Finissage

Lidia Głuchowska

Bunt, internationaler Expressionismus und die avantgardistische „Neue Welt“ – Finissage und Buchpräsentation im Kraszewski-Museum, Dresden

Sonntag, 8. November um 15.00 Uhr

Nur noch wenige Tage ist im Kraszewski-Museum, Dresden die Ausstellung Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von prof. St. Karol Kubicki zu sehen.

Ab dem 26. November wird sie noch in Wrocław gezeigt.

Anlässlich der Finissage findet im Kraszewski-Museum, Dresden Vortrag und Führung von Dr. Lidia Głuchowska sowie die Präsentation der Begleitpublikation zur Ausstellung

10 Gluchowska Poet in TransituAuch wenn Expressionismus zumeist als eine „deutsche“ Stilrichtung bezeichnet wird, war der Radius seiner Wirkung durchaus viel breiter. Im Grunde entfaltete er sich international mit jeweils spezifischen lokalen Ausprägungen, häufig folkloristisch gefärbt, und verlieh der Idee der „neuen Staaten“ Ausdruck, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden war.

1a Gluchowska BuntKuratorin der Ausstellung und Autorin vor der Dokumentation der internationalen Vernetzung der Gruppe Bunt, Kraszewski-Museum, Dresden.

Foto: Mariola Nehrebecka

Das expressionistische Universum erstreckte sich von Skandinavien bis zum Balkan. Sein wichtigstes Zentrum in Polen wurde Poznań/Posen, wo die literarisch-künstlerische Gruppe Bunt (Revolte) und die Zeitschrift Zdrój (Quelle – 1917-1922) entstanden sind.

Der Sohn ihrer zweier Mitbegründer, eines deutsch-polnischen Künstlerpaares, Margarete und Stanisław Kubicki, hat sich entschieden, Werke der Posener Künstlervereinigung die nach ihren Berliner Ausstellungen in den Jahren 1918-1922 in der Sammlung seinen Eltern verblieben sind, den polnischen Museen zu vermachen. Dies war der Anlass, eine Wanderausstellung, auf der sie alle zu sehen sind, zu organisieren.

Die Gruppe Bunt, die Teil der transnationalen Kunstbewegung wurde, verkündete in ihren parallel auf Deutsch und Polnisch verfassten Manifesten die Utopie der avantgardistischen, grenzenlosen „Neuen Welt“. Die Fotodokumentation zur ihrer internationalen Zusammenarbeit der ist leider nur fragmentarisch erhalten. Aus ihrer Zeitschrift Zdrój und aus ihrem Briefwechsel ist jedoch bekannt, dass Kontakte mit Künstlerkreisen nicht nur in Deutschland gepflegt wurden, sondern auch in Frankreich, Belgien, Italien, Russland, Tschechien, Island und sogar Indien. Somit werden Initiativen der Künstlervereinigung von eindrucksvoller Reichweite bestätigt, die auch alle drei damaligen Teilungsgebiete Polens miteinbezogen. Diese wird ebenfalls durch die Publikationen in solchen expressionistischen Kunstzeitschriften wie Die Aktion, Der Sturm, Der Weg oder Die Bücherkiste bestätigt.

2 Skotarek BuntPlakate der ersten Ausstellung der Gruppe Bunt (Revolte) in Poznań/Posen 1918 sowie expressionistische Linolschnitte von Władysław Skotarek , darunter Schrei und Panik, inspiriert vom Schrei Edvard Munchs

Die Bunt-Mitglieder verewigten nicht einmal ihre erste Ausstellung, die als strategischer succès du scandale gilt und deren Aura den Veranstaltungen der Zürcher Dadaisten und Modernisten in Paris gleichen sollte. Das einzige Foto, welches das Zentrum ihrer Tätigkeit dokumentiert – den Gutshof des Verlegers der Zeitschrift Zdrój Jerzy Hulewicz in Kościanki – zeigt diesen nur in Begleitung ihrer ersten informellen Herausgebers, Stanisław Przybyszewski, der seinerzeit in Berlin als der „geniale Pole“ bezeichnet wurde. Dieser hat allerdings in Berlin 1894 die erste Monographie über den Urexpressionisten Edvard Munch und somit auch die erste Theorie des Expressionismus verfasst.

