Zum Welttag der Armen: Gemeinschaft mit Bedürftigen

Verwöhnt zu werden, das erleben Arme selten. Ehrenamtliche Malteser und Gemeindemitglieder von St. Matthias teilten am Sonntag, 10. November, Gemeinschaft mit Bedürftigen.

Die 58-jährige Lilly strahlt. Als Mutter von sechs Kindern wird sie selten verwöhnt. Im Gegenteil. Sie lebt von staatlicher Hilfe, das reicht gerade zum Leben. Für sie ist der Wohlfühltag für Stadtarme und Obdachlose, den die Malteser zusammen mit der Gemeinde Sankt Matthias in Berlin-Schöneberg am Sonntag, 10. November, organisiert haben, ein Festtag. Das mehrgängige Menü ist auf feine bordeauxrote Karten gedruckt. Kürbissuppe, Piroggen, Bigos, Putengeschnetzeltes, Gurkensalat und Dessert – alles wird serviert von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern, die sich ehrenamtlich im Mensaraum der benachbarten Katholischen Schule St. Franziskus eingefunden haben. Der Polnische Rat Berlin hat die Nationalgerichte seines Landes gespendet.

Es geht um die Begegnung

„Es geht heute vor allem um die persönliche Begegnung mit Menschen, denen es nicht so gut geht im Leben – die Mangel leiden, sei es an Essen oder Zuwendung,“ sagt Carmen Rippoll, Diözesanoberin der Berliner Malteser. Der sogenannte „Wohlfühltag“ findet mit Blick auf den 3. Welttag der Armen statt, den Papst Franziskus für den 17. November ausgerufen hat. Im Vordergrund steht die Begegnung mit bedürftigen Menschen. Auch an diesem Sonntag in der Mensa der Sankt Franziskus Schule. Hier steht das gemeinsame Miteinander im Vordergrund. Die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen sitzen mit den Gästen an den Tischen. Es wird fröhlich geplaudert, gegessen und miteinander gelacht. Auch die 13-jährigen Schüler Hannah und Liam sind dabei. Sie spülen, servieren und mischen sich unter die Gäste. „Es macht einfach Spaß, Menschen, die arm sind, zu helfen. Man sieht, dass sie sich freuen – da freut man sich selbst auch,“ sagt Liam, der seit einem Jahr als Malteser-Schulsanitäter und Schulklimapate an der katholischen Schule Sankt Franziskus engagiert.

Musik und Zauberei

Der Tag geht zu Ende mit Musik, Zauberei, Massagen und Geschenketüten – liebevoll bemalt und verpackt von Schülern und Schülerinnen aus dem Malteser Schulprojekt an der Sankt Franziskusschule. Helmut, 77, aus Friedrichshain geht glücklich heim. Er lebt allein, bekommt monatlich 760 Euro Rente. 450 Euro verschlingt die Miete. Das lange Gespräch mit Ralph, einem von 22 ehrenamtlichen Maltesern, die beim Wohlfühltag helfen, hat ihm gut getan – das schmackhafte, liebevoll servierte Essen sowieso.

Ewa Maria Slaska

An dem Tag beteiligten sich auch Polen: Jacek Manowski und Magdalena Kotala

Sie organisierten Spenden aus dem Polnischem Lebensmittelladen “U Zosi” und von der Familie Domaradzki in Lübars (im Text spricht man vom Polnischen Rat, dessen Vorsitzende Ferdynand Domaradzki ist, aber es ist in der Tat eine Spende seiner Familie gewesen).

Auch die Polnische Botschaft in Berlin war dabei. Ein Auto brachte Mützen, Schals und Handschuhe für Bedürftige (leider hat man sich für fingerlose Handschuhe entschieden, die eh Mode-Accesoires sind als für Warmhalten an kalten Tagen taugen).

Unter den Verwöhnten, Obdachlosen und Armen aus der Stadt, gab es überwiegend Polen. Klar, es gab auch anderen, es waren Deutsche, Moldaven, Ukrainer da, aber Unsereine sind in der Überzahl.

Immer wieder stellen wir uns die Frage: Wieso? Wieso gibt es soviele aus Polen in Berlin, die auf der Strasse wohnen? Und die Antwort ist leider klar: Weil sie hier viel besser leben können, weil es hier mehr Obdachlosenheime und Obdachlosenhilfe gibt. Weil, wenn die ersten Frostnächte kommen, gab es aus Polen sofort erste Meldungen, die dann den ganzen Winter immer wieder zu lesen sind. Es starben zwei Menschen, es starben zwanzig Menschen… In Deutschland sterben sie auf den Strassen nicht.

Anm. von EMS: Alle Fotos in meinem Teil des Berichts von Jacek Manowski; auf dem oberen Foto Magdalena Kotala

Barataria aus dem Jahre 1982

Mojej siostrze Katarzynie
Für meine Schwester Katarzyna

Achtung! Kein Video, sonder wunderbare Musik von Anton Garcia Avril und Fotos aus der englischen TV-Serie Great Performances, mit Sir Alec Guinness als Padre Quijote und Leo McKern in der Role des kommunistischen (Ex)Bürgermeisters  von Toboso, der vor seinem Priesterfreund Sancho genannt wird.

Es ist eine schöne Verfilmung eines schönen Buches und ich danke meiner Schwester, die es mir empfohlen hat. Und denke nur – seit zwei Jahren suche ich Don Quijote überall und erst vor ein paar Wochen sagte mir Katarzyna, dass es diesen Roman gibt und dass sie ihn so lieblich findet.

Graham Greene, Monsignor Quixote, Roman, erschien 1982 in New Yorck.
Von links nach recht – amerikanische Erstausgabe, DVD Cover, deutsche Übersetzung in Paperback und der Roman auf Polnisch.

Man schreibt das Jahr 1980, vielleicht 1981 oder 1979. Der Generalissimus ist schon vor ein paar Jahren gestorben, genauer gesagt 1975. Spanien ist demokratisch, aber die Guardia verfügt immer noch über eine Übermacht, besonders wenn man ein entflohener Priester oder überzeugter Kommunist ohne Amt ist. Oder beides. Spanische Guardia civil, gehasste Staatssicherheit-Polizei, gilt in dieser Neubeschreibung der Abenteuer von den Ritter der Traurigen Gestalt und seinem Knappen als schreckliche Riesen-Windmühlen.

Padre Don Quijote, auf Geheiss von einem geheimnissvollen Bishof von Motopo zur Würde eines Monsignores erhoben, hält sich zu einem Nachkommen des Cervantesschen Ritters, obwohl SEIN Bischof, der ihn nicht leiden mag, der andere Meinung vertrit und meint, der wahre Don Quijote wäre eine Romanfigrur, mehr noch – eine Metapher, oder eine Parabel… Lediglich.

Es ist auch Barataria da, die Insel, die es nicht gibt, die auch lediglich eine Metapher, oder eine Parabel ist.

