Wielka Orkiestra w Berlinie / Polnisches Hilfeorchester in Berlin (Charity)

Das Datum des 26. WOŚP-Finales ist schon festgelegt – notiert den 13. Januar in euren Kalendern, weil da was abgehen wird! 🎉🎶✨

WAS IST EIN WOŚP-FINALE?
➤ Eintägige Spendensammlung, die jedes Jahr von dem Großen Orchester der Weihnachtshilfe organisiert wird ❤️
➤ Eine alle möglichen Teilungen und Unterschiede übergreifende Veranstaltung – egal, wen du anfeuerst, welche Pizza du magst oder wie du dein Klopapier aufhängst 🖖🏽
➤ Das Ziel – Hilfe bei der Behandlung der Kinder sowie eine würdige Seniorenpflege 💰
➤ Ein internationales Fest – an den Finalen nehmen über 1500 Städte/Stäbe teil! 🌎
➤ “Das Licht zum Himmel” – die Finale-Tradition. Wir zünden Wunderkerzen an und senden positive Gedanken, wo sie am meisten nötig sind ✨
➤ Leckeres polnisches Essen 😋
➤ Konzerte, Versteigerungen, Kinderprogramm und wunderbare Atmosphäre 🤘🏼

w sobotę 13 stycznia od godziny 12
Samstag 13. Januar ab 12 Uhr

Restauracja La Luz
Adresse
Oudenarder Str. 16-20
13347 Berlin–Wedding
Telefon
(030) 450 892 30

➤ Jednodniowa zbiórka publiczna organizowana co roku przez Fundację Wielkiej Orkiestry Świątecznej Pomocy ❤️
➤ Wydarzenie ponad podziałami – nieważne, komu kibicujesz, na kogo głosowałeś, czy lubisz hawajską i którą stroną wieszasz papier toaletowy! 🖖🏽
➤ Cel zbiórki – pomoc w leczeniu chorych dzieciaków i godna opieka geriatryczna dla starszych 💰
➤ Międzynarodowe święto – w Finałach bierze udział ponad 1500 miast/sztabów! 🌎
➤ „Światełko do nieba” – finałowa tradycja. Odpalamy zimne ognie i kierujemy pozytywne myśli tam, gdzie są najbardziej potrzebne ✨
➤ Pyszne polskie jedzenie 😋
➤ Koncerty, aukcje, losowania, atrakcje dla dzieciaków i świetna atmosfera 🤘🏼


And the day after!

🇵🇱 >> Kochani, DZIĘ-KU-JE-MY! 🙏🏼 Według wstępnych obliczeń zebraliśmy PONAD 9000 EURO—a to nie wszystko! 🎉 To znaczy, że TRZYKROTNIE przebiliśmy nasz zeszłoroczny rekord! 😱 Idziemy odespać ten dzień pełen emocji, a już od jutra działamy dalej ❤️❤️❤️

🇩🇪 >> IhrLlieben, DANKE SCHÖN! 🙏🏼 Wir wissen bereits, dass wir ÜBER 9000 EURO gesammelt haben—und das ist nicht alles! 🎉 Das ist dreimal so viel wie vor einem Jahr! Wir mussen jetzt ausschlafen, aber ab morgen geht es weiter! ❤️❤️❤️

🇺🇸 >> THANK YOU, friends! 🙏🏼 According to our first count, we already have OVER 9000 EURO—and that’s not even all of it! 🎉 This means we’ve more than TRIPLED last year’s record! 😱 Time to call it a day, but in the morning we’re starting prep for 2019 ❤️❤️

Na Saksy 3 – Und wieder ein Besuch bei den Reichen

Łucja Fice

Ilona

Ich bog von der Strasse ab, die mich jeden Tag in die Maisfelder führte, das war mein ritueller Spaziergang. Dann machte ich doch einen Abstecher und ging zu Ilona. Ich wollte mit jemandem polnisch sprechen, auch wenn’s der Teufel selbst sein sollte. Immerhin hat mich Ilona zum erneuten Besuch eingeladen. An diesem Tag dachte ich überhaupt viel an sie, irgendwie gab es eine Ebene, die uns verband. Ich fühlte mehr, als ich wusste, dass ich sie besuchen muss.

Ich ging durch die Gartenpforte hinein. Die Haustüren standen weit offen. Der Ingenieur saß im Sessel und rauchte. Er war traurig, niedergedrückt und irgendwie älter, als an dem Tag, als ich ihn kennenlernte. Die Tür zu Ilonas Zimmer war auf. Ich schaute hinein. Ilona schlief tief, mit einer Weinflasche in der Hand.

“Hallo, Ilona!” Ich musste schreien, der ihr Radio war voll aufgedreht. Sie wachte auf und setzte sich hin.
“Ach, du bist das! Shit, wozu bist du denn hergekommen? Na gut! Wenn du schon da bist, kann ich dich ja kaum fortjagen. Weißt du was? Ich bin heute besoffen, wie ‘ne alte Nutte.” Sie guckte mich mit einem melancholischen, mädchenhaften Lächeln an und fragte: “Willst du auch?”
“Mach’ mir bitte einen Kaffee.”

Ilona versuchte aufzustehen, sie wankte, sie kam einfach nicht ins Gleichgewicht.

“Scheiße, hilf mir doch!” Ich musste sie festhalten, sonst würde sie umfallen. Ich glaubte meinen Augen nicht.
“Ich hab’ getrunken, weil ich dieses Leben einfach satt habe. Ich will nach Hause, zu meiner Familie! Ich will vergessen, dass ich hier bin! Was soll dieses beschissene Leben hier überhaupt?”

Als ich die Worte nach HAUSE hörte, durchzuckte mich ein merkwürdiger Krampf. Ich fühlte einen entfernten Geruch, oder vielleicht nur eine Emanation, etwas im Sinne der Erinnerung an bestimmte Dinge, die das Wort ZUHAUSE ausmachen.

“Damit du etwas zu meckern hast!” Mir kam nur das in den Sinn.
Bis du aber klug. Wie Thales von Milet.”
Nein! dachte ich, wie eine Klobrille aus Ebonit.
“Hast du etwas von Thales gelesen?” wagte ich zu fragen.
“Nein! Nur ‘Omelette’.” Sie lachte spöttisch. Ich half ihr beim aufstehen. Sie lief wankend zum Schreibtisch, worauf ein Kreuz mit Jesus stand. Sie nahm ihn und begann ihn zu küssen.
“Jesus wird mich erlösen. Er starb für meine Sünden.”
“Niemand wird für dich sterben! Das tust du irgendwann von ganz alleine! Warum hast du dich so zugedröhnt? Du säufst während des Vertrags?”
“Ja. Ich kann es nicht erwarten, hier weg zu kommen.”
“Das ist kein schlechter Job hier, so wie ich es einschätzen kann.”
“Verpiss dich, du Stute! Wenn du nicht mit mir trinkst, kannste dich verziehen. Ich weiß selbst, was gut ist und was nicht.” Sie stellte sich theatralisch in Pose. “Wozu bist du hier angekrochen? Ich brauche deine Hilfe nicht.”

Auf ihr Gesicht krochen, neben die Falten, die sich beim wilden Gelächter in ihren Mundwinkeln bildeten, Spuren von Zynismus, die ihr Gesicht verzerrten. Plötzlich schlug sie einen anderen Ton an, als hätte sich ihr Charakter gewandelt.

“Gabi! Ich bin krank, ich löse mich in Alkohol auf. Ich möchte alles von mir abtrennen, abreißen. Ich möchte mich von meinem Namen, von meiner Biografie, von meinen Männern, von meinen Liebhabern befreien, mich von ihren riesigen Gliedern unabhängig machen, dass sie nicht mehr in mich reinschlüpfen. Gabi! Ich bin tief gefallen, in einem Doppelsalto ohne Sicherheitsnetz. In meinem Kopf dröhnen ‘Sobieski’ und ‘Chopin’*. Ich weiß, meine Klagen sind wie die Mühe eines Stotterers, ha, ha, ha, und mein Schädel reproduziert nur zerbrochene Stimmen und die räudige Geschichte meines Lebens. Meine Männer verplemperte ich in verschiedenen Ländern. Und ich bin, wo ich bin. Ich will nach HAUSE, nach Polen.”

In meinem Hirn herrschte vorübergehende Armut, ich versuchte meine Gedanken zu sammeln.

“Polen reist mit mir mit. Und hier, in Deutschland übe ich, in der Grätsche, Beharrlichkeit in der Sehnsucht nach HAUSE. Wenn ich aus Deutschland zurückkomme, begrüßt mich ein feierliches Polen, in einem eleganten Kostüm und teuren Schuhen. Zu Hause bin ich, genauso wie du, nur Gast. Ich ziehe die Schuhe aus, gehe hinein, bleibe ein bisschen wohnen und fahre wieder weg.”

Einen Moment lang war es still. Ich dachte über die triviale Beichte Ilonas nach. Sie machte mich verlegen. Nach einer Weile begann sie zu tanzen und irgendein deutsches Lied zu singen. Sie bewegte sich so phlegmatisch, als stecke sie im Pech. Ich dachte insgeheim, ich hätte noch nie so einem Kabarett zugesehen. Ich stand da mit zusammengepresstem Kiefer und sah sie giftig an. Ich schaute auf ihre großen Brüste. Sie hatte eine Trainingshose mit ausgebeulten Taschen und ein Trägertop an.

“Und wo ist Linda?”fragte ich besorgt.
“Noch im Bett. Was denn? Soll ich diese Leiche ins Zimmer bringen und so tun, als ob alles in Ordnung sei? Solche Leute sollte man nicht am Leben erhalten”. Das was sie sagte, klang auch besoffen.

Ich entgegnete nichts, da sie volltrunken war. Ihr Gesicht war purpurrot vor Jähzorn, die Augenbrauen formten sich zu einem V, aber ich glaubte trotzdem nicht, dass sie wirklich so denkt. In ihren dunkeln Augen sah ich Groll auf die Welt und ich rechtfertigte sogar ihre Gedanken, als ich sah, wie sich ihre Stimmung von Sekunde auf Sekunde änderte.

