
https://sprachcafe-polnisch.org/2025/05/i-badz-tu-chory-w-zdrowej-trzeciej-rzeszy/
Beiträge auf Deutsch
Monika Wrzosek-Müller
Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg
Von Szczepan Twardoch
Wir sitzen oben auf der Terrasse der Villa des Literarischen Colloquiums am Wannsee, unten geht eine riesige orangene Sonne unter; alles taucht in ein bläuliches, dann violettes Licht, es sieht magisch aus. Die Menschen sitzen dicht gedrängt, nicht nur im Saal, und es sind nicht nur Polen hier, wenn sie auch deutlich die Mehrheit bilden. Viele junge Menschen, auch erstaunlich viele junge Männer, auffallend gut angezogen, vielleicht folgen sie dem Helden des Abends.
Continue reading “Frauenblick auf die Nulllinie”

Monika Wrzosek-Müller
Wie erstaunlich es ist, dass ein Treffen mit einem jungen Menschen, der seinen Weg wirklich im Kleinsten, im Detail, in der Hingabe und dem meditativen Tun gesucht und darin die Erfüllung gefunden hat, mir endlich ein bisschen Hoffnung für die Zukunft gibt. Das Streben der ganzen Welt nach dem Großen, Unbeirrbaren, Fantastischen, Super-Exzellenten und vor allem nur nach dem ultimativen Deal macht uns klein und krank. Doch es gibt junge Leute, die zwar strebsam, ehrgeizig und fleißig sind, aber im kleinen Vorwärtskommen ihr Leben gestalten, ohne sich aufzuspielen. Das Beispiel von Marceli Klimek, der ein Künstler, ein Magier der Stickerei ist, zeigt das. Der junge Mensch (21 Jahre alt), noch in Ausbildung, aber schon sichtbar präsent, entwirft und zaubert Unheimliches. Wir sind vielleicht deshalb so fasziniert, weil seine Kunst der Stickerei uns in vergangene Welten führt, uns an unsere Omas erinnert, manchmal auch an die Handarbeiten in der Grundschule. Auf jeden Fall weht ein sanfter Wind der vorsichtigen Nostalgie und der verzaubert uns. Über den Künstler und über seine Ausstellung in der Galerie art.endart in Berlin gibt es hier schon mehrere Einträge und Berichte.
Continue reading “Die Hoffnung stirbt zuletzt”Ewa Maria Slaska
In fremden Schuhen
Ich bin nur vier Jahre nach dem Kriegsende in Gdańsk geboren, aber ich muss gestehen, dass mir das sehr lange nicht klar war. Der Krieg war so weit entfernt, obwohl er die Gegenwart vor allem bestimmte. Er war immer da. Er wurde zur Abschreckung benutzt, als Vergleichszäsur – vor dem Krieg…. nach dem Krieg; nach dem Krieg war selbstverständlich alles besser… Er lieferte den Stoff für unzählige Filme, Bücher, Bilder. Und natürlich spielten die Jungen Krieg. Er war immer da, real und irreal zugleich. Der Schrecken und die Angst waren real, er selbst aber war irreal, bedeutete nichts und hielt sich eher in meinen Albträumen auf.
Continue reading “Meine Kriege. Kindheit.”Ewa Maria Slaska
Ein Lob der Frauenarbeit als Aufbau einer Utopie
Ein Text nach einer Konferenz zum Entmythologisieren des Mythos von Trümmerfrauen
Motto der Konferenz:
Nach jedem Krieg muss jemand alles aufräumen.
