schut down (5)

Intro:

5 X

mein name ist in wasser geschrieben
umfasst von wellen
unvergänglich wie schaum deren kronen

mein name wird von wind gepfiffen
spaziert mit den wolken
und fällt mit den regen herunter

 in wasser geschrieben wird mein name
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1985

…wracam z targów (fr/m) obładowany książkami do b.,
po drodze podrzucam  redakcji moje teksty (kilka wywiadów z węgi
erskimi autorami, reportaż, felieton, trzy 
rolki
ze zdjęciami) i parę książek, potem walę się do łóżka
i śpię 24 godziny;
po prysznicu dzwonię do pani małgosi i pytam jak tam moje teksty
– wszystkim się podobają, a naczelny zabrał je nawet do domu.
no, trochę mnie  zdziwilo to “do domu”, ale nic, robię sobie parę dni wakacji i czekam na numer;
po tygodniu mam go w ręce, otwieram i znajduję jedną szóstą reportażu i jedno zdjęcie  (stoisko naszej redakcj
i na targach z leszkiem sz. i edwardem na pierwszym tle);
lekko oszołomiony
(liczyłem, że odrobinę zarobię, a płacono od znaku; za zdjęcie dostawało się najwięcej) staram się złapać edwarda, ale oczywiście trwa to wieczność
i kiedy go wreszcie po dwóch tygodniach
(nastepny numer magazynu był już w druku) 
dopadam – on zezuje strapiony…
– dlaczego nie puściłeś moich zdjęć i tekstów? – pytam
patrzy na sufit, patrzy na ziemię, patrzy na mnie
– nie mogę, bo, hm, wiesz, to faszyści…
– bo walczyli pod stalingradem, a potem przeżyli gulag?
– tak.
– ale oni nie mieli z szalasim i jego strzało-krzyżowcami nic  wspólnego; to byli normalni, zawodowi żołnierze
I armii węgierskiej…
patrzy w bok, patrzy w górę i milczy;
milczymy obaj;

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johanssen

1,

seine größte stunde kam an einen samstag
punkt zwanzig uhr übertrug das fernsehen der ddr
ein kessel buntes aus dem friedrichstadtpalast
und er kniete auf der mitte der bühne
vor der mirelle mathieu

in seiner ückermarkischen geburtsstadt saß in diesem moment
vor jetwedem empfänger
fast jeder

nur ein zum fernsehverbot verdonnerter arrestierter 

auf der dortigen volkspolizeiwachesowie das notaufnahmekollektiv des krankenhauses
das brav auf kommando
– aber fluchend –
die zentrale und das schwarzweiss gerät
– wo gerade die grosse weite welt
in der vertretung der wunderbarsten beine des mikrokosmos
zu schwingen begann –
verlassen musste
(weil irgendein idiot einen unfall gebaut hat)
konnten es nicht
nein
hautnah erfahren:
dass johannsen

es geschafft hat!

ja
er steppte in dieser stunde um sein leben
und warf seine tanzpartnerin fünf centimeter höher als gewöhnlich
und kaschierte einen schrittfehler von katja ebstein mit einem grandiosen spagat
(gleichzeitig sein hut so werfend, dass er in seine hand zurückkam…)
er spielte einfach hinreißend
bis seine mutter vor der mattscheibe zu weinen begann

was konnte ein stockschwuler von märkischer heide
damals
in dem land der arbeiter und bauern
mehr erreichen?

dazu:
eigene wohnung in der hauptstadt

mal tournee durch feindliches ausland (brd)schuhe von salamander
oder amerikanische jeans
vielleicht morgen eine datscha in der ruppiner schweiz
beziehungsweise an der usedomer riviera

doch es kam anders
2,

ein vierteljahrhundert später
lag seine verkohle leiche am bett
er wurde erdrosselt
die wohnung ausgeraubt und dann angezündet
von einem mann den er zu lieben glaubte

