Reblog: Haytarma – Rückkehr

Zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Rückkehr der Tataren auf die Krim ist ein Film entstanden, der ein Ausdruck einer lebendigen und selbstbewussten krimtatarischen Kulturszene und eine lang ersehnte filmische Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse ist. “Haytarma” –  ein Film über die Deportation der Krimtataren nach Uzbekistan im Jahre 1944.
Wir übernehmen den Artikel „Повернення народу, що вистояв проти знищення“ aus der Zeitschirft “Кіно-Театр”, Ausgabe 5/2013, übersetzt aus dem Ukrainischen von Oleksandra und Ingo Jakobs vom Ukrainschen Kinoklub
in Berlin.

Die Redaktion hat den Text gekürzt und z.T. neu redigiert, weil er für den Blog zu umfangreich war.

Marija Teterjuk
Die Rückkehr eines Volkes, das die Vernichtung überlebte
Titel: “Haytarma”
Regie: Achtem Sejtablajew
Drehbuch: Mykola Rybalka
Kamera: Wladimir Iwanow
Darsteller: Achtem Sejtablajew, AlexejGorbunow, Usnije Chalilowa, Andrij Mostrenko, Andrij
Saminin, Lesja Samajewa
Produktionsstudio: ART. Ukraine, 2012

Die Erfahrungen eines kollektiven Traumas sind zu Beginn unmöglich in Worte zu
fassen. Nach und nach jedoch wird das traumatische Ereignis in die Geschichte einer
Gemeinschaft übernommen und verliert durch die Integration auf symbolischer Ebene mit der Zeit seine destruktive Wirkung. Erst hierdurch wird die Interpretation des traumatischen Ereignisses möglich. Nach dem Ende der sowjetischen Repressionen gegen das krimtatarische Volk dauerte es 24 Jahre bis es möglich wurde, das wichtigste historische Trauma der Krimtataren filmisch aufzubereiten: Die stalinistische Deportation am 18 Mai 1944.
Die Premiere des Filmes “Haytarma” fand am 17. Mai 2013 statt, einen Tag vor dem
Gedenktag an die Opfer der Deportation. (…) Die Idee zum Film”Haytarma”
stammt vom Leiter des KrimTV-Senders ART Lenur Isljamow, der auch zum wichtigsten Investor und Produzentendes Filmes wurde. Er bat dem Schauspieler des Kiewers Theaters auf dem linken Ufer Achtem Sejtablajew an, den Film zu drehen, der davon so hingerissen war, dass er auf Honorar verzichtete. Obwohl eigentlichTheaterschauspieler, hat Sejtablajew umfangreiche Erfahrungen als Filmschauspieler und Regisseur. (…)
“Haytarma” ist der Name eines tatarischen Volkstanzes, und bedeutet “Rückkehr”.
Die Umsetzung des Filmes ist ein Werk von erfahrenen Profis. Bei der Arbeit am Drehbuch stützte sich Mykola Rybalka auf historische Tatsachen und Erinnerungen von Augenzeugen der Tragödie. Die durchdachte, in sich schlüssige Handlung hält die Spannung beim Zuschauer über die gesamte Dauer des Filmes aufrecht. Diese basiert auf einer realen Episode aus der Biographie eines „Helden der Sowjetunion“, dem Piloten Amet-Chan Sultan (siehe Foto rechts). Im Mai 1944 erlaubte ihm das Kommando seines Regiments, seine Eltern in Alupka zu besuchen. Gerade in die Zeit seines Besuchs fiel die Operation des NKWD zur Deportation der Krimtataren. Es gelang ihm seine Eltern zu retten und sie in dieRegion Krasnodar zu bringen (Nach dem Krieg konnten sie nach Alupka zurückkehren). Dieses historische Gerüst erwacht zum Lebenund wird angereichert durch humorvolle, alltägliche Szenen, Liebesgeschichten und unerwartete Wendungen.  (Den Filmemacher gelang es) die historische Atmosphäre der Kriegsjahre authentisch darzustellen (…) und spektakuläre Kampfszenen in der Luft zu drehen. Da der Film zum Massenkino gehört, beinhaltet er viele Zufälle und einfache Metaphern. (…) Diese “rhetorischen” Abläufe bewegen sich jedoch innerhalb der Grenzen des gesunden Menschenverstandes und der Glaubwürdigkeit.
“Haytarma” arbeitet mit dem kollektiven Trauma der Deportation, das nicht nur die
Krimtataren, sondern auch andere Völker (Kalmücken, Inguschen, Tschetschenen, Karatschai, Balkarien, Mescheten) erlebt haben. Der Film überschneidet sich in einer Episode mit dem Holocaust: Als der Vater von Amet-Chan Dankbarkeit für die Frauen ausdrückt, die gegen die Besatzung gekämpft haben, wird die Tatarin Sajide erwähnt, die jüdische Kinder versteckte.
Der Film versucht dieses Trauma zu überwindenund es in die Geschichte hineinzuschreiben: In der letzten Szene des Filmes strecken sich Kinder unter dem löcherigen Dach eines Güterzuges nach Licht und Luft: Eine strahlende Metapher für die Lebenskraft des krimtatarischen Volkes, die ihm half, unter den unmenschlichen Bedingungen in der usbekischen Siedlungen auf die Rückkehr zu warten. Damit nimmt „Haytarma“ auch an der Bildung der nationalen Identität der Krimtataren teil, für die eine Rekonstruktion des nationalen Gedächtnisses nötig ist. Diese nationale Identität lehnt Aggressionen gegen andere Völker der Krim ab: Der Film zeigt gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Ukrainern, Russen, Armeniern und Tataren vor der Deportation.
Obwohl „Haytarma“ ein Spielfilm ist, wurde die Deportation selbst im dokumentarischen Stil dargestellt. Das Ziel der Filmautoren war es, (…) die Tragödie zu zeigen und die Erinnerung an sie zu bewahren. So herrscht in Szenen, bei denen es um die Vertreibung geht, nicht die Atmosphäre von Terror und Grausamkeit, sondern von Verlust, Trauer und Sehnsucht. Es gibt weder überflüssiges Pathos noch Theatralik. Beim Dreh der Vertreibungsszenen nahmen Zeitzeugen der Deportation teil, die zum damaligen Zeitpunkt 5-6 Jahre alt waren. Deren Gesichtsausdrücke sind stärker als jede filmische Fiktion. Die Kamera konzentriert sich hierbei nicht an den naturalistischen Details der Gewalt, obwohl es genug davon gibt: Ein Baby zurückgelassen im leeren Haus, ein alter Mann sterbend auf einer Treppe, eine Frau auf die während eines Fluchtversuchs Hunde gehetzt werden.
Man muss jedoch vermerken, dass die Ursachen der Deportation im Film nicht vollständig geklärt werden. Zum Verantwortlichen der Tragödie wird Stalin, jedoch nicht als politische Figur oder reale Persönlichkeit, sondern als infernale Gestalt und böses Schicksal,welches über allen schlüssigen Momenten der Deportation schwebt: Seine Portraits „überwachen“, was im Arbeitszimmer eines Generals und auf dem Bahnhof geschieht. Der Vater von Amet-Chan Sultan stößt gerade auf Stalin an und ahnt nichts Böses, als der General den Befehl zur Deportation gibt. Stalin wird als eine irrationale, böse Macht gezeigt und somit gleicht die Deportation einer Naturkatastrophe: Eine plötzliche, unerklärliche Zerstörung. Der Film widerspricht die Theorie des Verrats an die Nazis, die von der sowjetischen Propaganda verwendet wurde, um das historische Verbrechen der Deportation zu legitimieren. Aber auch wenn die Krimtataren keine Kollaborateure waren, bleibt die Frage, welche Gründe die Deportation in der Tat gehabt hat? War es eine wirtschaftliche Nachfrage nach Arbeitskräften zum Ausbau der östlichen Republiken oder soll man die Tragödie als Vorbereitung zum möglichen Krieg gegen die Türkei verstehen? (…)

