Der Kurator (und die Kurator*innen)

tip und Zitty Jubiläum – Fotogalerie von der Eröffnungsfeier

Am 1. April hat man die Geburtstage von tip und ZITTY in der Galerie Neurotitan gefeiert. Die Eröffnung der Ausstellung „Berlin.Stadt.Magazin“ kuratiert von Jacek Slaski, war unglaublich gut besucht! Alle, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben oder sie sich noch einmal in Ruhe anschauen wollen: Die Galerie Neurotitan ist von Montag bis Samstag zwischen 12 und 20 Uhr geöffnet. Eingang durch den Shop.

Fotografin F. Anthea Schaap war dabei. Hier geht es zur Fotogalerie von dem großen Prima-Aprilis-Event. Unten – ausgewählte persönliche Lieblingsstücke:

Mein Sohn, der Kurator

Sein Sohn (der zukünftige Kurator?)

Anna Krenz, die Ehefrau des Kurators, die Mutter des zukunftigen Kurators, selber immer wieder Kuratorin (mit blondem Zopf, gesehen leider nur von der Seite; kein besseres Foto gefunden); von vorne gesehen Dorota Kot, eigentlich eine Projektleiterin, aber immer wieder auch eine Kuratorin.

Ich (ab und zu auch Kuratorin) mit dem zukunftigen Kurator, meinem Enkeln; die von uns studierte Comickunst passt zur Ausstellung. Beide tragen wir die gelben Schue – so ein zufälliger Partner-Look:

Die Redaktion vom Tip, ein Werk (nach Leonardo da Vinci) von Anna Krenz, die u.a. eine Graphikerin ist.

Ich neben dem Kurator, auf der anderer Seite von ihm Anina und Michał (Cousin des Kurators), beide Graphiker und Kuratoren:

Die Geburtstagstorte vom Tip (der ältere Bruder, 45 J.) und Zitty (die jüngere Schwester, 40). Was für ein schöner Alter!

Drei meine Lieblingsexponate von der Ausstellung:

Wien im März 2017 / Wiedeń marzec 2017

Ewa Maria Slaska

Groby i muzyka / Gräber und Musik

für Deutsch bitte Bissl nach unten skrollen oder einfach die Blaueschrift verfolgen

Nie znałam tej piosenki, w życiu nie słyszałam o Wolfgangu Ambrosie, muzyka w Wiedniu to byli zmarły tajemniczą śmiercią Mozart, Haydn, stary i głuchy geniusz -Beethoven, mój ulubiony Franz Schubert, może jeszcze Johann Strauss, którego każdy zna, nawet jak nie lubi operetki, no i oczywiście Falco, którego akurat teraz wszyscy w Wiedniu przypominają, bo w lutym przyszłego roku minie 20 lat od jego tragicznej śmierci w wypadku samochodowym.

Tymczasem jednak opowieść o umarłych muzykach z Wiednia zaczynam od Wolfganga Ambrosa, a dlatego że świetny piosenkarz berliński, Andrzej Klukowski czyli Andy Klukos, podsunął mi na Facebooku linka do tej piosenki. Samym Andrzejem zajmę się kiedy indziej, tu tylko powiem, że jest autorem inteligentnych piosenek antyrządowych. Podczas protestu kobiet 23 października zeszłego roku na Warschauer Brücke Andrzej śpiewał Kto się boi czarnej baby, ale posłuchajcie też takich piosenek jak Ballada o Lechu, Mam dość czy Tu przyjdą za nami miliony.

Ich war in Wien auf dem Zentralfriedhof (endlich… seit Jahren wollte ich und immer kam etwas dazwischen) und schaute mir die Musikergräber an. Passend dazu beginne ich mit dem Lied von Wolfgang Ambros, Es lebe der Zentralfriedhof. Lustiges Lied… Ambros widmete es tatsäschlich dem Friedhof zu seinem 100. Geburtstag. Es war das Jahr 1975.

Es lebe der Zentralfriedhof, und olle seine Toten.
Der Eintritt is’ für Lebende heit’ ausnahmslos verboten,
weü da Tod a Fest heit’ gibt die gonze lange Nocht,
und von die Gäst’ ka anziger a Eintrittskort’n braucht.
Wann’s Nocht wird über Simmering, kummt Leben in die Toten,
und drüb’n beim Krematorium tan’s Knochenmork ohbrot’n.
Dort hinten bei der Marmorgruft, durt stengan zwa Skelette,
die stess’n mit zwa Urnen on und saufen um die Wette.
Am Zentralfriedhof is’ Stimmung, wia’s sei Lebtoch no net wor,
weu olle Tot’n feiern heite seine erscht’n hundert Johr’.
Es lebe der Zentralfriedhof, und seine Jubilare.
Sie lieg’n und sie verfeul’n scho durt seit über hundert Jahre.
Drauß’t is’ koit und drunt’ is’ worm,
nur monchmol a bissel feucht,

A-wann ma so drunt’ liegt, freut man sich, wenn’s Grablaternderl leucht’.
Es lebe der Zentralfriedhof, die Szene wirkt makaber.
Die Pforrer tanz’n mit die Hur’n, und Juden mit Araber.
Heit san olle wieder lustich, heit lebt ollas auf,
im Mausoleum spü’t a Band,
die hot an Wohnsinnshammer d’rauf.

Am Zentralfriedhof is’ Stimmung, wia’s sei Lebtoch no net wor,
weu olle Tot’n feiern heite seine erscht’n hundert Johr’.
Es lebe der Zentralfriedhof, auf amoi mocht’s an Schnoiza,
da Moser singt’s Fiakerliad,
und die Schrammeln spü’n an Woiza.

Auf amoi is’ die Musi stü, und olle Augen glänz’n,
weu dort drü’m steht da Knoch’nmonn
und winkt mit seiner Sens’n.

Am Zentralfriedhof is’ Stimmung, wia’s sei Lebtoch no net wor,
weu olle Tot’n feiern heite seine erscht’n hundert Johr’.

Der Wiener Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und zählt mit einer Fläche von fast 2,5 km² und rund 330.000 Grabstellen zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Er gehört aufgrund seiner vielen Ehrengräber, der Jugendstil-Bauwerke und des weitläufigen Areals zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt Wien.

Allerseelen 1903, Friedhofsbesucher auf der Simmeringer Hauptstraße auf dem Weg zum Zentralfriedhof

Wikipedia, von der ich die obigen Zeilen geliehen habe, berichtet noch dazu, dass zu seiner Geburtsstunde der Zentralfriedhof häufig kritisiert wurde und bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt war. Es wurde die Trostlosigkeit des Areals bekrittelt, da im Vergleich zu heute nur eine karge Vegetation vorherrschte, außerdem verzögerte sich die Errichtung der dazugehörigen Bauwerke. Friedhofsbesucher mussten eine lange und mitunter beschwerliche Anreise auf sich nehmen, da es zu dieser Zeit noch keine direkte Bahnverbindung zum Friedhofsgelände gab. Im Oktober 1874 fasste eine Wiener Zeitung diese Stimmung in der Frage zusammen: „Eine Stunde Fahrzeit, zwischen Schlachthäusern und Heide und Bauern, und wofür?“

Heute ist der Friedhof verkehrs-technisch sehr gut erschlossen, vor allem mit der berühmten Strassenbahn Nummer 71, und bietet dem Besucher ein einmaliges Erlebnis, einen Spaziergang durch ein groszügig angelegtes Areal mit den interessanten Bauwerke, üppigem Grün und faszinierender Geschichte der hier Begrabenen.

A więc groby muzyków (na więcej nie starczyło czasu)
Also die Musikergräber (fürs mehr reichte die Zeit nicht)

Oto lista, na pewno niekompletna / Hier die Liste, ohne den Vollständigkeitsanspruch

Ludwig van Beethoven 1770–1827
Johannes Brahms 1833–1897
György Ligeti 1923–2006
Arnold Schönberg 1874–1951
Franz Schubert 1797–1828
Robert Stolz 1880–1975
Johann Strauß (Vater) 1804–1849
Johann Strauß (Sohn) 1825–1899
Franz von Suppé 1819–1895
Hugo Wiener 1904–1993
Hugo Wolf 1860–1903
Joe Zawinul 1932–2007
Falco (Johann Hölzel) 1957–1998
Fatty George 1927–1982
Hans Gillesberger 1909–1986
Ferdinand Grossmann 1887–1970
Hermann Leopoldi 1888–1959
Peter Wehle 1914–1986
Carl Zeller 1842–1898

Oczywiście na wszystkich muzyków też nie starczyło czasu, a częstokroć i wiedzy; poza tym i tak pokażę tu tylko tych, których muzykę lubię.

Natürlich die Zeit reichte gar für alle Musiker nicht, dazumal auch nicht immer das nötige Wissen vorhanden war; und sowieso zeige ich hier nur die, die ich mag.

Falco, ein Grab mit den Titeln seiner Hits wie Vienna calling, Komissar, Ganz Vien und Rock me Amadeus / Na płycie nagrobnej tytuły jego największych przebojów (koniecznie posłuchajcie! pierwszy porządny europejski rap!)

Pomnik Wolfganga Amadeusa Mozarta (grobu, jak wiemy nie ma) – do posłuchania Aria Królowej Nocy w wykonaniu Bogny Sokorskiej / Mozarts Denkmal (das Grab gibt es, wie wir wissen, nicht) – zum hinhören die Arie der Königin der Nacht

Franz Schubert – zapewne powinnam tu przywołać Pstrąga, ale zdecydowałam się jednak na Śmierć i dziewczynę. Pstrąg zaraz potem. / Das berühmteste Lied von Schubert ist zweifelsohne Die Forelle; ich entschied mich aber dafür, hier das Lied Der Tod und das Mädchen zu zittieren. Die Forelle folgt…

Johannes Brahms Wieges Lied / Kołysanka / Lullaby – najsłynniejsza melodia Brahmsa i jedna z najbardziej rozpoznawalnych melodii na świecie. Mój wnuk zaraz po urodzeniu dostał kaczuszkę, która grała mu tę właśnie kołysankę.

Ludwig van Beethoven

Cóż nie ma wyjścia, bo sprawa jest polityczna – Hymn Europy jako super Flash Mob (Oda do radości / Ode an die Freude). Łatwo się wzruszam, więc zawsze płaczę jak tego słucham… / Europa Hymne. TU słowa po polsku w przekładzie Konstantego Ildefonsa Gałczyńskiego / HIER der Text auf Deutsch

PS dla dociekliwych: Beethoven, Schubert, Strauss (ojciec) i inni umarli zanim powstał Cmentarz Centralny i ich groby zostały przeniesione /Beethoven, Schubert, Strauss (Vater) sind gestorben bevor der Zentralfriedhof gegründet wurde; deren Gräber wurden umgebettet.

Reblog: Magdalena Wosinska auf Instagram

Magdalena Wosinska zeigt auf ihren Reisefoto alles – auch von sich selbst

reblog

Aktualisiert am 31. März 2017, 16:01 Uhr / rebbloged am 31. März 2017, 17:37 Uhr

Magdalena Wosinskas liebt das raue Meer, einsame Wüstenlandschaften und hohe Berge. Sie ist gefühlt nur im Urlaub und macht die wohl ungewöhnlichsten Reisefotos auf Instagram. Denn auf denen zeigt sie einfach alles – auch von sich selbst.

