Drei Könige und Die Aktion

Für Krzysztof zum Geburtstag

Heute ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Das Bild unten, Erinnert euch im Winter an die Vogel oder Drei kleine Könige gehen zum Stall, stammt vom polnisch-tschechischen Maler, Wlastimil Hofman (1881 – 1970) und wurde erst 1956 gemalt. Nicht desto trotz ist es sehr typisch für den Jugendstil, in dem Hofman sein ganzes Leben malte  (http://muzeumsecesji.pl/galeria_pliki/hofman/hofman11.html)

3krolowieJetzt aber kehren wir zurück zu unserem Hauptthema: Weihnachten bei Avantgardisten. 1911

Dr. Lidia Głuchowska, unsere Fachfrau für Kunst überhaupt und für Kunst der Moderne und der Avantgarde insbesondere, stellt uns die Zeitschrift Die Aktion vor, eine von Franz Pfemfert von 1911 bis 1932 herausgegebene literarische und politische Zeitschrift, die dem Expressionismus zum Durchbruch verhalf und für eine undogmatische linke Politik stand. Die Aktion bereitete immer spezielle Weihnachtsseiten für jeweilige Dezemberausgabe vor. Mit viel moderner Graphik und Dichtung. Und, wie man sieht, viel Sinn für Prophezeiung.

1stronaHänget Baionetten an den Christbaum! (…) Für einen Tag, für zwei Tage geht die Kriegspolitik in Filzschuhen um die Welt. Friede auf Erden… Rings starrt die Welt in Waffen. Wir feiern unser Friedensfest mit geladenen Waffen. (…) brutales Unrecht, schamlose Gewalt und soziale Gewissenlosigkeit schreiten mit Siegergebärde durch die Laube. Kerker, Zuchthäuser, Galgen, Schafotte, Guilottinen, Kasernen, Kanonen, Bajonette, Polizei und Soldaten grüßen als Eckpfeiler einer göttlichen Weltordnung allüberall. Am Wege sterben Tausende…

Metaphern der Ungerechtigkeit. In drei Jahren werden sie schon die Realität. 2014 werden wir noch tausend Mal darüber erinnert und uns selber zum Erinnern erheben.

2stronaAuf der Seite 2 kommt ein Artikel von Chestel Zwi über “Weihnachtsjudentum” und ein anderer von Ferdinand Nürnberger über Gier des Papstums, betitelt “Eine Weihnachtslegende”.

Man fragt sich, was hier, in diesen zwei Artikel, kritischer ausfällt, das Auslachen der judüschen Assimilation, von den Gegner (laut Text) nicht ohne Grund “Heranschmeicheln” genannt oder die Kritik der habgieriegen Klerus der katholischen Kirche.

Es ist nicht so paradox und geschmacklos, unser Assimilationjudentum bringt es fertig! Oder: Im Gnademonat christlicher Liebe darf unsere Damenwelt der jüdischen Geldaristokratie niecht feiern.  Und darum feiert sie den ganzen Dezembermonat die fröhliche, selige, gnadenbringende Weihnachtszeit in so ausgiebieger Weise, dass ihr der Festestrubel jedes Gefühl dafür nimmt, wie gerne man auf sie verzichten würde, blechte sie nicht mit der Naivität solcher, die nicht sehen wollen, in braunen und blauen Scheinen für die Ehre “unter dem Protektorate Ihrer Kgl. Hoheit der Erbprinzessin von Soundso” – gedruckt zu stehen.

(…) die absonderliche Blüte der pseudojüdischer Assimilationssensucht erblüht unter den Kerzen des Weihnachtsbaumes. Geht am Heiligen Abend über den Kurfürstendamm, wo ihr die – nach Protzengeschmack – schönsten Weihnachtsbäume seht, da, des könnt ihr sicher sein, singen “Weihnnachtsjuden” das Lied von der stillen, heiligen Nacht!

Damit es aber gerechtig ausgeteilt wird, schreibt Nürnberger gleich nebenan über Rotte Korah, den Konkordatstürmer und über das Sammeln des Peterspfennige, dh. des Geldes fürs bezahlen der Watikansoldaten, über Steuer für Kriegszwecke, die Gefangene in Besserungshäuser von ihrem winzigen Lohn abgeben müssen…

Grüß Dich Gott, Statthalter, sagte der Knabe, ich bringe Dir meinen Peterspfennig. Aber sage, wozu brauchst du nur all diese Pfennige, he?
Um das Reich Christi zu verteidigen
Warum nicht gar! Der Menschen Sohn hatte nicht, wohin er sein Haupt legte, und soll sein Statthalter mehr haben? Mein Reich ist nicht von dieser Welt, sagte Christus.

Heute, hundert Jahre später, muss der Franziskus offensichtlich den Diskurs um das Haben und die Macht der Kirche, genauso führen wie der naive Knabe aus der Satire von Nürnberger.

Als Abschluss noch ein Gedicht aus der Dezember-Nummer in Die Aktion 1911:

René Schickele
Vorortballade

Um seine Villa beneidet der eine den anderen, um das Leuchten des Wannsees,
um seine Terrasse mit geflochtenen Stühlen, um das Segelboot „Ramses“.

Um seine Hühnerhöfe auch und den schattigen Garten,
wo er in vielen Nächten verdammt war zu warten,

bis eine Dame kam mit hellem Haar und dem Schlüssel zum Ausflug.
Ihr Haar fiel, und sie lachte leis, bis die erste Lerche im Tau schlug.

