Reblog: Die älteste Pandemie der Menschengeschichte

Für diejenige, die meinen, es wäre Zeit, dass diese verdammte Pandemie schon endlich endet! Sieben Monate! Es reicht! Och je! Die älteste Pandemie, die die Menscheit fast halbierte, dauerte Sieben Hundert Jahre!
Bleiben Sie gesund!

spektrum.de 

Hubert Filser

Steinzeitpest

Im 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. schrumpfte Europas Bevölkerung rapide. Genetiker sind überzeugt: Die Pest hatte gewütet, die zuvor noch in der Schwarzmeersteppe umgegangen war. © AKG Images / De Agostini Picture Lib. / G. Dagli Orti (Ausschnitt)

Irgendetwas Dramatisches muss vor rund 5000 Jahren in Mitteleuropa geschehen sein, vielleicht auch schon einige hundert Jahre zuvor. Nur so viel ist sicher: Für die Zeit von 3500 bis 2800 v. Chr. haben Archäologen kaum Bestattungen dokumentiert. Auch Spuren großer Siedlungen fehlen. Es scheint, als seien zuvor kultivierte Landschaften schlagartig menschenleer geworden. Nichts deutet dabei auf kriegerische Ereignisse oder gewaltsame Konflikte unter den neolithischen Bauern hin. Archäologen rätseln, was damals passiert ist.

Neue genetische Untersuchungen legen nahe, dass der Schlüssel zu diesem Rätsel im Osten Europas liegen könnte. In den weiten Landschaften vom Ural bis zu den Karpaten und zum Kaukasus im Süden lebten damals mobile Viehzüchter, die auf ihren gezähmten Pferden Rinder, Schafe und Ziegen über die Steppen getrieben haben. Von dieser so genannten Jamnaja-Kultur kennen Archäologen bis heute praktisch keine Siedlungen. Nur Gräber. Hunderttausende von Grabhügeln, die vorwiegend aus der Zeit von vor 3600 bis 2300 v. Chr. stammen.

In einigen Jamnaja-Gräbern entdeckte Johannes Krause jüngst Hinweise, die ein neues Licht auf die Ereignisse in Mitteleuropa werfen: Der Direktor der Abteilung für Archäogenetik am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und sein internationales Team fanden heraus, dass einige der Toten eine frühe Form des Pestbakteriums in sich trugen. Die Forscher fragten sich, ob es nicht sein könnte, dass der Erreger auch nach Mitteleuropa gelangt war.

Der Weg der Pest nach Europa

Der bislang älteste Nachweis von Yersinia pestis ist rund 4900 Jahre alt und stammt aus einem Grab im russischen Nordwestkaukasus. Weitere, nur unwesentlich jüngere Spuren des Erregers fanden die Forscher im Altai-Gebirge, sie sind 4800 Jahre alt. Genetisch sind die Bakterien eng miteinander verwandt. »Noch kennen wir den tatsächlichen Ursprungsort für die Steinzeitpest nicht, wahrscheinlich lag er in Zentralasien«, sagt Krause. »Wir wissen aber, dass die Erreger erstmals vor rund 5500 Jahren auftauchten.« Das ergaben molekulargenetische Berechnungen. Anhand der Mutationsrate des Krankheitskeims können die Forscher dessen Abstammungsgeschichte rekonstruieren. Darüber hinaus stellte Krause fest: »Alle bekannten Typen dieses Bakteriums gehen genetisch auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück.« Inzwischen haben Forscher für die Bronzezeit die Bakterien in ganz Europa nachgewiesen, von der Iberischen Halbinsel bis zum Baikalsee. »Die Steinzeitpest war die erste Pandemie der Menschheitsgeschichte«, sagt Krause.
Von Mensch zu Mensch übertrug sich die Steinzeitpest vermutlich über Tröpfcheninfektion – eine Lungenerkrankung, die noch gefährlicher war als die spätere von Nagetieren übertragene Beulenpest
Der dänische Archäologe Kristian Kristiansen von der Universität Göteborg vertritt eine andere Theorie. Er setzt den Ursprung der Steinzeitpest bereits vor etwa 5800 Jahren an. Zu jener Zeit lebten die Menschen der so genannten Cucuteni-Tripolje-Kultur in der Region der heutigen Ukraine. Sie gründeten dort bis zu 15 000 Einwohner fassende Megasiedlungen, die »möglicherweise auf Grund der Pest«, so Kristiansen, noch im 4. Jahrtausend v. Chr. niedergebrannt wurden. Von dort habe sich der Erreger nach Westen ausgebreitet, davon ist der Forscher überzeugt.

Der bislang einzige frühe Nachweis des Pesterregers bei Menschen außerhalb der Jamnaja-Kultur stammt aus Westschweden: Es handelt sich um eine Grablege mit zahlreichen Skeletten mittelneolithischer Bauern aus der Zeit um 2900 v. Chr. Kristiansen nennt den Fund die »Mutter aller späteren Pesterregerstämme«, der einen großen Teil der neolithischen Bevölkerung vom Norden Europas ausgehend auslöschte. Dieses Ereignis habe am Ende der Steinzeit um 2800 v. Chr. einen radikalen Umbruch eingeleitet: Es hätte für die Steppenreiter den Weg nach Europa geebnet. Sie hätten demnach von der Pest profitiert, sie aber nicht eingeschleppt. Johannes Krause widerspricht dieser Idee. Für ihn fehlen immer noch stichhaltige Belege. »Das ist genetisch ein völlig anderer Peststamm, der für die steinzeitliche Pandemie in Mitteleuropa keine Rolle spielte«, sagt Krause. Zudem sei Yersinia pestis bisher in den Siedlungen der Cucuteni-Tripolje-Kultur nicht nachgewiesen.
Der Stammbaum des Erregers
Die todbringenden Bakterien spalteten sich einst vom harmlosen Bakterium Yersinia pseudotuberculosis ab und wurden vor rund 30 000 Jahren in Nagern heimisch – bis sie vermutlich irgendwo in den eurasischen Steppenlandschaften von den Tieren auf den Menschen übersprangen. »Die genauen Übertragungswege kennen wir noch nicht«, sagt Krause. Zehntausende von Jahren war der Mensch zwar potenzieller Wirt, aber kein besonders viel versprechender. Denn innerhalb einer Gruppe Jäger und Sammler konnte er sich zwar verbreiten, doch er hatte nur wenig Gelegenheit, auch andere der weit umherziehenden Wildbeutergemeinschaften zu infizieren. Erst mit dem vermehrten Kontakt zwischen Menschengruppen und dem engeren Zusammenleben mit domestizierten Tieren, die ein Erregerreservoir gebildet haben könnten, änderte sich das.

© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Juraj Lipták (Ausschnitt)

Schleifarbeit | Die geschliffene Axt aus Schiefergestein ist charakteristisch für die Schnurkeramikkultur des 3. Jahrtausends v. Chr. Der Fund stammt aus Mitteldeutschland.
Nur welches Tier käme als Zwischenwirt in Frage? »Wir haben hier die Vorläufer der Przewalski-Pferde im Verdacht, auf denen die Steppenreiter tagtäglich unterwegs waren«, sagt Krause. Lange Zeit war die Forschergemeinschaft davon überzeugt: Die heutigen Przewalski-Pferde in der mongolischen Steppe sind die letzten Wildpferde der Erde. Doch 2018 ergab eine Genstudie: Sie sind verwilderte Hauspferde, die Nomaden vor 5500 Jahren in der eurasischen Steppe gebändigt hatten. Aber diese Tiere waren nicht die Vorfahren unserer heutigen Pferde – bisher ist immer noch unklar, wo der Stammvater der Reittiere lebte. Vielleicht auch, weil die frühen gezähmten Steppenpferde vermehrt der Pest zum Opfer fielen? Krause zumindest hält einiges von dieser These.

Keine Beulen-, sondern eine Lungenpest

Von Mensch zu Mensch übertrug sich die Steinzeitpest vermutlich über Tröpfcheninfektion. Sie war also eine Lungenerkrankung, die sogar noch gefährlicher war als die spätere von Nagetieren übertragene Beulenpest, die sich über Flohbisse verbreitete. Kristiansen geht davon aus, dass sich die damalige Bevölkerung Europas von geschätzt acht Millionen Einwohnern mehr als halbierte.

Die Suche nach dem Schicksal dieser Menschen erhielt durch den jungen Zweig der Archäogenetik einen enormen Schub. Die neuesten Sequenzierungstechnologien erlauben es, schnell und kostengünstig die Überreste prähistorischer Menschen zu untersuchen. Für die Analyse uralter Genome brauchen Forscher nur wenige Milligramm Knochen- oder Zahnmaterial. Aus darin über Jahrtausende erhaltener DNA können sie nicht nur wichtige genetische Informationen über Herkunft, Augenfarbe oder Hinweise auf Laktoseintoleranz gewinnen, sie finden auch Spuren von Erregern wie Salmonellen – oder eben der Pest.

