Fotoausstellung des UMBRUCH Bildarchivs

Respekt!
Solidarische Begegnungen

20.5.17 – 24.8.17 im RegenbogenCafé

Eine Fotoausstellung des Umbruch Bildarchivs in Zusammenarbeit mit der Regenbogenfabrik als Kontrapunkt zu Fake-News, Hasstiraden und destruktiver Stimmungsmache in den sozialen Medien.

Mit Fotos von: Andrea Linss, Jutta Matthess, Christina Palitzsch, Monika v. Wegerer, Oliver Feldhaus, Peter Homann, Michael Hughes, Adrienne Gerhäuser, Nicholas Ganz, Merchi, Jan, Omer Fadl und Hermann Bach.

Für kurze Zeit öffneten sich in Deutschland Grenzen:
“Welcome Refugees” stand für eine gesellschaftliche Offenheit und Solidarität, die auf das Sterben in Syrien und die Toten im Mittelmeer antwortete.
Diese Stimmung begann nach wenigen Monaten durch eine aggressive Berichterstattung der Medien zu kippen, Brandanschläge und Angriffe auf Geflüchtete nahmen ein entsetzliches Ausmaß an. In diesen Attacken und der Flut der Fake-News und Hasstiraden auf Geflüchtete und Nicht-Deutsche scheint der reale gesellschaftliche Rassismus auf der Straße und in den sozialen Medien auf.
Ob sich hier gesellschaftliche Mehrheiten widerspiegeln oder nur scheinbare Mehrheiten virtuell erzeugt werden, ist nicht leicht zu erkennen.

Die Ausstellung setzt der virtuellen Hetze eine andere Welt entgegen. Statt der Aus- und Abgrenzung von Menschen zeigt sie solidarische Begegnungen voller gegenseitigem Respekt: Menschen, die sich mit Offenheit, Freundlichkeit und ohne Vorurteile begegnen. Virtualisierten Feindbildern und Hass stellt sie die Wirklichkeit alltäglichen Widerstands entgegen. Die Ausstellung versucht, die Subjektivitäten aller Menschen wie auch das allen Gemeinsame durch die fotografische Linse zu sehen, zu erkennen und zu respektieren.

Ein Versuch, der im alltäglichen und im perspektivischen Zusammenleben unverzichtbar ist.

Öffnungszeiten:
Mo. 13-20h, sonst 10-20h

Die Fotos hat für uns Christine Ziegler ausgesucht

Haus, Buch, Grab und Zufall

Ewa Maria Slaska

Von Thessaloniki nach Berlin

Für Brigitte und Darek

Neulich war ich ein paar Tage in Thessaloniki und wohnte in einem alternativen Haus, in dem alles so aussah, wie in Berlin nach der Wende. Ich verbrachte die Zeit dort abwechselnd auf Englisch diskutierend und ziellos von einer Ecke des Hauses zu der anderen schlendernd, um alles zu fotografieren.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich gleich zurück nach Berlin fliegen muss, was auch bedeutet, dass ich, und zwar sofort, Deutsch zu sprechen habe. Unbedingt brauchte ich, um mich umzustimmen, für die Flugstunden etwas auf Deutsch.

Ich machte mich auf die Suche.

In dem großen Theatersaal, wo auch Bibliothek untergebracht wurde, wollte ich nicht stöbern, aber in einem engen dunklen Flur gab es ein Korb voller Sachen zu mitnehmen und nebenan auch ein Brett mit abgelegenen Bücher.

Und da, siehe einen an, auch ein englisches Buch, aber in deutscher Übersetzung. Barbara Belford, Viktorianische Liebesspiele. Die Geschichte der Violet Hunt und ihrer Liebhaber und Freunde. DTV München 1998. Erstaunlich guter Fund. Meistens sind Bücher, die man in Bypackers-Hostels in aller Welt findet, ziemlich öde, so zwischen Publikationen der Zeugen Jehovas und Ken Follett. Man liest sie sowieso, ich hätte auch Marx gelesen, aber interessante Bücher bekommt man selten.

Diese Violet Hunt, erstaunlich… Eine emanzipierte Frau, geboren 1862, gestorben 1942.  Generation meiner Urgroßmutter Eugenia. Sie war auch emanzipiert, studierte, als erste Frau in der Familie, gründete in Russisch-Warschau eine Sonderschule für zurückgebliebene Kinder (erste in ganz Polen), dies alles aber im Bereich Bildung und soziales Engagement, wie es sich damals, während der Teilung Polens, für eine patriotische Polin ziemte. In ihrem Familienleben entsprach sie jedoch (fast) vollkommen dem gängigen Muster einer konservativen Ehefrau und Mutter vierer Kinder. Violet Hunt dagegen blieb ihr ganzes Leben unverheiratet, war eine berühmte Geliebte, eine femme fatale, exzentrisch und ausgesprochen frei von Konventionen, eine Frau, die für ihre Intelligenz, scharfe Zunge und bissigen Witz bewundert und gefürchtet wurde. Sie war eine Journalistin und Schriftstellerin (wie ihre Mutter), sie könnte malen (wie ihr Vater), sie war mit Oskar Wilde, Henry James und Joseph Conrad befreundet, die Schriftsteller Ford Madox Ford, Orson Welles und W. Somerset Maugham sowie der Verleger Oswald Crawfurd waren ihre Liebhaber.

Auf dem Flughafen und dann im Flugzeug lese ich dieses Buch. Die Autorin holt weit aus. Da die Familie von Violet in Durham ansässig war, schreibt sie auch etwas über die Stadt selber.

…Durham besaß eine intellektuelle Bürgerschicht und eine mittelalterliche Kathedrale.

Ich klicke in mein Handy den Stadtnamen und den Namen von Violets Vater, Alfred Hunt, der ein Landschaftmaler war und die Stadt zig mal malte. Bin sofort findig.

Alfred William Hunt, Elvet Bridge, Durham

Von solchen Bildern ihrer Vater schrieb Violet in ihren Tagebüchern, dass sie ihre Kleider, Schuhe und Schulbücher finanzierten.

Zuerst aber ist Violet überhaupt noch nicht geboren. Die Autorin schreibt über die Stadt.

Die Geschichte von Durham beginnt mit Cuthbert, dem heiligen Hirten, der Bischof von Lindisfarne wurde, 687 starb und elf Jahrhunderte später die Karriere von Violets Großvater beeinflußte. Nach der Legende wurde der Leichnam Cuthberts vollständig mumifiziert, und sein Sarg wurde von seiner Gefolgschaft mitgeführt, als sie zwei Jahrhunderte später  vor den Dänen floh. 995, wieder zwei Jahrhunderte später, zog die Gemeinde noch einmal weiter und blieb eine Zeitlang in Dunholm, der “Berginsel” – so lautete der alte Name von Durham. Als sie wiederum aufbrach, ließ sich der Sarg nicht hochheben, ein Zeichen, daß St. Cuthbert dort bleiben wollte, wo er sich befand.

1017 wurde eine steinerne Kathedrale für den Sarg errichtet. Fünf Jahre später wurden die Gebeine von Beda venerabilis überführt. 1093 begannen die Normanen (1066 kamen sie nach England, was die Autorin nicht erwähnenswert findet, aber was soll es, in England weiss es doch jedes Kind – Anm. d. Bloggerin) mit dem Bau jener Kathedrale, die heute noch in Durham steht. (…) Pilger zogen dorthin, bis Heinrich VIII. sich mit Suprematsakte zum Haupt der englischen Kirche erklärte. (…)

1812 zog James Raine, Violets Großvater mütterlicherseits, gerade erst 21 geworden, aus benachbarten Ovington nach Durham. Er wurde Rektor der Schule von Durham, wo er 15 Jahre ein Lehrer war. Später wurde er zum Priester geweiht und 1816 zum Bibliothekar des Domkapitels ernannt. Er wurde auch Historiker, Mitarbeiter von Robert Surtees, der die Geschichte von Durham verfasste.

1827 hatte Raine St. Cuthberts Grab öffnen lassen und die verwesten Überreste des Heiligen entdeckt. Der Sarg war schon 689, 1022, 1104 und 1539 geöffnet worden, und jedesmal hatten die Geistliche bestätigt, dass der Körper des Heiligen nicht verfallen sei. Dieses vielgepriesene Wunder, schrieb Raine in seinem ein Jahr später veröffentlichtem Buch, sei “bestimmten Interessen zuliebe in einem abergläubischen Zeitalter erfunden” und mehr als Tausend Jahre durch klerikale Verschwörung am Leben erhalten worden.

Zurück in Berlin muss ich sofort zu einer Veranstaltung los, die ich moderiere, nach dem Vortrag gehen wir noch zu dritt mit dem Referenten essen. Brigitte, Darek und ich. Aus welchen Grund auch immer kommen wir im Gespräch an das Thema langlebige Lügen. Wie es möglich ist, wer sorgt dafür, dass sie sich so lange halten? Das Thema erinnert mich natürlich an die Geschichte von St. Cuthbert Grab und die Lüge über seinem angeblich nicht verfallenem Leichnam, die ich vor ein paar Stunden gerade gelesen habe. Wisst ihr, sage ich, es gibt in Nordengland so eine Stadt Durham…

– Durham, sagen Brigitte und Darek unisono.
– Sag ich doch, Durham…
– Nein, antworten die beiden, immer noch im Einklang, Durham…
Ach, wie immer. Ich habe keinen musikalischen Gehör, ich höre diese Aussprach-Unterschiede überhaupt nicht.
– Verdammt, ich wollte euch etwas über die Lügen erzählen. Also in dieser Stadt gibt es in der Kathedrale…
– Normannische, sagt Darek.
– Da liegt der Heilige Cuthbert begraben, sagt Brigitte, der Bischof von Lindisfarne.

