Monika Wrzosek-Müller
Von Odesa nach Berlin. Europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts
Ich fahre zum Kulturforum; morgen geht die Ausstellung „Von Odesa nach Berlin“ zu Ende. Offensichtlich ist ein Bus ausgefallen, denn meiner ist proppenvoll und alle zwängen sich nebeneinander und übereinander. Vorne schreit plötzlich ein junger, südländisch aussehender Mann: „scheiß Deutschland“, „scheiß West-Berliner“, dann später aber auch „scheiß Türken“, „Scheiße, Scheiße…“ immer wieder und immer lauter. Im Bus werden die Passagiere unruhig, zwei ältere Damen greifen zu ihren Handys, „wen soll man anrufen: Polizei oder erste Hilfe?“ fragen sie. Eine Frau vorne, die neben dem Schreienden sitzt, versucht ihn zur Ordnung zu rufen: „schreien Sie nicht so, wenn es Ihnen nicht passt, dann steigen Sie aus“; da schreit er noch lauter. Auch die Busfahrerin versucht den Passagier zu ermahnen, es hilft nicht. Dann, am Steinplatz, steigt eine Gruppe von sehr entspannten, freizeitgekleideten, mitteljungen deutschen Männern ein; sie lachen, sprechen laut, sind offensichtlich mit sich selbst sehr zufrieden; sie haben den wütenden Passagier nicht in Aktion gesehen, nicht einmal bemerkt. Und plötzlich hört der junge Mann zu schreien auf, er schaut den Männern zu, beobachtet sie, ist von ihnen fasziniert, steigt mit ihnen am Bahnhof ZOO aus und scheint ganz beruhigt zu sein. Immerhin begleitet er mich in die Ausstellung, fährt mit dem weiteren Bus in derselben Richtung ruhig weiter mit. Unheimlich, ich sehe ihn tatsächlich in der Ausstellung; ist er ein Ukrainer, ein Exilrusse? Er geht bedächtig durch alle Räume und ich wage nicht, ihn anzusprechen.
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