” Vermutlich liegt es am Wein”, sagt Monsignorr Quijote ze Sancho, “aber mir ist sehr warm”.
“Ich spüre die Hitze nicht. Ich finde die Temperatur sehr angenehm. Aber ich trage natürlich auch nicht so einen lächerlichen Kragen”.
“Ein Stückchen Zelluloid, das macht überhaupt nicht heiß, überlegen Sie einmal, was diese Guardia alles trägt. Versuchen Sie selbst, dann werden Sie schon sehen.”
“Gut. Geben Sie her. Wenn ich mich recht erinnere, wurde Sancho Statthalter über eine Insel und ich werde eben, mit Ihrer Hilfe, Statthalter über Seelen”. Er legte das Kollar um seinen Hals. “nein. Sie haben recht”. So heiß ist das gar nicht. Es beengt ein bißchen, das ist alles. Und reib mich wund am Hals. Sonderbar, Padre, ohme Ihr Kollar würde ich Sie nie für einen Padre halten und erst recht nichzt für einen Monsignore.”
“Nachdem Don Quijotes Haushalterin ihm die Lanze abgenommen und ihn von seiner Rüstung befreit hatte, hätten Sie ihn nie für einen fahrenden Ritter gehalten”, sondern nur für einen närrischen alten Mann. Geben Sie mir mein Kollar wieder, Sancho.” (S. 85)

Als sie in einem Restaurant hinter der Plaza Mayor in einem kleinen Patio an der Bar saßen und ein Glas Weißwein tranken, spürte Padre Quijote, wie seine fröhliche Laune zurückkehrte. Vorher, den besuch im Haus des cervantes, der sie 50 Peseten pro Person hekostet hatte, hatte er genossen, nur hätte er gerne gewußt, ob man ihm wohl bei Nennung seines Namens an der Kasse freien Eintritt gewährt hätte. Einige der Möbel stammten tatsächlich aus dem besitz des Biographen, win an den König gerichteter Brief über die Besteuerung von Öl hing an der weißgekalkten Wand, die er sie sich leicht mit Blut bespritzt vorstelklen konnte, als man in jener schrecklichen nacht Don Gaspar de Ezpelatas blutigen Leichnam ins Haus getragen und Cervantes unter dem falschen Verdacht, an seiner Ermordung beteiligt zu sein, verhaftet hatte. “Natürlich hat man ihn gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt”, erzählte Padre Quijote, “aber bedenken Sie, Sancho, was es bedeutet, an der Lebensbeschreibung meines Vorfahren weiterzuarbeiten, wenn man weiß, was einem Schreckliches droht. Ich frage mich manchmal, ob es diese nacht war, an die er dachte, als er niederschrieb, wie Ihr Ahnherr nach seiner Ernennung zum Stathalter über eine Insel einem Jüngling befahl, eine Nacht im Gefängnis zu schlafen, und der Jüngling erwiderte: ‘Eure Macht reicht nicht aus, den Schlaf im Gefängnis herbei zuzwingen’. Vielleicht waren es dieselben Worte, die der greise cervantes zu dem Beamten sprach. ‘Angenommen, Ihr werft mich ins Gefängnis, legt mich in Ketten, sperrt mich in eine Zelle, und doch, wenn ich nicht schlafen will, habt Ihr keine Gewalt über mich, meinen Schlaf zu erzwingen’.”
“Die Guardia Civil heutzutage”, sagte Sancho, “die wüßte schon, wie man so was macht. Die würden Sie schnell genug einschläfern, mit einem einzigen Schlag über den Schädel.” Düster fügte er hinzu. “Mir täte ein bißchen Schlaf gut.”
“Ah, aber Ihr Ahnherr, Sancho, der war ein freundlicher Herr, und er ließ den Jungen frei. Und der Beamte tat das gleiche mit Cervantes.” (S.112)

Aus welchem Grund auch immer, schweigt der Padre stur, was Sancho nervös macht.

“Denken Sie daran, Padre”, sagte Sancho, “was für einen guten Statthalter mein Ahnherr abgab. Trotz all seiner Ritterlichkeit und Tapferkeit hätte Don Quijote nie so gut regieren können. Was für ein heilloses Spektakel – ich meine heiliges Spektakel – er auf dieser Insel angerichtet hatte. meinem Ahnen fiel das Regieren genauso leicht wie Trotzki das Kommandieren einer Armee. Trotzki besaß keine Erfahrung, und doch schlug er die weißen Generale. Ach, ich weiß schon, wir sind Materialisten, wir sind bauern und Marxisten. Aber deswegen brauchen Sie uns nicht zu verachten.”
“Wann hätte ich Sie je verachtet, Sancho?”
“Ihrem Gott sei dank, Sie haben endlich wieder zu reden begonnen…” (S. 132/133)

Don Padre wird bald sterben, angeschossen von Guardia Civil.

Seine Stimme aber, die vom Bett herüber drang, klang jetzt fest und kräftig. “Was ich Ihnen anbiete, Sancho, ist nicht Statthalterschaft. Was ich Ihnen anbiete, ist ein Königreich.”
“Ein Königreich?”wiederholte Sancho.
“Geh mit mir, und du wirst das Königreich finden.” (S. 229)

Und jetzt suchen wir Barataria in den nächsten Don-Quijote-Film. Regie Rodney Bennett. Ein netter Film mit guter Musik, der hier zu sehen ist. Also bloss nicht bei Amazon kaufen, wo er zwischen 199,00 und 273,00 Euro kostet! By the way, ab der 14. Minute gefühlte 10 Minuten preist der Film die Vorzüge der polnischen Wodka Wyborowa. Sehr nettes Product Placement 🙂

Der ganze Film: HIER

Und am Ende noch ein Zitat von Shakespeare, dem Greene dem Roman als Motto vorgesetzt hatte:

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.

Zaproszenie w Andy / Einladung in die Anden

Liebe Freunde der Kunst und art.endart,
 
wir freuen uns, euch für die farbenprächtige Herbstkolonie im Oktober eine
kleine Reise in die Anden zu präsentieren:
„Die Anden als kulturelle Grenzzone Perus”
Malerei, Grafik und Kunstobjekte von Maria Eleonora Herbisz
 
Die Vernissage findet am Freitag, dem 25.Oktober 2019 um 19:00 Uhr statt.
Die Ausstellung läuft bis zum 8.November 2019.
 
art.endart ist ein Ort für kulturelle Begegnung und Kunst.Mehr Infos unter:
 
Lucyna Viale
art.endart
Drontheimer Str.22/23
13359 Berlin

Zaproszenie do Szczecina / Einladung nach Stettin

Ich fahre heute um 9.32 Uhr vom Hauptbahnhof nach Stettin und lade Euch ein, spontan mit mir zu fahren. Wir sind um 11:39 Uhr in Stettin. Ich komme erst morgen zurück, man kann aber auch heute um 19:50 Uhr nach Berlin fahren und ist um 21:38 Uhr in Gesundbrunnen.

Wenn ihr zu fünft sein, kostet es pro Person einen Klacks (Brandenburg-Ticket für 28 Euro deckt die Reisekosten für 5 Leute hin und zurück).