3,

als ich ihn zum ersten mal traf
war er schon unten
arbeitete als raumpfleger in einer sklavenfirma
und putzte vor meiner tür
my fair lady pfeifend
ständig auf der suche nach der entschwundener jugend
wie ein ton auf der sternleiter

der unermüdlichen begierde

allem zum trotz

Frauenblick: Drei Kriminalromane

Monika Wrzosek-Müller

Ganz untypisch für mich habe ich letztens viele (also eigentlich drei) amerikanische Kriminalromane hintereinander gelesen. Was mich an ihnen berührt und interessiert hat, waren allerdings nicht die ausgesprochen ausgeklügelten Kriminalfälle, sondern die fast ethnographisch anmutenden, sehr kritischen Beschreibungen der Gesellschaft. Der Schmelztiegel, die Mischungen, die Extreme in den Landschaften, in der die Romane spielen, lassen das Zusammenleben vielleicht spannend aber auch unendlich schwer erscheinen; der blühende Rassismus gegenüber allen people of color ist unerträglich und macht, so sehe ich es, das Hauptthema der Bücher aus. Es handelt sich um das nordöstliche Texas, an der Grenze zu Louisiana, und um Louisiana selbst, mit Städten wie Lafayette, Baton Rogue, New Orleans. Es geht konkret um zwei Romane der schwarzen Schriftstellerin Attica Locke, Bluebird, Bluebird und die Fortsetzung Heaven, My home, und einen von James Lee Burke, aus seiner vielbändigen Serie mit Detektiv/Leutnant Dave Robicheaux, nämlich den 15. Band mit dem Titel Dunkle Tage im Iberia Parish.

Den beiden sehr ungleichen Schriftstellern (Attica Locke ist 49 und James Lee Burke 86 Jahre alt!) ist die Liebe zu ihrer Heimat, ihren Leuten gemeinsam. Bei Locke hat man fast den Eindruck, die Kriminalgeschichte diente nur als Vorwand, um die Gegend mit ihren Menschen, Missständen zu porträtieren. Doch bei allen Schreckensgeschichten dominiert die Wärme, der warme, wohlwollende Blick auf die Landschaft und die Bewohner. In beiden Fällen gibt es Detektive; den schwarzen Texas Ranger Darren Mathew und den berüchtigten Dave Robicheaux französischer Abstammung, die gerecht und bis zum letzten Tropfen Blut ermitteln, um die Wahrheit aufzudecken. Doch die Wahrheit erschließt sich nicht leicht, sie ist zu vielschichtig und zu kompliziert, als dass man sie irgendwo finden könnte, und je mehr sie nach ihr suchen, desto weniger können sie sie finden. Letztendlich hat dann auch die Wahrheit wenig mit Gerechtigkeit zu tun. Doch der Weg der beiden Cops auf der Suche danach zeigt uns das ganze Kaleidoskop der Gesellschaft. Bei Locke ist es die Gegend um den Lake Caddo, wo Native Americans, Indianer, die Hasinai, die teilweise ihre Sprache und ihre Traditionen noch erhalten haben, neben den Nachkommen der reichen Sklavenhalterfamilien leben, die weiterhin Macht ausüben. Sie leben wiederum neben den Nachkommen der füheren Sklaven, die meistens in Armut geblieben sind; nur einige wenige haben es zu etwas gebracht. Es ist eine explosive Mischung und sie alle leben unweit der Sümpfe des Lake Caddo, die symbolisch für diese Verhältnisse stehen. Da sind die Immobilienhaie, die sich bereichern wollen und die Natur nicht respektieren, und eben reiche Weiße aus alten Familien, die weiterhin Geld riechen und reich bleiben wollen – und es auch sind – ohne auf andere Rücksicht zu nehmen. Alle lügen oder erzählen ihre Version des Lebens, der Geschichte zu ihrem Vorteil. Dazwischen macht sich eine Organisation breit, deren Existenz ich mir nicht hätte träumen lassen – eine Nachfolgerin des Ku-Klux-Klans, die sog. Arische Bruderschaft. Sie funktioniert ähnlich und hat ähnliche Ziele wie ihre Vorgängerin. Das schlimme ist, dass auch die gerade vergangene Ära Obama offenbar nichts an dieser Situation geändert hat; paradoxerweise scheint sich der Konflikt eher noch verschärft, zugespitzt zu haben.