“Gabi! Ich packe es einfach nicht mehr”. Über ihr Gesicht rollten Tränen, wie bei einem kleinen Mädchen.

Ilona kam näher, umarmte mich und begann zu schluchzen. “Weißt du, was ich für Sorgen habe? Der Gerichtsvollzieher will mein Gehalt pfänden und meine Tochter hatte eine Klage wegen Rauschgift am Hals. Sie kriegte zehn Monate mit drei Jahren Bewährung, da sie jung ist und resozialisiert werden kann. Meine andere Tochter taugt auch nicht viel, aber beide arbeiten jetzt wenigstens.”

Ilona setzte sich wieder hin und kramte die nächste Flasche unterm Bett hervor. Sie war erstaunt, dass sie leer ist. Sie bückte sich noch einmal und holte diesmal eine volle hervor. Sie hielt sie zwischen den Knien, um den Korken rauszuziehen. Sie baumelte und keuchte dabei. Das war ein erbärmlicher und komischer Anblick zugleich.

“Du kannst mich wie eine Schlampe behandeln”, sagte sie mit einer Grimasse und setzte die Flasche an ihren Mund an, wie ein Säugling.
“Mein Gott! Wen habe ich da kennengelernt? Ein totaler Reinfall. Ich komme nie wieder her”, beschloss ich.

Ilona leerte die Flasche, warf sie auf den Boden und stand auf. Sie torkelte noch mehr. Das durch das Fenster einfallende Licht erhellte einen Teil ihres Gesichts, die breiten Augenbrauen und die hervorstehenden, hohen Wangenknochen. Ich stand wie erstarrt da.

“Komm, wir gehen zu der alten, die ist dreckig, riecht kaum nach deinem Chanel Nr. 5”. Ich lief ihr ins Schlafzimmer hinterher. Linda zog die Decke hoch. Stimmt! Der Geruch versprach nichts Gutes.
“Was machst du nun?” 
Ilona hüstelte. Sie schaute sich in dem Zimmer um, als wäre sie zum ersten Mal hier. “Ich warte, bis ich nüchtern bin. Der wird schon nichts passieren. Komm, wir holen eine neue Flasche. Ins Erdgeschoss, ich muss mich richtig zudröhnen.”
“Du bist doch schon zugedröhnt.”
“Du trinkst aber auch!”
“Warum musstest du dich dermaßen betrinken?”, wagte ich zu fragen.
“Zuerst habe ich mit dem Ingenieur Gin getrunken, das ist sein Lieblingsgesöff, dann irgendwelchen minderwertigen Sherry und dann, bereits auf meinem Zimmer mehrere Gläser Bordeaux aus den Vorräten des Hausherren und dann noch eine Flaschen von meinem billigen Gesöff.”
“Mein Gott, das ist ja eine Explosivmischung, stellte ich weise fest.
“Eben. Und das hat mir geschadet”, kicherte sie unnatürlich, als sei sie eine Hexe. Sie war ganz schön zu.

Sie führte mich durch die mit antiseptischem Bodenbelag ausgelegte Diele, dann über die marmorne Treppe in den Keller. Ich musste sie festhalten. Wir kamen in eine dunkle Kammer, wo neben Kühl- und Gefrierschränken verschiedene Gegenstände und Gartengeräte standen. Ilona öffnete mit Wucht einen der Kühlschränke und begann alles rauszuschmeißen. Tiefkühlkost, Schinken, Würste, Käse, Butter, Milch und Gott weiß, was noch. Sie knallte die Tür zu.
“Nimm, was du willst”. Sie reichte mir die Würste.
“Ilonka! Liebling! Tu das alles wieder rein!”
Ich versuchte alles, was sie auf den Boden schmiss, wieder einzusammeln. Ilona ging zum Weinregal, nahm eine Flasche und versuchte, den Korken rauszuziehen. Dafür reichte ihre Kraft aber nicht. Sie warf die Flasche heftig auf den Boden. Die Flasche zerbrach, der Inhalt floss raus. Ilona trat an den Tisch, wo das Werkzeug lag, Hammer, Nägel und anderes Gerümpel. Sie griff nach dem Hammer und begann, auf die Flaschen einzuhämmern, so dass sie zerbarsten. Der Wein breitete sich zu einem roten Fluss aus. Sie kniete sich auf den Boden und schleckte die rote Flüssigkeit.

“Hallo! Was tust du da?” Für einen Moment wurde es still. Ich stellte mir alle diese kleinen Wesen vor, die jetzt in den Ecken saßen, uns beobachteten und vor Angst zitterten. Ilona legte die Hände um ihren Kopf, als wollte sie ihn vor einem Schlag schützen.
“Mein Schädel platzt gleich. Hilf mir, aufzustehen!”
Ihre Worte klangen nicht nach einer Bitte. Es war ein Befehl. Sie drehte sich auf den Rücken. Ich sah, wie ihr die Tränen ihre Wangen runterrollen. Sie schluchzte hysterisch. Ich versuchte, sie zu beruhigen, sie schaute aber wieder auf die Flaschen. Plötzlich schien sie ernüchtert zu sein und versuchte wieder, vom Fußboden aufzustehen.
“Scheiße! Ich bin vollkommen okay!”
Ich dachte: “Das ist nur eine Vorstellung. Das geschieht nicht wirklich.”

Ich blätterte in meinem persönlichen Wörterbuch und stellte fest, dass ich das, was ich fühlte und sah, nicht benennen konnte. Die Armut der Sprache überraschte mich. Obwohl ich solche Begriffe, wie: eklig, widerlich, gemein, niederträchtig, verrückt… vorrätig hatte, dienten sie nicht zu ihrer Beschreibung, sondern nur zu ihrer Verurteilung. Ich fragte mich, wie es möglich ist, dass sie hier als Pflegerin arbeitet. Ilona hob ihren Kopf und blickte mich wie ein Mädchen an, dass zornig ist, weil es bei etwas ertappt wurde, was unschicklich ist. Ich half ihr beim Aufstehen, aber sie fiel wieder auf den Boden, steif, wie eine Puppe. Ich beschloss, dem Ingenieur Bescheid zu sagen. Ich drehte mich noch kurz um und sah, dass Ilona mich mit Wahn in den Augen anschaut, mühsam aufsteht und eine Flasche unter ihren Arm klemmt, als sei sie etwas besonders wertvolles. Über ihren Kopf sah ich eine Gewitterwolke. Sie schrie mit schriller Stimme: “Ich komme zu dir!”
“Gabi, komm zurück, ich hab’ mich eingepinkelt”.
“Du hast vermutlich dein eigenes Gehirn rausgepinkelt!”, schrie ich von der Treppe. Ich ekelte mich vor ihr und vor ihrem Zustand. Bevor ich im Erdgeschoss war, hörte ich Schritte hinter mir. Ilona schlich mühevoll die Treppe hoch.

***

Ich fand Hugo im Garten. Er saß mit traurigem Gesicht am Tisch und hielt ein Mundharmonika in der Hand. Mein Blick fiel auf die Vase mit Jasminzweigen. Als Hugo mich sah, führte er den Harmonika zum Mund und innerhalb weniger Sekunden begann das Instrument eine mir unbekannte Melodie zu leben. Sie schien jasminfarben zu sein. Ich stand einen Moment lang geschockt da. Ich zögerte und begann dann doch zu sprechen:
“Hugo! Ilona ist betrunken und zertrümmert die Weinflaschen.”
Der Harmonika an seinem Mund begann sich schneller zu bewegen, als wollte er meine Worte übertönen. Die Melodie vereinnahmte allmählich den ganzen Garten. Plötzlich hörte er auf und sah mir direkt in die Augen. In seinem Blick bemerkte ich Schwermut, Verzweiflung und, ich glaube, ein Geheimnis. Ich spürte, dass er es mit niemandem teilen will.
“Das ist nicht das erste Mal! Lass uns allein, Gabi! Komme morgen wieder.”
“Hugo! Warum entlässt du sie nicht? Rufe doch die Agentur an. Auf diese Stelle warten hunderte andere, verlässliche Pflegerinnen. Warum redest du nicht mit ihr? Warum säuft Ilona so?
Hugo hob die Brauen. “Wenn sie sich tot saufen will, soll sie’s möglichst bald tun”, erwiderte er und griff wieder nach dem Harmonika.

Ich verstand rein gar nichts davon. Als ich die Gleichgültigkeit dieses Mannes sah, beschloss ich, zu gehen. Je mehr ich die Situation in diesem Haus verstehen wollte, desto dümmer wurde ich.

Christmas in Weißrussland/ Belarus/ Białoruś/ Беларусь

W samą wigilię Bożego Narodzenia (24 grudnia, czyli 6 stycznia według kalendarza juliańskiego), zwaną po rosyjsku soczelnikiem, obowiązuje prawosławnych najostrzejszy post w ciągu tych 6 tygodni. Powstrzymują się wówczas cały dzień od jedzenia. Wieczorem spożywa się kutię, zwaną biedną (postną). Kutia bogata ze specjalnymi dodatkami spożywana jest dopiero w noc noworoczną, czyli z 13 na 14 stycznia i w uroczystość Chrztu Pańskiego (19 stycznia).

Johanna Rubinroth & Tanja Krüger

Vom Siegesstern zum Weihnachtsstern / Od Gwiazdy Zwycięstwa do Gwiazdy Betlejemskiej

Szopa w salonie 16

Łukasz Szopa

Święta – czyli o Piekle

Święta, okres rodzinny, okres radości, miłości, podarunków, wspólnoty i innych pięknych rzeczy. Czas nadejścia zbawiciela i latających aniołków. Warto więc napisać kilka słów o piekle.