Inzwischen kann man bummeln, einkaufen, Pierogi essen und um 18:00 Uhr in die Bibliothek ProMedia gehen, wo ich lesen werde. Ich lese auf Polnisch, aber was soll es? Es geht doch um die Gesellschaft, um Klang der Sprache, Athmosphäre, schöne Stadt, schöne Leute… Und wenn Ihr wirklich kommt, werde ich einen Text auch auf Deutsch lesen – versprochen…

 

Frauenblick (colle caelius)

Monika Wrzosek-Müller

Monte Celio

Diesmal war die Zeit in Italien so schnell und unbemerkt vergangen, dass sie gar keine Zeit und keine Themen gefunden hatte, über die sie schreiben wollte. Lag es daran, dass sie dort so viele niederländische Autoren gelesen hatte und im Kopf irgendwie weg war von Italien? Eher nicht, sie war doch mit Herz und Seele da, genoss das gute Wetter und das Essen, die wunderbaren Ausblicke und das warme Meerwasser, sie traf sich mit ihren Freunden, war auch zu dem Litauer in der pesceria gegangen, um ihm zu erzählen, wie toll sie Litauen fand. Doch wieder hat er sie mit unheimlich vielen Bildern auf seinem Computer zugemüllt und nur gefragt: waren sie auch da, und da, und da? Und irgendwie war die Kommunikation gerissen, er reagierte eigentlich gar nicht auf ihre Erzählung, hatte nur seine Bilder im Kopf; da hatte sie den Rückzug angetreten, es waren auch kaum Fische zu kaufen.

Vielleicht war eben alles zu perfekt und zu leicht, so dass der Kopf wirklich abgeschaltet hatte, nicht aufmerksam genug, um sich etwas genau einzuprägen?

Doch einer von den niederländischen Autoren führte sie auch im Kopf immer wieder nach Rom. Seine Helden speisten da vorzüglich und kauften in exquisiten Boutiquen ein, tranken immer wieder die tollsten Weine bis sie todmüde umfiehlen und sich in vier Sterne Hotels ausruhten. Die Vorstellung vom dolce vita in Rom war allgegenwärtig. Die Helden ließen sich vom Kopf bis Fuß neu einkleiden, natürlich für aberwitzige Summen, die sie eigentlich gar nicht hatten aber doch ausgeben konnten. Alles schien möglich zu sein. Das gefiel ihr und sie konnte nicht widerstehen, also machte sie sich auf den Weg dahin, wo sowieso alle Wege hinführen, in die ewige Stadt. Die Reise mit dem Zug dauerte eigentlich ganz kurz, eine Stunde 50 Minuten, davon 25 Minuten innerhalb von Rom. Natürlich ist Rom nicht überall atemberaubend und schön; die Gegend um den Bahnhof Termini selbst sollte man am besten meiden; es ist so ein Geknäuel, dass man richtig auf sein Hab und Gut aufpassen muss. Doch dann, ein paar Schritte weiter, ändert sich wieder alles und man gerät ins Schwärmen.

Von den alten sieben Hügeln Roms (Quirinal, Viminal, Kapitol, Esquilin, Palatin, Aventin, Caelius) kannte sie inzwischen fast alle. Es kamen sogar einige dazu, von denen man wunderbare Aussichten auf Roms Dächer, Kuppeln und Türme hat: Gannicolo oder Pincio, auch Monte Testaccio nicht zu vergessen. Doch die ersten bildeten die alten sieben Hügel, auf denen Rom gebaut wurde, dabei waren Aventin und Celio/Caelius diejenigen, die etwas später dazu gekommen waren. Es ist schon erstaunlich, wenn man von der touristisch verstopften Gegend um das Kolosseum in ein paar Schritten in eine ruhige, fast ländliche Landschaft entschlüpfen kann. Da sie einen kleinen Hund dabei hatten, musste es auch etwas Auslauf geben.

Deswegen wählten sie diesmal den Monte Celio mit seinen Kirchen, Gärten und der Villa Celimontana. Der Weg führte gleich auf einer mit Kopfstein gepflasterten Straße nach oben, der Turm der Kirche des SS Giovanni e Paulo ragte schon von weitem auf. Das Sträßchen war menschenleer und winzig. Große Backsteinbögen spannten von einer zur anderen Straßenseite. Unter der Kirche befinden sich Ausgrabungen der case romane del Celio. Die Ausgrabungen sind für die Öffentlichkeit seit 2002 zugänglich; nach zahlreichen Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten wurden ungefähr 20 Räume unterirdisch für das Publikum geöffnet. Das Museum ist sehr schön gemacht, und seine Geschichte lang. Schon 1887 begann ein Mönch aus der darüber liegenden Basilika mit Ausgrabungen und legte diese alten, auf verschiedenen Niveaus gelegenen und zum Teil mit Fresken und Mosaikböden ausgeschmückten Räume frei. Es wird gemunkelt, dass es sich um das Privathaus von Johannes und Paulus handelt. Doch später wurde festgestellt, dass die Räume aus ganz verschiedenen Perioden der Antike stammen. Ein Raum ist dem Antiquarium gewidmet, in dem unter der Basilika ausgegrabenen Funde ausgestellt werden. Es sind verschiedene Vasen und Arbeitsgeräte, in die Augen sticht eine Sammlung islamischer Keramik, die ursprünglich den mittelalterlichen Turm der darüber liegenden Kirche schmückte.

Leider waren fast alle Kirchen unzugänglich. Zwei befinden sich im Moment in Restaurierung und stehen verstellt durch Baugerüste, bei zwei anderen hätten sie zwei Stunden warten müssen, um hineineingehen zu können. Monte Celio ist reich an wunderschönen Kirchen: die Basilika Santi Giovanni e Paulo; Santo Stefano Rotondo ist eine der ältesten Rundbau-Kirchen in Rom, man betritt die Kirche durch die Wand von Neros Aquädukt, sie ist von einer hohen Mauer umgeben und in einem waldähnlichen Park versteckt. Dann gibt es die Kirche von San Gregorio Magno, hinter der barocken Fassade versteckt sich eine frühchristliche Kirche, umgeben von kleinen Kapellen. Wenn man durch den kleinen Park am Monte Celio geht, an den Ruinen der Villa Celimontana vorbei, steht man vor der Kirche Santa Maria in Domenica, die mit wunderschönen Mosaiken aus dem 9. Jahrhundert ausgestattet ist. Etwas weiter weg, geleitet durch Zeichen auf dem Bürgersteig (als Pilgerweg) gelangt man zur Kirche des Klosters Santi Quattro Coronati. Viele von den Kirchen auf dem Monte Celio sind den Märtyrern gewidmet, die sich weigerten, den Götzen zu huldigen, und sich der christlichen Gemeinde angeschlossen haben; es mutet wie Publicity für Christentum an.

Die einzige weitere Kirche, die geöffnet und zugänglich war, befand sich auch in ein paar Minuten Entfernung und ist unter den Touristen sehr bekannt: die Basilika von San Clemente, dem Märtyrer. Mit ihren drei Ebenen, die übereinander liegen, ist sie wirklich faszinierend. Gleich beim Eingang wird man von dem herrlichen Apsismosaik und dem Marmormosaik auf dem Fußboden überwältigt. Die darunter liegenden Kirchen stammen aus dem 4 Jh. und man kann noch tiefer gelangen zu den Resten von Gebäuden aus dem 1. Jh. Ein Korridor führt zum Eingang einer Mithraeums, einer Mithras gewidmeten Kultstätte, der Weg hinaus führt durch Räume aus dem 1. Jh. Diese Kirche hatte sie schon bei früheren Besuchen in Rom gesehen, jetzt, im Kontext der ganzen Geschichte, dieses Teils von Rom, sah man, dass die Kirchen auf dem Monte Celio immer auf den Resten anderer Bauten entstanden waren. Die Gegend hier galt in der Antike schon als gute, wohlhabende Wohnlage, unweit vom Zentrum, sprich dem foro romano gelegen.