Das Pandemieszenario ist zwar nur eines von mehreren, denn auch ein Klimawandel könnte für schlechte Ernten und Hungersnöte bei den neolithischen Bauern gesorgt haben. Doch wo sind all die Toten hin? Gerade die geringe Zahl von Skelettfunden zwischen 3500 und 2800 v. Chr. wertet Krause als Indiz, dass die Pest wütete. »Vielleicht fingen die Menschen in dieser Zeit an, ihre Toten zu verbrennen, um so der Gefahr aus dem Weg zu gehen, die von den Leichen ausging«, vermutet Krause. Oder sie ließen die todbringenden Körper einfach liegen, ohne sie zu bestatten.

Männer sind nicht mehr die, die sie mal waren

Archäologische Nachweise für diese Theorie gibt es noch keine, doch die Genetiker spürten einen weiteren Hinweis auf: »Wir sehen in den genetischen Daten, dass es vor rund 5000 Jahren praktisch einen kompletten Bevölkerungsaustausch in Mitteleuropa gegeben haben muss – vor allem bei den Männern«, sagt Krause. Die Gene der Jamnaja-Kultur verdrängten in Europa bis zu 95 Prozent des Erbguts der männlichen Bevölkerung. Der große Teil heute lebender männlicher Mitteleuropäer trägt ein Y-Chromosom, das von diesen Steppennomaden stammt.
Was damals genau passierte, ist aus archäologischer Sicht immer noch ein Rätsel. Haben die berittenen Viehhirten den Tod nach Mitteleuropa gebracht, als sie vor rund 4800 Jahren in kleinen, mobilen Gruppen mit ihren Pferden und Wagen ankamen? Und waren sie selbst womöglich schon immun, nicht aber die einheimischen Bauern? Oder gibt es noch eine andere Erklärung?

© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Juraj Lipták (Ausschnitt)

Schnurkeramik. Die Töpfer der späten Jungsteinzeit haben die Ornamente mit Schnüren in den Ton gedrückt, wie bei diesem kugeligen Becher mit zylinderförmigen Hals. Das Gefäß aus Sachsen-Anhalt ist typisch für die Schnurkeramikkultur.
Sicher ist: Die Reiter kamen – die Frage ist nur wann. »Für die Zeit von vor 5000 Jahren finden wir in Mitteleuropa keine Spuren der Jamnaja-Gruppen«, sagt Sabine Reinhold, Archäologin am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin. Sie erforscht die Nomadenkulturen im Kaukasus. »Entweder haben sie keine archäologischen Spuren hinterlassen, oder der Kontakt fand indirekt über die einheimische Bevölkerung statt.« Die Nomaden lebten in den Steppen nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres in kleinen Gemeinschaften zusammen. Sie zogen mit ihren Herden im Umkreis von maximal 80 Kilometern durch die Region und sammelten sich immer wieder in riesigen Zeltlagern. Die Gruppen kamen dabei in Kontakt, tauschten Waren und Wissen aus, erklärt Reinhold. Darüber hinaus waren die berittenen Nomaden stets in der Lage, sich rasch miteinander in Verbindung zu setzen.

Kam der Erreger vor der Einwanderungswelle?

Zu der Frage, ob und wann die Reitervölker die Pest nach Westen trugen, verfolgt die Archäologin eine interessante Spur: »Es gab offenbar bereits vor 5500 Jahren einen intensiven West-Ost-Austausch.« In einigen Steppenbewohnern der Jamnaja-Kultur fanden sich genetische Spuren von Menschen aus Mitteleuropa. Offenbar waren die Bauern und Nomaden schon jahrhundertelang in Kontakt, handelten mit Gütern und Ideen, bevor die Steppenbewohner gen Westen strömten. »In dieser Zeit verbreiteten sich viele Innovationen, etwa der Wagen und die Bronzemetallurgie«, sagt Reinhold. »Über diese etablierten Netzwerke könnte sich auch der Erreger ausgebreitet haben.« Wenige Infizierte schleppten ihn dann womöglich bis nach Mitteleuropa.

In diesem Fall wäre das todbringende Bakterium den Reitern vorausgeeilt – und hätte Europa entvölkert. Die Jamnaja erhielten über die alten Netzwerke vielleicht Nachricht, dass es im Westen saftige Weiden ohne Siedler gab, und zogen los. »Die Dynamik der Pandemie könnte ähnlich verlaufen sein wie bei der Eroberung der Neuen Welt im 16. Jahrhundert«, vergleicht Krause. »Auch damals führte der Kontakt der indigenen Völker mit den Europäern zur Ausbreitung von Krankheiten und zu einem Bevölkerungskollaps.«

Geschlechtsspezifische Erkrankung

Womöglich hatten die Mitteleuropäer vor 5500 Jahren also einfach nur Pech? Weil für sie der Steinzeitpesterreger ansteckender und gefährlicher war – anders als für die Steppenbewohner? Dabei fällt auf, dass in Mitteleuropa vor allem Männer dahingerafft wurden. Wenn tatsächlich die Pest die Bevölkerung dezimiert hatte, dann waren die Männer aus irgendeinem Grund stärker durch das Bakterium gefährdet. »Solche unterschiedlichen Anfälligkeiten gab es immer wieder«, bestätigt Krause. »Auch bei Covid-19 beobachten wir, dass Männer und Frauen unterschiedlich betroffen sind.«

Die Gene der Jamnaja-Kultur verdrängten in Europa bis zu 95 % des Erbguts der männlichen Bevölkerung

Krause könnte sich auch vorstellen, dass erst ein Pestausbruch in der Heimat viele Jamnaja dazu brachte, Richtung Westen und auch Richtung Osten zu ziehen. Anderer Meinung ist Kristiansen: Seines Erachtens seien die weiten Wanderungen kulturbedingt gewesen. So sah die Gesellschaft der Jamnaja-Verbände vor, dass jeweils der älteste Sohn den Besitz erbte. Das zwang alle anderen Männer dazu, alternative Wege einzuschlagen. Sie wurden Krieger, Hirten und Kolonisten, davon ist Kristiansen überzeugt. So hätten sich einige zu Banden zusammengeschlossen, die ihr Glück anderswo suchten. Die Pest bot ihnen die große Chance, in Mitteleuropa eine neue Existenz zu gründen und sich dort Frauen unter der einheimischen Bevölkerung zu suchen. »Sie waren fähige Krieger und behielten die Oberhand«, sagt Kristiansen. »Die einheimischen Männer wurden wahrscheinlich getötet.«

Allerdings gibt es in Mitteleuropa zu dieser Zeit keine Hinweise auf kriegerische Konflikte, sagt Sabine Reinhold. Ein derart massiver Einschnitt lasse sich so nicht erklären. Kristiansens Thesen sind daher unter Archäologen sehr umstritten. Es gibt neueste genetische Untersuchungen aus der Schweiz, die zeigen, dass zumindest auf regionaler Ebene Einheimische und Einwanderer fast 1000 Jahre nebeneinanderlebten, berichtet ein Forscherteam um Anja Furtwängler von der Eberhard Karls Universität Tübingen. Die Schnurkeramiker mit Steppenvorfahren besetzten zwar große Teile Zentraleuropas. Daneben existierten jedoch über Hunderte von Jahren auch Gruppen ohne nomadische Ahnen. »Sie lebten möglicherweise in Alpentälern, die kaum Verbindungen zu anderen Regionen hatten«, sagt Johannes Krause, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Eine neue Welt wird geboren

Insgesamt erlebte Mitteleuropa in dieser Zeit einen enormen Kulturschub. Ob der große Wandel allein durch die Zuwanderung oder auch durch den Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen ausgelöst wurde, ist schwer zu klären. Doch das Leben veränderte sich drastisch. Zuvor hatten die neolithischen Bauern in Dörfern gelebt und auf gemeinschaftlich bewirtschafteten Feldern vorwiegend Emmer und Einkorn angebaut. Nun wohnten die Menschen auf Gehöften und in Weilern. Kristiansen spricht von einer »sehr viel individualistischeren Kultur, die um Kernfamilien organisiert ist«.