3 Przybyszewski HulewiczStanisław Przybyszewski und Jerzy Hulewicz vor dem Porträt Przybyszewskis aus der Hand von Jerzy Hulewicz. Kościanki, Wielkopolska [Großpolen].
Aus: Stanisław Przybyszewski, Listy, Hg. v. Stanisław Helsztyński, Bd. 2., Warszawa/Gdańsk 1938.

Ein groteskes Anti-Gruppenbildnis ist wiederum das Foto von den Separatisten des Kongresses Internationale Union fortschrittlicher Künstler in Düsseldorf im Jahr 1922, an dem Margarete und Stanisław Kubicki teilnahmen. Hier ist der spiritus rector des radikalen Flügels der Künstlervereinigung Bunt unter den wichtigsten Vertretern der internationalen Avantgarde zu sehen.

Dem Ex-Dadaisten Raoul Hausmann gelang es wiederum mithilfe von Licht-Schaffen-Effekten das expressionistische Linolschnittbildnis von Kubicki nachzuahmen.

4 Separatysci Hausmann

Links: Separatisten des Kongresses der Union Fortschrittlicher Internationaler Künstler, Düsseldorf, 1922 Stanisław Kubicki (sitzend), Franz W. Seiwert, Hannah Höch, El Lissitzky, Otto Freundlich, Ruggero Vasari, N.N., Nelly van Doesburg, Cornelis van Eesteren, Hans Richter, Theo van Doesburg, Raoul Hausmann, Werner Graeff.
Foto: Retina, aus: Central European Avant-Gardes: Exchange and Transformation, 1910-1930, Hg. Timothy O. Benson, Cambridge 2002, S. 35
Rechts: Raoul Hausmann, Korb mit Lampe, 1930, Fotografie, Privatsammlung von Prof. St. Karol Kubicki, Berlin. Foto: Mariola Nehrebecka

Ein im Privatarchiv Kubickis erhaltenes Foto der Gruppenmitglieder von Jung Jiddisch aus Łódź bestätigt die Einbindung von Bunt in das multikulturelle künstlerische Leben Polens nach dem ersten Weltkrieg. Suggestiv wirken auch die Porträts einiger Künstler beider Vereinigungen aus der Serie Menschen des 20. Jahrhunderts von August Sander, gestaltet in der Konvention der Neuen Sachlichkeit. Von Hausmann wurde Kubicki nicht nur porträtiert. Zusammen mit ihm realisierte er auch Fotoexperimente, deren Dokumente zwei in seinem Atelier entstandene und in seinem Nachlass erhaltene Aufnahmen, mit dynamisch und abstrakt wirkenden Formen bilden.

5Hausmann IdyszRechts: Marek Szwarc, Moses Broderson und Jankiel Adler präsentieren das zweite Heft ihrer Zeitschrift Jung Idysz (Jung Jiddisch) 1919, Nr. 2–3. / Links: Raoul Hausmann, Korb mit Lampe, 1930. Foto: Lidia Głuchowska

1926 in Berlin führte Kubicki in Berlin Gespräche mit dem polnischstämmigen Vertreter der russischen Avantgarde, Kasimir Malewich. Diese desillusionierten ihn endgültig zur Idee der „proletarischen Kunst“, was in seinen Beiträten in der Kölner Kunstzeitschrift a bis z zum Ausdruck kam. Diese wurde von der Gruppe progressiver Künstler herausgegeben, mit der die Kubickis zwischen 1923 und 1933 zusammen ihre Werke ausstellten. 1929 wurde Kubicki auf Empfehlung ihres Wortführers, Franz Wilhelm Seiwert, vom Hoffotografen der Progressiven, August Sander, in der Berliner Hufeisensiedlung auf einen für dessen Serie Menschen des 20. Jahrhunderts bestimmten Porträt verewigt.

6 Malevich Kubicki SanderLinks: Kasimir Malewitsch und Tadeusz Peiper in Berlin, Frühling 1927, Fotografie gesendet als Postkarte an Jalu Kurek in Krakau, aus: Andrzej Turowski, Malewicz w Warszawie, Kraków 2002, S. 212. /Rechts: August Sander, Der Maler (Stanislaw Kubicki), 1929, Privatsammlung von Prof. St. Karol Kubicki, Berlin. Foto: Mariola Nehrebecka

Wie ein Memento Mori an die nationalsozialistische Ära und an die Verbannung der sg. ‚entarteten Kunst’ aus dem offiziellen Kunstleben wirken Fotografien von Skulpturen Weiblicher Torso von Otto Krischer sowie Mutter und Kind von Pola Lindenfeld, welche von SA und SS während der Durchsuchungen im Berliner Haus der Kubickis zerstört wurden.

