Frankfurt Słubice PRIDE

5 września / 5. September 2020: Odbędzie się pierwszy Słubice-Frankfurt-PRIDE // Erster Frankfurt-Słubice-PRIDE zieht durch die Doppelstadt

W sobotę, 5 września, pod hasłem „Miłość bez granic” rozpocznie się pierwszy słubicko-frankfurcki marsz równości. Pierwszym celem wiecu jest zwrócenie uwagi na brak widoczności i infrastruktury osób nieheteronormatywnych w obu częściach dwumiasta. Drugim celem jest okazanie solidarności ze społecznością LGBTIQ* w Polsce, która doświadcza obecnie silnej dyskryminacji i wyparcia wskutek ustanowienia tak zwanych „stref wolnych od LGBT” w niektórych gminach oraz wskutek nagonek, prowadzonych m.in. przez partię rządzącą PiS w czasie niedawnej kampanii prezydenckiej.
Unter dem Motto „Liebe ohne Grenzen“ findet am Samstag, dem 5. September 2020, ab 14.00 Uhr in der Doppelstadt der erste Frankfurt-Słubice-PRIDE statt. Die Demonstration will einerseits auf die kaum bis gar nicht vorhandene Sichtbarkeit und Infrastruktur für queere Menschen in beiden Teilen der Doppelstadt aufmerksam machen. Zweiter Schwerpunkt ist die Solidarisierung mit der LGBTIQ*-Community in Polen, die durch sogenannte „LGBT-freie Zonen“ in einigen Kommunen sowie durch hetzerische Kampagnen, u. a. durch die Regierungspartei PiS im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf, heftig diskriminiert und bedrängt werden.

Dwumiasto ma być miejscem bezpiecznym dla wszystkich ludzi. Dlatego organizatorzy marszu zapraszają do udziału w nim także burmistrza Słubic Mariusza Olejniczaka oraz nadburmistrza Frankfurtu René Wilke. Podczas wydarzenia przedstawią swoje historie, działania, postulaty i cele osoby nieheteronormatywne, działacze i działaczki, organizacje ze Słubic i Frankfurtu, województwa lubuskiego i Brandenburgii, Polski i Niemiec.
Die Doppelstadt soll ein sicherer Ort für alle Menschen sein. Darum lädt das Organisations-Team auch herzlich Oberbürgermeister René Wilke und Bürgermeister Mariusz Olejniczak zu dem Umzug ein. Unterwegs werden queere Personen, Aktivist*innen, Organisationen aus Frankfurt und Słubice, Brandenburg und Lubuskie, Deutschland und Polen ihre Geschichten, Arbeit, Forderungen und Ziele vorstellen.

To wydarzenie na rzecz różnorodności seksualnej i płci społeczno-kulturowej, wolności i bezpieczeństwa osób nieheteronormatywnych organizuje niezależna grupa składająca się z 20 osób pochodzących ze Słubic, Frankfurtu i okolic.
Hinter der Veranstaltung für Vielfalt der sexuellen Orientierungen und Identitäten sowie Freiheit und Sicherheit für queere Menschen steht eine unabhängige Organisationsgruppe mit rund 20 Engagierten aus Frankfurt, Słubice und der näheren Umgebung.

LGBTIQ* to termin, który odnosi się do osób identyfikujących się jako lesbijki, geje, osoby biseksualne, transpłciowe, interpłciowe, queer oraz takie, które nie są pewne swojej tożsamości seksualnej.
LGBTIQ* steht für lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle sowie sämtliche queere und Trans-Personen.

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Start/rozpoczęcie: 05.09.2020, 14:00 Uhr, Plac Bohaterów, Słubice
Treff für Zugreisende: 13.00 Uhr Bahnhof Frankfurt (Oder) // Zbiórka osób przyjeżdżających pociągiem: godz. 13.00, dworzec kolejowy we Frankfurcie nad Odrą<

Trasa będzie prowadziła od Słubic przez most graniczny na Odrze i centrum Frankfurtu, a zakończy się na Holzmarkt, gdzie zaplanowano zakończenie wiecu o godzinie 16.30. //
Die Route führt durch Słubice über die Oderbrücke und durch das Frankfurter Zentrum zum Holzmarkt, wo die Abschlusskundgebung gegen 16.30 Uhr geplant ist.

Corona-Regeln//Zasady bezpieczeństwa sanitarnego z uwagi na pandemię COVID-19:
Es besteht die Pflicht zur Mund-und-Nasen-Bedeckung sowie Mindestabstand von 2 Meter in Polen bzw. 1,50 Meter in Deutschland, in Słubice sind gegenwärtig max. 150 Teilnehmende zugelassen. //
Obwiązuje zakrywanie nosa i ust oraz zachowanie odstępu 2 metrów w Polsce, a 1,5 metra w Niemczech. Dopuszczalna liczba uczestników marszu w Słubicach to obecnie 150 osób.

Bilderatlas Mnemosyne

Ausstellung zum Buch

Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne
Das Original
04.09.–30.11.2020
Haus der Kulturen der Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10/ 10557 Berlin
Tel. + 49 – (0)30 – 397 87 0 / Fax +49 – (0)30 – 394 86 79/ info@hkw.de
Öffnungszeiten: täglich außer Di 12–20h
Eintritt:  7€/3€ Unter 18 Jahren Eintritt frei

Umfassende Hygienevorkehrungen zum Schutz der Besucher*innen und Mitarbeiter*innen beinhalten eine begrenzte Besucher*innen-Kapazität und ein kontaktloses Ausstellungserlebnis. Bitte tragen Sie vor Ort einen eigenen Mund-Nasen-Schutz und halten Sie den Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Besucher*innen ein. Wir empfehlen, eigene Kopfhörer mitzubringen.

In den 20er Jahren entwickelte der Kunst- und Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866–1929) seinen Bilderatlas Mnemosyne, der wiederkehrende visuelle Themen und Muster von der Antike über die Renaissance bis zur Gegenwartskultur nachzeichnet. Sein Ansatz ist Inspiration für die visuell und digital dominierte Welt von heute. Das HKW präsentiert alle 63 Tafeln des Atlas – erstmals wiederhergestellt mit Warburgs originalem Bildmaterial.