Nun aber möchte er Starkästen bauen, mit kleinen Hunden spielen,
dem Wetter vertrauen und im Schatten nach glitzernden Möwen zielen,

das Boot „Ramses“ besteigen, in Himmel und Wolken baden!
Vorallem aber wünschte er sehr, seine Freunde zum Essen zu laden

Wogegen der andre mit Schnaken kämpfte im schattigen Garten,
verdammt in vielen Nächten zu stehn und lange zu warten,

bis eine Dame käme, mit hellem Haar und dem Schlüssel zum Ausflug.
Ihr Haar fiel, und sie lachte leis, bis die erste Lerche im Tau schlug.

1910

3stronaWir werden noch ab und zu zum Thema Weihnachten bei Die Aktion zurückkommen. Es scheint, dass sich die aktuellen Themen gar nicht ändern.

Minne – Poesie – Poezja / Oswald von Wolkenstein

Oswald_von_Wolkenstein_2Er war der letzte Minnesänger. Geboren halbblind um 1377 in Südtirol, gestorben 1445 in Meran. Er dichtete selbst und komponierte Musik zu seinem Werke, war aber auch ein ein Politiker von mehr als nur regionaler Bedeutung und Diplomat in Diensten des deutschen Kaisers Sigismund I. Als er starb, starb die ganze Epoche der Troubaduren und fahrenden Ritter mit. Er führte interessantes Leben, voller Abenteuer, bereiste die ganze damals bekannte Welt, sang darüber und ließ in zwei Prachthandschriften diese Lieder verewigen. Der Portrait nebenan ist dem Liederhandschrift B entnommen. In den beiden Prachthandschriften sowie in vereinzelten Nebenüberlieferungen sind insgesamt 134 Texte überliefert. Er kannte mehrere Sprachen, darunter auch Polnisch und … Wendisch.

Durch Barbarei, Arabia,
durch Hermani in Persia,
durch Tartari in Suria,
durch Romani in Türggia,
Ibernia,
der sprüng han ich vergessen.
Durch Reussen, Preussen, Eiffenlant,
gen Litto, Liffen, übern strant,
gen Tennmarckh, Sweden, in Prabant,
durch Flandern, Franckreich, Engelant
und Schottenland
hab ich lang nicht gemessen,
Durch Arragon, Kastilie,
Granaten und Afferen,
auss Portugal, Ispanie
bis gen dem vinstern steren,
von Profenz gen Marsilie.
In Races vor Saleren,
daselbs belaib ich an der e,
mein ellend da zu meren
vast ungeren.
Auff ainem runden kofel smal,
mit dickem wald umbfangen,
vil hoher berg und tieffe tal,
stain, stauden, stöck, snee stangen,
der sich ich teglich ane zal.
noch aines tüt mich pangen,
das mir der klainen kindlin schal
mein oren dick bedrangen,
hand durchgangen.
Przez Berberię i Arabię
przez Armenię i Persję
kraj Tatarów i Syrię
i Bizancjum i Turcję
i Gruzję
a obym nie zapomniał
o Ruskich, Pruskich i Inflantach,
o Litwie i Łotwie, i Kurlandach,
o Danii, Szwecji i Brabancji
Flandrii, Francji i o Anglii
i też o Szkocji
choć mnie tam dawno nie było,
przez Aragonię i Kastylię,
Maurów Granadę i Nawarrę,
przez Portugalie i Ispanię
aż do Finisterre,
a z Prowansji do Marsylii
aż w końcu dom,
gdzie Dolomity
i gdzie mnie małżeństwo trzyma,
me utrapienie pomnażając,
bom tu niechętnie,
na ciasnym szczycie,
ciemnym lasem otoczony,
co dzień do syta widzę
góry wysokie i doliny niskie,
gdzie głaz, krzew, pień i śnieg
się mnożą
a jeszcze mnie męczą
dziatek krzyki,
uszy mi dręczą
i kłują.
tłum. Ewa Maria Slaska

http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_von_Wolkenstein. Lied gesungen von Andreas Scholl / śpiewa Andreas Scholl


Für diejenigen die des mittelalterlichen Deutsch nicht mächtig sind, noch eine Übersetzung ins Neutdeutsch von Wernfried Hofmeister (2011) – leider ziemlich humorlos:

Durch das Berberland, Arabien, / durch Armenien nach Persien, / durch Tartarenland nach Syrien/ über Byzanz ins Türkenland,/ dann Georgien: / diese “Sprünge” habe ich verlernt. / Durch Russland, Preußen, Estland,/ nach Litauen, Livland über die Nehrung / Richtung Dänemark, Schweden nach Brabant, / durch Flandern, Frankreich, England/ und Schottland / bin ich lange nicht mehr gezogen;/ durch Aragonien, Kastilien, / Granada und Navarra, / von Portugal, Léon-Galizien / bis zum Kap Finistere,/ von der Provence nach Marseille./ In Ratzes am Schlern, / hier hält es mich im Ehestand, / was meinem Jammer / sehr unwillkommen / auf einem runden, schmalen Kofel anwachsen lässt, / umgeschlossen von dichten Wald. / Tagtäglich sehe ich unzählig viele / hohe Berge und tiefe Täler, / Steine, Stauden, Baumstümpfe und Schneestangen. / Noch etwas bedrückt mich, / nämlich dass der Lärm der kleinen Kinder / heftig an meine Ohren brandet, / sie durchbohrt.