Fotografin Magdalena Wosinska ist ein ganz besonderer Instagram-Star. Denn die gebürtige Polin ist nicht wie andere Influencer durch lustige Videos oder gar tolle Outfits berühmt geworden. Wosinska postet zwar immer wunderschöne Selbstportraits von traumhaften Urlaubsdestinationen. Der Grund für die Bekanntheit ihrer Bilder dürfte aber ein anderer sein, der kaum zu übersehen ist:

Auf jedem ihrer Fotos ist die junge Frau vollkommen nackt. Im Interview mit dem Magazin “Foam” erklärte die talentierte Schönheit, dass ihre Bilder “durchdacht, kunstvoll zusammengestellt und aufwändig” seien. Tatsächlich ist der künstliche Aspekt bei allen Aufnahmen sichtbar. Deutlich.

Doch auch wenn die 32-Jährige in ihren Fotos fast alles von sich zeigt, bleibt eine Sache dabei stets versteckt: ihr Gesicht. Damit erschafft sie einen kleinen Mythos um ihre Person, was die Bilder nur noch interessanter macht.

Übrigens fotografiert Magdalena Wosinska nicht nur sich selbst: Sie hat schon Werbekampagnen für große Kunden wie Urban Outfitters oder Converse geschossen und sogar eine Fotostrecke für die “Vogue” geshootet. © spot on news

Frauenblick 13

Monika Wrzosek-Müller

Hier bin ich, Jonathan Safran Foer
Kiepenheuer&Witsch, 2016 1. Auflage

Schon wieder ein dickes Buch, kann man bei 683 Seiten wohl sagen; die Bücher werden immer dicker (Paul Auster „4321“, 1259 S., Nino Haratischwili, Das achte Leben (Für Brilka), 1275 S. Christoph Hein Glückskind mit Vater, 526 S. etc…). Liegt das am immer leichteren Zugang zu all den Informationen oder an dem Profitfaktor, der sich doch irgendwie pro Seite errechnen lässt: dicke Bücher sind auch teurer…
Aber vielleicht haben die Autoren auch so viel zu sagen und wir dann so viel zu lesen.
Jonathan Safran Foer hat auf jeden Fall immer viel und witzig zu sagen und zu erzählen. Sein erstes Buch, das er mit 23 Jahren schrieb „Alles ist erleuchtet“ wurde von der Kritik und den Lesern enthusiastisch aufgenommen. Darin begab er (der Held) sich auf die Suche nach einer Frau in der Ukraine, die mehreren Mitgliedern seiner Familie das Überleben während der Nazizeit ermöglicht hatte. Das Buch las sich wie man die Bilder von Chagall betrachtet, in all dem Grauen märchenhaft und poetisch; der Text verzauberte und zeigte, dass es unmöglich ist, sich der damaligen Wahrheit wirklich zu nähern, man kann sie vielleicht nur erspüren lernen. Das Buch war witzig, ironisch, heiter und schilderte, warum die dritte Generation der jüdischen Überlebenden immer wieder mit der Vergangenheit ringt und sie für sich aufzuklären, sich ihr zu nähern versucht. Es hatte auf jeden Fall etwas mit Foers eigner Biografie zu tun.
Sein neuester Roman, nach einer längeren Pause entstanden, steht wieder mitten in seinem eigenen Leben. Die Geschichte eines jüdischen Paars in Washington D.C., das sich, angetrieben von seiner Individualität, auseinanderlebt und letztlich auch trennt, erinnert sehr an seine eigene. Doch das eigentliche Thema des Buches ist das Jüdisch-Sein in Amerika und in Israel, sich dazu bekennen, stolz sein, die Traditionen zu leben und an die Kinder weiter zu geben. Auch wenn die Kinder sich gegen die Bar Mizwa wehren, ist für alle selbstverständlich, dass sie diese durchlaufen müssen, um in das Erwachsenenalter aufgenommen zu werden. Das Jüdisch-Sein nimmt ganz viel Platz in dem Buch ein, ohne dass das viel mit Religion zu tun hätte. Es ist einfach die Art, wie man lebt, was wichtig ist, wo man isst, was man unternimmt, wie man diskutiert und redet. Vielleicht ist Jüdisch-Sein eine Bereicherung, vielleicht aber erdrückt es einen.
Es gibt eine Ebene im Roman, die das alles verbindet: die Sprache, es geht um den Gebrauch der Sprache und folglich um die Kommunikation: Dialoge und Reden, auch Beschreibungen der Zustände. Sie erinnern mich an die Filme von Woody Allen, wo immer und lange geredet wird, jeder um eine eigene Pointe bemüht und nicht müde werdend, sie auch zur Geltung zu bringen. Auch hier haben wir den Eindruck, jedes Mitglied der Familie ist eigentlich ein Virtuose der Sprache, sogar der jüngste Sohn Benjy (wohlgemerkt 4 Jahre alt) kann seine Unsicherheit und alle möglichen emotionalen Zustände erstaunlich treffend zum Ausdruck bringen. Durch die Sprache leben sie alle, bewältigen ihre anwachsende Katastrophe in einer sich zerstörenden Welt, die Kommunikation darüber und das auf den Punkt bringen, rettet manchmal das Leben, verhindert das Scheitern. Es steckt darin viel, vielleicht auch unbewusste Weisheit, denn ein Roman, ein Schriftsteller leben sowieso von der Sprache, vom geschriebenen Wort. Doch so wie Foer sie einsetzt, bekommt sie eigenen Wert, die Dialoge sind manchmal Schlachten, manchmal dienen sie der Entspannung, um der Krise zu entkommen.
Jacob ging auf die Knie und nahm Benjys Hände.
„Schlecht geträumt, Kumpel?
„Sterben ist okay“, sagte Benjy.
„Was?“
„Sterben ist okay.“
„Ja, findest du?“
„Wenn alle anderen mit mir sterben, finde ich das Sterben okay. Ich habe nur Angst, wenn die anderen nicht mit mir sterben.“
„Hattest du einen Alptraum?“
„Nein. Ihr habt euch gestritten.“
„Wir haben uns nicht gestritten. Wir…“
„Ich habe gehört, wie Glas kaputtgegangen ist.“
„Wir haben gestritten“, sagte Julia. “Menschen haben Gefühle, manchmal sehr schwierige. Aber jetzt ist alles wieder gut. Geh zu Bett.“[…]
Jacob deckte Benjy zu und strich ihm über das Haar.
„Dad?“
„Ja?“
„Du hast recht damit, dass es wahrscheinlich keinen Himmel gibt.“
„Das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, dass man das nicht wissen kann und es deshalb nicht sehr klug ist, sein Leben darauf auszurichten.“
„Ja, genau damit hast du recht.“
Wenn er selbst auf Trost verzichtete, konnte er sich das verzeihen, aber warum sollte er ihn auch allen anderen vorenthalten? Warum sollte sich ein Kindergarten-Kind nicht in einer gerechten, schönen und unwirklichen Welt glücklich und geborgen fühlen?
„Und worauf sollen wir unser Leben ausrichten?“, fragte Benjy.
„Die Familie?“
„Ja, finde ich auch.“
„Gute Nacht, Kumpel.“
Jacob ging zur Tür, entfernte sich aber nicht.
Nach einigen langen Momenten der Stille rief Benjy: “Dad? Ich brauche dich!“
„Ich bin hier.“
„Eichhörnchen haben buschige Schwänze, warum?“
„Um das Gleichgewicht zu halten? Um sich zu wärmen? Zeit zu schlafen.“
„Wir googeln das morgen früh.“
„Gut. Aber schlaf jetzt.“
„Dad?“
„Ja. Hier.“
„Gibt es Fossilien von Fossilien, wenn die Welt lange genug existiert?“
„Oh, Benjy. Gute Frage. Wir reden morgen darüber.“
„Ja, ich brauche meinen Schlaf.“
„Genau.“
„Dad?“
Jacob begann die Geduld zu verlieren: “Benjy.“
„Dad?“
„Ich bin da.“
Wir erleben die Familie in einer Situation, die einer Katharsis ähnelt; die innere Spannung und Unzufriedenheit spitzt sich immer weiter zu, bis die Eltern auseinandergehen, sich trennen; und die äußere Situation in Israel wird durch ein fiktives Erdbeben und den Angriff islamischer Staaten nochmal zugespitzt. Diese Zuspitzung empfinde ich als befremdlich, denn das Leben in Israel fühlt sich sowieso für einen Europäer an wie auf dem Vulkan. Im Roman geht es darum, wenn ich richtig verstanden habe, eine Zuspitzung zu schaffen, um sich zum Judentum bewusst bekennen zu müssen, endgültig sich zu erklären und festzustellen, wieviel Raum doch diese andere Heimat im eigenen Leben einnimmt. Man stellt mit Erstaunen fest, dass dieses Israel und Jüdisch-Sein ganz viel Platz im Leben vieler amerikanischen Juden einnimmt.
„Was bedeutete ihm Israel? Was die Israelis? Sie waren seine aggressiveren, unangenehmeren, verrückten, haarigeren, muskulöseren Brüder… da drüben. Sie waren grotesk, aber sie waren die Seinen. Sie waren tapfer, schöner, schweinischer und wahrhafter, weniger gehemmt, draufgängerischer, mehr sie selbst. Drüben. Dort waren die Leute so. Und sie waren die seinen.
Nach der Beinah-Zerstörung waren sie immer noch dort drüben, aber sie waren nicht mehr die Seinen.
Jacob hatte sich bemüht, jede Maßnahme Israels vernünftig zu begründen – zu verteidigen oder wenigstens zu entschuldigen. Und er hatte jedes Mal geglaubt, was er sagte. […] War es richtig, Menschen in der gleichen Notlage eine medizinische Versorgung vorzuenthalten? Ja, denn es gewährleistete die Versorgung der eigenen Bürger, die sich im Gegensatz zu den arabischen Nachbarn an niemand anderen wenden könnten. […] Und dennoch führten all diese gerechtfertigten oder wenigstens entschuldbaren Maßnahmen dazu, dass Israel dringend benötigte Hilfsmittel zurückhielt, das heikelste muslimische Territorium auf Erden eroberte und Müttern von Kindern, die nicht zwangsläufig hätten sterben müssen, zwang, an geschlossene Krankenhaustüren zu hämmern. Vielleicht gab es keine andere Möglichkeit, doch es hätte eine geben müssen.“
Nachdem der Präsident von Israel nach dem Erdbeben und dem Angriff alle Juden in der ganzen Welt aufruft, die Heimat zu verteidigen, kehren viele aus der Diaspora zurück. Interessant ist nur, dass der Hauptheld, der Vater Jacob, gegen alle erklärten Absichten doch nicht nach Israel zurückkehrt, um zu kämpfen; offenbar sieht er ein, dass er vor Ort zu nichts nütze gewesen wäre, aber auch, dass man auch Zweifel an Israels guter Sache haben konnte.
Der Titel „Hier bin ich“ hebräisch hineni steht für den Autor; es geht um die Klärung wofür man steht oder besser für wen man steht, bedingungslos und immer bereit, aufrichtig und präsent. Diese Frage prägt unsere Identität besonders in der jetzigen Welt mit all ihrem Freiheitsdrang, auch wenn sie oft nicht mehr religiös bedingt ist.