Aby Warburg studierte die Wechselwirkungen von Bildern aus verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten. Er entwickelte den Bilderatlas Mnemosyne, um die Einflüsse der Antike auf die Renaissance und weit darüber hinaus bildlich darstellbar zu machen. Der Atlas bestand in seiner letzten Version aus 63 großen schwarzen Tafeln, auf denen Warburg fotografische Reproduktionen von Kunstwerken aus dem Nahen Osten, der europäischen Antike und der Renaissance neben zeitgenössischen Zeitungsausschnitten und Werbeanzeigen anordnete. In den Jahren vor seinem Tod 1929 experimentierten Warburg und seine engsten Mitarbeiter*innen Gertrud Bing und Fritz Saxl mit Form und Funktion des Bilderatlas. Ihr Ziel war eine Publikation, die für die Diskussion zwischen Expert*innen ebenso wie für das breitere Publikum gedacht war. Im Entstehungsprozess entwickelte sich der Atlas zu einem Erkenntnisinstrument.

Warburgs Methode setzte neue Maßstäbe: Sie bestand darin, kanonisierte Bilder neu anzuordnen und sie epochenübergreifend zu betrachteten; sein Projekt überschritt die Fachgrenzen zwischen Kunstgeschichte, Philosophie und Anthropologie und war grundlegend für die heutigen Disziplinen der Bild- und Medienwissenschaften. Heute bietet sein Umgang mit dem Bildgedächtnis Inspiration und alternative Routen durch eine von visuellen Medien bestimmte Realität.

Die Ausstellung im HKW stellt die letzte dokumentierte Version des Atlas von Herbst 1929 nahezu vollständig mit den Originalabbildungen wieder her: Dafür haben die Kuratoren Roberto Ohrt und Axel Heil in Zusammenarbeit mit dem Warburg Institute den größten Teil der originalen, teils mehrfarbigen 971 Abbildungen in der 400.000 Objekte zählenden Photographic Collection des Instituts aufgespürt – und präsentieren so zum ersten Mal nach Warburgs Tod die 63 Tafeln seines unvollendeten Hauptwerks. Zum ersten Mal zu sehen sind außerdem 20 unveröffentlichte großformatige Abbildungen von Tafeln, die bisher nur im Archiv des Warburg-Instituts zugänglich waren: Sie gehören zu den Vorversionen des Atlas, größtenteils im Herbst 1928 entstanden, und werden in großen Fotoabzügen von den schwarz-weißen Originalnegativen präsentiert.

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Die Ausstellung wird kuratiert von Roberto Ohrt und Axel Heil in Zusammenarbeit mit dem Warburg Institute.
Im Rahmen von Das Neue Alphabet

Parallel zur HKW-Ausstellung zeigt die Gemäldegalerie in der Ausstellung Zwischen Kosmos und Pathos Kunstwerke von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Neuzeit, die Warburg als Vorlagen seiner enzyklopädischen Bildersammlung dienten.

Buch zur Ausstellung

Herausgegeben von Haus der Kulturen der Welt und The Warburg Institute; Roberto Ohrt, Axel Heil
Verlag: Hatje Cantz, 2020
Gestaltung von Axel Heil, Christian Ertel, fluid editions
184 Seiten, Englisch
83 ganzseitige Abbildungen und über 170 Textabbildungen, gebunden, 44 x 60 cm
ISBN 978-3-7757-4693-9
Preis: 200 €

Versandbestellungen über den Verlag

In den 1920er Jahren arbeitete der Hamburger Kunst- und Kulturwissenschaftler Aby Warburg an seinem Bilderatlas Mnemosyne, jenem Tafelwerk, das in der Zwischenzeit zu einem Mythos der modernen Kunstwissenschaft und zum Basisprogramm der Bildwissenschaft avanciert ist. In ihm schuf Warburg ein visuelles Referenzsystem, das seiner Zeit weit voraus war. Roberto Ohrt und Axel Heil haben nun in Zusammenarbeit mit dem Warburg Institute den Versuch unternommen, alle Einzelbilder des Atlas ausfindig zu machen und diese Reproduktionen von Kunstwerken aus dem Nahen Osten, der europäischen Antike und der Renaissance so zu zeigen, wie Aby Warburg sie selbst auf mit schwarzem Stoff bespannten Tafeln angebracht hat. Damit zeigen der Folio-Band und die Ausstellung im HKW im Herbst 2020 sein gesamtes unvollendetes Hauptwerk zum ersten Mal nach Warburgs Tod.

Der Kunsthistoriker Roberto Ohrt und der Künstler Axel Heil haben im 400.000 Einzelbilder umfassenden Bestand der Photographic Collection des Warburg Institutes, nach den Abbildungen des Atlas geforscht. Ihre Arbeit ist eine umfassende Würdigung der gesamten Bilderwelt Aby Warburgs.

Mit Beiträgen von Roberto Ohrt, Axel Heil, Bernd M. Scherer, Bill Sherman, Claudia Wedepohl.


EMS: Am Tag der Ausstellungseröffnung gebe ich dazu meinen eigener Berliner Fund – auf dem Foto das Kleid von Primavera entdeckt in einem türkischen Laden mit Hochzeitsgarderobe:

Reblog o ogrodach (wystawa) / Gärten (Ausstellung)

Wystawa wirtualna: Ogrody w oczach artystów polskich i niemieckich
Virtuelle Ausstellung: Gärten in den Augen deutscher und polnischer Künstler

Uwaga: Kliknięcie w obraz Teresy Murackiej Park przekieruje nas do wystawy
Achtung: durch einen Klick aufs Bild von Teresa Muracka gelangen wir in die Ausstellung

Fundacja Pokolenia Pokoleniom i Policultura Verein zapraszają na wernisaż kolejnej odsłony wystawy OGRODY POLSKO-NIEMIECKIE OCZAMI ARTYSTÓW,

Vernisage
Freitag / w piątek, 04 września / September godz./ um 18:30 Uhr

Partner projektu: Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej.
Maseczki mile widziane, w zachowaniu rekomendowanego dystansu (pandemia covid) pomoże możliwość rotacyjnego oglądania wystawy dzięki temu, że przed atelier jest wielki dziedziniec.
Bitte kommeth mit den Masken!