Man ist irgendwann wirklich überwältigt und müde von den vielen Kirchen-Besuchen, aber auch berauscht vom Atem der Geschichte und überrascht, wie unprätentiös die Römer mit ihren herrlichen Bauwerken umgehen. Sie dachte, sie würde gerne länger in dieser Stadt wohnen und leben können, um sich das alles einzuprägen und um besser verstehen zu können, wie das normale alltägliche Leben in diesen Denkmälern möglich ist. Neben den Kirchen gab es eine schöne, einfache Bar, in der man ganz preiswert essen und trinken konnte. Auch der Hund kam auf seine Kosten, er ist gelaufen, ohne auf Menschenmassen zu stoßen.

Ginkgo

Ewa Maria Slaska

Das Haus, in dem ich ab und zu arbeite, ist riesig groß. Im Laufe der Jahre belegten wir schon Zimmer in seinem verschiedenen Teilen. Diesmal, und es ist erst seit ein paar Wochen, befinden sich unsere Fenster direkt gegenüber Hochschule der Künste. Davor wachsen zwei wunderbare Ginkgobäume, die jetzt der hohen goldenen Flammen gleichen. Ich habe es schon seit Tagen mit Freude beobachtet, aber erst heute ist mir eingefallen, dass ich gerade diesen Baum schon vor fast 20 Jahren beschrieben habe. Ich war mir nicht sicher, ob ich den Text überhaupt finde, aber doch – hier ist er:

Ginkgo oder Ich mag Goethe nicht

Den Oktober verbrachten wir in Griechenland. Die Pracht von Blau und Weiß. Die Rückkehr nach Novemberberlin gleicht einem Schock. Es regnet. Alle Menschen in der U-Bahn sitzen mürrisch herum, schweigen und glotzen vor sich hin. Ihre Mundwinkel sind alle nach unten gesenkt, in einer grimmigen Grimasse von Unzufriedenheit, Neid und Verbissenheit. Die Berliner Fratze.

Es regnet die ganze Woche lang. Alles ist grau und kalt.

Samstag. Endlich blauer Himmel und Sonne. Kalt ist es immer noch, aber nicht mehr grau. Ich gehe spazieren, möchte goldene Bäume sehen. Auf dem Bayerischen Platz endlich ein paar Birken. Golden. Es ist kalt. Alle Straßen sind menschenleer. Die Bundesallee. Samstag früh – der Berliner will sich einmal ausschlafen. Vor mir ein großer goldener Baum. Ein Ginkgo. Groß, prächtig. Ein Baum, der von Goethe berühmt gemacht wurde. Daß ich eins und doppelt bin, schrieb er. Wie der Ginkgoblatt. Es ist ein Liebesgedicht. Goethe dachte dabei an sich und eine um 60 Jahre jüngere Frau.

Ich sammle ein paar Blätter. Als ich mich nach unten beuge, sehe ich ein paar Meter weiter einen anderen Goldbaum, unter dem sich zugleich drei Menschen, etwas pflückend, beugen. Chinesen, stelle ich fest. Drei Chinesen unter einem Ginkgo-Baum an einem menschenleeren Samstag. Der Baum dort ist kleiner. Die Chinesen arbeiten, das sieht man ihnen an. Es ist etwas zielbewußtes in ihren Bewegungen, rauf und runter. Jeder hält in der Hand eine durchsichtige, orangenfarbene Plastiktüte. Sie stecken das, was sie vom Boden heben, in diese Tüten. Ich bilde mir ein, daß sie die goldenen Blätter sammeln, um ein Zimmer mit den Ginkgo-Blättern zu tapezieren, damit ein schöner Meditationsraum entsteht. Einmal habe ich so ein Zimmer in einem fernöstlichen Haus gesehen, dessen Wände mit Magnolienblüten bedeckt waren. Es klingt romantischer als es aussah. Magnolienblüten mögen fabelhaft am Baum aussehen, aufgeklebt, sind sie schmutzigweiß. Ich hätte es lieber mit Ginkgo-Blättern gemacht.

Fest entschlossen, die Chinesen unter dem Baum gerade so ein Ziel vor den Augen haben und erpicht, ihnen zu helfen, gehe ich auf sie zu und behaupte, da, unter „meinem“ Baum, seien die Blätter schöner, beständiger, und in größerer Menge.

Es sind zwei Männer und eine Frau. Sie schauen mich mitleidig an und lachen. „Wissen Sie“, sagt die Chinesin und sie sagt es gerade so, wie die Chinesen sprechen, mit dünnem S, die durch eine dünne, kindliche Stimme fast komisch verändert wird. „Der Baum da, der ist ein Mann, der taugt nicht“.

„Und?“ – frage ich. „Dies da ist eine Frau und hat Früchte“. Sie zeigen mir kleine, rosiggelbe Beeren. Hilflos suche ich mir ein paar Früchte zusammen und schnupfe an ihnen. Sie riechen unangenehm, nicht schlecht, aber gerade so – unangenehm, nach Hundepisse. Die Chinesen essen doch alles, erinnere ich mich plötzlich. Ich bin keine Chinesin, für mich sind diese Früchte weder eine Bereicherung langweiliger europäischer Nahrung im Exil, noch ein Stück ferner Heimat an einem kalten Tag. Es sind ganz einfach kleine Beeren, die unangenehm riechen. Etwas ist in mir verlorengegangen, obwohl ich es nicht genauer weiß, was.

Mir kommt es vor, als ob ich wüßte, der Ginkgobaum sei männlich und weiblich. Ich bringe es nicht über mich, die Früchte zu kosten. Ich mache mir ein schönes herbstliches Gedeck. Ein paar weibliche Beeren mit zwei männlichen Blättern. Aber essen möchte ich davon nicht.

Der Ginkgo, der dank einem Dichter zum Symbol der Einigkeit zweier sich liebenden Menschen avancierte, ist in Wirklichkeit für uns, die wir keine Sachkundigen sind, eine Seltenheit – ein Baum, der entweder weiblich oder männlich ist. Geteilt. Fern von einander. Auf ewig und immer. Bis auf Gott sie verbindet.

Und der Mann, der taugt nicht.
Berlin im November 2000.


PS vom 16. Oktober 2019:

Die Ginkgobeeren werden geröstet und sollen eine Delikatesse sein, die man gern in China während einer Hochzeit serviert. Zwei Leute aus meiner Familie haben vor 10 Jahren geheiratet. Eine Rosenhochzeit wäre es, ist aber anders geworden… Trotzdem wünsche ich den beiden, dass sie glücklich sind. Auf Polnisch sind die Namen anders und sie ändern sich – als ich jung war und meine Eltern 10. Jahrestag ihrer Hochzeit feierten, hieß es “żelazne wesele” – Eiserne Hochzeit. Heutzutage ist es Aluminium oder Zinn. Und wiederum die Eiserne Hochzeit ist in Deutschland Name für den 65. Jahrestag der Ehe…


Und noch Goethes Gedicht (falls man sich nicht an Anhieb daran erinnert)

Ginkgo Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin ?

