Frauenblick aufs andere Land

Monika Wrzosek-Müller

No Other Land. Der Film

Vor einer Woche haben wir den Film No Other Land gesehen. Dann kam Ewas Eintrag: bissl optimistisch, die Buchvorstellung Und es wurde Licht… von Igal Avidan. Ja, es gibt Beispiele positiver Beziehungen zwischen einzelnen Israelis und einzelnen Palästinensern, aber manchmal, oder eben auch nach dem Film, bleibt einem das Bisschen Hoffnung im Hals stecken, auch wenn der Film – bis auf eine letzte Szene – kurz vor dem 7. Oktober 2023 zu Ende gedreht wurde.

Continue reading “Frauenblick aufs andere Land”

Frauenblick auf…

…die Veränderungen rundherum

Monika Wrzosek-Müller

Ich fahre immer wieder nach Warthe; in ein wunderschönes Fleckchen Erde in der mittleren Uckermark. Normalerweise dauert die Fahrt nicht lang, eine Stunde und zwanzig Minuten. Leider wird seit einem Monat die B 96 in der Höhe von Nassenheide erneuert und ist ab dort gesperrt. Dass eine Fahrbahn erneuert werden muss, ist an sich normal, und irgendwann muss das auch geschehen. Vielleicht hat man dabei sogar bedacht, dass während der Sommerferien weniger Menschen die Strecke benutzen, doch es ist auch eine touristische Region, also kommen in dieser Jahreszeit sogar mehr Menschen hierher. Der Umweg über den Berliner Ring verlängert die Anfahrtszeit um ca. 40 Minuten, so dass man jetzt doch zwei Stunden braucht. Leider sind auch auf dieser Strecke Bauarbeiten im Gang (es wurde überall Split aufgetragen, um die Fahrbahn auszugleichen), die fast die ganze Umleitung begleiten und die Fahrgeschwindigkeit auf 30 km reduzieren. Das verlängert die Fahrt noch einmal beträchtlich. Noch unverständlicher für mich war aber, dass einmal die Strecke über Nassenheide plötzlich freigegeben wurde und laut GPS die alte Strecke als befahrbar erschien, obwohl die Arbeiten gar nicht beendet worden waren. Ich habe mich darauf verlassen und dann einen Horrortrip durch die Seitenstraßen im Ort Nassenheide erlebt; natürlich war es den Häuschenbesitzern in den Wohnstraßen gar nicht recht, den ganzen Verkehr in den Norden vor ihrer Nase vorbeirollen zu sehen. Natürlich haben sie auch versucht, den Verkehr zu blockieren. Es gab unschöne Szenen.

Continue reading “Frauenblick auf…”

Brief an Frau Ministerin

Monika Wrzosek-Müller

Sehr geehrte Frau Ministerin,

dieses Jahr musste ich mehrfach die deutsch-polnische Grenze mit dem Auto auf der „Autobahn der Freiheit“ passieren, etliche Male im Mai und Juni, dann im Spätsommer und jetzt wieder im späten Herbst. Jedes Mal musste ich bei der Rückkehr nach Deutschland an der Grenze lange im Stau warten; einmal betrug wie Wartezeit volle vier Stunden.

Continue reading “Brief an Frau Ministerin”

Erinnerungen an Yorkshire

Christine Ziegler

Ich habe alte Negative auf die Schnelle gescannt, denn damals, 1988, hatte ich alle Bilder zu Postkarten gemacht. Und nun war ich neugierig, was ich auf den Filmstreifen wohl finden würde. Was für ein schönes Land in Yorkshire, was für eine tolle und wichtige Zeit, mein Jahr in Sheffield. Erinnerungen tauchen auf, so vage wie diese Fotos. Die Zeit war erfüllt, heute denke ich, was ich um die nächste Ecke noch alles hätte entdecken können…

Continue reading “Erinnerungen an Yorkshire”

Heute ein Bißl optimistisch

Aus Amazon:

Gute Nachrichten sind selten eine Meldung wert – auch nicht, wenn sie in diesen Tagen aus Israel kommen. Dabei gibt es sie, und sie sind nachzulesen in diesem Buch, das rechtzeitig zum 75. Jahrestag der Staatsgründung erscheint. Der israelische Journalist und Autor Igal Avidan berichtet, entgegen der üblichen Fernsehbilder, aus einer bewegten Gesellschaft, in der Juden und Araber längst ein Zusammenleben gefunden haben, das den Vorstellungen von ewigem Hass (von Politikern auf beiden Seiten gern geschürt) nicht entspricht. Eine friedliche und zugleich brüchige Co-Existenz auf dem Vulkan – davon erfährt man in diesen Reportagen aus dem Alltags­leben in Israel. Gewaltsame Übergriffe sind zwar an der Tagesordnung, gegenseitige Hilfe, Solidarität, Nachbar- und Freundschaft aber auch. Dieses Buch zeigt, dass die israelische Gesellschaft – allen Rückschlägen zum Trotz – dabei ist, zusammenzuwachsen.