Nie, nie będę pisał o corocznym tradycyjnym piekle czy piekiełku świąteczno-rodzinnym, czyli pełnym stresu gonieniem za prezentami, nerowym przygotowywaniem żarcia i wkurzającym stawianiu choinki. Nie będzie o piekiełku między teściową a synową, między skłóconymi braćmi, chłodem i agresją między żoną a mężem, córką a braćmi, czy o pełnych emocji rozmowach o przeszłości, przyszłości, czy polityce. To każdy zna z własnego podwórka najlepiej.

Będzie ten tekst pochwałą moich rodaków – Polaków. Za wiarę. Za wiarę – w piekło.

Tak się składa, że kilka lat temu na łamach niemieckiego tygodnika pisałem (https://www.freitag.de/autoren/lukasz-szopa/wo-zum-teufel-ist-nur-die-hoelle-geblieben) o dziwiącej mnie niezmiernie, wynikającej z badań opinii publicznej na „Zachodzie“, olbrzymiej dysproporcji między odsetkiem ludzi wierzących w „niebo“, a dużo mniejszym odsetkiem wierzącym w „piekło“ (cokolwiek mielibyśmy, czy oni, pod tymi słowami rozumieć). Nie mogłem pojąć, skąd – wśród tych, co w cokolwiek „pozagrobowego“ wierzą – taka różnica. W „niebo“, czyli „fajny zaświat“, wierzy 40 do 50 procent, w piekło – prawie połowa mniej. Czy to naiwność, ta wiara, że „potem“ będzie raczej „pięknie i słodko“, niż „strasznie i boleśnie“? Czy to Wunschdenken (myślenie „życzeniowe“)? Czy nazbyt proste przeciwstawienie oceny sytuacji „przyziemnej“ (oj jak tu źle i strasznie!) to tego, co ma być potem (oczywiście – na „nagrodę“ lub nie – lepiej!), takie tanie „yin-yang“?

Tym bardziej, że – osobiście nie wierząc w jakiekolwiek „zaświaty“ i życie „pozagrobowe“ – uważam, że jeśli Bóg istnieje, i jeśli miałoby istnieć jakiekolwiek „po“ – to nie widzę powodów czy argumentów czy przesłanek, by prawdpodobieństwo „nieba“ miałoby być wyższe niż „piekła“. Gdyż wychodzę z założenia, że jeśli Bóg istnieje, i jeśli coś dla nas „na potem“ przygotował – to jako istoty ludzkie mamy zero szans i możliwości poznania i zawyrokowania, co dla nas przygotował.

W Polsce z kolei, i to od lat (ostatnie dane jakie wyłowiłem to rok 1997) – wiara w piekło jest stabilna, waha się od 56 do 61%, podczas gdy wiara w „niebo“ czy „zbawienie“ niewiele większa, w granicach 61 do 72%. Dowód, że Polacy nie tylko mocniej wierzą w jakąkolwiek „przyszłość pozagrobową“, ale i że niekoniecznie preferują wiarę w „marchewkę“ nad wiarą w „kij“. Oczywiście, dane statystycznie niestety nie mówią, czy nie jest czasem tak, że wierzą w marchewkę dla siebie, a w kij – dla innych… (męża, żony, brata, siostry, teściowej, synowej, stryjka, sąsiadki, szefa, prezesa, ojca dyrektora i tak dalej…)

Engel und Pietas

Manfred Wolff

Ich wohne nicht in einem Museum

Nein, Sie betreten kein Museum, wenn Sie mich besuchen in unserer Berliner Wohnung. Aber Sie betreten Geschichte: die Geschichte meiner Familie, die Geschichte meiner Ehe und auch meine Geschichte. Und diese Geschichte ist nicht museal tot – sie ist unser Leben.

Im Flur werden Sie begrüßt von bunten Wänden. Hinterglasbilder mit Heiligen und Räubern bedecken die Wände. Meine Frau Urszula hat diese Schätze aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesammelt. Sie stammen in der Mehrzahl aus der polnischen Tatra, aber auch Volkskünstler aus anderen Regionen sind unter den Autoren. Gleich bei der Ankunft begegnen Sie aber auch schon Józef Chełmowski. Von oben, aus einer Ecke heraus begrüßt Sie ein Engel des kaschubischen Künstlers. Auf der Kommode zur rechten stehen einige seiner Engel und links von der Tür zum Wohnzimmer hat dieser Engel seinen Platz, mit dem unsere Sammlung von Chełmowskis Arbeiten begann: „Hominem te esse memento“, sagt er. Über der Wohnzimmertür hängt ein dramatisches Bild von Tadeusz Żak. Engel und Teufel kämpfen um die Seelen der Bewohner eines kleinen polnischen Dorfes. Wie wird das ausgehen?

Wenn Sie nun das Wohnzimmer betreten, lassen Sie den Blick nicht nach links abschweifen, denn dort gibt es nicht viel zu sehen, obwohl es ein Ort künstlerischen Schaffens ist, wo aus einfachen Dingen Werke entstehen, die auf vielfältige Weise die Sinne erfreuen und Menschen stärken, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Es ist die Küche…

Im Wohnzimmer empfängt Sie wieder ein Engel, nun aber fast mannsgroß mit vier Flügeln, ein Erzengel eben. Er trägt die Tracht einer kaschubischen Frau und blickt streng prüfend auf die Eintretenden und auf das, was sich an unserem Tisch so abspielt. Das ist unser Schutzengel, und er hat sich schon deutlich sichtbar den Kopf zerbrochen über all die Narrheiten, die unser Leben so ausmachen. Nüchternere denken da eher, dass das Holz, aus dem Chełmowski ihn geschlagen hat, wohl sehr jung war, sodass es jetzt durch den dauernden Aufenthalt in einer gut beheizten Stube einen Spalt gerissen hat.

Der Engel steht am Tisch, und um den Tisch stehen die Stühle, die meine Großeltern mütterlicherseits erwarben, als sie ihren Ehestand begründeten. Sie sind nun schon 110 Jahre alt. Mein Großvater konnte nur sieben Jahre darauf sitzen. Er fiel zu Beginn des Ersten Weltkriegs am Hartmannsweilerkopf, dem Menschenfresserberg im Elsass. Obwohl zur rechten eine gutbürgerliche Polstergarnitur einlädt, sitzen wir doch meist auf diesen Stühlen. Vielleicht sitzt Großvater ja noch manchmal dabei und freut sich, dass seine damalige Anschaffung noch immer in Ehren gehalten wird, Mittelpunkt eines Familienlebens ist, wie er es sich gewünscht hat.

Auch die Kommode und das Vertiko, beide an den Türen mit Jugendstilornamentik geschmückt, sind Erbstücke aus dem Besitz meiner Großeltern. Das Vertiko wird von einer Vielzahl bunter Vögel bewohnt, Schöpfungen polnischer Volkskünstler, und auf der Kommode stehen die Schafe Davids des Bildhauers Bronisław Chromy, in Krakau verliehen für unsere Verdienste um die Jüdisch-Polnisch-Deutsche Verständigung sowie zwei kleine Pegasusfiguren von Adam Myjak, mit denen uns die Warschauer Akademie der Künste für unsere Förderung der polnischen Kunst in Deutschland auszeichnete.

Über der Kommode hängt an der Wand das älteste Stück unserer Wohnung, eine Uhr, die mein Urgroßvater mütterlicherseits seiner Frau zur Silberhochzeit schenkte. Sie geht immer noch zuverlässig. An jedem Sonntag ziehe ich sie auf (klingt ein bisschen wie Tristram Shandy). 129 Jahre ist sie alt. Sie hat die letzten Stunden meiner Urgroßeltern, meiner Großmutter und meiner Eltern geschlagen und sie wird auch unsere letzte Stunde schlagen – hoffentlich nicht so bald…

Eine Halbwand wird von einer Schrankwand im Kajütstil eingenommen, auf der sich auch wieder zahlreiche geschnitzte Vögel tummeln: Eulen und Tukane, Störche und Gänse, und an einer Seitenwand des Schranks hämmert fleißig ein Specht.

Der Raum daneben ist Bildern unseres Freundes Edward Narkiewicz vorbehalten: Surrealistische Kompositionen von verschmitzter Heiterkeit und melancholischer Nachdenklichkeit. Gegenüber eine Wand mit Arbeiten von Jan Dobkowski in geometrischer Strenge und überschäumender Phantasie. Natürlich hängen auch über dem Sofa Bilder, aber kein brüllender Hirsch oder eine Schlittenfahrt im Winter. Es sind Gemälde von Andrzej Węcławski, Jan Aniserowicz, Dorota Grynczel, Apoloniusz Węgłowski, Piotr Lutyński, Paul Rascheja, Ellen Fuhr und Charlotte Petersen.

So viel Kunst verlangt nach einer Ruhezone für das Auge. Die Fensterfront bildet bei geschlossenem Lamellenvorhang eine große weiße Wand, ohne jedwede Kunst.

Im Durchgang zu den hinteren Räumen hängen zeitkritische Bilder des naiven Malers Stanisław Żywolewski aus Hajnówka, oben auf dem langen Bücherregal haben Schnitzereien von verschiedenen Volkskünstlern ihren Platz gefunden mit Szenen aus dem alttestamentarischen Leben. In Urszulas Arbeitszimmer füllen Grafiken und Zeichnungen die Wände. Mehrere Pietas runden hier das vielfältige Bild der polnischen Volkskunst ab. In meinem Arbeitszimmer schmücken Radierungen von Irena Snarska die Wand, und Maximilian Kolbe sowie der heilige Franziskus leisten acht Figuren des Chrystus Frasobliwy Gesellschaft.

Auf den Schränken im Schlafzimmer findet siebenmal die Weihnachtsgeschichte statt in Form von Krippen, und gegenüber den Betten hängt ein buntes Kaleidoskop von Aquarellen, Zeichnungen und Pastellen, darunter Arbeiten von Erna Rosenstein, Jan Dobkowski, Rafał Strent, Marian Nowiński, Kazimierz Furga und Jacek Dyrzyński. So ist unser letzter Blick am Abend und unser erster Blick am Morgen natürlich auf Kunst gerichtet.