Johann Wolfgang von Goethe 1815
(1749 – 1832)

Dieses Gedicht, schrieb der Homepageautor, wo ich das gefunden habe, hat Johann Wolfgang von Goethe für seine späte Liebe Marianne von Willemer geschrieben.

Das Ginkgoblatt wird darin als Sinnbild für Liebe und Freundschaft beschrieben.

Känguru zwischen Shakespeare und Cervantes

Marc-Uwe Kling, Die Känguru-Offenbarung, Ullstein 2014

Hollywood

»Du willst einer von den ganz Großen werden?«, fragte der 30-Prozentling. »Du bist doch nur ein Zwerg!«»Ja, aber ich kan zaubern«, sagte der Zauberzwerg.
Aus Der Zauberzwerg
von Thorsten Mann

»Frag du bitte mal nach dem Weg«, sagt mein Agent, als wir den großen Studiokomplex betreten.
»Gleich nach meinem ersten erfolgreichen Film suche ich mir einen neuen Agenten«, sage ich. »Einen, dessen Englischkenntnisse sich nicht out of office und fuck you beschränken.«
»Manche Leute kommen mit fuck you durch ihr ganzes Leben«, sagt das Känguru.
»Wenzel hatte mir eine Wegbeschreibung geschickt, aber ich habe sie aus Versehen von meinem Telefon gelöscht«, sagt mein Agent. »Meine Finger sind irgendwie zu dick für den Tatschskrien.«
»Warum ist Wenzel Skowronek eigentlich nicht mehr bei dir unter Vertrag«, frage ich. (Wenzel Skowronek ist der Autor des Romans Wunderhure, der im Kling-Buch immer wieder zitiert wird, auch weiter unten, weil man ihn gerade in Hollywood verfilmt, mit Peter Dinklage in der Hauptrolle – Anm. der Red.)
»Ich frage mich bis heute warum, aber gleich nach seinem ersten erfolgreichen Film hat er sich einen anderen Agenten gesucht.«
»Understandable, understandable«, singe ich vor mich hin.
»Wie?«, fragt mein Agent.
»Nichts«, sage ich. »Nur ein Ohrwurm.«
Ich frage nach dem Weg, und wir werden in eine große Halle geführt. Drinnen wuseln ganz viele Menschen um einen sehr kleinen Schauspieler und eine sehr leicht bekleidete Schauspielerin herum, die vor einer grünen Wand stehen.
»I stood eye to eye with the faceless terror«, sagt der kleine Schauspieler gerade. »I have wrestled with the poisonous slime gnomes of Glubsch and have bin riding the guiant spider Gorocola, but I’ve never had such a fear as now, when I want ask you: Would you go to the prom with me?«»I can not!«, sagt die Schauspielerin, den Tränen nähe. »The king of the lost city, my pimp, wants me to go with Brian, the son of Dragondoel the pale blue wizzard!«
Das Känguru ist hin und weg.
»Schantt’al«, murmelt er entrückt.
Irgendwo ruf jemand: »Cut!«
Ein Assistent kommt und gleitet mich und meinen Agenten in das Büro des Produzenten.
»Sank you sat you meeting us!« sagt mein Agent. »We knowing you time is little…«
»Zufälligerweise spreche ich Deutsch«, sagt der Produzent. (Zufälligerweise sprechen in Klings Bücher immer alle Deutsch – Anm. d. Red.)
»Äh… danke für diese Audienz…«
Der Produzent tut so, als hätte er eine unsichtbare Fernbedienung in der Hand, drückt drauf und sagt: »Fast forward«
»Äh wie?« fragt mein Agent.
»Vorspulen«, sagt der Produzent. »Eräzhlen Sie mir ihre Idee. Meine Zeit ist klein.«
»Klar, klar«, sage ich. »Eine Endzeit-Story.«
»Teuer«, sagt der Produzent.
»Ja… äh… also, es gibt keine Länder mehr, sondern nur noch Konzerne. Die Leute haben keine Staaatsangehörigkeit mehr, sondern nur noch Konzernangehörigkeit.«
»Massives Product-Placement«, sagt der Produzent. »Sehr gut.«
»Aber es gibt nicht mal mehr richtige Konzerne«, sage ich, »es gibt nur noch sogenannte Failing corporations
»Zu verkopft«, sagt der Produzent. »Ich warte noch drei Sekunden auf eine zündende Idee. Drei, zwei…«
»Es ist eine Endzeitkomödie!« rufe ich. »Die Leute sind total glücklich, dass alles kaputt ist.«
»Lesen Sie mir den Anfang vor.«
Ich tue, wie mir geheißen.
»Eine Frau und ein Mann sitzen vor einer Ruine. Zahlreiche Kinder spielen auf einer Müllkippe.
DIE FRAU
Schau nur, wie glücklich unsere Kinder spielen… (…)«
Der Produzent drückt auf seine imaginäre Fernbedienung. »Stopp.«
»Wie?«
»Erzählen Sie mir das Ende.«
»Ach so. Na, am Ende kommt raus, dass alle nur deswegen so happy sind, weil haufenweise Stimmungsaufheller ins Trinkwasser gemischt werden. Aber die Leute, die es rausfinden, sind so gut drauf, dass es ihnen egal ist.«
»I will call you. Don’t call me«, sagt der Produzent. »I will be out of office.«
»Wie? Was?« frage ich.
»Er sagte, er sei aut off offiss«, sagt mein Agent. »Das bedeutet fack ju.«
»Ich habe noch eine andere Idee!« rufe ich.
»Stopp«, sagt der Produzent und drückt auf seine imaginäre Fernbedinung.
»Könnten Sie das bitte lassen?« frage ich. »Das ist irgendwie entwürdigend.«
»Stumm«, sagt der Produzent und deutet mit seiner imaginären Fernbedinung auf mich. »Es geht um Vampire!« rufe ich.
»Abspielen.«
»Shakespeare und Cervantes sind ja beide im Frühjahr 1616 gestorben. Das ist Weltbekannt, aber nur die wenigsten wissen, dass die Dichter von einem Groupie-Vampir gebissen worden waren und selbst Vampire wurden. Die beiden sind jetzt Mitte vierhundert und stecken voll in der Midlife-Crisis. Ich lese mal kurz Szene vor, die spielt nachts in einer Bar:

WILLIAM
Erinnerst du dich, Freund? Früher, da waren die Leute gastfreundlich. Rein oder nicht rein, das war gar keine Frage. Heutzutage hingegen öffnet einem keiner mehr seine Tür. Alle glauben, man wäre von den zeugen Jehovas oder von einer DSL-Anbieter…
MIGUEL
Ach, ich trinke, wenn sich mir eine Gelegenheit bietet, und ich trinke auch, wenn sich mir keine Gelegenheit bietet, aber entsetzlich ist es, dass man jetzt vor dem Biss immer einen Aids-Test machen muss!
WILLIAM
Meiner Eckzähne wegen hat mir mein Dentist eine festsitzende Zahnspange eingesetzt.
(William zeigt seine Zahnspange.)
Auch lässt mein Augenlicht nach, und leider fällt mir das Einsetzen der Kontaktlinsen immer sehr schwer, weil ich mich ja nicht im Spiegel sehen kann.
MIGUEL
Würde dir gerne helfen, aber wenn der Blinde den Blinden führt, fallen beide in die Grube. Ich glaube, ich habe mir auch schon wieder die rechte Linse ins linke Auge gestezt und umgekehrt.
WILLIAM
Klar, niemand heilt durch Jammern seinen Schaden, aber lasern lassen… ich weiß nicht, ich bin doch so lichtempfindlich. Apropos. Ich muss dann auch mal. Da geht ja schon fast die Sonne auf.

