

2 thoughts on “Poesie / August von Platen”

  1. Hallo Ewa, wir sind zurück aus Marokko und der Hälfte des Weihnachtstrubels entgangen. M. ist grandios u. ich muss mir ständig die Bilder anschauen, um mir immer wieder alles zu vergegenwärtigen. Hoffentlich hast du dir nicht wieder zu viele Gäste u. damit zu viele Arbeit aufgehalst. Wenn du was vergessen hast für den Braten oder das Gemüse, melde dich. Habe noch etwas für dich aus Marokko Friedvolle u. erholsame Feiertage wünscht dir Anne

  2. Danke Anne! Die Polen können ohne viele Gäste und viel Kochen gar nichts mit Weihnachten anfangen. Aber ich hoffe, ich habe alles im Griff. Heute habe ich 90 kleine Pierogi sog. Öhrchen und 90 große heißt “normale” gemacht. Unter anderen!
    Alles gute zu Weihnachten

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