https://i0.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/41/18_May_Monument_in_Sudak_%28Monument_of_Crimean_Tatars_Deportation%29.jpg/320px-18_May_Monument_in_Sudak_%28Monument_of_Crimean_Tatars_Deportation%29.jpg

Und noch eine Frage bleibt im Film unbeantwortet sehr wohl aber in der Reaktionen zum Film: Wie steht Russland von heute zu dieser Tat? Und die Antwort ist paradoxal: „Die Deportation ist die Tragödie des sowjetischen Volkes, nicht des krimtatarischen Volkes“, kommentiert den Film der russische Botschafter in Krim.

Ja, klar, die Täter haben auch ihre Traumas…

 

 

Pierogi w Café Freysinn

freysinnberlin
Café und Bistro im Brunnenviertel, Berlin-Mitte

freysinnCafé und Bistro Freysinn
Jasmunder Straße 5 | 13355 Berlin
Inhaberinnen: Ann-Kathrin Mätzold, Marta Susid
E-Mail: info [at] freysinn.com

Ja? Was ist das? Produktplacement? Werbung? Gar vielleicht – bezahlte? Nein, nein… Hier lesen wir heute – Nicola Caroli und ich. Um 18 Uhr.  Wir lesen auf Deutsch. Im Rahmen des Projekts Woche der Sprache und des Lesens im Wedding 2013. 

Und hier kleine Leseprobe von mir, die auch erklärt, weshalb man nach der Lesung polnische Pirogge essen kann. Überhaupt ist das Essen im Café Fraysinn hervorragend! Echt hervorragend!

Ewa Maria Slaska, Die Persona von Bergmann

“Drei Wochen. In drei Wochen kann man ganz viel schaffen. Was hast du zu verlieren?”
“25 Tausend Euro!!!”
Ich entschließe mich Pierogi vorzubereiten. Ich bin eine Polin, und angesichts einer Katastrophe fängt eine echte Polin an, zu kochen. Es darf etwas nahrhaftes sein und am liebsten auch etwas arbeitsaufwendiges und zeitraubendes. Und ich ahne schon die Ausmaße der Katastrophe… 25 Tausend Euro!
Zuerst kocht man das Sauerkraut. Bis es weich und samten wird. Mit Kümmel, Majoran und Pfeffer. 25 Tausend Euro, verdammt noch mal!
Ich ziehe einen Leinenbeutel aus dem Küchenschrank. Es duftet herrlich nach Weihnachten, Lagerfeuer im dunklen, weißen Wald und Faschingszug auf Schlitten. Die getrockneten Steinpilze.
“Was machst du?! Ich rede mit dir, und du beschäftigst dich mit deinen Pilzen.”
Gerade deshalb denke ich, aber ich sage es nicht. Einem Genie sagt man sowas nicht.
“Ich höre dir zu, Liebling.”
Herrlich duften meine Steinpilze. Ich fühle mich glücklich. Im Hinterkopf wächst zwar die winzige Frage, ob das alles gutgehen wird, ob es nicht zu voreilig ist, schon heute zu sagen, ich sei glücklich. Angesichts einer Katastrophe gehe ich heute noch gern in die Küche und bereite Pierogi vor, währenddessen der Mann an meiner Seite mit seinen intellektuellen Aufgaben ringt. Ich tue es gern, ich bin aber vorsichtig… ach was, es ist schön…
Ich lasse das Wasser kochen, tue die schönen, weissen, breiten Pilzscheiben darein und lasse sie im bedeckten Topf eine Stunde lang schwach sieden.
“Eine von den beiden Frauen ist 40, schön, reich und intelligent…”
“Sprichst du vielleicht von mir? Ausser reich stimmt alles. Ist sie auch in ihrem Beruf erfolgreich?”
“Joanna!!!”
“Ja, ja.”
“Der ganze Film spielt in einer Nervenklinik.”
“War es nicht schon mal in einem Film?”
“Alles war schon mal… ”
Das stimmt.
Ich hacke eine üppige Zwiebel klein und brate sie in der Butter. Herrlich!
“Sie leidet unter unerklärbarer Todesangst. Es beeinflusst sie, die Familie, die Karriere ihres Ehemannes. Carolina…”
“Wer ist Carolina?”
Peter nimmt meine Frage nicht wahr: ” … und ihr Ehemann entscheiden gemeinsam…”
Eine Frau und ihr Mann entscheiden selten gemeinsam. Das sagt mir meine Erfahrung. Aber Peter hat wohl andere Erfahrungen angesammelt. “…dass ob sich Carolina untersuchen lässt. Sie bleibt in einer Klinik. Lediglich die Beobachtungen werden durchgeführt. Dadurch schafft man für den Film eine metaphorische Situation: es spielt sich weder medizinisch noch psychotherapeutisch etwas ab, trotzdem bleibt die Hauptfigur in der Anstalt.”
“Und wozu?” frage ich.
“Wie wozu?”
“Wozu soll sie im Krankenhaus leiden? Zuhause hätte sie besser gehabt. Möchtest du probieren, wie die Pilze schmecken?”
“Mein Gott, Joanna, ich rede mit dir über ernsthafte Probleme und du…”
Oho!
„Ich höre dir doch mit äußerstem Ernst zu.” Ich zerkleinere die Steinpilze. “Wieso leidet sie eigentlich unter Todesangst?”
“Wie wieso? Was meinst du?”
“So wie ich es sage: Wieso hat sie Angst vor dem Tod?”
“Jeder hat doch Angst vor dem Tod.”
“Ich nicht.”
Ich gieße den Pilzsud ins Sauerkraut. Jetzt wird es gekocht, bis das sie bräunlich wird. Kochen ist vielleicht ein Schutzwall gegen die Angst. Man schafft die Welt, das All, was weiß ich…, es gibt bei Italo Calvino eine Frau N-gdx-zungh, eine nichtexistierende Existenz in dem Knollen des Alls vor dem Urknall, die eines Tages sagt: ach Kinder, ich hätte euch so gern köstliche Pasta zubereitet. Pastateig und Pierogiteig bereitet man auf ähnliche Weise zu. Mehl, Ei, Salz und Wasser. Und viel menschliche Mühe beim Kneten. Man knetet und knetet, eine demiurgische Aufgabe, und dann rollt man und wälzt, und rollt, und bei jeder Bewegung der Teigrolle wächst das All unter den Händen der Frau N-gdx-zungh.
Ich setze den Wassertopf auf.
“OK OK, sie hat Angst. Und?”
“Ihr Zustand verschlechtert sich.”
“Warum?”
“Sie ist krank. Sie weiß es aber nicht.”
“Unmöglich. Eine Krankheit, die in einer deutschen Klinik unerkannt bleibt?”
“Gehirntumor?”
“Der wird doch entdeckt.”
“Vielleicht nicht. Wenn er sich in den Falten verbirgt.”
“Na gut…”
Ich schneide kleine Kreise aus dem gerollten Teig, fülle sie mit Sauerkraut-Zwiebel-Pilz-Mischung und verklebe ihre Ränder zum Halbmond. Kosmische Formen. Alles lässt sich kosmisch auslegen, man braucht nur seinen Willen, um die Welt als das All zu sehen und nicht als Jammertal.
“Zuerst unternimmt Carolina noch Versuche gegen ihre Angst zu kämpfen oder sie zu erklären…”
“Warte doch mal, ihre Angst sei ist durch ihre Krankheit bedingt, sie braucht keine intellektuelle Erklärungen.”
“Sie weiß es nicht. Für sie ist sie unerklärbar. Sie ist eine intelligente Frau, die glaubt, ihre Angst intellektuell zu erfassen zu können. Erst später, schon im Krankenhaus, unterliegt sie der Angst und spürt, wie sie sie langsam wegfrisst.”
Ich werfe die erste Portion der Pierogi ins kochende Wasser hinein.

