Frauenblick 16 – Kaschmir und Indien

Monika Wrzosek-Müller

Arundhati Roy, Das Ministerium des Äußersten Glücks

Berlin begrüßte mich mit Regen und Kälte, nach dem langen warmen Monat in Italien eine Zumutung, also griff ich nach meinem Lieblingsschal, den aus Kaschmir – wortwörtlich aus Kaschmir: er ist aus Kaschmirwolle und stammt auch aus der Region Kaschmir in Indien. Ich hab ihn in der Altstadt von Cochin in einem sehr netten kleinen Laden gekauft, den zwei junge Juden aus Kaschmir führen. Sie erzählten mir, dass sie nach den Auseinandersetzungen in Kaschmir die Region verlassen mussten. Doch sie träumten jeden Tag davon, dahin zurückzukehren, sahen vor ihren inneren Augen die wunderschönen verschneiten Bergspitzen und grünen Wiesen, Felder und die Obst- und Blumengärten; sie vermissten die klare Luft, ohne Feuchtigkeit und Nebel, die kühlen Abende mit den scharfen Farben der Sonnenuntergänge; es war ganz offensichtlich sie sehnten sich sehr nach ihrer Heimat. Doch die vielen Toten jeden Tag auf den Straßen und in den Dörfern und der Terror, der überall lauerte, hielten sie davon zurück, nach Hause zurückzukehren.

Nach dem Buch von Arundhati Roy Das Ministerium des Äußersten Glücks musste ich immer wieder an die beiden denken.

Das Buch ist wie ein Puzzle, die Geschichten fügen sich ineinander, verdichten sich irgendwann zu einem Ganzen, aber sie könnten auch weiter fortgesetzt werden, oder jede für sich könnte allein stehen. Es gibt eine Hauptheldin, Anjum, oder von hinten aus gelesen Mujna. Sie ist eine hijra, halb männlich, halb weiblich, ein Hermaphrodit, aber eigentlich sind die hijras Transvestiten. Schon mit jungen Jahren flieht sie aus ihrem Elternhaus, wo sie als Junge erzogen wird, in ein Frauenhaus, doch da hält sie es nach einem schlimmen Gewalterlebnis nicht mehr aus. Sie lebt den größten Teil ihres Lebens auf einem Friedhof in Dehli, in der Altstadt, nicht weit vom Roten Fort, wo sie eine Art Kommune aufbaut und mit anderen zusammenlebt. Dann gibt es die Geschichte von den drei Freunden, die in einem College an einer Inszenierung des Stücks Norman, bist du das? mitwirken, das aber nie zur Aufführung kommt: Naga, Journalist, Tilo, Architektin und Designerin, und ein späterer Geheimdienst-Offizier in Kaschmir und Hausbesitzer, der ich Erzähler weiter Teile des Buches; sie alle verbindet die Liebe der beiden Männer zu Tilo. Später kommt ein auf der Straße gefundenes Baby dazu, um das sich Anjum und Tilo streiten, bis sie dann im äußersten Glück auf dem Friedhof zusammenwohnen. Wichtig ist auch Tilos Mann Musa, ein Unabhängigkeitskämpfer für Kaschmir und Jammu. Den Hintergrund bilden die achtziger und neunziger Jahre, mit dem Konflikt um Kaschmir, und das Leben in der Stadt Delhi.

So wie das Leben in Indien selbst ist die Erzählweise oft wirr und chaotisch, sie stockt manchmal und wird wieder fortgesetzt, eine neue Geschichte nimmt an Wichtigkeit den Platz der vorangegangenen ein. Man spürt das Brodeln, Ausufern, die Unbeherrschbarkeit der Konflikte der Charaktere, der Helden, ihre Schicksale. Die Wirklichkeit des Lebens auf den Straßen entzieht sich manchmal der literarischen Erzählung, man spürt, dass sie noch grausamer und unerbittlicher ist. Alle Helden leben ihr gefährliches aber freies Leben, so wie sie es sich vorstellen, so wie es ihnen gelingt, so wie sie es letztendlich wollen. Interessant, dass der Hauptteil des Buchs auf dem Friedhof spielt, dort, wo eigentlich Tote begraben liegen; nur dort gibt es Freiheit, Freizügigkeit und ein ziemlich sorgenfreies Leben. Draußen herrscht Terror, Menschen werden umgebracht, gefoltert. Die Muslime gegen die Hindus und umgekehrt, niemand ist besser; alle verfolgen ihre vielfältigen und komplizierten Interessen, und durch misslungene Aktionen des Geheimdienstes sterben mehr Menschen, als gerettet werden sollten. Kaschmir soll, wie das mit den Kurden im Moment passiert, auf keinen Fall unabhängig werden. Aufgeteilt zwischen Pakistan, Indien, China und Afghanistan kämpfen die Kaschmiris oft gegeneinander, sterben unnötig, immer zu heldenhaften Taten bereit und dazu auch verurteilt.

Seit den achtziger Jahren sind in dem Konflikt zwischen Pakistan und Indien mindestens 70 000 Menschen gestorben, getötet worden; 8 000 sind verschwunden, unzählige haben völlig traumatisiert überlebt und finden keine Ruhe, bis heute. Das ist der Hintergrund des Romans; doch wie die Schriftstellerin damit umgeht und die Verhältnisse beschreibt, lässt uns an den Ereignissen und Emotionen wirklich teilhaben. Die leeren Zahlen füllt sie mit Leben, Farben, Tempo. Sie hat als Journalistin und Menschenrechtlerin, Kritikerin der Globalisierung und des Kapitalismus, viel damit zu tun gehabt, kennt den Konflikt und die Situation aus eigener Anschauung, vielleicht auch als Betroffene. Die Zweitheldin des Romans Tilo, Tilottama, trägt autobiografische Züge der Autorin; in Kerala geboren, ist sie mit 16 nach Dheli gegangen, dort das Studium der Architektur, später gehen die Wege der beiden auseinander. Doch der Kampf, den die beiden Frauen führen ist bestimmt durch Arundhatis Roy Erlebnisse. Wir erfahren viel von den Ereignissen, aber wichtiger sind die Emotionen, die dabei hervorgerufen werden; die zerstörten Leben, Pläne, Familien.

Ich würde gern eine dieser kultivierten Geschichten schreiben, in denen zwar nichts passiert, aber es trotzdem viel gibt, worüber man schreiben kann. So etwas ist in Kaschmir nicht möglich. Es ist nicht kultiviert, was hier passiert. Es gibt zu viel Blut für gute Literatur.

F.1. Warum ist es nicht kultiviert?

F.2. Wie groß ist die hinnehmbare Menge Blut für gute Literatur?

Ich habe mir dann auch den Film Stern von Indien angesehen, hauptsächlich um die Orte des Geschehens zu sehen, die alte Stadt Delhi mit dem Roten Fort; im Film geht es um die Zeit gleich nach dem Krieg, da hat der Konflikt um Kaschmir angefangen, mit dem Abzug der Engländer, mit dem Vize-König von Indien Earl Mountbatten und dem Plan der Gründung von Pakistan. Gab es andere Lösung, wäre die Bildung eines Vereinten Indien besser gewesen?

Die Schriftstellerin macht in dem Roman klar, dass zwar das Erbe des Kolonialismus über Indien hängt, aber eben auch über der Literatur, die kultiviert zu sein versucht – doch die Umstände, die Grausamkeiten erlauben ihr das nicht. Doch für Arundhati Roy sind auch die Leute selbst an ihren Schicksalen schuld, sie können sich nicht hinter der großen Tragödie der Geschichte verstecken, sie erleben ihr Leben, und das kann selbst in schlimmen Zeiten gelungen sein. Das Ministerium des äußersten Glücks findet sich auf dem Friedhof, zwischen Menschen aller möglicher Orientierungen, sowohl religiös als auch geschlechtlich und sozial; sie versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen, ohne dabei trivial und naiv zu wirken. Es ist die große Stärke des Textes, alle diese Charaktere und Geschehnisse in einem Buch, in einer Geschichte zusammen zu bringen und sie dem Leser zu präsentieren, auch vielleicht mit Fragezeichen, das ist doch auch möglich, oder? Das Schöne dabei ist, man spürt in dem Roman viel Freiheit, Raum und Toleranz, die die Leute sich selbst geben, nehmen, oder die die Schriftstellerin ihnen einräumt. Sie sind nicht in ihre Rollen gezwängt, sie bewegen sich am Rande, aber da ist für sie in dem verrückten Indien viel Platz!

Und die Beschreibungen, die Sprache der Schriftstellerin, poetisch, leicht sarkastisch und pointiert, lässt von Anfang an vermuten, dass wir in das Buch reingezogen werden, und das aber bedeutet nicht, dass es ein Roman ist, den man verschlingt. Es wird verlangt dass man langsam und konzentriert liest, nachschaut, die historischen Hintergründe hinterfragt.

In der magischen Stunde, wenn die Sonne fort, das Licht noch da ist, lösen sich die Heere fliegender Hunde von den Banyanbäumen auf dem alten Friedhof und lassen sich über der Stadt treiben wie Rauch. Wenn die Fledermäuse wegfliegen, kommen die Kühe nach Hause. Der große Lärm ihrer Rückkehr kann die Stille nicht füllen, die die verschwundenen Spatzen hinterlassen haben und die alten Weißrückengeier, Wächter der Toten seit über hundert Millionen Jahren, die ausgemerzt wurden. Die Geier starben an Diclofenac-Vergiftung. Diclofenac, Rinder-Aspirin, das den Kühen verabreicht wird, um die Muskeln zu entspannen, Schmerzen zu lindern und die Milchproduktion zu erhöhen, wirkt – wirkte – wie Nervengas auf die Weißrückengeier. Jede chemisch entspannte, milchproduzierende Kuh oder Büffelkuh, die starb, war vergiftete Geierbeute. Während die Kühe zu besseren Milchmaschinen wurden, während die Stadt mehr Eis, Karamell, Cornettos und Nogger Chocs aß und mehr Mango-Milchshakes trank, begannen die Geier, die Hälse hängen zu lassen, als wären sie müde und konnten einfach nicht wach bleiben. Silberfarbene Speichelbärte tropften aus ihren Schnäbeln, und einer nach dem anderen stürzte von dem Ast, auf dem der saß, tot.

Nur wenigen fiel das Aussterben der freundlichen alten Vögel auf. Es gab viel anderes, worauf man sich freuen konnte.

Dass sie eine gute Schriftstellerin ist, hat Arundhati Roy schon in ihrem ersten Roman Der Gott der kleinen Dinge bewiesen, doch in ihrem zweiten zeigt sie umso mehr, dass sie genial schreibt, beobachtet, die Sachen auf den Punkt bringt. So viel Klarheit, bei so einem verwirrten und komplizierten Thema ist selten jemandem gelungen.

Mit den Augen des Westens 2

Esther Schulz-Goldstein

Was geschieht in Polen?

Für Bogna Czałczyńska

Tekst po polsku: Co sie zdarzylo w Polsce

Um diese Frage beantworten zu können, betont die Autorin: das Geschichte der Menschen auch die Geschichte großer Traumen ist. Traumatische Erfahrung der Individuen, als auch Gruppen, Kohorten und Bevölkerungen begründen einschlägigen Folgen für die psychische Struktur sowohl im Einzelnen als auch in der gesellschaftlich mentalen Verfasstheit einer Nation (1).
Traumatische Erfahrung, als Drohung des “Nicht-Seins”, die uns abgrundhaft beschämt, mobilisiert die Schamabwehr im Betroffenen. Sie spaltet, verleugnet oder verdrängt unsere Schamgefühle.
Schamabwehr steht im Dienste des Lebenswunsches und erschafft die Schamfreiheitsformel, die die Spannung reduziert, zwischen dem wie man Sein möchte und wie man Sein kann.
Es ist nicht schwer, die bisherigen Auswahlkriterien, für die Bildungen eines nationalen Gedächtnisses zu bestimmen.
Bisher ging es in ihm regelmäßig um solche Bezugspunkte in der Geschichte, die, das eigene Gewordensein ausschmücken um ein positive Selbstbild zu etablieren. Was nicht in dieses heroische Bild passt, die Panik, die Verwundungen, die vielen Toten, fällt der Schamabwehr zum Opfer und verwandelt sich in einer gesellschaftlichen Regression in einen heldenhaften Gang durchs Feuer, das keinen verbrannt haben sollte.
Deshalb finden tragische Niederlage im nationalen Gedächtnis, das die Verantwortungskultur via Regression verlassen musste, ihren Platz. In ihr wird die nationale Identität innerhalb eines “Opfer- Bewusstsein wachgehalten, um “Widerstand zu legitimieren und heroische Gegenwehr zu mobilisieren” (2).

Das kollektive polnische Gedächtnis ist ebenso empfangsbereit für historische Momente der Erhöhung vor “Wien” wie der Erniedrigung in der “Teilung”, weil beides in ein heroisches Geschichtsbild eingearbeitet werden konnte.
Für Polen wurde die Opferrolle erstrebenswert, weil sie vom Pathos unschuldigen Leidens während der mehr als 120 Jahre dauernden Teilungen verklärt wird.
Was die Deutschen den Polen an Gewalt antaten, als sie mit ihrer Schamfreiheitsformel in Gleiwitz “zurück zuschießen” begannen, verstärkt diese Haltung.
Kein Einlass fand in ihr nationales Gedächtnis, die Momente der Schuld und Scham im Verhalten des polnischen Adels, die zu den Teilungen führten. Auch keine Entschuldigung bei den Bauern, deren Sklavenstatus in der Leibeigenschaft erst von den Teilungsmächten aufgehoben wurde.