Civil March in Sarajevo

Civil March for Aleppo has reached an important milestone. We are in Sarajevo now.

It is a very special time here. The city is about to commemorate 25 anniversary of the siege. We decided to pay a tribute to the victims in a symbolic way, leaving our footprints on the ground.

#CivilMarchForAleppo

Der Zivile März für Aleppo hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Wir befinden uns jetzt in Sarajevo.

Es ist eine sehr besondere Zeit hier. Die Stadt wird etwa 25 Jahrestag der Belagerung begehen. Wir haben beschlossen, die Opfer auf symbolische Weise zu würdigen und unsere Spuren auf dem Boden zu hinterlassen.

Frauenblick 12

Monika Wrzosek-Müller

Glückskind mit Vater
von Christoph Hein, Suhrkamp Verlag Berlin 2016, schon 3. Auflage

Es gibt Bücher, die in die Zeit und in die Gesellschaft wie Bomben reinfallen und kräftige Reaktionen, Diskussionen und Polemiken hervorrufen. Doch es existieren auch einige andere, für mich die sogenannten stillen Bücher, die sich fast unbemerkt in die Gesellschaft einschleichen und manchmal erst allmählich einen tiefen Eindruck hinterlassen. So erging es mir bei der Lektüre des Romans Glückskind mit Vater von Christoph Hein. Den Autor kannte ich als junge Germanistin in Polen, als einen der wenigen Dissidenten, der auch eine fantastische Novelle Drachenblut veröffentlicht hat. die wir auch lesen konnten. Erst jetzt erfahre ich, dass die Novelle auch in der DDR unter einem anderen Titel erschienen war, und zwar Der fremde Freund. Schon damals war ich von Hein begeistert, wie treffend und unkompliziert er die Sachen beim Namen nennt: sachlich, konkret, schlicht die Wirklichkeit vor dem Auge entstehen lässt, ohne emotionale Zugaben.

Das Gefühl kehrt diesmal verstärkt zurück, der Roman Glückskind mit Vater erzählt fast 60 Jahre deutscher Geschichte, unaufgeregt und doch eindringlich. Die Handlung nimmt bestimmt Bezüge auf persönliche Erlebnisse des Autors, ist aber nicht autobiographisch. Es ist eine zutiefst psychologisierende Erzählung, mit der Moral, dass man seiner Vergangenheit nicht entkommen kann – im Fall von Glückskind mit Vater eben dem kriegsverbrecherischen Vater. Der Schatten des bösen Vaters legt sich wie eine dunkle Wolke über das Leben des jungen Helden, und trotz seiner sehr mutigen Versuche, ihn abzuschütteln, gelingt ihm das nicht. In allen Lebensstadien verfolgt der Vater den Jungen, obwohl er ihn nie gekannt, nie zu Gesicht bekommen hatte. Sowohl die Namensänderung als auch der erste Fluchtversuch nach Marseille enden mit der Erkenntnis, dass es keine Fluchtmöglichkeit gibt; immer wieder wird er mit den Kriegsverbrechen des Vaters und mit dessen Namen konfrontiert. Die ganze Familie, die Mutter und der Bruder, sind in die Vergangenheit verstrickt. Dem Bruder gelingt es aber daraus materiellen Vorteil zu ziehen und reich zu werden, allerdings brechen dann die Familienbande völlig auseinander.

Erstaunlich dabei ist die Tatsache, dass sich das ganze Buch nicht pessimistisch, nicht negativ liest, eher ironisch, manchmal sogar humorvoll, und es sorgt mit erstaunlichen Momenten für Überraschungen. Die negative Pointe des Buches, dass es keine Möglichkeit gibt, der Obsession mit dem verbrecherischen Vater zu brechen, zu entkommen, ist keine Sackgasse, kein sogenanntes Schicksal; der Held meistert sein Leben, obwohl er vom Glückskind zum Unheilkind wird; er findet seinen Platz in der DDR-Gesellschaft, wird sogar, zeitweilig, zum Direktor einer Oberschule. Er behauptet sich ganz munter und tapfer und durchläuft die Stationen des Lebens immer mit der Hoffnung, sich dem Einfluss des Schattens zu entziehen. Irgendwo, ganz in der Tiefe, spürt man aber doch den bitteren Geschmack und die Enttäuschung, dass er nicht frei ist sondern immer wieder davon läuft und sehr allein mit seinen Entscheidungen lebt.

Ganz bewusst versuche ich den Plot nicht zu erzählen, die Stationen des Lebens nicht aufzuzählen, die Konflikte mit dem Bruder, den Ämtern, seine Lieben, das Verhältnis zu seiner Mutter nicht zu beschreiben. Das soll jeder in dem Roman lesen und für sich die wichtigsten Momente und Stellen finden und viel über die Vorgänge in der damaligen BRD aber auch der DDR erfahren und mit eigenen Erlebnissen vergleichen können. Auf jeden Fall ist es ein Buch für die junge Generation, die die Nachkriegszeit nicht erlebt hat, aber auch für die ältere, die sich damit konfrontiert sah. Es ist eine deutsche Geschichte par excellence, das Leben und die Probleme im Nachkriegsdeutschland werden übersichtlicher und klarer durch die Lektüre.

Iss doch wenigstens das Fleisch

oder wie man Vegetarier wird?

Ewa Maria Slaska

Diese Frage interessiert mich brennend, weil ich selber für sie eine, wie ich finde, außergewöhnliche Antwort habe. Zuerst war sie noch banal: Ich mag kein Fleisch, sagte ich, ich habe es nie gemocht.

Gut, diese Antwort kennen auch Viele in diesem Buch, und überhaupt Viele, die sich an einen Klumpen des durchgekauten Fleisch erinnern, die man nicht imstande war zu schlucken, ebenso sehr aber kein Erlaubnis hatte, den Ekel auszuspucken. Dabei haben diejenige besser, die schnell kotzen konnten, wenn man jedoch, wie ich, eine im Sternzeichen Jungfrau geborene, sich ungern physiologisch der Umwelt mitteilte,  war man stundenlang gezwungen am Tisch zu sitzen und das Restfleisch mit den Tränen vermischt in alle Ewigkeit zu kauen. Lange dachte ich, dass es eben diese Erfahrung war, die mir enorm erleichtete, sofort, als ich nur über meine Diät selber entscheiden dürfte, eine Vegetarierin zu werden.
Aber nicht. Irgendwann kam eine andere Antwort, die mir bis heute plausibler klingt, obwohl ich sie in meinem Leben nie von jemanden anderen gehört habe.
Meine Mutter, als sie mit mir schwanger war, kurz nach dem Krieg, litt an Toxoplasmose. Es ist so eine Infektionskrankheit, von Parasiten verursacht, die man von der Katzen bekommen kann, oder vom Essen des nicht ganz durchgekochten oder rohen Fleisches. Dem Träger macht die Krankheit nichts, dem Kind im Bauch dagegen kann sie Vieles antuen. Es kann mongoloid werden, oder blind, und natürlich auch beides. Soviel wurde mir damals erklärt. Erst jetzt beim Schreiben sehe ich genauer in die Materie: Die infizierten Kinder können epileptische Anfälle, kognitive Einschränkungen, Schäden an der Leber, Lunge, Gehirn, Augen, Herzmuskel und Hirnhaut aufweisen. Ein Viertel der vor der Geburt infizierten Kinder durch Toxoplasma gondii haben geistige Behinderungen, Spastiken, Epilepsie, Hydrocephalus und Verkalkungen der Hirngefäße. Jesus! Ich bin “nur” halbblind geboren, dh. eigentlich bin ich glimpfig aus der Falle rausgekommen.

Von meiner Krankheit, oder Mamas Krankheit im Grunde, gab es nie die Rede und dass meine Halbblindheit gerade diesen Grund hatte, erfuhr ich erst als ich selber hochschwanger war. Diese Nachricht kam auf mich wie ein Donner aus dem hellen Himmel. Bis dahin war ich mit meiner Schwangerschaft sehr glücklich, behauptete gar, dass es der beste Zustand in meinem Leben sei. Und dann war es plötzlich gut möglich, dass jetzt mein Kind mongoloid oder blind, und natürlich auch beides werden konnte.

Eine Woche später gebar ich meinen Sohn, ein kerngesundes Baby, dem die verdammte Toxoplasmose von Oma und Mama nichts angetan haben.

Es dauerte aber lange, dass ich selber ruhig darüber nachdenken konnte. Meine Theorie baute sich also sehr langsam auf.

Als Mama noch nicht wusste, dass es die Toxoplasmose war, die mein Leben bestimmte, erzählte sie oft darüber, dass sie während der Schwangerschaft immer wieder einen Heißhunger auf Fleisch hatte, so sehr, dass, als sie von der Kunstschule, wo sie studierte, nach Hause kam, sofort in die Küche ging und aus dem Topf, in dem Oma die Suppe kochte, nicht ganz gekochte Fleischstücke holte, um sie direkt neben dem Herd, heiß zu verzehren. Als die Sache mit der Krankheit plötzlich öffentlich diskutiert wurde, wehrte  sich Mama vehement gegen die vermeintliche Beschuldigung (kein Mensch hat sie doch beschuldigt), aber irgendwie verschwand die nicht ganz gekochte Suppe und halbblutiges Fleisch aus den Familienerzählungen.

Erst nach Jahren kam mir in den Kopf ein Bild von mir als Embryo im dunklem warmen Wasser. Wieso? Fragt mich nicht, ich weiß es nicht, sah aber, dass sich dieses noch nicht ganz fertiges Baby sehr stark mit den Armen gegen etwas wehrte. Das Bild kam ziemlich oft, ohne dass ich eine Erklärung dafür wusste. Erst als mir Jemand beiläufig sagte, er kann kein Kummin vertragen, weil seine Mama, als sie schwanger war, eine starke Allergie gegen den Kummin hatte, passten sich plötzlich alle Puzzleteile an: Die Krankheit meiner Mama, ihre Schwangerschaft, meine (gelungene!) Verteidigung gegen den feindlichen Parasiten, meine Ekel dem Fleisch gegenüber, mein kindlicher Drang, Vegetarierin sein zu dürfen (was man natürlich damals auf keinen Fall dürfte).

