Der Fisch und ich

Była wystawa / Es gab eine Ausstellung

| Galerie

Kulturhaus Spandau | Mauerstr 6 | 13597 Berlin

Der goldene Fisch & das Fahrrad
Das Stückchen der Seele

Fotografie

Ausstellung: Fr. 04.04. – So. 27.04.2014
Vernissage am Donnerstag 3. April um 19 Uhr
Öffnungszeiten: Mo. – Fr., 14 – 18 Uhr | Sa. – So., 14 – 20 Uhr

Eintritt frei

DabrowskiRichard Stanislaw Dabrowski, geboren 1950 in Stettin/ Polen, ist von Beruf Diplom Maschinenbauingenieur – jedoch von Berufung Fotograf.

Seine Lebensauffassungen und Herangehensweisen wurden durch seine bisherigen (Lebens-) Erfahrungen geprägt: ab dem elften Lebensjahr wurde er zum Nonkonformisten; in den 60. Jahren war er Hippie und seit 1977 Oppositioneller und Bürgerrechtler. Bald begann er für Underground Zeitschriften als Fotograf sowie Grafiker tätig zu sein und schrieb darüber hinaus politkritische Texte und war Mitglied des Komitee für die Verteidigung politischer Gefangener.

Es war eine Frage der Zeit, bis SB (Staatssicherheitsdienst) auf ihn IM (Informelle Mitarbeiter) angesetzt hat, um ihn auszuspionieren und zu überwachen, wenn auch nicht immer erfolgreich.

Der Kriegszustand wurde in Polen ausgerufen und das Gericht stempelte ihn scharf als Antikommunisten ab und entzog ihm die berufliche Existenz indem das Berufsverbot als Ingenieur ausgesprochen wurde. Aus dem Ingenieur wurde gezwungenermaßen ein Schlosser, wenn auch nur für 8 Monate.

Den einzig sinnvollen Ausweg stellte die Ausreise aus Polen dar. Im Dezember 1982 saß Richard Dabrowski schließlich mit Frau und zwei Kindern mit einem One-Way Pass im Zug nach West-Berlin, wo er bis heute mit seiner Frau weiterhin lebt. Dieser aufregende Werdegang mit vielseitigen als auch überraschenden Grenz-erfahrungen spiegelt sich in der Arbeit von Richard Dabrowski wieder.

Bis heute wurden seine Fotografien und Serien auf 34 Einzelausstellungen in Polen, Deutschland, England, Dänemark und Österreich präsentiert und durch zahlreiche Publikationen und Preise honoriert.
Heute, nach fast 64 Jahren, ist sein Blick durch die Linse weiterhin humorvoll kritisch, noch geschärfter, aber auch herzlich weicher.

Richards Tochter Anna
(Designerin und auch Fotografin)

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Richard Dabrowski

Der goldene Fisch & das Fahrrad –
ein Stückchen der Seele

Mit dem Fotografieren beschäftige ich mich aktiv schon 36 Jahre. Diese Portraitreihe fällt jedoch aus dem Rahmen meiner bisherigen Arbeiten. Das hat sicherlich damit zu tun, dass die Idee zu dieser (vielleicht schon meiner letzten) Einzelausstellung, durch einen plötzlichen und ungewöhnlichen Schicksalsschlag ausgelöst wurde.

Im Juni 2006 war ich nach einem Fahrradunfall – mit dem Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung – mehrere Stunden gelähmt und wünschte mir in diesem Moment nichts sehnlicher als den glimpflichen Ausgang des Geschehenen. Durch den Kopf gingen mir banale, stereotypische Gedanken wie flüchtig unsere Existenz sei. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass eine gebrochene Rippe auf die Nerven drückte und so die beängstige Lähmung verursachte.

Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, beschloss ich alle meine Freunde und Kollegen sowie Verwandten fotografisch zu verewigen – denn der plötzliche Verlust der Gesundheit oder des Lebens kann jedem widerfahren.

Zur Umsetzung dieser Idee hatte ich mehrere Anforderungen getroffen:
– die Person und ich duzen uns;
– auf allen Fotos werde ich schwarz gekleidet sein, wie die Animatoren im japanischen Puppentheater;
– beim “ersten” Foto – von zwei – soll sich die fotografierende Person selbst ausdenken, so wie sie sich fotografieren möchte, setzt dies erst mit mir als Modell um;
– dann werden die „Rollen“ für das „zweiten“ Foto getauscht, d.h. die Person nimmt nun selbst die Position vor der Kamera ein und ich hinter der Kamera;
– zusätzlich wird allen fotografierten Personen gleiche Frage gestellt:

„Du füllst Deinen Wasserkocher mit Wasser und plötzlich plumpst ein goldener Fisch hinein. Für die Freilassung verspricht er Dir einen Wunsch zu erfüllen. Was würdest Du Dir wünschen?“

Diese zwei inszenierten Fotos zusammen mit der Antwort auf die gestellte Frage bilden diese vielschichtige Fotoserie der Portraitierten. So entstanden im Zeitraum von 2006 bis 2009, die Momentaufnahmen von subjektiv ausgewählten 138 Personen verschie-denen Alters sowie Nationalität und stellen ein soziologisches Mosaik dar.

Verblüffend war festzustellen, dass die Meisten sich und ihren Liebsten „Glück und Gesundheit“ wünschten. Niemand wollte ewigen Frieden auf der Erde, Beseitigung von Krankheiten und Hungersnot, Stopp dem Klimawandel sowie Aussterben von Arten oder, dass, im Gegensatz zu dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik (Prinzip der Entropie), das Universum und Sonnensystem ewig existieren. Niemand wollte unendlich leben und nur fünf Personen einen Wunsch hatten, der die ganze Menschheit betrifft.

An dieser Stelle möchte ich allen „Autoren“ der Ausstellung großen Dank aussprechen. Sie haben einen intimen Teil ihrer Persönlichkeit und Ihre Seele dafür preisgegeben. Zum Glück waren sie keine Mitglieder von Naturvölkern, denn diese lassen sich nicht fotografieren. Sie sind überzeugt, dass sie um ein Teil ihrer Seele beraubt werden. Wenn ich nun hundert Jahre alte Fotos meiner Vorfahren betrachte, glaube ich auch daran.

Leider war es mir nicht gegeben fünfzehn Freunde und Verwandte zu fotografieren, die verstorben sind, bevor ich diese Idee hatte. Inzwischen sind von den Fotografierten vier meiner guten Freunde von uns gegangen.

Zu guter letzt:

Mein Wunsch wurde erfüllt – ich habe eine gesunde Wirbelsäule.

Wenn ich mir noch was wünschen dürfte, würde ich zu gerne meinen Vorfahren begegnen. Am liebsten bis zur Amöbe oder den Affen. Oder, wenn das nicht möglich ist, wenigstens bis zu sieben Generationen, wie das bei Menschen, die Schamanismus praktizieren, üblich ist.

Noch ein paar Sätze zum Selbstportrait, das ich mir ausgedacht habe. Seit 1991, besuche ich jedes Jahr das fünftausend zwei hundert Jahre alte Megalithengrab „Vasagaard“ auf Bornholm. In einem abgedecktenden Stein befindet sich eine Vertiefung für das rituelle Blut, in das ich aus Tradition opfernd Rotwein gieße und zusätzlich einige Schlücke trinke. Nach diesem slawischen Gebrauch versuche ich die Gunst der Götter, die diese heilige Stelle besiedeln, für ein nächstes Jahr zu erbetten. In dem Selbstporträt legte ich bewusst meine Kleidung ab und fotografierte mich nackt, so wie ich geboren wurde. Ebenso wünsche ich mir nackt zu sterben und verbrannt zu werden.

Das ist jedoch bereits mein dritter Wunsch. Der reale goldene Fisch erfüllt angeblich drei Wünsche auf einmal.

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Ich bin eine von dieser 138 Personen, die von Richard fotografiert wurden. Ich wollte im weißen Kleid fotografiert werden. Mein Wunsch betraf Sterben. Mein Sterben. Aber mehr weiss ich nicht. Kommet und sehet.

Eure Ewa Maria

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Ein anderer Gott

Brygida Helbig

Kuchen zum Geburtstag

Man sagt,  viele Deutsche glauben nicht mehr an Gott.  Ich glaube das nicht. Sie glauben nur an einen anderen Gott.