Stettiner Bahnhof

Fragment po polsku na samym dole

Für heute wurde vom Verein Städtepartner Stettin eine Führung angesagt.
Organisatorin Ela Kargol.

SAMSTAG 22. August 2020
VON 15:00 BIS 17:00

Rund um den Stettiner Bahnhof

Öffentlich & kostenlos · Gastgeber: Städtepartner Stettin e.V.
Von hier fuhren damals die Züge nach Stettin. Er gehörte zu den größten und prächtigsten Bahnhöfen Berlins. Was ist geblieben, was verschwand von der Stadtkarte und warum? Weshalb wurde der Stettiner Bahnhof umbenannt?
Auf diese und ähnliche Fragen antwortet und führt uns durch die Umgebung um den jetzigen Nordbahnhof Dr. Andreas Jüttemann, Autor und Stadthistoriker.
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Und so ist es gewesen; Impressionen von Artur Jedyński:

Bericht von Ela Kargol:

Ein Spaziergang mit Dr. Andreas Jüttemann rund um den Stettiner Bahnhof.
Früher fuhren die Bewohner Berlins vom Stettiner Bahnhof nach Stettin und weiter an die Ostsee. Jetzt könnte man sich eigentlich die Reise sparen. Ein ostseeähnliches Vergnügen bietet die Appartementanlage Cube Lodges Berlin Mitte direkt auf den ehemaligen Gleisanlagen der Stettiner Bahn. Es gibt genug Sand, aber kein Meer zu sehen, genau wie in Stettin.
Die Liesenbrücke ist sowieso unfahrbar für die Züge, dafür aber sehr fotogenisch. Aus dem Noa Stellwerk wurde eine Denkmalfabrik und der geheime Eingang zum Friedhof über eine Wohnanlage bleibt wie in DDR-Zeiten geschlossen. Geschlossen und zugeschüttet ist auch der Stettiner Tunnel unter dem Park auf dem Nordbahnhof, der erste Fussgängertunnel Berlins. Die Wartehalle im “Kleinen Stettiner” sah heute besonders nobel , fürstlich und einladend aus. Großes Feiern kündigte sich mit prächtigen Blumenschmuck an. Hier würde es vielleicht sogar Alfred Döblin gefallen. Als er mit seiner Mutter aus Stettin nach Berlin kam im Jahre 1888 und auf dem Stettiner Bahnhof ausgestiegen ist, hat ihn die Größe und Pracht des Bahnhofs nicht angetan. Das ganze versmokte Industriegebiet um den Bahnhof, genannt Feuerland, hat ihn mehr erschrocken als begeistert.

Danke an Andreas Jüttemann für die interessante, informative und vielfältige Führung durch die Gegend um den Stettiner Bahnhof.

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Kommentarz młodej mamy, która z dwójką dzieci wzięła udział w zwiedzaniu dawnego Dworca Szczecińskiego:

Taki jest właśnie Berlin, jak ta grupa od staruszków z ulicy Szczecińskiej, których wprowadziła w błąd informacja, bo na ulotce był adres Invalidenstr 130, a cała grupa zebrała się przed wejściem, a to był plac Elisabeth Schwarzhaupt 1. I nikt z nas nie sprawdził, czy tam ktoś czeka, bo na ulotce było też napisane, że “przed wejściem do kolejki czyli S-bahny” i tam się wszyscy zebrali. Na szczęście staruszkowie sami nas odkryli. Typowi dla Berlina byli też obaj, polscy zresztą, młodzi ludzie, określeni przez nas jako “galernicy”, z grubymi łańcuchamy zapiętymi na kłódki na szyjach. Bardzo mili i ciekawi młodzi ludzie. Inna starsza pani nie omieszkała na dzień dobry zwrócić Ewie uwagi, że nie wolno mówić obcym ludziom miłych słów, bo nie wiadomo, jak to przyjmą. Ewa się jednak nie przejęła. Dzieci, którym trzeba było obiecać lody i w przyszłości wyjście do parku wspinaczkowego, z całej wyprawy najlepiej zapamiętały tunel i uznały, że to jest loch za kratami, a wyobraźnia podpowiedziała im całą resztę. Następnego dnia malowały taki loch. Berliński poeta ofiarował Ewie kwiaty z własnego ogrodu, którymi Ewa wysmarowała sobie całą białą, płócienną torbę, bo kwiaty okazały się jeżynami. Jedna z młodych dziewcząt z Misji Miejskiej na ulicy Szczecińskiej (Stadtmission Stettiner Strasse) obchodziła bat mizwę, a my braliśmy prawie udział w przygotowaniach. Nie weszliśmy na cmentarz, bo furtka była zamknięta. NRD to jednak NRD.
Jednym słowem, fajnie i rozmaicie. A ukoronowaniem naszej rozmaitości była tęcza.

Was von uns übrig bleibt?

Langweiliges aber nichts desto trotzt fantastisches Buch. Es gibt solche und sie sind das Beste, das es unter den Büchern gibt. Monatelang ein Bestseller, verfilmt und “vertheatert”.