Selbst in dem Raum, den andere einer streng geometrisch-konstruktivistischen Keramikkunst widmen, geht es nicht ohne künstlerische Schönheit bei uns ab. Vier Terrakottaplastiken zieren hier das sonst sehr einfallslose Umfeld.

Alles in unserer Wohnung hat eine Geschichte. Wenn man mit diesen Dingen lebt, erzählen sie ihre Geschichte und werden Teil der eigenen Geschichte, jenseits jeder Geschichtspolitik. Die Kunst macht uns Mut, den Geschichten zu lauschen und sie selbst weiter zu erzählen: Ein weiteres Kapitel polnisch-deutscher Geschichte.


Text © Manfred Wolff, siehe Blog
Fotos © Urszula Usakowska-Wolff, siehe Homepage & Blog 

1. Engel von Józef Chełmowski im Flur
2. Siamesischer Engel von Józef Chełmowski
3. Apokalyptischer Engel von Józef Chełmowski im Flur
4. Eckengel von Józef Chełmowski im Flur
5. Kaschubischer Engel von Józef Chełmowski im Wohnzimmer
6. Heinrich Heine von Józef Chełmowski im Wohnzimmer
7. Blick ins Wohnzimmer I
8. Blick ins Wohnzimmer II
9. Heilige und Christusse sitzen auf der Fensterbank in Manfreds Wohnzimmer
10. Pietas in Urszulas Arbeitszimmer

Zamiast choinki / Anstelle eines Weihnachtsbaumes

Picuture published by our friend Monika Saczyńska

Und unten (ohne abzugucken) solche Dekoration bei Dorota Kot / Poniżej podobna dekoracja u Doroty Kot, która wcale nie tu szukała inspiracji.

No i oczywiście, jak zawsze, obowiązkowa choinka z książek, tu z księgarni FiKa w Szczecinie (www.fikaszczecin.blogspot.com).

Und wie immer, ein Weihnachtsbaum aus Büchern, diesmal in FiKa-Buchhandlung in Stettin.

A tu choinka z książek Krystyny Koziewicz / Buchweihnachtsbaum von Krystyna Koziewicz.

Mein Weihnachtsbaum wanderte diesmal am 1. Adwent vom Balkon zum Überwintern ins Wohnzimmer. Noch dazu: Keine Dekoration ist gekauft worden, alles ist gefunden oder geschenkt worden, oder es sind meine Schals und Perlenketten, alltägliche Gegenstände also, die umfunktioniert wurden, damit der Mix aus Adventskranz und Weihnachtsbaum in diesem Jahr rot wirkt. Die blaue Figur oben links ist eine Skulptur von Barbara Piwarska-Ur.

Moja tegoroczna choinka przywędrowała na przezimowanie z balkonu i jest mixem wieńca adwentowego z choinką. Wszystkie dekoracje są albo znalezione, albo podarowane albo przerobione z przedmiotów codziennego użytku. Ciemnoniebieska kobieta po lewej stronie zdjęcia u góry to rzeźba Barbary Piwarskiej-Ur.

Podróżnik berliński, Maciej Łuszczyński-Łempka pokazuje, jakie są choinki w Gruzji / Hier ein Foto aus Georgien:

No i hit wszechczasów, już tu przed rokiem publikowany – choinka Sebastiana! / Und der beste Weihnachstbaum aller Zeiten, publiziert hier schon Mal im Jahre 2016 – Weihnachstbaum von Sebastian!

Szopa w salonie 15

Łukasz Szopa

Bliskie Falklandy i Malwiny

Chciałem wczoraj napisać mailowy list do Haniji. Tak, Ismaila Haniji, szefa Hamasu, dokładnie tego. Chodziło mi o pewien brak logiki w ich – Hamasu – myśleniu, i pragnąłem życzliwie zwrócić uwagę. Bo rozumiem, że nie podoba im się fakt, że USA jednostronnie deklarują Jerozolimę jako stolicę Izraela. Choć można by się kłócić, czy to komukolwiek innemu przeszkadza, by Jerozolimę zadeklarować jako stolicę Palestyny, czy choćby Niemiec (pamiętajmy, że niemieccy cesarze przez wieki byli Królami Jerozolimy!) No, ale Hamas uważa to za bezczelność, prowokację, akt wrogości, wręcz „deklarację wojny“. No dobrze, niech im będzie. Ale dlaczego w takim razie nawołują do intifady przeciwko Izraelowi??? Po pierwsze, jak są wściekli na jakiś akt polityczny USA – to podług logiki powinni im wypowiedzieć intifadę czy wręcz wojnę. Tym bardziej, po drugie, że przecież Izraela Hamas w ogóle nie uznaje – jak więc walczyć z kimś, kogo teoretycznie wcale nie ma?? Wreszcie, po trzecie, ale to już na marginesie: czy można nawoływać do trzeciej intifady, gdy jakoś nigdzie nie widać oficjalnego glejtu kończącego i pierwszą, i drugą?

Ale na szczęście, zanim znalazłem w sieci maila od Hamiji i do niego napisałem, zastanowiłem się. Nie tyle nad logiką i siłą moich argumentów (bo są niezaprzeczalnie wodoodporne), ale nad czymś innym: Czemu, drogi Łukaszku, kręci cię nagle ten temat Jerozolimy, Hamasu, Palestyny, Izraela i Trumpa? Czemu nagle chcesz pisać maile, co cię tak nakręca?, podczas gdy jakoś w sprawie wojny w Południowym Sudanie czy ataków agresji i prześladowań Rohingów w Burmie jakoś pisać ci się ostatnio nie chciało?

I czy właśnie nie dokładnie to krytykowałeś jakiś czas temu w podobnym tekście do berlińskiego tygodnika „Der Freitag“ (https://www.freitag.de/autoren/lukasz-szopa/die-besetzten-themen-gebiete)- tę przypominającą dwa obozy kibiców stronniczość i zainteresowanie Europejczyków to Izraelem, to Palestyńczykami, to „Bliskim Wschodem“ w ogóle (nota bene wymyślony termin, by uniknąć dyplomatycznych pułapek gdy jednak trzeba wymówić słowa jak „Izrael“ czy „Palestyna“. Wcześniej też myślałem, że to definicja geograficzna, taki trójkącik od Turcji po Iran na wschodzie i Jemen na południu.)

Że dla politycznie zainteresowanych (mniej lub bardziej, czyli od stammtischów po politologów) Europejczyków (a i Amerykanów czy Rosjan) śledzenie, ocena i kibicowanie „meczowi“ Izrael-Palestyna stało się hobby, głównie z uwagi na emocje. No i nawyki. Po roku 1945 większość Europejczyków z uwagi na Szoah nabrała nawyku martwienia się o los Izraela. Tak, nawyku, gdyż tylko mniejszość z nich naprawdę nosiła i nosi w sercu i głowie autentyczną troskę o los tego kraju i jego obywateli. Ale podobnie po 1967 z losem Palestyńczyków. Ich fani też tylko pielęgnują nawyk solidarności z Palestyną, przepędzonymi i okupowanymi Arabami – i też głównie nabrali tego nawyku nie z osobistych wycieczek w te strony, a po prostu – z mediów i polityki. Gdyż tak naprawdę to żadne szczere sympatie, a po prostu powierzchowne branie strony tego, który jest przeciwnikiem tego, którego nie lubimy. Nie lubimy Arabów czy muzułmanów – to bronimy Izraela, Izraelczyków i Żydów. I odwrotnie – dla antysemitów nic prostszego jak solidarność z Palestyńczykami. No i wreszcie są i tacy jak ja: nie solidaryzują się jednoznacznie z nikim (ze wszystkimi?), a mimo to na „Bliski Wschód“ i losy jego mieszkańców zerkają i reagują jednak częściej niż na Zachodnią Saharę czy choćby Libię – nota bene obywa państwa położone bliżej większości europejskich domostw niż Izrael/Palestyna.

Ale cóż, efekt taki, że właśnie tak powstał ten tekst… Więc żeby tak nie kończyć, zakończę lamentem nad własnym nie-pisaniem o Tybetańczykach, Uigurach, Sudańczykach i Kongolezyjczykach. Albo też o tym, że dzięki gwiazdom Hollywoodu o „wolnym Tybecie“ słychać częściej niż o wolności dla Xinjiangu czy Kaszmiru, a wojna w Darfurze była dzięki Jurkowi Clooney częściej na ekranach niż ta w Południowym Sudanie czy Kongu. I przypomnę, że moje zaangażowanie „polityczne“ zaczęło się już w 2 klasie podstawówki, gdy wybuchła wojna między Argentyną a Wielką Brytanią o „Falklandy-Malwiny“. Wtedy klasa – głównie chłopcy – podzielili się też dość szybko na dwa obozy „zwolenników“: Jedni byli za „Malwinami“, drudzy za „Falklandami“ – nie wiedząc, że to po prostu dwie różne nazwy tej samej grupy wysp…

Barataria 44 Atlas der Abgelegenen Insel 2 (Reblog)

Judith Schalansky

Vorbemerkung zur Taschenbuchausgabe

DIESER ATLAS ist wie jeder Atlas das Ergebnis einer Entdeckungsreise. Sie begann vor drei Jahren, als ich im Kartenlesesaal der Berliner Staatsbibliothek um den mannshohen Globus herumging, und die Namen jener winzigen Flecken Land las, die in den Weiten der Ozeane verloren gegangen zu sein schienen, und die auf mich gerade wegen ihrer Abgelegenheit besonders einladend wirkten.

Sie erschienen mir ähnlich verheißungsvoll wie die weißen Flecken jenseits der gestrichelten Linien, die auf alten Landkarten den Horizont der bekannten Welt abstecken. Ware unsere Welt noch nicht rundherum entdeckt, hätte ich vielleicht auf einem Schiff angeheuert, in der Hoffnung, als Erste noch unbekanntes Land zu sichten oder gar zu betreten, und mich durch diese bloße Tatsache in zukünftige Atlanten zu schreiben. Doch die Zeiten, in der uns jede Weltumseglung neue Küstenlinien und Namen bescherte, sind endgültig vorbei. Mir blieb nur übrig, meine Entdeckungen in der Bibliothek zu machen, angetrieben von dem Wunsch, in seltenen Kartenwerken und entlegener Forschungsliteratur meine Insel zu fnden, die ich nicht mit kolonialistischem Eifer, sondern mit meiner Sehnsucht in Besitz nehmen wollte.