Ich glaube, ich spinne. Ich habe es gerade heute das erste Mal in meinem Leben erfahren, von Durham, Kathedrale und Cuthbert, und die beiden wissen einfach alles… Woher Dariusz es weißt, lässt sich vermuten, ist doch Kunsthistoriker, Museumsdirektor in Stettin, na OK, aber Brigitte ist eine Musikerin in Berlin…

– Woher weißt du das? – frage ich.
– Ich war da zig mal wandern! Ich liebe diese Stadt, diese Kathedrale, Nordengland überhaupt…

Ich erzähle endlich meine Geschichte, wir unterhalten uns über Heiligen Cuthbert, England und Küche, dh. übers Essen überhaupt. Hier sind wir uns einig, die Englische Küche ist nicht unbedingt der Inbegriff des Schmackhaften…

Am nächsten Tag schickt uns Brigitte die Bilder. Von Cuthbert, von Kathedrale und von ihrer Wanderungen.

Ihr Lieben,
das Thema St. Cuthbert hat meine Erinnerungen an eine Reise nach Northumberland/Lindisfarne geweckt. Wie schön es dort ist!!! St. Cuthbert wurde in Lindisfarne bestattet, welches sehr ungeschützt war vor den wiederholten Wikingereinfällen. Sein Sarkophag wurde gerettet, mehrere Jahre lang hier und da und dort versteckt.


Illuminated manuscript of Bede’s Life (1180) of St Cuthbert, showing the discovery of his Incorrupt Body

Er fand schließlich seinen endgültigen Ruheplatz in der normannischen Kirche von Durham. Es gibt bei St. Cuthbert diese Legende von einer angeblich unzerstörten Leiche. Hier ein link zur Wikipedia und einige Landschaftsbilder – ich bekomme gleich Lust in den Norden zu fahren, wo es im Sommer so angenehm kühl ist und ebenso angenehm unbevölkert. Darüber wird die englische Küche unwichtig.

Durham

Lindisfarne

Wandern an der Fluss Wear bei Durham

Und so wandert man an einem Tag aus Makedonien über Berlin nach Nordengland in Gesellschaft einer deutschen Musikerin und eines polnischen Kunsthistorikers. Wir gehen bei einem (wie man in Berlin so sagt) Griechen essen und stellen fest, die Küche ist (auch) wichtig :-).

Werke Kubickis in der Berlinischen Galerie

Vortrag in der Berlinischen Galerie, Sonntag, 21.05.2017, 12.00 Uhr

Bitte Eintrittskarten selber kaufen

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung Stanisław Kubicki (1889–1942) – „Nicht unsere Werke sind wichtig, sondern das Leben”/ „Nie dzieła nasze są ważne, lecz życie” (Rathaus Kreuzberg, 2-23.05.2017) findet

ein Vortrag von Dr. Lidia Głuchowska statt.

Die Assistenz bei der anschließenden Präsentation übernehmen Studierende der Kunstfakultät Universität Zielona Góra: Katarzyna Smugarzewska, Marta Olejnik sowie Tri Minh Ngutyen und Sinh Truong Nguyen – Teilnehmer des Austauschprogramms Erasmus aus Vietnam am Institut für Visuelle Künste.

Im Zentrum der Betrachtung befinden sich drei von fünf in der Berlinischen Galerie befindlichen Kunstwerke des deutsch-polnischen Avantgardekünstlerpaares Margarete und Stanisław Kubicki: Kirche vor Aufgehender Sonne und Ekstase Kubickis und die Aquarellreihe Kubickas zum Roman Alfred Döblins Die drei Sprünge des Wang Luns.

Weiterhin besitzt das Berliner Museum für Moderne Kunst zwei Pastelle Kubickis, die jedoch derzeit nicht ausgestellt werden: Das Blühen III (1928) und Mutter mit totem Kind (1926).                                  

Dazu ein paar einleitende Worte von Dr. Lidia Głuchowska:

Kirche vor aufgehender Sonne (1919) Kubickis gehört, neben Ekstase zu den zwei bis heute erhaltenen Gemälden Kubickis, die 1919/1920 in der berühmtesten Galerie der Avantgarde – Der Sturm Herwarth Waldens – ausgestellt wurden. Dort wurden sie von Fritz Karsen erworben. Das Motiv geht auf die ersten expressionistischen Darstellungen im Werk der polnischen Künstlergruppe Bunt (Revolte, 19181922) zurück, die Kubicki 1916/1917 im schlesischen Schömberg (heute Chełmsko Śląskie) geschaffen hat. Diese haben ihr Ursprung in den naturalistischen Skizzen der dortigen Landschaft und Architektur, welche immer noch mit den Gegenwartsfotografien davon identifizierbar sind. Synthetisiert wurden sie danach zu expressionistischen Linolschnitten, die sich durch die prägnanten schwarz-weiss Kontrasten auszeichnen und 1917 in Posen/Poznań ironisch als „drei Kuben Kubickis“ (nach dem Motto nomen est omen) mitbezeichnet wurden.
Die weitere Transformation des Motivs erfolgte ca. drei Jahre später. Deren Ergebnis waren – eine elegante Tuschezeichnung, ein verschollenes Aquarell sowie eine Kreidezeichnung. Die Vollendung des Gestaltungsprozesses bildet das in der Berlinischen Galerie befindliches Gemälde, welches zu den am häufigsten ausgestellten Werke des Künstlers zählt.

Motiv der Schömberger Kirche vor aufgehender Sonne
Werke Stanisław Kubickis, 1917-1919, Foto Marek Kubicki,1997,
aus: Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe, Berlin 2007

Die Ekstase (1919), der noch ein Originalzettel der Sturm-Galerie beigefügt ist (Kat. Nr. 60, Lagernr. 83), entstand beinahe parallel zur letzten Version von Kirche… Vom ausgewiesenen polnische Expressionismuskenner, Jerzy Malinowski, wurde das Gemälde zu den drei ersten abstrakten Werken der polnischen Kunst zugerechnet.

Im Zentrum dieser Komposition – die obere Partie ist gelblich, die untere grau-blau gehalten – befindet sich eine nur skizzenhaft angedeutete, entmaterialisierte, geometrisch aufgefasste menschliche Silhouette. Ihre Hände sind nach oben geworfen, ihre Beine angeknickt, und der Kopf ist nach unten gebeugt. Gesichtszüge und jegliche andere individuelle Merkmalle sind eingespart. Die ganze Gestalt scheint im Raum hoch über dem Boden zu schweben. Sie erinnert an einen Vogel, der im Flug innehält. So visualisiert Kubicki den vom Menschen erträumten Zustand der endgültigen Befreiung vom geistigen und körperlichen Schmerz, den Zustand der buddhistischen Nirwana oder vielleicht des höchsten erotischen Glücks.

In Kubickis Linolschnittfassung von Ekstase bestimmen parallele schwarze Flächen und Linien, die Spannung erzeugen und diese betonen, das Charakteristische des Dargestellten. Dieses Bild wirkt jedoch noch viel abstrakter als die oben besprochene Ölfassung aus der Berlinischen Galerie.

Es existieren noch vier weitere Kompositionen Kubickis in diesem Stil gehalten, die ebenfalls Versuche künstlerischer Visualisierung abstrakter Begriffe darstellen. Alle gehen zwar von der alltäglichen Wahrnehmung konkreter Objekte aus, wie z.B. eines musizierenden oder im Gebet knienden Menschen oder auch der den Kopf stützenden Hand – pars pro toto eines Denkers, sowie einer im Balletttanz vibrierenden Frau, doch sind diese realen Motive in den Linolschnitten Baßgeigenspieler, Demut, La pensée und Tänzerin kaum erkennbar. Diese Werke hatte wohl vor Augen der Gründungsdirektor der Berlinischen Galerie, Eberhardt Roters als er feststellte:

Stanislaw Kubicki, ein Deutsch-Pole, malt im Stil eines dynamischen Kubo-Expressionismus, der in Verbindung mit der Berechnung der Bildkomposition aus pythagoreischen Zahlenfigurationen, später immer deutlicher einen metaphysischen Gedankengrund zu erkennen lässt.