Opfer der Beulenpest. Die Überreste dieser zwei Menschen sind zirka 3800 Jahre alt. Als die beiden starben, waren sie mit der Beulenpest infiziert. Das Grab aus der Samara-Region im Süden Russlands liefert damit den ältesten bekannten Nachweis für den von Flöhen übertragenen Pesterreger.
Die verringerte Siedlungsgröße könnte eine Reaktion auf die Pesterfahrungen gewesen sein, denn gerade das enge Zusammenleben in Dörfern hätte den Ausbruch einer Epidemie begünstigt. Auch Lebensstil und Essgewohnheiten wandelten sich: Die Bauern züchteten vermehrt Rinder, aßen mehr Fleisch, Milch und Käse. Mit den Einwanderern verbreitete sich zudem die Fähigkeit, den Milchzucker Laktose abzubauen. Dass in weiten Teilen Europas eine neue Bevölkerung weilte, erkennen Archäologen auch an der Art, wie die Menschen ihre Haushaltsgefäße gestalteten. Sie verzierten ihre Keramikbehälter mit einem Schnurmuster. Nach diesem Detail haben Forscher der gesamten Kultur ihren Namen gegeben: Schnurkeramiker. Die Neuankömmlinge benutzten zudem andere Waffen als die ansässigen Bauern, nämlich steinerne Streitäxte. Und es wandelten sich die Grabsitten: Die Menschen legten ihre Toten zwar immer noch in Seitenlage ins Grab, doch betteten sie Frauen auf die linke und Männer auf die rechte Körperflanke. Die Reiternomaden aus der Steppe hatten das Leben in Europa nachhaltig verändert, denn mit ihnen hielt auch die indoeuropäische Sprache Einzug auf dem Kontinent.

Nach dem Drama der ersten Pestpandemie folgte einer der größten Umbrüche in der frühen europäischen Geschichte – seine Spur zieht sich bis in die Gegenwart. Zwar verschwand der Erreger der Steinzeitpest vor rund 3500 Jahren, aber offenbar wurde er von einem nahen Verwandten verdrängt: der Beulenpest. Krause und sein Team identifizierten die ältesten bekannten Opfer in einem Grab in der russischen Samara-Region, das Alter: 3800 Jahre. Ebenjenes Bakterium wird wiederum Jahrtausende später erneut die Weltgeschichte dramatisch prägen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Sierpień umarłych 3

Zbigniew Milewicz

Post scriptum

Kiedy miałem już gotowy sobotni wpis Non omnis moriar, żegnający troje polskich artystów, natknąłem się w internecie na wywiad z Ewą Demarczyk – Ja nie jestem na sprzedaż. Tego spodziewałem się najmniej. Czarny Anioł przez ostatnie 20 lat swojego życia konsekwentnie unikał kontaktów z mediami i być może ten, z 1998 roku, który znalazłem był ostatnią publiczną wypowiedzią wybitnej artystki. Trochę wyjaśnia ona powody, dla których Ewa Demarczyk w pewnym momencie wycofała się z życia publicznego i sporo mówi o prawie każdego z nas do prywatności. W przypadku znanych ludzi tę sferę bardzo trudno ochronić, bo są w pewnym sensie publiczną własnością, ale przecież nie dosłownie.

Reblog o ogrodach (wystawa) / Gärten (Ausstellung)

Wystawa wirtualna: Ogrody w oczach artystów polskich i niemieckich
Virtuelle Ausstellung: Gärten in den Augen deutscher und polnischer Künstler

Uwaga: Kliknięcie w obraz Teresy Murackiej Park przekieruje nas do wystawy
Achtung: durch einen Klick aufs Bild von Teresa Muracka gelangen wir in die Ausstellung

Fundacja Pokolenia Pokoleniom i Policultura Verein zapraszają na wernisaż kolejnej odsłony wystawy OGRODY POLSKO-NIEMIECKIE OCZAMI ARTYSTÓW,

Vernisage
Freitag / w piątek, 04 września / September godz./ um 18:30 Uhr

Partner projektu: Fundacja Współpracy Polsko-Niemieckiej.
Maseczki mile widziane, w zachowaniu rekomendowanego dystansu (pandemia covid) pomoże możliwość rotacyjnego oglądania wystawy dzięki temu, że przed atelier jest wielki dziedziniec.
Bitte kommeth mit den Masken!

Reblog o podróżowaniu

Ni stąd ni z owąd dostałam mailem instrukcję z travelbit, klubu podróżników online, jak mam przygotować prezentację o moich podróżach. Nie wiem, dlaczego ją dostałam. Nie jestem podróżniczką, choć bardzo lubię podróże i wędrówki. Zwłaszcza wędrówki. Czasem zdarzało mi się gdzieś bywać w świecie, nikt mnie jednak nigdy do klubu podróżników nie zapraszał. W tym roku zaś, kiedy to największym moim osiągnięciem poza-miejskim była czterodniowa wyprawa na Wdzydze i trzy minirejsy szalupą z przystani Wdzydzki Kąt na wyspę Mały Ostrów (nie ja byłam kapitanem, nie ja żeglowałam, nie ja wiosłowałam), zostaję zaproszona… I teraz się waham, bo może jednak trasa Wdzydzki Kąt – Mały Ostrów ma rzeczywiście, jak twierdzi nasz kapitan, znaczenie ponadczasowe.

Tymczasem, nie mogąc się zdecydować, czy by jednak nie opisać tej Wielkiej Podróży, wchodzę na stronę i czytam sobie informacje o innych Wielkich Podróżnikach…

Reblog

Historia „polskiego” poznawania świata zaczyna się całkiem efektownie

Pierwszy – jeżeli można go tak nazwać – polski globtroter był jednym z głównych uczestników największej zorganizowanej przez Europejczyków w XIII wieku ekspedycji. Nazywał się Benedykt Polak (Benedictus Polonus). Urodził się ok. 1200 toku w Wielkopolsce a zmarł ok. 1280 w Krakowie jako gwardian tamtejszego zakonu franciszkanów. Benedykt uczestniczył w pierwszej europejskiej wyprawie w głąb Azji, która dotarła do Mongolii. Miała ona pionierskie i przełomowe znaczenie w dziejach odkrywania Azji.

Powodem zorganizowania ekspedycji były najazdy tatarskie na Europę. Wobec realnego zagrożenia dla chrześcijańskiej Europy, papież Innocenty IV postanowić wysłać specjalną misję do wielkiego chana. Miała ona spowodować zaniechanie najazdów na chrześcijańskie kraje, a także nawrócić chana i jego poddanych na wiarę Chrystusa. Ponieważ wiedza Europejczyków o wnętrzu Azji była w tamtych czasach, co najmniej mglista, dodatkowy cel wyprawy stanowiło zdobycie informacji o trybie życia, wierzeniach, obyczajach i organizacji państwa Mongołów.

Misja papieska wyruszyła z Lyonu 16 kwietnia 1245 roku a jej kierownikiem został Włoch Giovanni da Pian del Carpine. Benedykt Polak był bardzo ważnym uczestnikiem ze względu na wiedzę i kontakty. Ekspedycja 18 listopada 1247 roku wróciła do Lyonu. Wysłannicy spotkali się z wielkim chanem, który jednak odpowiedział odmownie na list papieża. Co więcej, zażądał przybycia do swojej stolicy wszystkich władców Europy celem złożenia mu hołdu.

Mimo to wyprawa była sukcesem, gdyż zdobyła bezcenne informacje pozwalające przygotować opisy odwiedzanych krain. Według przeprowadzonych badań, powstały trzy relacje. Najobszerniejsza „Historia Tartarorum” (rękopis znajduje się w posiadaniu Uniwersytetu Yale) przypisywana jest właśnie Benedyktowi Polakowi. Należy pamiętać, że wyprawa Benedykta miała miejsce ponad ćwierć wieku wcześniej niż znacznie bardziej znana wyprawa Wenecjanina Marco Polo. Fachowcy twierdzą także, że „Historia Tartarorum” Benedykta jest bardziej rzetelna niż „Opisanie świata” Marco Polo.

W roku 2004 śladami Benedykta Polaka wyruszyła wyprawa zorganizowana przez Roberta Szyjanowskiego ze Szczecina. Była ona efektem fascynacji osobą pierwszego polskiego globtrotera, ale także wieloletnich badań i przygotowań. Wyprawa trwała trzy miesiące (czerwiec-wrzesień) i przebiegła trasą opisaną przez Benedykta (www.benedyktpolak.org).

 

Ciąg dalszy TU

Reblog: Dem Amulett sei dank

Igal Avidan

Auf den Spuren des jüdischen Mädchens Karolina Cohn
Hörfunksendung


Sobibór

Im November 2016 barg der israelische Archäologe Yoram Haimi auf dem Gelände des früheren nationalsozialistischen Vernichtungslagers Sobibór im heutigen Polen ein silbernes Amulett.