Es fing wie immer unschuldig an. Ein runder Geburtstag von meinem Liebsten näherte sich unbarmherzig. Ich habe gehofft, dass dieses Jahr alles anders sein würde als sonst. Aber nein, ein paar Tage vor dem Fest rief seine Mutter bei uns an: Was möchtest Du denn für einen Kuchen zum Geburtstag, Ralf? Auch seine Schwester verkündete, einen leckeren Kuchen für ihn backen zu wollen. Scheibenkleister, da war er wieder, das Phantom, das mich seit Jahren verfolgt, der Gott aller Deutschen – der selbstgebackene Kuchen. Er packte mich wie jedes Jahr am Kragen, weckte Panikgefühle und Zerrissenheit zwischen zwei widerstrebenden Kräften. Zum einen fühlte ich mich als Frau sofort herausgefordert:  Ich darf ja beim Kuchenbacken nicht schlechter als andere Frauen abschneiden. Ein tief verwurzelter, auf dem Mist jahrhundertealter patriarchaler Unterdrückung gewachsener Frauenstolz wurde angestachelt. Andererseits ahnte ich aber, dass dieses Gebäck-Gefecht mit Mutter und Schwester meines Mannes doch absurd ist und dass ich mich mit den anderen zwei Frauen vielmehr solidarisieren und versuchen sollte, den Zwang zum Kuchen zu unterwandern, den Götzen von seinem Thron zu stürzen.

Und überhaupt: Ist es der Fürsorge für einen einzigen Mann nicht etwas zu viel? Und wozu denn überhaupt drei Kuchen für fünf Familienangehörige, die nach einem üppigen Mittagessen sowieso keinen Hunger mehr haben? Da geht es offenbar um etwas anderes als darum, dass wir alle satt und zufrieden sind. Es geht darum, dem Mann und allen Anwesenden zu beweisen, wie wir ihn lieben und was für vollwertige Frauen wir sind.  So oder so, am heiligen Kuchen darf in Deutschland nicht gerüttelt werden. Daran hängt die Identität einer ganzen Nation, die sich in manchen Dingen immer noch nicht zu entspannen vermag, auch wenn sie überall auf der Welt krampfhaft Entspannung sucht.

„Warum bäckst Du nicht auch einmal selbst einen Kuchen für sich? Oder mit mir zusammen?“, fragte ich meinen Liebsten. „So wie wir Frauen für uns selbst zum Geburtstag einen backen?“  Betretenes Schweigen. Jetzt denkt er, ich, schlaue polnische Frau, die gern untätig auf dem Sofa liegt und sich die Fingernägel lackiert, will keinen Kuchen für ihn backen – eine Schande, die der Gotteslästerung gleicht. Wenn  es keinen kulturellen Zwang gäbe, wenn auch Ralf für mich ab und zu einen Kuchen backen würde, so hätte ich es auch gern gemacht. Doch in Deutschland ist der Kuchen eine höchst verfängliche Sache – Abgründe tun sich auf, wenn man anfängt, an dieser Stelle zu graben. Der selbstgebackene, heute noch am besten naturbelassene Bio-Kuchen ist ein Fetisch. Frauen bauen sich da selbst eine Falle. Wer als Frau Gäste einlädt und ihnen keinen handgemachten Kuchen vor die Nase setzen kann, hat sich kompromittiert.  Es gibt kaum schlimmere Peinlichkeiten hierzulande.

Manche sagen, die polnischen Frauen wären im Vergleich zu den deutschen hinterm Mond, was die Emanzipation betrifft. Doch der Kult des deutschen Kuchens beweist eindeutig das Gegenteil. In Polen ist nichts weiter dabei, wenn man seine Gäste mit einem gekauften Kuchen konfrontiert. Es gilt sogar mitunter als schick, Kuchen von einer guten Konditorei aufzutischen. Diese Sitte scheint aus der Tradition des polnischen Adels zu kommen, genauso wie der Handkuss.

Die erste Begegnung mit dem deutschen Frauenbild hatte ich bereits 1984, kurz nachdem ich aus Polen nach Deutschland übersiedelte. Da wohnte ich einer Hochzeit bei. Die Schwester der Braut besang deren Vorzüge mit dem Spruch: „perfekt im Kochen und Backen“. Dann wurde ich zu einem Geburtstag meiner damals 19-jährigen Freundin nach Wanne-Eickel eingeladen. Für sechs Gäste hat ihre Mutter fünf verschiedene Kuchen hingeschmissen. Sie leuchteten wie Monstranzen auf dem Altar und wir verneigten uns ehrfürchtig vor ihnen und vor der Priesterin. Auf unseren polnischen Partys gab es damals nur spärlich belegte Schnittchen und diese bereiteten wir ohne Beistand unserer Mütter zu. Spätestens ab dem 18. Geburtstag galt es als uncool, Mütter für die Organisation unserer Geburtstage zu engagieren, eher sah man zu, dass diese so wenig wie möglich vom Geschehen mitkriegten.

Später übersiedelte ich nach Berlin und dachte, hier in der Hauptstadt wird alles anders sein. Ich trat einem privaten Frauen-Literatur-Zirkel bei. Wir trafen uns abwechselnd bei jeder von uns und jedes Mal mussten mindestens zwei verschiedene, selbstverständlich selbstgebackene Kuchen auf den Tisch. Als ich an der Reihe war, habe ich einen Kuchen aus Stettin mitgebracht und frech behauptet, ich hätte ihn selbstgebacken. Die Frauen knallten eine ordentliche Portion Schlagsahne drauf und waren überglücklich.

[Ich habe teuflisch gelacht.]

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Über die Autorin – HIER lesen

Reblogs: Drei Jahre danach / Trzy lata później

11.03.2011 / 11.03.2014

Katastrofa nuklearna w Fukushimie nastąpiła 11 marca 2011 roku, gdy tsunami uderzyło w położoną na północ od Tokio siłownię Fukushima, powodując stopienie się prętów paliwowych w trzech reaktorach oraz promieniotwórcze skażenie okolicznych terenów, z których ewakuowano 160 tys. ludzi. Awarii w Fukushimie przypisano najwyższy, siódmy stopień w skali INES (mierzącej od 0 do 7 stopni), który był przypisany katastrofie w Czarnobylu z 1986 r. Po awarii powstały setki stalowych zbiorników na skażoną wodę. W kilku z nich odnotowano nieszczelność, w sierpniu 2013 r. wyciekło 300 ton skażonej wody, w lutym tego roku – 100 ton. Japońskie władze zaklasyfikowały incydent sierpniowy jako trzeci stopień na skali INES. Rzecznik TEPCO, firmy zarządzającej elektrownią, Masayuki Ono, zapewnił, że podejmuje się „różnego rodzaju działania” w związku z wyciekiem, ale że jest mało prawdopodobne, żeby skażona woda dotarła do oceanu.

Trzy lata temu, po katastrofie w Fukushimie, Żywia Karasińska-Fluks opublikowała na blogu “Jak udusić kurę” opowiadanie zatytułowane “Gdzie jest Kazuko?” Sięgnijmy po nie w trzecią rocznicę katastrofy.

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Sind es weiterhin Obdachlosen, die dort arbeiten? Czy w Fukushimie nadal pracują bezdomni?

Nuklearkatastrophe von Fukushima begann am 11. März 2011 mit dem Töhoku-Erdbeben und lief gleichzeitig in vier Reaktorblöcken ab, wo es zu Kernschmelzen kam. Große Mengen an radioaktivem Material wurden freigesetzt und kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel in der land- und meerseitigen Umgebung.

Kurz vor dem dritten Jahrestag der Reaktorkatastrophe warnte die internationale Ärzteorganisation IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) vor der Vertuschung gesundheitlicher Folgen. Laut der Bielefelder Ärztin Angelika Claußen werden Ärzte in Japan von der Regierung unter Druck gesetzt, wenn sie nach medizinischen Folgen der Katastrophe suchen. Die Journalistin Oshidori Mako berichtet von immer neuen Lecks am Reaktor und von Schulen, die Lebensmittel aus der Region verwenden müssen, um deren Unbedenklichkeit zu demonstrieren.

