Sommer

Brigitte von Ungern-Sternberg

Bei den Wetterbildern steht immer auch ein Hinweis auf den Ort.

‚Agrarlandschaft im Ruhrtal  Nordrhein-Westfalen’

Das Foto einer ländlichen Straße im Hochsommer. 

Was sieht man? Eine Landschaft …..  eine klassisch schöne Landschaft?

Links ein elektrischer Zaun, rechts ein schon sehr reifes Feld, dazwischen eine steinige Straße in  

der Hitze des Mittags.

Offen ist der zartblaue Himmel mit den leichten, weißen Wolken.

Was hinter der Steigung zu sehen sein wird  …  ….    bleibt abzuwarten.

Ein bisschen wie das Leben.

***
Quelle für das Foto. ‚Wetterbild des Tages‘ auf Tagesschau.de

Meister und Margerita

Monika Wrzosek-Müller

Meister und Margarita, der Film

Schon wieder blühen die Korn- und Mohnblumen, die Felder, Wiesen und Wälder leuchten in allen Grüntönen, das Gelb der Rapsfelder ist fast verschwunden. Soweit das Auge reicht, herrscht majestätische Ruhe. Nur die Vögel zwitschern und die Störche sitzen in ihren Nestern, ziehen ihre Kleinen auf; auf fast jedem Schornstein oder Mast ein Storchenpaar. Der Himmel zieht sich aber öfters zu, es kommen dicke Wolken und manchmal plötzliche Gewitter mit Platzregen über das weite Land. Unten bleibt die Welt von Konflikten, Kämpfen, Habgier und Hass beherrscht. Vieles könnte man lösen, zumindest verbessern. Bleibt uns der Schwung, die Kraft für diese Anstrengung erhalten?

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Alphabet des Krieges

Masha Pryven

Liebe Freund*innen und Kolleg*innen,am 24.06. um 18 Uhr laden wir Euch ein zur Präsentation unseres Fotobuches “Alphabet des Krieges”. Sie findet statt in der
Amerika-Gedenkbibliothek
PopUp Saal
Blücherpl. 1
10961 Berlin


8 Jugendliche 2 Jahre
26 Fotos — 26 Buchstaben des deutschen Alphabets
3 Jahre russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine
26 Versuche ukrainischer Jugendlicher, diesen Krieg Erwachsenen zu erklären

Die performative Buchpräsentation gibt Einblicke ins Projekt — in persönliche Geschichten, fotografische Prozesse und gemeinsame Entscheidungen. 
Mit dabei ist auch die Verlegerin Regelindis Westphal
sie erzählt vom Publizieren jenseits klassischer Autor*innenschaft. 

Sprache: Deutsch

Das Buch ist vor Ort erhältlich.

Mit Unterstützung von Kult’ura Ukraine Contemporary e.V.

Bis dann!

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Ein bescheidener Text, aber ein gutes Buch

TU zachęcałam do czytania. Michael G. Müller przeczytał:

Michael G. Müller

Vincent Helbig, Euer Deutscher. Wie ich Polen lieben lernte [Wasz Niemiec. Jak pokochałem Polskę. Kraków 2025]

Im Tagebuch seiner Wanderreise nach Masuren im August 2013 hat Helbig am ersten Reisetag notiert: „Hoffentlich finden wir uns in Allenstein gut zurecht und erreichen den auf der Wanderkarte rot eingezeichneten Weg. Gott steh uns bei!“ Ja, Allenstein (Olsztyn), und nicht etwa Alma-Ata oder Aleppo. Aber seine erste Begegnung mit Polen war für den 19-jährigen Vincent eine vergleichbar exotische, auch verunsichernde Erfahrung – ein großes Abenteuer, bei dem es durchaus ratsam scheinen mochte, Gottes Beistand zu erbitten.

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Blada Dada 2

Urszula Usakowska-Wolff

DAS THEATER BLADA DADA
präsentiert den Einakter:

IM SCHAUMBAD DER GEFÜHLE

Dramatis personae:
SUSA MUSAKOFF, SILBERHAN & PUBLIKUM

sowie der Geist von Carl Millröcker &
Christian Morgenstern & Bertolt Brecht

SUSA MUSAKOFF
Ah, ah, seh’ ich ihn an
Den jungen, ah, nicht mehr so jungen Mann,
Ah, ah, wäre das mein Galan?