Dabei entsprach meine Phantasie durchaus dem gängigen Inselbild von Idylle und Utopie, der viel versprechenden Vorstellung, alles noch einmal anders machen zu Land können, fände man nur den einen perfekten Ort, weit weg von den Zwängen des Festlandes, ein Platz, an dem man zur Ruhe, zu sich kommen und sich endlich mal auf das Wesentliche konzentrieren kann.

WAS MIR AUF MEINER FORSCHUNGSREISE begegnete, waren jedoch keine Schauplätze romantischer Gegenentwürfe, sondern Inseln, denen man wünschen würde, sie wären unentdeckt geblieben, verstörend karge Orte, deren Reichtum allein die Vielzahl furchtbarer Begebenheiten ausmacht, die sich auf ihnen zugetragen haben. Während ich also eine schreckliche Geschichte nach der anderen fand und anfing, literweise Orangensaft zu trinken, um der durch alle Berichte geisternden Vitaminmangelkrankheit Skorbut vorzubeugen, packte mich erst deprimiertes Entsetzen, dann wohliger Grusel.

Es war wie mit den Gemälden des Jüngsten Gerichts, auf denen die Hölle mit ihren furchterregenden Monstern und detailliert geschilderten Foltermethoden den Blick fesselt, und nicht der Garten Eden. Im Paradies mag es schön sein, aber interessant ist es nicht.

DIE FRAGE NACH DEM Wahrheitsgehalt dieser Texte ist irreführend. Es kann darauf keine eindeutige Antwort geben. Ich habe nichts erfunden. Aber ich habe alles gefunden, diese Geschichten entdeckt und sie mir so zu eigen gemacht wie die Seefahrer das von ihnen entdeckte Land. Alle Texte in diesem Buch sind recherchiert, jedes Detail aus Quellen geschöpft. Ob sich all jenes genauso zugetragen hat, ist schon allein deshalb nicht zu klären, weil Inseln jenseits ihrer tatsächlichen geographischen Koordinaten immer Projektionsflächen bleiben, derer wir nicht mit wissenschaftlichen Methoden, sondern nur mit literarischen Mitteln habhaft werden können. Dieser Atlas ist somit vor allem ein poetisches Projekt. Wenn der Globus rundherum bereisbar ist, besteht die eigentliche Herausforderung darin, zu Hause zu bleiben und die Welt von dort aus zu entdecken.

Berlin, im Juni 2011

DAS PARADIES IST EINE INSEL. DIE HÖLLE AUCH.

Vorwort

ICH BIN mit dem Atlas groß geworden. Und als Atlas-Kind war ich natürlich nie im Ausland. Dass ein Mädchen aus meiner Klasse tatsächlich, wie es in ihrem Kinderausweis stand, in Helsinki geboren sein sollte, war mir unvorstellbar. H-e-l-s-i-n-k-i – diese acht Buchstaben wurden für mich zum Schlüssel zu einer anderen Welt, und es ist noch heute so, dass ich Deutschen, die zum Beispiel in Nairobi oder Los Angeles geboren sind, mit unverhohlener Verwunderung begegne und sie nicht selten für bloße Aufschneider halte. Genauso gut könnten sie behaupten, aus Atlantis, Thule oder dem El Dorado zu kommen. Eigentlich weiß ich natürlich, dass es Nairobi und Los Angeles wirklich gibt. Diese Städte sind ja auf den Karten verzeichnet. Aber dass man dort tatsächlich gewesen oder sogar auf die Welt gekommen sein kann, bleibt mir nach wie vor unbegreiflich.

WAHRSCHEINLICH liebte ich Atlanten deshalb so sehr, weil mir ihre Linien, Farben und Namen die wirklichen Orte ersetzten, die ich ohnehin nicht aufsuchen konnte. Und das blieb auch so, als sich alles änderte, die Welt bereisbar wurde und mein Geburtsland samt seinen eingezeichneten und gefühlten Grenzen von den Karten verschwand.

Ich hatte mich bereits an die Fingerreisen im Atlas gewöhnt, die Eroberung ferner Welten im Wohnzimmer der Eltern, das flüstern fremder Namen. Atlas für jedermann hieß der erste Atlas meines Lebens. Dass er, wie jeder andere auch – einer Ideologie verpflichtet war, zeigte in unmissverständlicher Deutlichkeit seine Weltkarte, die so auf der Doppelseite platziert war, dass Bundesrepublik und DDR auf zwei verschiedenen Buchseiten lagen. Hier verlief zwischen den zwei deutschen Ländern keine Mauer, kein Eiserner Vorhang, sondern der zu beiden Seiten weiß blitzende, unüberwindbare Falz. Dass das Provisorische der DDR in westdeutschen Schulatlanten wiederum gern durch gestrichelte Linien und die mysteriöse Abkürzung ›SBZ‹ behauptet wurde, erfuhr ich erst später, als ich mit dem importierten Diercke die Flüsse und Gebirge der nun mehr als doppelt so großen Heimat auswendig lernen musste.
Seitdem misstraue ich den politischen Weltkarten, in denen die Länder wie bunte Handtücher auf dem blauen Meer liegen. Sie veralten schnell und geben kaum mehr Auskunft, als wer welche Farbflecken vorübergehend verwaltet.

WIE VIEL MEHR ERZÄHLT dagegen das Kartenbild, das die Natur nicht verstaatlicht, sondern sie über alle von Menschen gemachten Grenzen hinweg vergleichbar werden lässt. In den physischen Topografen können die Landmassen vom tiefebenen Dunkelgrün bis zum hochgebirgigen Rotbraun oder polaren Gletscherweiß leuchten und die Meere in allen Blautönen erstrahlen – erhaben über den Lauf der Geschichte.
Natürlich zähmen auch diese Kartenbilder die natürliche Wildnis durch gnadenlose Generalisierung, welche die Vielfalt der realen Geografie reduziert, sie durch stellvertretende Zeichen ersetzt und darüber entscheidet, ob ein paar Bäume schon einen Wald ergeben, ob eine menschliche Spur als Pfad oder Feldweg registriert wird. So ist die Autobahn auf Karten dem Maßstab widersprechend breit, wird eine deutsche Millionenstadt mit dem gleichen Viereck beschrieben wie eine chinesische, und eine arktische Bucht leuchtet genauso blau wie eine pazifische, weil beide die gleiche Meerestiefe haben. Die Eisberge, die sich in Ersterer türmen, werden hingegen einfach verschwiegen.

Landkarten sind abstrakt und gleichzeitig konkret – und bieten bei aller vermessenen Objektivität doch kein Abbild der Wirklichkeit, sondern eine kühne Interpretation.

Polnische Ausgabe des Buches (Verlag Dwie Siostry 2014)

DIE LINIEN erweisen sich dabei als wahre Verwandlungskünstlerinnen, sie durchkreuzen als kühles mathematisches Raster der Meridiane und Parallelkreise ohne Rücksicht Land und Wasser oder zeichnen als organische Höhenlinien Gebirge, Täler und Meerestiefen nach und sorgen – unterstützt von der Schatten werfenden Schummerung – dafür, dass die Erde ihre Körperlichkeit behält.

Dass der auf der Landkarte reisende Finger durchaus als erotische Geste verstanden werden kann, wurde mir vollends bewusst, als ich in der Berliner Staatsbibliothek zum ersten Mal dem pornografischen Pendant des Atlas begegnete, dem relieferten Globus, bei dem die Vertiefungen des Marianengrabens und die Höhenzüge des Himalaja geradezu obszön greifbar werden.

Natürlich entspricht der Globus der Erde eher als die Kartensammlung im Atlas und kann zudem in Juggendzimmern fernwehmütige Stimmung verbreiten. Die Kugelform ist aber so genial wie heikel. Die haltlose Gestalt der Erde hat keine Ränder, kennt weder oben noch unten, weder Anfang noch Ende und lässt eine Seite immer im Verborgenen.

IM ATLAS DAGEGEN darf die Erde noch so übersichtlich und flach sein, wie sie es lange Zeit war, bevor Entdeckungsreisen den verheißungsvollen weißen Flecken der unerforschten Gebiete Konturen und Namen gaben und die Ränder der Weltkarten von den sich dort tummelnden Seeungeheuern und skurrilen Monsterrassen befreiten. Schließlich wurde auch jener riesige Wunschkontinent auf der Südhalbkugel zum Verschwinden gebracht, dessen Name gleich doppelt falsch war: Terra ausrralis incognita – wenn das Land unbekannt war, wieso war es dann benannt?

Die Welt auf einen Blick sichtbar machen zu wollen, wirft Probleme auf, die nicht befriedigend zu lösen sind. Alle Projektionen stellen die Welt verzerrt dar. Entweder stimmen die Entfernungen, die Winkel oder die Verhältnisse der flächen nicht. So kommt es etwa zu jenem winkeltreuen Weltbild mit schamlos verzerrten Länderproportionen, auf denen der zweitgrößte Kontinent Afrika genauso groß aussieht wie die weltgrößte Insel Grönland, die in Wirklichkeit jedoch vierzehnmal kleiner ist. Es ist einfach nicht möglich, die gekrümmte Oberfläche der Erde mit gleichzeitiger Flächen-, Längen- und Winkeltreue auf eine ebene Fläche zu projizieren. Die zweidimensionale Weltkarte ist ein Kompromiss, der die Kartografie zu einer Kunst zwischen ungehörig vereinfachender Abstraktion und ästhetischer Weltaneignung werden ließ. Am Ende geht es schlichtweg darum, die Welt zu erfassen, nach Norden auszurichten und gottgleich zu überblicken. So wird ein vermeintlich objektives Weltganzes mit wissenschaftlichem Wahrheitsanspruch präsentiert, der auch nicht davor zurückschreckt, die irdischen Planisphären ›Weltkarten‹ zu nennen, so als gäbe es kein Sonnensystem oder Weltall. Natürlich müsste es ›Erdkarten‹ heißen. Es heißt ja auch nicht ›Weltkunde‹!

