Frauenblick auf die Nulllinie

Monika Wrzosek-Müller

Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg

Von Szczepan Twardoch

Wir sitzen oben auf der Terrasse der Villa des Literarischen Colloquiums am Wannsee, unten geht eine riesige orangene Sonne unter; alles taucht in ein bläuliches, dann violettes Licht, es sieht magisch aus. Die Menschen sitzen dicht gedrängt, nicht nur im Saal, und es sind nicht nur Polen hier, wenn sie auch deutlich die Mehrheit bilden. Viele junge Menschen, auch erstaunlich viele junge Männer, auffallend gut angezogen, vielleicht folgen sie dem Helden des Abends.

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Meine Kriege. Kindheit.

Ewa Maria Slaska

In fremden Schuhen

Ich bin nur vier Jahre nach dem Kriegsende in Gdańsk geboren, aber ich muss gestehen, dass mir das sehr lange nicht klar war. Der Krieg war so weit entfernt, obwohl er die Gegenwart vor allem bestimmte. Er war immer da. Er wurde zur Abschreckung benutzt, als Vergleichszäsur – vor dem Krieg…. nach dem Krieg; nach dem Krieg war selbstverständlich alles besser… Er lieferte den Stoff für unzählige Filme, Bücher, Bilder. Und natürlich spielten die Jungen Krieg. Er war immer da, real und irreal zugleich. Der Schrecken und die Angst waren real, er selbst aber war irreal, bedeutete nichts und hielt sich eher in meinen Albträumen auf.

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Meine Kriege. Ruinen.

Ewa Maria Slaska

Ein Lob der Frauenarbeit als Aufbau einer Utopie

Ein Text nach einer Konferenz zum Entmythologisieren des Mythos von Trümmerfrauen
Motto der Konferenz:
Nach jedem Krieg muss jemand alles aufräumen.
Wisława Szymborska

Das Buch zum Entmythologisieren

Die „Trümmerfrau“ gehört zum festen Repertoire nahezu jeder historischen Darstellung der Nachkriegszeit, ganz gleich, ob in TV- und Printmedien, in Schulbüchern oder in Ausstellungen der historischen Museen. Seit Anfang der 1950er Jahre bis in unsere unmittelbare Gegenwart kam es darüber hinaus in den unterschiedlichsten Städten immer wieder zur Errichtung von „Trümmerfrauen“-Denkmälern. Leonie Treber hat erstmals die überlieferten Fakten geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass die „Trümmerfrauen“ ein Mythos sind; es gibt nur ganz wenige Belege dafür, dass tatsächlich Frauen im Krieg und in der Nachkriegszeit Bombentrümmer beseitigt haben. Wie für Mythen gemeinhin üblich, handelt es sich bei den heute verbreiteten stereotypen „Trümmerfrauen“-Narrativen jedoch keineswegs um reine Lügen, vielmehr enthalten sie einige Brocken Wahrheit, die jedoch mitunter verfälscht und aus dem Kontext gerissen sind bzw. Wesentliches verschweigen. Die Autorin stellt dar, wie die Enttrümmerung der deutschen Städte tatsächlich stattgefunden hat. Meist waren professionelle Firmen mit technischem Großgerät und Fachkräften die Hauptakteure bei der Trümmerräumung. Und sie zeigt, wie der Mythos „Trümmerfrau“ mit all seinen Facetten entstanden ist. Die Grundlagen für den Mythos der „Trümmerfrau“ wurden bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit gelegt. Eine Analyse der zeitgenössischen Presseerzeugnisse von 1945 bis 1949 legt die dabei entworfenen Bilder offen und fragt nach dem Ursprung des „Trümmerfrauen“-Begriffs. Die Traditionslinien der „Trümmerfrauen“ reichen in der DDR bis ins Jahr 1945 zurück und sind seitdem niemals abgebrochen, sondern kontinuierlich gepflegt worden. Die lange und stabile Tradierung der „Trümmerfrau“ in der Erinnerungskultur der DDR trug somit wesentlich dazu bei, dass sich aus den getrennten und zum Teil diametral gegenüberliegenden Erinnerungssträngen der BRD und der DDR schließlich der gesamtdeutsche Erinnerungsort der „Trümmerfrau“ flechten ließ.1

Hinzu kommt noch der Vorwurf, dass die Frauen nicht umsonst, ehrenamtlich und freiwillig gearbeitet haben, sondern nur, um sich Vorteile zu sichern, Geld, Essenskarten, Kleider, gar Wohnungen.