Ende der Träume – Stettin ’45, Bild von Kobas Laksa im Museum Umbrüche in Stettin

Kein Einlass fand in ihr nationales Gedächtnis, die Momente der Schuld und Scham im Verhalten des polnischen Adels, die zu den Teilungen führten. Auch keine Entschuldigung bei den Bauern, deren Sklavenstatus in der Leibeigenschaft erst von den Teilungsmächten aufgehoben wurde.
Jedoch Einlass fand im neuen Stettiner Museum, das von der Schamabwehr gemalte Bild Polens, dass die polnische Heimatarmee nach dem II. Weltkrieg, sich in einem heldenhaften Guerillakrieg gegen die Sowjets gestählt habe, als ob es kein Lubliner Komitee gegeben hat, das sie bekämpfte.
Eine gegenwärtige Homogenisierungstendenz im polnischen Volkskörper zeigt sich in der Gedenkstätte Auschwitz, wo keine zwei Millionen jüdisch geprägte Polen mehr registriert sind, sondern nur noch Juden ohne nationale Wurzeln.
Dieser Ausstoß ehemaliger Polen aus dem katholischen Volkskörper signalisiert, dass die PIS die Demokratie bereits verlassen hat, und die Werte des polnischen Bürgertums keine Geltung mehr besitzen. Zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes, wurden alte Feindbilder neu belebt, wie das Deutschen-, Weißrussen- oder Litauer-bashing belegt.

Das Unglück von Smolensk mit dem Tod des Staatspräsidenten Lech Kaczyński, samt der politische Elite Polens, verstärkte -nach den Vorgaben seines in Warschau überlebenden Zwillings Jaroslaw- das kollektive Selbstbild einer Opfernation.
Das Auserwähltheitsphantasma Polens als “Augapfel Gottes” (3), erschuf nach dem Flugzeugabsturz den Mythos von Smolensk.
Der überlebende Zwilling Jaroslaw beantwortete diese Katastrophe mit einer paranoiden Grundhaltung.
In ihr bezeichnete er alle, die sich weigerten den Bruder als neuen “Augapfel” zu feiern, als Totengräber eines “solidarischen Polens”, dass er aus dem Boden stampfen möchte.
Er konnte Lech nicht trauernd in sein Selbstbild integrieren und deshalb nutzte er ihn auf dem Weg zur Macht. Dies führte zu seiner und der Schwägerin Beerdigung in der königlichen Basilika am Wawelhügel als Vorstufe künftiger Heilig- Sprechung. Auf diese Weise wird der Mythos von Smolensk mit dem Märtyrerpathos von Katyn angereichert.

Was die Vermischung von Religion und Politik anrichtet lehrte uns Amerika. Franklin Graham, der Sohn des spirituellen Beraters Präsident Bushs jr. verkündete: “Die Operation Iraqi Freedom ist ein Glückstreffer für Jesus. Wir gehen dorthin, um den Irakern in Liebe unsere Hand zu reichen um sie zu erretten” (4).

Diese amerikanische Regierung behauptete dass der Irak die saudi- arabischen Terroristen von 9/11 unterstützt und Giftgas lagere, worauf die Amerikaner die Welt von Saddam Hussein zu erlösen verkündeten und der Irak am demokratischen Wesen Amerikas genesen sollte.
Diese Schamfreiheitsformel legalisierte den III. Golfkrieg und spaltete mit seinen geheimen okzidentalen Folterzentren, Europa in ein Altes und Neues.

Die Angst vor der Rache der Gefolterten und der Araber verstärkte die Regression in den Populismus in ganz Europa und wurde in Polen von der PiS instrumentalisiert.

Er ließ den Begriff des Helden ins Kraut schießen.

Als Galilei vor der Inquisition seine Lehre von der Bewegung der Erde wiederrufen musste ließ Brecht ihn sagen: “Unglücklich das Land, das Helden nötig hat”.
Heute, an der Macht, als Führer der Regierung stellenden Partei, reißt der überlebende Zwilling Jaroslaw Kaczyński in einem gesellschaftlich verunglückten Trauerprozess, ganz Polen in ein religiös gegürtetes paranoides Heldentum hinein.
Doch Heldentum kann sich nur ganz klassisch gegenüber einem Feind bewähren, den man sich – so fürchtet man unbewusst- in einem Folterzentren auf polnischen Boden, geschaffen hat (5).
Er jedoch füllt nunmehr ein paranoides Phantasma, von dem Homogenitätsanspruch mit hervorgebracht, der die auf Deutsch verfassten Protokolle der Sitzungen des Stadtrats von Krakau oder das Privileg von Kalisch vergessen machen soll (6).
Er negiert zusätzlich die einstige polnische-litauische Union, angeführt von einer gemeinsamen Monarchie mit Polen, Ruthenen (den späteren Bürgern der Ukraine und Weißrussland) sowie Litauern (7).

In der polnischen Teilung entwickelte sich der Mythos des katholischen Polen, weil kath. Adel und Kirche eine differenzierte identitäre Überlebensstrategie entwickelten, durch die im Untergrund übermittelte national betonte Bildung.
Dieser Mythos dient heute der Selbstidentifikation der PIS-Anhänger und der Abgrenzung des wahren Volkes gegenüber den Schutzsuchenden aus dem Orient.
Stehend betend, mit dem Rücken zur weißrussischen, deutschen, tschechischen und litauischen Grenze, an deren Rändern – ganz paranoid – Horden von Muslime ins Land einzufallen schienen, versicherten sich Polen 2017 im herbstlichen Monat der “Königin des Rosenkranzes” Macht, ausgerechnet gegen die Orientalen.

Polen wurde geteilt, von drei Mächten: dem orthodoxen Russland, dem protestantischen Preußen und den katholischen Habsburgern. Nach dem polnischen Novemberaufstand von 1830/1831 gegen die Herrschaft des Zaren nahm hingegen das Osmanische Reich zahlreiche Anhänger des ehemaligen Regierungschefs der polnischen Revolutionsregierung Fürst Adam Jerzy Czartoryski auf.
Neben Paris wurde Polonezköy (Adamopol) bei Istanbul zum zweiten Exilzentrum des polnischen Widerstands, als der Dissident Michał Czajkowski den Ort als Vertretung der polnischen Exilregierung etablierte. Noch heute leben dort Nachfahren dieser Flüchtlinge und ihr bedeutendster war der große Dichter Nazim Hikmet
Heute jedoch fürchtet Polen, dass Muslime das Land zerstören könnten?

Zum Trost aller Europafreunde, erschienen von den anvisierten 7 Millionen, die sich an der Grenze treffen sollten, nur einhundertfünfzigtausend BeterInnen, die dies mit einem Ausflug an die Ostsee, den Bug und der Tatra verknüpften.
Die polnische Schamfreiheitsformel lautet, dass sie schon über eine Million ukrainischer Flüchtlinge aufgenommen haben, und deshalb keinen Platz mehr am Tisch der Nation für einen Moslem hätten.

Es gibt aber keine ukrainischen Flüchtlinge in Polen, sondern Billigstarbeiter aus der Ukraine die, die jetzige Regierung zu Flüchtlingen ummodelliert (8).
Abgewehrte Momente der Angst befördern die ideologische Macht der PiS, die solche Schamfreiheitsformeln hervorbringt.
Dazu braucht man Muslime, die mit russisch-iranisch atomkraftgetriebenen Schnellfeuergewehren, Polen vernichten wollen (9).

Zur Selbstprofilierung braucht Polen Sündenböcke. Es sind die Russen, die in Smolensk, an den Flügeln der abgestürzten Turbolew Sprengstoffrückstände (10) hinterlassen haben sollen. Diese möchte man in der Schändung der Totenruhe auch an den inzwischen wieder Ausgegrabenen nachweisen.
Die muslimisch jünglingshaften Schutzsuchenden an der Grenze in Terespol und Brest, werden in Projektionsgefäße für polnisch vergewaltigende Männerphantasien verwandelt und in Mitesser an den Trögen des Sozialstaates.
Die aufkeimende Angst in einer, durch die digitale Revolution unsicher, gewordenen Welt, weil sie sich wie ein Dorf anfühlt, wehrt Polen heute mit seinem Wunsch nach Homogenität ab.
Er lässt Hass im ehemaligen Vielvölkerstaat Polens auf inhomogene Menschen entstehen. Er verhindert Verantwortungsübernahme für die Schutzsuchenden, als auch die Einfühlung in ihre Not. Es wird verleugnet, dass, die eigenen Soldaten in der Nato sie mit herbei gebombt haben.
Aufgefangen wird der Hass von der Agenda der PiS oder Radio Maria in der Ausformulierung fremdenfeindlicher Statements. Die darin enthaltenen paranoiden Phantasmen zerstören die Wertvorstellungen der katholischen Soziallehre.
Sie führen auch zur Ablehnung der universellen Wertegemeinschaft europäischer Verantwortungskultur im europäischen Recht.

Die PiS versteht nicht die Symbolik der europäischen Flagge: „Gegen den blauen Himmel der westlichen Welt stellen ihre Sterne die Völker Europas in einem Kreis, dem Zeichen der Einheit, dar. Die Zahl der Sterne ist unveränderlich auf zwölf festgesetzt, diese Zahl versinnbildlicht die Vollkommenheit und die Vollständigkeit … Wie die zwölf Zeichen des Tierkreises das gesamte Universum verkörpern, so stellen die zwölf goldenen Sterne alle Völker Europas dar, auch diejenigen, welche an dem Aufbau Europas in Einheit und Frieden noch nicht teilnehmen können.“ (11)
In ihrem jüdisch-christlichen Fundament verbirgt sich die Zahl 12 in der Anzahl der Apostel aus der christlichen Bibel, und den Söhnen Jakobs aus der Torah, die, in einer ihnen vorauslaufenden Welterklärung, die Stunden des Tages und die Monate des Jahres bargen.
Während der Herausschälung der Flaggensymbolik Europas unterschrieb man im Saal des Palazzo Barberini in Rom, die Europäische Menschenrechtskonvention. Sie wurde, von der in der Mitte seiner Decke residierende Gottesmutter mit ihrem 12 er Sternenkranz gesegnet. Es ist die, die die PIS an den Landesgrenzen im Oktober 2017 in einem kollektiven Gebetsrausch so missbrauchte (12).

Palazzo Barberini, Rom: Maria Immacolata mit Sternenkranz von Pietro da Cortona

Der Homogenitätsanspruch der PIS signalisiert den Grad der Regression Polens in die “Vierte Republik”. Das politische Establishment verlässt inzwischen Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, die inzwischen nur noch von den Bürgermeistern in den Selbstorganisationen mühsam verteidigt wird.
Deshalb mussten in der “Vierten Republik” die Medien in Staatshaftung genommen werden und die Unabhängigkeit der Justiz verschwinden, weil sie als Vertreter des Realitätsprinzips die neuen staatstragenden Mythen zertrümmern könnten.
Wenn eine der Grundannahmen der PiS lautet: “Wer gegen mich ist, gehört nicht zu uns”. Er oder auch sie gehören dann nicht mehr zum wahren Volk und werden rechtslos und vogelfrei, wie männerliebende Polen oder abtreibungswillige Frauen usw.
Flankiert wird ein solches Denken mit einer Zunahme an Ehrenfragen und eine Abnahme von Fragen der Moral, die den Wertekanon Polens spaltet.

Wenn Loyalität zur “Vierten Republik” zum erhabensten Wert (13) erklärt ist, kann Kritik an ihm, aus dem Volk heraus verfolgt werden. Dieses Volk lebt dann seine Hassausbrüche gegen Andersdenkende oder Ausländer aus, die kein Gericht mehr verfolgt (14).
Ohne “Check and Balance” haben anordnungsgebundene Verfassungsgerichte ihre Funktion verloren. Im Zweifelsfalle waren sie dazu da, verwundbare Minderheiten zu schützen.
In der Kollektivkultur des untergegangenen Ostblocks existierte kein „kategorischer Imperativ“ mit seinem „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (15), weil in der kommunistischen Schamfreiheitsformel wiederum paranoid, der Klassenfeind im anderen Lager lauerte.
Auf die Leerstelle des untergegangenen Klassenfeindes werden heutzutage in einer katholisch paranoiden Wagenburgmentalität, von der Propaganda, Muslime, Russen und Deutsche lanciert.
Durch den institutionellen Umbau in eine “Vierte Republik”, kann die Obrigkeit, keine Gerechtigkeit für alle transportieren und keine Demokratie, Menschenrechte, Freiheit oder Individualismus als universalistische Werte verteidigen.

Die PiS zeigt ein paranoides Leitmotiv im neuen Heldenmythos, der innenpolitisch den Mut und den Sieg der politischen Elite in der Solidarność mit der mythischen Verschwörungstheorie eines Verrats von “Magdalenka” abwerten muß.
In ihm modelliert die PiS die Dritte Republik um, zu einem Auffangbecken für abgehalfterte kommunistische Eliten.
Der neue Mythos aus einem mit Kiefern bestandenen idyllischen Vorort von Warschau, wurde belegt im zuprosten der Vertreter von Solidarnosc und damaliger Regierung. Nach 27 Jahren ausgestrahlt im TV, ohne den prostenden – in Smolensk verunglückten – Zwilling, dient der Mythos “Magdalenka” zusätzlich des Beweises der Kollaboration der politischen Elite der Solidarnosc mit den Kommunisten.
Dieser neue Mythos, verstaut gleichzeitig die vielen Quislinge, Szmalcowniks und die von Bürgern ausgeführten Pogrome gegen Juden in Jedwabne oder nach dem II. Weltkrieg in Kielce und anderswo, im kollektiven Unbewussten der polnischen Nation. Alle Mythen verhindern aber auch gleichzeitig polnische Bürger als “Gerechte unter den Völkern” wahrzunehmen.
Polen integriert seine Verstöße gegen “Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinen anderen zu”, in seine gegenwärtige Politik, und fixiert auf diese Weise seine Regression in eine katholische Volksgemeinschaft.
Angekommen in ihr existiert “die Würde des Menschen ist unantastbar” nicht für alle, sondern nur für das eigene wahre Volk, was die Flüchtlinge an der Ostgrenze in besonders sadistischer Weise deutlich erfahren.
Dieser damit einhergehende ausgehebelte Universalismus, ist eng mit Polens neuer Selbstdefinition verknüpft.
Für die PiS ergibt sie sich nicht durch eigene Leistungen und Werke, sondern – auf dem Hintergrund des ihr inhärenten Homogenitätswunsches – aus kulturellen und ökonomischen Differenzen, langgehegte Eifersüchteleien, Ehrschwulst und Gruppenegoismus.
In ihm gibt es ein regressives Verlangen nach Gewissensentlastung durch Verantwortungsübergabe an ein Kollektiv. Dies geschah schon in kommunistischen Zeiten und davon lebt die PiS, in der die breite polnische Masse, sich der Selbstregulation oder Selbststeuerung durch einen Führer, entledigen.