Am 3. Jahrestag der Katastrophe sehen wir uns einen kleinen Film von der
Aktuelle Stunde, gesendet am 08.03.2014 unter dem Titel: Fukushima – die verschwiegene Gefahr

In Sarmatien

Tak się nazywa ten film. W Sarmacji. Pokazano go w ubiegłym roku na festiwalu filmów dokumentalnych w Dreźnie. Od dziś wchodzi do kin niemieckich.
So hieß der Film: In Sarmatien. Wurde auf dem Dokumentar Film Festival in Dresden im letzten Jahr gezeigt. Ab heute kommt er in Kinos.

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Der Titel des Filmes vebindet ihn mit dem Gedichtband von Johannes Bobrowski – Sarmatische Zeit aus dem Jahre 1961.
Das Motto des Filmes ist ein Zitat aus Novalis: Alle Erinnerung ist Gegenwart.
Motto filmu zostało zaczerpnięte z Novalisa: Wszelkie wspomnienie jest teraźniejszością.

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Originaltitel / Tytuł oryginalny: In Sarmatien Foto1199
Land / Kraj: Deutschland
Jahr / Rok: 2013
Sprache / Język: deutsch, rumänisch, russisch, ukrainisch (niemiecki, rumuński, rosyjski, ukraiński)
Untertitel / Podpisy: deutsche, englische (niemieckie, angielskie)
Laufzeit / Czas: 120 Minuten
Regisseur / Reżyser: Volker Koepp
Musik / Muzyka: Rainer Böhm
Kamera / Operator: Thomas Plenert

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Foto1200Dla Polaków Sarmaci to przedstawiciele kultury sarmackiej czyli szlacheckiej kultury polskiej w okresie między Renesansem a upadkiem Rzeczpospolitej. Dlatego pozwoliłam sobie przypomnieć tu zaczerpnięty z Wikipedii opis geograficznej Sarmacji, bo o nią w tym filmie chodzi.

Sarmacja to pojęcie geograficzne pierwszy raz użyte w starożytności przez geografa aleksandryjskiego Klaudiusza Ptolemeusza. Kraj na krawędzi Europy, od Morza Czarnego i Kaspijskiego ku północy do Zatoki Wenedzkiej (Wenedyjskiej) nad Oceanem Sarmackim, dokąd wpadała rzeka Vistula, Chron, Rudon, Turunt i Chesin. Zachodnią granicą Sarmcji była Wisła, wschodnią – Don.
Informacje te powtórzył i poprawił Maciej Miechowita w swym Traktacie o dwóch Sarmacjach z 1517 r.

Foto1201Film Koeppa to spotkania z ludźmi zamieszkującymi Sarmację, które zostały nakręcone, gdy Sarmacja, pozornie, była jeszcze szczęśliwą krainą zamieszkaną przez szczęśliwych ludzi. Gdy jeszcze nikt nie musiał wiedzieć, kto to jest Janukowicz, ani co to znaczy majdan. Dziś, niespełna rok później, po odrzuceniu przez Janukowicza opcji europejskiej, po trzech miesiącach pokojowych protestów na Majdanie w Kijowie, po krwawych walkach, rozejmie i wkroczeniu wojsk rosyjskich na Ukrainę, nikt nie wie, jak się rozwinie sytuacja i jak tu będzie w przyszłości wyglądalo. Możliwe, że Koepp nakręcił ostatni “przedwojenny” film o Ukrainie.

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Foto1202Auf der Festiwalseite schreibt Ralph Eue über den Film:

Es gibt zwei gegensätzliche Arten, Sarmatien zu beschreiben: als eine Gegend am Rande der bekannten Welt – so sahen es die alten Griechen –, oder als jenen Teil Europas, wo sich das einst sorgfältig vermessene geografische Zentrum des Kontinents befindet. Im Register des aktuellen „Diercke Weltatlas“ wird man Sarmatien indes vergeblich suchen, als Verwaltungseinheit ist es inexistent, und auch Google Maps vermag kein Stück weiterzuhelfen. Dennoch ist Sarmatien kein Hirngespinst.
Für seinen neuen Film ist Volker Koepp dorthin aufgebrochen und lässt uns mit großzügiger Geste teilhaben an seinen Eindrücken und Begegnungen in einer ebenso unbekannten wie eigentlich nahegelegenen Region zwischen Litauen und Weißrussland, zwischen der Ukraine und Polen, welche im Norden an die Ostsee grenzt und im Süden ans Schwarze Meer. Seit langem, mindestens seit 1972, als er „Grüße aus Sarmatien für den Dichter Johannes Bobrowski“ drehte, ist die historische Landschaft in seinem Werk immer wieder präsent. Ähnlich wie Bobrowski sieht auch Volker Koepp hier „jenes Traumland, in dem sämtliche Völker und Religionen ihren Platz fänden, wenn nicht die Geschichte alles eins ums andere Mal umgepflügt hätte“. Die Verwerfungen, die das hinterlassen hat, auch und gerade in den Menschen, die dort leben, und wie diese Menschen trotz allem von innen heraus strahlen, das ist hier aufs Schönste zu erfahren.

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Z filmu zapisałam kilka zdań i sytuacji, które zwróciły moją uwagę. Aus dem Film habe ich ein paar Sätze und Situationen notiert, die meine Aufmerksamkeit weckten.

Ukraina

Ukraina wird sich (an die EU) angliedern, da lernen alle Deutsch.
Ukraina włączy się (do EU), wszyscy uczą się więc niemieckiego.

Wir haben immer die Hoffnung, dass wir näher an Europa kommen.
Wszyscy mamy nadzieję, że zbliżymy się do Europy.

65 % der Jugend möchte Ukraina verlassen.
65% młodzieży chce wyjechać z Ukrainy.

Wir sollen nach Europa, aber es wird nichts daraus werden.
Mamy wejść do Europy, ale z tego nic nie będzie.

Der Druck seitens Russland ist zu groß, man kann nicht atmen.
Presja Rosji jest zbyt mocna, nie można oddychać.

Moldavien / Mołdawia

Moderne Zeit vernichtet schlimmer als Türken und Russen.
Współczesne czasy niszczą gorzej niż Turcy i Rosjanie.

Eigentlich hat sich Europa von uns getrennt.
Europa się od nas właściwie odwróciła.

Königsberg / Królewiec

Schwere Zeiten bringen Menschen dazu, über das Leben nachzudenken.
Ciężkie czasy sprawiają, że ludzie zaczynają się zastanawiać nad życiem.

Es muss besser werden, sonst muss man das Land verlassen, und das möchte ich nicht.
Musi być lepiej, inaczej musielibyśmy wyjechać, a tego nie chcę.

Und am Ende des Filmes, schon nach dem Abspann, sagt Herr Zwilling – der Pessimist aus dem Film “Herr Zwilling und Frau Zuckermann” desselben Regisseurs Volker Koepp: Es wird alles gut werden.
Na zakończenie, już po końcowych napisach, pan Zwilling, pesymista z filmu tegoż reżysera “Herr Zwilling und Frau Zuckermann” mówi: Wszystko będzie dobrze.

Dass es so sein wird.
Oby.

Wieso? Why? Dlaczego?

220px-Stroj_lowickiAlles worüber ich hier schreibe, findet man in Wikipedia. Ausser… Weißt jemand, weshalb Polen nichts zum Immaterielles Kulturerbe zugefügt hat? 

Everything I write here about, you find in Net, but… Could somebody explain me, why there is nothing from Poland in that list?

To, o czym tu piszę, każdy może znaleźć w Wikipedii. Ale nigdzie nie ma wyjaśnienia, dlaczego Polska nie dodała nic do tej listy?

Immaterielles Kulturerbe

Puppentheater, Poetry Slam, Prozessionen, Heilwissen und Geigenbaukunst – all das spiegelt die Bandbreite des gelebten Kulturerbes wider. Die Formen immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie 250px-Oscypkisind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet. Zu den Ausdrucksformen gehören etwa Tanz, Theater, Musik und mündliche Überlieferungen wie auch Bräuche, Feste und Handwerkskünste.