SILBERHAN

Ah, dieser Goldfasan,
Wär’ das für sie der rechte Mann?
Ah, dieser Goldfasan,
Wär’ das für sie der rechte Mann?!

SUSA MUSAKOFF

Nicht lockt ihn Reichtum, prunkender Schein,
Nein, er will nur mein Herz allein!

SILBERHAHN

Soll ich reden? Darf ich schweigen?
Teuer ist jetzt guter Rat.
Ach, ich bin durch ihre Liebe,
Halb beglückt, halb desparat.

SUSA MUSAKOFF

Er hat etwas zu verschweigen,
Ja, das seh’ ich in der Tat!
Doch ich will nicht Neugier zeigen,
Denn das wär’ undelikat.

SILBERHAN

Ich setz’ den Fall,
Dass meine Wangen einst verblüht,
Ich setz’ den Fall,
Dass einst die Zeit drauf Furchen zieht.
Geliebte! Geliebte!
Wirst du treu mir dann noch bleiben?
Ich setz’ nur den Fall.

SUSA MUSAKOFF

Ich halt’ die Lieb’ für bloße Spielerei,
Ich lach’ und küss’ und denk’ mir nichts dabei.

SILBERHAN

Mag sein, gar schnell verrauschet der Genuss,
Mag sein, was bleibt, ist nur der Überdruss.

SUSA & SILBERHAN

Vielleicht, wer so aus reinem Herzen liebt,
Der weiß, dass es drei Hasen gibt.

SUSA MUSAKOFF

Und der wird sie sehen,
Wie sie im Schaumbad am Plötzensee
Auf Silberha(ha)ns Zehen
Sich wunderlich drehen
Als Löwin, Bärin und Reh.

SILBERHAN

Wow, eine Spinne ist auch in Sicht,
Die ihre Netze fleißig flicht:
Ihre Tentakel ganz ohne Gicht
Umgarnen die Beute im Handumdrehen.

PUBLIKUM

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

04.05.2025

Text © Urszula Usakowska-Wolff

Frauenblick auf die Nulllinie

Monika Wrzosek-Müller

Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg

Von Szczepan Twardoch

Wir sitzen oben auf der Terrasse der Villa des Literarischen Colloquiums am Wannsee, unten geht eine riesige orangene Sonne unter; alles taucht in ein bläuliches, dann violettes Licht, es sieht magisch aus. Die Menschen sitzen dicht gedrängt, nicht nur im Saal, und es sind nicht nur Polen hier, wenn sie auch deutlich die Mehrheit bilden. Viele junge Menschen, auch erstaunlich viele junge Männer, auffallend gut angezogen, vielleicht folgen sie dem Helden des Abends.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Monika Wrzosek-Müller

Wie erstaunlich es ist, dass ein Treffen mit einem jungen Menschen, der seinen Weg wirklich im Kleinsten, im Detail, in der Hingabe und dem meditativen Tun gesucht und darin die Erfüllung gefunden hat, mir endlich ein bisschen Hoffnung für die Zukunft gibt. Das Streben der ganzen Welt nach dem Großen, Unbeirrbaren, Fantastischen, Super-Exzellenten und vor allem nur nach dem ultimativen Deal macht uns klein und krank. Doch es gibt junge Leute, die zwar strebsam, ehrgeizig und fleißig sind, aber im kleinen Vorwärtskommen ihr Leben gestalten, ohne sich aufzuspielen. Das Beispiel von Marceli Klimek, der ein Künstler, ein Magier der Stickerei ist, zeigt das. Der junge Mensch (21 Jahre alt), noch in Ausbildung, aber schon sichtbar präsent, entwirft und zaubert Unheimliches. Wir sind vielleicht deshalb so fasziniert, weil seine Kunst der Stickerei uns in vergangene Welten führt, uns an unsere Omas erinnert, manchmal auch an die Handarbeiten in der Grundschule. Auf jeden Fall weht ein sanfter Wind der vorsichtigen Nostalgie und der verzaubert uns. Über den Künstler und über seine Ausstellung in der Galerie art.endart in Berlin gibt es hier schon mehrere Einträge und Berichte.

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