Und dann fliegt er behände mit dem Kopf gegen den Türrahmen. Die Handlung…«


»Stopp«, sagt der Produzent. »Kommen Sie wieder, wenn Sie etwas über die epische Schlacht zwischen Gut und Böse geschrieben haben.« (siehe dazu den Beitrag vom letzten Montag – Anm. d. Red.)
»Hexen!« rufe ich. »Ein Film über drei Hexen im Mittelalter, die alle so gestresst sind (…)«
Der Produzent deutet mit seiner unsichtbaren Fernbedienung erst auf einem Sicherheitsmann und dann auf uns.
»Eject?« fragt der Sicherheitsmann.
Der Produzent nickt, und gleich danach stehen wir vor der Tür.

Die Wahlen und die Mauer

13. Oktober 2019

30 Jahre Mauerfall: Migranten, Flüchtlinge und Grenzgänger am Stettiner Bahnhof

Es ist der Tag, an dem die Polen in Polen und im Ausland zu den Wahl-Urnen gehen, um über das Schicksal ihres Landes in nächsten vier Jahre und demnach in der weiteren Zukunft zu entscheiden. Es geht ihnen dabei um eine tiefgehende Wahl zwischen zwei Optionen – der proeuropäischen Demokratie und dem national-katholischen Konservatismus. Dazwischen liegt ein unüberwindbarer Graben, der quer durch Europa führt. Paradoxerweise machen wir uns Sorgen um die demokratische Zukunft EUs in der Zeit der Feierlichkeiten zum 30 Jahre des Falls der Berliner Mauer. Ist der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West gefallen, um den Platz für den andere harte Grenze zwischen den beiden Teilen Europas zu machen?

An diesem schicksalträchtigen Tag laden wir ein zu einer Stadtteil-Führung um Nordbahnhof und Gedenkstätte für die Opfer der Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Auch dabei geht es uns um die Grenzen zwischen den Welten. Der Bahnhof diente deren Überwindung, die Mauer – der Trennung.

Wir treffen uns heute (Sonntag 13. Oktober 2019) um 14 Uhr
vor dem Haupteingang zum Nordbahnhof
Invalidenstr. 131
10115 Berlin

Karte


Unseren Rundgang starten wir am Ort, der früher Hoffnung auf eine bessere Zukunft verhieß: am ehemaligen Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof). Viele spätere Berliner kamen hier an, um ein neues Leben in der Hauptstadt zu beginnen.

Berlin Nordbahnhof (bis 1950: Stettiner Bahnhof) war einer der großen Berliner Kopfbahnhöfe. Bis 1952 war er Ausgangspunkt der Bahnstrecke zum pommerschen Stettin. Es existiert neben einem Gebäuderest des Vorortbahnhofs nur noch der unterirdische S-Bahnhof.

Direkt am Nordbahnhof liegt die Gedenkstätte für die Opfer, die an der Berliner Mauer gestorben sind.

Bei dem Rundgang erfahren wir vieles über die Berliner Mauer und ihre Opfer – Männer und Frauen, die – ebenso auf der Suche nach Glück und besserer Zukunft – ihr Leben ließen, um dem Regime in der DDR, der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion zu entfliehen. Berliner Mauer ist wie kaum ein anderer Ort in Europa ein Symbol für die Teilung des Kontinents in Ost und West nach dem 2. Weltkrieg. Noch bis 1989 verlief durch Berlin der sog. Eiserne Vorhang, der fast einer Kriegslinie glich.

Und die Mauer ist hier immer noch da – ob als Gedenkstätte in der Bernauer Straße oder als die in den letzten Jahren entstandene Literatur, die sich mit diesem Thema befasst. Magdalena Parys ist als junges Mädchen aus Stettin nach Berlin umgesiedelt und hat sich 2011 in ihrem Erstlingsroman „Der Tunnel“ mit dem Thema der Berliner Mauer auseinander gesetzt. Ihr nächstes Buch, „Der Magier“ (2015), das in Osteuropa, u. a. an der bulgarischen Grenze spielt, wurde 2018 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet.

Aber die Gedenkstätte der Berliner Mauer ist nicht nur den Opfer gewidmet.

Man findet hier auch mehrere Hoffnungssymbole – die Versöhnungskapelle, das Roggenfeld, die Glocke, das Kreuz…

Fotos: Ela Kargol / Foto von Magdalena Parys: Marian Stefanowski


Im Programm:
Besichtigung der Umgebung von Stettiner Bahnhof
Besichtigung der Gedenkstätte Bernauer Straße
Spaziergang der Mauer entlang mit Besprechung der Bücher von Magdalena Parys
Tschechisches Abendbrot im OstPost (Choriner Str.)

Unser Stadtführer Martin Januszewski ist ein gebürtiger Stettiner, der seit ca. 20 Jahren zwischen mehreren Welten und Kulturen pendelt.
Berlin and Potsdam Guide / Martin Januszewski


Kontakt: Ewa Maria Slaska, 0171 1939 582, ewaslaska@gmx.de

Anmerkung: Die Osteuropa-Tage Berlin fnden in diesem Format seit 2017 statt und werden seit diesem Jahr von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert. Dahinter steht ein interkulturelles Team, das aus dem Berliner Verein Städtepartner Stettin hervorgegangen ist.

Reblog für eine Archäologin

Vor ein paar Wochen publizierte (rebloggte) ich HIER eine Fantasy-Liebes-Geschichte über Pompei und Ausbruch des Vesuvs vor 1940 Jahren. Jetzt lasse ich die Wissenschaft zum Wort. Und das erste, was die Wissenschaft uns sagt, ist es, dass der berühmteste Vulkansausbruch der Welt nicht am 24. August, wie bis jetzt vermutet, sondern eben im Oktober statt fand. Zwei Monate Unterschied. Für Archäologen kein Grund zu sorgen. Wir bewegen uns eh in der Zeitfenster von Jahren, Jahrzenten, Jahrtausenden oder gar mehr.

Werden die verkohlten Papyri aus Pompeji nun endlich entziffert?

Jene Schriftrollen, die beim Ausbruch des Vesuv zerstört wurden, könnten dank neuer Methoden lesbar werden. Womöglich befinden sich darunter verschollene Klassiker

Klaus Taschwer

4. Oktober 2019

Wann genau der Vesuv im Jahr 79 unserer Zeitrechnung ausbrach, ist fast 2000 Jahre später immer noch unklar. Erst vor einem Jahr stieß man bei Ausgrabungen in Pompeji auf ein Graffito, das vermutlich vom 17. Oktober des Jahres 79 stammt. Deshalb nimmt man nun an, dass die verheerende Eruption, die Pompeji, Herculaneum und zwei weitere Städte unter einer bis zu 25 Meter hohen Schicht aus vulkanischer Asche und Bimsstein begrub, am 24. Oktober stattgefunden haben dürfte.