Damit das weltweit vorhandene traditionelle Wissen und Können erhalten bleibt, hat die UNESCO 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes verabschiedet. Mehr als 150 Staaten wiankisind inzwischen der völkerrechtlich verbindlichen Konvention, die 2006 in Kraft trat, beigetreten. Die drei Listen des immateriellen Kulturerbes veranschaulichen die Vielfalt lebendiger kultureller Ausdrucksformen aus allen Weltregionen.

In Deutschland ist das UNESCO-Übereinkommen 2013 in Kraft getreten. Schrittweise wird ein Verzeichnis des hierzulande gepflegten immateriellen Kulturerbes erstellt. Das bundesweite Verzeichnis soll von Jahr zu Jahr wachsen und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar machen.

lancuch_headCzym jest niematerialne dziedzictwo kulturowe?

Bardzo ważną częścią dziedzictwa oprócz zabytków, dzieł sztuki i kolekcji cennych eksponatów jest także tradycja, żywe niematerialne przejawy kultury odziedziczone po przodkach i przekazywane kolejnym pokoleniom.

  • Tradycje i przekazy ustne między innymi bajki, przysłowia, pieśni, oracje, opowieści wspomnieniowe i wierzeniowe, historie, przemowy, lamenty pogrzebowe, zawołania pasterskie i handlowe, w tym język jako nośnik niematerialnego dziedzictwa kulturowego;
  • sztuki widowiskowe i tradycje muzyczne w tym tradycje muzyczne wokalne, instrumentalne i taneczne, widowiska religijne, karnawałowe i doroczne;podlazniczka
    • praktyki społeczno-kulturowe takie jak zwyczaje, rytuały i obrzędy
    • doroczne, sytuacyjne i rodzinne, chrzciny, wesela, pogrzeby, ceremoniały lokalne i środowiskowe, zwyczaje odpustowe i pielgrzymki, gry i zabawy, folklor dziecięcy, sposoby świętowania, praktyki służące nawiązywaniu kontaktów międzyludzkich, sposoby składania życzeń, tradycyjne wyobrażenia o wszechświecie na przykład meteorologia ludowa;
    • wiedza i praktyki dotyczące przyrody i wszechświata; tradycyjne sposoby leczenia; zamawiania miłosne i medyczne, a także
    • wiedza i umiejętności związane z rzemiosłem tradycyjnym……wszystko to i wiele innych, niewymienionych tu zjawisk w całym ich bogactwie i różnorodności określamy jednym terminem – niematerialne dziedzictwo kulturowe.

przezogniskoUNESCO Intangible Cultural Heritage Lists

are established by UNESCO aiming to ensure the better protection of important  intangible cultural heritages worldwide and the awareness of their significance. Through a compendium of the different oral and intangible treasures of humankind worldwide, the program aims to draw attention to the importance of safeguarding intangible heritage, which has been identified by UNESCO as an essential component and a repository of cultural diversity and creative expression.

The programme currently compiles two lists. The longer Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity comprises cultural “practices and expressions [that] help demonstrate the diversity of this heritage and raise awareness about its importance.” The shorter List of Intangible Cultural Heritage in Need of Urgent Safeguarding is composed of those cultural elements that concerned communities and countries consider require urgent measures to keep them alive.

Palma.wielkanocna.AnetyThe programme was established in 2008, when the Convention for the Safeguarding of Intangible Cultural Heritage took effect. Prior to this, a project known as the Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity has already been active in recognizing the value of intangibles such as tradition, custom and cultural spaces and the local actors who sustain these forms of cultural expressions through a Proclamation. Identification of the Masterpieces also entails the commitment of states to promote and safeguard these treasures, while UNESCO finances plans for their conservation. Started in 2001 and held biennially until 2005, a total of three Proclamations occurred, encompassing 90 forms of intangible heritage around the world.

The 90 previously proclaimed Masterpieces have been incorporated into the Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity as its first entries, to be known as elements.Subsequent elements will be added following the assessment of nominations submitted by national governments acceding to the UNESCO Convention, termed as member states, who are each allowed to submit a single candidature file, in addition to multi-national candidatures. A panel of experts in intangible heritage and an appointed body, known as the Intergovernmental Committee for the Safeguarding of Intangible Cultural Heritage, then examine each of the nominations before officially inscribing the candidates as elements on the List.

76 more elements were added on 30 September 2009, during the fourth session of the Committee, and a further 47 in 2010.

Expressionistische Märchen? (3)

Lidia Głuchowska

kinder1Das Leid der Kinder: Vera Hesse und Inge Denker

Inge Denker, o.T. (Arme Kinder), 1982

Missbrauchte Kinder
Verweinte in zahnlosen Kinderwagen
arbeitermondgezeugt
flüchtet eure Seele
ohne Betäubung entnommen
wie blutender Pflastersteinvogel
einer endlosen Demonstration
Scherbenenkel
Hinter einäugigen Gardinen
hügelt sich die blinde Großmutter
am Kellerloch eurer kranken Nierchen
pflanzt ein Pfarrer sich heiße Kartoffeln
aller Brüderchen Sonne
erstickt im Ställchen der Hinterhoftränefiut
Verbergt die uneheliche Fahne,
die rote!
Verlasst die schreckliche Tat!
Die Reichen verspeisen hier alles
Im Stadtteil der gepferdeten Hunde
verwest euer helles Aufgestütztsein
in dem nun gestohlenen Nischen
Neues aus Müll werdet ihr nicht
und später verloren
zwischen Mahnung und unbezahlter Rechnung
ist die Miete überfällig
der Strom abgestellt
das Hauptzollamt klagt gegen euch
auch die Krankenkasse
ein Prozess wegen Nichtbeachtung
des Betäubungsmittelgesetztes
steht euch bevor
der Offenbarungseid ist schon geleistet

fiuty
Vollstreckungsmaßnahmen angedroht
ebenso Strafe für Beförderungserschleichung
der Gedenkbibliothek schuldet ihr ein Buch
wieso hat auch Der Senator für Stadt-
ent
wicklung und Umweltschutz keine Freude an euch
Rechtsbehelfsbelehrung morgen
heute Verdacht des Verstoßes
gegen das Ausländergesetz
Die Staatsanwaltschaft bei dem
Landgericht Berlin mahnt
sehr geehrte…
der Bußgeldbescheid ist rechtskräftig
Tatort war das Stadtgebiet
Ihr habt die Polizeibeamten
Plaß und Vaders beleidigt
schreibt das Amtsgericht
und der Polizeipräsident bittet euch,
die Ausweispapiere mitzubringen,
die der Gerichtsvollzieher soeben
an eurer zwangsweise geöffneten Tür überprüft
Missbrauchte Kinder
die Lebenssechs auf allem Zeugnis
hat keine eigne Art berühmt zu werden
im Eimer eurer Hauswartseltern
bellt Doppelhund im fünften Stock
ums ferneweite, sanftbeschneite
Haushüttchen auf dem Land
Doch hier an jedem Abendhart
am tischleindeckdich Smog
ballt steingesammelt eurer Mutter Leid
frühkindlich grünts hier nie
Vom fünften Fliegenpilz der Kirche
gesättigt am Oranienplatz
der Kudammbodenheizung fliehend
heim, Stehgreifkiez des Ex und Hoff

Während zahlreiche Künstler sich so gern dem rein Ästhetischen, dem Privaten widmen, scheut sich Inge Denker nicht, selbst das Tabuisierte metaphorisch und doch untrüglich offen im Bild und Wort zum Ausdruck zu bringen. Dies tut sie besonders unmißverständlich in ihrer Dichtung wie in ihrer Serie von Federzeichnungen und Aquarellen, welche ein erst in letzter Zeit häufiger angesprochenes Verbrechen – den Kindesmissbrauch – zum Thema hat.