Gegenwärtig ist es Jaroslaw Kaczyński, mit seiner nationalistischen “Polen über alles” Verkündung, im Inszenieren dyadischer Gebetsräusche an der Grenze des Landes.
Die PiS, regredierte in einen Politikansatz des 19. Jahrhunderts, um das 20. Jahrhunderts – im Zuge der Konstruktion eines neuen kollektiven Gedächtnisses – ungeschehen zu machen.
Es findet die PiS keine Abgrenzung zu der existenten polnischen Herrenrasse, weil sie auf deren Stimmen angewiesen ist, deshalb können polnische Nazis in Warschau paradieren und werden von ihr zu Verteidigern polnischer Identität ausgedeutet.
Wohin das Herrenmenschentum einst führte, könnte doch in Polens kollektivem Gedächtnis am stabilsten eingeschlossen sein. Die Regression ins polnisch katholische völkische soziale “Polen den Polen” radierte ein vernichtende Urteil aus, gegen das Abrutschen der Mehrheit in den braunen Sumpf.
Deshalb können die heutigen polnischen Machthaber, Europa nicht als Wertegemeinschaft schätzen. Aus Angst vor dem russischen Bären, verbleiben sie unter dem Schutz der Nato und aus Bedürftigkeit an den Trögen der EU.
Die Nato und die EU sollen dem russischen Bären die Krallen ziehen, die er einst im Hitler Stalin-Pakt und der kommunistischen Ära, tief in Polens Leib eingeschlagen hatte.
Daraufhin bekam der Bär Angst, durch die offiziell in Richtung Teheran aufgepflanzten Bajonette der Nato, an der Grenze seines Territoriums.
Dies ist auf dem Hintergrund der traumatischen Spuren hinterlassen gehabenen Feldzüge Napoleons und Hitlers nachvollziehbar.
Allerdings nur, wenn man den Nachbarn verstehen möchte und ihn nicht nur unter einer zeitlosen Brille mit Namen Katyn bei Smolensk oder dem Gulag betrachtet.

Wie die Schamfreiheitsformel für Katyn die kommunistische Zeit höchst Ambivalent determinierte, spielt die für Smolensk, in der “Vierten Republik” ihre Opferrolle.
Sie führen in einen paranoiden Politikstil (16) aller involvierten Staaten, der von der Nato abgesichert wird.
Diese Angst wird Polen in der EU belassen, weil sie realpolitisch stärker antreibt, als die Macht der “Königin des Rosenkranzes” im Alltagsgeschäft der Demagogie an der Landesgrenze.
Deshalb werden die in Rom einstmals von ihr gesegneten Menschenrechte letztendlich auch in Polen sich durchsetzen.
Weil das Vergessen müssen, das Trauma am Leben hält, seine Erinnerung jedoch erlöst, plädiert die Autorin für eine polnische Erinnerungskultur, die nicht von der Helden suchen müssenden Schamabwehr geprägt ist, durch eine zuverlässig dokumentierte und zutreffend interpretierte Geschichte.
Vor allem bezogen auf die polnische Nationalgeschichte setzt das voraus, dass Geschichtsschreibung den Versuchungen entgegenwirkt der Landesgeschichte goldene Wurzeln in neuen Mythen zu verpassen.
Nationalgeschichte ist nicht die Geschichte Polens, sondern ein Rahmen, der sein kollektives Gedächtnis bestimmt. Dieser Rahmen wird nicht unbedingt von der akademischen Geschichtsschreibung geprägt, obwohl sie dazu beitragen kann. Der Rahmen schließt ein, wie polnische Geschichte in der breiten Öffentlichkeit, in Kinder-und Schulbüchern, in Zeitungen, im Fernsehen und im Kino, in populärwissenschaftlichen Darstellungen, bei Gedenkveranstaltungen und ihren Ritualen dargestellt wird.
Das alles formt das Bewusstsein eines Volkes von seiner Geschichte viel nachhaltiger als gelehrte Werke.
Nationalgeschichte wurde hauptsächlich von Polen entworfen und führt deshalb in biographisches, weil sich Autor und Gegenstand eine Identität teilten. Deshalb ist die Nationalgeschichte durch die gesellschaftliche Schamabwehr in Abwehr der Traumata, vergessen wie Polonezköy in der Türkei oder verherrlicht wie im neuen Museum Umbrüche in Stettin.

Das kollektive Gedächtnis neigt zur narzisstischen Verzückung, was in eine nationalistische Geschichtsschreibung, mit Entwertung anderer Nationen, führt.
Deshalb ist es erforderlich die jeweiligen Gegenstände polnischer Geschichte, in das Licht einer kritischen Außenwahrnehmung zu rücken.
Eine zutreffende polnische Geschichte erfordert daher, die Einbeziehung und Verarbeitung der Sichtweisen Außenstehender. Diese externen Blicke sollten einfließen in den Interpretationsrahmen derer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Subjekte darzustellen, mit denen sie eine grundlegende Identität teilen.
Ihre Ergebnisse könnten dann in den Rahmen von Nationalgeschichte eingeführt werden um ein kollektives Gedächtnis, dass nicht nur der Mythenbildung, sondern auch dem Realitätsprinzip verpflichtet ist zu konstruieren.
Wer sich mit seiner Geschichte befasst, kann aus ihr lernen und ist somit weniger anfällig, deren dunkle Kapitel zu wiederholen.
Um das zu ermöglichen könnte von einer Historiker-Kommission das Netzwerk unter den europäischen Geschichtsfakultäten genutzt werden. In denen -vergleichbar des Schulbuchprojektes-, die Nationalgeschichte vom Nachbarland mit geschrieben würde.

Bis zu Bischoff Desmond Tutus Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Südafrika, waren traumatische Erfahrungen der Geschichte in der Öffentlichkeit kaum ansprechbar, weil es dafür keine kulturellen Verarbeitungsmuster gab. Doch um die zerstörerische Macht des Schweigens (17) aufzulösen, hat er einen Weg aufgezeigt, der zwischen den jeweiligen polnischen Nachbarländern modifiziert weiter gegangen werden könnte.
Auf diesem Hintergrund könnte Erinnerungskultur zur Voraussetzung individueller Verantwortungskultur werden, die zu einer Versöhnungskultur, innerhalb Polens und zwischen seinen Nachbarländern führt.
Dies eröffnete die Möglichkeit, die Würde der Schutzsuchenden an den Landesgrenzen Polens und die Inhomogenen in seiner Mitte, unangetastet zu lassen.


(1) Vgl. Horkheimers „Geschichte und Psychologie“ Zeitschrift für Sozialwissenschaft 1932. S. 128
(2) Assmann, Aleida: Kollektives Gedächtnis Dossier: Geschichte und Erinnerung (Erstellt am 06.09.2017)
(3) 5. Mo 32,10; Ps 17,8. Sacharja 2,12
(4) Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa: Bericht aus der östlichen Außengrenze. am 19.09.2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin-Kreuzberg
(5) Fake von Gmyz Cezary: Rzeczpospolita 30 10 2012.
(6) Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa a. a. O.
(7) Victor, Barbara: Beten im Oval Office. (2005) Christlicher Fundamentalismus in den USA und die internationale Politik. München u. Zürich: Pendo. [engl. 2004: The Last Crusade; Erstausgabe frz. 2004: La Dernière Croisade. Plon: Paris. S. 29
(8) Domin Florian, Facebook Metadaten-Analyse 2017 entnommen 16.08.2017
(9) Vgl. Alter, Peter: Nationalismus. Frankfurt am Main 1985, S. 14.
(10) Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa. A. a. O.
(11) Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft. S.54
(12) Hofstadter Richard: The paranoid Style in American Politics. Erstveröffentlichung Harper’s Magazine 229.1374 (1964): 77-86
(13) Vgl. Schwan Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. 1997, S. 240
(14) Vgl. Schwan Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. 1997, S. 240


Literatur
Alter, Peter: Nationalismus. Frankfurt am Main 1985, S. 14.
Assmann, Aleida: Kollektives Gedächtnis Dossier: Geschichte und Erinnerung (Erstellt am 06.09.2017)
Barbara Victor: Beten im Oval Office. (2005) Christlicher Fundamentalismus in den USA und die internationale Politik. München u. Zürich: Pendo. [engl. 2004: The Last Crusade; Erstausgabe frz. 2004: La Dernière Croisade. Plon: Paris.
Bogna Czałczyńska: Vortrag: Festung-Europa: Bericht aus der östlichen Außengrenze. am 19.09.2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin-Kreuzberg
Hofstadter Richard: The paranoid Style in American Politics. Erstveröffentlichung Harper’s Magazine 229.1374 (1964): 77-86
Horkheimers „Geschichte und Psychologie“ Zeitschrift für Sozialwissenschaft 1932.
Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft.
Schwan Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. 1997
Entnommen aus dem Internet:
Fake von Gmyz Cezary: Rzeczpospolita 30. 10. 2012.
Domin Florian, Facebook Metadaten-Analyse 2017 entnommen 16.9.2017

Mit den Augen des Westens (1)

Esther Schulz-Goldstein

Nackte Macht + Regression = Populismus

Vortrag gehalten am 8. 9. 2017 in der Regenbogenfabrik in Berlin- Kreuzberg

Gestatten Sie mir einen Blick in die deutsche Geschichte zu werfen, um Gegenwärtiges klarer akzentuieren zu können.

Nation war in erster Linie Staatsbürgergemeinschaft, mit gleichen Rechten für gleiche Bürger, und zwar unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Die Frage nach der Identität der Deutschen stellte sich im 19. Jahrhundert mit großer Dringlichkeit, denn keine wusste was das war, weil bisher die Stämme der Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Alemannen etc. Identität erzeugt hatten. Die deutsche Sprache als Identitätsbildner schied aus, weil sie auch von Schweizern und Österreichern genutzt wurde und deshalb erschien das deutsche Blut in den Restzuckungen der Romantik im Vordergrund.

In der Reichsgründung 1871 ließ sich Wilhelm I. im prachtvollen Spiegelsaal des Schloss Versailles, dessen Deckengemälde den Sonnenkönig, als Eroberer deutscher Städte und Länder feiert, „die vom Blut aller deutschen Stämme gekittete“ (1) Kaiserkrone aufs Haupt setzen.

In der Suche nach der Identität der Staatsbürgergemeinschaft, übertrug sich das Gefühl der Stammeszugehörigkeit auf die deutsche Nation. Die, den Stämmen innewohnende Blutsverwandtschaft übertrug sich mit und wurde zur Basis des Nationalismus. Er barg in sich nunmehr das “deutsche Blut” das die Identität dieser Mehrheit als ein Familienphantasma zu bestimmen schien. Dieser Nationalismus machte ganz langsam aus polnischen, kaschubischen ukrainischen, Staatsbürgern “Untermenschen” während man die Juden im anschwellenden Antisemitismus zu Dehumanisieren begann, weil sie das “deutsche Blut” nicht teilten. Das subjektive Bekenntnis der Bürger zum “deutschen Blut” wurde das einigende Kriterium im Nationalstaat, und nicht Mentalität oder Nationalcharakter.

Dieses familiäre Phantasma war die Abwehr einer angsterzeugenden Verunsicherung der Menschen. Die Verunsicherung nagte an ihrer bisherigen Identität, die von Bräuchen, Sitten und Traditionen definiert wurde, die sich aber aufzulösen begannen.

Der nietzscheanische Kult der autonomen Persönlichkeit als auch die Psychoanalyse, die Nacktbade- und Vegetarierbewegung, der Ausdruckstanz, die charismatischen Gemeindebildungen um Stefan George, Rudolf Steiner und Sigmund Freud, führten in therapeutische Gruppenbildungen eines von seiner Freiheit damals zutiefst schockierten Individuums.

Der heutige Populismus von lateinisch populus das Volk ist eine Abwehr von Angst durch Machterwerb (2).

Angst die durch die Auswüchse der angewendeten „marktradikalen“ Theorien Milton Friedmans entstehen, weil die Schere zwischen arm und reich sich immens vergrößert.

Ängste die durch die Grenzenlosigkeit und Auflösung alter Gewissheiten in der Globalisierung entstehen. Deren “alltägliches Handeln, in den verschiedenen Dimensionen der Wirtschaft, der Information, der Ökologie, der Technik, der transkulturellen Konflikte und (der) Zivilgesellschaft […]” (3) Ängste mobilisieren, die vergleichbar mit denen des 19. Jahrhundert sind.

Die Globalisierung begann zwar schon mit der Seidenstraße, wurde aber durch die industrielle und heutige digitale Revolution extrem beschleunigt.