Und den Rest kann man heute um 18.00 Uhr hören. Und danach köstliche Pierogi bestellen. Ach, wie schön, dass es Oktober gibt, und Pilze, und gutes Essen, und überhaupt…

Puppendienstag: Schutz-Geist

Plastikmaske.webLiebe Ewa,

bevor ich vor ca. 4 Jahren nach Berlin kam, wohnte ich einige Jahre in Frankfurt am Main. In einem Klima von Bänkern und Börsenspekulanten bedarf es besonderer Schutz-Geister. Und die habe ich für mich in Form von Köpfchen aus Pappmaché geschaffen. Einen Teil davon habe ich für deinen Blog schon einmal in Szene gesetzt.

Elisabeth-kopfFür mein Leben sind diese Geister in dieser Konzentration nicht mehr nötig, und so habe ich mich entschlossen, sie “in gute Hände” abzugeben.

Einen angemessenen Obulus sollte man entrichten, der gerne auch anteilig in einen wohltätigen Zweck fliessen darf. Sonst wirkt die Magie nicht.

Sehr herzliche Grüsse

Gertraud Pohl

 

Unicum-Kot szampan-kapitan piekarz-martini Maxi-marynarz

Immer Montags: Der polnische Adel… (7)

Wir begannen vor ein paar Wochen und werden mindestens noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Tante Helena Mycielski

Auf Wydawy wohnte – wie schon angedeutet – auch eine ledige alte Tante aus dem Hause Mycielski, namens Helena. Sie mußte schon weit in den Siebzigern gewesen sein, und erhielt gewissermaßen ihr Gnadenbrot auf dem Gut. Ihr Domizil war die kleine Villa gleich vorn bei der Einfahrt zum Schloß, in der sie äußerst sparsam und zurückgezogen lebte.

Tante Helena war – gelinde gesagt – schon etwas aus der Zeit. Zudem waren ihr kleine Jungs nicht geheuer. Deshalb störte es sie nachhaltig, wenn ihr Großneffe Józiu und ich an ihrem Haus im Spalier herumkletterten. Sie erwehrte sich dessen, indem sie uns eine kleine Dusche aus ihrer Gießkanne zukommen ließ. Józiu behauptete nun aber stante pede, die Großtante habe uns mit Jauche überschüttet, und machte damit aus einer Bagatelle einen Eklat – jedenfalls in den Augen der Großtante, denn alle anderen interessierte die Affaire gar nicht. Józiu blieb harttnäckig bei seiner Behauptung, obwohl ich – mit mehr Mitleid für die alte Dame – wahrheitsgemäß erklärte, dass es wirklich sauberes Wasser gewesen sei, das mitnichten gestunken habe.

Innerhalb der Familie war die Aktion längst als Bagatelle abgetan. Ob Józiu nun behauptete zu stinken oder nicht, war allen egal. Aber ich war ein Gast. Und da sich zu der Zeit auch meine Mutter auf dem Schloß befand, sah sich Tante Helena genötigt, bei ihr noch eine gesonderte Entschuldigung anzubringen. Also kündigte sie sich bei Mutter förmlich an, kam in passender dunkler Kleidung und beteuerte wiederum nachhaltig, daß sie wirklich klares Wasser über uns vergossen habe. Józius Anschuldigung wurmte sie entsetzlich, trotz aller meiner Eide. Deshalb beteuerte sie – als meine Mutter längst abgereist war – auch meiner acht Jahre älteren Schwester Janina gegenüber noch einmal, daß es reines Wasser gewesen wäre. Und um ihr besonderes Wohlwollen auszudrücken, schenkte sie Janina vor unserer Heimreise im August noch ein großes, mehrere Jahre altes Schokoladen-Osterei. Das Ei stieß dem deutschen Zoll zwar etwas auf, löste aber nur Verwunderung und keine Weiterungen aus.