Yoram Haimi

Darauf war der Städtename Frankfurt am Main zu lesen und das Datum 3.7.1929 – und in hebräischen Buchstaben “Mazel tov”.


Karolina mit ihren Eltern Richard und Else (links) im hessischen Bad Orb 1932. In der Mitte Elses Bruder Max Eisemann, ermordet in Majdanek 1943.

Haimi fand heraus, dass das Schmuckstück Karolina Cohn gehört hatte, das als jüdisches Mädchen im Holocaust ermordet wurde. Daraufhin begab sich der Berliner Journalist Klaus Hillenbrand auf die Suche nach den Spuren von Karolina und ihrer Familie.

Links: Der israelische Familienforscher Haim Motzen, der Karolina Cohns Verwandten in aller Welt entdeckte. / Rechts: Klaus Hillenbrand mit seinem Buch „Das Amulett und das Mädchen“

Teil 1

Teil 2

Reblog z kałuży pełnej mirabelek

Czasem tak jest. Przy jakimś tekście pojawia się polubienie, rzucam okiem, kto, co, ale jest jak jest, ktoś cię polubił, ty kogoś, sekunda zainteresowania mija, zaczyna się dzień pracy… Aż tu nagle pewnego dnia widzisz, że wpis Zbycha Milewicza polubił ktoś, kto ma adres kałuża pełna mirabelek, i przepadłaś z kretesem, adminko. Idziesz po tropie i docierasz na bloga…

Cieszę się, Agato, że Cię znalazłam…

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fot. S_sylwia™

Kiedyś myślałam, że szczęśliwy dom to taki, w którym jest więcej doniczek niż butów, bluszczyk pnie się po półkach, kolce kaktusów lśnią w porannym słońcu, liście palm opierają się leniwie o okno.

U nas co rano rozpierducha. Bukiet stokrotek zerwanych przy torach przestał być bukietem koło drugiej. W nocy czyjaś ciemna i kosmata łapa wyrzuciła go z wazonu i poroznosiła stokrotki po całym mieszkaniu. Kilka godzin później zeschły się mało spektakularnie i mało symetrycznie. Potem nasze ciężkie od przerywanego snu i strug deszczu na dachu stopy rozdeptały je na płask. Doniczki? Tak, gliniane i tylko na podłodze. Kwiaty? Trzykrotki i palmy. Mało gramotne połączenie egzotyki z lokalnością. Te są dozwolone, nie powodują alergii, nie trują. Można się na nie rzucać i je zjadać jak wiszące nad głową skumulowane płaty karmy. Tak na serio? No tak. Monstera i to nie zwykła klasyczna ciężka monstera ze skąpymi wycięciami w liściach, ale monkey mask, piękna, podziurawiona jak według szablonu. Kupiłam ją miesiąc przed przeprowadzką, miesiąc przed wzięciem czarnego, dymnego futerka. Potem ktoś mi powiedział, że monstera jest przecież trująca dla kotów. Brawo. Brawo ja.

Upchnęliśmy więc monsterę w najmniej reprezentacyjnym miejscu, w miejscu gdzie regał z książkami przestaje być regałem z książkami, a staje się rumowiskiem pełnym starych zapalniczek z Wysp Kanaryjskich, które zardzewiały zanim ktoś zdążył nimi odpalić fajkę o smaku bananów, tam mają tak obłędnie dobre fajki o smaku bananów, że warto polecieć do Maspalomas choćby na te kilka buszków. Egzotycznie. Tam więc upchnęliśmy monsterę, żeby żaden odważny pazur nie oderwał liścia w nocy i nie pożarł go w nagłym zrywie głodu.

Trzykrotka? Nie jest gwiazdą Instagrama, a kiedy się ją dotknie, gubi swoje zielono-fioletowe listki, a kitku przybiega na plaśnięcie pierwszego liścia o podłogę i zabiera się do ogryzania zielonego opadu. Doniczki przekopuje nocami, tak że kiedy już wstaniemy, a zawsze wstajemy za późno, o tę jedną chwilę za późno, to już mamy naszykowaną dróżkę z czarnej ziemi na panelach w salonie. Kwiatki nigdy się tu nie nudzą. Truchleją wieczorem i wstrzymują oddech aż do rana.

Najbardziej boją się widoku mięciutkiej, dymnej łapy zakończonej haczykami ostrych pazurków. Kiedy to bezlitosne, dymne futerko zostało do nas przywiezione w wiklinowej transportece i czerwonym kubraku to pierwsze co zrobiliśmy, to nie zakochaliśmy się od pierwszego wejrzenia. Najpierw musieliśmy zdjąć zasikany kubrak i dobrze wyżąć go w zlewie. Zapach ciepłego, zleżałego moczu Kiki rozszedł się po pięćdziesięciu metrach mieszkania, a Kiki już obmiałkiwała wszystkie kąty. Nazywała komody, lampki i fotele w swoim języku. Chciałam ją nazwać Avonlea, bo tak jak Ani z Zielonego Wzgórza, a potem tytułowej Ani z Avonlea nie zamyka się jej buzia. Chciałam też spełnić swoją wieloletnią fantazję, żeby wszyscy w moim domu nazywali się na literę “A”, tak jak w Akademii Pana Kleksa – on przyjmował tylko uczniów z imionami na tę literę. Na starcie miałam ułatwione zadanie – Agata, Adrian. Avonlea brzmiało aż nazbyt dobrze. No właśnie, okazało się, że na tym imieniu Adrian łamał sobie język, zęby na nim zjadł, a i tak nie weszło. Wjechała więc kolejna propozycja. Raven. Czarny kruk. Czemu nie? Dymna, dumna koteczka. Próbujemy. Do tego marzyło mi się też dostojne i adekwatne kocie nazwisko. Kotka moich rodziców nazywa się nie bez powodu Kendra Pazurczak i to ja byłam dawcą tej nazwy. Stwierdziliśmy, że w przypadku dymnego futra dobrze podpasuje “von Dymkos”, przywodzące na myśl holenderskich baronów i jednoznacznie nawiązujące do dymności. Pierwsza wizyta u weterynarza zweryfikowała moje leksykalne zakusy. Kitku wjechało na weterynaryjną leżankę z zamkniętym, załzawionym oczkiem, a weterynarz otwierając książeczkę zdrowia zapytał:

– Imię?
Odchrząknęłam i wzięłam głębszy oddech, żeby wystarczyło mi go do końca:
– Raven Avolnea Kiki von Dymkos.

Weterynarz uniósł brwi aż po swoje, nietknięte botoksem, ale za to tknięte niejedną zgryzotą czoło (reszta weterynarza była skryta pod maską) i spytał:

– Jak to się pisze?
Kitku w tle płakało i na przemian tarło łapą oczko. Nie było czasu.
– Pan napisze “Kiki”, tak będzie dobrze.

No i w książeczce zdrowia wypisał cztery duże, drukowane litery K – I – K – I. Maść pomogła po tygodniu, odstawiliśmy po dwóch. Kiki pozostała Kiki. Zaczęła reagować na swoje imię i patroszyć nocami kwiaty. Teraz już wiem, że szczęśliwy dom to taki, w którym w czerwcu co rano rozdeptujesz stokrotki na panelach.

Kiki pochodzi z Fundacji Kocia Wyspa, która mieści się w Stalowej Woli, ale dowozi kotki do Krakowa i okolic. Mamy ją dzięki uprzejmości Pani Kasi i Natalii, którym prawdopodobnie nigdy nie będę umiała się wystarczająco nadziękować ♥

Blog Agaty TU

Reblog: Niedziela Aborygenów

Reblog sprzed tygodnia, kiedy rzeczywiście była Niedziela Aborygenów, 5 lipca 2020 roku

Lech Milewski

Dzisiaj Aborygeńska Niedziela

Jako wprowadzenie proponuję wizytę na mszy odprawionej w katolickim kościele – KLIK.
Byłoby dobrze, gdybyście obejrzeli przynajmniej 3,5 minuty.
Przepraszam za usterki techniczne oraz istotne ograniczenie technologii – niemożność przekazania aromatu aborygeńskiego, eukalipsowego, kadzidła.

Podczas mszy w moim parafialnym kościele wysłuchaliśmy kazania wygłoszonego przez księdza rezydujacego w aborygeńskiej społeczności w Darwin, najbardziej północnym mieście Australii.
Zwróciłem uwagę na często powtarzany zwrot – Wielki południowy ląd Ducha Świętego…

Wyznam, że ten termin brzmi dla mnie jak balsam dla agnostyka.
Trudno mi wyobrazić sobie osobowego boga, ale wierzę w duchową siłę jednoczącą ze sobą niepoliczone elementy materialne i niematerialne.