Die Energiekrise, die Zeitenwende im Fall der Mauer, die immense Entwertungserfahrung im Kollaps des kommunistischen Erlösungsprojektes und der Klimawandel leiteten ein -oder fixierten- eine Regression auf der ganzen Welt, die im christlichen Raum den Populismus hervor brachte. Der Terrorismus als Antwort auf ein kriegsführendes Amerika und der Nato in Afghanistan und dem vorderen Orient, ist ein weiteres Angst provozierendes Faktum.

Das menschliche Angstproblem ist jedoch “ein Knotenpunkt im Seelenleben” (4), an welchem die verschiedensten Erlösungswege ihren Ausgang nahmen und immer noch nehmen. Einer davon ist die Regression die, die miteinander in Konflikt stehende Gefühle wie Schuld und Scham mental so bewältigt, dass die daraus resultierende seelische Befindlichkeit im Betroffenen konfliktfrei bleibt und sich daraus resultierende Wohlgefühle etablieren.

Die angestrebte Konfliktfreiheit führte in den Populismus, der Harmonie und Konsens verspricht. Sehnsucht nach beidem trägt jeder Mensch in sich. Sie entfaltet sich in seinem Regressionspotential in der Massenbildung.

Abzulesen an Fußballfans in den Arenen, auch mit entsprechender Gewaltentbindung oder bei sommerlichen Musikevents in der Nacht mit brennenden Feuerzeugen. Doch diese Form der Regression hat einen Anfang und ein Ende, während der Populismus zwar einen schleichenden Anfang besitzt aber das Ende nicht absehbar und deshalb eine permanente Gefahr für die Demokratie ist.

Angestoßen wird der Populismus in Westeuropa vom herrschenden Egozentrismus. Er ist sowohl Folge der Individualisierungsforderung als auch einer auf den Markt zentrierten und deshalb beziehungszerstörerische “Arbeitsmoral”, mit Zerfall familiärer Bindungen, die regressiv den Wunsch nach Homogenität verstärkten und in eine Umarmungsdemokratie führten.

Der rechte Populismus erzeugt einen apokalyptischen Ton aus der „Untergang des Abendlandes-Angst“, wenn sie sich von – Familienphantasma sprengenden- Muslimen “überrollt” fühlen.

Inzwischen entstand daraus ein einstimmiger Gesang, innerhalb der -von dumpfer Homogenitätssehnsucht erfüllten- Westeuropäern, der durch die osteuropäische staatstragende Visegrád-Gruppe verstärkt wird (5)

Es ist eine regressive Antwort auf bedrohliches in der Gegenwart, die alle auf der Strecke gebliebenen kindlichen Wünsche nach Geborgenheit und Harmonie verlebendigen. In der Visegrád-Gruppe kommt der einst erlebte Mangel an Schutz und die Frustrationen im Zusammenbruch des Sowjetreiches hinzu. Sie mobilisierte bei den Evangelikalen millenaristische Phantasien, die der Apokalypse des Johannes entstammen.

Der Populismus wurzelt in der Schamkultur.

In der Völkerpsychologie spricht man von einer Schamkultur, wenn ihre Grenzen und Motive durch kulturelle Muster die Harmonie und Konsens garantieren aus Tradition, Brauch oder Sittlichkeit festgelegt sind. Im Westen verloren diese Muster ihre prägende Kraft, durch den Untergang der Traditionen, Bräuche und Sitten in der sich entfaltenden Freiheit des Individuums. Deshalb ist die Schamkultur in der westlichen Gesellschaft nur noch in den homogenitäts- und konsenssüchtigen Mentalitätsträgern zu finden, und beschränkt sich auf den familiären Umgang. In der Massenbildung entäußert sie sich durch aggressive Impulse, ablesbar an den Hasspredigten auf den Montags- oder Dienstagsdemonstrationen im Osten der Republik.

Im kollektivistischen Sozialismus existierte eine vom Staat institutionalisierte Kollektivkultur und damit Schamkultur, in deren Nischen sich nur Individualisierung und Schuld- bzw. Verantwortungskultur entwickeln konnte oder auch nicht.

Dodd, der diesen Begriff prägte, untersuchte 1951 die Ilias, den ältesten Text der antiken Griechen und bemerkte, dass die Griechen der stammeskulturellen Schamkultur verhaftet waren. In diesem Zusammenhang ist ihre Schamfreiheitsformel in der “Rechtfertigung des Agamemnon” aufschlussreich. Er argumentiert, nicht er sei der eigentliche Verursacher des Krieges gegen Troja gewesen, sondern Zeus, der ihm seinen Verstand geraubt habe.

Eine solche Schamfreiheitsformel kann nur von einer Gewissenskonfiguration hervorgebracht werden, die durch Schamkultur geprägt wurde.

Scham im Kollektiv versus Schuld in der bürgerlichen Gesellschaft

So herrscht in der ehemaligen DDR, der Blick der Partei, des Arbeitskollektivs, der Schiedskommission u. ä. vor, die den Regelbruch be- und verurteilten. Es herrschte die Schamfreiheitsformel: “Man kann alles tun, nur sich nicht erwischen lassen” nicht nur bezüglich des Futters für die “private Kuh oder Sau” aus den Feldern der LPG.

Jedoch in einem ertappten “Sünder” reagierten die entstehenden Schamgefühle gleich Seismographen sensibel, auf die Infragestellung seines Grundbedürfnisses nach Anerkennung, Schutz, Zugehörigkeit und Integrität. Deshalb waren für ihn diese Gefühle so schwer zu ertragen und konnten der Schamabwehr zum Opfer fallen.

Der “Sünder Agamemnon” schützte sich mit seiner Schamfreiheitsformel nach dem trojanischen Krieg davor, dass sich in ihm ein Gefühl – sich im Mauseloch verstecken zu müssen – breit machen konnte.

Im Gegensatz dazu, beurteilt in einer Schuldkultur das Gewissen des “Sünders” sein Fehlverhalten. Denn die erst von seiner Familie und dann von der Gesellschaft aufgestellten Regeln und Normen internalisierte er in seiner Individuation. Diese Verinnerlichung verbietet jegliche Schamfreiheitsformel, denn in der Schuldkultur hätte Agamemnon bekennen müssen, dass er den trojanischen Krieg begonnen hat.

Der frühere Zwang der von den Blicken aus dem Kollektiv auf den heutigen Sünder einströmte, verwandelte sich in seiner Sozialisation in seinem Gewissen zu Selbstzwang. Entscheidet er sich, seine verinnerlichten Regeln und Normen zu übertreten, reagiert er mit Schuldgefühlen.

Im Okzident sollte idealerweise die Schuldkultur (6) mit dem Gewissen inhärenten „kategorischen Imperativ“ „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (7) dominieren, was voraussetzt, das, ein Individuum, die Stammesmentalität weit hinter sich gelassen hat.

Im „kategorischen Imperativ“ sind die Werte wie Wahrheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte, Freiheit und Individualismus aufgehoben.

Diese Werte -in Normen übersetzt- würde einen potentiellen Sünder aus der Schuldkultur daran hintern einer zu werden.

Um Scham von Schuld noch deutlicher abzugrenzen, entstehen im “Sünder” bei Übertretung von Normen Gewissensangst die sich als Schuldgefühl äußert. Seine vom Gewissen ausgelöste Verlustangst meldet sich als Schamgefühl, weil es die Aufkündigung zwischenmenschlicher Bezogenheit signalisiert.

Jedoch niemals “sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben“ (8), um das zu verhindern lügt der Mensch und mit der Schamfreiheitsformel belügt er sich sogar selbst.

Schuld braucht keinen Blick von außen.

Sie ist die internalisierten Ge- und Verbote gestaltete Antwort unseres Gewissens. Schuld entsteht durch Handlung oder unterlassene Handlung und mündet in der aktiven oder passiven Täterschaft. Verantwortungsübernahme setzt die Anerkennung von Schuld voraus.

Scham, Sieg und Ehre

Scham ist immer ein intersubjektives Geschehen und emotionaler Ausdruck einer interpersonalen Situation. In ihr kann man seine Ehre verlieren, die aber durch die Schamfreiheitsformel immer wieder gerettet werden soll.

Falls unser fiktiver Sünder bei einer schweren Regelübertretung ertappt wird, verliert er seine Ehre, was bei schweren Vergehen, die Ausstoßung aus der menschlichen Solidargemeinschaft in den Tod evozierte.

Unter den deutschen Stämmen war in den Einigungskriegen die Gewalt eine Antwort auf ihre Not –ein Flickenteppich zu sein- gegenüber der Macht geeinter Nationen, die es umgaben.

Im Retten der eigenen Ehre, sang man in der preußischen Volks- und späteren Kaiserhymne:

Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich!

Zum Sieg über Frankreich gehörte 1871 zusätzlich die Demütigung der Franzosen im Spiegelsaal von Versailles, als man dort das deutsche Kaiserreich gründete. Hier zeigt sich die Quintessenz jeglicher Schamkultur: Sie ist eine Veranstaltung des Gruppennarzissmus, ein Tummelplatz der Höhenflug antretenden Zugehörigkeitssolidarität, in der die Ehre gefeiert wird.

Schamkultur schützte aber auch den Narzissmus der Franzosen, durch seine inhärente Forderung zu siegen. Die Niederlage beschämte und bedeutete den Verlust ihrer Ehre. Damit wurde der Franzosen Selbstliebe 1871 zutiefst frustriert.

Festgehalten auf der Siegessäule im Berliner Tierpark, deren Fuß als polierter roter Granit vom Triumph “arischen Blutes” (9) über das der “Welschen” erzählt. Der aus französischen Kanonen gegossene Fries, verewigte den Triumph. Er wurde nach dem II. Weltkrieg von der französischen Besatzungsmacht abgeschraubt und erst 1987 zur 750-er Jahrfeier als Beutekunst des Krieges von Präsident Mitterrand zurückgegeben. So tief saß die Demütigung.

Die Spaltung des Gewissens

Eine den Narzissmus einer Gruppe rettenden und deshalb am Sieg orientierte Moralität vertieft die Spaltung der Gewissen.

Sie bringt das Rechts des Stärkeren hervor. Es erlaubt eine illusorische Versöhnung von ethischem Anspruch und Wirklichkeit.

Deshalb verabschiedete sich der kategorische Imperativ aus den Gewissensstrukturen als am säbelrasselnden deutschen Wesen die Welt genesen sollte. Denn es begann damals zu gelten: „jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Britt und jeder Klaps ein Japs“. Das Volk sang:

Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||: Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! :||

Auf diese Weise begann das Volk den neuen Kaiser – mit ihren an ihn abgetretenen Narzissmus – zu verehren.

Auf dem Hintergrund des narzisstischen Höhenflugs im Spiegelsaal von Versailles reagierten die Deutschen nach dem I. Weltkrieg mit der Schamfreiheitsformel des “Versailler Schandvertrags” (10), der zu rächen war.

Gleichzeitig verstärkten sich die ausgiebig verteilten gefühlsmäßigen Bindungen des Einzelnen an die frühen elterlichen Bezugspersonen. Sie wurden einst auf den Kaiser übertragen, von Hitler eingesammelt und offenbarten eine Regression in die Stammeskultur mit der zu ihr gehörenden Schamkultur.

Das führte in einen nationalistischen Trampelpfad breittretenden Überschwang vaterländischer Gefühle. Auf ihm ging Hitler, das kaiserliche Heil auf sich vereinigend und die Massen hinter sich, “erfolgreich” weiter.

Die in der Masse versunkenen heilrufenden Volksgenossen enthüllten einen Mangel an Selbständigkeit, kritischer Denkfähigkeit und Initiative, eine unbewusste Abgleichung der Antworten, als Folge ihres kindlichen Anspruchs – nun mehr mit allen ganz harmonisch – ein Herz und eine Seele sein zu wollen (11). Das schließt aber die “Blutfremden” aus, mit denen das nicht so ohne weiteres möglich ist.

Schamfreiheitsformel und Homogenitäts-Forderung sind die jeweilige Seite einer Münze, die Nationalismus heißt.

In seiner Entfaltung entstanden Bilder der Grandiosität und wurden konstituierender Inhalt eines Größenwahns. In ihm begannen die, die keine Imperien besaßen zu träumen: Die Deutschen von einer Landesgrenze kurz vor Moskau, Mussolini vom römischen Reich, die Griechen von Byzanz.

Es war das Jahrhundert, in dem ein aggressiver Nationalismus in vielen Ländern Wurzel fasste. Es war das Jahrhundert, dass europäischen Nationen die Legitimität zu zusprechen schien, Minderheiten unterdrücken zu können.

Die Selbstidealisierung der Deutschen wurde mit „kulturexportierenden“ Trugbildern aufgefüllt:

„Deutschlands Berufung,
Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
klarer Geist und scharfer Hieb
zügeln dann aus starker Mitte
jeder Selbstsucht wilden Trieb,
und es mag am deutschen Wesen
einmal noch die Welt genesen!“ (12)

Die Sündenböcke

Doch was der Selbstsucht wilder Trieb ausrottete, war der scharfe Hieb der Projektionen. Er landete auf Personen, “die unbeliebt, leicht identifizierbar und vor allen real machtlos waren” (13) und sich deshalb zu Sündenböcken (14) eigneten. Sie wurden in den Köpfen der Projizierenden mit Macht ausgestattet und zum Inhalt ihrer Schamfreiheitsformel.

In der Psychoanalyse wird Projektion als eine seelische Operation bezeichnet, durch die der Mensch eigene Impulse, eigenes Unbewusstes und all das, was er an sich selbst nicht mag, aus sich ausschließt und auf einen anderen Mensch projiziert. Dabei geht es dem Projizierenden offenkundig immer darum, „etwas nach außen zu werfen, was in sich selbst zu erkennen oder selbst zu sein man sich weigert“ (15).

