Michael G. Müller
Nicht weniger als drei Seiten hat die FAZ am Sonntag gerade einer Schriftstellerin eingeräumt, um ihre persönliche Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit ihres Großvaters darzustellen (Eva Schläfer, „Wir müssen über Opa reden“, FAZ vom 05.04.2025). Emotional bewegt berichtet die jetzt 57-Jährige, wie sie 2005 durch ihre Schwester auf die dunkle Vergangenheit ihres Opas aufmerksam wurde, wie sie sich später, schon nach dem Tod der Schwester, auf die Spurensuche machte – mit hartnäckigem Nachfragen in der Familie und durch Archivrecherchen – und was sie dabei herausfand. Die Befunde verstören sie: Opa Max Windhövel war schon 1930, mit 23 Jahren, der NSDAP beigetreten und damit im Parteijargon ein „alter Kämpfer“; das verhalf ihm zunächst zu einem bescheidenen Funktionärsposten in der NSDAP, 1938 aber zu einer Karriere bei der Staatspolizei und in der SS; von 1940 bis 1944 war er im Rang eines SS-„Scharführers“ in der Zentrale von SD und SS in Lublin tätig – also im Zentrum des Naziterrors im besetzen Polen.
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