Według Aborygenów nasza przeszłość, teraźniejszość, przyszłość jest snem.

Żyjemy we śnie – dreamtime – który zaczął się, gdy zaczął się czas.
Mówią, że jesteśmy tu 40,000 lat, ale to jest dużo dłużej. Jesteśmy na ziemi od pierwszego dnia, gdyż jesteśmy jednym z Ziemią i z całym kosmosem…
Jak się do tego ma biblijny Mojżesz, Jakub, Abraham… Adam i Ewa?
Może jak historie konstruowane zgodnie z potrzebą chwili?

Wspominałem kiedyś o 250-leciu wizyty kapitana Cooka (TU). Nie ma śladów jego pobytu na australijskim lądzie. Zachowała się historia, że przed opuszczeniem tych okolic zacumował w pobliżu niewielkiej bezludnej wyspy, zgodnie z potrzebą chwili nazwał wyspę Possesion Island, kazał wywiesić brytyjską flagę, strzelić z armaty i ogłosił, że w imieniu króla Jerzego bierze ten ląd w posiadanie.
Wziąć ląd w posiadanie?
Toż to oczywiste dla każdego – tytuł własności – to przecież początek każdej działalności.
Nie dla każdego, według Aborygenów człowiek nie może posiadać ziemi, to ziemia posiada człowieka, daje mu początek i miejsce odpoczynku na koniec.
Trzeba było czekać do 1974 roku, żeby Aborygen, zatrudniony jako ogrodnik na uniwersytecie w tropikalnym Cairns, dowiedział się w cywilizowany sposób, że jego społeczność nie ma żadnych praw do lądu, na którym od zawsze zamieszkuje i postanowił podważyć to twierdzenie – KLIK.
W cywilizowany sposób – uniwersytet stwarzał do tego warunki. Do tego czasu argumentem w tego rodzaju dyskusjach był karabin.

Religia…
Dotarła do Australii dopiero po załatwieniu tytułów własności ziemi.
Bóg osobowy był dla Aborygenów bytem tak niezrozumiałym, że nawet nie wzbudzał protestu.
Podobnie opowieści biblijne, na przykład ta o kuszeniu Adama.
Reakcja Aborygenów: coż za dziwactwo! Normalny człowiek wyrzuciłby jabłko, a węża by zjadł. I żyliby dalej w raju w zgodzie z bogiem i naturą.

Dalsza lektura:
Aborygeńska duchowość – KLIK.
8 aspektów Aborygeńskiej duchowości – KLIK.
Dreamtime – KLIK.

Nigra sum sed formosa

Głos w dyskusji o tym, czy mamy jeszcze używać słowa Murzyn. I komentarz. Kilkadziesiąt lat temu widziałam w polskiej (peerelowskiej) telewizji film o wchodzeniu na Mont Everest (to jeszcze nie było takie miejsce dla hipsterów, tylko niebezpieczny szczyt górski). Film nie był jednak o himalaistach, tylko o sherpach, kobietach, mężczyznach i dzieciach, którzy razem ze wspinaczami wchodzą na górę, niosą bagaże, rozbijają obozy, gotują i sprzątają (dziś nikt już nie sprząta, na Mont Everest są kolejki, a po drodze śmietnik). Byłam młoda, mało wiedziałam o świecie, a film mną wstrząsnął. Wydawało mi się oburzające, że biali mężczyźni uzyskują swoje sukcesy kosztem gromady ludzi biednych, ciemnoskórych, młodych i starych, kobiet i mężczyzn. Prawie płacząc opowiedziałam to znajomemu moich rodziców (od dawna to jest już mój znajomy), taternikowi, którego zawsze uważałam i nadal uważam za najszlachetniejszego człowieka, jakiego w życiu spotkałam. Wysłuchał mojej rozdygotanej relacji i powiedział: ale wiesz, najważniejszy jest szacunek dla godności tych ludzi.

Tylko tyle. Tak sobie myślę, że Tuwim pisząc Murzynka Bambo, szanował godność czarnych chłopaczków, a pewnie i dziewczynek.

Ale oczywiście, przyznaję, jestem nienowoczesna. Choć jednak prace Harmonii Rosales bardzo do mnie przemawiają. Może dlatego, że są obok i równolegle, a nie zamiast.

Soraia Alves

Reblog. Pintora cubana recria obras de arte clássicas com mulheres negras como protagonistas

Trabalho de Harmonia Rosales busca imaginar como seriam as obras clássicas se a estrutura dominante fosse feminina e negra

Usando obras de arte clássicas para levantar questionamentos na atualidade, a pintora cubana Harmonia Rosales, que mora em Chicago, tem feito versões de obras históricas colocando mulheres negras como protagonistas.

Com essa iniciativa, Rosales mostra como essas figuras foram negligenciadas da história da arte: “Não estávamos lá? Será que todos nós não ajudamos a construir essa terra em que vivemos?”, indaga a artista.

Um das obras analisadas por Rosales é “A Criação de Adão”, de 1508. Se a obra pretende retratar o momento da criação da humanidade, por quê todos os personagens pintados por Michelangelo são brancos? Além disso, se esse é o nascimento da humanidade, por que o há apenas homens na cena?

Obviamente algumas perguntas são respondidas pelo contexto histórico de quando as obras foram produzidas. Ninguém está dizendo que Michelangelo era racista ou misógino. O fato aqui é ver como a sociedade está há muito tempo sendo vista e representada por apenas um olhar: masculino e branco. Essa estrutura dominante de gênero e raça é o que tem ditado a História, e não é diferente com a história da arte.

A proposta de Rosales é imaginar como seriam essas obras clássicas se a estrutura dominante fosse outra: feminina e negra.

O trabalho de Rosales é poderoso. A forma como ela usa a arte para contestar modelos tão arraigados faz as pessoas verem alternativas que questionam as ideologias incorporadas da humanidade até hoje.

Autorka ma 35 lat i pochodzi z Chicago. Sławę przyniosła jej zreprodukowana na początku tego wpisu czarna i kobieca wersja stworzenia Adama wg Michała Anioła. Obraz poniżej, namalowany wg Botticellego, nosi tytuł:

Narodziny czarnej Oshun
Oshun to w religii Yoruba i brazylijskim Candomblé – Afrodyta, jedna z Orishas / Orixás.

Więcej na stronie artystki: Harmonia Rosales

Don Quijote… Don Qui… jote (Barataria)

Elem und German Klimow
Spiegel 19.08.1991

Ein russischer Don Quijote

Gefunden von Arkadiusz Łuba. Danke!

Der Regisseur Elem Klimow hat gemeinsam mit seinem Bruder German ein Drehbuch über Michail Bulgakows berühmten Roman „Der Meister und Margarita“ geschrieben. Für den SPIEGEL porträtieren die Brüder den Schriftsteller und russischen Volkshelden, der gegenwärtig auch in Deutschland eine Renaissance erlebt.

Kaum zu glauben, daß in diesem Jahr ein volles Jahrhundert vergangen ist, seit Michail Afanassijewitsch Bulgakow geboren wurde: In seiner Heimat noch immer einer der meistgelesenen und beliebtesten Schriftsteller. Woran liegt es, daß seine Werke, die in den zwanziger und dreißiger Jahren geschrieben wurden, auch heute noch so zeitgenössisch und aktuell sind? Wie konnte es geschehen, daß all das, was er voraussah, eintraf – was erst wir, die Menschen einer nachfolgenden Generation, bestätigen können? Unzweifelhaft ist Bulgakow mehr als nur ein hochbegabter Schriftsteller. Er ist ein Phänomen.

Bulgakows Aufstieg und Sturz waren einzigartig und dramatisch. Nach seinem strahlenden Auftauchen am Literaturhorizont, nach einer unglaublichen Popularität in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre, trat in seinem Leben 1929 eine Katastrophe ein. Gedungene Kritiker erklärten Bulgakow zum Feind des Systems. Dann wurde sein Name ganz aus dem Verkehr gezogen. Der Schriftsteller war noch am Leben, aber er war lebendig begraben.