VOR EIN PAAR JAHREN zeigte mir meine Typografieprofessorin ein riesiges Buch, das sie in einem massigen Planschrank aufbewahrte. Ich hatte schon einiges aus ihrer Sammlung gesehen, historische Poesiealben, aquarellierte Zeichnungen von Wurstsorten, Törtchen und Schleifen sowie die längst veraltete Ausgabe eines Kompendiums mit dem vielversprechendsten Titel, den ein Buch haben kann: Ich sag Dir alles. Das war nicht untertrieben: In diesem Band folgte auf eine Schautafel sämtlicher Bartmoden ein Querschnitt des menschlichen Gebisses und auf die Daten der ökumenischen Konzile eine Tabelle der wichtigsten Attentate der Neuzeit, was den wunderbaren Kolumnentitel ›Konzile/Attentate‹ möglich machte.

Doch jetzt holte sie einen in blaues Marmorpapier eingeschlagenen Folianten aus zerknittertem Seidenpapier hervor, der selbst Ich sag Dir alles in den Schatten stellte. Jede der glatten, angegilbten Seiten war voll von geometrischen Konstruktionen, Kreuzen, Kästchen, einfachen, doppelten, dreifachen, gestrichelten und durchgezogenen Linien, von lichten, kursiven und verzierten Schriftzügen, Abkürzungen, Pfeilen und Symbolen, von aquarellierten Farbfeldern und feinsten Schraffierungen. Hier wurden alle Protagonisten der kartografischen Erzählung einzeln aufgelistet und geübt, sogar die schwarz-weiß gestreiften Rändchen und die Maßstabskalen. An manchen Stellen war der Strich der Feder noch etwas ungelenk, andere Seiten waren so vollkommen, als wären sie nicht von Menschenhand gemacht. Bei dem Band handelte es sich um die gebundene Sammlung von topografischen Zeichnungen aus der Lehrzeit eines französischen Kartografen zwischen 1887 und 1889, wie die schmuckreichen Versalien der Titelei verrieten. Im hinteren Vorsatzpapier entdeckte ich ein einzelnes, kleinformatiges Blatt. Es zeigte die Karte einer Insel, hatte einen Rahmen samt dem Trompe-lœil eines gezeichneten Knicks an der unteren linken Ecke, jedoch weder Maßstab noch Beschriftung. Auf diesem stummen, namenlosen Eiland erhob sich ein wulstiges Massiv braun aquarellierter Gebirgszüge, in deren Talsohlen kleine Seen lagen und sich Flüsse schlängelnd ihren Weg ins Meer suchten, das nur von der blauen Kontur des Küstenverlaufs angedeutet wurde.

Ich stellte mir vor, dass der Kartograf erst diese Insel zeichnen musste, ehe er sich an das Festland wagen durfte, und plötzlich wurde mir klar, dass Inseln nichts als kleine Kontinente und die Kontinente wiederum nichts anderes als sehr, sehr große Inseln sind. Dieser klar umrissene Flecken Land war ganz und gar vollkommen und gleichzeitig verloren, wie das lose Blatt, auf das er gezeichnet worden war. Jeglicher Bezug zum Festland war hier abhandengekommen. Der Rest der Welt wurde einfach verschwiegen. Eine einsamere Insel habe ich nie gesehen.

TATSÄCHLICH gibt es eine Reihe von Inseln, die so weit von ihrem Mutterland entfernt sind, dass sie nicht mehr auf die nationalen Karten passen. Meistens werden sie dann übergangen; bisweilen erhalten sie einen Platz am kartografischen Katzentisch: eingepfercht in einen gerahmten Kasten, an den Rand gedrängt, mit eigenem Maßstab, aber ohne Auskunft über ihre tatsächliche Lage. So werden sie zu Fußnoten des Festlandes, in gewisser Weise entbehrlich, aber ungleich interessanter als der gewichtige, kontinentale Korpus. Es ist ohnehin nur eine Frage des Standpunktes, ob ein Eiland wie die Osterinsel abgelegen ist. Die Einwohner, die Rapa Nui, nennen ihre Heimat jedenfalls Te Pito o te Henua, den ›Nabel der Welt‹. Auf der endlosen, kugelförmigen Erde kann jeder Punkt zum Zentrum werden. Nur vom Festland aus gesehen ist eine solche Insel, das Werk von aktiven und erloschenen Vulkanen, entlegen. Die Tatsache, dass von ihr aus das nächste Land Wochenreisen mit dem Schiff entfernt ist, macht die Insel in den Köpfen der Kontinentalbewohner zu einem idealen Ort und das vom Wasser umgebene Land zur perfekten Projektionsfläche für utopische Experimente und irdische Paradiese: Auf dem südatlantischen Eiland Tristan da Cunha lebten im 19. Jahrhundert sieben Sippen unter der patriarchalen Herrschaft des Schotten William Glass in mikrokommunistischer Eintracht. Der zivilisations- und weltwirtschaftskrisenmüde Berliner Zahnarzt Dr. Ritter gründete 1929 auf der Galapagosinsel Floreana eine Einsiedelei, in der er auf alles Überflüssige verzichten wollte – die Kleidung eingeschlossen. Und der Amerikaner Robert Dean Frisbie zog in den 20er Jahren auf das pazifische Atoll Pukapuka, wo er – einem klassischen Motiv der Südseeliteratur entsprechend – eine bemerkens- und beneidenswerte Freizügigkeit vorfand. Hier scheint die Insel ganz bei sich, noch in einem unbefangenen Urzustand, als Paradies vor dem Sündenfall, schamlos, aber unschuldig.

DIE FASZINATION SOLCH abgeschiedener Orte erlag auch der kalifornische Seemann George Hugh Banning, der Anfang des 20. Jahrhunderts als gemeiner Matrose das pazifische Meer befuhr, mit dem innigen Wunsch, irgendwo Schiffbruch zu erleiden. Wo das geschehen sollte, war ihm egal, solange es eine gottverlassene Örtlichkeit war, die das Wasser allseits umgab. Aber zunächst sollte er Pech haben und musste desillusioniert feststellen: Wir liefen nur ›interessante‹ Inseln an, wie Oahu und Tahiti, wo Kaugummihüllen und amerikanische Redensarten fast ebenso häufig sind wie Bananenschalen und Windgeflüster in Palmenwipfeln. Schließlich hatte er Glück und durfte mit zu einer Expedition in mexikanische Gewässer auf einer der ersten Dieseljachten mit elektrischem Antrieb. Die fahrt ging zu den Inseln Südkaliforniens (Socorro), von denen er sicher wusste, dass sie kaum je aufgesucht worden waren, weil dort nichts ist, wie die Leute behaupteten. Als er vor seiner Abreise gefragt wurde, was denn dort zu holen sei, antwortete er: Nichts und das ist gerade das Schöne.

ANZIEHUNGSKRAfT des schönen Nichts war es auch, die Expeditionen ins Ewige Eis lockte (Rudolf-Insel), um das buchstäbliche Nichts der polaren Punkte aufzusuchen, nachdem weltreisende Nationen die vegetations- und rohstoffreichen Welten bereits gefunden und unter sich aufgeteilt hatten. So bedeutete auch das unbetretene Land der antarktischen Peter-I.-Insel eine nicht hinnehmbare Kränkung für den menschlichen Drang, Spuren zu hinterlassen, und bot zudem die Möglichkeit, sich doch noch einen Platz in der Geschichte zu sichern. Drei Expeditionen vermochten es nicht, die fast vollständig vereiste Insel zu bezwingen. Erst 1929 – 108 Jahre nach ihrer Entdeckung – gelang eine Landung, und bis in die 90er-Jahre hinein waren mehr Menschen auf dem Mond als auf diesem Eiland.

VIELE ABGELEGENE INSELN erweisen sich als doppelt unerreichbar. Der Weg zu ihnen ist lang und beschwerlich, die Anlandung lebensgefährlich bis unmöglich, und selbst wenn sie gelingt, entpuppt sich das so lang ersehnte Land häufg genug – als hätte man es nicht schon geahnt – als öde und wertlos. Die Beschreibungen in den Expeditionsberichten ähneln sich. Leutnant Charles Wilkes vermerkte: Die Macquarieinsel bietet keinerlei Anreiz für einen Besuch. Auch Captain James Douglas befand: Diese Insel ist der erbärmlichste Ort eines unfreiwilligen, sklavischen Exils, den man sich ausdenken kann. Anatole Bouquet de la Grye stimmte der bloße Anblick der Campbell-Insel traurig, und auch George Hugh Banning, der Liebhaber einsamer Inseln, berichtete: Socorro sah wirklich trostlos aus. So wie die lnsel da lag, erinnerte sie mich an einen halb verbrannten Strohhaufen, den der Regen gelöscht hat und der, ohne die Kraft, wieder in Flammen aufzugehen, in einer Tintenpfütze ruht.

EINEM ABERWITZIGEN AUFWAND STEHT oft kärglichster Nutzen gegenüber; die meisten dieser Unternehmungen sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. So schickte die Académie des sciences einst zwei Expeditionen mit teurer Ausrüstung ans andere Ende der Welt, um dort, auf der Campbell-Insel 1874 die Venus-Passage beobachten zu lassen – ein Naturereignis, das schließlich von einer mächtigen Wolke verdeckt wurde.

Um von solchen Misserfolgen abzulenken, verbringen die Wissenschaftler viel Zeit damit, jeden Winkel des Eilandes zu vermessen oder Exemplare endemischer Arten zu finden, deren Auflistung in langen Tabellen die Appendixe der Expeditionsberichte anschwellen lässt. Für die empirische Forschung ist jede Insel ein fest, ein Labor der Natur; hier muss der Untersuchungsgegenstand endlich einmal nicht mühsam abgegrenzt werden, die Wirklichkeit bleibt zumindest so lange greifbar und zählbar, bis Flora und Fauna von invasiven Tierarten ausgerottet oder die Bevölkerung von eingeschleppten Krankheiten dahingerafft wird.