Wie schon gesagt: Tante Helena lebte außerhalb der Zeit. Als sie eines Tages ins Poniecer Krankenhaus eingeliefert werden sollte, tauschte sie eine gewisse Menge Geldes in kleine Münzen. Befragt, was das solle, beteuerte sie, das Kleingeld den Straßenjungen zuwerfen zu müssen, wenn sie auf der Trage liegend ins Hospital befördert würde. Was außerhalb ihrer Vorstellungen lag: Sie wurde im Krankenwagen ins Hospital gegebracht.

Großtante Helena litt übrigens häufiger unter einer ekligen Migraine, die sie allerdings sehr probat selbst behandelte. Mit einer großen Schere pflegte sie die Kopfschmerzen erinfach oberhalb der Haare abzuschneiden.

Ungeachtet ihrer Vogeligkeiten war sie aber eine hochgebildete, in der Weltliteratur beschlagene Frau, die unter anderem Homer ins Polnische übersetzte.  Und diese Tante Helena führt nun unmittelbar zu dem Kapitel der Czartoryskis über.

Die Czartoryski’s

Die Fürsten Czartoryski waren noch reicher als der Graf Taczanowski vor seinen finanziellen Eskapaden, aber offenbar aus soliderem Holz. Sie waren – wie man so sagt – steinreich, und die Fama berichtet, sie hätten 1815 Talleyrand rund 10 Millionen Louisdor geboten, wenn es ihm gelänge, auf dem Wiener Kongreß Polen wiedererstehen zu lassen. Bekanntlich glückte das nicht, aber hätte es geklappt, wären die Czartoryskis ohne Zweifel die neuen polnischen Könige geworden.

Wie gesagt, sie waren ungeheuer reich. Herr von Finck erzählte mir in den Neunzigern, dass sein Onkel vor dem Ersten Weltkrieg Vermögensverwalter der Czartoryskis gewesen sei, und der habe erzählt, dass man auf einer Reise von Warschau nach Moskau – mit der Kutsche, versteht sich – jeden Tag auf einem anderen Besitz der Czartoryskis habe übernachten können.

Ihre Bedeutung für Polen war immens; in Rußland hatten sie aber trotz ihres Reichtums offenbar keine einflußreiche Rolle gespielt. Jedenfalls be­rich­tete mir mein guter alter Freund und Kollege, der Fürst Wladimir Alexandrowitsch Tschelischtschew, der sich später Lindenberg nannte, dessen Patentante aber nicht weniger als die Schwester der Zarin war, dass er – wie seine Eltern – den Czartoryskis nie begegnet sei, was soviel bedeutet wie, dass diese am Zarenhofe nicht verkehrten.

In den 30. des XX. Jahrhunderts hatten die Czartoryskis ihren Stammsitz anscheinend im Warthegau, jedenfalls nicht weit vom Gut Wydawy des Grafen Wojciech Mycielski entfernt. Die Folge waren häufige ge­genseitige Besuche.

Es waren der Czartoryskis drei, die Brüder Adam – so etwas wie der Chef des Hauses, Roman – der Langweiler und Stanisław – der Charmante.

Dem ersten Czartoryski, dem ich begegnete, war Roman, der Langweiler. Da ich als Knabe meine Ferien vorwiegend auf Wydawy verbrachte, ergab sich für mich die Gelegenheit, diesen Teil der Czartoryskis als ersten in Augenschein nehmen zu können. Roman galt im Übrigen auch als ungemein humorlos. Das stimmte aber nicht so ganz. Zumindest entfaltete er mir gegenüber so etwas wie einen gnädigen Charme.

Eines Tages wurde sein Besuch angekündigt, und Vater belehrte mich, dass ich den Herrn Fürsten mit „Durchlaucht“ anzusprechen habe. Das Wort gefiel mir aber ganz und gar nicht; Es klang in meinen Ohren zu sehr nach „Durchfall“, und ich erklärte deshalb unwiderruflich: „Pfui Deibel. Das sag ich nicht!“ Alle – das heißt in diesem Fall: die Grafen Wojciech und Władysław Mycielski, die Gräfin Róża und natürlich Vater und Mutter – waren nunmehr gespannt, wie ich die Situation händeln würde. Also begrüßte ich den bedeutenden Sproß der Familie Czartoryski am kommenden Morgen mit: „Guten Tag, Herr Fürst.“ Obwohl das unvermeidlich nach der Begrüßung einen jüdischen Handlungsreisenden klang, nahm der Fürst die Titulierung nicht im Geringsten übel, sondern sogar lachend entgegen. Also hatte er doch Humor. Die anderen waren offensichtlich nur nicht fähig, diese Saite in ihm zum Klingen zu bringen.

Der Wichtigste der drei Brüder aber war Adam. Zu ihm pflegte Vater – über die Mycielskis – einen engeren Kontakt. Am 10. Januar 1935 berichtete er in einem Brief an die Mutter, dass er gerade beim Fürsten Czartoryski gewesen sei, und dieser ihm erzählt habe, dass in Berlin-Wilmersdorf ein Bekannter von ihm lebe, dem es schlecht ginge, und dem er etwas helfen wolle. Es handele sich um den Satiriker A.O. Weber, der in der Landhausstraße 2 wohnhaft sei. Kurzum! Mutter möge doch dem Herrn Fürsten gefällig sein und etwas über A.O. Weber in Erfahrung bringen, dessen Bücher offenbar von den Nazis verbrannt worden waren. Dazu empfahl er, in der Sache Hans von Riesen – den engen Freund – zu konsultieren. Der übrigens war im Kriege (d.h. im Ersten Weltkrieg) in einem gleichen Kommando wie Wojciech Mycielski gewesen. Was aus dem Ganzen schließlich geworden ist, muß offen bleiben. Auch in Kubickis Brief an seine Frau vom Juni 1935 schreibt er nur: „…außerdem fahren wir jetzt gleich zum Fürsten Czartoryski… “, kommt aber auf die Geschichte selbst nicht mehr zurück.