Był ostatnim trubadurem niemieckim. Urodził się półślepy w roku 1377 w Tyrolu, umarł w roku 1445 w Meranie. Tworzył poezję i komponował do niej muzykę.  Był też czynnym uczesnikiem ważnych zdarzeń politycznych swojej epoki i dyplomatą w służbie cesarza niemieckiego Zygmunta Luksemburskiego. Gdy umarł, odeszła wraz z nim cała epoka średniowiecznych mistreli i błędnych rycerzy. Prowadził ciekawe, pełne przygód życie, zjeździł niemal cały ówcześnie znany świat, opisał swoje przygody w pieśniach i zlecił uwiecznienie ich w dwóch wspaniałych rękopisach, które się do dziś zachowały. Portret powyżej pochodzi z rękopisu B.  Był jeszcze rękopis A, inaczej acz równie bogato ilustrowany. Z obu rękopisów i innych rozproszonych źródeł znamy 134 pieśni Oswalda o życiu, przygodach, miłości i polityce. Znał wiele języków, w tym polski i… wendyjski.

PS. Nie znalazłam tłumaczenia pieśni Oswalda na polski (żadnych tłumaczeń nie znalazłam), przetłumaczyłam ją więc sama, jak umiałam najlepiej.

Puppendienstag: Abschied

lalki-sylwesterSie begleiteten uns fast ein halbes Jahr, jetzt gehen sie. Die Puppen von Gertraud Pohl. Sie senden uns noch sehr liebe Grüsse und alles alles Liebe für das beginnende Jahr… und good bye!

Gertraud schrieb dazu:

Liebe Ewa, für Silvester habe ich mir gestern Folgendes ausgedacht: da das neue Jahr noch “im Nebel” liegt, war ich mit der Harlekinpuppe Romy in Potsdam im Schloßpark von Sanssouci und habe die passenden Motive gesucht.
Hoffentlich gefallen sie dir und euch.
Mit sehr lieben und guten Wünschen für das Jahr 2014

Romy3.webverabschiede ich mich
Gertraud mitsamt ihrer Puppen

Romy2.web

Romy1.web

Poezja – Poesía – Poetry – Poesie / Lorca 2

Tom: Poeta w Nowym Jorku
Z maszynopisu tłumaczeń przygotowanych przez Irenę Kuran-Bogucką do II wydania “Poezji” Federica Garcíi Lorki (wydanie zostało przyjęte do publikacji,  potem jednak z przyczyn finansowych Wydawnictwo Morskie musiało zrezygnować z druku). Tom “Poeta w Nowym Jorku” został wydany już po śmierci Lorki, w roku 1940 w emigracyjnym wydawnictwie w Meksyku. Manuskrypt na wiele lat zaginął i pojawił się w Meksyku dopiero w roku 1997, ale nie zmienił on wydźwięku wydrukowanej książki, która jest przygnębiająca, smutna, mroczna… Sam poeta napisał o niej, że to poezja, przy której człowiek przecina sobie żyły. Tekst przepisany w Archiwum Państwowym w Gdańsku, Oddział w Gdyni.

Boże Narodzenie nad Hudsonem (z cyklu: Sny i ulice)

Ta gąbka popielata!
Ten marynarz z gardłem przed chwilą poderżniętym.
Ta rzeka, wielka rzeka.
Ten wiatr o mrocznych granicach.
I to ostrze, miła, i to ostrze.
Było raz czterech marynarzy, walczących z całym światem,
ze światem twardych grani, widocznych dla oczu,
ze światem, który przebyć można tylko konno.
Był raz marynarz, było stu, był tysiąc marynarzy,
walczących ze światem raptownych prędkości,
a nieświadomych wcale, że świat
istniał jedynie na niebie.

Ten świat jedyny, jedynie na niebie.
Są wzgórza porosłe młotkami i triumf gęstej trawy.
Są żywe, rojne mrowiska i monety wrzucone w błoto.
Ten świat jedyny, jedynie na niebie,
a wiatr u wyjścia z każdej wsi.

Dżdżownica opiewała strach przed toczącym się kołem,
a marynarz z poderżniętym gardłem
Opiewał niedźwiedzia wody, która go miała pogrążyć;
i wszyscy śpiewali alleluja,
alleluja. Puste niebo.
To samo niebo. To samo! Alleluja.

Całą noc przepędziłem pośród rusztowań przedmieści,
brocząc krwią, co spływała poprzez gips projektów,
i wraz z marynarzami zwijając podarte żagle.
A oto stoję z próżnymi rękami w poszumie ujścia rzeki.
Nie jest ważne, że w każdej minucie
noworodek porusza gałązeczkami swych żył.
ani że pośród żmii, skryty pod splotem gałęzi,
syci krwiożercze żądze tych, co wpatrują się w nagość.

Naprawdę ważne jest to tylko: pustka. Jedyny świat. Ujście rzeki.
Świt nie. Świt to baśń bezwładna.
Jedynie to: ujście rzeki.
O moja gąbko popielata!
Moje przed chwilą poderżnięte gardło!
O moja rzeko, moja wielka rzeko!
O mój wietrze, o krańcach, które nie są moje!
O mej miłości ostrze, o raniące ostrze!

Nowy Jork, 27 grudnia 1929 r.

Tłumaczyła Irena Kuran-Bogucka

“NAVIDAD EN HUDSON” de FEDERICO GARCÍA LORCA recita MIGUEL MENASSA NOCHEVIEJA

¡Esa esponja gris!
Ese marinero recién degollado.
Ese río grande.
Esa brisa de límites oscuros.
Ese filo, amor, ese filo.
Estaban los cuatro marineros luchando con el mundo.
con el mundo de aristas que ven todos los ojos,
con el mundo que no se puede recorrer sin caballos.
Estaban uno, cien, mil marineros
luchando con el mundo de las agudas velocidades,
sin enterarse de que el mundo
estaba solo por el cielo.
El mundo solo por el cielo solo.
Son las colinas de martillos y el triunfo de la hierba espesa.
Son los vivísimos hormigueros y las monedas en el fango.
El mundo solo por el cielo solo
y el aire a la salida de todas las aldeas.