NICHT SELTEN macht sich bei den wenigen Besuchern vor Ort das blanke Entsetzen breit, und im Angesicht des deutlich begrenzten Raumes schleicht sich wie von selbst der beunruhigende Gedanke an das Risiko ein, zurückgelassen zu werden und bis ans Ende der Tage hier, auf einer einsamen Insel, ein Dasein fristen zu müssen.

Der schwarze Felsen St. Helena wurde zu Napoleons Verbannungs- und Toteninsel, die fruchtbar grüne Norfolk-Insel trotz ihrer paradiesischen Üppigkeit zur gefürchtetsten Sträflingskolonie des Britischen Imperiums, und für die schiffbrüchigen Sklaven der Utile erwies sich die winzige Insel Tromelin zunächst zwar als schicksalhafte Rettung, aber die vermeintlich zurückgewonnene Freiheit auf der nicht mal einen Quadratkilometer großen Insel geriet schnell zum Kampf ums nackte Überleben.

Die abgelegene Insel ist von Natur aus ein Gefängnis; eingeschlossen von den monotonen, unüberwindbaren Mauern eines hartnäckig anwesenden Meeres und fernab der Handelsrouten gelegen, welche die Überseekolonien wie Nabelschnüre mit dem Mutterland verbinden, eignet sie sich als Sammelplatz für alles Unerwünschte, Verdrängte und Abwegige.

Tikopia

In der Abgeschlossenheit dieser Räume können ungehindert schreckliche Krankheiten ausbrechen und befremdliche Sitten herrschen, wie die mysteriösen Kindstode auf St. Kilda und die furchtbare und zugleich zwingend erscheinende Praxis der Kindstötung auf Tikopia. Verbrechen wie Vergewaltigung (Clipperton-Atoll), Mord (Floreana) und Kannibalismus (St. Paul-Insel) scheinen im insularen Ausnahmezustand geradezu vorprogrammiert zu sein. Und dass dabei selbst heute noch Gebiete mit Gesetzen entstehen, die unserem Rechtsempfinden widersprechen, zeigt der Missbrauchsskandal auf Pitcairn, wo die kleine Gemeinde von Nachfahren der Bounty-Meuterer lebt: 2004 wurde die Hälfte der auf der Insel ansässigen erwachsenen Männer schuldig gesprochen, über Jahrzehnte regelmäßig Frauen und Kinder vergewaltigt zu haben. Zu ihrer Verteidigung beriefen sich die Angeklagten auf ein jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht, denn schon ihre Vorfahren waren sexuelle Beziehungen mit minderjährigen Tahitianerinnen eingegangen. Das Paradies mag eine Insel sein. Die Hölle ist es auch.

BESCHAULICH IST DAS LEBEN auf den übersichtlichen Landstrichen jedenfalls in den seltensten fällen, kommt es doch öfter zur Schreckensherrschaft eines Einzelnen als zur Verwirklichung der Utopie einer egalitären Gemeinschaft. Inseln werden als natürliche Kolonien wahrgenommen, die nur darauf warten, unterworfen zu werden. Nur so ist es möglich, dass sich ein mexikanischer Leuchtturmwärter zum König vom Clipperton-Atoll und eine österreichische Hochstaplerin auf Floreana zur Kaiserin von Galapagos ausruft.

Aus den kleinen Kontinenten werden Miniaturwelten, in denen unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit Völkerrechtsbrüche begangen (Diego Garcia), Atombomben gezündet (Fangataufa) oder ökologische Katastrophen in Gang gesetzt (Osterinsel) werden können.

An den Rändern der endlosen Erdkugel lockt kein unberührter Garten Eden. Stattdessen werden die weit gereisten Menschen hier zu den Monstern, die sie in mühevoller Entdeckungsarbeit von den Karten verdrängt haben.

JEDOCH SIND ES GERADE die schrecklichen Begebenheiten, die das größte erzählerische Potenzial haben und für die Inseln der perfekte Handlungsort sind. Während die Absurdität der Wirklichkeit sich in der relativierenden Weite der großen Landmassen verliert, liegt sie hier offen zutage. Die Insel ist ein theatraler Raum: Alles, was hier geschieht, verdichtet sich beinahe zwangsläufig zu Geschichten, zu Kammerspielen im Nirgendwo, zum literarischen Stoff. Diesen Erzählungen ist eigen, dass Wahrheit und Dichtung nicht mehr auseinanderzuhalten sind, Realität fktionalisiert und fiktion realisiert wird. Schon die Entdecker wurden für ihre Entdeckungen gerühmt, als handele es sich dabei um schöpferische Leistungen, als hätten sie neue Welten nicht nur aufgefunden, sondern überhaupt erst erfunden. Dabei spielt die geografische Namensgebung eine bedeutende Rolle – so als würde der Name dem Ort erst zu seiner Existenz verhelfen. Wie bei der Taufe wird auch hier ein Bund besiegelt, zwischen Entdecker und Entdecktem, und die Besitznahme des vermeintlich ›herrenlosen‹ Landes legitimiert, selbst wenn dieses nur aus der ferne gesichtet wurde oder längst bewohnt und benannt ist. Dabei gilt wie bei allen Leistungen: Scribere necesse est, vivere non est – nur das ist wirklich geschehen, worüber geschrieben worden ist. Wer also die Flagge in den Boden steckt, bemüht sich, den nationalen Anspruch mit allerlei Informationen zu untermauern: Er berechnet die Koordinaten, kartografiert das Land und verteilt geografische Namen in seiner Sprache. Indem Norwegen die einzige aktuelle Karte der Peter -I.-Insel anfertigen ließ, betonte es sein Besitzrecht, wenngleich laut der Antarktisverträge jeglicher Gebietsanspruch zu ruhen hat. Das Kartografieren folgt dem Entdecken, der neue Name ist eine Geburt. Die fremde Natur wird gleich doppelt besetzt und besessen, der Eroberungsakt in der Karte wiederholt. Erst wenn etwas genau verortet und vermessen wurde, ist es wirklich und wahr. So ist jede Karte das Ergebnis und die Ausübung kolonialistischer Gewalt.

DASS INSELKARTE UND INSELLAND bisweilen verschmelzen und nicht mehr voneinander zu trennen sind, zeigt die Geschichte von August Gissler, für den die Schatzkarte bei seinen jahrelangen Grabungen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Kokos-Insel irgendwann zum Ersatz für das gesuchte Gold wurde. Das Versprechen der Karte war am Ende mehr wert als der nicht auffindbare Schatz. Eine selbst gezeichnete Inselkarte war es auch, die Robert Louis Stevenson zu seinem Abenteuerroman anregte: Die Gestalt dieser Insel befruchtete meine Phantasie außerordentlich. Da waren Hafenplätze, die mich entzückten wie Sonette, und im Bewußtsein einer Schicksalbestimmung nannte ich mein Erzeugnis Die Schatzinsel‹.

Ein anderer Romantitel schrieb sich nicht nur gattungsbezeichnend in die Literaturlexika, sondern auch in die Atlanten. Eine Insel des chilenischen Juan-Fernandez-Archipels wurde 1970 umbenannt, um Touristen anzulocken. Auf dieser ehemals Más a tierra – ›näher zum Land gelegen‹ – genannten Insel hatte Alexander Selkirk avant la lettre seine Robinsonade erlebt. Heute trägt dieses Eiland nun allerdings nicht seinen Namen, sondern den seines literarischen Wiedergängers: Isla Robinsón Crusoe. Um die Verwirrung komplett zu machen, heißt nun aber die 160 Kilometer weiter westlich gelegene, ehemals Más Afuera – ›weiter draußen gelegen‹ – genannte Insel Isla Alejandro Selkirk, obwohl dieser niemals dort gewesen ist.

In den Karten ist jener quälend monotone Horizont überwunden, der auf Inseln tagein, tagaus das Blickfeld trennt und auf dem sich in der ferne vielleicht ganz schwach – als überraschender Deus ex machina – das ersehnte Schiff abzeichnet, das Nahrung bringt oder die Heimkehr verspricht.

Und in den geografischen Namen lässt sich Rache an dem entdeckten Land nehmen, das die Erwartungen nicht erfüllt. So nennen 1521 Ferdinand Magellan und 1765 John Byron einige Atolle der Tuamotu-Inseln Inseln der Enttäuschung. Ersterer, weil er auf den trockenen Eilanden weder das bitter benötigte Trinkwasser noch Essbares fand, Letzterer, weil ihm die Einwohner der mittlerweile besiedelten Inseln unerwartet feindlich gesinnt waren. Viele Namen muten mythisch und märchenhaft an. Auf der Possession-Insel verläuft der Fluss Styx, und die Hauptstadt von Tristan de Cunha heißt Edinburgh of the Seven Seas, wenngleich die Einheimischen den Ort nur The Settlement – ›die Siedlung‹ – nennen; wie auch sonst, ist es doch die einzige im Umkreis von 2400 Kilometern?

Vor allem spiegeln die geografischen Namen die Wünsche und Sehnsüchte der Einwohner und auch der Bewohner wider, wie ich in diesem Atlas alle diejenigen nenne, die nur zeitweilig auf der abgelegenen Insel leben. Bei den Stationierten von Amsterdam heißt ein ›Kap Jungfrau‹, zwei Vulkane ›Brüste‹, und ein dritter Krater trägt ganz offiziell die Bezeichnung ›Venus‹. Hier wird die Insellandschaft endgültig zum Pin-up und erotischen Ersatz. Die Insel scheint ein Ort zu sein, der zugleich Wirklichkeit und seine eigene Metapher ist.

DIE KARTOGRAFIE sollte endlich zu den poetischen Gattungen und der Atlas selbst zur schönen Literatur gezählt werden, schließlich wird er seiner ursprünglichen Bezeichnung Theatrum orbis terrarum – ›Theater der Welt‹ – mehr als gerecht.