Fürst Adam war nicht ganz ‚ungefährlich’. Er war exorbitant an der Politik der gesamten Welt interessiert und hielt alle wichtigen internationale Journale. Fatal war nur, dass er stets mit anderen tiefschürfend und langatmig darüber diskutieren mußte. Da kam ihm Wojciech Mycielski auf dem nahen Wydawy gerade zupaß. Da er dazu neigte, am Telephom stundenlang über die Dinge zu reden, war er zurecht gefürchtet. Die Bewohner Wydawys benutzten schon verschiedene Tricks. War Wojciech erschöpft, übernahm Kubicki den Hörer, und nach diesem Władek. Ahnte man beim Läuten des Telephons rechtzeitig, dass Adam am anderen Ende sein würde, meldete sich manchmal auch die Gräfin Róża, vorgebend, das Stubenmädchen zu sein: „Die Herrschaften sind nicht zu hause,“ flötete sie dann ins Telephon.

Ich war ein Frühaufsteher, was mich mit dem Fürsten in Verwicklung brachte. Eines Morgens nämlich fand ich mich allein vor dem Schloß – noch unschlüssig, wie ich den Tag so beginnen sollte. Fürst Adam Czartoryski war offenbar ebenfalls ein Mann des zeitigen Tages. Jedenfalls war er schon eingetroffen, als ihn noch niemand erwartet hatte. Wojciech Mycielski saß damit in der Falle. Er hatte viel auf den Feldern zu tun und weder Zeit noch Lust, sich mit dem Fürsten zu verplaudern. Der einzige Weg aus seinem Appartment führte aber durch eben den Salon, in dem der Fürst wartete. Wojciech lehnte sich suchend aus dem Fenster im Hochparterre, entdeckte mich, und hatte offenbar genug Vertrauen zu meiner Verschwiegenheit, denn er bat mich, eine Leiter zu holen. So konnte er übers Fenster das Weite suchen. Władek und Róża mußten die Konversation mit Adam Czartoryski allein führen. Ich habe bis heute geschwiegen, denke aber, dass es nach gut 75 Jahren erlaubt sein sollte, die kleine Verschwörung preiszugeben.

Fürst Adam war übrigens nicht der einzige Czartoryski, der gelegentlich Ungemach auf Wydawy verbreitete. Die Mutter Adams war eine weit regelmäßigere Besucherin Wydawys, sehr zum Leidwesen der Tante, der alten Gräfin Helena. Diese bewohnte – wie schon gesagt – die kleine Villa im Park Wydawys, nahe der Einfahrt und der Auffahrt zum Schloß. Sie lebte äußerst sparsam. Schon ihr Treppenhaus signalisierte das, denn es wurde nur von einer einzigen 15-Watt-Birne so gut wie nicht beleuchtet. Beim Betreten des Hauses wurde einem prompt gruselig.

Beide Damen – die Fürstin Czartoryska wie die Gräfin Mycielska – waren gut katholisch und besuchten regelmäßig die sonntägliche Frühmesse, die Fürstin – noch etwas katholischer als die Tante – nüchtern. Die Messe unter knurrendem Magen war dann auch Anlaß für die Frau Fürstin, sich anschließend zum Frühstück bei der Frau Gräfin einzufinden. Es entsprach auch durchaus der Etikette, dem zu willfahren. Dennoch ärgerte es die Gräfin. Sie nämlich – etwas weniger katholisch – frühstückte bereits vor der Messe. Aus der gräflichen Küche bekam sie nämlich täglich ein feudales Dejeunée, von dem sie an solchen Tagen etwas für die alte Fürstin abzweigte, die das dann auch tapfer wegputzte. Tante Helena aber beklagte anschließend, dass die Frau Fürstin auch wirklich alles aufgefuttert habe. Für ein zweites Frühstück blieb an solchen Tagen nichts zurück. Sic!

Die Czartoryskis luden eines Tages den Adel der Umgebung zu einem riesigen Picknick ein. Das wurde zu einem bemerkenswerten Ereignis. Wir fuhren von Wydawy aus mit drei oder vier Wagen los. Einige Kilometer weiter kamen von links und rechts weitere Kolonnen hinzu, und der Korso wurde länger und länger. Schließlich hielten wir in einem Wald. Selbstredend blieben die Bediensteten draußen bei den Pferden und Wagen, wurden aber gut versorgt. Im inneren Zirkel traf sich nur der Hochadel.

Dass ich als gehobenes Neuköllner Straßenkind Zugang hatte, erschien mir bei dem Umgang meines Vaters ganz normal. Im Wald tobte alles durcheinander, der Adel und seine Hunde. Junge Mitglieder der Czartoryskis drehten mit bloßen Händen kleine Bäume aus der Erde und zerhackten sie. Das war kein überzüchteter degenerierter Adel, das waren kräftige, unternehmungslustige Gesellen. Jeder der Gäste hatte etwas mitgebracht, gemeinhin in großen me­tallenen Kannen, wie man sie vom Kuhstall her kennt. Darin waren Suppen, Fleisch, Kartoffeln und Soßen oder auch Gemüse. Eine Kanne mit Roten Beten fiel um, und ein Teil ergoß sich auf den Waldboden. Ich aß Rote Bete für mein Leben ungern, und hatte durchaus kein Verständnis dafür, dass etliche Hunde sich auf das Zeug stürzten und es eifrig auffraßen. Feuer wurde gemacht, Lieder wurden gesungen, und wir kleinen Jungen hatten genug zu tun, alles zu begutachten. Es war Hochsommer und blieb lange hell. So kamen wir noch vor der Dunkelheit – aber rechtschaffend müde – wieder zu Hause an.

Fortsetzung in zwei Wochen, weil es am kommenden Montag unbedingt ein anderer Beitrag kommen muss


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Poezja – Poesie – Poetry / Marek Grechuta

Urodził się 10 grudnia 1945 roku, zmarł 9 października 2006 roku w Krakowie. Piosenkarz, poeta, kompozytor, malarz, z wykształcenia architekt, jak twierdzi Wikipedia, interesował się także rzeźbą i filozofią. W ostatnim tygodniu nagromadziło się kilka rocznic poetyckich. Była 77 rocznica urodzin Agnieszki Osieckiej, była 92 rocznica urodzin Tadeusza Różewicza. Nie wiem dlaczego zdecydowałam jednak, że przypomnę tu Marka Grechutę, choć zarówno “Ocalałem prowadzony na śmierć” jak “Okularników” można dokładnie tak samo jak “Świecie nasz” uznać za najważniejsze teksty literackie, określające nasze pokolenie.  Wszyscy troje byli kultowymi postaciami i symbolami tej najlepszej Polski, jaką wtedy mieliśmy. Osiecka i Różewicz na pewno się tu pojawią. A dziś Marek Grechuta.