Wisława Szymborska
Das Buch zum Entmythologisieren
Die „Trümmerfrau“ gehört zum festen Repertoire nahezu jeder historischen Darstellung der Nachkriegszeit, ganz gleich, ob in TV- und Printmedien, in Schulbüchern oder in Ausstellungen der historischen Museen. Seit Anfang der 1950er Jahre bis in unsere unmittelbare Gegenwart kam es darüber hinaus in den unterschiedlichsten Städten immer wieder zur Errichtung von „Trümmerfrauen“-Denkmälern. Leonie Treber hat erstmals die überlieferten Fakten geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass die „Trümmerfrauen“ ein Mythos sind; es gibt nur ganz wenige Belege dafür, dass tatsächlich Frauen im Krieg und in der Nachkriegszeit Bombentrümmer beseitigt haben. Wie für Mythen gemeinhin üblich, handelt es sich bei den heute verbreiteten stereotypen „Trümmerfrauen“-Narrativen jedoch keineswegs um reine Lügen, vielmehr enthalten sie einige Brocken Wahrheit, die jedoch mitunter verfälscht und aus dem Kontext gerissen sind bzw. Wesentliches verschweigen. Die Autorin stellt dar, wie die Enttrümmerung der deutschen Städte tatsächlich stattgefunden hat. Meist waren professionelle Firmen mit technischem Großgerät und Fachkräften die Hauptakteure bei der Trümmerräumung. Und sie zeigt, wie der Mythos „Trümmerfrau“ mit all seinen Facetten entstanden ist. Die Grundlagen für den Mythos der „Trümmerfrau“ wurden bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit gelegt. Eine Analyse der zeitgenössischen Presseerzeugnisse von 1945 bis 1949 legt die dabei entworfenen Bilder offen und fragt nach dem Ursprung des „Trümmerfrauen“-Begriffs. Die Traditionslinien der „Trümmerfrauen“ reichen in der DDR bis ins Jahr 1945 zurück und sind seitdem niemals abgebrochen, sondern kontinuierlich gepflegt worden. Die lange und stabile Tradierung der „Trümmerfrau“ in der Erinnerungskultur der DDR trug somit wesentlich dazu bei, dass sich aus den getrennten und zum Teil diametral gegenüberliegenden Erinnerungssträngen der BRD und der DDR schließlich der gesamtdeutsche Erinnerungsort der „Trümmerfrau“ flechten ließ.1
Hinzu kommt noch der Vorwurf, dass die Frauen nicht umsonst, ehrenamtlich und freiwillig gearbeitet haben, sondern nur, um sich Vorteile zu sichern, Geld, Essenskarten, Kleider, gar Wohnungen.
Continue reading “Meine Kriege. Ruinen.”Monika Wrzosek-Müller
Ich bin einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren und hatte inzwischen berechtigten Grund zu glauben, dass mich der Weltkrieg wenig anginge und beträfe, trotz der traumatischen Kriegserfahrungen meiner Großeltern und Eltern. Vielleicht wollten wir alle den Krieg einfach hinter uns lassen, vergessen, obgleich – oder vielleicht weil – wir in den Schulen ständig damit konfrontiert worden waren. Der russische Überfall auf die Ukraine war für mich ein Schock, trotz der Vorzeichen seit der Annexion der Krim von 2014; so wie Tausende andere Menschen konnte ich mir nicht vorstellen, dass Putin so etwas wagen würde. Noch in den Tagen direkt vor dem Angriff von 2022 sah ich, damals im polnischen Fernsehen, die militärischen Manöver an der Grenze zur Ukraine und war trotzdem überzeugt, dass es nicht zum endgültigen Bruch mit der zivilisierten Welt kommen würde.
Continue reading “Was mich der Krieg angeht”Michael G. Müller
In den Wochen vor dem 80. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 haben sich die deutschen Medien mit Beiträgen zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg gegenseitig überboten. Oder genauer: mit Beiträgen über die deutschen Erfahrungen des Untergangs: Über Hitlers letzte Monate und Wochen in der „Wolfsschanze“, über die verheerenden und wahrscheinlich sinnlosen (weil militärisch nicht mehr bedeutsamen) Bombenangriffe auf Dresden oder Potsdam in den Wochen vor Kriegsende, die letzte große Schlacht der Wehrmacht gegen die Rote Armee auf den Seelower Höhen und den Handschlag zwischen Rotarmisten und amerikanischen GIs in Torgau im April 1945, die Kämpfe in den Straßen Berlins im Mai, die jeweilige Stunde der Kapitulation in Remagen, Kassel, Chemnitz…
Continue reading “Wann hatten wir Krieg?”Heute jährt sich zum 80. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem Anlass werde ich hier in der nächsten Woche oder gar in den nächsten zehn Tagen Beiträge über den Krieg veröffentlichen. Ich lade die Leser ein, weitere Texte einzureichen.
Ewa Maria Slaska
Ich wurde kurz nach dem Krieg geboren. Mein Kindheitskrieg habe ich schon im Bauch meiner Mutter bekommen. In meinen Träumen sah ich die Straßen wo die Häuser brannten. Meine Mutter und ich liefen unter den Flammen. Ich war immer nur mit meiner Mutter.
Als kleines Kind habe ich Todesangst vor dem Krieg, dem, der vorbei war und dem, der kommen wird. Ich hatte Angst. Um mich herum alles behauptete, dieser Krieg stehe kurz bevor oder käme wieder und die Deutschen würden uns wieder töten.
Continue reading “Meine Kriege. Geschichte.”