Unlängst hörte ich von einem Kenner der Gegend, dass es für die Städte in Louisiana wie Lafayette, New Orleans oder Baton Rouge besondere Karten der no go areas gibt, die alle meiden sollten, auch die schwarzen Einwohner.

Bei Locke blüht der Rassismus und gedeiht; das Land der Sümpfe ist damit getränkt bis an die Wurzeln der riesigen Bäume, die an dem Ufer wachsen. Die einen neiden den anderen ihren Erfolg, ihre gute Ausbildung, ihr Geld, ihren Wohlstand. Die Moose verdecken nur, lassen alles leise und im Verborgenen passieren, sie bedecken nicht nur den Boden, sondern hängen auch von den Ästen der Bäume. Da sind Kneipen oder auch Cafés, die nur von Weißen oder nur von Schwarzen frequentiert werden, die Grenzen sind säuberlich markiert durch all die Jahre, die Tradition, letztendlich auch den Willen der Menschen. Dazu kommt der Drogen- und Waffenhandel, der quer durch die Gesellschaft blüht und ganze Dörfer und junge Leben vernichtet. Es sind leider immer noch die jungen Schwarzen die diesen Handel betreiben, oft ohne sich der Folgen bewusst zu sein und ohne damit wirklich richtig Geld zu verdienen.

Ich las den Roman von James Lee Burke und dachte mir, das spielt in einem früheren Jahrhundert. Der Rassismus bestimmt das Leben von so vielen Menschen, auch derjenigen, die ihn nicht leben wollen, die ihn eigentlich besiegt glaubten. Doch dann kommt die Brutalität der Banden und des sich immer weiter entwickelnden Drogenhandels und das Leben von vielen wird vernichtet. Der Autor versteckt nicht die Schwächen des Detektivs, seinen Alkoholismus. Auch der Wunsch der Menschen nach einer autokratischen Führung, um dem seelischen Elend zu entkommen, ist manchmal nach den besonders harten Beschreibungen sogar verständlich. In der Person des Haupthelden Robicheaux kommt die Vielschichtigkeit der Gesellschaft zum Ausdruck, diesmal ist das auch die weiße Population, die hier noch französisch geprägt ist; die Liebe zu den französisch angehauchten Orten ist im Text spürbar:

„New Orleans glich mehr einem Sonett von Petrarca als einem von Shakespeare. Die Grundstimmung in der Stadt hatte mehr von der mittelalterlichen Welt im besten Sinn als von der Renaissance-Zeit. Im Frühling 1971 wohnte ich in einem Cottage beim Ursulinenkloster und besuchte jeden Sonntagmorgen die Messe in der St. Louis Cathedral. Danach schlenderte ich über den Jackson Square und über schattige Gehsteige, während Straßenmaler ihre Staffeleien an dem Zaun aufstellten, der von den Palmwedeln und Eichenästen überragt wurde. Draußen vor dem Café du Monde saß ich dann bei beignets und Kaffee mit heißer Milch und beobachtete, wie der Tag im Quarter Fahrt aufnahm. Vor der Kathedrale drehten Einradfahrer ihre Pirouetten, Jongleure warfen ihre Holzbälle in die Luft, Straßenmusiker spielten den Tin Roof Blues und Rampart Street Parade. Die Balkone entlang der Straßen ächzten unter dem Gewicht der Topfpflanzen, die Bougainvilleen an den Eisengittern leuchteten wie Blutstropfen im Sonnenlicht. Die von italienischen Familien betriebenen Lebensmittelläden hatten noch hölzerne Ventilatoren an den Decken und verkauften Boudin-Wurst und Poorboy-Sandwiches. Davor, im Schatten der Kolonnade, wurden Zucker- und Wassermelonen, Bananen und Erdbeeren angeboten. An der Ecke, in diesem wunderbaren Duft, der wie ein Hauch des alten Europas war, stand ein Schwarzer mit seinem Handwagen und verkaufte Snowballs. Die Eissplitter dafür schabte er von einem großen Block, den er in ein Tuch gewickelt hatte.