Cantaba la lombriz el terror de la rueda
y el marinero degollado
cantaba al oso de agua que lo había de estrechar;
y todos cantaban aleluya,
aleluya. Cielo desierto.
Es lo mismo, ¡lo mismo!, aleluya.

He pasado toda la noche en los andamios de los arrabales
dejándome la sangre por la escayola de los proyectos,
ayudando a los marineros a recoger las velas desgarradas.
Y estoy con las manos vacías en el rumor de la desembocadura.
No importa que cada minuto
un niño nuevo agite sus ramitos de venas,
ni que el parto de la víbora, desatado bajo las ramas,
calme la sed de sangre de los que miran el desnudo.
Lo que importa es esto: hueco. Mundo solo. Desembocadura.
Alba no. Fábula inerte.
Sólo esto: desembocadura.
¡Oh esponja mía gris!
¡Oh cuello mío recién degollado!
¡Oh río grande mío!
¡Oh brisa mía de límites que no son míos!
¡Oh filo de mi amor, oh hiriente filo!

New York, 27 de diciembre de 1929.

pattismith-lorcaPatti Smith reading from the Lorca´s book “The Poet in New York” – Bowery Ballroom in New York “Lorca Tribute” / Patti Smith czyta wiersz z tomu “Poeta w Nowym Jorku” podczas koncertu w Bowery Ballroom pt. “Lorca Tribute” (Nowy Jork, 6/5/2013)

Christmas on the Hudson

That gray sponge!
That sailor whose throat was just cut.
That great river.
Those dark boundaries of the breeze.
That keen blade, my love that keen blade.
The four sailors wrestled with the world.
With that sharpedged world seen by all eyes.
With the world that can’t be traversed without horses.
One, a hundred, a thousand sailors
wrestling with the world of sharp speeds,
unaware that the world
was alone in the sky.

The world alone in a lonely sky.
It’s the hammers and the thick grass’s triumph.
It’s the teeming anthills and coins in the mire.
The world alone in the lonely sky,
and the air where all the villages end.

The earthworm sang its terror of the wheel,
and the sailor whose throat was slashed
sang the water-bear that would hold him close;
and they were all singing hallelujah,
hallelujah. Deserted sky.
It’s all the same, the same! Hallelujah.

I spent all night on the scaffolding of the outskirts
leaving my blood on the stucco projects,
helping the sailors lower their ripped sails.
And I stand empty-handed in the murmur of the river’s mouth.
It doesn’t matter if every minute
A newborn child waves the little branches of its veins,
Or if a newborn viper, uncoiling beneath the branches,
Calm the blood lust of those who watch the nakedness.

What matters is this: void. Lonely world. River’s mouth.
Not dawn. Idle fable.
This alone: river’s mouth
Oh, my gray sponge!
Oh, my throat just cut!
Oh, my great river!
Oh, my breeze with dark boundaries which are not my!
Oh, the keen blade of my love, oh, the cutting blade!

New York, 27th of Dec 1929

This translation I compiled from seven or eight fragments which I found in the internet, all without a name of translator. The last verses were not to be found so I had to translate them by myself.

***
lorcawallenstein2Weihnacht am Hudson

Der graue Schwamm da!
Der eben abgekehlte Seemann da!
Der große Fluß da.
Die Brise da mit dunklen Grenzen.
Die Schneide, Liebstes, da, die Schneide.
Ein paar Matrosen kämpften mit der Welt,
der Welt der kante, die sich schneiden, die alle Augen sehen,
die Welt, die ohne Pferde man nicht kann durcheilen.
Ein Seemann, hundert, tausend ware’n dabei,
zu kämpfen mit der Welt der scharfen Schnelligkeiten,
unkundig dessen, dass die Welt
allein am Himmel war.

Allein die Welt am Himmel, der allein.
Die Hämmerhügel sind und der Triumph des dichten Grases.
Die Emsenhaufen sind, die wimmeln, und im Morast die Münzen.
Allein die Welt am Himmel, der allein,
und auch der Wind am Ende aller Dörfer.

Der Wurm sang des Raders Schrecken,
der abgekehlte Seemann sang
vom Wasserbären, der bestimmt ihm zu umschlingen war;
und alle sangen halleluja,
halleluja. Öder Himmel.
Es ist ganz gleich, gleich, halleluja.

Ich hab die ganze Nacht verbracht bei den Gerüsten in den Vorortstraßen,
derweil das Blut am Stuck der Bauprojekte mich verließ,
und während die zerrißnen Segel einzuziehn ich den Matrosen half.
Und stehe nun mit leeren Händen im Geräusch der Mündung.
Nicht wichtig, dass in jeglicher Minute
Ein neugebornes Kind die kleinen Zweigen seiner Adern regt,
und dass die Viper, die gebiert frei unter dem Gezweig,
den Blutdurst derer stillt, die nach dem Nackten äugen.
Dies ist, was wichtig: Leere! Welt allein. Und Mündung.
Des Morgens Dämmer – nein. Kraftlose Märe.
Nur dieses: Mündung.
O grauer Schwamm, der mein ist!
O Hals, der mein und eben erst durchschnitten!
O großer Fluß, der mein ist!
O Brise, du, die mein, mit Grenzen, die nicht mein sind!
O Schneide, meiner Liebe, o Schneide, die versehrt!