Erst 1962, 22 Jahre nach dem Tod Bulgakows, erscheint die Moliere-Biographie, die er schon 1933 geschrieben hat. Erzählungen, Theaterstücke und der Roman “Die weiße Garde” folgen. Der Bekanntheitsgrad Bulgakows steigt ständig und erreicht seinen Höhepunkt, als die Zeitschrift Moskwa Ende 1966 den Roman “Der Meister und Margarita” zu drucken beginnt. Die Publikation wirkt als Sensation. Schon am Erscheinungstag sind die beiden Moskwa-Nummern, in denen der Roman abgedruckt ist, ausverkauft. Bald sind sie eine bibliographische Rarität und gehen von Hand zu Hand. Man liest buchstäblich Löcher hinein.
Das phantastische Sujet, wie Satan persönlich inmitten seiner unglaublich farbenprächtigen Truppe in Moskau eintrifft, begeistert die Leser. Ebenso die Phantasmagorie der sowjetischen Lebensweise, deren “Besonderheit” bis auf den heutigen Tag kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, begreifen oder erklären kann. Die sogenannten antiken Kapitel mit ihrer großen Überzeugungskraft und der sehr eigenwilligen Beschreibung, wie Pilatus Jesus Christus verhört, und die Hinrichtung am Kreuz. Und natürlich die beklemmend traurig stimmende Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita.
Man rühmt Bulgakows Sprache, genießt seinen glänzenden Humor, ist von der Handlung gefesselt: Urplötzlich wurde das ganze Land wie von einer Epidemie von dem ergriffen, woran Bulgakow während der letzten zehn Jahre seines Lebens gearbeitet hatte, als viele ihn schon nicht mehr unter den Lebenden wähnten. So erfüllte sich der prophetische Satz, den eine der Figuren seines Werkes sagt: “Manuskripte brennen nicht.”
Schnell wurden die Romane, Erzählungen und Theaterstücke Bulgakows in viele Weltsprachen übersetzt, sein Ruhm drang über die Grenzen der Sowjetunion hinaus. Gabriel GarcIa Marquez nannte den Roman “Der Meister und Margarita” sein Lieblingsbuch und erklärte ihn zur bedeutendsten Erscheinung in der Literatur des 20. Jahrhunderts.
Mitten in Moskau, an den “Patriarschije Prudy”, dort, wo die Handlung des Romans “Der Meister und Margarita” spielt, finden seit zwei Jahren grandios inszenierte Bulgakow-Feste in allen erdenklichen Kostümierungen statt. Dann versammeln sich an jenem Ort so viele Leute, daß buchstäblich “keine Stecknadel zu Boden fallen kann”: So wird nur ein echter Volksschriftsteller verehrt.
Zum erstaunlichsten Zeugnis für die Liebe des ganzen Volkes zu diesem Schriftsteller ist aber vielleicht das Haus am “Sadowoje Kolzo” geworden, und zwar das Treppenhaus im Hof, dort, wo in der Wohnung Nummer 50, in einem der Zimmer, Bulgakow zu Beginn der zwanziger Jahre lebte und darbte und wo er in seiner Phantasie Voland (Satan) und seine verrückte Truppe ansiedelte.
Das Treppenhaus verwandelte sich in einen Klub eigener Art. Dann fingen die Hausbewohner an, sich zur Wehr zu setzen. Sie überstrichen die Wandmalereien mit Ölfarbe, aber vergebens, denn in kurzer Zeit begann alles wieder von neuem. Auf den Wänden des Treppenhauses ging es wieder lebhaft zu, Zeichnungen und Aufschriften erschienen nacheinander.
Nach einer gewissen Zeit drangen sie dann sogar nach außen und erschienen auf den Wänden des Hauses. Charakteristische Aufschriften lauteten: “Voland, hilf Gorbatschow, er kommt nicht klar”, “Die sowjetischen Kater (Zuhälter) sind die fortschrittlichsten: Sie sind für die Perestroika”, “Haltet die Erde an, ich will aussteigen”. Aus den Adressen konnte man ungefähr die gesamte Geographie des Landes lernen.
Auf Bitten der geplagten Einwohner wurde am Eingang des Portals ein Milizkordon postiert, aber der Kordon wurde durchbrochen, die Wände und jetzt auch die Fenster wurden unerbittlich bemalt und beschrieben. So wurde das Treppenhaus auf Eigeninitiative in ein Volksmuseum umgewandelt. Durch Bemühungen der Künstlerverbände und vieler Enthusiasten kämpft man jetzt dafür, daß das gesamte Haus, in dem noch viele andere bekannte Maler, Dichter, Schriftsteller lebten und arbeiteten, in ein Kulturzentrum mit Museen, Bibliotheken, Theatern und Cafes umgewandelt wird. Wenn wir uns durchsetzen, entsteht auf der Karte Moskaus ein neuer Begriff: “Das Bulgakow-Haus”.
Der Schriftsteller wurde am 15. Mai 1891 in Kiew in einer Familie von Geistlichen geboren. Sein Vater war Dozent, später Professor an der Geistlichen Akademie. Der junge Michail Afanassijewitsch plagt im Gymnasium die Mitschüler und Lehrer mit Satiren und Epigrammen. Seine Begeisterung für die Literatur nimmt er jedoch selbst noch nicht ernst. Er wird Arzt und amputiert 1916 an der Front Beine von Verwundeten. Nach der Revolution arbeitet er als Landarzt, fühlt sich aber immer stärker zur Literatur hingezogen.
Die ersten fünf Stücke, die er im Norden des Kaukasus verfaßt, vernichtet der Autor anschließend unbarmherzig selbst. Schließlich zieht er 1921 nach Moskau und sucht sich Wohnung und Arbeit. Er verdingt sich als Zeitungsjournalist, Conferencier, Schauspieler, wird Feuilletonist bei der Zeitung der Eisenbahner, Gudok. Er schreibt immer sicherer, zeitweilig glänzend und sehr leicht.
Als Meister der Mystifikationen und des spontan inszenierten Spiels ist Bulgakow die Seele seines Freundeskreises. Gleichzeitig hält er immer Distanz, wird niemals familiär. In seinen Feuilletons macht er sich über die naive, fade Lebensweise, über den plebejischen Stil des sowjetischen Lebens lustig. Bulgakow setzt sich auch äußerlich davon ab: Ungeachtet der ewigen Geldknappheit erregt er allgemein Erstaunen mit seiner weißgestärkten Hemdbrust, dem tadellos gebügelten Anzug, dem makellosen Scheitel und dem Monokel an der Schnur.
Gar nicht zu reden von den betont aristokratischen Manieren. So verteidigte er seine Selbstachtung gerade in den Jahren, als die Achtung vor dem einzelnen immer mehr verlorenging. Niemand hätte damals wohl erraten, daß dieser glänzende Herr die Nächte hindurch selbstvergessen schwer arbeitete. Alles, was er schrieb, war eine Herausforderung an das, was um ihn herum vorging, es war eine Warnung vor drohenden Nöten und den Folgen jener sozialen Experimente, die die Bolschewiken an dem Lande vornahmen.
Bei den phantastischen Novellen Bulgakows muß man an Swift, an E. T. A. Hoffmann und natürlich an Gogol denken, den Bulgakow als seinen Lehrer bezeichnete. In der 1925 entstandenen Novelle “Hundeherz” ironisiert der Schriftsteller den Satz aus der Revolutionshymne, der “Internationale”: “Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger, alles zu werden, strömt zuhauf!” und erzählt, wie ein genialer Mediziner, Professor Preobraschenski, einen Hofhund in einen Menschen verwandelt, indem er ihm ein menschliches Gehirn einpflanzt.
Mit tödlichem Humor wird gezeigt, was aus diesem Experiment geworden ist. In der Vorstellung des Lesers entsteht jener schreckliche Sozialtypus, der mit nichts zu vergleichen ist und den unsere heutige Umgangssprache kurz als “Sowok” (in lateinischer Übersetzung “homo sovieticus”) bezeichnet.
Schon im Titel eine Herausforderung ist der Roman “Die weiße Garde”, denn dies ist ein Roman über den weißen Offiziersstand, der durch die Revolution dem Untergang preisgegeben ist. Mit Liebe wird die pro-monarchische Familie Turbin beschrieben, mit nostalgischem Schmerz erzählt, wie eine ganze Schicht der aristokratischen Kultur im Dunkel der Zeiten versinkt.
Alsbald interessiert sich das berühmteste sowjetische Theater, das “Moskauer Künstlertheater”, für “Die weiße Garde”, aber das Stück “Die Tage der Geschwister Turbin” (nach Motiven der “Weißen Garde”) läßt die Zensur nicht passieren; alles steht auf der Kippe. Erst das Ultimatum des großen Regisseurs Stanislawski, daß er sein Theater andernfalls schließen werde, ermöglicht schließlich die Inszenierung.
Die Premiere ist ein Triumph, und dieser Triumph wird dann fast tausendmal wiederholt. So wird Bulgakow 1926 berühmt. Das Publikum vergöttert ihn, und während die Parteikritik über das Stück herfällt, schwebt paradoxerweise der rettende Schatten des großen Führers über der Bühne.
Es ist bekannt, daß Stalin nach den Protokollen des Künstlertheaters das Stück “Die Tage der Geschwister Turbin” nicht weniger als 15mal gesehen hat. Wir scheinen hier vor einem unlösbaren Rätsel zu stehen: Hat etwa der Theaterfreund Stalin über den Politiker Stalin gesiegt? Es gibt aber noch eine andere Erklärung: Im Gespräch mit Künstlern soll Stalin ausgerufen haben: “Ja, Bulgakow geht richtig ran! Der bürstet gegen den Strich!”
