Ewa Maria Slaska
Wir sind alle Kriminelle. Und Idioten obendrauf.
Die Impressionen und Reflexionen, die ich hier präsentieren werde sammelten sich in den letzten Wochen an und sie taten es nicht umsonst. Ich gewann von ihnen den oben formulierten Eindruck: Man hält sich gegenseitig für Kriminellen, die unter Kontrolle der Polizei gehören, und obendrauf findet man, dass die Mitmenschen einfach Idioten sind.
Beweise? Bitte sehr.
Ich wohne in einer schöner Kleinhäuser- und Niedrigmiethäuser-Siedlung, die, gegründet Ende des 19. Jahrhunderts und ausgebaut in den 20ern, mal Gartenstadt hieß. Und es ist wohl wahr – wir wohnen in einer Gartenidylle. Man stellt die Körbe voll mit Fallobst geladen auf die Straßen, damit die anderen es sich nehmen können, man hat größtenteils Gartenzäune entfernt, damit wir das Gefühl haben, es ist alles unser. Man macht Straßenpartys, Grünanlagenpicknicks und Plantchbeckenkonzerte, man, man, man…
Nun ja…
Eine kleine Nebenstraße. Zwei große Quittenbäume sind im September vor einem Haus voll goldener Früchte, es sind so viele, dass entweder macht man eine Produktionskette für Marmeladen, Süßwerk und Liköre, oder die magischen Birnen fallen runter und verfaulen. Auf dem Baum hängt ein Zettel:
Dieb, nimm die Früchte nicht weg, komm nach 1. Oktober, dann werden sie gesammelt und verteilt.
Die Botschaft ist klar und einleuchtend, soll gar friedlich anmuten, wieso aber beginnt sie mit dem Wort DIEB, wieso nicht Nachbar, Freund, Kumpel, Passant, gar Fremder? Nein, DIEB.
Eine andere kleine Straße. Vor dem Haus hat man einen Miniatur-Park gezaubert. In einem Kreis von Rosen wurde ein kleiner runder Platz eingerichtet, schön mit Steinquader ausgelegt. Mitten des Kreises wurde eine Bank gestellt, genauso eine wie in einem richtigen Park nur kleiner. Es gibt sogar ein gewundener Pfad zur Straße hin, ebenfalls mit schön bearbeiteten Steinen gepflastert. Alles sehr geschmackvoll. Nicht mein Still vielleicht, aber an sich eine bildhübsche Anlage, die nie von jemandem benutzt wird. Mindesten seit zehn Jahren als ich hier in der Nähe wohne, habe ich auf der Bank nie jemandem gesehen.
Offensichtlich irre ich mich. Seit ein paar Wochen klebt auf der Bank ein Zettel in einer Plastikhülle. Von der Strasse her lässt sich nicht entziffern, was da geschrieben steht. Ich komme also näher (betrete das Grundstück!) und lese: Es ist unser privates Grundstück. Beim Betreten und Banknutzen wird sofort die Polizei gerufen. Also. SOFORT und POLIZEI. Und natürlich UNSER und PRIVAT. Am nächsten Tag, um den Eindruck ein Bißl zu besänftigen, hat man neben dem Zettel zwei Plüschbären gesetzt. Aber das Wort POLIZEI bleibt.
In einem der Häuser gibt es Party. Bin ja auch eingeladen. Nach wunderbarem Essen und schönen Plaudern im Garten gehen wir nach Hause. Vor mir zwei ältere Damen, beide schon sehr schlecht auf den Beinen. Der Ausgang besteht aus vier kleinen Stufen ohne Gelände. Eine der Damen hat sichtlich Schwierigkeiten damit. Die andere und ich eilen ihr zur Hilfe, halten sie, sozusagen, fest im Griff und bringen sie nach unten. Eigentlich ist es verboten, sagt sie. In Berlin muss man ab drei Stufen ein Gelände einmontieren. Man kann die Polizei rufen.
Ich schaue sie verdutzt an. Wir waren doch bei einer Freundin. POLIZEI RUFEN? Ist es ihr ernst? Sind die POLIZEI und VERBOT einzige Kategorien, in denen sie denken kann? Stadt zum Beispiel zu sagen, dass man vielleicht mit Gertrud darüber sprechen soll, irgendetwas bei der Sache zu unternehmen.
OK, aber nicht nur unsere Gartenidylle bereitet mir Kopfzerbrechen. Ab und zu muss ich doch raus in die grosse Welt. Zum Beispiel in ein Ministeriumshaus. Ich bin eine Urlaubsvertretung für meine Freundin. Das tue ich schon seit ein paar Jahren, jetzt arbeitet sie aber in einem neuen Raum. Ich gehe in die kleine Teeküche nebenan. Es ist eigentlich keine richtige Teeküche, sondern eh ein sparsam eingerichtet Rattenloch. Ich warte, bis das Wasser kocht und schaue mir eine komplizierte Kombination aus Kabel und Schalter, die es erlaubt (zwingt) jeglicher Wasserkochgang drei Mal zu versichern. Mir ist ein bisschen mulmig. Wieso denkt man nicht, dass wir imstande sind, Wasser zu kochen ohne gleich große Schäden einzurichten. Wieso setzt man voraus, dass wir hier etwas falsch machen werden. Und dann, jaaaa, dann sehe ich, dass daneben noch ein Zettel hängt. Ich lese es und glaube meinen Augen nicht:

Also SCHWEINESTALL, CHAOS, GESTOHLENES ESSEN… Nicht Mal Kühlschrank gibt es in dieser Küche, keine Schubladen, keine Schränke, wo ist das Essen, das irgendjemand hier stehlen kann? Und wenn es hier auch etwas gäbe und zugleich jemand, der es stehlen möchte, was hätte er stehlen können – ein Teebeutel ab und zu, ein Löffel Kaffee, zwei Weintrauben? Was kann man groß in diesem Rattenloch verrichten? Wer ist auf die Idee gekommen, hier so eine Beleidigung aufzukleben? Ja klar, auch hier sieht man wieder ein laues Versuch, wie bei der Bank zwischen den Rosen, die Sache zu entschärfen, damit jemand über kleine Geschenke schreibt. Aber wieso nimmt er/sie den Zettel nicht einfach weg. Wieso erlauben alle Küchenutzer, dass das Ding da sichtlich seit langem klebt?
Was seid ihr alle? Auf Polnisch werde ich fragen: pogięło Was? Seid ihr gekrümmt worden?
Zur allgemeinen Aufheiterung zeige ich hier noch etwas, was uns ausnahmsweise nicht für Diebe hält, wohl aber für Idioten. Schaut ihr euch das an.
Habt ihr es gesehen? Dann bitte, sagt mir, WO ist die Telefon-Nummer, die man anrufen soll???

Johann Amos Comenius

















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“Bluszczem ku oknom


W ramach wystawy Ogrody dwudziestu artystów z Zielonej Góry wypełnia przestrzeń czasu, wspomnień, poznania i sztuki. Tytuł ekspozycji rozumieć można dosłownie i metaforycznie. Wpisuje się ona w kontekst jedynego transgranicznego założenia ogrodowo-parkowego w Europie, jest formą międzynarodowego dialogu na temat kultury, ekologii oraz historii i współczesności stosunków polsko-niemieckich.
Wystawa Ogrody potrwa do końca października. Serdecznie zapraszamy



Im Rahmen der Ausstellung Gärten kreierten zwanzig Künstler aus Zielona Góra einen exterritorialen, mentalen Raum der Zeit, der Erinnerung, der Erkenntnis und der Kunst.Der Titel der Schau ist wörtlich und metaphorisch zu verstehen. Die Ausstellung Gärten fügt sich in den Kontext des einzigen grenzüberschreitenden Landschaftsparks Europas ein und ist Ausgangspunkt für einen internationalen Dialog über Kultur und Ökologie ebenso wie über die Geschichte und Gegenwart der deutsch-polnischen Beziehungen.
Im Gutachten zu deren Katalog (hg. von Dr. Lidia Głuchowska) stellte Prof. Beata Frydryczak fest: „[diese] deutsch-polnische Publikation sprengt den Rahmen einer typischen Monografie (…). Einen besonderen Wert verleiht dem Buch neben dem zweisprachigen Titel Ogrody/Gärten die Tatsache, dass es während der Ausstellung im Neuen Schloss im Fürst Pückler Park in Bad Muskau präsentiert wird, wo die Werke der Künstler des Institutes für Visuelle Künste der Universität Zielona Gora ausgestellt werden. Folglich wird die theoretisch-künstlerische Zweigleisigkeit auch durch den äußeren Kontext komplementär ergänzt, nämlich durch die Parkumgebung, dessen Ästhetik und Geschichte sowie durch gemeinsame deutsch-polnische Vorhaben von grenzübergreifender kultureller Dimension. Die Ausstellung im Vorfeld und auch das nun vorliegende Buch sind der beste Beweis für eine gelungene Komplementarität der beiden Artefakte. Ogrody/Gärten sind eine Publikation (und Ausstellung), die in künstlerischer Hinsicht einen Neuwert schafft (Muskauer Park); und indem sie an den Diskurs über Gärten anknüpft, hebt sie den Garten auf eine Metaebene, auf der er eine ideelle und zugleich metaphorische Dimension gewinnt. Über Gärten im Garten und Landschaften in der Landschaft kann nur in Metaphern und Bildern gesprochen werden. Die vorliegende Publikation eröffnet solch eine Möglichkeit, indem sie auf drei Ebenen verweist: die theoretische, künstlerische und ideelle Ebene, sofern man das natürliche Medium Muskauer Park als Idee betrachten kann. (…) Die Mäander des Muskauer Parks können als Reflex der Mäander künstlerischer Reflexion um all das betrachtet werden, was unter dem Namen Muskauer Park vereinigt wurde. Eine Einführung in diese Reflexionen bietet der Text von Artur Pastuszek Il faut cultivert notre Jardin, der in essayistischer Form auf den Ursprung der Idee des Gartens an sich einzugehen versucht. Der Text von Lidia Głuchowska dagegen enthält eher eine kritische Dimension und stellt einen ambitionierten Versuch dar, die in der Ausstellung präsentierten Werke und die Künstler darzustellen.“
O Mużakowie czyli niemieckim Bad Muskau pisał już nasz Viator czyli Tomasz Fetzki, i to nawet kilkakrotnie. Za pięć dni, a ściślej – 1 września 2016 roku w Nowym Zamku w Parku Mużakowskim zostanie otwarta… 

Der Landschaftspark bzw. der englische Garten – der Muskauer Park ist ein Beispiel – stellt einen Raum an der Grenze zwischen Natur und Kultur dar. Er ist eine Form,ein Symbol und ein Traum, untrennbar eingeschrieben in den Assoziationsstrom nicht nur ästhetischer, sondern auch erotischer und religiöser Vorstellungen. Die davon evozierten Konnotationen werden etwa durch Stichwörter wie das Paradies, die Gärten des Islam oder schließlich der biblische hortus conclusus – eine Allegorie auf die Reinheit Marias – hervorgerufen. Sowohl der Echoraum dieses uralten Mythos als auch der geographisch-historische status quo und die Topografie des durch den „Goethe der Gartenkunst“, also den Fürsten Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau, geschaffenen Parks – wurden zur Inspiration für eine Sammlung von Werken.