Mein Vater stammt aus einer tatarischen Familie. Die Tataren gelten bis heute als sehr mutiges Volk. Ich war immer der Meinung, dass ich gerade deshalb, dank meinem tatarischen Erbe, auch relativ unerschrocken und zäh bin. Jetzt sah ich in meinem Kopf ein Bild eines kämpferischen tatarischen Fötus, der sich gegen jegliche Feinde wehrt. Sollen sie sich alle zum Teufel scheren…  🙂

***

Das Buch finde ich gut und interessant, obwohl es an manchen Stellen ins so grotesk Ekelhafte ausartet, das man es beim besten Willen nicht lesen kann. Eine Erzälung finde ich aber so schön, dass ich sie direktemang hier euch zum lesen anbieten muss 🙂

E.L. Greiff, Großraumwagen

Der Autor schreibt Fantasy-Bücher und dies erklärt doch viel. Sein Herausgeber gibt von ihm relativ viel preis: E. L. Greiff, 1966 in Kapstadt geboren, lebt heute in den Niederlanden. Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik in Bochum und Berlin, anschließend zahlreiche freie Regiearbeiten. Greiff schreibt Essays, Reisereportagen, Kommunikationskonzepte und Reden für Führungskräfte.

autor-inErst von einem Foto erfährt man, dass “der Autor” in der Tat “die Autorin” ist. Genauso verhält es sich mit der / dem Protagonist/in dieser Erzählung.

https://books.google.de/books?id=p73vCgAAQBAJ&lpg=PT21&ots=Ry_L8iqhar&dq=E.L.%20Greiff%20Gro%C3%9Fraumwagen&hl=de&pg=PT21&output=embed

Die obige Möglichkeit es Euch zu lesen zu geben, die ich im Netzt gefunden hat, bricht kurz vor dem Ende der Erzählung ab. Ich nehme an, in der Annahme, jetzt werdet ihr das Buch kaufen (bitte sehr, z.B. HIER), um zu erfahren, wie es endet.

Ich bin aber ein guter Mensch und schreibe Euch die letzten 1,5 fehlenden Seiten hier ab (das Buch könnt ihr natürlich der anderen Erzälungen wegen kaufen):

Zweiundvierzig Leute sind damals aus diesem ICE ausgestiegen, der irrtümlicherweise an einem Provinzbahnhof angehalten hatte, anstatt durchzufahren. Keiner von uns bekam eine Entschädigung von der Bahn, wir hätten ja nicht aussteigen müssen, hieß es, schließlich sei dort auch nicht Endstation gewesen – eine gleichlautende Durchsage hätte es niemals gegeben. Ich jedenfalls hatte auch keine gehört. Nickelbrille gab später zu, er habe ebenfalls nichts gehört. Jemand anders hätte ihm das mit der Endstation gesagt, wer, wusste er nicht mehr.

Als wir knapp zwei Stunden später allesamt in einen verträumten Regionalzug einstiegen, erregten wir einiges Aufsehen beim Zugbegleiter, und ein Mann aus unserer Gruppe, in den Dreißigern, erklärte ihm die Situation. Oder das, was er und wir alle dafür hielten. Dieser Mann, ich nenne ihn der Einfachheit halber Herrn Erster, ist bis heute so etwas wie unser Anführer; er ließ damals eine Liste herumgehen, in die wir uns alle mit Adressen und Telefonnummern eintrugen für die Sammelbeschwerde gegen die Bahn, die er vorbereiten wollte. Die Beschwerde hat er eingereicht, aber es wurde wie gesagt nichts daraus.

„Wo ist eigentlich der Typ in dem langen Hemd?“, fragte Nickelbrille. Er ließ seine kleinen Augen über die kunstledernen Sitzenreihen des Bummelzugs huschen, während ich meinen Namen in die Liste kritzelte. Ich wusste sofort, wen er meinte.

„Ist abgehauen. Direkt nach dem Halt.“

„Junger Mann“, mischte sich die ältere Dame mit dem Halstuch ein . „Das war kein Typ. Das war eine ausgesprochen hübsche junge Asiatin. Ungewöhnlich groß allerdings.“

Wir hatten alle die Gestalt gesehen, alle etwas aus der Papiertüte genommen, alle zweiundvierzig. Es war ,wenig überraschend, bei jedem etwas anderes gewesen: ein besonderes Bonbon, eine exotische Frucht, etwas Salziges, Scharfes, Saures. Herr Erster hat im Laufe der folgenden Jahre viele Interviews mit jedem Einzelnen von uns geführt, auf unseren Treffen sind wir die Sache immer wieder durchgegangen. Es hat bei jedem etwas anderes bewirkt, nicht auf dem ersten Blick Spektakuläres. Nickelbrille hat das Rauchen aufgegeben. Die Halstuchdame, sie ist vor ein paar Jahren gestorben, hat eine Vorliebe für hochpreisige Bordeauxweine entwickelt. Ich habe aufgehört, Fleisch zu essen. Außerdem habe ich mein Leben in den Griff bekommen, und so gern ich mir das selbst zuschreiben würde und nicht einem Teigbällchen, oder zwei, weiß ich doch, dass seitdem alles besser geworden ist.

Reblog & Co: Uwe Rada

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Von Berlin nach Polen und zurück

Vortrag und Gespräch mit Uwe Rada
– in Kooperation mit Städtepartner Stettin

23.2.17 | 20 Uhr | RegenbogenKino

Seit Jahren beschäftigt sich der taz-Journalist und Buchautor Uwe Rada mit den Beziehungen Berlins zu seinem östlichen Nachbarn. Dabei führen ihn seine Wege immer wieder nach Stettin und Breslau, aber auch in die Uckermark oder ins Oderzwischenland. Davon wird Uwe Rada bei seiner Lesung berichten. Und davon, wie sich die deutsch-polnische Grenzregion der politischen Großwetterlage zwischen Berlin und Warschau zu entziehen sucht.

Uwe Rada, geboren 1963 in Göppingen, lebt seit 1983 in Berlin. Er beschäftigt sich seit zwanzig Jahren mit der deutsch-polnischen Grenzregion.
Zuletzt erschien das Buch “Berlin und Breslau. Eine Beziehungsgeschichte”, das er zusammen mit Mateusz Hartwich herausgegeben hat.

Und als Kostprobe, ein Text über die Oder aus Taz:

Oderdämmerung

Sie ist einer der letzten frei fließenden Flüsse Europas, manche vergleichen sie mit dem Amazonas. In Brandenburg bildet sie den einzigen Flussnationalpark Deutschlands. Doch nun soll die Oder nach dem Willen der neuen polnischen Regierung zu einer Wasserautobahn ausgebaut werden. Umweltschützer beiderseits des Flusses sind alarmiert

von UWE RADA

Gerade jetzt, im Winter, ist das Zwischenoderland besonders eindrucksvoll. Zwischen Ostoder und Westoder frieren die Altarme zu, die ersten Zugvögel kommen zurück, über der wilden Oderlandschaft liegt eine Stille, die vergessen lässt, das nicht weit von dieser naturnahen Flusslandschaft die Großstadt Stettin brummt.

Doch die Idylle täuscht, wie Brandenburger Naturschützer und Politiker vor Weihnachten erleben mussten. Vertreter der polnischen Woiwodschaft Westpommern waren nach Criewen, dem Tor zum Nationalpark Unteres Odertal gekommen, um vorzustellen, wie sie sich die Zukunft der Oder vorstellen. Für den Landrat der Uckermark, Dietmar Schulze, waren die Pläne ebenso alarmierend wie für den Nationalpark-Mitbegründer und Träger des alternativen Nobelpreises, Michael Succow.

Was hatte die polnische Delegation im Gepäck? Um Stettin besser vor Hochwasser zu schützen, hieß es, sollen im Zwischenoderland 21 Kanäle ausgebaggert und 32 seit dem Zweiten Weltkrieg verfallene Wasserbauwerke, Schleusen und Durchlässe wieder instandgesetzt werden. Darüber hinaus sollen auf 60 Kilometer die Deiche modernisiert werden. Die Kosten in Höhe von 18,2 Millionen Euro, so die polnische Delegation, würde die Weltbank übernehmen.

Anders als der Nationalpark Unteres Odertal liegt das Zwischenoderland, auf Polnisch Międzyodrze, auf der polnischen Seite der Grenze. Offiziell hat es nur den Status eines Landschaftsschutzparks, in Wirklichkeit aber ist es für Naturschützer sehr viel wertvoller als der deutsche Nationalpark. Weil die Regulierungsbauwerke dieses 5000 Hektar großen Polders aus den Jahren von 1907 bis 1932 nicht instandgesetzt wurden, regelt hier die Natur den Wasserstand, es entstand ein Paradies für Vögel und Fische. Dass der Ausbau nur der Wasserregulierung und dem Schutz Stettins vor Hochwasser dienen soll, wird in Brandenburg angezweifelt. “Nicht einmal das Jahrhunderthochwasser von 1997 hat Stettin bedroht”, heißt es im Potsdamer Umweltministerium hinter vorgehaltener Hand.

Oder soll zur Wasserstraße werden

Die Pläne für das Zwischenoderland sind nur ein Teil einer gewaltigen Kraftanstrengung, mit der die neue polnische Regierung die Oder wieder zu einer internationalen Wasserstraße ausbauen möchte. Um das ambitionierte Ziel umzusetzen, hat die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Ministerpräsidentin Beata Szydło sogar ein eigene Ressort geschaffen – das Ministerium für Meereswirtschaft und Binnenschifffahrt. Dessen Vizeminister Jerzy Materna erklärte gleich nach seinem Amtsantritt im Dezember, dass die gesamte Oder als Wasserstraße der Klasse IV ausgebaut werden sollte. “Von der dritten Klasse will ich nie wieder etwas hören, in dieser Frage gebe ich keinen Millimeter nach”, sagte Materna der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza.

Die Wasserstraßenklasse IV ermöglicht den Verkehr der so genannten Europaschiffe mit einer Länge von 80-85 Metern und einer Ladekapazität von 1.000 bis 1.500 Tonnen. Materna strebt in Zukunft ein Transportvolumen von 50 Millionen Tonnen jährlich an. Zum Vergleich: Derzeit wid auf der Oder so gut wie nichts mehr tranportiert. Zwischen dem oberschlesischen Kohlerevier und Stettin, so lautet der Spin der neuen Regierung in Warschau, liegen 700 Kilometer ungenutzte Wasserautobahn.

Ganz billig wird es aber nicht sein, diese Autobahn fahrtüchtig zu machen. Alleine für die Ertüchtigung der Oder müssten laut Materna etwa 20 Milliarden Złoty, das sind rund fünf Milliarden Euro ausgegeben werden. Doch der Vizeminister des neuen Ressorts hat noch weitergehende Pläne. Er will die schlesische Oder bis ins tschechische Ostrau ausbauen und auch den alten Plan eines Oder-Donau-Kanals in Angriff nehmen. Damit soll das Schwarze Meer mit der Ostsee verbunden werden. Das es die neue Regierung mit der Umwelt nicht so genau nimmt, zeigte sich im Januar. In den Wäldern von Białowieża, dem letzten Urwald Europas, wurde damit begonnen, 400.000 Bäume zu fällen.

Nach dem Hochwasser 1997

Dreißig Kilometer von der niederschlesischen Metropole Breslau entfernt, liegt die kleine Ortschaft Maltsch, auf Polnisch Malczyce. Dreitausend Einwohner leben in Maltsch, das seine große Zeit längst hinter sich hat. Als die Oder tatsächlich eine Wasserstraße war, wurde im Hafen Kohle verladen. Der Maltscher Hafen machte mehr Umsatz als der in Breslau. Das war vor mehr als siebzig Jahren.