Judith Schalansky

Der Hals der Giraffe. Bildungsroman.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 978-3-518-42177-2

…diese Stadt hier würde sich von der Populationsschwankung nicht mehr erholen. (…) Eine Stadt im vorpommerschen Hinterland (…). Am schmalen Fluß ein Hafen für Schrott und Schuttgüter, eine Zuckerfabrik und ein Museum. Der Markt ein Parkplatz. Ein, zwei historische Straßenzeilen. Die turmlose Kirche ein riesiges Rudiment der Backsteingotik. Das Zentrum selbst voller Neubauten, WBS-Siebzig, einfachste Ausführung, ohne Spaltklinker oder Kieselsteine im Waschbeton. Erst waren sie saniert worden. Jetzt standen sie zum größten Teil leer. Die neue Autobahn vor der Tür, nur eine halbe Stunde weit weg. Dreißig Kilometer entfernt machte sie einen scharfen Knick nach Westen. Aber wenigstens wuchs hier was: Ein Bataillon Stiefmütterchen vor der Einkaufspassage. Veilchenfußvolk, neueste Aufhübschungsmaßnahme der Beschäftigungstherapierten. Gemeiner Efeu, der sich an den Balkonen der aufgetakelten Neubaufassaden verfing. Und es gab eine Unmenge von Pflanzen, die ihren Weg ohne menschliches Zutun in diese Siedlung gefunden hatten. Sie gediehen prächtig und beinahe unbemerkt: das einjährige Rispengras, das mit flachen Wurzeln jeden unbebauten Quadratzentimeter Boden besetzte. Das alte Ackerkraut, das sich von den Feldrändern vorgearbeitet hatte bis hierher, auf den Marktplatz, ins Zentrum der Stadt. Aus Pflasterritzen quoll der knechtische Vogelknöterich. Ganz zu schweigen vom Gemeinen Löwenzahn, der Allerweltsblume, die mit strotzender Potenz jede Straßenecke markierte. Die wilde Vegetation war überall. Die filzigen, weißen Blätter des gemeinen Beifußes. Der Krauttepich der Vogelmiere. Der unausrottbare Gänsefuß. Ein erstaunlicher Artenreichtum. Vor allem in der Steinstraße, wo sich Bauruinen mit leergezogenen Altbauten abwechselten. Häuser in ganz unterschiedlichen Stadien des Verfalls. Halt. Hatte die Bernburg hier nicht mal gewohnt? Die Klingel war rausgerissen, die Schilder nicht zu entziffern. Die Tür offen. Aus dem Keller drang kühle Luft. m Hofblühte sogar eine Sandstrohblume. Hoch aufgeschossene Schafgarbe an einer Halde mit Bauschutt. Die falschen Ähren der Mäusegerste mit langen Grannen. Unkraut verging nicht.
Hier überlebte nur, was wucherte. Fern von den gepflegten Zierbeeten, gehätschelten Kleingärten und anderen mühsam eingerichteten Sekundärbiotopen. Die strahlenlose Kamille, das trittfeste Mastkraut, die hinterlistige Quecke, das herzergreifende Hirtentäschel – hartnäckiges Wildkraut, störrischer Wuchs. Es war die Fortpflanzung, die das Bestehen sicherte. Komplizierte Bestäubungsaktionen hatten hier keinen Erfolg. Es musste schnell gehen. Noch ehe Schadstoffe hm etwas anhaben konnten, hatte sich das Unkraut schon vermehrt. Die klebrigen Samen des zähblättrigen Breitwegerichs hefteten sich an jede Sohle. Der Wurmfarn schleuderte seine winzigen Sporen hinaus. Die Pusteblume ließ Fallschirme segeln. Vom Wind weggetragene Samen. Das Hirtentäschel konnte sich im Notfall sogar selbst bestäuben. Ortswechsel waren bei den Pflanzen selbst allerdings nicht vorgesehen. Es blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als hierzubleiben. Und sie machten das Beste daraus. Unterwanderten frei gewordene Flächen, besetzten ungenutzte Zwischenräume, keimten in den Ritzen der Gehwegplatten, in den Rissen der Gemäuer, wurzelten in der schmutzigen Erde der Schutthalden gruben sich in die verschütteten Reste früherer Bebauung. Lehm, Zement, Mörtel. Das machte ihnen nichts aus. Im Gegenteil. Selbst die trockenste, kalkreiche Erde war Nährboden genug für die hartgesottenen Vertreter der grünen Front.