7 Kirscher LindenfeldOtto Krischer, Weiblicher Torso, ca. 1919 (links) und Pola Lindenfeld, Mutter und Kind, Gips, ca. 1922 (rechts).
Fotografie der Plastiken aus der Privatsammlung Kubicki die von den Nazis im Rahmen der Aktion ‚entartete Kunst’ vernichtet wurden. Foto: Lidia Głuchowska

Das nur noch von einer alten Postkarte bekannte Denkmal Zum ewigen Andenken an Józef Piłsudski, das einzige klassizistische Werk im Œuvre von Kubicki, bezeugt nicht nur den Kult um den polnischen Staatsanführer angesichts der wachsenden Stärke des sowjetischen und nationalsozialistischen Totalitarismus, sondern erinnert auch die Affinität der Bunt-Künstler zur Idee der Vereinigung Polens im Geiste seiner Politik während des Ersten Weltkrieges. Es veranschaulicht auch die Ambivalenz ihrer Selbstidentifizierung, die zwischen romantischer Begeisterung für den 1918 entstandenen polnischen ‚neuen Staat’ einerseits und avantgardistischer Utopie der internationalen ‚Neuen Gemeinschaft’ andererseits schwankte.

9 Kubicki PilsudskiStanisław Kubicki, Denkmal Zum ewigen Andenken (1935–1939) an Józef Piłsudski und seine Legionäre aus der Gemeinde Kobylepole, die in den Jahren 1919–1920 gefallen sind. Park des Palastes vom Grafen Stanisław Mycielski in Kobylepole. Denkmal vernichtet in den 1940ern.

Kubicki war nicht nur ein bildender Künstler, dessen Werke eine besondere geometrische Stringenz aufweisen, sondern auch ein Kunsttheoretiker und Dichter. 1918-1921, am Ende des Ersten Weltkriegs und in den Folgejahren verfasste er seine expressionistischen, manifestartige Poemen zugleich auf deutsch und polnisch, womit er seinen Beitrag zum avantgardistischen Internationalismus geleistet hat. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs schloss er sich der der polnischen Widerstandsbewegung an und wurde 1942 von der Gestapo ermordet, womit er die Wahrheit seiner eigenen Aussage „Nicht unsere Werke sind wichtig, sondern das Leben“ bestätigt hat.

11 Gluchowska Bunt EkspresjonizmWenn nicht anders beschrieben, stellen Fotos in diesem Beitrag Fragmente des Arrangements der Ausstellung Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde im Kraszewski-Museum, Dresden

Mehr zum Thema in: Lidia Głuchowska (Hg.): Bunt – Ekspresjonizm –Transgraniczna awangarda / Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde, Poznań: Muzeum Narodowe, 2015

Eine Lesung “vom Blog”

monika-einladungDie kleine große Welt

Lesung mit Monika Wrzosek-Müller

20.10.15 | 19 Uhr | RegenbogenCafé

Lausitzer Straße 22
10999 Berlin

Geboren bin ich in Warschau, noch in den Kinderboom-Jahren, was zur Folge hatte, dass es überall eng war, die Aufnahmeprüfungen für die Oberschule oder an der Uni. Nach turbulenten Jahren in Warschau; Mitgliedschaft bei der Solidarność, Arbeit im Polnischen Fernsehen, Entlassung nach Verifikationsgesprächen, siedelte ich 1984 in die BRD erst nach Frankfurt/Main dann nach West-Berlin. Hier habe ich zwei Jahre Kunstgeschichte studiert. Einige Jahre arbeitete ich im Polnischen Kulturzentrum in Berlin und längere Zeit unterrichtete ich Deutsch als Fremdsprache für Ausländer in der VHS Neukölln. Immer wieder übersetzte ich auch längere Texte und Bücher aus dem Polnischen ins Deutsche z. B: Solidarność, Geschichte einer Gewerkschaft, Die zwei Köpfe des Adlers…
Es folgte ein vierjähriger Aufenthalt in Italien, der mein Leben erleuchtete und wärmte. Zurück in Deutschland lebte ich längere Zeit in Kleinmachnow und beschäftigte mich mit Yoga, ich absolvierte auch eine vierjährige Yoga Ausbildung, mehrere Reisen nach Indien und Sri Lanka. Bis jetzt unterrichte ich Yoga an verschiedenen Stellen. Ich bin verheiratet und habe einen Sohn.
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer; auf Deutsch bewusst und persönlicher erst in der Abschlussarbeit für die Yoga Ausbildung. Einen Ansporn meine Gedanken wirklich niederzuschreiben gab mir Ewa, indem sie mir ein Plätzchen in ihrem Blog einräumte. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass die Texte alle auf Deutsch aus mir herauskamen:

Und wie immer war die Überfahrt (nach Kladow zum Yogafestival) ein Erlebnis für sich; sie war in ihrem Kopf noch Meilen von dem Yoga Event entfernt; schaute verträumt um sich herum, auf das Wasser, die vielen Boote, die bewaldeten Ufer des Wannsees; die schöne Seite von Berlin stimmte sie melancholisch. So lange kämpfte sie schon mit sich um ihren Platz in diesem Berlin und den Platz von Berlin in ihr; es war unendlich schwer das zu verbinden, sich zu finden als Mensch, als Ehefrau, als Mutter, als Fremde, als Germanistin, als Arbeitskraft, als Yogalehrerin, als Übersetzerin und als Deutschlehrerin. Immer wieder nagte das Gefühl an ihr, nicht dazu zu gehören, etwas verpasst zu haben; sich nicht einmischen zu wollen, das Leben von außen zu betrachten, nicht bemerkt zu werden und nicht das eigentliche Leben zu leben. Es lag an ihr, der langsame passive Gang ihres Lebens, sich vorwärts schaukeln, wie die Wellen nach vorne rollen und schnell wieder zurückkehren, sich zurücknehmen, was man schon erreicht hat, zerstören. Die Überfahrt war lang und doch kurz oder genau richtig, um nicht zu lange grübeln zu können.

Eintritt frei – Spenden willkommen.

Eine Veranstaltung von Blog ewamaria2013 & Regenbogenfabrik

Berlin for everybody

It is well known, that we are living in the city which is dirty and ugly, but, alas!, everybody wants to live here. And everybody important lives here or at least comes to visit us. We can do nothing, everything will be done for us. Look, just now, next week, comes my favorite German journalist, Meike Winnemuth, in November Ai Weiwei  (yes yes THAT! Ai Weiwei) and in one month Miranda July… He comes for one year, they just for one day…

Meike Winnemuth

dressmeikeShe is a very funny girl. She spend one year in one blue dress and wrote a book about it. So funny!

In a year 2010 she took part on TV Programmm Who becomes a millionaire?, got really half a million euro, took the money and spend one year living every month in another big city all over the world. And of course she wrote a book about living one year in the world. So funny!

I wrote about it HERE.

Now she does nothing! And she wrote a boook about it. So funny!

You will meet her:

Wed, 21. Oktober 2015 – 20:00

Babylon
Rosa-Luxemburg-Str. 30

10178 Berlin

Tickets (ach!) 12 €

Just go!

Ai Weiwei

12141735_993862160635176_394371024703387085_nI am not very fond of him though I know to appreciate his doings and deeds. He is a hero, it is interesting to meet a hero. One does not have many occasions like that in one’s life.

Sun, 1st of November 17:00

Konzertsaal der UdK
Hardenbergstraße 33
10623 Berlin-Charlottenburg

There are no tickets any more, so do not try to go! But there will be a live video stream at www.livestream.udk-berlin.de – in German, English and Chinese.

Miranda July

She comes tu Huxleys New World to present her new book:
“Der erste fiese Typ”.

Moderation: Thomas Böhm
German voice: Tatiana Nekrasov
Presented by Verlag Kiepenheuer & Witsch and BUCHBOX! bookstores
The event will be in German and English

Miranda July Fr, 13.11.2015  at 20:00
Huxleys Neue Welt, Hasenheide 107, 10967 Berlin

Tickets, ach, 17,5 €

Buy the tickets and go!