Besser ausgedrückt, Agamemnon übertrug seine Regungen auf Zeus, was ihn zum Träger seiner Schamfreiheitsformel macht und deshalb wurde Zeus zum Sündenbock Agamemnons.

Auf diese Weise lokalisiert er seine eigenen Regungen in Zeus, die ihm nach seinem angezettelten Krieg nunmehr als äußere reale Gefahr im – von ihm induzierten Irrsinn – erschien.

Geglückt ist eine Projektion, wenn es den Projizierenden gelingt, die eigene (innere) Quelle dieses Vorgangs vollkommen zu verschleiern und dem, was nunmehr real geworden zu sein scheint, volles Interesse und vollen Glauben schenken kann.

Das Ziel dieser projektiven Veräußerlichung eines ursprünglich inneren Vorgangs ist es, unliebsame eigene Tendenzen so zu behandeln, als ob sie eine von außen kommende reale Bedrohung darstellen, der man, wenn Flucht nicht möglich ist, nun entgegentritt, in dem man sie vernichtet.

Zwei Vorteile erzielt der Mensch mit seiner Schamfreiheitsformel: er wird den Anforderungen seines Gewissens gerecht und findet zugleich Gelegenheit, unter der Denkweise einer legitimen Bestrafung, die eigene aggressive Bereitschaft ausleben zu dürfen.

Der Sündenbock der Arier – der Jude oder der Zigeuner – unterlag 1935 einer wahnhaften Verzerrung im Außen.

Das Blut der deutschen Mehrheit wurde in den Nürnberger Gesetzen normiert. Sie verurteilten nicht des Sündenbocks Erniedrigung und Verfolgung. Im Gegenteil forderten sie im letzten Drittel des „Dritten Reiches“ die Auslöschung fremden Blutes und wurden auf diese Weise Matrix aller Genozide. Die Nürnberger Gesetze signalisieren den Tiefpunkt der Regression im Deutschen Reich”.

Die Wiedererrichtung einer Schuldkultur im Gewissen der Deutschen

Auf dem Nürnberger-Prozess gegen die Nazielite herrschte die Schamfreiheitsformel “Ich war’s nicht, Adolf Hitler war’s gewesen”. Sie ergriff das ganze Volk. Deshalb mobilisierten die Alliierten verstärkt durch die deutsche Opposition aus dem Exil oder den Konzentrationslagern, wieder die Verantwortungskultur. Sie bescherten dem deutschen Grundgesetz den Satz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”.

Deutsche Historiker, und die hartleibige deutsche Justiz unter dem Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer beantworteten nach einer 25. jährigen Schamfrist, die ethische Katastrophe im deutschen Zivilisationsbruch mit seiner Aufarbeitung und Analyse. Ihre Ergebnisse sickerten durch die Medien und Bildungseinrichtungen in die Gewissensstrukturen der nachfolgenden Generation. Sie begründeten in der Bundesrepublik ein Verantwortungsgefühl sowohl für die Folgen der Barbarei in der Elterngeneration und ließ die Frage entstehen, wie die deutsche Schamfreiheitsformel entstehen konnte.

In den letzten 70 Jahren hat sich dank der, in der Schuldkultur verankerte Europäische Union, ein identitärer Sockel friedlicher Nationalkulturen entwickelt. Ein Krieg in dieser Union ist nicht mehr vorstellbar, solange die Vertreter der Schamfreiheitsformeln, die wie dargelegt dem Sieg verpflichtet sind, in den Wahlen nicht mehrheitsfähig werden.

Im Auftauchen aus der Schamkultur verwandelte sich der Hass in Freundschaft gegenüber den „Erbfeinden“, weil nur in einer Schuld anerkennenden Kultur um Verzeihung und der Möglichkeit der Wiedergutmachung gebeten werden kann, in der ehemalige Feinde in der darauffolgenden Generation zu Freunden werden können.

Es entwickelt sich im Untergang der siegen müssenden Schammentalität eine europäische Friedenszone. In dieser Zone werden Konflikte nicht mit Gewalt, sondern durch Verhandlungen gelöst, was Schuldkultur auszeichnet.

Neue regressive Tendenzen

Schleichend begannen die regressiven Tendenzen in der Ölkrise und dem ersten “autofreien Sonntag”. Deshalb schaffte es der Begriff des Populismus 1980 in den Rechtschreibduden. Er beschreibt einen alten Wein in neuen Schläuchen und benennt eine janusköpfige Psychodynamik, die jedoch den Blutkult im gesellschaftlichen Unbewussten der Deutschen belässt. Im Populismus gibt es zwei Strömungen: Sowohl die eines durch Homogenität bestimmten Nationalismus, der in ihr die romantische und schöpferische Verbindung der wahren Deutschen und ihrer Kultur erblickt, als auch den Willen zur Macht um der Macht willen. Beide Tendenzen waren vor dreißig Jahren in der neuen populistischen Partei der Republikaner als Flügel vertreten, in der, der Eine, eine wertkonservative Agenda unterhielt und der Andere eine nationalistische Blut und Boden Romantik im Bewusstsein ihrer Befürworter, mit dem Begriff der Homogenität verschleierte. Dieser seelische Verarbeitungsmechanismus im Dienste der Angstabwehr wurde in Deutschland von den Volksparteien in ihren rechten Flügeln einst in Schach gehalten. Jedoch diese Angstabwehr begann die etablierten Parteien zu dominieren, als sie entschieden, dass nur noch in -der Mitte- die Macht im Staate gewonnen werden könne. Seit die Parteien die Themen der anderen an sich reißen, auf Visionen verzichten und eigene Konzepte, mit denen der politischen Gegner harmonisieren, verstärkten sie gleichzeitig die Anzahl der Feindbilder produzierenden Homogenitätssüchtigen, die dem politischen Gegner einst ihre Feindbilder überstülpten.

Jedoch in die Mitte eingebunden, verloren sie ihre Adressaten und deshalb wurden die eigenen ehemaligen Parteien zu ihren Gegnern, die jetzt die Reihen der “Alternative für Deutschland” auffüllen.

In ihrer neuen Heimat der AFD formulierte sie eine deutsche Mutter und viele neue Feinde, wenn auf ihrem Plakat die deutsche Kanzlerin als Miss Germany 2020 -mit Burka- die Goldschmiedegasse Eisenachs ziert. Neben ihr prangt die Burg, deren Turmkreuz durch den Halbmond ersetzt wurde. “Wartburga 500 Jahre Reformation-Toleranzwahn mit bösem Erwachen”. Weil die AFD die Fremdenfeindlichkeit ihrer Klientel ausformuliert, kann sie ihren auf Homogenität bestehenden Flügel nicht in Schach halten, wie die Causa Höcke oder Gauland belegen.

In der AFD treffen sich zwei spezifische Gruppenregression des Ostens und des Westens. In ihnen dominiert die nationale christlichen Leitkultur, obwohl in Mecklenburg oder Brandenburg von dem herbei gezwungenen Identitätsmerkmal nicht mehr gewusst wird, wie: „Kein schöner Land in dieser Zeit…“

Ein solches Identitätsmerkmal verbindet sich in der neuen Partei mit den Neonazis und der mit ihnen verwandten Gruppierungen in Dresden, Rathenow oder Köln die auf heutigen Montagsdemonstrationen “Wir sind das Volk” verkünden.

Entschuldigt wird dieser völkische Zungenschlag von Wohlmeinenden mit der seelischen Adaptionsleistung an einen Kulturschock, aus der Zeit der Wiedervereinigung.

Auf ihn antworteten einige Menschen mit regressiven Homogenitätswünschen und kreierte den Begriff des Wessis. In ihn eingewickelt ist der noch ältere Begriff des Klassenfeindes, als umgangssprachlicher Sündenbock, aus der Zeit des kollektivistischen Sozialismus

Die Homogenitätswünsche verstärkten eine fremdenfeindliche Haltung gegenüber Muslimen in der Gegend des Landes in denen keine lebten und anderswo als alle ein vertrautes Land verloren hatten ohne es verlassen zu haben.

Die Homogenitätswünsche seien der narzisstischen Kränkung geschuldet, dass ein Inhomogener das mühsam erworbene innere Gleichgewicht wieder in Frage stellen könnte, was ihn geradezu als Sündenbock prädestiniere. Natürlich hat dieser Kulturschock stattgefunden, doch er kann nicht hinreichend die Regression der Ostdeutschen in den Ausschluss des Dritten begründen

Die Hypothese der Autorin ist, dass die Kollektivkultur der Nationalsozialisten eine staatlich fixierte Regression war, die sich bis in den Untergang der DDR verlängert hatte, und erst die Opposition in ihrer friedlichen Revolution aus ihr aus brach. Der Populismus trägt die Regression weiter und poliert mit seinen Homogenitätsanspruch die neue Identität der wiedervereinigten Deutschen. Weil das eine Hauptaufgabe ist, besitzt er kein eigenes Wertesystem. Er gebraucht nicht die Macht im Dienste einer Sache, Vision oder Konzeptes. Der Populismus ist ein quer gelaufener Verarbeitungsmodus eigenen Elendes, der Zeitenwende oder allgemeiner Überforderung.

Die AFD Wähler und die nicht in dieser Partei organisierten Rechtsradikalen schaffen es nicht aus dieser Regression auszutreten.

Vordergründig scheint ein Hauptwesensmerkmal des Populismus seine Anti-Establishment-Orientierung zu sein, in der das “einfache” Volk gegen die herrschenden gesellschaftlichen und politischen Eliten oder gegen das System protestiert. In ihm kam es im schamkulturellen Sektor der deutschen Gesellschaft zu Hassausbrüchen auf die existierende Kultur, auf den Kapitalismus etc., was sich im Schwarzen Block, den Hooligans, den Identitären, den ostdeutschen Bürgerbündnissen oder Reichsbürgern zeigt.

Hass als Antwort auf die eigenen zerbrochenen oder gebrochenen Elternhäuser oder Lebensentwürfe.

Umgeleitet wird dieser Hass auf Sündenböcke, die Oberen, die Polizisten, die Richter, die Lehrer, Ärzte, Politiker oder auf die Europäische Union. Somit wurde der Sündenbockmechanismus Kern linker oder rechtsradikaler Gewalt.

Der verängstigte Zeitgeist verstärkt, durch die als schleichend angenommene „Asylkatastrophe“ (16), den Wunsch nach Homogenität.

Deutschland und die Schutzsuchenden

Kaiser Wilhelm II. verkündete auf seiner II. Orientreise in Bagdad auf einem Bankett 1898 (17): “Möge seine Majestät der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde zerstreut leben, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird”.

Dieser Satz eines deutschen Kaisers, ist heute noch festgeschrieben im kollektiven Gedächtnis der Muslime, denn er wurde der Autorin öfters auf ihren Reisen durch den Orient zitiert. Er ist in den zerschellenden islamischen Staaten ein starkes Motiv für die Flucht in Richtung Bundesrepublik und nicht nur das volle Depot des Sozialstaates innerhalb seiner Willkommenskultur.

Wie tief die Ehre eines schutzsuchenden Familienvaters attackiert wird, wenn er nicht in der Lage ist, für die Seinen durch eigene Hände Arbeit in der Fremde zu sorgen, kann sich der Fremdenhasser gar nicht vorstellen, weil er seine eigenen Versorgungswünsche auf ihn projiziert.

Deshalb wird die vertrauensvolle Zuneigung von Menschen aus den islamischen Ländern mit Hasstiraden beantwortet.

Sie führen in die Spitze des Hassberges auf Facebook. Er signalisiert in der Anonymität, die Ohnmacht der Hassenden. Weil die Hassenden sich in einem Flügel der AFD sammeln, verwandelten sie ihre Ohnmacht in Macht. Dieser neue Machtzuwachs der Ohnmächtigen erlaubt Asylsuchende zu diskriminieren und im Anlauf das Recht des Stärkeren wieder durch zu setzen.

Begründet mit: “Ich hasse nicht meine Familie, meinen Vorgesetzten, den Staat, die mir die Erfüllung meiner Wünsche verweigern. Ich hasse, die Inhomogenen, oder andere Diskriminierte, die ich als Feinde des eigenen Deutschseins wahrnehme”. Sie alle tangieren die Homogenisierungssehnsucht im fremdenfeindlichen Sektor der Gesellschaft. In ihr sammelt sich der Rückstand aus den Bewusstseinsinhalten der Nazizeit und empfiehlt den Migranten die Heimreise anzutreten, oder behauptet der Islam gehöre nicht zu Europa (18).

Deshalb drängte sie -bei uns lebende Menschen mit Migrationshintergrund- in die Rolle der Strohpuppe, wie die Mordserie der bis in den Verfassungsschutz reichenden Nationalsozialistischen Untergrund-Connection offenbart.

In dieser Form des Machterwerbs brauchen die sich Ermächtigenden, Schwache, als Inkarnation des eigenen Unglücks.

Ein solch innerseelischer Verarbeitungsmodus greift in der Bevölkerung um sich.

Dieser Verarbeitungsmodus der Angst drängt die Schutzsuchenden in die Rolle der Strohpuppe. Sie soll die Ängste der Homogenitätssüchtigen exorzieren, wenn sie ihre Unterkünfte verglühen lassen.

Deshalb propagieren sie Positionen in denen sie versprechen die “Fata Morgana einer Welt, in der sich leben lässt und in der ganz unvorstellbar ist, dass man sie aus freien Stücken verlässt” (19), wie das unsere Schutzsuchenden scheinbar getan haben.

Sie befriedigen stammeskulturelle Bedürfnisse in der Anweisung, eine Welt zu denken, die gegen ihre Entwicklung möglich wäre, “eine Welt also (…), in der Begründungen nicht benötigt, nicht gesucht, nicht einmal entbehrt werden” (20).