»1991, als die Israelis von irakischen Raketen ­bedroht wurden, reiste ich dorthin, um mich mit den Menschen zu solidarisieren. Igal ­Avidan sorgt sich heute um die innere Bedrohung ­Israels. In seinem Buch redet er nicht nur über Israel, er redet mit Israelis – Juden wie Arabern. So gibt er die Stimmen derer wieder, die in den Medien sonst selten Gehör finden. Sein Buch differenziert, jenseits bestehender Klischees und Vorurteile.«
Günter Wallraff

Zum Lesen: https://www.google.de/books/edition/und_es_wurde_Licht/QlS7EAAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&pg=PT4&printsec=frontcover

Zerschnittenes Leben

Michael G. Müller

„Zerschnittenes Leben“ (Życie przecięte) – so der Titel eines 2008 in Warschau erschienenen Buchs von Joanna Wiszniewicz, einer Sammlung von Interviews mit jüdischen Menschen in Polen, deren Leben vierzig Jahre zuvor, durch die antisemitische Kampagne des Gomulka-Regimes von 1968 radikal verändert worden war. Buchstäblich über Nacht verloren viele polnische Jüdinnen und Juden ihre Arbeit oder ihren Studienplatz, ihr soziales Umfeld; viele wurden zur Emigration gezwungen oder kamen der Marginalisierung durch freiwillige Auswanderung zuvor. Für viele ein ebenso unvorhersehbarer wie radikaler und nicht zu kittender Bruch der eigenen Biographie – zerschnittenes Leben.

Continue reading “Zerschnittenes Leben”

Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Meine Ukrainerin

In der Ukraine naht der dritte Kriegswinter. Was das für die Menschen dort bedeutet, erfahren wir gelegentlich aus den guten Reportagen von Korrespondenten vor Ort, bei der ARD von Vassili Golod und beim ZDF von Katrin Eigendorf. Wirklich vorstellen können wir uns nicht, was es bedeutet, jeden Tag ums Überleben zu kämpfen. Immer wieder von Drohnen- und Raketenangriffen bedroht zu sein und bei jedem Luftalarm Stunden im Bunker, in U-Bahnstationen oder Kellern verbringen zu müssen, immer wieder aufs Neue zu fürchten, dass die nächste Rakete auch auf das eigene Haus treffen könnte. Dazu die Engpässe bei der Stromversorgung, bei Lebensmitteln, Medikamenten und vieles andere mehr…Vielleicht am ehesten können das die Palästinenser oder im Moment auch die Spanier aus der Region Valencia nachvollziehen. Dass wir im Westen doch so wenig Empathie aufbringen, wundert mich sehr, dass wir die Ukraine immer noch so halbherzig unterstützen, mit zwei Schritten nach vorn und drei zurück. Dass auf den Friedensplan von Zelensky so nüchtern reagiert und der Ukraine keine Hoffnung auf den Beitritt zur NATO gegeben wurde, empfinde ich als beschämend, und dass gerade Deutschland es gestoppt hat, treibt mir die Röte ins Gesicht.

Continue reading “Frauenblick”

Frauenblick im Regen

Monika Wrzosek-Müller

Der Traum und die Wirklichkeit

Das allem sichere Kriterium zur Unterscheidung des Traumes und der Wirklichkeit ist … das ganz empirische des Erwachens, durch welches der Kausalzusammenhang zwischen den geträumten Begebenheiten des wachen Lebens fühlbar abgebrochen wird.
Arthur Schopenhauer

In der Nacht von Montag auf Dienstag letzter Woche kam der Traum, oder besser der Albtraum: eine riesige Tsunamiwelle raste, dunkel, meterhoch auf mich zu. Ich wusste, dass es keinen Ausweg, keine Rettung gibt; der Weg zu dem Kloster oben war durch einen Stau blockiert, zu weit entfernt, auch war die Welle schon zu nah, doch diese Gedanken hatte ich noch im Kopf. Ich wusste, gleich ist die Welle über mir, gleich werde ich unter den Wassermassen verschwinden, werde nicht mehr existieren. Alles rundherum wird schwer, unheimlich, schwer, unüberwindbar… doch ich spürte eigentlich eher Entspannung… In dem Moment wachte ich auf, draußen regnete es stark; ich war verschwitzt, erschrocken und orientierungslos. Im Zimmer war es ziemlich dunkel, immer wenn ich die Augen wieder zu schließen versuchte, kam der Traum, die Welle, mit einer Wucht und Stärke zurück, vor der ich Angst bekam. Also machte ich das Licht an, setzte mich im Bett auf und trank ein Schluck Wasser. Draußen dämmerte es, der Regen fiel gleichmäßig, aber doch nicht allzu stark. Gut, dachte ich, die Natur hat´s nötig, obwohl es eigentlich in der letzten Zeit immer wieder geregnet hat. Den ganzen Dienstag regnete es gleichmäßig, so dass man kaum rauskam. Wir packten unsere Sachen, räumten alles in den Urzustand zurück, putzten die Küche, das Bad und wollten doch noch einmal unsere Bar in Orbetello besuchen, auch den letzten Müll wegbringen. Wir warteten auf eine kleine Regenpause, die kam aber nicht…

Continue reading “Frauenblick im Regen”

Solidarität – Protest – Revolution: Literatur & Solidarität

Diskussion, Lesung, Zeitzeugengespräch, 35 Jahre Mauerfall

Lesung mit Ewa Maria Slaska und Utz Rachowski

Montag, 28.10.2024, 18:30 – 21:00

Im Gespräch mit Doris Liebermann tauschen sich die Schriftstellerin Ewa Maria Slaska und der Schriftsteller Utz Rachowski über ihr Leben, das Schreiben im Exil und die Literatur als Zufluchtsort aus.

Continue reading “Solidarität – Protest – Revolution: Literatur & Solidarität”