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Moje wojny, spojrzenie inaczej

Marek Włodarczak alias Tabor Regresywny

Ile trzeba było wysiłku intelektualnego byśmy wojny, choroby, katastrofy i kataklizmy o katastrofalnych skutkach, przestali kojarzyć z postępem cywilizacyjnym. Byśmy uwierzyli, że w końcu odkrycia naukowe, instytucje międzynarodowe, przepisy drogowe, wały ochronne i zbiorniki retencyjne uchronią nas od tych wszystkich nieszczęść. Tak jak wielu się broni przed myślą, że zmiany klimatyczne mają coś wspólnego z działalnością człowieka, tak prawie wszyscy wypierają myśl, że źródłem wszystkich nieszczęść jest postęp cywilizacyjny. Jak to się stało, że oburzamy się na ograniczone i nieszczelne sankcje, a nie przyjdzie nam do głowy, że to przez nas, konsumentów sankcje są jakie są, bo to my potrzebujemy gazu i ropy, a nie politycy. Politykom są potrzebne nasze głosy, a te najlepiej kupić tanią ropą, tanim gazem i innymi dobrami. Jak to się stało, że zamiast przestać chorować, oburzamy się na koncerny farmaceutyczne i niewydolną służbę zdrowia. Psioczymy na patodeweloperkę i zadłużamy się na całe życie, by mieszkać w deweloperskim kurniku. Bierzemy kredyt na samochód, którego żywotność kończy się równo ze spłatą kredytu. Pewien francuski socjolog napisał, że „drzewo wiadomości dobrego i złego grozi zawaleniem, grzebiąc Adama, Ewę i węża, a my pilnie podlewamy to drzewo, dbamy, by rosło ponad miarę i oczekujemy, że ktoś za nas powstrzyma to szaleństwo”. Nie chodzi mi o to, byśmy zrezygnowali z dóbr cywilizacyjnych. Chodzi mi o to, byśmy poczuli się osobiście winni i odpowiedzialni za to, co się dzieje. Nie chodzi mi o to, byśmy się uderzali się w pierś – moja wina, moja wina, moja bardzo wielka wina, bo to prowadzi do rozgrzeszenia i kontynuacji. Chodzi mi o to, żebyśmy się wystraszyli samych siebie. Nie muszą wszyscy od razu, cudów nie ma. Wystarczy parę osób. A następnie, żebyśmy zobaczyli, że można rozchodzić ten strach. Właściwie tylko o tyle mi chodzi.

Nie chcę pisać bezpośrednio o wojnie, przynajmniej do czasu aż się skończy.

Was mich der Krieg angeht

Monika Wrzosek-Müller

Ich bin einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren und hatte inzwischen berechtigten Grund zu glauben, dass mich der Weltkrieg wenig anginge und beträfe, trotz der traumatischen Kriegserfahrungen meiner Großeltern und Eltern. Vielleicht wollten wir alle den Krieg einfach hinter uns lassen, vergessen, obgleich – oder vielleicht weil – wir in den Schulen ständig damit konfrontiert worden waren. Der russische Überfall auf die Ukraine war für mich ein Schock, trotz der Vorzeichen seit der Annexion der Krim von 2014; so wie Tausende andere Menschen konnte ich mir nicht vorstellen, dass Putin so etwas wagen würde. Noch in den Tagen direkt vor dem Angriff von 2022 sah ich, damals im polnischen Fernsehen, die militärischen Manöver an der Grenze zur Ukraine und war trotzdem überzeugt, dass es nicht zum endgültigen Bruch mit der zivilisierten Welt kommen würde.