Fast 1700 Jahre später begann man dort mit den wissenschaftlichen Ausgrabungen. Und bereits im Jahr 1752 entdeckte man bei Grabungen in Herculaneum eine Sammlung von etwa 1800 Schriftrollen. Fundort dieser bis heute einzigartigen Bibliothek war übrigens eine Villa, die dem Schwiegervater von Julius Cäsar gehört haben dürfte.

Einzige “erhaltene” antike Bibliothek.

Diese Schriftrollen, die heute zum Gutteil in der Biblioteca Nazionale di Napoli aufbewahrt werden, bilden die einzige bekannte Textsammlung der Antike, die sich als Ganze erhalten hat – aber eben nur in völlig verkohlter und entsprechend fragiler Form. Entsprechend brachten alle Versuche, die verkohlten Papyri wieder auszurollen, nicht wirklich brauchbare Ergebnisse. Zudem gehen Forscher davon aus, dass die noch sichtbare Schrift durch den Kontakt mit der Luft vollends verschwinden könnte.

Doch seit ein paar Jahren gibt es neue Hoffnung. 2016 gelang Forschern um Brent Seales (University of Kentucky) nämlich ein wichtiger Durchbruch: Sie schafften es, eine 1.700 Jahre alte, ebenfalls verbrannte hebräische Schriftrolle mit hochenergetischen Röntgenstrahlen so zu durchleuchten, dass der verborgene Text tatsächlich lesbar wurde. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Text aus dem biblischen Buch Levitikus.

Der “digitale Restaurator” Brent Seales erklärt, wie er die hebräische Schriftrolle lesbar machte.

Eine wahre Herkulesaufgabe.

Das neue Forschungsunterfangen, das der international führende “digitale Restaurator” alter Texte nun mit zwei Schriftrollen aus Herculaneum begonnen hat, ist freilich ungleich herausfordernder und, wenn das Wortspiel erlaubt ist: eine wahre Herkulesaufgabe.

Während die Tinte der hebräischen Schriftrolle feinste Metallpartikel enthielt und deshalb bei Röntgenbestrahlung relativ gut sichtbar wurde, hat man für die Schriftrollen aus Herculaneum Tinte auf Kohlenstoffbasis mit ganz wenig Blei verwendet – jedenfalls bei jenen Schriftrollen, die nun analysiert werden. Das mache es unmöglich, den Inhalt der Schriftrollen mit “normalen” Röntgenstrahlen sichtbar zu machen, so Seales.

Energiereiche Strahlen und KI

Er setzte deshalb auf besonders energiereiche Röntgenstrahlen der britischen Synchrotronstrahlungsquelle Diamond Light Force, wo in den letzten Wochen zahllose Scans der beiden antiken Schriftrollen gemacht wurden, die dem Collège de France gehören. Für die Analyse dieser Scans wird dann maschinelles Lernen eingesetzt.

Das ist eine Methode aus der KI-Forschung, bei der Software “trainiert” wird, um sich selbstlernend zu verbessern. Konkret soll der Algorithmus mittels vier Fragmenten, die ebenfalls durchleuchtet wurden, minimalste Unterschiede zwischen beschriebenen und unbeschriebenen Bereichen erkennen lernen.

Eines der vier Fragmente, das bei der Entzifferung helfen soll.

Griechisch oder Lateinisch?
Ob das auch tatsächlich gelingen wird, ist noch offen und wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. Dann aber könnte die Methode für alle weiteren rund 1.000 Schriftrollen verwendet werden, die noch nicht völlig zerstört sind. Die wenigen identifizierten Schriftrollen waren übrigens auf Griechisch verfasst, was für die restlichen Papyri nicht gelten muss, wie der Papyrologe und Gräzist Dirk Obbink von der Uni Oxford erklärt, der beim Training der Algorithmen half.

Er ist besonders neugierig, was sich in den Rollen verbirgt und verweist unter anderem darauf, dass erst im Vorjahr ein neues historisches Werk von Seneca dem Älteren unter den Papyri aus Herculaneum entdeckt wurde. Obbink hofft, dass die noch unentzifferten Schriftrollen womöglich sogar verschollene Werke der Antike wie die Gedichte Sapphos oder die Abhandlung von Marcus Antonius über seine eigene Trunkenheit enthalten könnten. Letztere würde er besonders gerne lesen.

Neues aus der Känguru-Welt oder wo ist hier der Don Quijote?