In einigen großformatigen, filigrangenauen Federzeichnungen, entstanden zwischen 2002 und 2010, setzt sie ein ein Mahnmal für die Opfer dieses Verbrechens, – das, wie es inzwischen deutlich wird – einen alarmierendes Ausmaß hat und was, da es von der Gesellschaft schweigend geduldet wurde, der öffentlichen Debatte so lange entzogen blieb. Noch in den achziger Jahren wurde die Künstlerin darauf  aufmerksam und malte teilweise schon zu dieser Zeit Aquarelle, die von einer verlorener Kindheit und einem davon für immer überschatteten Leben und dem daraus folgenden Glaubensverlust erzählen (Entkommen die Frommen?, 1988).

kinder4-poziom
Im Dialog mit ihren Zeichnungen hat Vera Hesse Gedichte verfasst. Zusammen wurden diese Werke 2012 aufgenommen in Federspurweisen – ein Kunstbuch, gestaltet in Bild und Wort. Inspiriert von der Federzeichnung Schmerzensgeld ausgeschlossen (2002) wurden folgende Verse verfaßt:

heischt unausthaltbar
Augenblicken wundem Jetzt
ohnmachterbeschwer

ward ein Erleben
in seinem Bildnis gefoltert
narbt Einst gellt Gegend

Wohnstadtfremden her
dauert Zwischenkunft besetzt
Zeitgrund haust langsam (S. 84, 85).

Und das erschreckende Bild des von etlichen Kirchtürme durchstochenen menschlichen Körpers (Missbrauch und Verletzung, 2010) wird von der Dichterin mit den folgenden Worten interpretiert:

lasset die Kinder
in dieser Welt daheim sein
vertraut und behaust

der Gottesschulen
Missbrauchswurzel Religion
veropfert Suchen

Erstaungrund gen Schaun
gilt tieferhellsam Weisheit
Alles hier finden (S. 86, 87).

kinder5-poziomAuch wenn gegenüber Ausmaß des Kinderschmerzes und des Leidens, welche aus dem Gedächtnis wohl nicht wegzuwischen sind, der Mensch sprachlos bleibt, wirken diese Bilder und Verse doch als notwendige Mahnzeichen und als eine beständige Warnung.

Federspurweisen. Federzeichnungen: Inge Denker, Haikutrios: Vera Hesse. Edition Hentrich, Berlin 2012. ISBN  978-3-89468-186-8

 

Expressionistische Märchen? (2)

Inge_Zuhaus7_8-kleinLidia Głuchowska

Inge Denker über das Heim und mütterliche Träume

Gewoben aus Traum, Wirklichkeit und Erinnerung erscheinen die großformatigen Federzeichnungen Inge Denkers, die sie den weiblichen Visionen von Zuhause, Familie und Mutterschaft gewidmet hat, minutiös angefertigt, doch sehr surreal. Ihre Grundlage waren Erzählungen zahlreicher Frauen, die der Künstlerin ihre intimsten Gedanken und Bekenntnisse anvertraut und ihr Schicksal erzählt haben.

Inge Denker hat zwei ganz unterschiedliche künstlerische Medien zu den ihren gemacht: das Aquarell [dem der vorige Beitrag über die Künstlerin gewidmet war – L.G.] und die Federzeichnung. Beiden ist gemeinsam die Zartheit und – verglichen mit den Dimensionen des Tafelbildes – das eher intime Format (wobei die Zeichnungen mit annähernd Folioformat sogar vergleichsweise groß sind). Sehr unterschiedlich ist dagegen der Entstehungsprozess: während die Federzeichnung in langwieriger Feinarbeit über Wochen, gar Monate hinweg entsteht, muss das Aquarell rasch und in einem Guss geschaffen werden. Dementsprechend sind die graphischen Arbeiten äußerst detailreich und erfordern ein konzentriertes, fast hingebungsvolles Betrachten – wohingegen die Aquarelle unmittelbar und emotional wirken.

Verena Krieger, Zur Kunst von Inge Denker. In: Inge Denker. Aquarelle. Federzeichnungen. Lübeck 2004. ISBN: 3-00-014400-5

Die besprochenen Federzeichnungsreihe ähnelt einer komplexen, mehrstimmigen Erzählung zum gleichen Thema: „Zuhause, Familie und Mutterschaft“, wobei sie auch in mehreren parallelen Varianten davon Zeugnis gibt.

Zuhaus3-4-kleinCharakteristisch dafür sind die Metaphern eines Heims, das einer auf einer sicheren Insel aufgebauten Burg gleicht (Auferstehung der Bäume, 1982). Diese, umkreist vom Meer mit großen Booten, die ebenfalls andere Häuser in sich beheimaten, ist durch weitere kleine Boote mit der Außenwelt und weiteren Inseln vernetzt, die teilweise bereits verlassen und verwüstet sind. Die Burg selbst, durch eine Reihe von Bäumen geschützt, scheint jedoch frei von Gefahr und nur vom Glück erfüllt zu sein. Zumindest für den Augenblick.
Positiv wirkt auch das Bild des Hauses auf einem Riesenkrug über die Welt erhoben (Bildnis einer Mutter, 1982) einerseits mit einem Blick nur auf den fast wolkenfreien Himmel, andererseits durch eine beschützende Wolke von der übrigen Welt abgesondert. Es ist kaum zu sehen, dass in der der Ferne ein ähnliches krugartiges Gebilde schimmert. Im Dialog mit diesem Bild schrieb Vera Hesse ein in seiner Aussage düsteres Gedicht:
Zuhaus1-kleinWolkenortsprache
Heimesfluchtenwind schüttelt
lautleises Wahren

aus seiner Ganzheit
spricht der zerbrochene Krug
trauneinsther randweit

raumweites Ahnen
einer Mutterbildbrücke
hortet noch Fragen

Zuhaus2-kleinaus: Federspurweisen. Federzeichnungen: Inge Denker,
Haikurtios: Vera Hesse. Edition Hentrich, Berlin 2012, S. 1-13.

Optimistisch-konstruktiv scheinen auch die dieser Federzeichnungsserie zugehörigen Darstellungen von Wohnstrukturen zu sein, deren Hauptbestandteil Bäume bilden. Eines davon – ein Riesenbaum auf einem Hügel, umrahmt von Unzahl seiner verkleinerten Kopien, heißt die Baummutter (1981). Ein anderer großer Baum, der in zwischen seinen Ästen eine Mehrzahl von Räumlichkeiten und in seinem Stamm einen beäugten, personifizierten Eingang hütet, wurde sogar Selbstbildnis (1982) genannt. Und in der Tat, nach einer genaueren Betrachtung entdeckt man, dass es versteckt in einem dichten Gewebe anderer palimpsestartig aufgebauter Details auch das Gesicht der Künstlerin in sich birgt.

Weitere zwei Häuser schwimmen auf den Meeresschiffen, wie bebäumte, bewegliche Inseln, denen jeweils ein entwurzelter und wohl hinter das Heck herausgeschmissener Baum angehängt wird. (Frauenarche, Die letzten Vier, beide 1981).

Inge_Zuhaus09kleinDie andere Gruppe von Darstellungen dieser Reihe wirkt etwas weniger ausgeglichen. Eine davon stellt eine Mühle auf einem Hügel dar, der sich über mehreren kleineren Hügeln erhebt, auf denen kleine Häuschen zu sehen sind. Die zierliche dekorierte Mühle gleicht somit etwa einer Dorfkirche, während im Hintergrund auf dem Himmel voller kleiner Wolken auf zweien davon wie andere solche Mühlen in die Ferne schweben (lieber Mühlen bauen, 1981).

Einer Mühle ähnelt auch ein verwüsteter Baum, der auf einem gestrandeten Boot wächst und in seinen Riesenästen ganz hoch ein kleines Palais und unten ein großes Haus beherbergt. Doch der Korpus des Hauses fällt gerade ins Wasser um die Insel herum, auf der sich das Boot samt seines Inhalts befindet. Vernachlässigung (1981) heißt das Bild, welches das Ende eines mühsam aufgebauten Glücks zu veranschaulichen scheint.

Inge_Zuhaus10kleinUnd schließlich trägt ein Engel mit dem gebrochenen Hals und den zum Gebet zusammengelegten Händen ein Boot, während er auf seinen Flügeln zahlreiche Bäume, mit den Wurzeln in den Himmel gerichtet stützt, während ein sich aus seinem Körper befreiender Turm ebenfalls Richtung Himmel erhebt. Dazu schrieb wiederum Vera Hesse:

Weltenchaosturm
entankerter Wohnstätten
reißt Behaustsein ein

waldsturzgeflügelt
kniet die Kopfgeburt Engel
Halturmenfügen

einsther kaumweit zeiht
erhandet her Notständen
jetztet Nahortspur (S. 74,75).