Die Sprosspflanzen wurden einfach unterschätzt. Während ihrer Studienzeit hatte sie sich auch nicht für das Grünzeug erwärmen können. Servile Werktätige der Photosynthese-Fabrik. In unzähligen Übungen zu bestimmen. Immer ging es ums Zählen. Wie viel Blätter sie hatten, wie viel Staubgefäße, Nacktsprosser und Schachtelhalme, Bärlappe und Farne, Nackt- und Bedecktsamer, Zweikeimblättrige und Einkeimblättrige, Schmetterlingsblüten und Kreuzblüten, Lippenblüten und Korbblüten. Wechselständig und grundständig, kreuzgegenständig. Frucht. Futter, Heilmittel, Zier. Die einzelnen Organe der Photosynthese. Zufuhr des großen Kreislaufs, Motor des Stoffwechsels. Pflanzen verwandelten energiearme Stoffe n energiereiche. Bei den Tieren war es andersrum. Wir waren einfach nicht autotroph. In jedem kleinen Blatt, in jedem winzigen Chloroplast passierte Tag für Tag das Wunder, das uns alle am Leben hielt. Epidermis, Cuticula, Palisadengewebe. Wäre man grün, bräuchte man nicht mehr zu essen, nicht mehr einzukaufen, nicht mehr zu arbeiten. Man bräuchte überhaupt gar nichts mehr tun. Es genügte, sich ein wenig in die Sonne zu legen, Wasser zu trinken, Kohlenstoffdioxid aufzunehmen, und alles, aber auch alles, wäre geregelt. Chloroplasten unter der Haut. Es wäre wunderbar!
Die stumme, geduldige Vegetation. Alle Achtung. Sie konnten ohne Sprache kommunizieren und waren ohne Nervensystem schmerzempfindlich. Angeblich hatten sie sogar Gefühle. Das wäre allerdings kein Fortschritt. Vielleicht waren sie uns ja gerade deswegen überlegen, weil sie ohne Gefühle auskamen. Einige Pflanzen hatten mehr Gene als der Mensch. Die vielversprechendste Strategie, an die Macht zu kommen, war immer noch, unterschätzt zu werden. Um dann, im richtigen Moment, zuzuschlagen. Es war nicht zu übersehen, dass die Flora auf der Lauer lag. In Gräben, Gärten und Gewächskasernen warteten sie auf ihren Einsatz. Schon bald würden sie sich alles zurückholen. Die missbrauchten Territorien mit sauerstoffproduzierenden Fangarmen wieder in Besitz nehmen, der Witterung trotzen, mit ihren Wurzeln Asphalt und Beton sprengen. Die Überreste der vergangenen Zivilisation unter einer geschlossenen Krautdecke begraben. Die Rückgabe an die Alt-Eigentümer war nur eine Frage der Zeit.
Stickstoffhungrige Brennnesseln, die sich an der grusigen Erde labten, wo schon bald die verholzten Triebe der Waldrebe ein undurchdringliches Dickicht bilden würden. Der Boden vom Farn bedeckt. Mit gespreizten Blättern. Halb frisch, halb verfault. Pilze, Flechten und Moose, die selbst auf Asphalt gediehen. Gespornt für die Ewigkeit. Ein Mantel des Schweigens. Alles trug schon den Samen zukünftiger Natur in sich, zukünftiger Landschaft, zukünftigen Walds. Angelegte Grünflächen? Mühsames Aufforsten? Hier war eine größere Mach Macht am Werk! Niemand konnte sie aufhalten. Irgendwann, schon in ein paar Jahrhunderten, würde hier ein stattlicher Mischwald stehen. Und von allen Gebäuden würde höchstens die Kirche übrig sein, ausgehöhlt, ein Gerippe aus Backstein, eine Ruine im Wald, wie auf einem Gemälde. Herrlich. Man mußte größer, weiter denken. über das mickrige menschliche Maß hinaus. Was war schon Zeit? Die Pest, der Dreißigjährige Krieg, die Menschwerdung, das erste Feuer n den Höhlen der Hominiden? All das lag doch nur einen Wimpernschlag zurück. Der Mensch war ein flüchtiges Vorkommnis auf Proteinbasis. Ein zugegeben recht erstaunliches Tier, das diesen Planeten für kurze Zeit befallen hatte und schließlich genau wie ein paar andere wundersame Wesen, wieder verschwinden würde. Von Würmern, Pilzen und Mikroben zersetzt. Oder unter einer dicken Sedimentschicht begraben. Ein lustiges Fossil. Von niemandem mehr ausgegraben. Die Pflanzen aber blieben. Sie waren vor uns da, und sie würden uns überleben. Noch war dieser Ort nur eine schrumpfende Stadt, die Produktion längst eingestellt, aber die wahren Produzenten waren schon am Werk. Nicht der Verfall würde diesen Ort heimsuchen, sondern die totale Verwilderung. Eine wuchernde Eingemeidung, eine friedliche Revolution. Blühende Landschaften.

Seiten 64 – 71

Frauenblick: Im Sumpf

Monika Wrzosek-Müller

Die Coronazeit, die Quarantäne hat uns auf die neuen Fernsehmöglichkeiten aufmerksam gemacht, vor allem in Prag, wo wir von öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nur ARD in unserem Appartement empfangen konnten. So lernten wir Netflix kennen, manchmal auch schätzen, und schauten uns einige Produktionen an, die sonst wahrscheinlich an uns vorbeigegangen wären.

Unter den unendlich langen, in vielen Staffeln und Folgen (ja, man lernte das entsprechende Vokabular dazu kennen) und immer wieder neu gedrehten Filmen stach für mich eine kurze und spannende polnische Serie (mit nur 5 Folgen) heraus. Zugegeben, zuerst haben mich vor allem die Namen auf dem Abspann neugierig gemacht – lauter Söhne bekannter polnischen Film- und Theaterleute: Jan Holoubek, der Sohn vom Gustav Holoubek, und Magda Zawadzka (an die beiden kann sich meine Generation wunderbar erinnern), Kasper Bajon, Sohn von Filip Bajon; als Hauptdarsteller Andrzej Seweryn. Es handelt sich um eine polnische Produktion für Netflix, gedreht 2018, in Deutschland zu sehen erst ab 2020: Rojst, Witaj w polskim bagnie, [Im Sumpf] unter der Regie von Jan Holoubek.

Auch wenn ich sagen würde: der polnische Sumpf war damals vielleicht nicht so sumpfig, ist die Produktion durchaus gelungen. Man fühlt sich richtig in die frühen 80er Jahre versetzt, mit ihrer Tristesse, Hoffnungslosigkeit und Hässlichkeit; fast kam mir der Gedanke, ob es denn wirklich so schrecklich um uns herum war oder ob es um eine gewollte Überhöhung für filmische Zwecke ging, und dann gab ich mir die Antwort selbst; meine fast krankhafte Liebe und Aufmerksamkeit für das Schöne, für die Schönheit stammt wahrscheinlich daher. Im Film spielen brutale menschlichen Beziehungen, wo der Sinn für Wahrheit und moralische Normen und Menschlichkeit längst verschwunden ist (wo war denn die viel beschworene polnische katholische Kirche?) eine große Rolle. Die Natur um die Kleinstadt in Schlesien, wo die Handlung spielt, ist auch morastig und undurchdringlich, zwar nicht sumpfig (wäre noch besser), doch auf jeden Fall geheimnisvoll. Es waren die Jahre der Dunkelheit, des Kriegszustandes, in denen viele Leute aus dem Land emigrierten, fortgingen. Das alles wird fast bis ins Surreale gesteigert, dazu kommt eine Handlung, die sich für einen Krimi vielleicht zu langsam und unspektakulär entwickelt, aber die mit Fetzen der Erzählung aus der Vergangenheit, aus den direkten Nachkriegsjahren durchsetzt ist und dadurch noch geheimnisvoller wirkt. Die Geschichte von den vertriebenen Deutschen, die in einer Nacht und Nebel-Aktion aus den Häusern geholt wurden, in einen Wald, in ein Lager gezwängt und da ihrem Schicksal überlassen, litten, ist vielleicht auch zugespitzt, doch sie macht neugierig. Darüber herrscht natürlich im Film, wie tatsächlich auch in der Nachkriegswirklichkeit, großes Schweigen, nur die Namen, im Film in die Rinde der Bäume eingeritzt, mit den Jahren fast unsichtbar geworden, zeugen von den Ereignissen und das Leuchten über den Feuchtgebieten, im Wald, sendet ihre Botschaften.

