Frauenblick auf Frauenbücher

Monika Wrzosek-Müller

Die Vegetarierin von Han Kang

Eigentlich wollte ich weiter über Syrakus für unseren Blog berichten, doch wie soll ich über antike, barocke Prachtbauten und unendlich grüne Ebenen mit Tausenden von Orangen- und Zitronenblüten und Früchten schreiben, wenn rundherum so viel zu Bruch geht, sich verändert und nach Hilfe ruft? So sind mir die letzten Eintragungen im Blog zur Inspiration geworden, außerdem ein Buch, das ich neulich gelesen habe. Wahre Künstler sind fast immer Vordenker, sensibel erspüren sie Prozesse, die vor sich gehen, die aber wir normalen Sterblichen vielleicht noch nicht so wahrnehmen. Was Ewa über Yoko Ono und Cut Piece auch über Marina Abramović und ihre Performance Rhythm 0, weiter über gewaltgeladene Filme schrieb, schien mir sehr einleuchtend. Einerseits wollen die Künstler unserer Gewaltaffinität nachspüren, aber auch unsere Verwundbarkeit testen. Da die Welt eigentlich auf Vertrauen basiert, überprüfen sie auch das. Sie fragen immer wieder: woher kommt die Gewalt, die von uns, über uns von irgendwoher kommt und uns überfällt, ob wir sie kontrollieren können.

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Frauenblick auf Wandern

Monika Wrzosek-Müller

„Spaziergang nach Syracuse“ – mit Flugzeug, Zug, Bus und letztendlich Taxi

Ich dachte eigentlich alle Wege würden nach Rom führen, doch realisiert habe ich gerade „den Spaziergang nach Syrakus“; zwar mit Johann Gottfried Seume im Kopf, aber nicht in den Beinen. An sich, denke ich, wäre die langsame Art sich dem Ziel zu nähern die richtige und faszinierendste. Wie der Schriftsteller aus dem späten 18. Jh. alle Etappen, Landschaften, Klimazonen Schritt für Schritt zu durchwandern. Doch wir steigen leider nur ins Flugzeug und landen dann, mit besserem oderschlechterem Ergebnis, ein paar Tausend Kilometer weiter, in einer anderen Welt, in einem anderen Klima, mit ganz anderen Menschen und einer anderen Kultur. Das schrittweise Vorangehen erlaubt uns das Ziel hinauszuschieben, sich darauf innerlich vorzubereiten, vielleicht auch mehr zu freuen, auf das Ankommen hinzuarbeiten.

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Frauenblick auf Europa

Monika Wrzosek-Müller

Für Europa in Italien

Heute am 15. März um 15.00 Uhr gehen die Italiener in Rom auf die Piazza del Popolo; sie wollen für Europa, den Zusammenhalt, noch nähere Zusammenarbeit demonstrieren. Sie wollen zeigen, dass die Intellektuellen, Künstler, Schriftsteller und einige Politiker inzwischen einsehen, dass ohne ein vereinigtes Europa, das wirklich zusammenarbeitet, kein Gefühl der Sicherheit mehr entstehen kann. Sie wollen ihre Positionen klarstellen und für ein offenes, diverses, gerechtes aber auch sich selbst verteidigendes Europa zusammenstehen.

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Frauenblick auf die Bäume

Monika Wrzosek-Müller

Der Harz und seine Fichtenwaldkatastrophe

Wir fuhren in den Harz, in das Mittelgebirge, das einst an der Grenze der zwei deutschen Staaten lag, wohin sich die Westberliner aus ihrer abgeschlossenen Insel immer wieder flüchteten. Vor Jahren war ich da einmal für längere Zeit, in Braunlage. Jetzt fuhren wir aus einem sehr schönen Anlass: unsere Nachbarin wurde 80 und wollte das entsprechend feiern; wir freuten uns auch, die Landschaft wiederzusehen. Leider war der erste Anblick, der der Vorläufer der höheren Hügel, fürchterlich, richtig grauenvoll, die gewaltigen Wälder, an die wir uns erinnerten, waren weg, abgestorben. Aus den nackten Wiesen ragten einzelne graue Skelette von Bäumen, viele waren umgefallen und lagen kreuz und quer herum. Die Szenerie erinnerte mich an den Elefantenfriedhof aus dem Film Der König der Löwen; überall graue Gerippe, graue ausgetrocknete Äste und Baumstämme in bizarrsten Stellungen. Rundherum Wiesen mit gelbem, schon jetzt ausgetrocknetem Gras. Ganz selten konnte man doch kleine Fichten erblicken, das war hauptsächlich an den Nordhängen, auf den südlich gelegenen wuchs nichts, sie waren der Sonnenstrahlung offensichtlich zu sehr ausgesetzt. Erst oben in St. Andreasberg gab es einzelne Bäume, auch nicht Fichten, sondern Laubbäume, und an manchen Stellen wurde jetzt auch Mischwald gepflanzt.