Heute steht Maltsch für eine Investition, die in Polen ebenso Kopfschütteln hervorruft wie der Bau des Flughafens BER in Deutschland. 300 Millionen Złoty, 75 Millionen Euro, sollte die neue Oderschleuse kosten, als 1997 mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Nach dem Jahrhunderthochwasser an der Oder, das alleine in Polen 50 Menschenleben forderte, sollte mit dem Bau neuer Staustufen das Wasser reguliert – und die Oder wieder für die Binnenschifffahrt hergerichtet werden. Der Neubau der Maltscher Schleuse war neben der in Dyhernfurth (Brzeg Dolny) der erste an der Oder seit dem Ende des Krieges. Zuvor waren zwischen dem Gleiwitzer Kanal, der Oberschlesien mit der Oder verbindet, und Breslau 26 Staustufen errichtet worden. Unterhalb von Breslau aber war die Oder bis Hohensaaten, wo der Oder-Havel-Kanal in den Fluss mündet, ein frei fließender Strom geblieben.

Die Maltscher Schleuse ist bis heute nicht in Betrieb. Inzwischen sind die Kosten von 300 Millionen Złoty auf eine Milliarde gestiegen, ein Ende des Baus ist nicht in Sicht. Dennoch bringt der Warschauer Vizeminister für Binnenschifffahrt nun den Bau weiterer Staustufen ins Spiel. Bis zu zwanzig neuer Schleusen sollen in Zukunft entstehen, sagte Materna im Januar dem Sender Radio Zielona Góra. Finanziert werden sollen sie in Public-Private-Partnership-Projekten.

Schon einmal hatte die Regierung in Warschau große Pläne für die Oder vorgelegt, das war nach dem Jahrhunderthochwasser von 1997. Doch beim so genannten Programm für die Oder 2006 setzte Warschau vor allem auf Geld aus Brüssel. Das ist nun anders. “Im Rahmen des Weltbankprojekts Odra-Vistula Flood Management Project stehen Polen bis zum Jahr 2023 1,202 Milliarden Euro zur Verfügung”, sagt Sascha Maier. Der Naturschützer engagiert sich unter anderem beim Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal und war auch dabei, als die polnische Delegation im Dezember ihre Pläne für den Ausbau des Zwischenoderlandes vorgestellt hatte. “Der geplante Ausbau der Oder bekommt damit eine neue Dimension”, so Sascha Maier.

Wo bleibt der Widerstand?

Nach dem Jahrhunderthochwasser von 1997 haben sich deutsche und polnische Naturschützer zusammengeschlossen und ein Bündnis mit dem Namen “Zeit für die Oder” gegründet. Es war ein grenzüberschreitendes Bündnis gegen die geplante Zerstörung von Auwäldern und für die Ausweisung neuer Schutzgebiete. Solche Bündnisse gibt es heute nicht mehr. Stattdessen haben sich rechts und links der Oder die Befürworter eines Ausbaus zusammengeschlossen.

Fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit wurde bereits am “7. April 2015 von Warschau und Berlin das “Abkommen über die gemeinsame Verbesserung der Situation an den Wasserstraßen im deutsch-polnischen Grenzgebiet” unterzeichnet. Verhandlungsführer auf deutscher Seite war der Brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der auch Polenbeauftragter der Bundesregierung ist.

Die Ziele des Abkommens lesen sich auf den ersten Blick vernünftig. Es geht um die Gewährleistung eines schnelleren Wasserabflusses bei Hochwasser sowie den Einsatz von Eisbrechern an der Grenzoder. Woidke selbst hatte sich dafür eingesetzt, dass Küstenmotorschiffe zwischen der Ostsee und dem Hafen Schwedt verkehren können. Damit soll der teure Umschlag der Waren aus den Schwedter Papierfabriken im Stettiner Hafen entfallen.

Doch es ist eine Zahl, die Umweltschützer wie Sascha Maier aufhorchen lassen. Im deutsch-polnischen Abkommen wird nämlich festgehalten, dass die Oder unterhalb der Warthemündung an neun von zehn Tagen jährlich eine Tiefe von 1,80 Meter aufweisen soll. Oberhalb der Warthemündung soll diese Mindesttiefe an acht von zehn Tagen gewährleistet sein.

Ob das realistisch ist, wird sich zeigen. Im Sommer, kurz nachdem das Abkommen in trockenen Tüchern war, fiel der Wasserstand der Oder auf ein Rekordtief. Radio Szczecin berichtete am 12. August von einem dramatischen Fall des Wasserstandes. In Küstrin (Kostrzyn) betrug er nur noch 63 Zentimeter. Im nahen Gozdowice führte der Fluss 80 Zentimeter, zu wenig für die Fähre “Ohne Grenzen”, die hier zum brandenburgischen Güstebiese verkehrt.

Wie die Mindesttiefe von 1,80 Metern realisiert werden soll, steht nicht im Abkommen, es wird jedoch auf ein Gutachten zur Stromregelegung verwiesen. “Demnach soll die Zieltiefe nicht nur über die Fahrrinnenbreite, sondern die gesamte Gewässersohle durch Modernisierung und teilweiser Erhöhung konventioneller Buhnen hergestellt werden”, erklärt Sascha Maier. Er fürchtet, dass demnächst Fakten geschaffen werden, ohne zuvor die Umweltverträglichkeit zu prüfen.

Pragmatismus in Stettin

Es ist kalt an diesem Februartag, von der Oder weht ein frischer Wind hinauf in die Stettiner Innenstadt. In einem der Altbauten in der Starszyński-Straße nahe der berühmten Hakenterrassen hat Dorota Janicka ihr Büro. Janicka ist die Chefin der Landschaftsschutzparks in der Woiwodschaft Westpommern, und als solche ist sie auch für das Zwischenoderland zuständig. Ob die Zukunft der Oder die einer Wasserautobahn ist, will sie nicht bewerten, das fällt nicht in ihre Zuständigkeit. Um die Zukunft des Zwischenoderlandes aber macht sie sich keine Sorgen. “Eine landwirtschaftliche Nutzung des Zwischenoderlandes ist nicht geplant”, versichert Janicka. “Es geht lediglich darum, die alten Anlagen wieder in Ordnung zu bringen.”

Im Gegensatz zu Umweltschützern wie Sascha Maier überwiegen bei Janicka nicht die Bedenken, sondern die Hoffnungen. Denn von den knapp zwanzig Millionen Euro, die zwischen Westoder und Ostoder verbaut werden sollen, könnte auch ein Teil für den Tourismus abfallen, glaubt die Chefin der Landschaftsschutzparks. “Wir haben bislang viel zu wenig ausgewiesene Tourismusrouten im Zwischenoderland”, sagt Janicka und überreicht zum Beweis eine Karte des Gebiets. “Auch die Infrastruktur für Paddler muss verbessert werden.”

Janicka verweist auf die breiten Radwege auf der deutschen Seite der Oder. “Ganz so schnell wird das bei uns nicht gehen, aber das ist das Ziel”, sagt sie. Naturschutz ist bei Janicka keine Sache um ihrer selbst willen, sondern immer auch verbunden mit touristischer Nutzung. Und da fehlt es dem Amazonasgleichen Überflutungsgebiet zwischen Westoder und Ostoder tatsächlich. Außer auf der Straße von brandenburgischen Mescherin ins polnische Gryfino ist das Zwischenoderland kaum zugänglich.

Grenzüberschreitender Nationalpark

Stettin will also profitieren vom Zwischenoderland und dem Weltbankgeld. Auch deshalb widerspricht Janicka einem Vorschlag des Westpommerschen Vizemarschalls Jarosław Rzepa. Der hatte vorgeschlagen, aus dem Überflutungsgebiet wie auf der deutschen Seite einen Nationalpark zu machen. Janicka dagegen meint, dass die Umweltvorschriften in den Natura 2000 und FFH-Gebieten jetzt schon streng genug seien. Ihr wichtigstes Argument aber ist ein anderes. “Für einen Nationalpark ist die Regierung in Warschau zuständig”, sagt sie. Stettin aber will seine Oder selber verwalten.

Paweł Pawlaczyk findet die Idee mit dem Nationalpark gut. Seit Jahren arbeitet gelernte Förster im Vorstand des polnischen Naturschutzclubs – und ärgert sich, dass das Zwischenoderland einen weitaus geringeren Schutzstatus hat als der deutsche Nationalpark. “Wir haben es hier mit einer Wildnis zu tun, die ihresgleichen sucht”, sagt Pawlaczyk. “Alle Voraussetzungen, das Zwischenoderland zu einem Nationalpark zu machen, sind gegeben.”

Das Weltbankprojekt hält der Naturschützer für verheerend. Und für unglaubwürdig. “Wenn es in Stettin eine Hochwassergefahr gibt, kommt sie wegen der Nordwinde vom Stettiner Haff und nicht von der Oder”, sagt er. Dieses Argument sei deshalb vorgeschoben. Aber auch die Ausweisung neuer Touristenrouten, die Dorota Janicka gerne mit den Weltbankmitteln finanzieren würde, hält er für vorgeschoben. “Hier geht es darum, den Zustand aus der Zeit vor dem Krieg wiederherzustellen”, sagt Pawlaczyk, “Was wir brauchen ist aber keine regulierte Natur, sondern Wildnis.”

Pawlaczyk hofft deshalb sehr auf die deutschen Umweltschützer. Und, dass es vielleicht doch noch gelingt, an der Oder endlich einen grenzüberschreitenden, europäischen Nationalpark zu gründen.

Auf Deutsch & po polsku

für Martin Jankowski / dla Martina Jankowskiego
für eine Veranstaltung bei dem Festival Stadtsprachen
am 30. November 2016
napisane w listopadzie 2016 roku na halloweenowe spotkanie literackie
w ramach festiwalu Stadtsprachen

jadlastadtsprachenZdjęcia – moje i Elsye Suquilanda – wykonane przez Grahama Hainsa dla potrzeb festiwalu, umieszczone w wydanej w jednym egzemplarzu książce Ink /
Ewa Maria Slaska und Elsye Suquilanda, Fotos Graham Hains

Ewa Maria Slaska

Auf Deutsch und Polnisch / Po polsku i po niemiecku

Obudziłam się dziś z walącym sercem
We śnie płakałam tak jak już w życiu dawno nie płakałam
Serce mi waliło, gdy próbowałam
Gdy próbowałam
Gdy próbowałam
Serce mi waliło
Było ciemno i myślałam, że jest trzecia w nocy
Myślałam że jest trzecia w nocy
Godzina duchów
Które całe lato mnie budziły o trzeciej w nocy
I bałam się spać
Ale lato się skończyło i przestałam się budzić
Przerażona i z walącym sercem o trzeciej w nocy
Wyrzuciłam za okno diabełka z czarnego pluszu

Ale była szósta rano. Wczoraj byłaby nawet siódma. Es war sechs Uhr heute früh. Gestern wäre es gar 7 Uhr. Halloween. Ich wachte auf, weil ich in Traum schrecklich geweint habe.

Diabełek z czarnego pluszu. Jestem archeolożką i zbieraczką rzeczy. Znajduję je i zabieram do domu. Znalazłam go na ulicy na początku lata, była to zwykła zabawka. Było to lato małych krwawych zdarzeń, wpadałam na okna i rozbijałam sobie głowę, wchodziłam na zwykłą codzienną podłogę i wbijałam sobie szkło w stopę, ścierałam ręką okruchy ze stołu i z palców lała się krew, pierwszego dnia krótkich letnich wakacji krew lała się już ze mnie. Ciągle chodziłam do lekarzy i próbowałam zatamować tę krew, ale gdy zaleczyłam głowę, stopę i pace, to krwawiłam cała.