Dadurch befriedigt sie ein mobilisierbares archaisches Sicherheitsbedürfnis im Menschen. In ihm soll alles gleich bleiben, und keine Veränderung irritieren oder ängstigen.

Populisten stabilisieren die Verleugnung, das Leben Veränderung bedeutet oder auch Abschied und innere Not deshalb, weil man in entscheidenden Momenten die moralische Integrität nicht besaß.

Zusätzlich bedienen sie die Exklusionswünsche des kleinen Mannes gegenüber den inhomogenen “Sozialstaatsschmarotzern”, Immigranten und Asylbewerbern. Sie geben vor die politische sowie soziale Teilhaberechte nur für den kleinen deutschen Mann zu reservieren.

Möglich wurde das “wahre Volk”, oder die “Bio-Deutschen”, in die Vorstellung eines nationalen Gleichschritts ein zu binden, weil mit den Schutzsuchenden und Migranten genügend Menschen für die Äußerungen ihres Hasses übrigbleiben.

Deshalb sitzt das “wahre” Volk in einer paranoiden Wagenburg, und zwingt die Verfremdeten die Rolle der Strohpuppe zu übernehmen, um sie verbrennen zu können.

Das “wahre deutsche Volk” wird jedoch nicht die Überhand gewinnen, weil inzwischen die Mehrheit in Deutschland weiß, wohin sein Zivilisationsbruch (21) führte, der einst mit ihm begann. Die antiregressiven Institutionen in der deutschen Demokratie sind deswegen die große zivilisatorische Errungenschaft, weil sie unser – von Panik gesteuertes – destruktives Potential – den Sündenbock der Vernichtung anheim geben zu können – oder als Bereitschaft Krieg zu führen – zumindest in Europa-in Verhandlung und Vertrag sublimiert haben.

Berlin 10. 9. 2017


Literatur

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Elias, Norbert: Studien über die Deutschen. Machtkämpfe und Habitusentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) 1992

Fleischhauer Jan: Fürchtet euch! Spiegel Nr. 29. S. 32

Freud S: Massenpsychologie und Ich-Analyse/Die Zukunft einer Illusion. Frankfurt a. M. Studienausgabe Bd. IX 1974

Freud S: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Frankfurt a. M. Studienausgabe Bd. III 1974

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(1) Friedrich von Dincklage-Campe: Kriegs-Erinnerungen, Bong & Company, Leipzig/Berlin 1895, S. 1.
(2) Buber Martin: Kampf um Israel; Schocken Verlag Berlin. 1933. S. 226
(3) Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus – Antworten auf Globalisierung, Frankfurt am Main 1999, S. 44. AYISH, Muhammad I.: Arab World Television in the Age of Globalization. An Analysis of Emerging Political, Economic, Cultural and Technological Patterns, Hamburg 2003, S. 69f.
(4) Freud Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Kapitel 25 „Die Angst“ Studienausgabe 1974
(5) In Visegrád wurde am 15. Februar 1991 ein Freihandelsabkommen von den damaligen Gründerstaaten Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beschlossen, um nach dem Ende von Ostblock und Kaltem Krieg die gemeinsamen Probleme möglichst kooperativ zu lösen. Ein weiteres Treffen der Gruppe erweitert mit Slowenien fand am 6. Oktober 1991 Visegrád statt. Im November 1998 haben die damaligen Regierungen bei einem Treffen in Budapest eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit in Form von regelmäßigen halbjährlichen Treffen beschlossen die inzwischen zu einem Treffen der EU-Visegrád- Staaten geworden sind.
(6) Scham- und Verantwortungskultur sind keine absoluten Kriterien weil jede Verantwortungskultur solche schamkulturellen Elemente enthält.
(7) Kant Immanuel: § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft . in der Kritik der reinen praktischen Vernunft. S.54
(8) Freud Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur, Kapitel 2 Studienausgabe, 1974
(9)arisch Sanskrit edel
(10) Neumann Franz, Herbert Marcuse, Otto Kirchheimer Hg. Raffaele Laudani: Im Kampf gegen Nazideutschland: Die Berichte der Frankfurter Schule für den … Campus Verlag 2016, S. 223
(11) Vgl. Freud S. Fragen der Gesellschaft Ursprünge der Religion Studienausgabe Frankfurt a. M. 1976 “Der Herdentrieb” S. 109-113
(12) Geibel Immanuel 1861
(13) Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008. S. 448
(14) Die Sündenelimination in Lev 16, 20b -22 besteht aus dem Bekennen der Sünden über dem Bock und dem Fortschicken des „lebendigen Bockes“ in die Wüste. Er stellt ein Eliminationsritual dar und dient der Sühnung für Hohenpriester und Volk sowie der Reinigung von Heiligtum und Altar. Der Ritus wird von Aron als dem Hohenpriester vollzogen. Mit Hilfe der Handauflegung wird die als „Sündenschmutz“ verstandene Schuld auf den lebendigen Bock übertragen und so „das stofflich verstandene Böse räumlich entfernt“ (Janowski, 2000, 219; vgl. Janowski / Wilhelm, 1993, 129f; Maul, 1994, 6). Anschließend wird der so mit Sünden beladene Bock in die Wüste geschickt. Durch das Wegschicken des Bocks werden die Sünden „in das abgeschnittene Land“ fortgetragen (vgl. Lev 17,7), das für den Gegensatz zum kultisch reinen Lagerbereich steht. Zitiert nach Henrike Frey-Anthes in https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/31946/
(15) Laplanche/Pontalis Lexikon der Psychoanalyse. 1972 Suhrkamp S. 406)
(16) Fleischhauer Jan: Fürchtet euch! Spiegel Nr. 29. S. 32
(17) Klever, Ulrich: Das Weltreich der Türken. Vom Steppenvolk zur modernen Nation Bayreuth 1983. S. 380
(18) Parteiprogramm der AFD zur Wahl 2017 entnommen 2.). 2017
(19) Blumenberg, Hans: Theorie der Lebenswelt, hrsg. von Manfred Sommer, Berlin 2010, S. 230
(20) Ebd., S. 235.
(21) Dan Diner Hrsg.: Zivilisationsbruch: Denken nach Auschwitz. Fischer Taschenbuch 4398, Frankfurt am Main 1988

My Polacy / Wir, Polen

Patrzą na nas naukowcy / Die Wissenschaftler schauen uns an

Ważna sprawa, napisała w mailu referentka: sytuacja najnowszych migracji z Polski do Niemiec! 

Poprosiłam ją o kilka słów od siebie o tym, co bada, czym się zajmuje, o czym pisze:

W wioskach i miastach, na obrzeżach, ale już coraz częściej w popularnych dzielnicach mieszkają Polki i Polacy. Mieszkają lub pomieszkują, jeżdżą w te i we wte albo nie jeżdżą już wcale do Polski właśnie, bo na jesieni długo się jedzie, pociągi się psują i łatwo spóźnić się do pracy w Niemczech.
A pracują wiele. Niemieckie statystyki podają, że najczęściej ponad 40 godzin tygodniowo, i w soboty też. Pracują w nowych formach zatrudnienia, czyli takich, które nie dają długotrwałego bezpieczeństwa socjalnego. Ale co tam. Wspaniale się zintegrowali. Pracują ładnie. Są zawzięci. Byle spłacić następny kredyt, byle posłać córkę na studia. A co z ich zaangażowaniem społecznym i politycznym? A co z równym traktowaniem? Czy mają równe prawa jako obywatele Unii Europejskiej? Kto się przejmuje ich losem, gdy nie mają na utrzymanie? Czy komuś zależy, żeby ich włączyć w społeczeństwo przyjmujące? Co to w ogóle oznacza? Czy niemiecka polityka ma odpowiedzi na potrzeby tych współczesnych podróżników pomiędzy dwoma krajami, których połączył w 1991 roku Traktat, co to teraz jednak niekiedy dzieli? O meandrach niemieckiej i polskiej oraz europejskiej polityki wobec polskich migrantów mowa będzie w następny wtorek w ramach Colloqium Klausa Zernacka.

Klaus Zernack Colloquium, 17. Oktober 2017

Vortragsreihe Migrationsprozesse und Kulturtransfer. Deutsche und polnische Kontexte

Prof. Dr. Michael G. Müller und Prof. Dr. Robert Traba laden gemeinsam mit Prof. Dr. Igor Kąkolewski ein
zum Vortrag von

Dr. Kamila Schöll-Mazurek
Integrations- und Poloniapolitik.  Erfüllen sie ihre Funktion für polnische Neuemigranten in Deutschland?

Kommentar:
Prof. Dr. Magdalena Nowicka (Berlin)

Dienstag, den 17. Oktober 2017, 19:00 Uhr

Bibliothek des Zentrums für Historische Forschung Berlin

der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Majakowskiring 47

13156 Berlin-Pankow

783 085 polnische Immigranten leben derzeit in Deutschland, weitere suchen hier eine Perspektive. Gleichzeitig kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Deshalb verschiebt sich der Fokus der deutschen Politik. Neben diesen aktuellen Herausforderungen bekommt die Integration der länger hier lebenden Migranten, vor allem aus der der Türkei und den nordafrikanischen Ländern, mehr Aufmerksamkeit. Die polnischen Zuwanderer werden auch als Strebermigranten oder unsichtbare Migranten bezeichnet, die sich hervorragend integriert haben. Was ist das eigentlich für eine Integration? Sind die Instrumente der Integrationspolitik für diese Gruppe angepasst? Wie ist diese Politik konstruiert und für wen?

In ihrem Vortrag stellt Dr. Kamila Schöll-Mazurek die Überzeugung infrage, dass die polnischen Immigranten in Deutschland hervorragend integriert sind. Sie zeigt, dass in einer Situation, wo die Politik auf viele Herausforderungen reagieren muss, die Grenze fließend ist.

Die Grenze zwischen Integration als Selbstläufer, wie sie sich in den Biografien zahlreicher polnischer Migranten zeigt, und einem verborgenen Scheitern, bei dem polnische Arbeitsnehmer zwar äußerlich integriert wirken, sich aber durch Schwarzarbeit um ihre Rente bringen, ihre Kinder bei den Großeltern aufwachsen lassen und durch ständiges Pendeln in beiden Gesellschaften den Anschluss verlieren.

Dr. Kamila Schöll-Mazurek forscht am Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien an Europa-Universität Viadrina. Sie promovierte 2010 über die rot-grüne deutsche Außenpolitik gegenüber Polen. 2017 erscheint ihre Monografie über die Situation der Neu-Immigranten aus Polen in Deutschland in ausgewählten Lebensbereichen (K. Schöll-Mazurek, Między polityką integracyjną a polityką polonijną. Status najnowszych polskich migrantów w Niemczech wybranych obszarach po 2011 roku, Księgarnia Akademicka, Kraków 2017).

OMG! (Reblogs)

But also: thank you, God! – they were only 150 tousands and not 7 millions, what was previously announced!

Notes from Poland

Poles have last saturday been gathering along their borders holding rosaries in order to ‘surround the country with prayer’ and appeal to God ‘to save Poland and the world’. (Initially the stated aim was to protect from ‘Islamisation’, although that aspect has since been downplayed. More detail here: goo.gl/QWFyXu.)

Wprost

Sukces akcji „Różaniec do granic”. Cała Polska modliła się o pokój.

W ramach inicjatywy „Różaniec do granic”, w sobotę 7 października w 320 kościołach na terenie 22 diecezji na obrzeżach kraju ludzie modlili się o pokój dla Polski i całego świata. W wydarzeniu wzięły setki osób. Do akcji dołączyli również politycy. Polska granica liczy 3,5 tys. kilometrów, więc liczyliśmy, że potrzeba milion – półtora miliona ludzi żeby rzeczywiście otoczyć ten kraj dosłownie modlitwą – tłumaczył Maciej Bodasiński z Fundacji Solo Dios Basta (Bóg i nic więcej), która organizowała wydarzenie.

Zula na twitterze

Ja na miejscu. W Kodniu. Mnóstwo ludzi a jest bardzo wcześnie

Sylwester na twitterze

Siekierki nad Odrą

Found on Koalicja Białych Róż


On Facebook by Anna Alboth


And we… virtually and really on the other side of the border

We do not protest against God. We do not protest again prayer and also a rosary prayer. But we do protest against pushing our country back in to the darkness age of not knowing, not thinking and not loving, where the rules of democracy are replaced by prayer and obedience and politic becomes a faith.

And we protest against Poland’s heartless politic against refugees!!!! Yes, I know… Oficially nobody says anymore, rosary on the boarder was protest against Islam, Muslims or refugees. But it was the primary intention and it exists unoficially all the time.

And we protest!

Foto – Anna Alboth

Anna Alboth on facebook:

Today I feel like praying. Praying to some god to protect Poland from protecting Poland.  Yes. Because otherways they will protect us and then… OMG!

Kommentar von Mehmet Daimagüler:

“Ok, liebe Polen, Euer Land wurde dreimal geteilt, von drei Mächten: dem orthodoxen Russland, dem protestantischen Preußen und den katholischen Habsburgern. Alles Christen. Nach dem polnischen Novemberaufstand von 1830/1831 gegen die Herrschaft der Zaren nahm hingegen das Osmanische Reich zahlreiche polnische Emigranten auf. Noch heute leben Nachfahren dieser Flüchtlinge in dem Ort Polonezköy (“Polendorf”) bei Istanbul. Im Zweiten Weltkrieg versuchten Nazi-Deutschland und Stalin Polen auszulöschen. Nach dem Krieg blieb das Land 40 Jahre unter der Knute der UdSSR. Und heute fürchtet Ihr Euch davor, dass Muslime Polen zerstören könnten?”