Der Tyrann schätzte die “Gebildeten” nicht. Sie schreien und schreien, sagte er sich wohl, aber wenn man sie unter Druck setzt, dann geben sie Pfötchen. Häufig wählte er selbst das Opfer aus, das an der Reihe war, geschickt hetzte er den ganzen Apparat des ideologischen Terrors darauf, darunter auch die Kritik und die Redakteure. Bei Bulgakow sah Stalin plötzlich eine rückhaltlose Gradlinigkeit und Unnachgiebigkeit, das großartige Gefühl der eigenen Würde.
Aber “achtete” etwa Stalin den starken Gegner, ließ er ihn aus Edelmut am Leben, wie man annehmen könnte? Zweifel sind angebracht. Es besteht Grund zu der Annahme, daß er sich entschied, den Verwegenen auf die Probe zu stellen.
Bereits 1929 sind alle Stücke Bulgakows aus den Spielplänen der Theater verschwunden, und Bulgakow hat jegliche Hoffnung verloren, etwas gedruckt oder überhaupt noch Arbeit bekommen zu können. Am 28. März 1930 schreibt er einen Brief an Stalin. Sein Ton ist scharf und direkt. “Mit einem verlogenen Brief, in dem ich mich selbst beschmutze und dazu noch einen naiven politischen Bückling mache, würde es mir wohl kaum gelingen, mich vor der Regierung der UdSSR in einem günstigen Licht darzustellen. Den Versuch, ein kommunistisches Stück zu schreiben, habe ich erst gar nicht unternommen, da ich genau weiß, daß ich ein solches Stück nicht zustande bringe.
“Ich bitte zu berücksichtigen, daß ein Schreibverbot für mich gleichbedeutend ist mit einer Beerdigung bei lebendigem Leibe… Ich bitte die Regierung der UdSSR, mich innerhalb einer bestimmten Frist ausreisen zu lassen.” Falls man ihm dies abschlage, bitte er darum, als Regisseur, Statist oder wenigstens als Bühnenarbeiter beschäftigt zu werden.
Die Antwort trifft am 18. April 1930 ein, es ist der berühmte Telefonanruf Stalins. In dem Gespräch mit Bulgakow schlägt er ihm vor, sich beim Künstlertheater zu bewerben, wo er tatsächlich alsbald als Regieassistent angenommen wird.
Viele sahen darin ein unerhörtes Wohlwollen des großen Führers, hatte er doch Bulgakow wegen seines Briefes nicht vernichtet.
Im Leben Bulgakows ändert sich nichts außer der geringfügigen Bezahlung am Künstlertheater, wo er als Regieassistent und Schauspieler in kleinen Rollen arbeitet, dann zum Bolschoi-Theater geht, wo er Opernlibretti verfaßt. Nochmals schreibt er an Stalin und bezeichnet sich als den “einzigen literarischen Wolf” auf dem Feld der russischen Literatur.
“Man hat mir geraten, das Fell zu färben, das ist ein dummer Ratschlag. Man mag den Wolf färben, man mag ihn scheren, er wird doch nicht einem Pudel ähnlich.”
Auf diesen Brief erhält Bulgakow keine Antwort mehr. Gerade zu dieser Zeit erkrankt er an einer Neurasthenie mit Anfällen unbewußter Angst, mit Furcht vor der Dunkelheit. Während eines solchen Anfalls verbrennt er den Entwurf eines Romans über den Teufel. Aber der Plan ist in dem Schriftsteller schon fest verwurzelt, und nach kurzer Zeit beginnt er von neuem. In dem Roman taucht jetzt auch das Thema Liebe auf, und deshalb gibt er ihm schließlich den endgültigen Titel “Der Meister und Margarita”.
Ohne seine Frau Jelena Sergejewna, die er 1929 kennenlernt, hätte er seinen einsamen Kampf kaum so lange durchgestanden. Sie bringt es fertig, daß in den schlimmsten Hungerjahren ihr Haus für die Freunde immer gastfrei und offen ist. In den Tagen der tödlichen Krankheit, als er schon fast blind ist, diktiert Bulgakow seiner Frau die letzten Seiten seines Werkes, er korrigiert es wieder und wieder.
“Auf dem Sterbebett sagte er”, so erinnert sich Jelena Sergejewna: “Vielleicht ist es so richtig . . . was hätte ich noch nach dem ,Meister’ schreiben können?” In diesem Roman wird er sich seines Schicksals bewußt, so als betrachte er sich von außen, er rechnet mit dem Leben ab, mit den Feinden, und er tut es leicht, elegant, fröhlich.
Für Stalins 60. Geburtstag im Dezember 1939 soll Bulgakow ein den Führer verherrlichendes Theaterstück schreiben. Er weigert sich lange, gibt aber schließlich dem Druck nach und liefert das Stück “Batum” über Stalins revolutionäre Jugend ab.
Aber unverhofft wird eine ablehnende Äußerung Stalins bekannt; offensichtlich wünscht er nicht, die Aufmerksamkeit auf seine Jugend zu lenken, die er in einem Priesterseminar verbracht hat. Vielleicht befriedigt ihn allein die Tatsache, daß der ungehorsame Bulgakow das Stück über ihn geschrieben hat.
Das ist eine öffentliche Ohrfeige. Buchstäblich am Tag nach der negativen Nachricht beginnt er, das Augenlicht zu verlieren, er trägt eine schwarze Brille und verläßt überhaupt nicht mehr das Haus. Die in ihm schlummernde Krankheit (Nierensklerose) beginnt, sich dramatisch zu verschlimmern, und Bulgakow stellt sich als Arzt selbst die Diagnose. Er begreift, was ihm bevorsteht: Lähmung und ein langsames, qualvolles Sterben.
Der Roman, dem er die letzten Jahre gewidmet hat, muß beendet werden. Mit Mühe und Not diktiert er seiner Frau die letzten Seiten: “Oh, ihr Götter! Wie traurig ist die abendliche Erde! Wie geheimnisvoll brauen die Dünste über den Mooren! Wer durch diese Dünste irrte, wer vor dem Tode litt, wer über diese Erde hinwegflog, beladen mit überschwerer Bürde, der weiß das. Der Müde weiß es. Ohne Bedauern verläßt er die Nebel der Erde, ihre Sümpfe und Flüsse, und gibt sich leichten Herzens dem Tod in die Hände, wissend, daß nur er ihm Frieden schenkt.”
Schon als der Roman “Der Meister und Margarita” 1966 erstmals veröffentlicht wurde, dachten viele unserer Kollegen an seine Verfilmung; man stritt darüber, wer dazu in der Lage ist, wem diese Ehre gebührt. Andrej Tarkowski hatte den “Meister” in seine Pläne einbezogen, auch Federico Fellini dachte darüber nach. Die besten sowjetischen und internationalen Regisseure zerbrachen sich den Kopf darüber, wie die zauberhafte Magie der Werke Bulgakows auf der Leinwand in sichtbare Bilder umzusetzen ist.
Die mystische Einbildungskraft des Schriftstellers überstieg bei weitem die technischen Möglichkeiten des Kinos. Wie sollte man zum Beispiel eine über die Erde fliegende Frau aufnehmen, die wünschte, unsichtbar zu werden; wie sollte man einen großen, sprechenden, trinkenden und rauchenden schwarzen Kater darstellen?
Außerdem gab es drei völlig verschiedene Ebenen in dem Roman (die realistische, phantastische und religiöse), die von dem zukünftigen Regisseur ganz unterschiedliche Talente erfordern, die nur selten zusammentreffen.
Aber dennoch ließen sich die Filmleute auf die Herausforderung ein. In der UdSSR wurde der Impuls jedoch ziemlich schnell erstickt. Einer der damaligen Funktionäre, der für das Kino zuständig war, sagte sogar, solange die Sowjetmacht im Lande herrsche, werde dieser Roman nicht verfilmt.
Ausländische Versuche, den Roman zu verfilmen, mißlangen: Der Inhalt des Buches ging dabei verloren, und die Bemühungen, den phantastischen Teil des Themas darzustellen, scheiterten total. Auch die geringe Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse des sowjetischen Lebens in den dreißiger Jahren trug nicht zum Erfolg bei.
Hinzu kommt: Eine ganze Armee von Apologeten hat jede Zeile dieses Buches für absolut genial erklärt, das heißt für unberührbar. Kann man aber Kunst hervorbringen, wenn man auf den Knien liegt? Diese Frage hat Bulgakow selbst beantwortet, der die “Toten Seelen” des von ihm vergötterten Gogol recht frei inszenierte. Wir haben den gleichen Weg eingeschlagen. Als Überschrift zu dem Kinoprojekt “Der Meister und Margarita” könnte man schreiben: “Freie Phantasien über das Thema eines beliebigen Romans.”
Für das Abfassen des Drehbuchs haben wir fast zwei Jahre gebraucht. Wir wollten alles lesen, was der Autor auch gelesen hat, als er an diesem Werk arbeitete. Wir wollten sein ganzes Leben noch einmal durchleben, und für diese reiche Erfahrung sind wir sehr dankbar – unabhängig davon, ob unser Filmprojekt verwirklicht wird (es ist ziemlich unwahrscheinlich, schwierig und teuer).
Der Schriftsteller starb einen schweren Tod. Halb im Fieberwahn flüsterte er seine letzten Worte: “Don Quijote . . . Don Qui . . . jote”.
Don Quijote war Michail Bulgakows Lieblingsheld der Literatur. Uns scheint, auch er erinnerte an diesen Hidalgo. Nur die Mühlen waren zu seiner Zeit keine Windmühlen mehr.