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Wann hatten wir Krieg?

Michael G. Müller

In den Wochen vor dem 80. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 haben sich die deutschen Medien mit Beiträgen zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg gegenseitig überboten. Oder genauer: mit Beiträgen über die deutschen Erfahrungen des Untergangs: Über Hitlers letzte Monate und Wochen in der „Wolfsschanze“, über die verheerenden und wahrscheinlich sinnlosen (weil militärisch nicht mehr bedeutsamen) Bombenangriffe auf Dresden oder Potsdam in den Wochen vor Kriegsende, die letzte große Schlacht der Wehrmacht gegen die Rote Armee auf den Seelower Höhen und den Handschlag zwischen Rotarmisten und amerikanischen GIs in Torgau im April 1945, die Kämpfe in den Straßen Berlins im Mai, die jeweilige Stunde der Kapitulation in Remagen, Kassel, Chemnitz…

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Meine Kriege. Geschichte.

Heute jährt sich zum 80. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem Anlass werde ich hier in der nächsten Woche oder gar in den nächsten zehn Tagen Beiträge über den Krieg veröffentlichen. Ich lade die Leser ein, weitere Texte einzureichen.

Ewa Maria Slaska

Ich wurde kurz nach dem Krieg geboren. Mein Kindheitskrieg habe ich schon im Bauch meiner Mutter bekommen. In meinen Träumen sah ich die Straßen wo die Häuser brannten. Meine Mutter und ich liefen unter den Flammen. Ich war immer nur mit meiner Mutter.

Als kleines Kind habe ich Todesangst vor dem Krieg, dem, der vorbei war und dem, der kommen wird. Ich hatte Angst. Um mich herum alles behauptete, dieser Krieg stehe kurz bevor oder käme wieder und die Deutschen würden uns wieder töten.

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Deutsche Betroffenheit

Michael G. Müller

Nicht weniger als drei Seiten hat die FAZ am Sonntag gerade einer Schriftstellerin eingeräumt, um ihre persönliche Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit ihres Großvaters darzustellen (Eva Schläfer, „Wir müssen über Opa reden“, FAZ vom 05.04.2025). Emotional bewegt berichtet die jetzt 57-Jährige, wie sie 2005 durch ihre Schwester auf die dunkle Vergangenheit ihres Opas aufmerksam wurde, wie sie sich später, schon nach dem Tod der Schwester, auf die Spurensuche machte – mit hartnäckigem Nachfragen in der Familie und durch Archivrecherchen – und was sie dabei herausfand. Die Befunde verstören sie: Opa Max Windhövel war schon 1930, mit 23 Jahren, der NSDAP beigetreten und damit im Parteijargon ein „alter Kämpfer“; das verhalf ihm zunächst zu einem bescheidenen Funktionärsposten in der NSDAP, 1938 aber zu einer Karriere bei der Staatspolizei und in der SS; von 1940 bis 1944 war er im Rang eines SS-„Scharführers“ in der Zentrale von SD und SS in Lublin tätig – also im Zentrum des Naziterrors im besetzen Polen.

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Frauenblick auf Europa

Monika Wrzosek-Müller

Für Europa in Italien

Heute am 15. März um 15.00 Uhr gehen die Italiener in Rom auf die Piazza del Popolo; sie wollen für Europa, den Zusammenhalt, noch nähere Zusammenarbeit demonstrieren. Sie wollen zeigen, dass die Intellektuellen, Künstler, Schriftsteller und einige Politiker inzwischen einsehen, dass ohne ein vereinigtes Europa, das wirklich zusammenarbeitet, kein Gefühl der Sicherheit mehr entstehen kann. Sie wollen ihre Positionen klarstellen und für ein offenes, diverses, gerechtes aber auch sich selbst verteidigendes Europa zusammenstehen.

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