Noch mal von vorne: die Handlung spielt in einer kleinen Stadt, irgendwo in Schlesien, Anfang der 80er Jahre. Im Wald nahe dem Städtchen werden ein Sportfunktionär für Jugendliche und eine Prostituierte tot aufgefunden. Die Ermittlungen dauern nicht lange und die Polizei nimmt einen Verdächtigen fest, den Mann der Prostituierten, der, mit dubiosen Methoden verhört, die Tat gesteht, so dass die Miliz den Fall ad acta legen kann. Man nimmt den angeblichen Täter fest und liefert in die geschlossene Psychiatrie ein. Doch zwei Journalisten der lokalen Zeitung, die darüber berichten wollen, stoßen auf Ungereimtheiten und neue Verdachtsmomente; wie es der Zufall will, kommt ein junger Praktikant aus Kraków, dessen Vater ein bekannter politischer Apparatschik ist, bei der Lokalzeitung zum Einsatz. Er wird von einem älteren, profilierten Kollegen betreut. Die beiden ermitteln gegen die Anweisung des Chefredakteurs in dem Fall weiter. Letztlich beschäftigt sich damit nur noch der junge, unerfahrene und naive Journalist auf eigene Faust und stößt auf einen Sumpf von Verflechtungen, Verwicklungen und bedrohlichen Situationen. Es sterben noch zwei Jugendliche und ein Metzger wird aufgehängt, der Fall endet mit einer richtig sumpfigen Lösung, die ich hier nicht verraten will.

Es ist aber nicht die kriminalistische Handlung, die für die Story den Ausschlag gibt. Es ist die Szenerie, die dunklen Bilder, die oft so düster sind, als ob sie durch einen Grauschleier gedreht worden seien; auch die Musik untermalt die dunklen Momente. Sogar die jugendliche Liebe muss diesem fatalistischen und hoffnungslosen Hauptstrang geopfert werden, sie fügt sich in die Reihe der Katastrophen, die auf dem Bildschirm passieren. Einzig der junge Journalist aus Kraków und seine schwangere Frau kommen unversehrt, wenn auch mitgenommen, aus der Geschichte heraus; sie sind der einzige Lichtblick, die einzigen Hoffnungsträger in der Geschichte. In dem ganzen Film scheint niemals Sonne über die Landschaft, es ist finster, düster aber stimmungsvoll und, wie ich am Anfang gesagt habe, wahrscheinlich so, wie es am Anfang der 80er Jahre in Polen wirklich war.

Ich kann die Serie guten Gewissens empfehlen, nicht nur polnischen Zuschauern.

#Frauentag

Falls du nicht weisst, wie du morgen in berlin protestieren kannst oder sollst, oder whatever…
#ichstreike & #globalscream
8 March 2020 is on Sunday, so striking is less possible. Let’s strike symbolically on Sunday!
#IchStreike #Istrike #Strajkuje #WomensStrike
Are you ready?
Berlin: https://www.facebook.com/events/485240448816256/
https://www.facebook.com/events/539735906651212/

Jeśli zastanawiacie się co się będzie działo 8 marca, to będzie się działo dużo! Między innymi o 16 będzie akcja!

#GlobalScream
8.3.2020 | 4 PM
Es every year, on the International Women’s Day (8.3.2020) there will be thousands of people on the streets worldwide, all protesting for the same, against the same, regardless of nationalities, location, gender, and ideological differences. Womxn of the World will fight for their rights.

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Worldwide Screening

Worldwide Screening on 75th International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust

We called for participation in the worldwide screening of “Shoah” by Claude Lanzmann. This can take place privately in a small circle, in a school, in a cinema, in a cultural institution or through a TV channel.

In the 9½-hour film “Shoah” both, surviving victims and perpetrators of the systematic extermination of Jews by the German Reich, have a chance to speak. Lanzmann worked on the film for eleven years, from 1974–1985. The Berlinale awarded the director the Honorary Golden Bear for his life’s work in 2013. His film is regarded as an »epochal masterpiece of memory studies«.

January 27, International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust, was introduced by the United Nations in 2005 to commemorate the Holocaust and the liberation of the Auschwitz-Birkenau concentration camp on January 27, 1945. The Auschwitz-Birkenau concentration camp was the largest German extermination camp during National Socialism. About 1.1 million people were murdered there. A total of over 5.6 million people fell victim to the Holocaust.

Until January 20th we will collect information about the screening you have organized. Please send us an to worldwidescreening@literaturfestival.com so that we can communicate the events on our website www.worldwidereading.com.

Here you find a list of participants. There will be screenings in Austria, Canada, Chile, France, Germany, Great Britain, Greece, Italy, Nigeria, Spain, USA.

Worldwide Screening am 75. Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust

Das internationale literaturfestival berlin [ilb] rief Personen, Schulen, Universitäten, Medien und kulturelle Institutionen zu einer weltweiten Filmvorführung von »Shoah« von Claude Lanzmann am 27. Januar 2020 auf. Damit knüpft das ilb an die Serie der weltweiten Lesungen an, die es seit 2006 zu verschiedenen Themen, vor allem auf die Menschenrechte bezogen, organisiert hat.

In dem 9½-stündigen Film kommen überlebende Opfer wie Täter der systematisch betriebenen Vernichtung der Juden durch das Deutsche Reich zu Wort. Lanzmann arbeitete an dem Film elf Jahre, 1974-1985. Die Berlinale verlieh dem Regisseur 2013 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

Der 27. Januar, Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, wurde 2005 von den Vereinten Nationen eingeführt, um dem Holocaust und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 zu gedenken. Bei dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau handelte es sich um das größte deutsche Vernichtungslager während des Nationalsozialismus. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet. Insgesamt fielen über 5,6 Millionen Menschen dem Holocaust zum Opfer.