Abstrakte Linolschnitte Stanisław Kubickis, 1918-1919
Ekstase, Der Eintretende, Demut, Maternité, Hockende Frau, Tänzerin, La pensée

aus: Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe, Berlin 2007

***
Ihre 12-teilige Aquarellfolge Die drei Sprünge des Wang Lun (1925) inspiriert vom gleichnamigen Roman Alfreds Döblins, stellte Margarete Kubicka (1895-1984) zeit ihres Lebens mindestens acht Mal aus, was darauf hinweist, welche Gewichtigkeit die Künstlerin ihr beigemessen hat. Dieser hat sie auch ihr melancholisches, verschlüsseltes Selbstbildnis beigefügt. Die Folge widerspiegelt ihre Auseinandersetzung mit dem Buch, die wohl die ganze Künstlergeneration prägte und eine Abrechnung mit der Revolution und zugleich einen Ausgleich zwischen den Idealen der vita activa und vita contemplativa schildert.

Vier Werke Margarete Kubickas aus ihrer 12-teiligen Aquarellenfolge Die drei Sprünge von Wan Lun (1925)  nach dem Roman Alfred Döblins sowie ihr dieser Folge angeschlossenes Selbstbildnis
aus: Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe, Berlin 2007

Die Gestaltung der Figuren in der Aquarellfolge weist Verwandtschaften mit Umberto Boccionis futuristischen Einmaligen Form des Kontinuität im Raum von 1913 auf, am deutlichsten wohl in ihrem Bild Unaufhörlich gellte Wang. Die Bildfläche wirkt in Werken Kubickas lichtdurschienen und transparent. In ihrer Gestaltungsmethode schlugen sich die Entdeckungen der Photokinetik und der Röntgenbilder nieder, was besonders in Bezug auf die Darstellung menschlicher Figuren zum Ausdruck kommt.

Die futuristisch-transparent-figürlichen Werke Margarete Kubickas sind den zumeist statisch-kubistisch-abstrakten Werken ihres Mannes gegenüberzustellen, was ihre künstlerische Eigenständigkeit deutlich bezeugt.

Kubicka äußerte sich in Aquarell(-enfolgen) häufig. Schnell zu gestalten – sie musste ja als Zeichenlehrerin allein den Unterhalt der 4-köpfigen Familie meistern – waren sie gewissermaßen ihr Tagebuch.

Zu den wichtigsten Aquarellreihen, die sie geschaffen hat, zählten – außer den Drei Sprüngen des Wang Lun, solche Visualisierungen des menschlichen Lebens in der Geschichte wie wohl die schönsten – Tode (1927/1928), Frauen (1943) sowie im autobiografischen Werk 1945. Doch eine absolute Sonderstellung in ihrem Oeuvre hat die ihrem Mann glorifizierende Folge Hommage à Kubicki (1924), die ihn als Avantgardekünstler fortschrittlicher sozialen Ansichten in unterschiedlichen Aktivitäten des modernen Lebens darstellt, von denen keineparadoxerweise – mit Malen oder Schreiben gleichgesetzt wird…

Marokko 2

Monika Wrzosek-Müller

Der Tizi n`Tichka Pass etc…

Natürlich musste sie noch weiter, tiefer in das Land hinein, als sie sich eigentlich in einem schönen Hotel in Marrakesch hätte entspannen und ausruhen können; es zog sie in die Wüste und in das Hohe Atlas-Gebirge. Die Wege waren lang, kurvig, steil und gefährlich, auf schmale Serpentinen folgten langgezogene Anstiegsabschnitte; man sagte den Reisenden, die Fahrt würde vier marokkanische (?) Stunden über dem Tizi n`Tichka Pass nach Ait Ben Haddou dauern, tatsächlich waren es fünfeinhalb, gefühlt sieben Stunden. Sie fuhren von 100 Metern auf über 2.000 Meter, der Pass liegt genau auf 2260 Meter, und rundherum ragen die Berggipfel sogar 4.000 Meter auf. Auf den Gipfeln lagen noch Reste vom Schnee. Die Ausblicke und Panoramen waren wortwörtlich atemberaubend, die Farben pastell, nach oben hin immer gedämpfter.

Sie fuhren im Verlauf der Reise durch alle möglichen Landschaften; bald hinter Marrakesch verließen sie die Palmeria, einen angelegten Palmengürtel um die Stadt, der an Wassermangel leidet, und trafen auf ausgedehnte Getreide Felder; es war noch flach, aber sie bewegten sich jetzt doch unmerklich höher. Bald waren sie in einer paradiesischen Hügellandschaft angelangt, ganz grün und sehr saftig sahen die Obst- und Gemüsegärten um die Häuschen aus, an den Wegrändern wuchsen lila und blaue Schwertlilien, die sie aus der Toskana kannte, sie blühten gerade. Das Grün der sorgfältig beschnittenen Pomeranzen, die übrigens alle Avenues schmücken, war einmalig, wie das Grün der ersten zwei Blättchen der Teeplantagen, frisch, unvergesslich. Sie säumten meistens die Gärten oder auch die Straßen. Langsam gelangten sie höher und die Landschaft veränderte sich merklich, ab und zu sah man rote Felsen, rote Erde, es überwogen Olivenbäume, auch wenn dazwischen noch Gemüse angebaut wurde, hier dienten riesige Rosmarin-Büsche als Hecken. Danach kamen sie in kahlere Gebiete, da wuchsen Wacholder, die wir als Sträucher kennen, zu Bäumen, mit dicken Stämmen erreichten sie beachtliche Größen, dazwischen blühte gerade Lavendel. Der Boden war hier schon ausgetrocknet und steinig, ab und zu sah man Korkeichen, mit abgezogenen Stämmen leuchteten sie unten auch rötlich. Noch etwas höher gab es kaum mehr Vegetation. Sie erreichten den Pass, der in verschiedenen Ockerfarben der Steine, der Felsen und der Erde vor ihnen ausgebreitet lag. Sie befanden sich auf 2260 Meter Höhe, die Stelle wurde durch eine Raststätte mit vielen kleinen Lädchen markiert, wo hauptsächlich Fossilien und Touristen-Attraktionen verkauft wurden. Auf der anderen Seite erwartete sie nur Wüste, zuerst steinig noch mit Steppe und danach ging sie in Sand über; doch zu den Sanddünen gelangten sie nicht, es war einfach zu weit.

Das Weltkulturerbe-Dorf Ait Benhaddou sehen sie nur von weitem; es ist ein Berberdorf aus dunklem Lehm gebaut und gut erhalten, ähnlich den Bauten von Sanaa im Jemen, auch denen von Timbuktu in Mali. Die Kashbahs sind gut erhalten, miteinander verschachtelt, überall ragen die sich verjüngenden viereckigen Türme in den Himmel. Manche der Kashbahs sind bis heute bewohnt; es ist eine Oase, einige Palmen und etwas Grün zeugen von Wasservorräten.

Sie besichtigten noch ein Filmstudio, wo unzählige bekannte Filme gedreht wurden darunter Kleopatra, Spartakus, Babel etc…; in einiger Entfernung waren auch andere riesige Anlagen, die der Filmstudios für Asterix und Obelix und viele Fantasy-Filme zu sehen; es wirkte unwirklich und verrückt in dieser steinigen, gottverlassenen Gegend zu sehen, wie Hollywood das Land für sich einnimmt. Es ist eben Marokko, sie versuchen aus allem etwas Kommerzielles und Urbanes zu machen; auch hier gab es 5-Sterne-Hotels, wo die Stars und Starletts übernachteten, mit Swimmingpools und Bars und echten Grünanlagen rundherum.

Der Weg zurück ging über die gleiche Strecke, aber da sah sie nur schroff zerklüftete Felsenformationen, Geröllplateaus, steil abfallende Hänge, manchmal auch Canyons, zu der Jahreszeit mit Wasser gefüllt. An den steilen Felsen hingen ab und zu Berberdörfchen, ein buntes viereckiges Minarett ragte in die Höhe; die Bauten waren allesamt aus Lehm, den sie geschickt auch färbten; so erhielten die Minarette auch eine dezente Bemalung, sie sahen manchmal wunderschön aus.

Der Tizi n`Tichka Pass ist der Sage nach ein antiker Weg, von Timbuktu nach Marrakesch, der „Ziegenweg“. In der Berbersprache, bedeutet Tizi „Bergwiese“ und tichka „gefährlich“. Allerdings ist nicht ganz klar, ob der Weg wirklich von Timbuktu ausging; Timbuktu wurde wohl als Synonym für einen weit entlegenen Ort benutzt, der gar nicht zu existieren brauchte; in jedem Fall ging es um einen ein weiten Weg. Über diesen Weg, diesen Pass gelangten Karawanen nach Marrakesch, sie waren bis zu einem halbem Jahr mit 80 Mann unterwegs, transportierten ihre kostbare Ware, meist Silber, dann Gold und Edelsteine, dazu noch viele Sklaven und Eunuchen. Sowohl Timbuktu als auch Marrakesch waren Hauptumschlagplätze. Der Handel war das Leben, das Überleben in der trockenen und menschenunfreundlichen Umgebung; der Handel war auch eine ehrenhafte, sehr geschätzte Beschäftigung, die Händler waren hoch angesehene Leute, besonders wenn sie zu Reichtum gelangten. Die Routen der Karawanen waren weit verzweigt, aber sie führten schließlich alle auf den Djemaa el Fna Platz, den Nabel der Stadt Marrakesch; man kann sich heute noch sehr gut das damalige Treiben und Handeln auf dem Platz vorstellen. Selbst heutzutage überkommt einen auf dem Platz immer noch das Gefühl, in der Mitte des Lebens, der Welt der kleinen Geschäfte zu stehen. Der Muezzin ruft wie damals sanft ein paar Mal am Tag zum Gebet, nur dass es jetzt eine vom Band abgespielte Stimme ist; das Treiben ist vielleicht jetzt noch geschäftigter, denn es kommen viele Touristen hinzu, aber die Einheimischen gehen auch gerne dorthin. Auf dem Platz wird gegessen, gehandelt, gekauft, viele Gaukler führen ihre Kunststücke vor, die Schlangenbeschwörer spielen auf ihren Flöten, die Affen hüpfen von der Schulter des Besitzers auf die Schulter des Betrachters (sind aber meistens angekettet und in ein Kleidchen gezwängt, so dass sie nicht flüchten können), alle preisen ihre Waren, es ist bunt, laut bis schrill, heiß, manchmal unmöglich und manchmal magisch.