A w nocy budziły mnie koszmary, moje własne horrorclowny. Trzęsłam się ze strachu. Zapalałam światło. I nadal trzęsłam się ze strachu, mimo że wiedziałam dokładnie, co jest tu a co tam. Strachy to był sen, a teraz już nie śpię. Wiedziałam, że nic mi nie grozi, że horrorclowny ze snów nie wyjdą do pokoju, który jest jasny, ciepły i bezpieczny. I nie czają się za oknami. Wtedy zresztą nie wiedziałam jeszcze, że naprawdę chodzą po ulicach.

Wtedy jeszcze nie wiedziałam, wtedy myślałam naprawdę, a przecież, uwierzcie mi, jestem racjonalistycznie myślącą konkretną kobietą, żyjącą w drugiej dekadzie XXI wieku w Berlinie czyli stolicy świata, a przecież naprawdę myślałam, że ktoś rzucił na mnie urok.

Którejś nocy, była to już siódma a może nawet ósma noc, kiedy koszmary budziły mnie o trzeciej w nocy, weszłam do łazienki, a tam na wannie siedział znaleziony na ulicy diabełek, małe czarne, pocieszne stworzonko z czerwonymi rogami, wyprodukowane w Chinach dla uciechy gawiedzi, wcale nie ku większej chwale Szatana, lecz zwykłej mamony.

Tak, jest tak jak nasz Gospodarz, Martin Jankowski, to sobie wymyślił na tytuł dzisiejszego spotkania. Berlin liegt im Osten, Berlin liegt im Osten im Mittelalter oder vielleicht reicht es zu vermuten, es seien die Fünfziger des vergangenen Jahrhundert in einem Ostpolnischen Dorf und ich… Nein, ich habe bis vor Kurzem immer gedacht, wenn ja, dann wäre ich eine Hexe, eine, egal welche, die über Macht verfügt, eine Schamanin vielleicht, erst jetzt, heute früh als ich es schreibe und mein Herz pocht wie ein verrückter Vogel, erst jetzt weiß ich, dass nein, ich bin keine Hexe, ich bin ein wehrloses Opfer der schwarzen Clowns, weil ich eine Frau bin… So hatte es mir heute geträumt, so deutlich. Und es war Polen, eindeutlich.

Jetzt am Rande kann ich es mir eine weit ausholende Anmerkung erlauben. Dies, was ich heute früh, sehr schnell und unordentlich in meinem Computer geschrieben habe, so schnell und unordentlich, dass ich sogar wagen kann zu meinen, es seien Kritzeleien, kein Aufschreiben, obwohl die Buchstaben und Zeilen ordentlich aussehen, also dass das das Buchprojekt gewesen wäre. Ein gutes Buchprojekt, oder gar zwei. Vielleicht zusammen gepackt. Ein über Polen und ein über mich. Ein über Situation der Frauen in Polen, ein über eine ältere, nein über eine alte Frau, deren Blutabenteuer in diesem Sommer ein Symbol der Frausein waren. Nicht so jedoch wie bei Thomas Mann, wo die Frau, unwillend vielleicht aber eindeutlich, den jüngeren Mann betrügt und ihm durch Wiederkehr ihrer Tage verspricht, ihm eine gebärende Lebensbegleiterin zu sein. Nein, mir ist klar, dass ich alt bin und nichts zu erwarten habe. Meine Blutgeschichten hatten lediglich einen symbolischen Rang. Genauso wie es im Laufe der wahren Geschichte die Männer taten, die die Frauen um ihr Blutvergießen beneidet haben. Bis aufs Tod und Schlag und Zeptrio. Blutige Opfer und Kult des Todes auf der Schlachtfeld. Jesus Christus auf dem Kreuz.

Daraus hätte jede gute Schriftstellerin mit ein Bisschen Ausdauer in der alltäglichen Schweißarbeit ein Roman von drei Hundert, sechs Hundert, Tausend Seiten gemacht. Real, historisch oder Fantasy. Über Symbolik des Blutes, über rote Teppiche und Schuhe mit roten Absätzen, über rote Frauenmacht gegen schwarze Männermacht, die man in Polen jetzt umdrehte und die protestierenden Frauen sich schwarz ankleiden und konservative Männer mit ihrer Schleppe – weiß.

Nur ich nicht. Ich nicht. Meine Bücher sind winzigklein, meine Geschichtchen sind winzigklein, und wenn sie denken, dass sie ein Roman seien könnten, mache ich – ja ICH – ihnen einen Strich durch die Rechnung, hindere sie im Anwachsen und Aufblühen, lasse sie im Computer verkümmern.

Ein einziges Gutes dabei sei, es ist ein interessanter Computer, voller ungeahnt wichtiger und schöner Geschichten, die in seinen unmöglichen Ecken und Windungen stecken und sich verstecken. Ein Computer der nicht enden wollenden Romane… Alles Gute, meine Nachlassverwalter, wenn sie nicht die Courage haben, es alles bei BSR wegzuwerfen, werden sie sich damit Jahrzähnte quälen…

… a więc, weszłam do łazienki, zobaczyłam tego strasznego diabła siedzącego na brzegu wanny, sama go tam postawiłam, złapałam go, uchyliłam okno i wyrzuciłam w ciemną noc na podwórko cztery piętra niżej.

Tak jest, przyznaję się do winy, tego krwawego lata, kiedy krwawiło mi całe ciało, takimi śmiesznymi małymi krwawieniami, a duchy budziły mnie noc w noc o trzeciej rano, położyłam temu kres jak ciemna zabobonna baba z zapadłej ruskiej wsi w XIX wieku – wyrzuciłam za okno symbol Zła i poszłam spać. W tydzień potem krew lała się już całą noc, lekarze straszyli rakiem, a prasa zaczęła donosić o Horrorklownach.

A ja wciąż nie wiedziałam, że to wszystko moja wina, moja wina taka większa wina niż w zwykłej greckiej tragedii antycznej, gdzie jesteś po prostu winny, bo się urodziłeś, i obejmujesz tą winą i siebie i swoich najbliższych, ojca, matkę, przybranych rodziców, jesteś Edypem i przez fakt, że jesteś, powodujesz śmierć jakiegoś starucha, który okazuje się twoim ojcem. Zwykłe kozie historie.

Ale to za proste. W tej WIELKIEJ powieści, którą bym napisała, gdybym nie musiała dzisiaj na zebranie, a jutro smażyć konfitur, w tej powieści JA byłabym odpowiedzialna za całą rozpacz XXI wieku, który jeszcze kilkanaście lat temu myślał, że Historii nie ma, nie ma wojen, mordów, terroru, niewolnictwa, łamania prawa, reżimów, totalitaryzmów, że to wszystko odeszło na zawsze w ciągu ostatnich dwustu lat, a teraz nagle wróciło ohydną twarzą Kaczyńskiego, Putina, Erdogana i Trumpa, a jak wraca jako kobieta to jest Marią Le Pain i Hillary Clinton, a zło jak rtęć skropliło się we francuskich i rosyjskich retortach, wypuszczając na ulicę bezwładną siłę.

I tak, moi drodzy, rozsądni, oświeceni, mądrzy Czytelnicy. Jest ósma rano. Piszę już dla Was od dwóch godzin. Zaraz się ubiorę, zejdę na dół, kupię sobie świeże bułki na śniadanie, a wracając pójdę na podwórko, gdzie ten wyrzucony przeze mnie diabeł siedzi za kratami okien na parterze. To okna przedszkola, bo to niczemu nie winne przedszkolanki podniosły małego śmiesznego diabełka i posadziły go na oknie. Zabiorę tego diabełka i żeby dopełnić miary tego, że Berlin leży na Wschodzie, może będę musiała go spalić w jakiejś beczce, bo przecież dziś Halloween, dzień zmarłych, którzy wychodzą z ziemi, wyjeżdżają z morza na ogromnych motorach i wkładają straszne maski, żeby bić nas na śmierć.

Wenn ich aber den weggeworfenen vermeintlichen Teufel von dem Kindergartenfenster unten im Hof auflese, sehe ich, dass er auf den Backen rote Herzchen hat, auf dem Brust die Buchstaben DRUCK MICH und noch dazu Marienkäferfliegen. Es ist kein Zły, kein Teufel, eh ein Kindergeist. Deshalb sitzt er jetzt auf dem Kindergartenfenster und wartet auf mich, dass ich mich wieder seines annehme. Jetzt bin ich mir gar nicht sicher, was ich eigentlich mit ihm tun muss und entscheide auf ein Zeichen warten zu wollen. Na ja, Berlin liegt im Osten, wir, aus dem osten, sind Zauberervölker, wir glauben an wahre Magie, nicht nur auf Zaubertricks, bei uns haben sogar unsere kleine Tricks eine Hauch Geheimnis oder gar Mystik. Wir schauen in eine brennende Kerze und sehen etwas. Zapalam czerwoną świeczkę, gdy to piszę… Also auf ein Zeichen warten, das auch ganz schnell kommt. Es hat fast eilig, um zu kommen und den Teufel, der schon kein Teufel mehr ist, zu retten.

Es ist Halloween, ja, aber auch mexikanisches Totenfest. Man soll Bilder der Familiengestorbenen zum Fest bringen, kleine Geschenke, Süßigkeiten, schöne Dinge. Im Laden kaufe ich Schockogeld, wenn ich wieder raus bin, sehe ich ein Karton auf unserer kleinen Straße mit den Sachen zu Mitnehmen stehen. Ich nehme ein Engel und wenn ich im Begriff bin, schon weiterzugehen, sehe ich ein bisschen Abseits eine kleine schöne Tasche in einer Hecke hängen, wie sie ein Mädchen gern haben wird. Ich packe den Marienkäfer, Geld und Engel in die Tasche, zu Hause gebe ich ihn noch silbernes Herz, eine Muschel, ein Kristall und eine kleine rote Kerze zu. Auf Niemehrsehen kleiner Geist, klein Mädchen, geh zu ein Flüchtlingsmädchen, damit sie dich druckt und lieb hat und sich freut, dass du existierst. Endlich… Ein kleines vor 30 Jahren abgetriebenes Mädchen…

Teraz wszystko co się zdarzyło tego lata nabiera sensu. Przez długi czas nic mi się nie śniło, ale tego lata śniłam bardzo dużo i wyraziście. Oczywiście przede wszystkim były te wciąż mnie dręczące koszmary, kiedy minęły, sny i tak pozostały. Niedawno śniło mi się, że muszę przejść przez straszny czarny tunel-jaskinię w górach, niebezpieczny, ciemny, długi. Szłam nim, wiedząc, że za każdym załomem skały może się czaić coś złego, co mnie zabije. Bałam się, ale uparcie szłam do przodu. Wychodziłam na zewnątrz, było ciemno, nie mogło mnie więc prowadzić żadne światło na końcu tunelu. Rozglądałam się po nieznanej mi okolicy i… schodziłam z powrotem pod ziemię, do strasznej, krętej, ciemnej jaskini…

Bei jedem Satz den ich jetzt schreibe, sehe ich, wie er wachsen kann, sich erweitern, vermehren, zu einem Speidernetz mit den anderen verflechten. Ich seh, wie aus diesen schnell gekritzelten Notizen aus einer Nacht und eines Morgens ein Buch entsteht, ein Buch, das ich schon lange in mir trage, das in diesem unterirdischen Loch wartete.