New York, 27. Dezember 1929

Übersetzt von Enrique Beck
Wallstein Verlag, 2008

Reblog: Das Weihnachtswunder von 1914

choinka-okopyInge da Silva (auf dem Facebook)

Weihnachten 1914. An der Front harren Millionen Soldaten in den verschlammten Schützengräben aus. Im Niemandsland zwischen den feindlichen Linien liegen die Leichen der Gefallenen, teils mit Schnee bedeckt. Am Himmel stand ein blasser Mond. Bleich. Als hätte er die Farbe angenommen der Toten, die unten, im Schlamm, im Stacheldraht, im Niemandsland lagen. Doch mit einem Mal gehen auf beiden Seiten hinter den Wällen Pappschilder hoch: “Frohe Weihnachten” steht da, und “Merry X-Mas”. Was folgt, könnte ein Weihnachtsmärchen sein, aber es hat sich mitten im Ersten Weltkrieg, wirklich so zugetragen. Nach fünf Monaten Krieg mit Hunderttausenden von Toten auf beiden Seiten bricht an der Westfront von der Nordsee bis zur Schweiz der Friede aus. “Um neun Uhr abends werden die Bäume angesteckt, und aus mehr als zweihundert Kehlen klingen die alten deutschen Weihnachtslieder”, hält ein Soldat fest. “Dann setzen wir die brennenden Bäume ganz langsam und sehr vorsichtig auf die Grabenböschung. “Weihnachten, das hatten
so viele Soldaten geglaubt, als sie im Sommer 1914 trunken vor Euphorie an die Front marschierten, Weihnachten sollte der Krieg zu Ende sein. Aber Weihnachten ging gar nichts mehr an der Westfront, die vom belgischen Nieuwpoort an der Nordsee bis zur Schweizer Grenze im Süden reichte und an der sich Deutsche auf der einen, Belgier, Franzosen und Briten auf der anderen Seite gegenüberlagen.
Ein Brite schreibt seiner Frau: “Stell dir vor: Während du zu Hause deinen Truthahn gegessen hast, plauderte ich da draußen mit den Männern, die ich ein paar Stunden vorher noch zu töten versucht hatte.” Ein anderer berichtet: “Auf beiden Seiten herrschte eine Stimmung, dass endlich Schluss sein möge. Wir litten doch alle gleichermaßen unter Läusen, Schlamm, Kälte, Ratten und Todesangst.”

“Niemals sah ich ein schöneres Bild des Friedens”

Es dauert nicht lange, und die Feinde machen sich Geschenke, singen Weihnachtslieder, spielen Fußball, veranstalten Radrennen und trinken belgisches Bier. Vor allem Sachsen, Bayern und Österreicher verstehen sich gut mit den Briten – besser als mit ihren oft so schneidigen Kameraden aus Preußen. Ein britischer Soldat steht plötzlich seinem deutschen Coiffeur aus London gegenüber, der das Gastland bei Kriegsausbruch verlassen musste. Er bekommt sofort einen neuen Schnitt. Nach fünf Monaten Krieg mit Hunderttausenden von Toten auf beiden Seiten bricht an der Westfront von der Nordsee bis zur Schweiz der Friede aus. “Um neun Uhr abends werden die Bäume angesteckt, und aus mehr als zweihundert Kehlen klingen die alten deutschen Weihnachtslieder”, hält ein Soldat fest. “Dann setzen wir die brennenden Bäume ganz langsam und sehr vorsichtig auf die Grabenböschung. “Es war wie im Stadion bei einem Fußballspiel.” Ein britischer Offizier scherzt, für den Neujahrstag sei schon ein neuer Waffenstillstand verabredet worden: “Denn die Deutschen wollen sehen, wie die Fotos geworden sind”. Als das Fest vorbei ist, feuern sich die Soldaten zunächst noch über die Köpfe, dann geht das große Schlachten weiter. Im Jahr darauf ist Weihnachten ein Tag wie jeder andere. Befehl von oben: Jeder, der mit dem Feind “Stille Nacht” singt, ist sofort zu erschießen.
Bekannt ist nur, dass diese Geschichte am 9. Januar 1915 in der britischen “North Mail” erschien. Sie ist eine von zahllosen Beschreibungen eines Ereignisses, das als “Weihnachtsfrieden” in die Geschichte eingegangen ist, als an zahlreichen Abschnitten der Westfront die Soldaten spontan die Waffen niederlegten, um gemeinsam, mitten im Krieg Weihnachten zu feiern. Belgier und Franzosen reichten Deutschen die Hände. Das passierte auch. Aber meistens waren es Briten und Deutsche, die sich freundschaftlich begegneten. Sie sangen “Stille Nacht, heilige Nacht” und “Silent night, holy night”. Sie zeigten sich Fotos von ihren Liebsten. In der Nähe des französischen Dorfes Fromelles feierten sie einen Gottesdienst. “Der Herr ist mein Hirte” sprachen sie, den 23. Psalm, in Deutsch und in Englisch.

Manchmal trafen sich alte Bekannte, der britische Restaurantgast zum Beispiel und der Deutsche, der vor dem Krieg in London als Kellner gearbeitet hat. Und es gab ein Fußballspiel zwischen Sachsen und Schotten, das nicht zuletzt deshalb ein besonderes Erlebnis war, wie ein deutscher Soldat nach Hause schrieb, weil die Männer jedes Mal in Gelächter ausbrachen, wenn ein Schotte zeigte, dass er keine Wäsche unter dem Rock trug.