Der Handel mit Salz lag seit dem 14. Jh. in der Hand der Juden, sie hatten dafür das Monopol von den marokkanischen Königen erhalten. Salz war fürs Überleben von größter Bedeutung, es enthielt Mineralien; es hieß: Salz wurde mit Gold aufgewogen. Die Juden lebten in den Altstädten (medinas) in geschlossenen Vierteln Mellah; das Wort Mellah kommt aus dem Arabischen und bedeutet Salz. Die ersten Mellahs wurden im Mittelalter gegründet und die Juden lebten dort ziemlich abgeschieden, erst nach der Übernahme des französischen Protektorats öffneten sich die jüdischen Gemeinden der marokkanischen Gesellschaft. Während des Zweiten Weltkrieges betrieb der damals regierende Monarch Mohammed V. eine judenfreundliche Politik und beugte sich nicht der Politik des Vichy-Regimes, so fanden viele jüdische Flüchtlinge in den marokkanischen Städten Zuflucht (der Film Casablanca!). Erst nach der Gründung Israels gingen viele Juden aus Marokko weg. Noch heute ist aber die fast verlassene Medina von Marrakesch zu besichtigen, man sieht manchmal ein paar Kinder mit Schläfenlocken, doch die große Blüte jüdischer Geschäfte gehört der Vergangenheit an. Die marokkanischen Juden sind in der ganzen Welt verstreut, auch die Familie von Hilary Clinton stammt aus Marokko.

Elias Canetti, der Nobelpreisträger und vielsprachige Schriftsteller, hat das Leben der Juden in Marrakesch in einem kleinen Büchlein beschrieben, Die Stimmen von Marrakesch; in den fünfziger Jahren schien ihm deren Leben sehr ärmlich und einsam. Sie betrieben Handel, feilschten um völlig wertlose Dinge, waren in dieses kleine verschachtelte Viertel eingeschlossen. Als Jude leidet er mit ihnen, doch er kann nicht mit ihnen kommunizieren, er versteht sie nicht, wird nur zum stillen Beobachter, der ihr Leben von außen beschreibt und als fremd und somit auch exotisch empfindet.

Jaques Morelenbaum

Der Lob der kleinen unwichtigen Dinge, die nichts kosten oder das Ding an sich

Für Michał Krenz

Alle meine Leser wissen schon, dass ich sehr gern meinen Lesestoff auf der Strasse finde oder kostenlose Bücher vom Büchertisch hole. (Meine gelesene Bücher gebe ich gern weiter, auch wieder an den Büchertisch). Genauso gern kaufe ich meine Sachen in einem Second-Hand-Laden oder lasse mich beschenken (und die nicht mehr getragene gebe ich weiter).

Ab und zu frage ich mich selber: Wieso tue ich es? Aus Sparrsamkeit? Kaum. Klar, manchmal habe ich kein Geld, aber dann braucht man auch heutzutage, da wir alle so viele Klamoten haben, nichts zu kaufen. Das, was wir haben, hätte doch für Jahre gereicht.

Im Buch von  Olwen Hufton über die Frauen von der Renaissance bis zur Industrialisierung (fantastisches Buch! unbedingt lesen!) gibt es unter anderen die Geschichte der Kleider unter dem Aspekt der Frauenarbeit. Nach Hufton, sorgten Frauen mehrere Jahrhunderte dafür, dass die Bewohner Europas überhaupt was zu tragen hatten. Sie meint, dass es in dieser Zeit immer wieder diesselbe Stoffe waren, die uns kleideten, von Frauen geändert, angepasst, gestopft, geflickt, umgedreht, zusammen genäht, getrennt und gebunden. Das heisst, es hätte wohl sein können, dass eine schwindsüchtige kleine Weberin im Lyon im Jahre 1816 ein Kleid trug, dessen Stoff im XVI Jahrhundert für Diana von Poitiers (1500-1566), Mätresse Königs Heinrichs II von Frankreich gefertigt wurde.

Ich bin keine begabte oder leidenschaftliche Näherin und nicht destotrotz sehne ich mich an die Zeiten, als wir die Resourcen, die wir hatten mit Respekt benutzten, das heißt auch Socken stopften, Kleider verbesserten, mit Mama, Schwester und Freundin diesselbe Bluse zu feierlichen Anlässen trugen. Es ist nicht nur der ekologische Gedanke, der mich  leitet, weil ich es auch gesellschaftlich genauso wichtig finde. Reparieren, mit den anderen teilen, bescheiden sein, nicht protzen… Darüber schrieb der Henning Mankell eine wunderbare Textpassage, die ich schon mal zitierte.

Kurzum: ich lese gern gefundene Bücher, trage gern schon von jemanden anderen getragene Klamotten, gewahre gern den Unkraut Platz in meinem Balkon-Garten, dazu mag ich kein Fleisch und keine Milch, bin also eine Vegetarierin mit dem Hang zum Vegan. Pazifistin bin ich sowieso und für die andere Lebensoptionen offen und tolerant, mehr noch, sie sind mir so was von egal…

Alles wichtig, alles vorbildlich gar, aber ich glaube, hinter meiner Vorlieben steckt vielmehr mein individueller Charakter als pure Überzeugung. Die hat sich viel später herausgebildet. Der Aspekt, ich-tue-was-ich-mag ist mir wichtig, aber auch Vorliebe zu Finderei (nicht umsonst bin ich eine Archäologin) – die gefundene, bekommene, Zweite-Hand-gekauften Sachen haben ihre Geschichten. Jemand hatte etwas, was mir jetzt gehört, schon in der Hand gehalten, hat es getragen, oder gelesen, oder weggeworfen, die Dinge waren ihm wichtig oder unwichtig, egal, aber es gab gewisse Verhältnisse zwischen dem “Ding an sich” und dem Menschen, der es besass.

Und so weiter.

Und dies alles, um zu erklären, dass ich gern gefundene, gerettete Seiten lese… Vor ein paar Tagen bekam ich ein Geschenk aus Madeira. Eingepackt in eine gestreifte Papiertüte, umgewickelt in eine doppelte Zeitungseite. Ein Geschenk in Zeitungspapier! Wie schön! Wie die Sommerblumen, die wir damals in Polen auf dem Market kauften und sie in Zeitungspapier umgewickelt nach Hause trugen, die duftenden Platterbsen oder Levkojen.


Terça-feira, 18 de abril de 2017 / Dienstag und so weiter… Seite 13 Werbung für Agroalimentar na Economia Iberica (Agrar- und Ernährungsökonomik in Iberien), eine Initiative zur Förderung der lokalen Landwirtschaft. Diesmal Reis… Arroz.

Auf dem Schüsselchen ist eine Pflanze abgebildet, die das Wahrzeichen von Madeira ist. Ich vermute, es ist die Agapanthus praecox (Afrikanische Liebesblume), weiß jemand was anderes, bitte ums Korrigieren

Seite 14, Soziedade (Gesellschaft), Wetter und Ergebnisse der Lotto-Ziehung. Seite 27. Mundo – die Welt: Portugal é central no triangulo entre Europa, America Latina e Africa (Portugal übernimmt zentrale Position im Dreieck zwischen Europa, Lateinamerika und Afrika). Na ja… Soll haben. Seite 27, Artes… Jaques Morelenbaum, “A musica que nao fala a alma incomoda-me como um espinho”Die Musik, die  nicht von der Seele spricht, stört mich wie ein Dorn.

Interessant, ich kenne doch kein Portugiesisch, aber eigentlich verstehe ich den ganzen Artikel. Jaques Morelenbaum muss ein Jude sein, obwohl es nirgendwo gesagt wird, weder im Text selber noch später, als ich ihm in Wikipedia suche, aber ich bitte Sie, mein Herr, Jaques Morelenbaum!

Er ist ein brasilianischer Cellist, Komponist, Arrangeur, Dirigent und Musikproduzent. Geboren 1956, studierte in Sao Paolo und in den USA.

Seine musikalische Karriere begann in den 70er in der Progressive Rock-Band A Barca do Sol. Von 1984 bis 1994 spielte er in der Nova Banda mit Antônio Carlos Jobim. Nach seinem Tode gründete er gemeinsam mit seiner Frau Paula, Jobims Sohn Paulo (Gitarre und Gesang) und Paulos Sohn Daniel (Klavier und Gesang) das Quarteto Jobim-Morelenbaum. Er leitet auch Cello Samba Trio. Er macht auch Filmmusik, darunter für Central do Brasil, welcher 1998 den Goldenen Bären der Berlinale für den besten Film gewann und zu Oskar nommieniert wurde.