Za każdym razem, gdy muszę wrócić do jaskini, jest mniej strasznie. Idę, ale idę coraz szybciej, na końcu biorę kogoś, kto się boi, za rękę i obiecuję, że przejdziemy spokojnie i że znam drogę. Nie wiem, kto to. Budzę się. Jest piękny jesienny dzień, idziemy na cmentarz, zapalamy białe i czerwone świeczki, wracam, zasypiam i…

Von diesem Traum, der mir heute träumt, wache ich weinend… Wir, und diesmal weiß mindestens zum Teil, wer wir ist… Wir waren in einem Konzertsaal. Ihn kenne ich auch, das ist der goldener Saal in der Stettiner Philharmonie, die so schön weiß seit zwei Jahren in Stettin protzt, ausgezeichnet mit dem Preis, das schönste Gebäude Europas 2015 zu sein. Diesmal sitzen wir aber auf der Bühne und nicht im Saal, der brechend voll ist. Alle kamen zu meiner Lesung. Jak się obudzę, to oczywiście będę dokładnie umiała powiedzieć, że sala w filharmonii to tak zwane „dzienne resztki”, które się nam śnią po nocach, a wieczór autorski ze snu, to dzisiejsza impreza w Brotfabrik. Ale na razie wciąż jeszcze mi się śni. Na scenie siedzi orkiestra trzech mężczyzn, koło mnie jako moi promotorzy czy towarzysze ulokowali się dwaj mężczyźni. Tylko ja jestem kobietą. Die kleine Band soll gleich anfangen mit der Musik, als ich aufstehe und scherze, ich würde gerne die Klarinettepart übernehmen. Ich habe zwar nie in meinem Leben, eine Klarinette gespielt, bin mir aber sicher, ich kann es spielend. So zu sagen. In dem Moment beginnt das Publikum den Saal zu verlassen. Ich gebe die Klarinette dem Musiker zurück, komme zum Bühnenrand und frage, worum es geht, weshalb sie alle gehen? Du hast deine Solidarität mit Natalie Przybysz verkündet, eine Musikerin, die offiziell sagte, dass sie abgetrieben hat. Solidaritätbekundung bedeutet, dass du es auch gemacht hast. Und vor zehn Tagen nahmest du an dem Schwarzen Protest der Frauen teil. Es ist ja auch ein Zeichen dafür…

Ja, sage ich, vor dreißig Jahren, am Anfang meines Lebens in Deutschland. Weil ich dem Mann, der mich geschwängert hat, nicht traute. Danach hat er es ganz klar bewiesen, dass ich recht hatte. Aber was soll es, jede zweite Frau in Polen hat mal abgetrieben. Jetzt ebenfalls wie in der kommunistischen Zeiten. Und auch wenn ich nicht abgetrieben hätte, hätte ich gesagt, dass ich es tat.

No tak, stąd to krwawe lato, to nie uroki, tylko coraz ostrzejsze nagany ze strony mojego własnego ciała. Ty też, ty też, musisz to powiedzieć.

Oni nie chcą cię słuchać, mówi mi ktoś. Rozumiem, mówię, nikt nie chce słuchać Kozuchy Kłamczuchy. Też nie lubię, jak koleżanka, która miała kilkudziesięciu kochanków, twierdzi, że to tylko ja byłam rozpustna i rozwiązła, ona nigdy. Albo jak sąsiadka po trzech skrobankach, o tylu wiem, nie chce podpisać petycji…

Aber natürlich es ist gar im Traum realistischer. Die Lüge, eine Lüge, mehrere Lügen interessieren niemanden. Ich gebe zu, dass ich abgetrieben habe. Jetzt gehen sie von meiner Lesung weg, in einem Jahr werden sie uns in den Knast bringen, in zehn Jahren steinigen…

Ich weine. Płaczę rozpaczliwie, jakieś męskie ramię, widzę tylko granatowy rękaw aksamitnej marynarki, obejmuje mnie i wyprowadza z pustej sceny, z pustej sali, z pustej filharmonii na pusty plac…

Ich weine in blanker Verzweiflung. Jemand führt mich aus, von der leeren Bühne, aus dem leeren Saal in der leeren Philharmonie auf den leeren Museumplatz. Das Museum heißt Umbrüche, Przełomy. Seine Umgebung, der Platz eben, auf dem ich jetzt in meinem Traum stehe, wurde im letzten Jahr als eine der schönsten öffentlichen Räumen Europas auserkort. Piękna przestrzeń publiczna, sagt man auf Polnisch. Nowa przestrzeń publiczna po przełomie jakim było rok temu bezwzględne zwycięstwo PiSu w wyborach.

Płaczę, ich weine…

Reblog: Das unmögliche Jahr 1917

1917: Das unmögliche Jahr

19. Januar 2017

Als Harry Graf Kessler, der Kulturflaneur, Weltbürger und Offizier, am 31. Dezember 1917 im noblen Restaurant des Berliner Hotels Kaiserhof zu Abend aß, musste er nicht hungern. Nur die Preissteigerung fiel ihm unangenehm auf: “Sylvesteressen für 25 M.: Gänseleberpastete, Schildkrötensuppe, Karpfen blau, Junge Pute vom Spiess mit Salat, Eisbecher. Recht gut und reichlich, wenn auch 25 M. mehr als das Doppelte des Friedenspreises ist.”

Das vergangene Jahr, daran war für ihn nicht zu zweifeln, habe den “grössten Umschwung in der Weltlage gesehen”, mit dem in diesem Ausmaß weder er noch andere hatten rechnen können. Mit der “russischen Revolution, dem russischen Frieden und der Einmischung Amerikas in Europa” sei es “eines der denkwürdigen Jahre der Weltgeschichte”.

Jedes Jahr des Ersten Weltkrieges brachte seine eigenen Herausforderungen und Umbrüche mit sich. Und doch war den Zeitgenossen Ende 1917 klar, dass sich eine besondere Zäsur andeutete, dass der Krieg in ein neues Stadium eingetreten war. Man spürte eine nach außen wie nach innen gerichtete Dynamik, die neue Möglichkeiten eröffnete und zugleich Katastrophen andeutete. Etwas veränderte sich, aber die Richtung war noch unklar, der Ausgang offen.

Das année impossible, das “unmögliche Jahr”, hat der französische Historiker Jean-Jacques Becker 1917 achtzig Jahre später genannt. Unmöglich waren die Belastungen, unvorstellbar die Opfer an den Fronten und in den Kriegsgesellschaften. Unmöglich schien es aber auch, die Ereignisse zu ordnen und abzuschätzen, welche Folgen die sich abzeichnende Verschiebung der politischen Gewichte und der Zerfall der alten Imperien – des Zarenreichs, der Habsburgermonarchie und des Osmanischen Reichs – haben würden.

Hundert Jahre später kennen wir dieses Gefühl nur zu gut. Im Rückblick sehen wir umso klarer: 1917 war tatsächlich, wie Kessler es ahnte, ein Jahrhundertjahr – und es wirkt bis in unsere Gegenwart hinein, denn viele der großen Konflikte und Hoffnungen des 20. und des noch jungen 21. Jahrhunderts liegen in ihm wie in einem Kern verdichtet.

Am Anfang steht der Schrecken des Stellungskrieges mit seinen immer weiter steigenden Opferzahlen. Zwar gelingt im Osten der Übergang zum Bewegungskrieg, was zum faktischen Sieg der Mittelmächte über Russland führt, im Westen aber bleiben die Fronten starr. Die Materialschlachten von 1916, vor Verdun und an der Somme (und an der Ostfront in Galizien), erzwingen neue Antworten, militärische wie politische.

Eine dieser Antworten ist die weitere Hochrüstung und Dynamisierung des Krieges, der nun vollends zum modernen Krieg des 20. Jahrhunderts wird – mit Bombardements aus der Luft, die immer weniger mit einem “ritterlichen Kampf” zu tun haben; mit der Ausweitung der U-Boot-Angriffe auf Versorgungskonvois; mit modernen Panzern, die am Ende des Jahres zum ersten Mal massenhaft gegen die deutsche Front eingesetzt werden.

Im Innern entwickelt sich der Krieg zu einem Test für den Zusammenhalt von Nationen und Gesellschaften. Im Deutschen Reich nehmen im “Steckrübenwinter” 1916/17 Unruhe und Unzufriedenheit massiv zu. In Großstädten weiden die Menschen auf der Straße die Kadaver erfrorener Pferde aus. Auf den Schwarzmärkten explodieren die Preise, Kriminalität gehört mehr und mehr zum Alltag. Die Ordnung des Kaiserreichs bekommt tiefe Risse.

In Frankreich nährt die äußerste Anstrengung für einen letzten großen Vorstoß im Frühjahr 1917 die Hoffnung auf ein nahes Kriegsende. Doch als die Offensive unter hohen Verlusten scheitert, schlägt die Enttäuschung in Protest um. In mehr als sechzig Divisionen meutern im Mai und Juni die Soldaten, während in der Heimat Tausende von Arbeitern – und vor allem Arbeiterinnen – demonstrieren und streiken. Es ist nicht Pazifismus, was die Franzosen aufbegehren lässt: Sie fordern faire, würdige Bedingungen, um den Krieg gegen die deutschen Angreifer und Besatzer fortzusetzen.

Während sich die meuternden Soldaten in Frankreich auf die Werte der egalitären Republik berufen, stellen die erschöpften und enttäuschten städtischen Massen in Russland die Ordnung des Zarenreichs grundsätzlich infrage. Am 15. März zwingen sie in Petrograd Nikolaus II. zur Abdankung. Siebzehn Monate später wird er auf Befehl der führenden Bolschewiki mitsamt seiner Familie ermordet.

Auch im Westen gibt es Neues

Anfang 1917 ist hingegen noch nicht ausgemacht, dass die Bolschewiki die Macht an sich reißen werden. Die aus der Februarrevolution hervorgegangene provisorische Regierung setzt unter der Führung von Kriegsminister Alexander Kerenski den Kampf an der Seite der Alliierten zunächst fort. Doch genau das gibt den Bolschewiki Auftrieb – worauf auch die deutsche Regierung setzt. Um das Zarenreich zu schwächen, schmuggelt sie im April den Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin aus dem Schweizer Exil nach Russland.

Mit dem Versprechen von Frieden, Brot und Land appellieren die Bolschewiki dort an Soldaten und Arbeiter. Mit Erfolg: Nach dem Scheitern der Kerenski-Offensive im Sommer löst sich der Zusammenhalt des russischen Militärs auf. Die Soldaten desertieren zu Tausenden, auch weil sie bei der Klärung der Landfrage zu Hause sein wollen.