Eine Episode von vielen, die sich vor allem an den Abschnitten zwischen Mesen und Nieuwkapelle abspielten. “Einen solchen Frieden von unten gab es noch nie in der Geschichte eines Krieges”, schreibt Michael Jürgs, der in seinem Buch “Der kleine Friede im Großen Krieg” das Weihnachtswunder von 1914 minutiös nachgezeichnet hat.

Die Geschichte von Frederick W. Heath wurde erst vor wenigen Monaten wieder entdeckt. 96 Jahre, nachdem sie in einer Zeitung stand. Sie ragt deshalb aus den vielen Augenzeugenberichten heraus, weil sie so viel erzählt von Gefühlen. Von Ängsten und Misstrauen und von der Sehnsucht, trotz allem, einander als Menschen zu begegnen.

Er träumte noch von zu Hause, als er an jenem Weihnachtsabend auf der feindlichen Seite plötzlich ein Licht aufflackern sah. “Ein Flackern in der Dunkelheit”, schrieb er. “Ein Licht an der feindlichen Linie zu dieser Zeit war so selten, dass ich es gleich meldete.” Doch noch während er die Nachricht weitergab, ging an der deutschen Linie ein Licht nach dem anderen an. Und dann hörte er eine Stimme, eine deutsche. Ganz nah schien sie ihm, so nah, dass er sein Gewehr schussbereit hielt. “English soldier”, rief sie, “English soldier, a merry Christmas, a merry Christmas!”

Medien berichteten über den Weihnachtsfrieden

Die Briten schwiegen. Kein Laut war zu hören, außer den Befehlen der Offiziere, still zu bleiben. Es war noch nicht lange her, da hatten deutsche Soldaten an der Westfront vorgetäuscht, sich zu ergeben. Doch als die Briten ebenfalls die Waffen senkten, kamen Deutsche aus dem Hinterhalt – und schossen. Die englische Zeitschrift “The Sphere” hatte darüber ausführlich berichtet. Wer wird an diesem Weihnachtsabend nicht daran gedacht haben?

Doch etwas anderes war größer als die Angst. “Überall an unserer Linie”, schrieb Heath, “hörte man Männer, die den Weihnachtsgruß des Feindes erwiderten. Wie konnten wir dem widerstehen, uns gegenseitig schöne Weihnachten zu wünschen?” Sie begannen, mit den Deutschen zu reden, nicht ohne die Gewehre fest in den Händen zu halten. In dieser Weihnachtsnacht, in der sie Lieder hörten aus den deutschen Schützengräben und das Pfeifen von Flöten, in der die Briten mit Lachen antworteten und Weihnachtslieder aus ihrer Heimat sangen.

Sie riefen Segenswünsche

In dieser Nacht fiel kein Schuss. In der Dämmerung, als der Himmel grau und rosa wurde, da sahen sie ihre Feinde. Unbekümmert bewegten sich die Deutschen außerhalb der Schützengräben. Heath bewunderte den Mut. Es wäre geradezu eine Einladung an die Briten gewesen, abzudrücken. Aber sie schossen nicht. Sie standen auf und riefen Segenswünsche herüber zu den Männern, mit denen sie wenige Stunden zuvor noch gekämpft hatten um Leben und Tod.

***
Und noch passend dazu ein Weihnachtsgedicht von Erich Mühsam

Heilige Nacht

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
Und ist es auch schon lange her,
seit’s in der Krippe lag,
so freun sich doch die Menschen sehr
bis auf den heutigen Tag.
Minister und Agrarier
Bourgeois und Proletarier,
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.
(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukka.)

Wigilia vs Puppendienstag

also ein Post mit zwei Beiträgen in zwei Sprachen / jeden wpis ale w dwóch różnych częściach i w dwóch językach

Roman Brodowski

Wieczerza

Stary kalendarz wiszący na ścianie,
Wypełniony naszym doświadczeniem
Przypomina, że święta nadchodzą,
Czas rodzinny – Boże Narodzenie.

Stół nakryty już białym obrusem,
Pod nim sianko skoszone jesienią
I potrawy matczyne, dwanaście…
Zapachniało w domu polską ziemią.

Pod choinką, w gościnnym pokoju
Ozdobioną szklanymi bombkami.
Leżą w worku prezenty świąteczne
Które przywiózł mikołaj…, saniami.

Jeszcze tylko święcony opłatek
Jeszcze tylko modlitwa, życzenia,
I możemy zasiadać do stołu,
W czas jedności, miłości, spełnienia.

Niech za oknem, na bezkresie nieba
Jak co roku, właśnie o tej porze
Śpiewa gwiazda zwiastowania,
Że się w stajni rodzi Dziecię Boże.

Gertraud Pohl ging diesmal mit Christine im Gepäck ins Museum für Völkerkunde und den Markt der Kulturen besucht. So sind ihre Fotos für den Weihnachtsabend entstanden.

DSC09540.webpodwojne2malawigilijnaDSC09535.webDSC09539.webpodwojne1

Poesie / August von Platen

Weihnachten bei Avantgardisten. 1914

Dr. Lidia Głuchowska, unsere Fachfrau für Kunst überhaupt und für Kunst der Moderne und der Avantgarde insbesondere, stellt uns die Zeitschrift Die Aktion vor, eine von Franz Pfemfert von 1911 bis 1932 herausgegebene literarische und politische Zeitschrift, die dem Expressionismus zum Durchbruch verhalf und für eine undogmatische linke Politik stand. Die Aktion bereitete immer spezielle Weihnachtsseiten für jeweilige Dezemberausgabe vor. Mit viel moderner Graphik und Dichtung. 