Jaques Morelenbaum wirkte bei  mehr als 700 Platten. Eigentlich waren es am Tag des Interviews für die Zeitung Diário de Notícias genau 748. Bei Wikipedia nennt man nur ca. 400 Discs.

Die aktuelle politische Lage in seinem Heimatland Brasilien macht ihn Sorgen.

Am Dienstag spielte Cello Samba Trio von Morelenbaum in Lisabon in Tivoli, am 20. in Conservatório de Música in Coimbra, am 21 in Cineteatro in Estarreja…

Wir hören hier eine von seiner Sambas…

Moje autorki i moi autorzy / Meine Autor*innen

Ewa Maria Slaska

Ich dachte mir, ich zeige euch, wie oft wir schon, als Autor*innen von diesem Blog, fürs Publikum gelesen haben. Vor allem aber ist dieser Beitrag ein Lob an Christine Ziegler, die all diese Lesungen organisierte, die Plakate entwarf und alle mögliche und umögliche Wünsche unserer Lesenden mit Ruhe, Würde und Gelassenheit erfüllt hat! Danke an Euch alle und Danke Christine!

Pomyślałam, że pokażę dziś kilka plakatów z wieczorów autorskich, które zorganizowałam dla moich Autorów i Autorek :-). Przy tej okazji chciałam też podziękować Christine Ziegler, która wszystkie te plakaty zaprojektowała, wszystkie te wieczory autorskie zorganizowała i była dla nas zawsze najmilszą gospodynią wieczoru, wypełniającą najdziwniejsze możliwe i niemożliwe życzenia osób występujących. Dziękuję Wam wszystkim i dziękuję Christine!


Marokko 1

Monika Wrzosek-Müller

Schon der Flughafen in Marrakesch erfüllte sie mit Bewunderung; gelungene moderne Architektur, die alte Traditionen der marokkanisch-andalusischen Architektur beinhaltete und sie neu interpretierte – mit Ornamenten, Intarsien, Keramik, Stein und Edelhölzern; luftig, geräumig und menschenfreundlich. Natürlich nervten die unendlichen Kontrollen und Schlangen, aber man fühlte sich sicher. Nach dem hässlichsten Flughafen der Welt in Berlin-Schönefeld eine reine Wonne.

Sie fühlte sich sehr als Tourist verschoben, durchorganisiert, aber es war eine Rundreise; die Vorteile lagen auf der Hand: alleine hätte sie diese Menge an Städten, unterschiedlichen Landesteilen und Informationen nicht bewältigt. Die Leute rundherum waren nett, nicht alle, aber das konnte sie auch nicht erwarten. Sie war auch nicht immer nett und wollte auch gar nicht sein.

Sie ließ sich auf diese für sie neue Welt aus den Märchen aus 1001 Nacht ein; ließ sich verführen und bezaubern. Es war bunt, ordentlich, sauber und organisiert. Das wunderte sie am meisten, diese Durchorganisiertheit, die ständige Präsenz der Polizei, bei Ein- und Ausfahrten aus den Städten, mal auch so unterwegs, Scharen von Putzleuten, die die Straßen sauber fegten, ganze Kolonnen von Gärtnern, die in den Grünanlagen arbeiteten; wirklich Armeen von Straßenfegern und Menschen, die sich um Grünanlagen kümmerten, Pflänzchen setzten und gossen, Bäume und Hecken zurechtschnitten, Palmen von ausgetrockneten Blättern befreiten, Rasen mähten, Blätter sammelten. Es war natürlich Frühling und die Arbeiten standen an. Sie sah neue Areale für frisch anwachsende Stadtviertel vorbereitet und eingerichtet, schon mit Straßen und Laternen und Elektro-Anschlusskästen in den Ecken; dort sollten die zukünftigen neuen Häuser entstehen. Es lag an der Jahreszeit, dass alles unheimlich grün und in buntesten Farben glänzte; die Bougainvilleas blühten in allen möglichen Nuancen von Pink, Rot und Gelb, es gab sogar weiße; die Hecken waren manchmal mit blauen, mal mit gelben Blüten gesprenkelt, dazwischen gab es Scharen von Vögeln, die unermüdlich zwitscherten. Die Sonne brannte noch nicht alles aus; vieles sah vielleicht deswegen friedlicher und freundlicher aus.

Natürlich wusste sie von der Existenz der Bidonvilles, Slumgürtel um Casablanca, von der Armut in den verlassenen Quartieren der alten jüdischen Viertel Mellah, von den Dörfern der Berber in den Bergen, wo der Analphabetismus nicht unter 70 % sinken wollte, auch wenn man sich bemühte und alle 20 km Schulen einrichten ließ und den Kindern, die in die Schule gingen, ein Fahrrad schenkte; doch das Allgemeinbild bot einen Aufschwung und Mut zu Projekten, zu neuen Möglichkeiten. Es wurde auch überall gebaut und ausgebessert, gemauert und geputzt.

Fast in jeder Stadt, die sie besichtigte gab es eine, oder auch mehrere Prachtstraßen, Prachtavenues, gesäumt von Palmen und ausgedachten Laternen in verschiedensten Formen, mal auch sehr kitschig, mal modern und viel Licht spendend. Die Avenues waren immer sehr breit, führten ein- und aus der Stadt, mit einem Streifen Grün in der Mitte, flankiert von Trottoirs, und wieder Streifen von Grünanlagen. Sie war erstaunt, erbaut und neugierig auf diese exotische und doch irgendwie bekannte Welt; hier traf Europa, das französische Europa hauptsächlich, auf den Orient und Schwarzafrika, die Mittelmeerkultur und die Beduinen, die Berber und die Nachkommen der schwarzen Sklaven, die Haratin, die arabischen Juden und schließlich die sunnitischen Araber. Hohe Berge wechselten mit langen Ebenen; Hügel waren auch dazwischen und dann kam die Vegetation – mal minimalistisch, fast steppenartig karg und dann, je nach Wassermenge, verwandelte sich die Erde in ein Paradies mit Apfel-, Mandel- Aprikosen-, Pfirsich-, Orangen und Zitronenbäumen, und natürlich gab es auch Olivenhaine kilometerweit. Ganze Landstriche wurden mit Olivenbäumen bepflanzt, man sah abwechselnd junge Bäumchen und alte tragende Olivenbäume, sie wurden auch nicht, wie in Italien beschnitten. Man sagte, dass das marokkanische Olivenöl in die europäischen Kooperativen floss, in die spanischen, aber auch die italienischen. Dazu kam auch der Anbau von Gemüse, und dazwischen leuchteten Erdbeeren auf, die schon jetzt reif zu sein schienen. Daneben gab es Getreide- und Maisfelder, es wurde auch Zuckerrohr angebaut. Die Vielfalt war enorm; fast zu vielfältig, dachte sie bei sich, sie konnte nicht alles richtig aufnehmen und verarbeiten.

Das größte Problem des Landes war Wasser; natürlich floss aus dem hohen Atlas viel durch die Schneeschmelze, aber es gab immer weniger Schnee; die Flüsse, Bäche, die zu dieser Jahreszeit reißend sein müssten, waren ausgetrocknet, man legte Stauseen an, die sog. Barrages, baute unterirdische Wasserwege zum Transport, zum Schutz gegen Verdunstung, aber es war nicht genug, besonders wenn man sich die vielen Golfanlagen und Hotels um Marrakesch anschaute, konnte es nicht genug sein. Deswegen plante man auch die Entsalzung des Meerwassers nach dem Vorbild Israels. So hätte man vielleicht die riesigen Plantagen von Olivenbäumen wirklich bewässern können.

Sie erinnerte sich an einen Strandverkäufer in Italien, an ihrem Hausstrand im Naturschutzgebiet von Feniglia, der ihnen erzählt hatte, er sei aus Marokko und würde sechs Monate in Italien Ware verkaufen und im Winter in die Heimat zurückgehen. Es sei ein wunderbares Land für Touristen, billig und schön: „müssen unbedingt hinfahren Signora“. Jetzt verstand sie seine Kalkulation: das Durchschnittseinkommen in Marokko liegt bei 120 € im Monat, mancher Lehrer verdient nicht mehr als 350 €, deswegen gehen viele weg, verdienen in einem halben Jahr im Ausland genug, um das ganze Jahr in Marokko zu leben, kehren eben aber gerne zurück. Wie auch die Juden, denen im Moment der König besondere Bedingungen anbietet und viele kommen zurück, gründen Hotelketten, Restaurants, besonders in Marrakesch ist das der Fall. Die einst mächtige jüdische Gemeinde in Marokko hatte sich nach der Entstehung von Israel sehr ausgedünnt. Jetzt wird sie vielleicht wieder stärker werden.