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Die große kleine Welt (immer wieder)

Uwaga od Adminki: Przepraszam polskich Czytelników, ale już drugi raz się zdarzyło, że z przyczyn technicznych nie dotarł do mnie środowy wpis Romana Brodowskiego z cyklu Historia Ukrainy.

Monika Wrzosek-Müller

Max Cegielski, Prince Polonia

Nun ja, ich habe tatsächlich angefangen zu der „Schreibwerkstatt“ zu gehen. Irgendwie fühlte ich mich in einer Sackgasse. Immer schreibe ich über etwas, das an meinem tiefsitzenden und mich immer wieder aufrüttelndem Thema vorbeigeht. Vielleicht war auch das ganze Schreiben nur Vorübung, um mich auf das große Thema der Vergangenheit vorzubereiten. Die Treffen mit anderen Schreibenden helfen doch dabei zu bleiben, nicht nachzulassen.

Bei einem von diesen Treffen, im Sprachcafé schaute ich mich in der Bibliothek um und fand auf einem Regal mit Neuerscheinen ein dickes Buch; auf dem rot-orangenen Umschlag stand mit großen schwarzen Buchstaben Max Cegielski, sehr einprägsam. Es stellte sich heraus – das war der Autor; der Titel dagegen war mit deutlich kleineren Buchstaben gedruckt: Prince Polonia. Jemand hinter mir sagte: ein super Buch!

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Frauenblick auf dies und das, zum Beispiel Ballett

Monika Wrzosek-Müller

Ballettaufführung von William Forsythe

Die gestrige Aufführung in der Deutschen Oper hat mich wirklich entschädigt für den martialischen Empfang an der deutsch-polnischen Grenze – durch eine junge deutsche Polizistin mit einer Maschinenpistole, in voller Rüstung. Da war auch ein Artikel von Konrad Schuller in der FAZ am Sonntag aus Anlass des 80. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz, der mich besänftigt hat. Alles letztens Anlässe, die zusammenwirken und sich verbinden und doch leider den Himmel über uns verdunkeln.

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Frauenblick auf Zirkus

Monika Wrzosek-Müller

Zirkus Roncalli, Weihnachtszirkus in Tempodrom 2025

Eigentlich dachte ich, ich mag den Zirkus nicht und doch, als ich von einer Freundin eingeladen wurde, habe ich mich sehr auf das Event gefreut. Vielleicht und zumal, weil das alles im Tempodrom stattfand und die Anlage mir immer von weitem gefallen hat. Schon in der S-Bahn habe ich die Menschenströme beobachtet, die in meine Richtung fuhren, dann die Trauben von Menschen, die vor den Eingängen standen. Es war proppenvoll, alles ausverkauft.

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Frauenblick: E la nave va

Monika Wrzosek-Müller

Das Schiff der Träume (fährt einfach weiter)

Manchmal, selten, wird einem ein Abend einfach und wirklich geschenkt; plötzlich stimmt alles: die eigene Garderobe, die Mitzuschauer, also das Publikum, der Sekt beim Empfang und die Pfannkuchen am Ende, die Plätze – und vor allem die Aufführung, samt den Schauspielern in ihren phantasievollen Kostümen, eben der Theaterbesuch und das ist nicht banal, denn es handelt sich um den Silvesterabend.

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Die kleine große Welt

Monika Wrzosek-Müller

Tropische Wälder

Wie sich Lebenswege kreuzen, verknüpfen, verbinden, abrunden… Kaum eine Geschichte kommt aus dem Nichts, irgendwo, oft tief in der Vergangenheit, hat sie ihren Ursprung. Manchmal erst im Nachhinein werden die Linien, die Verbindungen sichtbar. Es passiert mir immer wieder, dass sich ein Kreis plötzlich schließt und manchmal öffnet sich aber der Blick etwas weiter oder richtet sich auf etwas Anderes, auf jeden Fall taucht man für ein Moment in die Vergangenheit ein.

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Frauenblick auf Krieg und Frieden

Monika Wrzosek-Müller

Kalte Füße – nicht nur von Francesca Melandri

Schon wieder gab es einen Brief, von 38 Prominenten unterschrieben, initiiert von zwei Frauen, die ganz offensichtlich nicht müde werden, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen; die eine lebt diese Lust noch stärker aus, indem sie jetzt sogar eine Partei unter ihren Namen anführt. Dass ein solcher Brief noch einmal auftaucht, der von einem dritten Weltkrieg tönt und uns durch Angst von der Hilfe für die Ukraine abbringen will (und leider bei manchen auch auf Zustimmung stößt), finde ich traurig, richtig tief deprimierend. Denn die Ukraine im Winter des dritten Kriegsjahres verdient nichts anderes als unsere Unterstützung und die hatte ich mir eigentlich uneingeschränkt von der deutschen Seite gewünscht.

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