Die Welt:

An Polens Grenzen haben sich am Samstag mindestens 150.000 Katholiken für ein Rosenkranzgebet getroffen. Nach Angaben der Warschauer Stiftung Solo Dios Basta (zu Deutsch: Gott allein genügt) waren 4000 Orte in die Aktion „Rosenkranz an der Grenze“ involviert. Gebetet wurde nach Angaben der Stiftung für die „Rettung Polens und der Welt“.

Von Gegnern wurde die Aktion als islamophob verurteilt. Sie sahen das Massengebet wegen verschiedener Äußerungen von Teilnehmern und Geistlichen als explizit gegen Muslime gerichtet.

Zu dieser Einschätzung hatte unter anderem Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski beigetragen, der sagte, die westlichen Nationen müssten zu ihren christlichen Wurzeln zurückkehren, „damit Europa Europa bleibt“. Eine Teilnehmerin der Aktion sagte zur Nachrichtenagentur AP: „Der Islam will Europa zerstören und uns vom Christentum abkehren.“

ksiądz Wojciech Lemański auf dem twitter

Znamy z niedalekiej przecież historii wiece masowego poparcia dla ludzi, których dziś chcielibyśmy zapomnieć. Wypełnione place, tłumy wzdłuż ulic. Po dzisiejszym dniu do tamtych obrazów historia dołączy zdjęcia setek tysięcy Polaków modlących się na plażach, lotniskach, ulicach, wzdłuż granic. Co ich wyprowadziło z ich kościołów, kapliczek przydrożnych, z ich katedr i bazylik? Czyżby jakaś zaraza, nawałnica, horda zbrojna zagrażała ich domom, warsztatom pracy, szkołom czy przedszkolom? Zapytajcie tych ludzi, po co poszli na te granice. Poszli przyzywać Imienia bożego, wzywać orędownictwa Matki Jezusa przeciw… uchodźcom, szukającym pomocy, schronienia, dachu nad głową. Gdy papież Franciszek poprosił o przygotowanie w ich parafiach domu dla jednej choćby rodziny uchodźców – udawali że nie słyszą. Gdy ostatnio prosił, by modlili się za tych biednych ludzi, to w katolickiej Polsce można było te rozmodlone kościoły policzyć na palcach. A dziś, jak Polska długa i szeroka idą z różańcem w ręku pokazać światu – ile jest warta wiara Polaków. Ale przyjdzie dzień. I powiedzą w ów dzień – Panie, Panie, czyż nie modliliśmy się na różańcu z naszymi księżmi, z naszymi biskupami na granicach? A Pan im odpowie – Idźcie przecz, bo byłem przybyszem, a nie przyjęliście Mnie. I będzie płacz i zgrzytanie zębów.

Szopa w salonie 10

Łukasz Szopa

Berlin i psy

Dziś będzie, niestety, o gównie. Przylepiającym się do butów, śmierdzącym, berlińskim gównie. Ale gdyż nie lubię tego wulgarno-infantylnego słowa, będzie o odchodach. I by mnie nie postrzegano jako osoby nienawidzącej Berlina i/albo psów, rozszerzę temat na ich (psów) ludzi i ich karmę.

W każdym razie, po kilku tygodniach pobytu na wsi, przyjazd i kilka pierwszych dni w Berlinie były w większości nietypowe: pogoda całkiem miła i słoneczna, ludzie całkiem mili i uśmiechnięci, komunikacja miejska miła i bez opóźnień. To te – „w większości“, jak mówiłem – cechy raczej nietypowe. Typowa była jednak już podczas wyładowywania rzeczy z samochodu potrzeba przyzwyczajenia się do starej berlińskiej dyscypliny: slalomu w wymijaniu psich gówien (utrudnionym noszonym przed sobą kartonem!).

Lecz zamiast wściekać się, marudzić, czy szukać choćby na Facebooku pomocy przyjaciół w kwestii „Jak poradzić sobie z g… odchodami?“, po prostu się zastanowiłem. I myśli nie opuszczały mnie przez półtora dnia niemalże. Główne pytanie brzmiało nie „Co robią w mieście psie odchody?“, a: „Co w ogóle robią w mieście PSY?“

Gdyż dziwić się i denerwować, że leżą tu psie odchody jest absurdem – jeśli faktem jest, że w mieście mieszka dziesiątek tysięcy psów. No gdzieś muszą. Srać i spacerować. Głównie – jedno i drugie! – na asfalcie, krótciutko, i na smyczy – jeszcze krótszej. Takie to pieskie życie. Do tego wytuczone przez człowieka karmą puszkową i innymi delikatesami. To, że regał w supermarkecie z karmą dla czworonogów dłuższy niż ten z pieczywem, to wszyscy wiemy. Ale prawdziwą atrakcją w Berlinie są supermarkety specjalne dla zwierząt – „Fressnapf“ – z oddzielną sekcją „bio“.

Już bardziej absurdalny wydał mi się obrazek zgarbionego psiego człowieka zbierającego potulnie do woreczka pozostałości psiego obiadu/kolacji/śniadania, by donieść niniejszy skarb do najbliższej filii zakładu BSR – czyli pomarańczowego kosza na śmieci. (Są miasta oferujące psom i ich ludziom specjalne pojemniki na odchody – te psie! To niby postęp, ale… takie rozsiane są po mieście jeszcze rzadziej niż w Berlinie kosze na śmieci). Ale że nie byłem w nastroju do Schadenfreude – myślałem sobie dalej.

Nie tyle o tym, czy te woreczki w sumie są „bio“, czyli samoodnawialne. Bardziej generalnie. Już nie tylko o tym, co w mieście robią psie odchodzy, i co w ogóle robi w mieście pies.

Gdyż całkiem niedawno odwiedził mnie na wsi przyjaciel z Berlina. Z psem. Psem, który 80% swojego żywota spędził właśnie w Berlinie, z tego 95% – w mieszkaniu. No, pies przez ten tydzień na wsi czuł się jak ryba w wodzie, latał w około (lecz nie uciekał, mądrala), obszczekiwał sąsiadów (nawet na ich własnym podwórzu), ich kury (na szczęście zamknięte za siatką), dyskutował regularnie z psem sąsiada z lewej, z dołu, i dwoma z prawej. Czasami wdając się w kłótnie i z innymi (psami).

Ale co ciekawe, podobnie odżył na wsi jego człowiek. Spacerami, jeżdżeniem na rowerze, pracą na słoneczku, odpoczywaniem wieczorem przy ognisku, kiełbachach i piwku.

Pytanie początkowe jest więc nieprecyzyjnie postawione. Nie: „Co robią w zabetonowanym i zregulaminowanym mieście psy?“, a – „Co robi w mieście w ogóle człowiek?“

A oto link do podobnego tekstu sprzed ponad czterech lat, po niemiecku:

https://www.freitag.de/autoren/lukasz-szopa/zivilisatorischer-hundekot

PS od Adminki: Problem psów w Berlinie, rok 1807; policja zarządza obowiązek wyprowadzania psów na smyczy. Biegające luzem zwierzaki mogą paść ofiarą rakarza. Przestraszeni obywatele posłusznie przywiązują się do ulubieńców – Berlinische Folgsamkeit, karykatura Daniela Chodowieckiego.

Barataria 36 Uromys vika

Ewa Maria Slaska

Na wyspach Salomona odkryto nowy gatunek wielkich szczurów / Auf den Salomonen wurde neue riesige Ratte entdeckt

Nowy Szczur / Die Neue Ratte

In der Südsee ist eine neue riesige Ratte entdeckt worden. Bislang gab es über das Tier nur Gerüchte von Einheimischen. Sie berichteten, dass sich die  Vika gern über Kokosnüsse her macht. Beobachtet haben die Forscher das Verhalten bisher nicht, sie fanden allerdings Kokosnüsse, in die beeindruckende Löcher genagt worden waren. Jetzt aberwurde Vika gefunden. Annähernd einen halben Meter lang, bis zu einem halben Kilo schwer und mit einem langen, haarlosen und schuppigen Schwanz. Sie wurde auf der Insel Vangunu in der Südsee östlich von Papua-Neuguinea gefunden. Die gefundene Ratte ist von der rapiden Abholzung bedroht. Leider starb die Ratte kurz nach dem gefunden werden. Die Forscher vermuten, dass Vikas Vorfahren mit treibenden Pflanzenresten auf die Insel gelangten und sich dort zu der neuen Art weiterentwickelten.

Die Inselgruppe der Salomonen umfasst Hunderte Inseln und kleinere Atolle. Sie liegt recht isoliert. Viele der dort lebenden Säuger sind nirgendwo sonst auf der Erde zu finden.

Na wyspach Salomona, położonych na wschód od Papui-Nowej Gwinei, odkryty został nowy gatunek wielkiego szczura. Dotychczas o zwierzaku opowiadali tylko tubylcy, twierdzili, że żyje na drzewach i żywi się mlekiem kokosowym. I rzeczywiście, już od dawna naukowcy odkrywali orzechy kokosowe z ogromnymi dziurami w skorupach. Teraz znaleźli wreszcie zwierzę, które te dziury wygryza. Trzeba chyba jednak powiedzieć – wygryzało, bo możliwe, że szczura przedtem nie było, a teraz znowu nie będzie – jedyny znaleziony okaz po zbadaniu – zdechł.

Vika ma (miała) około pół metra długości, waży(ła) pół kilo, ma (miała) bardzo długi nieowłosiony ogon pokryty łuskami.

Archipelag wysp Salomona to kilkaset małych i większych wysp powstałych wokół małych atoli. Wyspy są odizolowane od reszty świata i przechowują się na nich gatunki zwierząt i roślin, gdzie indziej już dawno wymarłe. W ścisłej izolacji lokalne gatunki rozwijają się inaczej i nie są podobne do swych pobratymców. Tak właśnie było z Vikami. Viki przybyły prawdopodobnie na wyspy Salomona z jakimiś niesionymi falą i wiatrem resztkami roślin. Skąd – nauka nie podaje.

***
Myszeida! Na pewno! Przecież ta Uromys to stara mysz! (Po sprawdzeniu okaże się niestety, że mysz i owszem, mys, ale nie stara, tylko ogoniasta, uro… Ech, powtórka z Łaciny bez pomocy Orbiliusza by się przydała)

***

Każda Nowa Epoka produkuje Nowego Człowieka. Wierzą w niego i wodzowie totalitarni, i anarchistyczni buntownicy, i charyzmatyczni przywódcy. Od stu lat kreujemy nie tylko Nowego Człowieka, ale też Nową Kobietę i Nowego Mężczyznę. To są jednak byty abstrakcyjne. Tymczasem Nowy Szczur jest faktem naukowym.

***

Na wyspach zatem przechowują się takie stare nikomu już nieznane rasy. Nie mogąc ani powędrować dalej, ani się rozprzestrzenić, ani, co najgorsze, spotkać pobratymców, dysponujących innym niż one kodem genetycznym, trwają w kazirodczym zamknięciu, produkując Nowego Tygrysa, ale też Nowego Szczura czy Nowego Człowieka.

Nowa Kobieta i Nowy Mężczyzna (Homini Novi), którzy rozwinęli się w całkowitej izolacji na Wyspach Wolności i Tolerancji.

Porady kulturalne / Kulturelle Ratschläge

Samstag / Sobota

Niemcy też mają długi weekend i jest on właśnie teraz. Zaczął się wczoraj, skończy 3 października wieczorem, w Dzień Jedności Niemieckiej. Wszyscy wyjechali, a ci co nie wyjechali pójdą w ten weekend co najmniej raz na jakiś event kulturalny. Wiele z nich jest za darmo. Tu poniżej podaję trzy z nich.

30. SEPTEMBER UM 17 UHR

Staatsoper für alle: Open-Air-Konzert und Live Übertragungen

Die Staatsoper ist zurück in ihrem Stammhaus Unter den Linden!

Nach mehr als sieben Jahren kehren das gesamte Ensemble, das Orchester, der Chor und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder an ihren angestammten Ort zurück. Das möchten wir mit euch allen feiern!

Eintritt frei! Dank BMW Niederlassung Berlin

Open-Air-Konzert STAATSOPER FÜR ALLE
30. Sep 17.00 Uhr Bebelplatz

Dirigent: Daniel Barenboim
Sopran: Diana Damrau
Mezzosopran: Okka von der Damerau
Tenor: Burkhard Fritz
Bass: René Pape
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Live-Übertragungen STAATSOPER FÜR ALLE
3. – 7. Okt. Bebelplatz

Im Rahmen von STAATSOPER FÜR ALLE werden alle Vorstellungen des PRÄLUDIUMS zur Wiedereröffnung der Staatsoper live aus dem Großen Saal übertragen: Die Eröffnungspremiere »Zum Augenblicke sagen: Verweile doch!« mit Schumanns »Szenen aus Goethes Faust« in der Inszenierung von Jürgen Flimm (3.10., 20 Uhr, auch am 6.10., 18 Uhr) das Konzert am 4.10., 19:30 Uhr (Daniel Barenboim, Maurizio Pollini, Staatskapelle Berlin) sowie das Konzert am 7.10.,18 Uhr mit den Wiener Philharmonikern und Zubin Mehta am Pult . Kommt vorbei!

Alle Termine zu STAATSOPER FÜR ALLE Unter den Linden unter: http://bit.ly/2gQ2eUg

Quena Tapia lädt zur Peña:

100 Jahre Violeta Parra

Sa., 30.9.17 | 20 Uhr | RegenbogenKino

Violeta Parra war Folk-Musikerin und bildende Künstlerin.
Vor fast 100 Jahren wurde Violeta del Carmen Parra Sandoval in Chile geboren.