Świecie nasz

Pytać zawsze – dokąd, dokąd?
Gdzie jest prawda, ziemi sól,
Pytać zawsze – jak zagubić,
Smutek wszelki, płacz i ból

Chwytać myśli nagłe, jasne,
Szukać tam, gdzie światła biel,
W Twoich oczach dwa ogniki,
Już zwiastują, znaczą cel,

W Twoich oczach dwa ogniki,
Już zwiastują, znaczą cel.

Świecie nasz, świecie nasz,
Chcę być z Tobą w zmowie,
Z blaskiem twym, siłą twą,
Co mi dasz – odpowiedz!

Świecie nasz – daj nam,
Daj nam wreszcie zgodę,
Spokój daj – zgubę weź,
Zabierz ją, odprowadź.

Szukaj dróg gdzie jasny dźwięk,
Wśród ogni złych co budzą lęk,
Nie prowadź nas, powstrzymaj nas,
Powstrzymaj nas w pogoni…

Świecie nasz –
Daj nam wiele jasnych dni!
Świecie nasz –
Daj nam w jasnym dniu oczekiwanie!
Świecie nasz –
Daj ugasić ogień zły!
Świecie nasz –
Daj nam radość, której tak szukamy!
Świecie nasz –
Daj nam płomień, stal i dźwięk!
Świecie nasz –
Daj otworzyć wszystkie ciężkie bramy!
Świecie nasz –
Daj pokonać każdy lęk!
Świecie nasz –
Daj nam radość blasku i odmiany!
Świecie nasz –
Daj nam cień wysokich traw!
Świecie nasz –
Daj zagubić się wśród drzew poszumu!
Świecie nasz –
Daj nam ciszy czarny staw!
Świecie nasz –
Daj nam siłę krzyku, śpiewu, tłumu!
Świecie nasz –
Daj nam wiele jasnych dni!
Świecie nasz –
Daj nam w jasnym dniu oczekiwanie!
Świecie nasz –
Daj ugasić ogień zły!
Świecie nasz…

Świecie nasz, świecie nasz,
Chcę być z Tobą w zmowie,
Z blaskiem twym, siłą twą,
Co mi dasz – odpowiedz!

Autor tekstu i wykonawca: Marek Grechuta
Kompozytor: Jan Kanty Pawluśkiewicz

***
Und hier der Text auf Deutsch übertragen von einen berühmten DDR-Liedermacher Kurt Demmler. ANAWA und MAREK GRECHUTA erreichten zu Beginn der 70. und in Folge des Albums “Korowód” (1971) eine große Popularität in der DDR. Richtig populär wurde er, nachdem sie im Rundfunk der DDR einige ihre Lieder in deutscher Sprache neu produzierten, ua. “Dni, Ktorych Nie Znamy” / “Wichtig sind Tage, die unbekannt sind” ein Kultsong, ebenso wie “Świecie Nasz” / “Unsere Welt” zu einer Hymne avancierte, in der die Sehnsucht nach einer besseren Welt, die uns damals unbewusst beschäftigte, besungen wurde.

gehen wir dahin wo wind weht
dahin wo die zeit uns braucht
dahin wo der tau noch funkelt
suchen wir den jungen tag
nimm dein herz und nutz dein werken
und nimm dir vom glück dein teil
dahin wo noch alles möglich
da geh hin und nutze die zeit

gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
gehen wir

hüte deine besten träume
lass dich nicht vom schein verführen
bau dein haus auf festem boden
wo ein tag dem anderen folgt
doch lass dich am tische nieder
trink den wein der wahrheit
dahin wo noch alles möglich
da geh hin und nutze die zeit

gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
suchen wir den tag der vor uns liegt
gehen wir suchen wir den tag
gehen wir

frage stets wohin warum
wahrheit ist der erde salz
frage immer wie vergehen
alle trauer aller schmerz
halte deine träume fest
und die liebe und das licht
deine augen spiegeln schon
zukunft voller zuversicht
deine augen spiegeln schon
zukunft voller zuversicht

unsre welt unsre welt
sie gehört auch mir
dass sie endlich blühen kann
sorg ich mit dafür

aber noch braucht es zeit
fernes zu erreichen
und es gibt noch Not und tod
elend ohnegleichen
dass das endlich anders wird
müssen wir uns mühen
und es muss die ganze welt
endlich endlich blühen

unsere welt
braucht die sonne braucht das licht
unsere welt
hat die kraft dazu die nie verlischt

unsere welt
hat nicht platz für mord und brand
unsere welt
hat den hunger noch nicht ganz verbannt

unsere welt
sei beschützt vor angst und not
unsere welt
hat für alle menschen reichlich brot

unsere welt
schließt dem feigen tür und tor
unsere welt
sei so stark wie niemals je zuvor

unsere welt
schütze liebe und das licht
unsere welt
sie soll sein voll mut und zuversicht

unsere welt
schenke morgens uns den tau
unsere welt
schenk uns nächte ruhig still und lau

unsere welt
hüte wälder auch und seen
unsere welt
sie braucht menschen die mit klaren augen sehn

unsere welt
sie braucht uns zum fortbestehn
unsere welt

unsre welt unsre welt
sie gehört auch mir
dass sie endlich blühen kann
sorg ich mit dafür

Verzeihung: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurde von jemanden von der Internetseite http://www.ostmusik.de von den Originalaufnahmen abgeschrieben.

dt. Kurt Demmler

***

English version of that song I found on the site “www.textowo.pl” without a name of translator:

Our world

Always asking – where to, where to?
Where is the truth, salt of the Earth,
Always asking, how to lose
All sadness, cry and pain.

Catch sudden, bright toughts,
Seek there, where light is white,
Two fires in your eyes
Herald, mark the goal.

Two fires in your eyes
Herald, mark the goal.

Our world, our world,
I want to deal with you,
With your shine, your strength,
What will you give me – answer me!

Our world – give us,
Finally give us permission,
Give us peace – take the bane,
Take it, escort it.

Seek for roads where bright sound,
Among evil flames which bring fear,
Don’t lead us, stop us,
Stop our chase.