Das traditionelle New Orleans war wie ein Stück Südamerika, das vom Kontinent abgetrennt, von Passatwinden über die Karibik herübergeweht worden war und am Südrand der Vereinigten Staaten angedockt hatte. Die Straßenbahnen, die von Palmen gesäumten Plätze, die alten Cottages mit belüfteten Fensterläden, die Katz-Drugstores, deren Neonlichter im Nebel wie violetter und grüner Rauch aussahen, die irischen und italienischen Akzente, die einen Dialekt hervorbrachten, der nach Brooklyn oder der Bronx klang, die exzentrische Atmosphäre, die Tennessee Williams, William Faulkner und William Burroughs anzog – das alles wurde für immer verändert, als die Stadt mit Crack überflutet wurde.“ […]

„Doch in meinem Traum ging es nicht um die verheerenden Auswirkungen des Drogenhandels auf die Stadt, die ich liebte. Ich sah Clete und mich, kurz nachdem wir aus Vietnam zurückgekommen waren, als Streifenpolizisten die Canal Street entlanggehen, vorbei am alten Pearl Restaurant, wo die Straßenbahn hielt und unter einer grün gestrichenen Kolonnade Fahrgäste einsteigen ließ. Ein frischer Wind blies vom Lake Pontchartrain herüber, der Abendhimmel war von pinkfarbenen Wolken überzogen, die Luft pulsierte vor Musik. Schwarze Männer spielten Craps, Kinder verdienten sich ein paar Cent mit Stepptanzen – kurz gesagt, es waren Augenblicke, von denen man vergeblich hofft, dass Zeit und Vergänglichkeit ihnen nichts anhaben könnten.“

Ich denke, es ist ein sehr interessantes Landausschnitt. Attica Locke hat es in einem Interview so formuliert: „Ich bin schwarze Amerikanerin. In unserer Geschichte gibt es noch so viel, das gar nicht erzählt wurde“.

Frauenblick. Die Veränderungen rundherum.

Monika Wrzosek-Müller

Ich fahre immer wieder nach Warthe; in ein wunderschönes Fleckchen Erde in der mittleren Uckermark. Normalerweise dauert die Fahrt nicht lang, eine Stunde und zwanzig Minuten. Leider wird seit einem Monat die B 96 in der Höhe von Nassenheide erneuert und ist ab dort gesperrt. Dass eine Fahrbahn erneuert werden muss, ist an sich normal, und irgendwann muss das auch geschehen. Vielleicht hat man dabei sogar bedacht, dass während der Sommerferien weniger Menschen die Strecke benutzen, doch es ist auch eine touristische Region, also kommen in dieser Jahreszeit sogar mehr Menschen hierher. Der Umweg über den Berliner Ring verlängert die Anfahrtszeit um ca. 40 Minuten, so dass man jetzt doch zwei Stunden braucht. Leider sind auch auf dieser Strecke Bauarbeiten im Gang (es wurde überall Split aufgetragen, um die Fahrbahn auszugleichen), die fast die ganze Umleitung begleiten und die Fahrgeschwindigkeit auf 30 km reduzieren. Das verlängert die Fahrt noch einmal beträchtlich. Noch unverständlicher für mich war aber, dass einmal die Strecke über Nassenheide plötzlich freigegeben wurde und laut GPS die alte Strecke als befahrbar erschien, obwohl die Arbeiten gar nicht beendet worden waren. Ich habe mich darauf verlassen und dann einen Horrortrip durch die Seitenstraßen im Ort Nassenheide erlebt; natürlich war es den Häuschenbesitzern in den Wohnstraßen gar nicht recht, den ganzen Verkehr in den Norden vor ihrer Nase vorbeirollen zu sehen. Natürlich haben sie auch versucht, den Verkehr zu blockieren. Es gab unschöne Szenen.

Das ärgert natürlich, doch richtig traurig macht mich das, was in unserem Dorf in der Uckermark schon seit längerem passiert.