Und wenn man über Deutschland nach Roger Willemsen sagt: „Am schönsten ist das Land als Versprechen, weit weg.“ So kann man über Marokko sagen, es ist schöner als sein Ruf. (Ff)

Wernisaż Vernissage: Hermann Stöhr – Stanisław Kubicki

Stanisław Kubicki

Budowa wieży

PROJEKT SCENICZNY (FRAGMENTY)

W grudniu roku 1916 roku

I.

Scena przedstawia krajobraz odrażający nagością, aż po widnokrąg żółto-szary, pagórków kilka w oddali, wszędzie kamieniołomy i doły o glinie wybranej, ziemia dokoła porozrywana, niepłodna, poszarpana, bez roślinności. Jedyne drzewo po prawej o brzydkiej potarganej sylwetce potęguje jedynie bezna­dziejność miejsca. –

W dali – już za widnokręgiem – potworna wieża, olbrzym przerażający kształtem, jak zmora ciąży na kraju całym, niedokończeniem wstrętna i rusztowań siecią, dla oddalenia wielkiego gdzieniegdzie jedynie dostrzegalną. Nad wieżą wisi chmura kształtem kaptur grzyba przypominająca – wisi wiecznem przekleństwem. Całość budzi wstręt w patrzącym i strach chwilami paniczny. Czujesz, że wieża ta nie­zmierną jest zbrodnią i dziełem zła.

Od przodu sceny wgłąb aż do wieży biegnie droga bardzo szeroka, której okropność potęguje bezwzględna prostość i bezczelność dążenia do wieży. Ludzie idący drogą tą kroczą pod przymusem z nakazu czyjegoś. Chwilami strach ich porywa przed pustką, że przystają nagle przerażeni; lecz niema moc gna ich, że biegną ku wieży. Truchlejesz, gdy widzisz, że zimne słowo rozkazu ujęło ludzi tych w kleszcze obojętne na ludzkość ich i pochodzenie z ducha.

Zasłona unosi się. W szarym świetle powstającego dnia roboczego tysiące ludzi narzędziem budowlanem obarczonych wloką się ku wieży. Ubiór szary krojem przypominający starorzymskie bluzy niewolnicze. Śpiewają głupią zupełnie piosnkę uliczną. Twarze ich tępe, znudzone, po większej części głupie. Tutaj znaki najjaskrawsze dynastji wychowującej sobie poddanych. Pomimo zgrozy budzącej się tu i tam każdy posłusznie przykłada rękę do dzieła złego niepomny bladych słów napomnienia kiedyś zasły­sza­nych. Kapłani uczą po świątyniach posłuszeństwa i do wypełnienia namawiają “obowiązku”, sami potęgą przejęci zła najlitościwiej nam panującego. Chytrze i skrzętnie starty z powierzchni ziemi wizerunek boży.

II.

Wieża huczy i tętni pracą: zgrzytem żelaza, uderzeniami młotów, krzykiem i nawoływaniem, syrenami i świstem pary. Widzisz jak ssa soki wszystkie kraju i wysiłek ramion ludzkich gnanych bez pardonu w jarzmo.

Na potwór wieży pada złote światło słońca. Ślepniesz. Ogrom pracy zorganizowanej podziw wywołuje dla potęgi ludzkiej łamiącej przeszkody. Większość podziwem przewiązane ma oczy. Większości niedopisuje pamięć, że są ludźmi. Większość obałamucona widowiskiem i porwana zimnem słowem-nakazem z entuzjazmem nieomal rwie się do pracy. Nie czuje kłamstwa haseł i wierzeń dnia. A jednakowoż musi już istnieć gdzieś widz­ą­cy, który zbiera siły swe do krzyku rozpaczy, muszą się otwierać gdzieś oczy na brzydotę usiłowań ludzkich wzrokiem patrzące przerażonym, musi bić gdzieś serce bolesną ku bratu miłością, muszą cisnąć się słowa kurczowym tłumione szlochaniem. I myśl czyjaś wierci gdzieś opokę, by źródłem rozlać się na świat.

Wieża stoi tymczasem w świetle. Zuchwalstwem wyda ci się myśl, że mogłaby runąć. Boisz się wiary w jutro lepsze: wiary prześladowanej prawem i domem karnym, której miano jadynie za wyzwisko użytem być może. Wiesz, że rozpacz zawsze wiary takie rodziła, które później zwyciężały – lecz tutaj, w tym właśnie kraju nie chcesz wiedzieć ni wierzyć!

Droga prowadząca ku wieży zdaje się być bez wyjścia – tłumiąca nadzieję wszelką – a wszystko tak nastawione na funkcję szatańską budowy, że miejsca nie znajdujesz na myśl inną. Zresztą jako widz nie wiesz co się dzieje za kulisami.

A uśmiechniesz się gdy wyprowadzą teraz na scenę pustą zupełnie człowieka W ubraniu biednem, wytartem, o suchej, głodem wycieńczonej twarzy, zapadłych oczach, językiem swoim nie mówiącego poprawnie. Człowiek ten zaciśnie pięści i krzyczeć będzie słowa w twarz (nieobecnym) panującym i ministrom i wszystkim, którzy mają władzę. Wyjęczy krzywdę na nim i braciach jego dokonaną. – I o sprawiedli­wość wołać pocznie.

I znajdą się, którzy uśmiechem i wzdryganiem ramion pozbędą się błazna. I tacy, którzy oburzeni śmiałością jego wyzwiskiem odpowiedzą na skargi i żądanie sprawiedliwości. I tacy, którzy wołać będą o policję i dom karny.

III.

Na scenę pada światło przeraźliwie białe, ostre. Brzydota okolicy ujawniona w najdrobniejszym szczególe, że nawet krótkowidzący ujrzeć musi złość poczynań ludzkich i znaki jej w drobiazgu chociażby najlichszym. Na tle czarnego nieba stoi wieża jaszczurowo zielona w jadowitem świetle. Cisza. Nagle słychać ciężki daleki huk jakoby podziemny i trzask przytłumiony oddaleniem. Z przerażeniem widz widzi, że wieża się zatrzęsła, kurczowo, w posadach swych. Stoi jeszcze. Każdy wie teraz, że wewnętrzna zapadła się struktura potworu, – stoją jeszcze ściany zewnętrzne.

Znów cisza.

A oto chwila, że każdy wie co się stało:

Rozmowy potajemne i narady; prześladowania tysiączne i ucieczki nocne wśród tłumów; gorączkowa praca podziemna; tłumione krzyki rozpaczy; stokroć rozpędzane tłumy nieprzeliczone; krok pospieszny przywódców na estradzie; sale ogromne ludzkiem nabite ciałem drżącem, ledwie oddychającem w oczeki­waniu; ruch gorączkowy osób kilku wysuniętych na czele tłumu: ciche narady na dalekiej estradzie; po­chody szaremi ulicami olbrzymiego miasta…

Otóż wszystko to szerokim lawy plastrem buchnęło na światło słoneczne.

*

Od strony wieży w popłochu biegną gromady ludzi. Twarze przerażone. Krzykiem rozdarte. Rozbiegają się na wszystkie strony.

Chwila chaosu i zamięszania. Ludzie, którzy nagle (za nagle) przejrzeli i dowiedzieli się o grzechu własnej czynności. Krzycząc katów swoich szukają i winowajców – tych wszystkich, których głową po­wstawała budowa gniotąca sromotą świat cały.

I chwila jeszcze a wyłoni się z masy skłębionej pochód poważny z wysoko na szyldzie drewnianym wyniesionym hasłem sprawiedliwości. Słowa nie­zręczną ręką robotnika malowane, litery koszlawe i nie­równe, a w nich zawarta cała ludzkości wola.

Napotkasz ich, widzu, kroczących przez wszystkie place miast wielkich, idących wszystkimi ulicami w słońce wschodzące jutra.

Pierwodruk w: Zdrój VI , 1919, Nr. 2, s. 49–50.

Pierwodruk wersji niemieckiej w: Lidia Głuchowska, Roger Loewig – Stanislaw Kubicki. Wyspy człowieczeństwa/ Inseln der Menschlichkeit, tłum. Lidia Głuchowska, Roeger Loewig Gesellschaft / WIR e.V., Berlin 2003, S. 7779.

Linolschnitt „Der Turmbau zu Babel“ von Stanislaw Kubicki aus dem Jahr 1917. Fotos: Stadtmuseum Dresden (1), Holger Jakobi (1)

Stanisław Kubicki

Der Turmbau. Bühnenentwurf (Fragmente)

         Im Dezember des Jahres 1916

Die Szene stellt eine durch ihre Nacktheit abstoßende Landschaft dar, bis auf den gelb-grauen Horizont, einige Hügel in der Ferne, überall Steinbrüche und Gruben ausgegrabenen Lehms, die Erde herum – zerrissen, unfruchtbar, zerstört, ohne Pflanzen. Der einzige Baum rechts, mit zerrissener Silhouette steigert nur die Hoffnungslosigkeit des Ortes. –

In der Ferne – schon hinter dem Horizont – ein ungeheuerer Turm, ein Gigant, entsetzlich in seiner Form, wie ein Albtraum, lastet über dem ganzen Land durch seine abscheuliche Unfertigkeit und das Netz des Gerüstes, das wegen der Entfernung nur stellenweise bemerkbar ist. Über dem Turm hängt eine Wolke, die mit ihrer Form an die Kapuze eines großen Pilzes erinnert – sie hängt da wie ein ewiger Fluch. Das Ganze erregt in dem Beobachter Widerwillen und Ängste – zuweilen Panik. Man fühlt, daß der Turm ein unermeßliches Verbrechen und ein Werk des Bösen ist.