Our world –
Give us many bright days!
Our world –
Give us expactation in a bright day!
Our world –
Let us put out the evil flames!
Our world –
Give us happiness which we’re seeking!
Our world –
Give us fire, steel and sound!
Our world –
Let us open every heavy gate!
Our world –
Let us defeat every fear!
Our world –
Give us happines of shine and variety!
Our world –
Give us shadow of high grass!
Our world –
Let us get lost among noise of the trees!
Our world –
Give us black lake of silence!
Our world –
Give us strength of shout, singing, crowd!
Our world –
Give us many bright days!
Our world –
Give us expectation in a bright day!
Our world –
Let us put out the evil flames!
Our world…

Our world, our world,
I want to deal with you,
With your shine, your strength,
What will you give me – answer me!

300 Jahre Nachhaltigkeit

Vor 300 Jahren schrieb Hans Carl von Carlowitz sein Buch Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, das als erstes Werk gilt, das Nachhaltigkeit fordert: „Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weil es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“

Dass es mit Herrn von Carlowitz so gewesen ist, wurde ich von Tarik Mustafa informiert, Präsidenten des Bundesverbandes Nachhaltigkeit. Wir treffen uns auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, auf dem Gelände von Arche Metropolis. Ich drehe seine Visitenkarte in der Hand rum. Ha, Bundespräsident! Wir alle sind doch irgendwelche Präsidenten. Er ist ein Präsident der Eutopie, eines glucklichen Ortes. Es ist ein Kunstprojekt fżr die Chancen und die Entwicklung der urbanen Gesellschaft in 21. Jahrhundert. Kunsprojekt. Akademie für Fortschriftliche Rückbesinnung. Auszeichnungen durch UNO. Ich schaue mir sein Feld an und weiß nicht, ist es ein schönes Projekt, ist es ein Bluff? Tarik selber ist jedoch ein unglaublich netter Mensch. Offen, entgegenkommend. Ich vermute, dass er auch ein Frauenversteher ist, weil er mir so leicht alle meine anfängliche skeptische Gedanken weg nimmt.  Das Projekt soll dem Gründungsvater der Nachhaltigkeit gebürtige Ehre zuweisen.

An einem schönem, kalten, windigen Tag sitzen wir auf einer Holzbank mitten im Nichts des riesiggrossen ehemaligen Flughafens und reden von bürgerliche Partizipation, Zukunftsvisionen und sozialen Aufgaben jedes Einzelnen. 1,3 Hektar Feld mieten er und seine Mitstreiter, wo sie kleine Hütten bauen, kleine Gartenbeete für Schulklassen zur Verfügung stellen, kleine Bühne betreiben, gedeckt von einem Dach aus den Plastikresten voll von gewollten Leerräume. Wir reden miteinander und ich bin enthusiastisch und hingerissen.

archeDas haben die charismatischen Menschen an sich. Sie bezirzen uns. Was hat er mir erzählt, der Tarik? Ausser Bilder von kleinen Hüten, vom weiten Feld und der Geschichte von Herrn Carlowitz, habe ich wenig im Kopf. Trotzem, eins ist sicher: Ein interessantes Bildungs- und Kunstprojekt.

Adresse:
Tempelhofer Feld, zwischen den beiden Eingängen vom Tempelhofer Damm und dann ganz einfach dorthin gehen, wo man kleine Häuschen und flattriges Dach sieht

Bilder: Wikipedia Commons

Zusätzliche Information vom November 2013. Arche Metropolis wird ausweichen müssen.
wymowienie

Puppendienstag: Flohmarkt am Ostbahnhof

Ich war ja auch da, wir haben uns jedoch nicht getroffen. Gertraud Pohl schrieb am Tag der Deutschen Einheit:

Liebe Ewa,

zweimal im Jahr gibt es am Ostbahnhof einen großen Flohmarkt – am 1. Mai und am 3. Oktober. Ich kannte diesen Flohmarkt bis heute nicht, nun habe ich mich für dich umgeschaut, und das Ergebnis schicke ich dir – ohne zusätzlichen Text.

Sehr herzliche Grüsse

Gertraud

 

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Immer Montags: Der polnische Adel… (6)

Wir begannen vor fünf Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder “Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Niklewicz

Der Zufall wollte es, dass sich unweit Wydawys Verwandte des Vaters auf einem Gut namens Potrzebowo niedergelassen hatten.

wydawy-mapaDieser Ort – auf der nebenstehenden preußischen Karte noch als Neulaende vermerkt – liegt von Wydawy aus Richtung Bojanowo nur wenige Kilometer entfernt. Dort besuchten wir also einige Male Onkel Stefan Niklewicz und seine Frau Helena. Dieser Familienstrang war seit 1410 – seit der Schlacht bei Tannenberg – adlig, aber doch zu gering und unbedeutend, um irgendeine wichtige Rolle im polnischen Adelsleben zu spielen.

onkel-tante

Onkel Stefan und Tante Helena mit Edek und Halina

niklewiczdwor1Onkel Stefan war etwas derb, interessierte sich verständlicher Weise nicht sonderlich für mich, und ich entwickelte meinerseits keine Sympathien für ihn. Aber Tante Helena, eine Kusine über einen weiteren Familienstrang des Vaters, war eine herzensgute Frau. Sie hatten zwei Kinder, Edek und Halina. Beide studierten auf der Universität in Posen irgendwas, waren also deutlich älter als ich, aber durch mir unverständliche Verschiebungen in den Familiensträngen dennoch Neffe und Nichte von mir. Damit war eigentlich Onkel Stefan auch irgendwie mein Vetter, was nun gar nicht mehr nachvollziebar war, ohne verrückt zu werden.

 

Das Herrenhaus von Potrzebowo – Rückseite mit Treppe, Teich; unten – Frontseite.

niklewiczdwor2Potrzebowo war etwa 1.200 Morgen groß. Das Herrenhaus war geräumig, aber architektonisch nicht viel mehr als ein Kasten, wäre da nicht das säulengetragene Portal mit Altan gewesen. Das Ganze war solide gebaut und steht noch heute, inzwischen ebenfalls durch den Sozialismus kräftig verwahrlost. Hinten gab es eine Terrasse mit einer breiten, elfstufigen Trep­pe, hinunter zu einem kleinen See mit Brücke.

Tante Helena war eine erstklassige Köchin und zeigte mir im Keller, wie man wundervolles Erdbeereis bereiten kann. Begriffen habe ich es bis heute nicht, wie sie durch Rühren Kälte erzeugen konnte, aber geschmeckt hat das ungemein.