HIER dieser Artikel als PDF dh. auch mit Bildern.

Der Text ist schon fast 30 Jahre alt, ich versuchte daher etwas über den Regisseur und seinen Bruder zu erfahren und nachzuprüfen, ob es den hier besprochenen Film gibt.

Elem Germanowitsch Klimow war ein studierter Flugingenieur und erst dann studierte er bis 1963 Filmregie. Bereits sein Diplomfilm Herzlich willkommen oder Unbefugten ist der Eintritt verboten erregte 1964 Aufsehen: Die in einem Pionierlager spielende Satire wurde zunächst kurz verboten, dann aber freigegeben und zu einem Publikumserfolg. Klimows international bekannteste Filme sind Agonia (1974/1981) über Rasputin und Komm und sieh (1985), eine düstere Parabel aus dem Zweiten Weltkrieg. Klimow war seit 1965 mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Larissa Schepitko verheiratet, die 1979 während der Dreharbeiten zu ihrem Film Abschied von Matjora bei einem Autounfall ums Leben kam. Der Film wurde 1982 von Klimow vollendet.

German Klimow (geb. 1941) ist Drehbuchautor, der öftermal mit seinem älteren Bruder an dessen Filme gearbeitet hat. Man erwähnt aber weder bei einem Bruder, noch bei dem anderem den Film Meister und Margarita. 1994 wurde zwar von Yuri Kara ein gleichnamiger Film gedreht, beide Klimow Bruder werden aber nirgendwo erwähnt. Der Film selbst hat übrigens eine Geschichte, die an Terry Gilliams Film The Man, who killed Don Kichote erinnert. Mehr HIER.

Reblog: Yahya Hassan ist tot

#Walk_of_shame. Er ist schon vor ein paar Monaten gestorben. Wir haben es nicht bemerkt. Angeblich jede seine Zeile schrie! Wir haben ihn nicht gehört. Seine Gedichte waren sehr wichtig. Wir haben es nicht gewußt.

Matthias Wyssuwa

Er schrie mit jeder seiner Zeilen

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH


Foto (c) Christoph Busse

Yahya Hassan schrie seine Leser mit jeder Zeile an. Jedes Gedicht seines Debüts wirkte, als schlage er wie wild um sich, und jeder Buchstabe war groß geschrieben. Es war ein gewaltiges und gewalttätiges Ereignis, und als sein selbstbetitelter Gedichtband 2013 erschien, wurde es für den Dänen zum Triumph.

Sein Schreien machte ihn berühmt, weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Nach kaum einem Jahr waren schon mehr als hunderttausend Exemplare des Buchs verkauft. Viel Glück brachte der frühe Ruhm dem Dichter aber nicht. Yahya Hassan wurde geschätzt und verstoßen, umworben und bedroht. Am Donnerstag wurde bekannt, dass man seinen leblosen Körper gefunden hat. Er wurde 24 Jahre alt. Ihren Nachruf auf Hassan überschrieb die dänische Zeitung „Politiken“ am Donnerstagabend mit der Zeile: „Yahya Hassans Tod ist kolossal schockierend, aber gleichzeitig schmerzlich vorhersehbar.“

Als Hassan berühmt wurde, war er kaum achtzehn Jahre alt, und sein Erfolg ist nicht zu verstehen ohne das Leben, das er bis dahin gelebt, die Zeilen sind nicht zu trennen von dem, was er erlebt hatte. Er war eben nicht nur ein talentierter Lyriker mit einer verkorksten Kindheit, er war auch das Migrantenkind aus dem Problemviertel, das herausschrie, was viele so noch nicht gehört hatten.

Hassan wuchs als Sohn palästinensischer Einwanderer in Aarhus auf, in einem schwierigen Viertel mit sehr hohem Ausländeranteil. Seine Kindheit war geprägt von Gewalt und Ängsten, früh schon wurde er als Kleinkrimineller auffällig und landete in Heimen. Dort fing er an, Gedichte zu schreiben, und sein Schreibtalent fiel bald auf. Er wurde gefördert. Mit einer fast vierzig Jahre alten verheirateten Betreuerin fing er eine Beziehung an, auch das sollte im Drama enden. Auch darüber sollte er in seinen Gedichten schreiben.

Was Hassan aber vor allem schrieb, ermöglichte einen Einblick in die Welt von Migranten, wie man ihn noch nicht kannte. Dänemark hatte lange keine Worte gefunden, um über das zu reden, was in manchen Vororten und Einwanderervierteln passierte. Dann kam eine rechtspopulistische Partei und nutzte die Sprachlosigkeit Anfang der zweitausender Jahre, um mit scharfer Rhetorik den Aufstieg zu schaffen.

Als Hassan dann sein Buch veröffentlichte, redeten viele oft mit erstaunlichen Härte über die Probleme von Integration und Einwanderung. Nur nicht jene, die in den Problemvierteln lebten. Aber Hassan erzählte nicht nur davon, wie er mit seiner Familie in seinem Viertel die Dänen und den dänischen Staat kennengelernt hatte. Vielmehr attackierte er unerbittlich die Einwanderergeneration seiner Eltern. Er berichtete von Gewalt in seiner Familie („Wenn mein kleiner Bruder ins Bett gepisst/ hatte/ wurde er mit Faustschlägen geweckt“), von Rückzug und Integrationsverweigerung: „Dann flüchtete Dein Vater von Flüchtlingslager/ Und dann flüchtet mein Vater von/ Flüchtlingslager/ Und dann unsere Väter verwandeln/ Dänische Blöcke in Flüchtlingslager/ Sie holen unser Großeltern/ Unser Onkel und Tanten/ und kriegen sie alle Sozialhilfe“, schrieb er, oder: „Er ist muslimisch verheiratet lebt aber/ getrennt für die Kommune/ damit seine Frau für das Sozialamt/ alleinerziehende Mutter ist.“ In einem Gedicht mit dem Titel „Du kommst in die Hölle mein Bruder“, verdichtete er das alles zu den Zeilen: „Ich liebe euch nicht Eltern ich hasse euer/ Unglück/ Ich hasse eure Kopftücher und Eure Korane/ Und eure analphabetischen Propheten.“

Sein Debüt wurde begeistert aufgenommen, die Kraft seiner Sprache gelobt, und natürlich wurde sein Werk auch politisch diskutiert. Er selbst verweigerte sich der politischen Integrationsdebatte, aber sollte sich später doch bei einer kleinen Partei engagieren, die eine Stimme für Migranten in Dänemark werden wollte, aber den Einzug ins Parlament verpasste. Hassan war aber nicht nur plötzlich eine Berühmtheit, er war auch ein Verstoßener. Er wurde nicht nur von Muslimen in Dänemark für seine Darstellung von integrationsunwilligen Einwanderern kritisiert. Er wurde bedroht, er wurde von einem Islamisten angegriffen, er erhielt Personenschutz. Er machte aber auch Schlagzeilen mit seinem Drogenkonsum, und 2016 wurde er zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, weil er ein junges Bandenmitglied angeschossen hatte, von dem er sich bedroht gefühlt hatte. Im vergangenen Jahr erschien „Yahya Hassan 2“. Er saß im Gefängnis und auch in der Psychiatrie. Am Mittwoch 29. April 2020 wurde seine Leiche in seiner Wohnung in Aarhus gefunden.