Von der vorderen Szene bis zum Turm verläuft ein sehr breiter Weg, dessen ungeheure Schlichtheit durch das rücksichtslose und unverschämte Streben des Turmes gesteigert wird. Menschen, die diesen Weg begehen, schreiten unter jemandes Befehl. Zuweilen ergreift sie Angst von der Leere, so daß sie plötzlich entsetzt innehalten; doch eine stumme Macht treibt sie dem Turm entgegen. Man erschrickt, wenn man sieht, wie das kalte Wort des Befehls diese Wesen in ihrer Menschlichkeit und ihrer Herkunft aus dem Geiste gleichgültig mit unempfindlichen Zangen gefaßt hat.

Der Vorhang hebt sich. Im grauen Licht des aufgehenden Tages schleppen sich Tausende von Menschen, mit Werkzeug beladen, dem Turm entgegen. Ihre graue Kleidung erinnert an altrömische Sklavenblusen. Sie singen ein dummes Straßenlied. Ihre stumpfe Gesichter, gelangweit, zum großen Teil dumm. Es sind die grellsten Zeichen der Dynastie, die sich die Untertanen erzieht. Trotz des Grauens, das hie und da erwacht, trägt jeder zum bösen Werk bei, ungeachtet irgendeines Wortes der Ermahnung. Die Priester lehren in den Tempeln den Gehorsam und überreden zur „Pflicht“, selbst von der Macht ergriffen, die uns gnädig beherrscht. Das Gottesbild ist schlau und geschäftig von der Oberfläche der Erde weggewischt.

II

Der Turm dröhnt und pulsiert von der Arbeit: vom Eisenknirschen, vom Schreien und dem Rufen, von den Sirenen und Dampfpfiff. Man sieht, wie alle Säfte des Landes ausgesaugt werden und die Anstrengung menschlicher Arme gnadenlos ins Joch getrieben werden.

Auf das Monstrum Turm fällt goldenes Sonnenlicht. Man erblindet. Das Immense der organisierten Arbeit erregt Bewunderung für die Hindernisse brechende menschliche Macht. Die meisten verbinden sich vor Bewunderung die Augen. Den meisten versagt das Gedächtnis dafür, daß sie Menschen sind. Die meisten, verwirrt von der Schau und getragen vom kalten Befehl stürzen sich mit Enthusiasmus auf die Arbeit. Sie spüren nicht die Lüge der Parolen und des Tages. Doch irgendwo muß schon der Sehende sein, der seine Kräfte zum Verzweiflungsschrei sammelt, irgendwo müssen sich die Augen öffnen, die mit erschrockenem Blick die Scheußlichkeit menschlicher Bemühungen ansehen, irgendwo muß ein Herz schmerzlicher Liebe zum Bruder schlagen, müssen sich die von verkrampftem Schluchzen unterdrückten Worte hervordrängen. Und irgendwo bohrt jemandes Gedanke einen Fels, um eine Quelle über die Welt auszugießen.

Der Turm steht einstweilen im Licht. Der Gedanke, daß er einbrechen könnte, scheint dir vermessen. Du hast Angst vor dem Glauben an ein besseres Morgen: des mit dem Recht und Gefängnis verfolgten Glaubens, dessen Name einzig als Schimpfwort benutzt werden kann. Du weißt, daß die Verzweiflung immer solchen Glauben gebar, der später gewann – doch hier, gerade in diesem Land willst du es weder wissen noch glauben!

Der zum Turm führende Weg scheint ausweglos zu sein – jede Hoffnung verdrängend – und alles ist so auf die teuflische Funktion des Baus eingestellt, daß du keinen Platz für andere Gedanken findest. Im übrigen, als Zuschauer, weißt du nicht, was hinter der Kulisse abläuft.

Und du wirst lächeln, wenn sie auf die leere Szene einen Menschen in ärmlicher, schäbiger Kleidung führen werden, mit hagerem, vom Hunger erschöpften Gesicht, eingestürzten Augen, der die eigene Sprache nicht korrekt beherrscht. Dieser Mensch wird die Fäuste geballt haben und den abwesenden Herrschern und Ministern und allen, die Macht haben, ins Gesicht schreien. Er wird das Unrecht an sich und seinen Brüdern bejammern. – Und er beginnt, die Gerechtigkeit anzurufen.

Und es finden sich solche, die den Narren mit Lächeln und Armeschütteln los werden. Und solche, die von seiner Kühnheit empört mit Schimpf auf seine Klagen und Forderung nach Gerechtigkeit antworten werden, und solche, die nach Polizei und Gefängnis rufen werden.

III.

Auf die Szene fällt erschreckendes weißes, grelles Licht. Die Häßlichkeit der Gegend offenbart bis ins kleinste Detail, bis in die schäbigsten Einzelheiten, daß sogar Kurzsichtige die Bosheit der menschlichen Handlungen und ihre Zeichen bemerken müssen. Auf dem Hintergrund des schwarzen Himmels steht der echsengrüne Turm im giftigen Licht. Stille. Plötzlich hört man fern scheinendes unterirdisches Dröhnen und einen durch die Entfernung gedämpften Knall. Erschrocken sieht der Zuschauer, daß der Turm krampfhaft in seinem Fundament erzittert. Noch steht er. Jeder weiß jetzt, daß die Struktur des Monstrums in sich zusammengefallen ist, – es stehen nur noch die Außenwände.

Wieder Stille.

Und hier ist nun der Augenblick, in dem jeder weiß, was geschah:

Geheime Gespräche und Besprechungen; tausend Verfolgungen und Fluchten im Gedränge; fieberhafte Untergrundarbeit; gedämpfte Verzweiflungsschreie; hundertmal auseinandergetriebene unzählige Massen; der eilige Schritt der Führer auf der Bühne; die riesigen Säle mit zitternden menschlichen Körpern gefüllt, die in der Erwartung kaum noch atmen; die fieberhafte Bewegung einiger, auf dem Hirn der Masse stehender Personen: leise Beratungen auf der entfernten Bühne; Züge durch die grauen Straßen der riesigen Stadt…

Nun ergießt sich alles auf das breiten Pflaster wie Lava ins Sonnenlicht.

*

Vom Turm her rennen in Panik Scharen entsetzter Menschen – vom Schrei verzerrte Gesichter. Sie laufen in alle Richtungen auseinander.

Ein Moment von Chaos und Verwirrung. Die Menschen, die plötzlich verstanden und von der Sünde ihrer eigenen Tat erfuhren. Schreiend suchen sie die Henker und Schuldigen – alle, durch deren Kopf der Bau erfunden wurde, der mit Schande die ganze Welt unterdrückt hat.

Und noch ein Augenblick, da taucht aus der Masse der ernsthafte Zug auf mit dem hoch auf dem Schild gehaltenen Aufruf nach Gerechtigkeit. Die Worte, mit ungeschickter Arbeiterhand gemalt, die Buchstaben krumm und uneben, und in ihnen ist der ganze Menschheitswille.

Du, Zuschauer, triffst auf sie, wenn sie alle Plätze der großen Städte beschreiten, auf allen Straßen marschieren, hin zur aufgehenden Sonne von morgen.

übersetzt von Lidia Głuchowska

Erstveröffentlichung der deutschen Fassung in: Lidia Głuchowska, Roger Loewig – Stnislaw Kubicki. Wyspy człowieczeństwa/ Inseln der Menschlichkeit, Roeger Loewig Gesellschaft / WIR e.V., Berlin 2003, S. 7779.

Polnische Erstveröffentlichung:
Zdrój (Posen/Poznań) VI, 1919, Nr. 2, S. 4950

Nasz rok leśmianowski 5

Wpis przygotowany na wczoraj przez Marię Szewczyk i Ewę Marię Slaską. Ustąpiłyśmy miejsca naszemu nowemu autorowi (TU) i oby nam więcej takich tekstów pisał, jak ten wczorajszy! W naszym wpisie – stosowne wszak dla Berlina – przesłanie zza muru.

Deutsch (aber was anderes als auf Polnisch) – siehe unten

Bolesław Leśmian

DZIEWCZYNA

Władysławowi Jaroszewiczowi,
Jego entuzjastycznym zapałom
dla dzieł twórczych i szczerym
wyczuciom czarów poetyckich

Dwunastu braci, wierząc w sny, zbadało mur od marzeń strony,
A poza murem płakał głos, dziewczęcy głos zaprzepaszczony.

I pokochali głosu dźwięk i chętny domysł o Dziewczynie,
I zgadywali kształty ust po tym, jak śpiew od żalu ginie…

Mówili o niej: “Łka, więc jest!” – I nic innego nie mówili,
I przeżegnali cały świat – i świat zadumał się w tej chwili…

Porwali młoty w twardą dłoń i jęli w mury tłuc z łoskotem!
I nie wiedziała ślepa noc, kto jest człowiekiem, a kto młotem?