Nach drei Tagen wurden wir – schon spät abends – von Wydawy aus mit der Kutsche wieder abgeholte. Die Pferde trabten – auf der Straße von Bojanowo nach Poniec – wie von selbst dem heimatlichen Stall zu. Und mir blieben unvergessen, wie Tausende von Leuchtkäfer uns begleiteten und ständig erregt blinkten. Es war enorm romantisch.

Fortsetzung am nächsten Montag


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Poesie – Poezja / Meret Oppenheim

Achtung: Beitrag auf Deutsch und Polnisch – Uwaga: wpis po niemiecku i po polsku

Geboren vor Hundert Jahren, am 6. Oktober 1913, in Berlin-Charlottenburg, Künstlerin und Dichterin, eine von wichtigsten Malerinnen und Bildhauerinnen der modernen Kunst. Das Objekt ‹Le déjeuner en fourrure› aus dem Jahre 1936, dh. ‹Tasse und Teller aus Porzellan, sowie ein Löffel, alles mit einem dünnen Pelzchen überzogen›, ist nicht ihr wichtigstes Werk, aber wohl so ein, das jeder kennt. In der großen Berliner Retrospektive gibt es sie nur als Abbildung. Eigentlich Schade, oder?

futrzana filiżanka

Sie war eine emanzipierte, mutige, kreative und exzentrische Frau mit aussergewöhnlichen erotischen Ausstrahlung, die mit den wichtigsten Künstler ihrer Zeit befreundet war, Marcel Duchamps, Max Ernst, Man Ray, und von ihnen fotografiert und porträtiert wurde. Jetzt widmet ihr bis 1. Dezember Martin Gropis Bau in Berlin eine bemerkenswerte Retrospektive.

meretoppenheimMeret Oppenheim wielka artystka, wspaniała kobieta, niezwykła osobowość. Prawdziwa kobieta wyzwolona. Malarka, rzeźbiarka i poetka. Na polskiej Wikipedii potraktowana doprawdy per noga: “Stworzyła tylko jedno znane dzieło, lecz do dziś uważane jest za spektakularne” – mowa oczywiście o futrzanym śniadaniu. (http://pl.wikipedia.org/wiki/Meret_Oppenheim)

Dla artystki słowo było bowiem niezwykle ważne, włączała je w obiekty sztuki, ilustrowała ich sens dołączanym wierszem. Najsłynniejszym jej tomem poetyckim jest “Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich”. Jej wiersze zostały zamieszczone w antologii poezji szwajcarskiej „Poszerzenie źrenic”, poezja Szwajcarii niemieckojęzycznej po 1945 roku (wybór i redakcja: Werner Morlang i Ryszard Wojnakowski, Wyd. Atut, Wrocław 2013). Niestety nie mam tej antologii w domu, a zanim ją sprowadzę z Wrocławia, trochę czasu upłynie. Tymczasem chciałam ten wpis zamieścić właśnie dziś, w setną rocznicę urodzin artystki. Jej wiersze przetłumaczyłam więc dla Was sama. Dwa fragmenty i jeden wiersz o wolności.

Von Beeren nährt man sich                           Jagodami można się pożywić,
mit dem Schuh verehrt man sich.                butem obronić.
Husch Husch, der schönste Vokal                Sio, sio,
entleert sich.                                                    najpiękniejsza zgłoska pustoszeje.

Für dich – wider dich                                    Dla ciebie – przeciw tobie
Wirf alle Steine hinter dich                           Rzuć za siebie wszystkie kamienie
Und lass die Wände los.                                I zostaw wszystkie ściany.

***
Endlich!
Die Freiheit!
Die Harpunen fliegen.

Der Regenbogen lagert in den Straßen,
Nur noch vom fernen Summen der Riesenbienen unterhöhlt.

Alle verlieren alle, das sie ach wie oft,
Vergeblich überflogen hatte.

Aber:

Genoveva:

Steif
Auf dem Kopfe stehend
Zwei Meter über der Erde
Ohne Arme.

Ihr Sohn Schmerzereich:
In ihr Haar gewickelt.

Mit den Zähnen bläst
sie ihn über sich her!

Kleine Fontäne.

Ich wiederhole: Kleine Fontäne.
(Wind und Schreie von ferne.)

1933

Nareszcie!
Wolność!
Lecą harpuny.

Tęcze nagromadzone na ulicach,
Wydrążone odległym brzęczeniem wielkich pszczół.

Wszystko stracone wszystko, choć, ach, tak często
Przelatywały nad nimi.

Ale:

Genowefa:

Sztywno
Stojąc na głowie
Dwa metry nad ziemią
Bezręka.

Jej syn PełenMęki
Zaplątany we włosy matki.

A ona wiatr zębami czyni
Okręca go wokół.

Mała fontanna.

Powtarzam: mała fontanna
(wiatr i krzyki z oddali)

1933

PS: Królowa z obciętymi rękami i syn PełenMęki to postaci z baśni Grimma Bezręka dziewczyna: http://www.grimmstories.com/pl/grimm_basnie/bezreka_dziewczyna

Reblog: Wladimir Kaminer

Zuerst die kleine Geschichte der Entstehung dieses Reblogs. Im Facebook fand ich diese Notiz:

Kaminer2Ich ging an die Kaminers Seite. Zuerst suchte ich mir den Männerarsch. Der ist HIER. Und dann fand ich einen schönen, witzigen Text mit einem Frauenarsch und schrieb an Autor:

Kaminer1Die Antwort kam noch am selben Abend:

Liebe Ewa Maria Slaska,

sehr gut, auf FB wurde dieser mein Beitrag geblockt

gruss
wk

Und somit reblogge ich diesen Text:

Kaminer3   Einmal hatten sich Österreicher über reiche Russen aufgeregt. Die Russen tranken, feierten wilde Orgien und warfen mit dem Geld nur so um sich. Das schlimmste aber war, sie ließen ihre Frauen aus Russland zu den Partys einfliegen, anstatt die Einheimischen anzubaggern. Deswegen forderten die österreichischen Hotelwirte eine Russenquote.  Meine zwei Telefone klingelten ununterbrochen, drei Tage lang, bis sich die Lage beruhigt hatte – bis zum nächsten Russenskandal.

Weiterlesen hier: http://blog.wladimirkaminer.de/post/62666562699/sex-statt-bomben