Zur Entstehungsgeschichte dieser Werke berichtet Verena Krieger:

Die Federzeichnungen entstanden hauptsächlich in den siebziger und frühen achtziger Jahren. Der Grund war zunächst sehr schlicht: es mangelte am Geld für teures Papier und Aquarellfarben. Zugleich ermöglichte die Technik ein langfristiges Arbeiten immer dann, wenn gerade einmal Zeit war in dieser Lebensphase, die von vielen Verpflichtungen neben der Kunst geprägt war. Doch neben solchen praktischen Aspekten eröffnete die Federzeichnung spezifische Gestaltungsmöglichkeiten, die Inge Denker in ihrem Sinne zu nutzen wusste. Ihre Zeichnungen haben eine Doppelstruktur: einerseits handelt es sich um ein „Gewimmel“ einer Vielzahl von Einzelmotiven, die sich nur bei längerer und genauerer Betrachtung erschließend ins Surreale tendieren. (…) Andererseits sind diese Motive in eine Metastruktur eingebunden, die, meist, symmetrisch aufgebaut, eher den Eindruck einer klaren Ordnung erzeugt. Reale Größenverhältnisse werden dabei spielend außer Kraft gesetzt. (s. 6-7)

Inge_Zuhaus11kleinDiese Visionen vom Zuhause sind nicht einfach zu deuten, bleiben oft unklar, geheimnisvoll, obwohl dem Betrachter immer durch symbolische Zeichen einen gewissen Zugang zu deren Inhalt gewährt wird. Die bildliche Erzählung von Familie und Mutterschaft wird hier – wie ein menschlicher Weg – mehrfach verzweigt und immer wieder vom Neuen begonnen. Zusammen scheinen die Bilder Inge Denkers im Dialog mit den Gedichten von Vera Hesse zur Konklusion der Unmöglichkeit eines stabilen Zuhauses zu führen, egal mit welch extremer Mühe frau dieses Gewebe von Traum und Wirklichkeit schafft. Ist es aber wirklich so? In den noch viel zahlreicheren Zeichnungen, die hier nur beispielhaft aufgeführt wurden,  gibt es nur einige wenige Analogien und Wiederholungen. Die  polyphone Vielfalt dieser berichteten und dann bildlich rekonstruierten oder eher neustrukturierten Erinnerungen ergibt keine eindeutige Aussage.

Und während der pessimistische Ton der Gedichte beinahe eindeutig bleibt, bringt die surreale Welt der Federzeichnungsreihe weit Ambivalenteres zum Ausdruck. Sie läßt durchaus etwas Hoffnung auf das Glück, das die Frau – mindestens zeitweilig – von der Welt schützen und wie ein Baum wachsen lassen kann.Und eine Auseinandersetzung mt diesen visuellen Rätseln ist einen nicht nur intellektuelle, sondern auch geistige Übung.

Siehe auch: http://www.ingedenker-aquarelle.de

Fortsetzung folgt in einer Woche

Roger Loewig

loewkubcoverVor langem Zeit gaben wir im WIR e.V. mit Lidia Głuchowska zusammen zwei ihre Bücher über Stanisław Kubicki aus, den deutsch-polnischen Maler und Dichter, von dem hier, in diesem Blog, schon zig Mal die Rede war. Das dritte ihre Buch fasste die Schaffung erweiterte das Thema; es hieß: “Roger Loewig und Stanisław Kubicki. Zwei Maler-Dichter in der Verteidigung der Inseln der Menschlichkeit “

Damals arbeiteten wir eng mit der Roger Loewig Gesellschaft zusammen und mit ihrer Mitarbeiterin – Felice Fey. Irgendwann danach gab Felice selber ein Buch über Roger Loewig heraus. Heute hat sie uns / mir ein Fragment dieser Biographie zur Verfügung gestellt.

liebendeRoger Loewig: Eine Biographie, von Felice Fey
Berlin: Lukas Verlag, 2011

Auszug aus dem Kapitel „Späte Ernte“, S. 216-217

Die Reisen brachten eine gewisse Verschiebung der Bildinhalte mit sich. Noch immer schuf er Landschaften des Untergangs. Noch immer war die deutsche Teilung das Motiv, um das sein Schaffen kreiste. Aber er löste sich langsam von Fixierungen. Die Entwicklung hin zu einer subtileren Formulierung im Bild wird deutlich in einem Text, den er im Katalog der Regensburger Ausstellung zur abgebildeten Kugelschreiber-Zeichnung „Landschaft mit zwei untergehenden Sonnen“ aus dem Jahr 1976 veröffentlichte:

Die Weite eines Feldes, eines Ackers, die Tiefe eines Weges, einer ins Endlose entschwindenden einsamen Straße – ob damals zu Hause, ob in Nordböhmen,  in Masuren oder woanders – haben mich immer fasziniert und gelockt und in sich hineingesogen. […] An ihren Rändern, durch ihre Mitte, über die ganze Breite des Himmels, Zweigestirne bildend, klafft oft ein Graben, ein Riß, trennt sie eine gebrochene Naht, eine lange Wunde, eine schlecht verwachsene Narbe: Gleichnisse für böse Grenzmarkierungen. Die Absperrungen, die schrecklichen Palisaden, den unbewohnten, unbegehbaren Streifen Niemandsland, die träumte ich in meine Felder nicht hinein. Das ist deutliche, unverwischbare Wirklichkeit. Und wo finden sie sich nicht? Sie sind eingraviert in alle Himmelsrichtungen, sie zerschneiden Länder und Völker, Ströme, Straßen, Städte und uns selbst. Und sie lassen schließlich – zu dauerhaft und bis heut noch unverrottbar – manches und manchen, die, von ihnen verwundet, sich ihnen nicht mehr entziehen konnten, ausbluten.

flugfeldzeichenNicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben blickten Roger Loewig und mit ihm seine Gefährtin Creszentia Troike bereits aus einer weiten Distanz zurück. Wesentliche Auseinandersetzungen lagen hinter ihnen. Beide hatten sie, er als Künstler, sie als unermüdliche Vertreterin seiner Kunst und seiner Geschichte, gemeinsam ein abenteuerliches Leben geführt: in der DDR die Verhaftung und die ersten professionellen Jahre mit ihren Schwierigkeiten und Lichtblicken, Verhinderungen, Förderungen und Freundschaften, später die Erfahrungen der Übersiedlung mit nachfolgendem Einreiseverbot. Sie lebten an der Peripherie West-Berlins und hatten ihre Rolle als Vermittler zwischen Ost und West angenommen. Besonders die mehr nach außen gewandte Creszentia Troike war unermüdlich damit beschäftigt, den Bundesbürgern ihre Erfahrungswelt und Perspektive zu vermitteln. Sie wollte die DDR erklären, lebte in Gesprächen und Briefen. 1978 ergab sich eine noch bessere Gelegenheit, die historische Erfahrung ihrer mit Roger Loewig geteilten Lebensgeschichte mitzuteilen. Hans Harmsen, der langjährige Wegbegleiter, hatte sie an die Akademie Sankelmark empfohlen, bei deren Leiter Dietmar Albrecht sie Verständnis fand. So erschien 1978 in der Schriftenreihe der Akademie das Bändchen „Licht und Schatten. Erfahrungen eines Künstlers in Ost und West, herausgegeben von einem Freund.“ Der Freund war Creszentia Troike. Sie hatte biographische Dokumente – Akten, Briefe, Rezensionen – gesammelt und kommentiert: Nicht ohne Polarisierung, nicht ohne Bitternis. Die Erfahrung der Zeitgenossenschaft verwandelte sich langsam in eine Geschichte, die den Zugang zu seinem Werk und seiner Person ermöglichte – oder auch verschloss.