Das Dorf Warthe liegt an einem schönen See, umgeben von wunderbaren Buchenwäldern, in denen die Pilze bei Regen nur so in die Höhe schießen. Es ist eine Oase der Ruhe, wird aber leider immer ruhiger, fast verschwindet das Leben aus der Ortschaft gänzlich. Die alte schöne Schule wurde schon vor langer Zeit aufgegeben und wartet auf einen Investor, der darin eine Pension, eine Gaststätte oder sonst etwas einrichten könnte. Die wunderbare Dorfkneipe „Drei Eichen“ ist nach dem Tod des Betreibers, Kochs und Besitzers ebenfalls geschlossen, d.h. die Räumlichkeiten sind noch verfügbar, aber leider findet sich kein Nachfolger, der die Mühen des Gasthausbetriebs auf sich nehmen wollte. Zuletzt hat auch der letzte Treffpunkt des Dorfs, nämlich die Bäckerei zugemacht, wo man manchmal Kaffee und Kuchen, Brot und Brötchen, Milch und Zeitungen kaufen konnte. Damit sind eigentlich alle öffentlichen Orte, wo das Dorfleben zur Gemeinschaft wurde, verschwunden. Selbst die Kirche, die, wie mir schien, sehr selten aufgesucht wurde, ist nur noch sporadisch zugänglich – meistens ist sie geschlossen und der Pfarrer kommt alle vier Wochen, um einen Gottesdienst abzuhalten. Wahrscheinlich, wenn man sich mehr dafür interessiert, kann man die Gemeindemitglieder in anderen Kirchen in der Umgebung sichten und vielleicht kennenlernen.

Die Dorfgemeinschaft versucht jetzt, im Sommer, durch Dorffeste den Zusammenhalt zu stärken, das ist aber auf die Sommerperiode beschränkt und schafft keine Kontinuität. So ist es nicht verwunderlich, dass die jungen Leute aus der ländlichen Region hier verschwinden.

Noch eine Veränderung, die auf dem Waldweg um den See eingetreten ist und die teilweise schon durch die Biber und durch Windböen während der Stürme der letzten Jahre vorbereitet worden ist: unheimlich viele Bäume wurden gefällt, auch alte, schöne, gesunde Buchen neben vielen Kiefern, die vielleicht auch zu eng gestanden haben. Jemand hat offensichtlich viel Holz verkauft. Der Uferweg hat sich gänzlich verändert, es gibt jetzt viele völlig kahle Stellen; manche Leute fragen danach, was hier passiert ist. Wer hat das gemacht, erlaubt, ausgeführt? Hat es gebrannt?

Zum Glück lebt das Camp für Jugendliche im Sommer auf; es sind viele Kinder da, die ihre Sommerferien hier verbringen, im See schwimmen und im Wald herumlaufen. Sie haben auch richtig Kurse, die sie belegen können, für Malen, Fotografieren, Angeln, Schwimmkurse etc… Die Gegend eignet sich hervorragend dazu.

Doch irgendwie wäre mehr Initiative nicht schlecht.

Jan Buck Hommage

Lidia Głuchowska

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Film

FILM „Hommage an Jan Buck (II): Nach der Kohle… Gesichter und Landschaften der Lausitz“
Fotoausstellung, Symposium und Exkursion

Noch bis zum 27.08.2023 ist in der Alten Segeltuchfabrik/ Stara płachtowa gótnica in Cottbus/ Chósebuz die Fotoausstellung „Nach Kohle… Gesichter und Landschaften der Lausitz“ mit Werken von Frank Höhler, Thomas Kläber, Jürgen Matschie/ Maćij und Carla Pohl zu sehen.
Organisiert wurde sie im Rahmen des Projektes „Hommage à Jan Buck“ (II) unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Lidia Głuchowska vom Institut für Visuelle Künste der Universität Zielona Góra, als zweite – nach der Ausstellung „Hommage an Jan Buck (II): Wir haben den Ort gesehen“. Den Film zu der letzteren haben wir am 9. Juli 2023 präsentiert.