Bis zum 20.1. nehmen wir gern noch Veranstaltungshinweise an. Bitte schicken Sie uns eine Nachricht über Ihre Veranstaltung an worldwidescreening@literaturfestival.com. Auf unserer Website www.worldwidereading.com werden wir diese Informationen einstellen.

Eine aktuelle Veranstaltungsübersicht finden Sie hier. Es wird Veranstaltungen in Chile, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, Nigeria, Österreich, Spanien und USA geben.

Trailer #ilb19
With this video we commemorate a great festival in 2019 and look forward to the 20th ilb in Septembre 2020.

https://www.literaturfestival.com/%2B%2Bresource%2B%2Bcollective.flowplayer/flowplayer.swf

Mit diesem Video blicken wir zurück auf ein großartiges Festival in 2019 und schauen vorfreudig auf das 20. Jubiläum des ilb im September 2020.

internationales literaturfestival berlin
Chausseestr. 5
10115 Berlin
Fon +49 (0) 30 – 27 87 86 65
Fax +49 (0) 30 – 27 87 86 85
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20. internationales literaturfestival berlin | 9-19. September 2020
#ilb20 #ilb2020


In Berlin gibt es Vorführungen sowohl heute als auch morgen:

Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Sonntag, 26.01.2020
10.00 – 21.00 Uhr
Eintritt frei, Anmeldung unter
https://calendar.boell.de/de/civi_register/139583
https://calendar.boell.de/de/event/claude-lanzmann-shoah

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
Berlin
27.01.2020
10 Uhr
https://www.adk.de/de/programm/index.htm

Brotfabrik Berlin
Caligariplatz 1
13086 Berlin
27.01.2020
13 Uhr
Eintritt pro Teil: 5 EUR. Alle vier Teile: 15 EUR
https://www.brotfabrik-berlin.de

KulturMarktHalle
Hanns-Eisler-Str. 93
10409 Berlin
26.01., 12.00 Uhr (mit vier kleinen Pausen)
www.kulturmarkthalle-berlin.de

Container
Am Weidendamm 3
10117 Berlin-Mitte (Nähe Bahnhof Friedrichstraße, der Eingang wird ausgeschildert)
Sonntag, 26.01.2020, ab 13 Uhr in drei Etappen  (3,5h, 3h, 3h – jeweils eine Stunde Pause zwischen den Teilen)
Alle Mitschauenden werden gebeten, Essen und Getränke mitzubringen, damit in den Pausen zusammen gegessen werden kann
Interessierte werden gebeten ihr Kommen kurz per Mail an
verfolgt-verschwiegen-vergessen@riseup.net anzukündigen

Janusz-Korczak-Bibliothek
Berliner Straße 120
13187 Berlin
26. Januar, 10.00 – 19.30 Uhr
http://stadtbibliothek-pankow.berlin.de

SANDALIA – Un’isola a Berlino
Schillerstraße 106, 10625 Berlin-Charlottenburg
Montag, 27. Januar 2020, 11.00 Uhr – 21.00 Uhr
Eintritt frei
www.sandalia.org

 

Eine Kulturgeschichte der Kartoffel (Reblog)

spektrum.de 
Daniel Meßner und Richard Hemmer

Kleine Geschichte der Kartoffel – oder: Warum heutzutage alles anders ist
Wäre die Kartoffel nie nach Europa gelangt, würde die Welt heute ganz anders aussehen.

© AKG Images (Ausschnitt)

Wer einen Abstecher ins Europa des 15. Jahrhunderts machen könnte, würde wohl auf dem Speiseplan der Menschen die Kartoffel vermissen. Die Pflanze ist heute so allgegenwärtig, dass es schwerfällt, sich ein Leben ohne sie vorzustellen. Dabei war sie zu jener Zeit in anderen Teilen der Welt schon ein weit verbreitetes Nahrungsmittel: An den ersten Kartoffelknollen taten sich Menschen in Peru wahrscheinlich schon vor 5000 Jahren gütlich.

Dass die Kartoffel schließlich nach Europa kam, ist vermutlich den Spaniern zu verdanken. Im Jahr 1565 wurde eine Kiste der Knollen an den spanischen König Phillip II. geschickt, der einige davon dem Papst in Rom weitergab. Der war so angetan, dass er einem niederländischen Kardinal ein paar Kartoffeln zukommen ließ. Schließlich gelangten diese Knollen zu jenem Mann, der sie als Erster in seinem Werk »Rariorum Plantarum Historia« beschreiben sollte: dem niederländischen Botaniker Carolus Clusius.

Die Spanier waren’s – oder die Engländer!
Auch den Engländern wird nachgesagt, sie hätten die Kartoffel aus der Neuen Welt mitgebracht. Richtig beweisen lässt sich aber weder die eine noch die andere Theorie. Tatsache ist, dass die Kartoffel gegen Mitte des 17. Jahrhunderts in Europa bekannt war und auch angepflanzt wurde, anfangs allerdings in erster Linie als Zierpflanze.

Vor allem in Deutschland verlief die Verbreitung der Kartoffel eher schleppend. In England wurde der Anbau bereits um 1660 empfohlen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit Missernten – die verbreitete Art Andigena war nämlich für das nordeuropäische Klima nicht wirklich geeignet. Erst mit der Solanum tuberosum, die aus Chile importiert wurde, gelang der Anbau in nördlicheren Gebieten.
Nicht ganz unwesentlich für die stockende Verbreitung war der anfängliche Glaube, dass die Kartoffel giftig sei. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, da nur der Genuss der Knolle unbedenklich ist. Doch nicht nur das: In Frankreich beispielsweise hielt sich hartnäckig der Mythos, die Kartoffel würde Lepra auslösen.