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Auszug aus dem Kapitel: „Abgrenzungen“, S. 264-266

Er wollte anerkannt werden, in seiner Arbeit wie auch in seiner Ethik. Zusammen mit Creszentia Troike sehnte er sich nach Ehrung – leidenschaftlich, unerfüllt, unverstanden, oft mit Zorn. Er litt unter seiner Isolation. Nichtsdestoweniger leistete er sich eine Haltung, die dazu führen musste. 1995 schrieb er noch einmal an die Freie Akademie der Künste Mannheim. Diesmal war er, in Vorbereitung einer Anthologie, um Auskünfte zum Thema „Kunst und Künstler in unserer Zeit“ gebeten worden:

In der Gegend, aus der ich herkomme – das war die Deutsche Demokratische Republik – wurde die Kunst zur Farce. Der Staat, die Partei – besser Genossen und Funktionäre – droschen pausenlos die haarsträubendsten Phrasen über Kunst und Kultur, daß einem speiübel wurde; und sie reglementierten. Die braven Künstler gestalteten fromm was sie hörten, wohl kaum was sie sahen, und sie lebten wie die Maden im Speck. Zuletzt, nach der Wende natürlich, avancierten sie zu wahren Helden, zu Partisanen, zu Vorturnern. Die Nicht-braven, es gab nicht viele, zogen Straßen in die Versunkenheit, oft sehr schlimme.
Ich bin inzwischen 65 Jahre alt geworden, ich habe dieses Leben rückhaltlos und ohne je einer Partei, einer Ideologie, einem Marschblock, einer Gruppe zu folgen, meiner Schreib-, Zeichen- und Malarbeit geopfert, die ich für sehr notwendig halte und die ich nach eigenen Maßstäben ausrichte. Dabei geriet ich mit Staat und Parteien und anderen in Konflikte, in gefährliche wie ungefährliche, und auf schwierigen Weg.
Ich hasse die unendlichen Redereien über Kunst, das langweilige, unerfreuliche, für mich völlig uninteressante Theoretisieren. Da muss ich absagen, das kann ich nicht.

sinkender1996 geschah es, dass er sogar eine Auszeichnung, die er spontan angenommen hatte, nach einiger Überlegung doch wieder ablehnte. Auf Vorschlag des bekannten Polnisch-Übersetzers Henryk Bereska, der selbst aus Oberschlesien stammte, war ihm ein „Schlesier-Preis“ zuerkannt worden. Am Telefon überrascht, hatte er zugestimmt; dann siegten die Bedenken:

Ich bin für Preise wenig geeignet, doch völlig ungeeignet für einen „Schlesierpreis“, denn ich stamme aus Schlesien und alle meine Vorfahren; wie ließen alles in Schlesien, tiefe Verwurzlungen, Bindungen, Häuser und Güter. Dann habe ich Sehnsucht und Liebe nicht auf die hier noch (wie ich) herumstrudelnden Schlesier übertragen, sondern auf polnische Menschen, die mir längt unentbehrliche Freunde wurden; bei ihnen weiß ich „mein Schlesiertum“ gut aufgehoben.

ohne_fluegelNein, er war nicht verankert: nicht im Kulturbetrieb der Bundesrepublik, nicht beteiligt an politisch motivierten Gruppierungen. Unter dem Diktat des Sozialistischen Realismus war er ein Anhänger der verpönten Moderne gewesen. In der liberalen Umgebung des Westens bestand er auf den Qualitäten der Aussage und der Darstellung in der Kunst und nahm damit Positionen ein, die der konservativen Kulturkritik entsprachen. Unter Kommunisten war er Sozialist gewesen – „im Sinne des Prager Frühlings“. Unter den Sozialisten des Westens war  er dennoch nicht heimisch geworden. Er hätte, was seine Haltung zur Diktatur der DDR betraf, als ein verspäteter „Kalter Krieger“ gelten können. Aber das traf es nicht. Er war im Vergangenen verwurzelt, dem alten Preußen verbunden. Das Ressentiment der Landsmannschaften lehnte er dagegen ab. Im Gegensatz zu vielen Westdeutschen kannte er das Leben im östlichen Europa sehr gut.
kahlgefegteIn den nun etwa zwanzig Jahren nach seiner Übersiedlung von Ost nach West hatte er sich verändert. Neue Themen und Formen der Arbeit hatten sich entwickelt, und er hatte neben der Geschichte auch wiederum, wie bereits in seinen Anfängen, auch die Natur in den Blick genommen. Im Grunde aber blieb er, als Zeitgenosse wie auch als Künstler, der Haltung treu, die er in seinen Anfängen eingenommen hatte, in den 60er Jahren – gefördert von Marga Böhmer, anerkannt von den wenigen, die sich verdeckt und unter Schwierigkeiten für die Moderne in der DDR einsetzten, gefeiert in Warschau als ein Deutscher, der in seiner Arbeit für seine Nation, für das Grauen der Vergangenheit einstand. Diese Erfahrungen waren es, auf die er unter wechselnden Zeitumständen immer wieder zurückkam. Seine Treue war unverbrüchlich, oft auch mit einer Anstrengung des Willens verbunden.

Expressionistische Märchen? (1)

Lidia Głuchowska

Berlin und andere Welten. Das hier und das ausserhalb davon… – Aquarelle von Inge Denker

Inge Denkers Werk ist poetisch und zart, von sensibler Einfindungskraft und liebevoller Hinwendung zur Natur und zur menschlichen Lebenswelt, zugleich aber hartnäckig insistierend auf die hinter der Idylle sich verbergenden Leiden. Zwischen leuchtender Strahlkraft und melancholischer Stimmung changierend, sind ihre Bilder auf keinen einfachen Nenner zu bringen. Auf den ersten Blick nehmen sie den Betrachter ihrer Schönheit wegen ein, dem zweiten Blick offenbaren sie untergründige Ambivalenz. Keine heile Welt wird gezeigt, aber eine Welt, die geliebt zu werden verdient, die des sorgenden Schutzes, ja der Rettung bedarf.

Verena Krieger, Zur Kunst von Inge Denker. In: Inge Denker. Aquarelle. Federzeichnungen. Lübeck 2004. ISBN:  3-00-014400-5.

Siehe auch: www.ingedenker-aquarelle.de

IngeAbb1Kleine Straße im Mondlicht, 1987

Verschwommene Farben, voll Licht, füllen Inge Denkers Bilder mit poetischen Gefühlen und einem Hauch von Nostalgie. Es sind Stadt- und Straßenansichten, flüchtige Erinnerungen aus unzähligen Spaziergängen – zumeist durch Berlin, manchmal durch Lübeck, seltener durch andere Orte. Gesehen, erlebt, festgehalten schaffen sie einen Gedankenraum für den Betrachter, der sie mit einem Blick erfassen und mit eigenen Gefühlen nacherleben kann.

IngeAbb3-4Erwachende Stadt, 1988 /Stadt unter der Nacht, 1987

Ein fester Bestandteil vieler Bilder ist Wasser – schon in der Textur vom Aquarell so sinnlich erlebbar, doch auch – mal als Regen, häufiger als Fluß oder die See – als das Element, das das Bild des Urbanen und der Landschaft belebt, das Natürliche, das die Festigkeit der Mauern durchbricht, das die Bewegung der Gedanken, der Schritte, des Winds in vielen Stadtecken spüren läßt.
In mehreren Ausführungen präsentiert die Malerin das Porträt einer Stadt (z.b. 1991), mit ihrem Großstadtfieber und ihrem Großstadtvulkan (1991, 1993), mit ihrem Tango-Boulevard (1996), ihrem Hohelied (1991) und ihren Engeln sogar – das facettenreiche Berlin – Berlin- grenzenlos (1993)…

Das gesamte Werk erweckt das Gefühl des Vertrauten, Bekannten und bleibt doch geheimnisvoll – fern von jedem journalistischen Dokument, gefiltert durch Fantasie und  subjektives Erleben.  Zum topographisch Konkreten tragen sprechende Titel bei, die die Routen der Malerin markieren, eine Stadt- und Landkarte mit Bildern und Schildern, ja Rufnamen, bestücken: die Rote Stadt (1987) und Stadt mit zwei Sonnen (1993). Doch es gibt hier auch den Kietz, den sie aus der Nahsicht betrachtet, wenn sie durch seine Straßen zieht und dort nicht selten anhält (z.B. Eckkneipe in Kreuzberg, 1995).