Siehe HIER

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tod im tegel / reblog

XXV SEPTEMBER

für hannelore

zuletzt schleppte sich eitelberg auf das dach und sprang in die tiefe
er lebte im siebten stock und unter seiner loggia wuchsen die zwergkiefern
er wollte auf numer sicher gehen,
darum erklomm er
mit letzter kraft die sechs etagen und stürzte sich
vom dreizehnten stock
auf die betonplatten; genau dort wo siebenhundert bewohner des hauses tagein tagaus
vorbeigehen; einen monat lang trat aus den poren des steines sein blut heraus
und färbte rostrot das grau, zwei handflächen gross.
neunundvierzig tage wollte ich an ihn denken.
manchmal legte ich eine wildrose, zog die mütze ab und blieb eine minute stehen,
doch meistens blieb es nur beim rose werfen und mütze ziehen
(szybciej, franek, szybciej);
einmal wachte ich in der nacht auf, genau um die zeit als er sprang,
und fragte mich: warum?
(ich suchte dann die brahmsplatte aus, weil bei ihm die träne, die von dem auge fällt
das herz erleichtert);
ein paar mal sprach ich für ihn das vaterunser 
(so wie ich es die ganze kindheit und jugend tat, wenn jemand starb);
manchmal meditierte ich am seeufer oder dachte an ihn beim schwimmen;
doch es gab auch tage wo ich eitelberg komplett vergaß;
es ging schnell – so reisst sich leben von dem tode weg und versucht zu fliehen.
es ging schnell: zuerst verschwand die leiche, dann die polizei, die gaffer und die reporter;
reinigungsarbeiter schütteten den sand und kamen drei tage hintereinander mit den besen;
keiner legte einen blumenstrauss oder zündete eine kerze – tschüss, erledigt;
– eeyyy!!! läßt es liegen…- rief ich einmal so laut wie ich konnte,
als irgendwelche idioten meine blume zertraten 
(sie wurden plötzlich zehn zentimeter kleiner und bogen im rudel brav um die ecke), es war mitternacht und
später, viel später, 
kurz vor dem sonnenaufgang,
flog das reiherpaar mit dem jungen am rostroten himmel vorbei und dahin.
am siebenunddreißigsten tag fing es zu regnen an; 
die wolken kamen aus dem westen
und brachten näße drei tage lang; 
dann fuhr ich weg auf die insel gepeitscht vom wind
und von zweifel; doch die ließen bald nach, als ich die wellen umarmte, sanddorn pflückte und schnitt ab den
flundern die köpfe; es wurde stiller und stiller; bis die feuerquallen an den strand kamen und tanzten im seichten
gewässer; 
sie waren rostrot;
doch ich ging am fünfzigsten tag
mit undine
in das blau
an ihnen vorbei.

2009

Frauenblick: Macbeth

Monika Wrzosek-Müller

Macbeth bei den Salzburger Festspielen (und nicht nur)

In der Oberschule in Polen haben wir Shakespeares Drama Macbeth gelesen und dann auch Ausschnitte davon aufgeführt. Besonders gut erinnere ich mich an die drei Hexen, die ihren Text tanzend und singend vortrugen, denn eine von den dreien war ich. Diese Theateraufführungen liebte ich sehr; dadurch blieben mir auch viele Texte im Gedächtnis. Noch heute kann ich die Prophezeiungen der Hexen rezitieren.

Macbeths blutrünstiges Morden, die für mich schicksalhaft an den blutigen Händen von Macbeth und stärker noch an den Händen von Lady Macbeth hafteten, stellte, so schien mir, eine direkte Fortsetzung der griechischen Tragödien dar. Auch hier gab es einen Chor (eben den der Hexen), die die Ereignisse vorhersagten und kommentierten. Außerdem faszinierte mich die Person der Lady Macbeth, die eine viel wichtigere Rolle bei der Tragödie spielte als ihr Mann. Sie stiftete ihn zu den Morden an; irgendwann aber gerieten beide in den Sog der blutigen Ereignisse. Immerhin versuchte Macbeth sein Gewissen mit den Prophezeiungen der Hexen zu beruhigen, irrtümlich legte er sie immer wieder zu seinen Gunsten aus. Die Rolle der Magie, des Schicksals im Leben des Einzelnen strahlt aus diesem dunklen Drama. Shakespeare hatte und hat immer wieder Anschluss an die Gegenwart gefunden, seine literarischen Aussagen sind heute immer noch ganz aktuell.