Im Oktober schließlich nutzen die Bolschewiki die fortschreitende Auflösung staatlicher Strukturen zur Machtübernahme. Wenig später ziehen sie sich unter enormen territorialen Verlusten aus der Allianz gegen die Mittelmächte zurück. Die Weltrevolution, von der Leo Trotzki träumt, ist zunächst verschoben. Russland scheidet aus dem Krieg aus, weil Lenin erkennt, dass die Bolschewiki sich auf den Bürgerkrieg im eigenen Land konzentrieren müssen, wenn sie ihre Ziele langfristig durchsetzen wollen.

Auch im Westen gibt es Neues: Im April, Lenin ist gerade in Petrograd angekommen, treten die Vereinigten Staaten in den Krieg ein.

Diese Entscheidung hat mehrere Ursachen. Sie ist eine Reaktion auf den deutschen Versuch, mit dem unbeschränkten U-Boot-Krieg den Sieg zu erzwingen und die britische Blockade zu durchbrechen, die bereits Hunderttausende deutsche Zivilisten das Leben gekostet hat. US-Präsident Woodrow Wilson bringt aber auch eine eigene Agenda mit: 1917 übernehmen die USA eine neue welt- und europapolitische Rolle.

Indirekt haben die Vereinigten Staaten schon zuvor auf den Krieg eingewirkt. Großbritannien und Frankreich sind längst von amerikanischem Kapital und amerikanischen Kriegsgütern abhängig – so sehr, dass man im Frühjahr, zumal in London, alles daransetzt, die USA wenn nötig in diesen Krieg zu zwingen, um ihre militärischen und ökonomischen Ressourcen zu mobilisieren. Das hat allerdings seinen Preis: Es macht die Regierungen der europäischen Entente unter David Lloyd George und Georges Clemenceau viel stärker als bisher abhängig von der Politik Wilsons. Und dessen weltpolitische Konzepte werden die europäischen Kolonialmächte mindestens so sehr herausfordern wie Lenins Revolution.

Genau darin liegt die wohl wichtigste Wirkung dieses “unmöglichen Jahres”: Mit dem Machtwechsel in Russland und dem Kriegseintritt der USA zeichnen sich gleich zwei neue Ordnungsmodelle mit globaler Strahlkraft ab.

Bereits im Januar 1917 entwickelt der amerikanische Präsident seine Vision einer neuen Weltordnung, gegründet auf das Ideal nationaler Selbstbestimmung. Die “kleinen Völker” sollen auf einer Stufe mit den etablierten Mächten stehen: “Keine Nation sollte danach streben, ihr politisches System auf eine andere Nation oder ein anderes Volk auszudehnen”, verkündet er. Stattdessen solle jedes Volk “frei über sein politisches System, seine eigene Entwicklung bestimmen können, ungehindert, frei von Bedrohungen, unerschrocken, die kleinen Nationen an der Seite der großen und mächtigen”. Wilson will damit ausräumen, was er für eine Hauptursache des Krieges hält: die “Missachtung der Rechte von kleinen Nationen und Völkern, denen die Verbindungen und die Macht fehlten, ihre Ansprüche geltend zu machen und so ihre eigenen Bündnisse und politisch-konstitutionellen Formen zu bestimmen”.

Sein Appell findet ein gewaltiges Echo. Zuerst in den Bevölkerungen der multiethnischen Großreiche, in der Habsburgermonarchie, im Osmanischen Reich. Doch die neuen Ideale sind nicht nur ein Versprechen für Tschechen, Polen, Slowaken oder Araber, sondern auch für Inder, Chinesen und Koreaner. Sie stimulieren antikoloniale Bewegungen in Indien genauso wie in Ostasien und Afrika. Wilson avanciert zu einer Heilsfigur, überladen mit widersprüchlichen Erwartungen, die spätestens 1919 bei den Friedensverhandlungen kollidieren werden.

In London und Paris beobachtet man seine Ideen schon 1917 argwöhnisch, weil man eine Destabilisierung der eigenen Kolonialherrschaft in Afrika und Asien fürchtet. Und das in einem Moment, in dem Großbritannien und Frankreich mehr denn je auf Ressourcen und Soldaten aus ihren überseeischen Gebieten angewiesen sind, um den Krieg in Europa fortsetzen zu können.

Im November des Jahres legen die Bolschewiki ihr Programm vor. Auch sie erteilen der alten imperialistischen Geheimdiplomatie der europäischen Großmächte eine Absage – alle vom Zarenreich abgeschlossenen Geheimverträge mit der Entente werden offengelegt. Und ähnlich wie der US-Präsident bekennen sich auch die Bolschewiki zum Prinzip der Selbstbestimmung der Völker. Einen Krieg fortzusetzen, in dem “die starken und reichen Nationen die von ihnen annektierten schwachen Völkerschaften unter sich aufteilen”, verkünden sie, sei “das größte Verbrechen an der Menschheit”. Den Nationalbewegungen innerhalb des erodierenden multiethnischen Zarenreiches gibt dies enormen Auftrieb; der Zerfall des alten Imperiums schreitet rasant voran.

Eine kurze Atempause

Augenfälliger als solche Gemeinsamkeiten sind freilich die Unterschiede zu Wilsons Ideen: Anstelle demokratischer Interventionen im Namen von Kapitalismus und liberalem Internationalismus propagiert Lenin die Weltrevolution und den internationalisierten Bürgerkrieg – am Horizont scheint die Möglichkeit eines antikolonialen Befreiungskampfes in der ganzen Welt auf. 1917 deutet sich damit bereits jene Konstellation an, die den Kalten Krieg prägen wird.

Wie sehr Wilson fürchtet, dass die Bolschewiki die Deutungshoheit in diesem Ringen erobern könnten, zeigt sich am Ende des Jahres. Seine berühmten 14 Punkte vom Januar 1918 sind eine ideologische Offensive, um die Weltöffentlichkeit auf das Programm Washingtons einzuschwören. Was auch weitgehend gelingt: Während die Bolschewiki ihre Macht erst noch in einem blutigen Bürgerkrieg behaupten müssen, der auf russischer Seite in den kommenden Jahren mehr Tote fordern wird als der Weltkrieg bis zum Oktober 1917, erblicken die Menschen im “Wilson-Frieden” weltweit ein Hoffnungszeichen.

Kein fragiles Gleichgewicht egoistischer Machtinteressen mehr, sondern eine internationale Ordnung auf Grundlage von Selbstbestimmung und Freiheit, im Zeichen einer neuen Moral – dieses verheißungsvolle Versprechen wirft indes auch damals schon Fragen auf. Als sich Ende 1917 in Umrissen abzeichnet, was Wilson in Aussicht stellt, schreibt Thomas Mann: “Wir Menschen sollten uns nicht allzu viel Moral einbilden. Wenn wir zum Weltfrieden […] gelangen – auf dem Wege der Moral werden wir nicht zu ihm gelangt sein. Scheidemann sagte neulich, die Demokratie werde auf Grund der allgemeinen Erschöpfung reißende Fortschritte machen. Das ist nicht sehr ehrenvoll für die Demokratie – und für die Menschheit auch nicht. Denn die Moral aus Erschöpfung ist keine so recht erbauliche Moral.”

Zunächst allerdings wirkt Wilsons Programm keineswegs befriedend, sondern treibt die globale Expansion des Krieges voran. 1917 bringt eine Welle neuer Kriegserklärungen. Denn für viele Staaten gibt es auf einmal etwas zu gewinnen – vor allem einen Platz an den Tischen der Friedenskonferenz und damit eine Mitwirkung an der künftigen Weltordnung. Den USA folgen aufseiten der Entente zwischen April und November 1917 unter anderem Kuba, Guatemala, Siam, Liberia, China, Brasilien und Panama.

Auch im Nahen Osten herrscht Aufbruchstimmung. Das Osmanische Reich, verbündet mit Deutschland, steht Ende 1917 vor dem Kollaps – nicht zuletzt, weil die von den Briten geförderte arabische Rebellion gegen die osmanische Herrschaft erfolgreich ist. Im Dezember erobern britische Truppen Jerusalem. Es bleibt ein kurzer Triumph: Willkürlich gezogene Grenzen und die unvereinbaren britischen Versprechen an die Araber, die zionistische Bewegung und die eigenen Verbündeten werden dazu beitragen, die Region in das Pulverfass zu verwandeln, das sie bis heute ist.

Ein Frieden, ein Weltfrieden gar, ist 1917 in weiter Ferne – trotz aller Friedenssondierungen dieses Jahres. Erst machen die Abgeordneten des deutschen Reichstags einen Vorstoß, dann Karl, der neue Kaiser in Wien, schließlich Papst Benedikt XV. Aber alle Bemühungen scheitern, weil die militärische Situation offenbleibt und keine Seite die eigene Position schwächen will. Die deutsche Militärführung hofft angesichts des Ausscheidens Russlands umso mehr auf einen Siegfrieden – wenn die Menschen nur bereit sind durchzuhalten. Auch in Großbritannien und Frankreich mobilisiert man noch einmal alle Kräfte. Gerade angesichts der immensen Opfer der vergangenen vier Jahre gilt ein Kompromissfrieden als undenkbar, was zu einer paradoxen Selbstverlängerung des Kriegs führt: Je mehr Tote er fordert, desto bedingungsloser konzentriert man sich auf einen Sieg, der alle zurückliegenden Schrecken und Anstrengungen rechtfertigen muss.

Mehr und mehr ähneln die Regime und Kriegsgesellschaften Häusern, von denen nur noch die äußeren Wände stehen und die beim nächsten Einschlag in sich zusammenfallen können. “Der Sieger ist derjenige, der es schafft, eine Viertelstunde länger als der Gegner zu glauben, dass er nicht besiegt wurde”, schreibt Anfang 1918 der französische Kriegspremier Georges Clemenceau. Wer das sein wird, bleibt bis in den Spätsommer 1918 offen.

Harry Graf Kessler beobachtet im Dezember 1917 das sich abzeichnende Ende des Krieges in Osteuropa: “Heute treten in Brest-Litowsk die russischen und deutschen Bevollmächtigten zu Waffenstillstands-Verhandlungen zusammen”, notiert er in Erwartung einer “in so vielen Beziehungen weltgeschichtlichen Verhandlung”.

Für die Bolschewiki ist das Treffen eine kurze Atempause auf dem Weg von der Revolution zur Gründung der Sowjetunion. Deren Geschichte endete vor 25 Jahren kaum vierzig Kilometer vom Ort der Friedensverhandlungen entfernt. Dort liegt im Wald von Belowesch eine alte sowjetische Regierungsdatscha, in der sich am 8. Dezember 1991 der russische Präsident Boris Jelzin, Weißrusslands Parlamentschef Stanislaw Schuschkewitsch und der ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk treffen, um die Auflösung der Sowjetunion zu beschließen. 1917 bis 1991, das war das sowjetische 20. Jahrhundert.

Und die Vereinigten Staaten? 1917 begaben sie sich in eine neue historische Rolle, die weltweit Hoffnungen weckte. Heute, hundert Jahre später, scheint es denkbar, dass diese Politik, dass das lange amerikanische 20. Jahrhundert zu einem Ende kommt. Ermessen können werden es nur künftige Historiker: Erst im Rückblick bilden sich die Maßstäbe, die aus der bloßen Chronologie der Ereignisse historische Epochen hervortreten lassen.