IngeAbb2-5Eckkneipe in Kreuzberg, 1995 / Müll im Hinterhof, 1995

Auf den ersten Blick scheint das Humane aus all den leeren Straßenzügen verschwunden zu sein, doch lüften diese Bilder den Atem der Malerin und des Betrachters, glühen mit deren Wärme und Sehnsucht, verzeichnen das Nachdenken, manchmal unbestimmte Hoffnung, ein anderes Mal wohl auch die Drohung des Beengtseins, und dann auch wieder einen hellen Traum. Wie eine Metapher menschlicher Gefühle wirken diese Häuser, offene Perspektiven weisen der Menschen Weg (Erwachende Stadt, 1988; Stadt in Erwartung, 1989; Trunkene Stadt; Toteninsel I und II, 1987).

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Kleine Stadt am Wasser, 1996 / Nachtfassaden, 1996

Dem Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit verpflichtet, bleiben diese Werke doch sehr eigen und trotz des allgemein Zugänglichen darin – intim. Vorbilder Inge Denkers waren Ludwig Meidner und Werner Heldt, doch anders als in den Bilder des ersteren von ihnen – wie es Verena Krüger zurecht bemerkt – spiegeln ihre Aquarelle nicht die Apokalypse der Gegenwart, sondern das alltägliche Dasein.  Zuzugeben ist hier jedoch, dass der Alltag der Apokalypse doch manchmal bedrohlich nahe steht. Daher äußert auch ein Teil dieser Bilder Protest gegen die Armut, die Schichtarbeit, die Naturvernichtung, existentielle Unsicherheit. Mit dem nächtlichen Anblick von Schornsteinen, dem Tor der alten Fabrik, dem Menschenzug vor der Frühschicht (1987) oder Müll im Hinterhof (1995) verzeichnen die Aquarelle Inge Denkers ungeschönt und wachsam neben der Geburt der Ökologiebewegung auch noch vor kurzem zahlreiche Friedensdemonstationen, Hausbesetzungen und – Streik (1992).

Kontrapunkt dafür ist die Landschaft – offen, breitatmig, gnädig – eine Spur des Paradieses, eine Zuflucht, ein Ruhepol. Als subjektiv erlebtes Refugium – In der Bucht, Im Norden, Winterlandschaft oder Frühling in Rußland (1988-89), gleich wie die Wolken am Watt (2008) der Abend am Leuchtturm (2002) oder – schließlich – ein Blaues Boot (1995) – locken  sie den durch ihren Anblick leicht verträumten Betrachter auf eine Reise hinter den Horizont, hinter die Stadtgrenze – weg aus der Zeit.

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Winterlandschaft, 1988 / Boote am Ufer, 1988

Die neueren Aquarelle bringen Fassbareres mit herein – die in der Tinte getauchten Pastellstifte markieren unverwechselbar die Energiewege der Großstadtrhythmen, den genius loci unterschiedlicher Viertel, ihr Unverkennbares, ihre Anziehungskraft (so Berlin-Baustelle I, II, 1987; Altstadt am Wasser; Stadt der Männer, 1998, Stadt der Architekten, 2004 oder auch Klein Manhattan, 1994).

Geboren vor dem Kriege, in Düsseldorf (1936), von der Last des Nationalsozialismus geprägt, bis 1944 in Danzig-Langfuhr und Hilden, studierte Inge Denker Kunst in Düsseldorf und in Wiesbaden, dann reiste sie nach Paris, lebte in Lübeck. Jahrelang, im Berliner Kreuzberg, galt später ihre Zeit auch der Sozialarbeit, dem Großziehen der Kinder und daher dem Broterwerb. Empfindlich, empathisch, diskret veranschaulicht sie in ihrer Bilderwelt unermüdlich aufmerksam den Großstadtalltag in Geschichte und in Gegenwart. Selbst unsichtbar, Fassaden betrachtend, läßt sie in ihren Bildern auch andere sprechen und gleichzeitig – nachdenklich und vertrauensvoll – teilt sie dem Betrachter die eigene Erfahrung mit.

Fortsetzung folgt in einer Woche

Poesia – Poesie – Поезія / Bella Ciao

Goran Bregović śpiewa Bella Ciao upominając się o prawa Cyganów (i niech mnie arcybiskup Michalik wyklnie za używanie słowa Cygan!). Artysta w informacji napisał, że to jego słowa i jego muzyka.

Bardzo lubię Bregovića i jestem bardzo “za” w kwestii cygańskiej, ale Bella Ciao to stara włoska piosenka, śpiewana już w latach 20 przez robotnice, zbierające owoce, które skarżą się na szefa i okropne warunki pracy.

W czasie wojny śpiewali ją partyzanci i oryginalny tekst z tego czasu, już przerobiony na pieśń bojową, brzmi tak:

Una mattina mi sono svegliato,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
Una mattina mi sono svegliato,
e ho trovato l’invasor.O partigiano, portami via,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
O partigiano, portami via,
ché mi sento di morir.E se io muoio da partigiano,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
E se io muoio da partigiano,
tu mi devi seppellir.E seppellire lassù in montagna,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
E seppellire lassù in montagna,
sotto l’ombra di un bel fior.Tutte le genti che passeranno,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
Tutte le genti che passeranno,
Mi diranno «Che bel fior!»
«È questo il fiore del partigiano»,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
«È questo il fiore del partigiano, morto per la libertà!»
 Eines Morgens bin ich erwacht
(An diesem Morgen bin ich aufgestanden)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Eines Morgens bin ich erwacht
Und fand den Eindringling vor.Oh Partisan, bring mich fort
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Oh Partisan, bring mich fort
Denn ich fürchte bald zu sterbenUnd falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Dann musst du mich begrabenBegrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Begrabe mich dort oben auf dem Berge
(Und du musst mich begraben)
Unter dem Schatten einer schönen BlumeUnd die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Und die Leute die daran vorbeigehen
(Und alle jene die daran vorbeigehen)
Werden mir sagen: „Welch schöne Blume!“
(Und sie werden sagen: „Welch schöne Blume!“)Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Oh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!
Dies ist die Blume des Partisanen
(Und dies ist die Blume des Partisanen)
Der für die Freiheit starb

Ciekawe, że tekst niemiecki jest prawie dwa razy dłuższy niż włoski. Z dzieciństwa pamiętam, że śpiewaliśmy tę piosenkę na koloniach letnich jako bardzo niewinną historyjkę zbieraniu kwiatów dla mamy. Potem, w miarę jak dorastaliśmy, okazywało się, że jednak “dam ojczyźnie ogromny bukiet, a z nim serce moje dam”.  Refren brzmiał “Bella Ciau” a właściwie nawet “Bella ciał”.

Polska Wikipedia podaje oficjalne tłumaczenie wersji oryginalnej, ale nie potrafię się z nim utożsamić. Dla mnie to jednak piosenka o tym, że poszedłem w góry o świcie i nazbierałem bukiet kwiatów. Ale proszę bardzo, jak ktoś chce, to tłumaczenie jest TU.

Z biegiem czasu ta włoska piosenka ludowa stała się jedną z najsłynniejszych bojowych pieśni antyfaszystowskich, aby jeszcze po kilkudziesięciu latach stać się po prostu wyrazem protestu –  tu Bella Ciao w dziewięciu językach. W tym po chińsku, arabsku i turecku.

A na zakończenie tekst przerobiony na ukraiński i opublikowany na you tubie w grudniu 2013 roku:

Всі кажемо Віті ЧАО (Wszyscy mówimy odejdź Witia)

Прощай, гаранте, Не повертайся!
А Вітя чао, Вітя чао, Вітя чао-чао-чао!
І Межигір’я, і Сухолуччя
Музеєм стане завтра все.

Жорстокий беркут, Суди продажні…
А Вітя чао, Вітя чао, Вітя чао-чао-чао!
Ні прокурори, ні Вовка Путін,
Не захистять вони тебе!

Вставай Країно! Прокиньтесь люди!
А Вітя чао, Вітя чао, Вітя чао-чао-чао!
Всім на Майдани виходить треба
Проти свавілля влади стать.

Нам буде важко, Ми всі це знаєм.
А батя чао, батя чао, Батя чао-чао-чао!
Та за свободу рідного краю
Боротись будем до кінця!

***

A tu wersja z Omanu, którą wstawiłam do tego wpisu 27 października 2022 roku, czyli prawie 10 lat później.

https://www.facebook.com/664672729/videos/10156758445437730/