Das Konsultieren von Karten kann zwar das Fernweh, das es verursacht, mildern, sogar das Reisen ersetzen, ist aber zugleich weit mehr als eine ästhetische Ersatzbefriedigung. Wer den Atlas aufschlägt, begnügt sich nicht mit dem Aufsuchen einzelner exotischer Orte, sondern will maßlos alles auf einmal – die ganze Welt. Die Sehnsucht wird immer groß sein, größer als die Befriedigung durch das Erreichen des Ersehnten. Ich würde einen Atlas heute noch jedem Reiseführer vorziehen.

Berlin, Stadt der Flüchtlinge

Im März 2017 hieß es:

Das größte Berliner Containerdorf für Flüchtlinge entsteht derzeit auf dem Tempelhofer Feld, im Spätsommer sollen die ersten Flüchtlinge einziehen. Doch das Dorf mit 1200 Plätzen hat einen entscheidenen Makel: Statt drei Jahre wie üblich wird es nur zwei Jahre betrieben werden können. Bei Baukosten von 16 Millionen Euro ein entscheidender Nachteil. Die Investition müsste schon nach zwei Jahren abgeschrieben werden. Die Initiative 100 Prozent Tempelhof kritisiert den Bau als „Massenunterkunft“. Die Flüchtlinge sollten besser in Wohnungen untergebracht werden.

Anne Schmidt

Am 3. Dezember um 13:00 durfte die interessierte und ambitionierte Öffentlichkeit auf dem Vorfeld der Flugzeughangars in Tempelhof den Innenbereich der dort aufgebauten Flüchtlingshütten in Augenschein nehmen. Im eisigen Wind warteten Kameraleute und Reporter mit Mikrofonen in den klammen Händen auf die Einführungsrede des Vertreters der Landesflüchtlingshilfe ab, um dann noch einen Disput zwischen der Bürgermeisterin von Tempelhof/Schöneberg und dem Flüchtlingsrat mit aufzunehmen.

Die Nachbarn des Tempelhofer Feldes entrannen dem eiskalten Wind zwischen den Hütten, indem sie die Dikussionen draussen nicht abwarteten, sondern sich in einer Musterhütte die Raumverteilung ansahen: Zwei Zimmerchen mit jeweils zwei Betten, ein winziges Duschbad und eine kleine Küche mit Herd und Kühlschrank erregten das bloße Missfallen einer ehemaligen Sozialarbeiterin und ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin.
In der Tat fragte auch ich mich, wo das dritte, vierte… Kind einer Familie schlafen soll, das eventuell schon in der Pubertät ist und rein des Geschlechtes wegen in einem anderen Zimmer schlafen muss als die Geschwister. Wahrscheinlich werden Papa und Söhne sich in einem zusammengeschobenen Kingsize-Bett drängeln, während im zweiten Schlafraum die weiblichen Mitglieder der Familie sich betten dürfen.
Mich beschäftigte besonders die Enge im Duschbad, wo die Kleinen von einem Erwachsenen versorgt werden müssen, der zwischen Dusche und Wand kaum Platz finden wird. Da ist es von besonderem Vorteil, dass die Flüchtlingsfrauen zum großen Teil sehr dünn sind.

Die Temperatur in der Hütte war überraschend angenehm, obwohl die Aussentür offen stand (Tag der offenen Tür).

Meine Frage, wie im Sommer eine Überhitzung der Kunststoff-Container vermieden werden könne, behielt ich, ob der hitzigen Diskussion draussen zwischen den Vertretern es Flüchtlingsrates und der Bezirksbürgermeisterin, für mich. Die strahlenden Augen der einzigen Flüchtlingsfamilie, die an der Besichtigung teilnahm, versöhnte mich mit dem Provisorium.
“Wir haben sogar ein Frauenzimmer”, verkündete die etwa 9-jährige Tochter. Mutter und Vater gaben der Hoffnung Ausdruck, dass sie am folgenden Tag einziehen könnten. Lange genug haben sie darauf gewartet, denn den ganzen Sommer über sah ich vom Zaun aus, der das Container-Dorf vom Tempelhofer Feld hermetisch abtrennt, dass in den Hütten, die fertig zu sein schienen, Bauarbeiter ein und aus gingen, deren Privatautos vor den Türen geparkt waren.

Es hieß damals in den Medien, es  habe noch kein Betreiber gefunden werden können. Jetzt erfuhr ich, dass der Betreiber der Hangar-Unterkunft auch für das Hüttendorf zuständig ist. Wahrscheinlich musste seine Eignung erst einer langen Kontrolle unterzogen werden. In einem der Hangars müssen demnächst alle Neuankömmlinge die ersten drei Tage nach ihrer Ankunft in Berlin verbringen. Dort müssen sie sich zwischen Zeltplanen und unter einem Gemeinschaftsdach auf ihr Asylverfahren vorbereiten, obwohl es in der Stadt inzwischen genügend Heimplätze – laut Flüchtlingsrat – gibt.

Barataria 43 Atlas der abgelegenen Inseln

Judith Schalansky, die Autorin des Buches, ist, ob sie es weiß und will oder nicht, eine Barataristin erster Klasse. Für die, die es (noch) nich wissen, zur Erklärung: Barataria ist eine imaginäre Insel, die im 2. Teil des Romans Don Quijote durch einen grausamen Witz dem guten Sancho Pansa als sein Gouvernement gegeben wurde. Ich bin die erste Barataristin der Welt, da ich diese Wissenschaftssparte entdeckt, genannt und entwickelt habe. Ihr Hauptziel und -sinn ist, in der Kultur, Sprache, Geschichte und – ja auch – Geographie die Ursprünge und Nachfolgen des literarischen Urmusters zu suchen. Als Gründerin dieses Wissensbereiches bin ich mächtig, manche von mir gefundene (und erfundene) Wissenschaftler zu Barataristen zu ernennen. Natürlich bin ICH die wichtigste Barataristin der Welt :-). Ich schreibe meistens auf Polnisch, aber es kamen schon ab und zu die baratarischen Aufsätze auf Deutsch, wie z.B. HIER oder HIER, aber auch HIER oder Englisch wie HIER. Sowieso ist Polnisch, besonders unter der jetzigen Obrigkeiten, eine Sprache, die schlechthin dafür vorbestimmt wurde, über fantastische, nicht existente Insel zu berichten – bedenken wir nur die letztens so berühmte Nichtinsel (das Nichtland) San Escobar – siehe z.B. HIER oder HIER.

Und noch eine letzte Erklärung. Man könnte meinen, die berühmteste Nichtinsel der Welt ist Atlantis und nicht Barataria. Wohl schon, aber weil sie von vielen doch für eine echte Insel gehalten wird, eignet sie sich nicht besonders gut als Stoff für Wissenschaftler. Man verwickelt sich sofort in die Debatte, gab es sie, oder gab es sie nicht? Dafür ist Barataria als Gründungsmythos ganz klar eine Nichtinsel, eine fiktive Erfindung, die man als Projektionsfläche für viele Theorien und Abenteuern nutzen kann. Man geht nur auf den verflochtenen Wegen der Kultur und muss sich nicht für so was Flüchtiges wie Wahrheit kümmern. Die Barataria als Erfindung wird immer wider benutzt und damit gewinnt die Metapher immer wieder ihre neue Aktualität. Das letzte Mal, dass jemand Gubernator von Barataria genannt wurde, notierten die Barataristen im September dieses Jahres, als die Katalonen versuchten, ihre Unabhängigkeit zu erzwinge. Es ist ihnen nicht gelungen und die spanische Zeitung El Pais schrieb:

La Ínsula de Barataria

Soñé que Don Quijote anda convencido de que Sancho se irá pronto a gobernar la nueva República Catalana. / Ich habe geträumt, dass Don Quixote glaubt, Sancho Pansa sei bald Gubernator der neuen katalanischen Republik. (…) Aber es war nur ein grausamer Witz.

                                        Puigdemont umarmt Artur Mas. LLUIS GENE AFP

Lieber Leser / liebe Leserin, sorge dich nich um den roten Faden dieses Essays. Er geht nicht verloren. Ein Essay ist ein Versuch und es scheint charakteristisch für die Barataristik, dass man in den Text schlangenschaft wandert, um nicht zu behaupten: irrt. Aber irgendwann kommt man zurück.

Also: Judith Schalansky und ihr Taschen-Atlas der abgelegenen Insel. Herausgegeben 2009.

Eine junge Autorin, geboren 1980, schrieb schon im Titel, dass es in ihrem Buch um Träume geht. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. Wie wahr. Lesen wir die Liste: St. Helena, Diego Garcia, Amsterdam, Tristan da Cunha, Socorro… Wieviele von uns waren auf einer von diesen 50 Inseln? Jeder, schreibt Wikipedia, ist eine Doppelseite im Buch gewidmet, die geographische, demographische und historische Angaben, anekdotenhafte Bruchstücke aus der Geschichte der Insel sowie eine Karte im Maßstab 1:125.000 enthält. Gestaltet wurde das Buch ebenfalls von der Autorin. Als Schrift verwendet sie Sirenne.

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Sie ist in Greifswald geboren, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign, unterrichtete typografische Grundlagen an der Fachhochschule Potsdam und lebt heute als freie Schriftstellerin und Buchgestalterin in Berlin. 2006 veröffentlichte sie ihr typografisches Kompendium »Fraktur mon Amour«. 2008 erschien ihr literarisches Debüt, der Matrosenroman »Blau steht dir nicht« (mare). Für ihren »Atlas der abgelegenen Inseln« (mare, 2009) wurde sie mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Im Herbst 2011 erschien ihr Bildungsroman »Der Hals der Giraffe« im Suhrkamp Verlag, der 2012 wieder zum »Schönsten deutschen Buch« gekürt wurde. Judith Schalanskys Bücher sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seit dem Frühjahr 2013 gibt sie im Verlag Matthes & Seitz Berlin die Reihe NATURKUNDEN heraus.