In der Ausgabe vom Dezember 1914 finden wir unter anderem das Gedicht Christnacht von August von Platen (1796 – 1835),  der in Polen von allen wegen seiner Polenlieder sehr bekannt ist.

1914-3
1914-4
Christnacht

Der Engel der Verkündigung:

Seraphimsche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!

Ein Hirte:

Was seh’ ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.

Chor der Hirten:

Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.

Chor der Seraphim:

Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.

Chor der Hirten:

Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!

Chor der Seraphim:

Lasst Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!

Der Engel der Verkündigung:

Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!

Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.

Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.

Chor der Hirten:

Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.

Engel mit Lilien
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.

Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!

Der Engel der Verkündigung:

Schon les’ ich in den Weiten
Des künft’gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.

Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes “Werde”
Erblüht sie jugendlich.

Chor der Seraphim:

Vergesst der Schmerzen jeden,
Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!

Puppendienstag: Cloé

cloe-pionowo1Gertraud Pohl schrieb:

Liebe Ewa,

heute schicke ich dir Cloé – sie ist eine sehr standesbewußte Puppe mit einer vornehmen Herkunft, und entsprechend möchte sie auch außergewöhnlich in Szene gesetzt werden.  Sie und ich waren im Museum für Musikinstrumente, die wunderbaren Klangproben in meinem Ohr, und wünschen eine harmonische letzte Adventwoche.

Mir sehr lieben Grüssen

Gertraud

cloe-podwojna2

cloe-poziomo2cloe-podwojna1cloe-poziomo1

Viktoria Korb, Tod…

viki-todViktoria Korb
“Tod eines Friedensforschers”
ein politischer Krimiroman, 2. Ausgabe
soeben erschienen

(…)

Mittlerweile stank es zum Himmel. Nicht nur im Garten. Der Geruch kam eindeutig aus Adalberts Behausung. So entschied sich Hugo, die Polizei anzurufen und bat, jemanden zu schicken.
“Sie spinnen doch, mein Herr”, wehrte sich der Polizist, “das kommt einfach von diesem komischen Wetter. Wir haben so viele Überschwemmungen, dass sogar der Bundeskanzler sie als die größte Katastrophe seit der deutschen Wiedervereinigung bezeichnet.”
Wie recht er hat, dachte Hugo und hörte geduldig zu:
“Es ist ein warmer Märztag, vielleicht stinkt die Kanalisation, und es gibt halt unterschiedliche Gerüche. Es wäre was anderes, wenn ein Wagen vor ihrem Haus nicht vorschriftgemäß geparkt hätte.”
“Ach so?” wunderte sich Hugo.
“Aber ja, dann würden wir sofort zu ihnen eilen. Wirklich sofort – wissen Sie, Gefahr im Verzug. Aber wegen ein bisschen Geruch… Vielleicht kocht ihr Nachbar Eisbein?”
“Mein Nachbar von rechts ist fanatischer Vegetarier, und mein Nachbar zur Linken, Professor Donnemua, ist seit Wochen spurlos verschwunden. Daher ist dieser ätzende Gestank äußerst dubios.”
“Na ja, mein Herr, ein Professor, der sitzt bestimmt den ganzen Winter auf den Kanaren.”
“Mag schon sein, Herr Wachtmeister, aber seine Katzen miauen schon so laut, dass man es bis zu uns hört… Ich würde fast sagen, dass sie hungrig sein könnten.”
“Wegen der Katzen wenden Sie sich ans Tierheim Lankwitz oder an die Feuerwehr. Die sind zuständig.”
“Ich verlange als Steuerzahler, dass Sie sofort kommen, sonst wende ich mich an den Innensenator, den ich aus meiner Schulzeit kenne”, knurrte Hugo. “Versuchen Sie nicht mich einzuschüchtern. Ich bin nämlich auch Steuerzahler. Wir kommen gleich und werden die Sache polizeimäßig erfassen.”
Hugo hatte den Satz: “ Geh doch nach drüben” schon auf der Zunge, schaffte es aber doch sich zu beherrschen. Das konnte man nicht mehr sagen. “Drüben” war verschwunden, und zwar unwiderruflich. Ein Umland mit politischer Alternative gab es nicht mehr.