Marc-Uwe Kling, Känguru-Offenbarung, Ullstein 2014

Grandeur

»KENNST DU DIESEN PINGUIN?«, ruft das Känguru und hält meinem Lektor das Passbild des Pinguins unter die Nase. (Im ganzen Buch ist man zuerst auf der Suche nach einem Pinguin, dann aber… o neee, liest lieber selber – Anm. d. Red.)
»Gutes Foto«, sagt mein Lektor. »Wollen wir das aufs Cover nehmen?«
»Auf keinen Fall«, sage ich. Wir sitzen im Innenhof des Hauptsitzes der Ullstein Buchverlage an einem Gartentisch.
Mein Lektor blättert in den Aufzeichnungen über die Abenteuer, die wir erlebt haben, seitdem das Känguru wieder zurück ist.
»Du musst dir immer klarmachen, dass dieses Buch das Finale eurer Triologie ist«, sagt er. »Und fürs Finale fehlt mir Grandeıır«
»Grandeur?«, frage ich skeptisch.
»Größer, weiter, mehr«, sagt mein Lektor.
»Eine Jagd rund um den Globus, oder was?«, frage ich genervt.
»Ja! Super. Könntet ihr nicht den Pinguin verfolgen? Der Pinguin ist ja eh eine Art MacGuffin.«
»Eine Art was?«, fragt das Känguru.
»Ein MacGuffin«, sagt mein Lektor, »ist zum Beispiel der Malteser Falke im Malteser Falken, der leuchtende Koffer in Pulp Fiction oder der Datenträger mit der wahren Identität aller CIA-Agenten in jedem zweiten Actionthriller. Hitchcock hat diesen Begriff geprägt. Er bezeichnete damit Objekte oder Personen, die dazu dienen, die Handlung voranzutreiben, selbst aber von keinem besonderen Interesse sind.«
»Kennt ihr Hitchcocks Lieblingswitz?«, frage ich. »Zwei Ziegen fressen die Rollen eines Films auf der nach einem Bestseller gedreht worden ist. Sagt die eine Ziege zur anderen: Mir war das Buch lieber.«
»Hitchcock hat auch gerne folgende Geschichte erzält«, sagt mein Lektor. »Es gab mal einen Drehbuchautor, der hatte seine besten Einfälle meist mitten in der Nacht, konnte sich am nächsten Morgen aber immer an nichts mehr erinnem. Also beschloss er, Papier und Bleistift neben das Bett zu legen. Gleich in der darauffolgenden Nacht hatte er eine tolle Idee. Schnell schrieb er sie auf und schlief zufrieden wieder ein. Am nächsten Morgen schaute er auf den Zettel, und da stand: Boy meets girl.«
»Worauf willst du hinaus?«, frage ich.
»Kannst du nicht diese angedeutete Lovestory mit Gott ausbauen?« (Gott ist der Name einer Frau, die dem Erzähler gefällt – Anm. der Red.)
»Ja, schreib doch, wie du einsam und verzweifelt bist, dann aber zu Gott findest«, sagt das Känguru.
»Entschuldigung«, sage ich empört, »aber Verfolgungsjagden, Lovestorys, Unfug! Ich schreibe hier einen Tatsachenroman! In diesem Buch steht nichts als die Wahrheit…«
»… so wahr dir Gott helfe«, sagt das Känguru.
»Liebesgeschichten. Das ist es, was die Leute lesen wollen«, sagt mein Lektor.
»Oder natürlich Fantasy«, sagt das Känguru.
Ich verdrehe die Augen.
»Ich muss ja gestehen«, sagt mein Lektor, »ich selber lese auch am liebsten Fantasy.«
»Wie bitte?«, frage ich.
»Ich muss für meine Arbeit immer schon so langweilige Sachen lesen«, sagt mein Lektor, »drum schmökere ich in meiner Freizeit gerne in spannenden Bücher.«
»Ich habe ihm auch schon gesagt, er soll lieber über die epische Schlacht zwischen Gut und Böse schreiben«, sagt das Känguru.
»Langweilt euch das eigentlich nicht längst?«, frage ich. »Als Finale immer und immer wieder eine epische Schlacht? Eine epische Schlacht übrigens, die ja in den meisten Fällen auch eine ethnische Schlacht ist. Nach dem Motto: Nur ein toter Ork ist ein guter Ork. Und natürlich immer wieder die guten Menschen aus dem Westen gegen die bösen Horden aus dem Osten. Geradezu rassistisch, wenn man mal drüber nachdenkt. Es wäre doch witzig wenn es als Finale statt einer epischen Schlacht mal eine ethische Schlacht geben würde. Also ein Fantasy-Buch, dass niclıt mit Gemetzel, sondern mit eiııer Diskussion endet. Anstatt dass der gute König über den bösen Uııterdrücker obsiegt, debattieren die Helden darüber, ob es so etwas überhaupt gibt, einen guten König, oder ob das nicht schon ein Widerspruch in sich ist.«
»Iclı glaube nicht, dass das funktionieren würde«, sagt das Känguru.
»Zu verkopft«, sagt mein Lektor.
»In welcher Fantasy-Serie steckst Du denn gerade?«, fragt das Käııgııru.
»Ich lese gerade Thorsten Mann«, sagt mein Lektor.
»Thomas?«, frage ich.
»Nein, nein. Thorsten Mann. Der Zauberzwerg
»Drei oder Sieben?«, fragt das Käııguru.
»Eine Triologie«, sagt mein Lektor.
»Es heißt Trilogie, nicht Triologie«, sage ich.
»Sicher?«, fragt mein Lektor,
»Ja.«
»Hm.« Er macht sich eine Notiz. »Ich darf nicht vergessen, deinen Klappentext noch mal zu überarbeiten.«
»Um was geht’s denn im Zauberzwerg?«, fragt das Känguru.
»Der Zauberzwerg Imli und seine Gefährten, darunter der Dreißig-Prozentling Rodo, müssen den Helm des Mambrin finden – übrigens auch eine Art MacGuffin -, um den guten König des Westens Eoden von seiner Geisteskrankheit zu befreien…«

»Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit«, sage ich.
»Apropos geisteskrank«, sagt mein Lektor, »Diese Kapitel über deinen Psychiater, die sind mir zu abgefahren. Können wir die bitte rausnehmen? Gerade das letzte. Da weiß man ja nicht mal, ob das jetzt ein Traum sein soll oder nicht.« (Der Psychiater ist wahrscheinlich ein Homosexueller und macht den Erzähler an – Anm. d. Red.)
»Spielst du eigentlich auch World of Warcraft?«, fragt das Känguru.
»Na klar«, sagt mein Lektor. »Ehrensache.«
»Ich habe erst gestern eine echt epische Schlacht mit Dein Vatern«, sagt das Känguru.
Ich ziehe meine rechte Augenbraue nach oben.
»Der Typ, mit dem ich gekämpft habe«, sagt das Känguru. »Der hat sich so genannt, Dein Vater. Weiß auch nicht, was das soll.«
»Das ist ja witzig«, sagt mein Lektor.
»Das ist nicht witzig, das ist nervig«, sage ich.
Mein Lektor lacht uııd sagt: »Nein. Das ist witzig, denn ich bin DEIN VATER!«
Ich kratze mich an der Nase.
»Das ist supernervig«, sage ich. »Du hast dich nur so genannt, um irgendwann mal diesen Witz machen zu köıınen. Außerdem ist es seit dem Zweiten Komikerkonzil strengstens verboten, ich-bin-dein-Vater-Witze zu machen.«
»Was liest du denn gerade?«, fragt mein Lektar das Känguru.
»Der Alchimist«, sagt es. »Der Titel hat mich getäuscht. Aber dann habe ich trotzdem weitergelesen. Ich wollte wissen, warum das so erfolgreich ist.«
»Und?«, frage ich.
»Es ist furchtbarer Kitsch«, sagt das Känguru angewidert »Keine Monster, kein Gemetzel. Keine epische Schlacht. Nicht mal eine ethische. Was soll das? Das ist Wellness-Fantasy! Und obendrauf noch diese furchtbar abgeschmackte You can do it if you really want -Verarsche. Ich meine, als ob.«
»Allerdings Wellness-Fantasy mit 65 Millionen verkauften Exemplare«, sagt mein Lektor. »Und Marc-Uwe, natürlich hat das Buch auch eine Lovestory.«
»Du verstehst nicht«, sage ich. »Ich bin kein Schriftsteller, ich bin nur Chronist. Ich kann nur aufschreiben, was wirklich passiert ist. Immer wenn ich anfange, mir Sachen auszudenken, kriege ich sofort eine Schreibblockade.«
»Ja, aber was wirklich passiert ist, ist doch auch nur Ansichtssache«, sagt mein Lektor. »Da kann man doch ein bisschen schummeln. Du bist der Erzähler, Du entscheidest, was im Buch landet.«
»Das stimmt«, sagt das Känguru. »Ich meine, wer kann schon sagen, ob ich das, was ich gerade sage, wirklich gesagt habe. Vielleicht habe ich etwas völlig anderes gesagt als das, was die Leute am Ende lesen.«
»Ja«, sage ich, »Das ist gut möglich.«
»Wahrscheinlich haben wir dich noch weiter endlos mit Nacherzählungen von Fantasy-Romanen genervt«, sagt mein Lektor.
»Ja. Wahrscheinlich.«
»Habe ich dir übrigens schon mal gesagt, dass ich dich bewundere?«, fragt das Känguru. »Du bist so witzig und intelligent. Und du hast fast immer recht. Hier hast du übrigens all das Geld zurück, das du an mich beim Wetten verloren hast.«

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*Schreibblockade, die: Zustand, in dem man frustriert mit beiden Fäusten auf die Tastatur haut (Anm. des Chronisten)