Schließlich gab es auch noch einen agrarpolitischen Grund: den Flurzwang. Durch Vorschriften von Gemeinde und Obrigkeit hatte die Landbevölkerung meist keine freie Wahl, welche Frucht sie auf ihren Feldern anpflanzen konnte.
Es ergeht: der Kartoffelbefehl!
Dass die Kartoffel schließlich doch ihren Siegeszug begann, ist in weiten Teilen wohl einem Monarchen geschuldet: Friedrich II. von Preußen (1712-1786). Schon sein Vater, Friedrich Wilhelm I., hatte dasselbe versucht, allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

© AKG Images (Ausschnitt)

Die Kartoffel von 1588 | Dieses Aquarell von Philippe de Sivry ist die erste europäische Zeichnung der Kartoffel. Das Bild erschien in Carolus Clusius’ Werk »Rariorum Plantarum Historia«.

Friedrich der Große beschloss die Sache offiziell zu machen und erließ ab 1746 nicht nur ein, sondern gleich drei Kartoffel-Edikte. In allen drei Edikten wurde verlautbart, dass die Kartoffel nun, wo auch immer möglich, anzupflanzen sei. Zusätzlich wurden Instruktionen zum Anbau gedruckt und unter der Bevölkerung verteilt. Friedrich und seinen Beratern war aufgefallen, dass die Bevölkerung noch sehr wenig über die Kultivierung der Pflanze wusste.

Wer sich fragt, warum Friedrich solch ein Interesse daran hatte, den Kartoffelanbau in seinem Reich zu forcieren, muss sich nur die Auswirkungen diverser Kriege jener Zeit ansehen. Schon im Dreißigjährigen Krieg, aber auch zur Regierungszeit Friedrichs, als mehrere Kriege gegen das Habsburgerreich geführt wurden, waren die Folgen für die Landbevölkerung katastrophal. Es wurden Felder zerstört, und marodierende Heere plünderten die Getreidereserven. Die Kartoffel brachte da gleich zwei Vorteile mit: Die Knolle ist deutlich kalorienreicher als Getreide und lässt sich besser und länger lagern.

Selbst nach Friedrichs Kartoffel-Edikten dauerte es aber noch einige Jahre, bis die »Tartuffel«, wie sie unter anderem genannt wurde, tatsächlich weit verbreitet war. Doch Hungersnöte wie die von 1770 bis 1772 und 1774 überzeugten die Landbevölkerung dann von den Vorzügen des Kartoffelanbaus.

Eine folgenreiche Entwicklung
Die Auswirkung der schließlich großen Verbreitung der Kartoffel ist laut Historiker William McNeill kaum zu überschätzen: Mehr Kalorien und weniger Arbeit beim Getreideanbau setzten ein Bevölkerungswachstum in Gang, aus dem sich auf lange Sicht nicht nur die Industrialisierung, sondern auch die großen europäischen Armeen speisten. Im Grunde dürfte auch die neuzeitliche Kolonialisierung auf die Kartoffel zurückgehen. Freilich nicht nur – diese Erklärung allein wäre zu simpel.

Doch nicht immer brachte die Kartoffel Vorteile. Das wird im Fall der großen Hungerkatastrophe im Irland des 19. Jahrhunderts sichtbar: Eine durch Kartoffelfäule ausgelöste Hungersnot kostete mehr als einer Million Menschen das Leben, zwei weitere Millionen waren gezwungen, das Land zu verlassen, um vor allem in der Neuen Welt ihr Glück zu suchen.
Wie auch immer – die Kartoffel hat Europa nachhaltig verändert. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal Pommes essen!

Die beiden Historiker Richard Hemmer und Daniel Meßner bringen jede Woche eine Geschichte aus der Geschichte auf ihrem Podcast »Zeitsprung«. Auch auf »Spektrum.de« blicken sie in die Vergangenheit und erhellen, warum die Dinge heute so sind, wie sie sind.

 


PS: Für diejenige, die Kartoffel, Holz und Bäume mögen und faszinierende Familien-Geschichten gern lesen, ist an dieser Stelle dieser Roman sehr herzlich zu empfehlen. Eine Geschichte über einen Kartoffelbauern.

Aus der Buchbeschreibung des Buchhandels:

Auf einem entlegenen Bergbauernhof im norwegischen Gudbrandstal wächst Edvard mit seinem wortkargen Großvater Sverre auf. An seine Mutter hat er nur eine vage Erinnerung – an einen Duft, ein Gefühl von Wärme, einen blauen Rock. Lars Mytting erzählt die Geschichte einer verzweifelten Suche nach der Mutter, dem Vater, den eigenen Wurzeln – und einer Reise, die Edvard durch fremde Länder führt und dessen Familiengeschichte ein ganzes Jahrhundert umfasst: das Jahrhundert der großen Tragödien.Edvards Eltern sind ums Leben gekommen, als er drei Jahre alt war. Um ihren Tod wird ein Geheimnis gemacht, und auch um den Ort, an dem sie starben. Zu diesem Geheimnis gehört auch das Schicksal Einars, des Bruders des Großvaters. Edvard weiß nur, dass er ein Meistertischler war und als junger Mann zur Ausbildung nach Paris ging. Dass er seine Werkstatt mitsamt dem Wald von Flammenbirken zurückließ. Dass für den Großvater ein Sarg geliefert wurde, lange vor dessen Tod – ein Stück Kunsttischlerei, wie es noch nie jemand gesehen hat -, und dass Einar womöglich gar nicht tot ist, wie es der Großvater behauptete …

The Witcher znaczy Wiedźmin

Wszyscy wiemy – od dziś Netflix będzie pokazywał serial The Witcher wg słynnego cyklu powieści Andrzeja Sapkowskiego. Firma uruchomiła ogromną machinę reklamową, przynajmniej w Berlinie, ale zapewne wszędzie. W każdym razie w Berlinie Martin Januszewski znalazł figury z serialu przed słynnym Bikini Haus w centrum miasta, tuż naprzeciwko Europa Center. A ja codziennie przesiadam się na stacji, która kilka dni temu zapowiadała serial wielką naklejką na posadzce, ale do dziś zdążyła obkleić ogromnymi zdjęciami wszystkie przejścia, schody, bilboardy i kolumny.

To świetne. A pytanie, jakie się nam wszystkim musi nasuwać brzmi: czy to nowa Gra o Tron?