Vor ein paar Tagen sah ich bei ARTE die Aufführung der Oper Macbeth von Giuseppe Verdi bei den Salzburger Festspielen. Wahrscheinlich habe ich die Produktion so aufmerksam verfolgt, weil sie von dem polnischen Regisseur K. Warlikowski, in der Choreographie seiner Frau Małgosia Szczęśniak, stammt. Warlikowski hebt den Gegenwartsbezug der Oper hervor, lässt den Größenwahn und die Zerstörungswut triumphieren. Das wunderbare Bühnenbild – mit einer langen Bank in einem Warteraum – erinnert mich etwas an die Gemälde von Edward Hopper; im Hintergrund kompliziert konstruierte Auf- und Übergänge, mit einem fahrbaren Kasten, in dem der Chor der blinden Hexen sitzt und steht. In gewisser Weise zu Warlikowskis festem Repertoire gehört auch die Kinderschar, ebenso das Psychologisierende der Inszenierung: dass Lady Macbeth keine Kinder gebären kann und aus diesem Grund zu einer machtgierigen, rücksichtslosen Person wird, wird sehr nachvollziehbar; eine lange Szene, auf einem riesigen Bildschirm eingespielt, zeigt die verzweifelte Lady Macbeth bei einer gynäkologischen Untersuchung – für mich eher wie ein Theaterstück als wie eine Oper wirkend.

Die wunderschönen Kostüme der Frauen aus ungefähr den 1930er Jahren und die konventionellen Anzüge der Männer, entworfen von M. Szczesniak, lassen das Mittelalterliche bei Shakespeare gänzlich verschwinden. Bei einer Szene, in der eine der Damen, Teilnehmerin an dem Fest zur Krönung Macbeths, den Kindern einen Gifttrunk verabreicht und sie damit umbringt, denkt man unwillkürlich an Magda Goebbels und ihren Mord an den eigenen Kindern und ihren Selbstmord. Allgemein zitiert Warlikowski ausgiebig Bilder aus Filmen oder anderen Genres.

Die Kinder in der Warlikowski-Inszenierung sind wehrlos, sie unterliegen ihrem Schicksal, sie werden sogar wie eine Speise auf einem Silbertablett serviert; sind sie aber nicht die heimlichen Helden des Spektakels?

Überzeugend fand ich die Sängerin Asmik Grigorian, vielleicht vor allem als Schauspielerin, bestimmt als eine schöne Frau, weniger als Opernsängerin. Im Vergleich zu ihr gerät Vladislav Sulimsky, der Macbeth im grauen Anzug, wohl etwas in den Hintergrund. Überhaupt gibt es keine klassisch opernhaften Stehbilder, in denen die Arien vorgesungen werden, die Darsteller bleiben ständig in Bewegung; auch das Gehäuse für den Chor wird rein- und rausgeschoben, eine riesige Neonröhrensonne leuchtete aber allem. Am Ende gab es standing ovations – zu Recht; die Bilder werden bleiben; an der Musik können wir uns auch anderweitig erfreuen.

Nebenbei habe ich etwas über Giuseppe Verdi erfahren: Macbeth ist die zehnte von seinen 26 Opern. Er hat den Text gekürzt und die Rolle der Lady Macbeth stark ausgebaut; damit hat er den Frauen einen Dienst erwiesen.

Reblog & Republik

Danke Christine fürs Finden!
Uljana Wolf war Mal vor Jahren eine junge Dichterin bei den Übersetzern Workshops von WIR e.V.
Schon damals war sie eine sehr originelle Erscheinung

REPUBLIK
 
Guten Tag Das haben wir heute für Sie:·       

Buchstaben­salat: Wenn wir Fehler in Texten bewusst einsetzen,
entsteht etwas Neues. In ihrem Essay propagiert die Lyrikerin
Uljana Wolf den Verschreiber als Chance, unsere Gewohnheiten
zu verändern·       

Am Gericht: Statt einen Klienten zu vertreten, sitzt eine
Rechtsanwältin selbst auf der Anklagebank.
Hat sie die Straf­verfolgung behindert?