Peña bedeutet Fels, aber auch Stammtisch und steht in ganz Chile für kulturell-politische Gemeindefeiern, bei denen Gesangswettbewerbe aller Generationen solo und als Chor, mit und ohne instrumentale Begleitung häufig im Mittelpunkt stehen.
Heute gibt es viele Peñas in Chile, Lateinamerika, Nordamerika, Europa und Australien, die sich aufgrund der Chilenen, die nach Augusto Pinochets Putsch ins Ausland flohen, ausgebreitet haben.

Ab 1952 begann Parra Folkloremusik aus den ländlichen Zonen aufzunehmen und zusammenzustellen. Diese Sammlung entdeckte die Poesie und das Volkslied aus den ziemlich verschiedenen Regionen Chiles. Diese Arbeit förderte den enormen verborgenen Reichtum der Traditionen zu Tage, die zur chilenischen Kultur verschmolzen waren. Von hier begann sie ihren Kampf gegen die stereotype ausländische Musik und transformierte bzw. gewann die authentische Volkskultur wieder zurück. Sie komponierte Lieder, Décimas und Instrumentalmusik, wurde zur Malerin, Bildhauerin, Stickerin, Töpferin.

Violeta Parra schuf die Basis für La Nueva Canción Chilena, die Neue Gesangsbewegung Chiles, die die chilenische Folkloremusik erneuerte. Diese Bewegung breitete sich in den sechziger und siebziger Jahren in Chile aus. Da sie folkloristische Musikelemente mit religiösen Formen und Inhalten der Protestbewegung und Sozialkritik der sechziger Jahre vereinte, wurde sie der Kopf einer mächtigen kulturellen Strömung und erfasste das ganze Land. Sie wurde auch nach dem Putsch in Chile 1973 für viele ein Synonym für das unter der Militärdiktatur leidende und kämpfende Chile, das seine Rückkehr zur Demokratie erreichte.

Eugenia Tapia (Quena Tapia)
Cantante / compositora / Guitarra

Eugenia Tapia wurde als Tochter Chilenischer Musiker in Rüdersdorf geboren, daher die Freude an Ethno-Einflüssen.
Sie studierte 2 Jahre Komposition an der Universität Arsis-Chile (SCD) und Gesang dazu. Danach Gitarrenstudium im Conservatorium – Badalona.
Eugenia startet ihr Musikerinnenleben mit verschiedenen Bands: teils in Chile, Barcelona und seit 2011 auch in Berlin.
Nicht nur live kann mensch sich an Eugenias Kunst erfreuen, sie hat auch einen Lullabye Song aufgenommen: “Tu mi Mariposa” (E.Tapia /P. v. Rothkirch). 2011 CD -Heart & Toes – Lullabies from Around the world.

Eintritt frei – Spenden willkommen

Gute Nacht


Guten Morgen

01. OCTOBER UM 14 UHR


Gallion-Bild der Ausstellung: Neavenezia 2015/17, was natürlich Berlin ist

In der Komunalen Galerie Berlin  auf dem Hohenzollern Damm 176 gibt es noch bis 29. Oktober eine Ausstellung von Matthias Koeppel

Experiment und Methode

Matthias Koeppel zum 80. Geburtstag

Fotografie, Zeichnung, Grafik, Gedichte, Komposition, Malerei

Während der Ausstellung wird sich der Künstler drei Mal mit seinem Publikum treffen und es durch die Ausstellung führen. Ein Termin ist schon vorbei, zwei bleiben noch, davon ein – morgen:

Führungen mit Matthias Koeppel

Sonntag, 10.09.2017 | 14 Uhr

Sonntag, 01.10.2017 | 14 Uhr

Sonntag, 15.10.2017 | 14 Uh

Leider nicht in der Ausstellung, auch als Plakat nicht: Matthias Koeppel ‘Requiem für Luise’, Plakat zur 750-Jahr-Feier Berlins

Auf dem Blog Café Deutschland liest man: Abgebildet sind die Humpe-Sisters: Annette und Inga Humpe gehörten zu den Schaumkronen der Neuen Deutschen Welle. Annettes Blaue Augen (1981) und Ingas Ich düse im Sauseschritt (1983) haben noch heute großen Wiedererkennungswert. Zwischen 1985 und 1987 hatten sie als Humpe & Humpe eine gemeinsame Band.

Das ‘Requiem für Luise’ ist mein Lieblingsbild von Koeppe – ironische Nachahmung der berühmten Skulptur von Prinzessinnen Luise und Frederike Hohenzollern von Johann Gotlieb Schadow aus den Jahren 1795-7. Darüber schrieb ich schon HIER: https://ewamaria.blog/2020/02/08/dwie-siostry/

Die beste aller Welten / Najlepszy z możliwych światów

Morgen startet den Film / Jutro premiera filmu: Die beste aller Welten

Idźcie koniecznie! / Geht hin! Und zwar unbedingt. Denn: Wenn ihr nicht in der ersten Woche hingeht, verschwindet der Film von der Leinwandoberfläche der deutschen Kinos… So sind die Regeln der unsichtbaren Hand des Marktes.

Dorota Cygan i Ewa Maria Slaska

Film, na który nigdy byśmy nie poszli i byłaby to strata niepowetowana
Zum Film, den wir uns wohl kaum angeschaut hätten – was aber sehr schade wäre …

Obejrzałyśmy ten film, bo wybrali go do preview redaktorzy berlińskiej gazety miejskiej TIP. Poszłyśmy, bo w międzyczasie nauczyłyśmy się, że jeśli ta grupka krytyków wybrała jakiś film, to znaczy, że jest on naprawdę warty uwagi. Dzięki nim obejrzałyśmy przed rokiem Manchester by the sea i wyszłyśmy naprawdę pod wrażeniem siły i autentyczności tego obrazu, a potem, ale dopiero potem dostał on Oskara. Do kogoś trzeba mieć w życiu zaufanie, my pokładamy je w tych kobietach i mężczyznach. Sie schrieben für uns auch, wovon der Film handelt:

Wir haben uns den Film angeschaut, weil er von der Redaktion der Stadtzeitung TIP für ein Preview empfohlen wurde. Mittlerweile haben wir ja auch gelernt, dass Filme, die von den Filmkritikern der TIP ausgewählt wurden, wirklich sehenswert sind. So verdanken wir ihnen, vor einem Jahr Manchester by the sea gesehen zu haben: Wir waren zutiefst beeindruckt, als wir den Kinosaal verließen, und zwar von der Kraft und Authentizität des Dargestellten.Der Film bekam (später!) auch den Oskar. Auf etwas muss man sich verlassen können – etwa auf das Urteil des Redaktionsteams, das uns im Falle von Die beste aller Welten folgendes von der Handlung verrät:

Der kleine Adrian stellt sich seinen Alltag immer wieder als grandioses Abenteuer vor. Und er hat auch allen Grund dazu, denn seine Mutter hat ein Riesenproblem: Sie steckt tief im Salzburger Drogenmilieu fest, und versucht verzweifelt, dem Sohn mit fantasievollen ­Geschichten über die bittere Wirklichkeit hinwegzuhelfen. Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ ist ein gelungener Versuch über die Schutzfunktion der Fantasie und über die Risse, die jede Lügengeschichte irgendwann bekommt. Die kindliche Perspektive lässt „Die beste aller Welten“ zu einem schmerzhaften Psycho­thriller werden. Der Salzburger Dialekt trägt viel zur besonderen Atmosphäre dieses Films bei.  

Am Ende des Previews könnten wir Fragen an die Hauptprotagonistin und einen der Nebendarsteller, den sog. Griechen, stellen. Wir traffen sie auch in der Kinobar.

Adminka z główną aktorką filmu, foto: Dorota Cygan

Uwaga, jest coś, czego gremium redaktorów nie napisało (i chwała im za to) i co się okazuje dopiero, jeśli się uważnie i ze zrozumieniem przeczytało końcowe napisy. Nie psujcie sobie i innym napięcia, z jakim ogląda się ten film, nie szukajcie tej informacji (bo na pewno gdzieś jest), nie zdradzajcie jej innym, ale nie wychodźcie z kina zanim film się naprawdę nie skończy i obsługa zgasi światła na sali… Bo ominie was efekt całkowitego zaskoczenia.

Aufgepasst: Das Redaktionsgremium hat eines nicht verraten (vielen Dank dafür!). Dies erschließt sich einem erst, wenn man den Abspann aufmerksam (und verstehend:-)) verfolgt hat. Sucht diese (sicherlich irgendwo versteckte) Info nicht im Vorfeld – seid nicht eure eigenen Spielverderber, bringt euch nicht um den Spaß und die Spannung, mit der ihr den Film sehen könnt. Und bitte plaudert auf keinen Fall etwas aus. Verlasst den Kinosaal nicht, bevor der Film zu Ende ist und die Lichter ausgehen. So lasst Ihr Euch nicht etwas entgehen, was Euch komplett überrascht.

Kiedyś to było oczywiste, że podobnie jak pierwsze sceny tak i ostatnie napisy są częścią filmu i nikt się nie ruszał z kina przed czasem. Była przecież wciąż jeszcze muzyka, ważne informacje, czasem nawet pojawiała się jakaś najostatniejsza scena. W Berlinie jednak jest obyczajem powszechnym wychodzenie z kina natychmiast, praktykują to również mieszkający w Berlinie Polacy, obawiam się więc, że ten plebejski zwyczaj dotarł już i do Polski.

Früher mal war es für die Zuschauer selbstverständlich, dass der Abspann genauso zum Film gehört wie der Vorspann oder die erste Szene. Daher hat niemand den Kinosaal vorzeitig verlassen, schließlich lief noch die Musik und es konnte gut sein, dass ganz zum Schluss noch die allerletzte Szene oder die allerwichtigste Information kam. In Berlin hat sich allerdings der Brauch durchgesetzt, das Kino sofort zu verlassen. Davon sind auch die Berliner Polen nicht ausgeschlossen, daher nehme ich an, dass der plebejische Brauch mittlerweile in Polen angekommen ist.


Jeden z bohaterów filmu, tzw. Grieche / Grek w foyer berlińskiego kina

Nasz rok Leśmianowski (16) / Unser Leśmian-Jahr (16)

Maria Szewczyk

informuje / informiert:

heute dzisiaj heute dzisiaj heute dzisiaj

Freitag 22.09.2017 um 18.30 Uhr entgeltfrei
VHS, Antonstr. 37
Raum 207

Leśmian – Lust und Lyrik / Leśmian – Rozkosz poezji!

Die polnische Autorin und Literaturwissenschaftlerin, Prof. Dr. Brigida Helbig wird uns in das Leben und die Poesie des polnischen Poeten der Spät-Moderne, Boleslaw Leśmian (1877 – 1937), einführen. In seinem doppeltem Jubiläums-Jahr lassen wir uns von der Magie der Poesie verzaubern.

Administratorin des Blogs fügt dazu: Leśmian ist bis heute, 80 Jahre nach seinem Tode, in Polen einer der meist gelesenen polnischen Dichter. 2016 stellten mehrere Kultureinrichtungen Polens einen Antrag an den polnischen Sejm, das Jahr 2017 zu dem Leśmian-Jahr zu berufen. Der Antrag wurde von der  polnischen PiS-Regierung abgelehnt. Infolge dessen feiern verschiedene kulturelle Einrichtungen in Polen sowie Polen im Ausland, unabhängig von offiziellen Feierlichkeiten oder deren Nicht-Existenz, diesen magischen Dichter. Auch auf diesem Blog gab es schon mehrere Beiträge über Leśmian und es wird noch mehrere geben.

Polska pisarka, poetka i literaturoznawczyni, prof. dr Brigida Helbig, zaprasza na spotkanie z poezją Bolesława Leśmiana. Wykładowczyni i organizatorka przypominsają, że rok 2017 jest prokiem podwójnie jubileuszowym, Leśmian urodził się bowiem w roku 1877 i zmarł w roku 1937.


Dazu noch ein Gedicht in der Maniere von Leśmian, geschrieben von Julian Tuwim (1894 – 1953), einen anderen wichtigen Dichter der polnischen Moderne. Er war berühmt aber auch berüchtigt für seine bissige Ironie. 1931 verfasste er eine Reihe der Parodien, die alle Vermutungen anstellten, wie der eine oder andere zeitgenössiche polnische Dichter das allgegenwärtiges Kinderliedchen “Wlazł kotek na płotek” (“Bestieg eine Katze einen Zaun”) geschrieben hätte. Auf polnisch kann man all diese Parodien HIER lesen. Das Liedchen war (und ist bis heute) sehr populär so etwa wie “Alle meine Entchen” im deutschen Sprachraum.

Wlazł kotek na płotek                          Die Katze bestieg den Zaun
i mruga,                                               und blinzelt,
ładna to piosenka,                               es ist ein schönes Liedchen,
nie długa.                                             nicht lang.
Nie długa, nie krótka,                          Nicht zu lang, nicht zu kurz,
lecz w sam raz,                                    nur richtig,
zaśpiewaj koteczku,                            singe mir, mein Kätzchen,
jeszcze raz.                                          noch einmal.

Leider sind wir nicht imstande, die Tuwims kunstvolle Parodie des kunstvollen Stils von Leśmian zu übersetzen.

Jak Bolesław Leśmian napisałby wierszyk „Wlazł kotek na płotek”

Na płot, co własnym swoim płoctwem przerażony,
Wyziorne szczerzy dziury w sen o niedopłocie,
Kot, kocurzak miauczurny, wlazł w psocie-łaskocie
I podwójnym niekotem ściga cień zielony.

A ty płotem, kociugo, chwiej,
A ty kotem, płociugo, hej!

Bezślepia, których nie ma, mrużąc w nieistowia
Wikłające się w plątwie śpiewnego mruczywa,
Dziewczynę-rozbiodrzynę pod pierzynę wzywa
Na bezdosyt całunków i mękę ustowia.

A ty płotem, kociugo, chwiej,
A ty kotem, płociugo, hej!