“O, prędzej skruszmy zimny głaz, nim śmierć Dziewczynę rdzą powlecze!” –
Tak, waląc w mur, dwunasty brat do jedenastu innych rzecze.

Ale daremny był ich trud, daremny ramion sprzęg i usił!
Oddali ciała swe na strwon owemu snowi, co ich kusił!

Łamią się piersi, trzeszczy kość, próchnieją dłonie, twarze bledną…
I wszyscy w jednym zmarli dniu i noc wieczystą mieli jedną!

Lecz cienie zmarłych – Boże mój! – nie wypuściły młotów z dłoni!
I tylko inny płynie czas – i tylko młot inaczej dzwoni…

I dzwoni w przód! I dzwoni wspak! I wzwyż za każdym grzmi nawrotem!
I nie wiedziała ślepa noc, kto tu jest cieniem, a kto młotem?

“O, prędzej skruszmy zimny głaz, nim śmierć Dziewczynę rdzą powlecze!” –
Tak, waląc w mur, dwunasty cień do jedenastu innych rzecze.

Lecz cieniom zbrakło nagle sił, a cień się mrokom nie opiera!
I powymarły jeszcze raz, bo nigdy dość się nie umiera…

I nigdy dość, i nigdy tak, jak pragnie tego ów, co kona!…
I znikła treść – i zginął ślad – i powieść o nich już skończona!

Lecz dzielne młoty – Boże mój – mdłej nie poddały się żałobie!
I same przez się biły w mur, huczały śpiżem same w sobie!

Huczały w mrok, huczały w blask i ociekały ludzkim potem!
I nie wiedziała ślepa noc, czym bywa młot, gdy nie jest młotem?

“O, prędzej skruszmy zimny głaz, nim śmierć Dziewczynę rdzą powlecze!” –
Tak, waląc w mur, dwunasty młot do jedenastu innych rzecze.

I runął mur, tysiącem ech wstrząsając wzgórza i doliny!
Lecz poza murem – nic i nic! Ni żywej duszy, ni Dziewczyny!

Niczyich oczu ani ust! I niczyjego w kwiatach losu!
Bo to był głos i tylko – głos, i nic nie było oprócz głosu!

Nic – tylko płacz i żal i mrok i niewiadomość i zatrata!
Takiż to świat! Niedobry świat! Czemuż innego nie ma świata?

Wobec kłamliwych jawnie snów, wobec zmarniałych w nicość cudów,
Potężne młoty legły w rząd, na znak spełnionych godnie trudów.

I była zgroza nagłych cisz. I była próżnia w całym niebie!
A ty z tej próżni czemu drwisz, kiedy ta próżnia nie drwi z ciebie?

Jeden z najbardziej znanych wierszy Bolesława Leśmiana, napisany w 1933 roku, opublikowany w tomiku “Napój cienisty” (1936). Czyta Anna Polony.

***

In durch Regierung PiS entzweiten Polen gibt es viele Kontroversen, die um den Dichter und Notar Bolesław Leśmian (eigentlich Bolesław Lesman) ist eine davon. Ofiziell wurde er 1877 geboren, was eventuell ein Grund wäre, das Jahr 2017 zum “seinen” Jahr zu ernennen, zumal er in Polen viel gelesen ist, man kann sogar wagen, zu behaupten, dass wir ihn lieben. Die PiS-Regierung wollte es jedoch nicht zu anerkennen. Dadurch haben viele Personen und institutionen erklärt, “wir feiern selber des Dichters Jahr”, man braucht die Regierung dazu nicht. Wozu auch? Dieser Blog macht es auch.

Die Debatte um Leśmian-Jahr führte dazu, dass jetzt kaum jemand zu erwähnen wagt, dass es eigentlich nicht klar ist, wann Leśmian geboren wurde. In Wikipedia steht ein simpler Satz darüber: Das Geburtsjahr ist umstritten, in der Abschrift seiner Geburtsurkunde steht 1877, er selbst nannte das Jahr 1878 und auf seinem Grabstein steht 1879.

Die 9 am Ende der Geburtsjahrangabe ist zu erkennen…

Leśmian ist in Deutschland wenig bekannt. In Wikipedia wird kein Gedichtband auf Deutsch genannt und alle Links führen zu polnischen Seiten mit seiner Poesie. Es gab seine Gedichte in ein paar Anthologien und gar im Internet fand ich nur diese eine Internetseite mit diesem einem Gedicht und ein Buchobiekt herausgegeben 1988 von dem man sagt, es sind Leśmians Gedichte übersetzt und herausgegeben von Karl Dedecius in 150 numerierte Exemplare (Handpresse Verlag: Reicheneck, Aldus-Presse).

Bolesław Leśmian (1877-1937)

(In der Übersetzung von Lorenz Scherlag 1881-1941) 

Umwerbung / Zaloty

Ein armer Krüppel ohn’ Füße, befestigt am Wagen,
Gleich einem Gewächs, von beweglichem Erdstück getragen,
Der Graus der bleichen Straßler, der Schreck der Gasse,
Bedienend seines Leibes plumpige Masse,
Dreht ruhlos die Kurbel – wie bei Regenschauer
An einem Leierkasten, gelehnt an die Mauer –
Und schleppt sich, polternd, längs der Straßengraben,
Drin graue Wolken ihren Spiegel haben,
Er schleppt zur Dirne sich im Hofe drüben,
Zu ihren nackten Füßen. Verlangend sich schieben
Aus Kleiderfetzen seiner Hände Krallen
Zu ihren Zähnen, so weiß . . . Seine Worte lallen:
– “Ich liebe den Saum deiner kotigen Kleiderfetzen
Und deinen lauten Atem. Nichts könnt mich ergötzen
Und wäre wie du so wert meinem dürstenden Munde.
Ich weiß, daß meine Sehnsucht, gleich einer Wunde,
Mich weiter schleppend, wird nur Krüppel zeugen.
Doch dies mein Triumph: ich kann mich mühlos beugen
Vor deinen Reizen. Her die Zärtlichkeiten!
Ein Krüppel fleht dich drum! Ich bin auf Freiten!
Sollst nackt und schamlos mir ins Elend ragen
Und kosend mein Gebrechen mir zernagen!”

Sie will von dannen gehen,
Doch ruhlos lallt sein Flehen:
– “Es muß doch wer lieben, was einmal schon geschehen. –
Und diesen Marterwagen, die Kurbel zum Drehen,
Die Gier in Leibesresten, kaum angefangen,
Dies Menschenkind, das lockend will verlangen!
Befrei den Zauber, den Häßlichkeiten hüllen!
Wie blind oder tot, sei meiner Hand zuwillen!
Ich kann auch unabwehrbar sein wie die Sünde,
Und voller Kraft eines listigen Krüppels finde
Ich süße Zärtlichkeiten, den Trauben zu gleichen,
Die keiner im Traume sogar je könnt erreichen!”

Sie will von dannen gehen,
Doch ruhlos lallt sein Flehen:
– “Ist wenig dir ein halber Mensch zum Bunde?
Dein treuer Buckel ich sei, deine teure Wunde!
Daß Weh und Liebe und meines Irrwegs Entsetzen
Das Fehlen meiner Beine nicht können ersetzen!
Ein Lachen will so schmerzlich mich umkrampfen!
O, könnt ich die Erde mit festen Füßen stampfen
Und sie zertreten von meinen Tritten sehen!
Ins Uferlose will ich eilig gehen,
Dem ekellos mein Leid zum Opfer soll fallen.
Und irgend sind Hände mir willig und Lippen-Korallen,
Die, zärtlich liebkosend, leise gleiten sollen
Zu Füßen, die nicht vorhanden. Es möge rollen
Mein Wagen dahin, irgend, wo fern mir im Garten
Wer immer, Tier oder Wurm, meine Liebe erwarten!”

Sie will von dannen gehen,
Er träumt von fernen Höhen.
Ernüchternd und schmerzlich ihre Reize nagen.
Er schaut, ohne Schauen, und dreht die Kurbel am Wagen
Und fährt von dannen – von dannen – ziellos, in Eile,
So hilflos und komisch polternd jede Weile
Und sucht, erbärmlich krüppelnd, von allen gemieden,
Das Land der Liebe, ohne Halt und Frieden.

Aus: Moderne polnische Lyrik
Eine Anthologie deutscher Übertragungen
Herausgegeben von Lorenz Scherlag
Amalthea Verlag Zürich Leipzig Wien 1923 (S. 103-105)

Hi stranger

Hi stranger ist ein Kunstprojekt von Kerstin Lepore, amerikanischer Filmanimatorin, wurde schon von 1,5 Milionen Zuschauer angeklickt. Das geschlechtlose Knetwesen von Lepore sieht wie ein Wurm aus. Ist es ekelhaft oder androgyn modern?

Hi stranger to projekt artystyczny amerykańskiej autorki filmów animowanych Kerstin Lepore. Biała bezpłciowa istota z modeliny wygląda jak blada gąsienica i jest (chyba) odrażająca, ale może raczej wyraża nasze marzenia o androgynicznej ponadpłciowej równości. W każdym razie film obejrzało już 1,5 miliona widzów.