Mnacamhl snid Bcuhstbean­vredrheer ein dmumes
Msisghcseick. Machnaml snid sie (wie – zuggeeebn 
– hier) sninbfeirete Speilerei. Dcoh machnmal erscahfefn
sloche Vertschauereien nuee Sinn­zusmmaenhnäge, ja
beinhae Poseie. Durch Verhörer, Verschreiber,
Buchstaben­verdreher oder falsche Übersetzungen kann
etwas Neues entstehen: eine Sprache
in der Sprache, poetischer Eigensinn.
Indem wir Fehler zulassen, ändern
wir die Regeln des Spiels.
·       
Wenn Autorinnen mit bewusst eingesetzten
Verhörern, Verschreibern oder falschen
Übersetzungen arbeiten,
passiert etwas mit den Texten.
Als würde man die Worte unscharf
sehen in Bezug auf ihre gesicherte Bedeutung,
aber überscharf in Bezug auf ihre Buchstaben,
ihre Beschaffenheit. Im Zulassen solcher
Verschreiber liegt ein wichtiger Aspekt,
möglicherweise sogar die politische Dimension
des Fehler­lesens, schreibt die deutsche Lyrikerin
und Übersetzerin Uljana Wolf in ihrem Essay.
·       
Für die Anwältin, die sich vor dem Richter
verantworten muss, steht viel auf dem Spiel.
Wird sie verurteilt, droht ihr ein – zumindest
befristetes – Berufsverbot. Der
Vorwurf der Staats­anwaltschaft:
Sie habe sich der versuchten
Begünstigung ihres Klienten strafbar gemacht,
indem sie es den Ermittlungs­behörden erschwert
habe, belastbares Material gegen den
Verdächtigten zu sammeln. Tatsächlich sind
Straf­verteidiger aber verpflichtet, die Interessen ihrer
Klienten zu wahren. Hat die Angeklagte die Grenze
des rechtlich Zulässigen überschritten?

Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag. Bis morgen.
Ihre Crew der Republikwww.republik.ch      
 
Essay: Wer Schatten hat, muss für die Spots nicht sorgen
Am Gericht: Eine Verteidigerin als Angeklagte
REPUBLIK
Republik AG
Sihlhallenstrasse 1
8004 Zürich
Im Web lesen

Das beste Buch letzter Jahre

Ulrike Edschmid, Levys Testament, Suhrkamp 2021

Es beginnt in den 70ern in Berlin, führt über London in den 20ern letztes Jahrhunderts, ab den Nulle geht es immer wieder nach Polen, und dann noch nach Bulgarien. Es ist interessant, gut und schlicht geschrieben. Der Hauptprotagonist hat keinen Namen, er ist Engländer. Man braucht Zeit um plötzlich einzusehen, dass es ein ungewöhnliches Buch ist, dass die Geschichten erzählt, von denen wir am liebsten schweigen.

Immer wieder ist der narrative Strang mit kleinen Nebengeschichten gespickt. Ich zitiere hier einen der letzten Kapitel, der mit dem Hauptthema des Buches nicht zu tun hat, und gerade deshalb einen regelrecht umhaut.

Kapitel 47, Seiten 139-140

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Reblog: Malerinnen!

Vom TIP-Berlin habe ich diese Information erhalten:

Medea Film Factory präsentiert

Die Renaissance der Malerinnen 
~ Sofonisba Anguissola, Lavinia Fontana 
und Artemisia Gentileschi 

von Hilka Sinning

Sie waren Heldinnen in der Kunstwelt des 16. und 17. Jahrhunderts: Vor mehr als 400 Jahren verzauberten die italienischen Malerinnen Sofonisba Anguissola, Lavinia Fontana und Artemisia Gentileschi ihre kunstliebenden Zeitgenossen. Dennoch waren sie für lange Zeit aus dem Gedächtnis der Kunstgeschichte verschwunden. Jetzt erleben die Alten Meisterinnen eine Renaissance: Sie werden in großen Ausstellungen gefeiert.


Selbstportraits – oben: Sofonisba Anguissola
unten: Artemisia Gentileschi

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