Den Polizisten gelang es, ihrer Übelkeit Herr zu werden, und sie brachen in das Haus des Professors ein. Hugo und Gundula folgten ihnen. Die Leiche von Adalbert Donnemua war dabei, an seinem Schreibtisch zu zerfließen. Rund um ihn miauten verzweifelte, bis auf die Knochen abgemagerte Katzen. Offensichtlich hatten sie aus Hungersnot schon an seinen Ohren geknabbert.
Hugo und Gundula übergaben sich, überließen alles andere der Polizei, flüchteten nach Hause und genehmigten sich erst mal zwei doppelte Cognacs.
Beim Verhör nahmen die Polizisten ihre Personalien auf und fragten, wann sie zuletzt Kontakt mit Adalbert Donnemua gehabt hatten. Gundula schloss die Augen, um sich besser zu konzentrieren:
“Vor sechs Wochen etwa. Da war er bei uns zum Abendessen.”
“War er mit Ihnen alleine?” erkundigte sich Inspektor Ramol.
“Nein. Das wäre die reinste Zeitverschwendung, den ganzen Abend einer einzigen Person zu widmen”, erklärte Hugo.
Ramol hob seine Augenbrauen, erstaunt über so viel Ehrlichkeit, und Hugo berichtete gelangweilt weiter:
“Es war die gleiche Gesellschaft wie letzte Woche. Leute, die immer zu unseren Essen kommen. Sie wissen schon – das übliche – der Anwalt, der Steuerberater, der Vermögensverwalter, der Arzt und der Apotheker, samt Gattinnen.”
“Stimmt nicht, unser Anwalt war ohne Frau, er ist nämlich geschieden. Und ansonsten war die Gesellschaft auch nicht identisch, denn unser Vermögensverwalter Hasso Schuja war diesmal verhindert, dafür war aber Gloria Kosz da. Mein Mann besteht manchmal darauf, sie einzuladen”, korrigierte Gundula triumphierend. “Ach ja, und Professor Udo Knarsch mit seiner Frau Rosalinda kamen hinzu. Und ein Freund von Adalbert, der Maler Claude Eckel.”
“Das ist mir zu kompliziert”, Inspektor Ramol kratzte sich am Kopf. “Nennen Sie also einfach alle, die beim vorvorigen Essen da waren. Diejenigen, die letztes Mal anwesend waren, sind doch nicht verdächtig, denn die Tat wurde schon vor längerer Zeit begangen.”
“Welche Tat?” rief Hugo entsetzt.
“Das weiß ich nicht genau, die Leiche wird noch untersucht. Aber Tatbestand ist, dass Professor Donnemua nun mal tot ist. Und wenn es einen Tatbestand gibt, dann gibt es auch eine Tat. Und wenn es eine Tat gibt, dann gibt es auch einen Täter, so sagt die kriminalistische Logik. Also wer war letztendlich beim vorletzten Essen anwesend, außer Donnemua?”
“Wie gesagt, unser Steuerberater Artur Nudnik mit Frau, unser Anwalt Knut Wegor, unser Vermögensverwalter Hasso Schuja, der meistens ohne Frau kommt, weil er hartnäckig an der Tradition des deutschen Stammtischs festhält.”
Gundula grinste aufmüpfig, hörte aber unter dem eisigen Blick des Inspektors bald auf. Sie konzentrierte sich wieder auf Hugo, der inzwischen fortfuhr: “Dann unser Arzt Doktor Balthasar von Kupke mit seiner Erdmuthe und der Apotheker von nebenan, Hajo Trawnicki mit Frau Gertrud, die allerdings niemand jemals bemerkt. Aber was spielt das schon für eine Rolle? Wenn es wirklich eine ‘Tat’ war, musste sie doch nicht sofort nach dem Essen verübt werden. Es könnte genauso gut Tage oder Wochen später passiert sein.”
“Sie haben aber Professor Donnemua seit diesem Tag nicht mehr gesehen?”
“Das stimmt, aber wir sind hier doch in Dahlem. Wir sind taktvoll und wollen unsere Ruhe haben”, sagte Gundula stolz und empört zugleich.
“Wie dem auch sei, es ist für uns notwendig, den Bekanntenkreis von Professor Donnemua zu durchleuchten, egal, wann die Tat begangen wurde”, stellte Inspektor Ramol fest und forschte weiter: “Hatte er eine Freundin?”
“Eigentlich nicht”, murmelte Hugo geniert.
“Wie meinen Sie?” hakte Ramol aggressiv nach.
Gundula versuchte ihren Gatten zu retten und wiederholte mit Nachdruck:
“Wir mischen uns ins Leben anderer nicht ein. Wir sind tolerant, verstehen Sie?”
“Ich verstehe”, atmete Ramol erleichtert auf, “Sie meinen, er war schwul?”
“So würde ich es fast bezeichnen”, sagte Hugo. “Aber wir möchten ihm keinen Schaden zufügen.”
“Wie könnten Sie ihm Schaden zufügen, wo er doch tot ist?” fragte der Inspektor erstaunt.
“Außerdem war er doch Professor an der PFUJ?”
“Ja”, bestätigte Hugo leicht verwirrt. “Was hat das damit zu tun?”
“An der PFUJ gilt es doch sogar als schick, ein Homo zu sein. Schwul ist cool. Die Umschwulung schreitet voran. Und erst recht, seit auch der Bürgermeister…”, Ramol biss sich auf die Zunge und beeilte sich mit der Zusicherung: “Und das ist auch gut so.”
Er wartete auf eine Reaktion von Hugo, die jedoch ausblieb, und fragte weiter: “Hatte Donnemua einen festen Freund?”
“Das interessierte mich nicht so richtig”, antwortete Hugo und schaute verschämt in die Ferne.
“Werden Sie endlich kooperieren?” bellte Ramol. “Es geht wahrscheinlich um einen Mord!” Hugo antwortete zögernd:
“Vielleicht diesen Maler Claude Eckel, der auch beim letzten Essen dabei war. Es war aber keine feste Beziehung. Adalbert bevorzugte eher frische Jungs vom Bahnhof Zoo. Eigentlich kann man sagen, Strichjungen. Ab und zu sah ich zufällig, wie sie morgens durch seinen Garten schlichen. Eine Zeitlang hatte er auch eine Affäre mit seinem Masseur, die ist aber schon lange vorbei.”
“Namen, Adressen”, schnauzte der Polizist. “Und wer ist diese Gloria?”
“Eine Ex-Polin, die Donnemua aus der Studentenzeit kannte.”
“Die werden wir uns vornehmen”, beschloss Ramol.

Hier noch eine Rezension zu der 1. Auflage – REZENSION-Tod-Friedensforscher – von Martin Sander in Deutschlandradio Kultur.