Die kleine große Welt (18)

Monika Wrzosek-Müller

Wittenberg
Cranach der Jüngere und die Cranachs

Seitdem sie den Umschlag des Katalogs der Cranach-Ausstellung gesehen hatte, war sie so in das feine Bild der Prinzessin Elisabeth von Sachsen verliebt, dass sie es sehen musste. Die Fahrt nach Wittenberg, in die weitere Umgebung von Berlin war gut für einen Sonntagsausflug. Sie wählten eine Route abseits der Autobahn, wie sich herausstellte auch zurecht, denn wie immer wurden in den Sommermonaten die Fahrbahnen repariert und ausgebessert und es staute sich direkt nach der Ausfahrt aus Berlin; Staus gab es auch schon in Berlin, wie immer im Sommer, wenn verstärkt an den Straßenschäden gearbeitet wurde, und sie standen da auch einige Minuten länger. Es war Sommer in voller Blüte und Trockenheit, doch das Grün überwog und manchmal blühten sogar noch Kornblumen, die Mohnblumen waren dagegen fast gänzlich verschwunden; an manchen Stellen war die Trockenheit nicht zu übersehen, der Mais stand nur halbhoch, die Maiskolben ganz ausgetrocknet und bräunlich, manche Felder schon abgeerntet. Doch der Weg führte durch kleine Ortschaften, in deren Mitte fast immer eine schöne alte Dorfkirche aufragte und an den Straßenrändern Menschen saßen und Pflaumen, Karotten, Blumen, alles was ihre Gärten hergaben,verkauften und dann wieder führte die Straße durch größere Waldstücke, Wälder, manchmal sogar leicht hügelig, also sehr reizvoll.

Die Stadt Wittenberg kannte sie von früheren Ausflügen, doch sie änderte sich mit jedem Jahr und es war immer wieder interessant das nachzuverfolgen, was neu dazu gekommen war; die Wasserläufe mit den prächtigen Blumen-, eher Pflanzen Arrangements, die vielen Plakate zur Cranach-Ausstellung und große über ungenutzten Flächen aufgespannte Abbildungen der Werke der Cranachs stachen in die Augen und auch die vielen Menschen, die doch offensichtlich zu der Ausstellung gekommen waren. Es war diesmal nicht Luther selbst, sondern seine Maler – denn man musste den Sohn auch einbeziehen – denen die Aufmerksamkeit galt. Besonderes gedacht wurde diesmal Cranach d. J. anlässlich seines 500. Geburtstages, mit einer extra für ihn eingerichteten Ausstellung: Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters, damit der Sohn einmal aus dem Schatten seines Vaters heraustreten und seine Arbeit und Werke erstrahlen konnten.

Das Konzept der Ausstellung, sie in realen von der Familie Cranach bewohnten Plätzen einzurichten, gefiel ihr sehr. So war die Ausstellung auf drei Orte in Wittenberg verteilt, an jedem kam man dem Werk des Künstlers näher: Cranach-Haus, Augusteum und Stadtkirche. Für sie war die Einführung Cranachs Welt im Cranach-Haus am Markt sehr einleuchtend; man lernte die Familie kennen, ihr Umfeld und das Schaffen. Demnach gehörten die Cranachs zu den einflussreichsten Familien in der Stadt; sowohl der Senior als auch der Junior wussten sehr wohl, wie man die Güter der Familie vermehrte, sie in Immobilien, die Apotheke und einen florierenden Weinausschank investierte. Natürlich war die Hauptbeschäftigung mit der Malerwerkstatt verbunden; da entstanden die vielen Werke, die Ideen, wie man sie schneller produzieren konnte; verbreitet war die Kunst des Pausens, d.h. eine einmal gemalte Figur, ein Gesicht konnte mit einer Technik, die in der Ausstellung mit einem Video erklärt wurde, sehr einfach auf ein neues Bild übertragen werden. So entstanden die zahllosen Bilder von Luther mit verschiedenen Kopfbedeckungen.

Eine Malerwerkstatt funktionierte wie ein kleines Unternehmen, die der Cranachs mit ihrer enormen Produktivität glich fast einer Bildermanufaktur; es waren viele Leute beschäftigt, die einen produzierten Farben, die anderen bespannten die Leinwände, die Söhne versuchten sich im Zeichnen, wurden von dem Vater an das Handwerk herangeführt. Das alles kann man sehr anschaulich und authentisch in den Cranachwerkstätten nachempfinden. Sie musste während des Gangs durch die Ausstellung immer wieder an die Beschreibung in einem Roman über Leben und Tun von Tintoretto in Venedig denken, auch er führte seine Kinder an das Handwerk heran und verstand es sehr gut zu investieren und sich immer weiter zu entwickeln, auch er verstand sich eher als ein perfekter Handwerker denn als ein genialer Künstler. Sie dachte, wie anders hatte man die Künstler damals wahrgenommen; sie richteten ihr Tun ganz nach den Marktgesetzen, produzierten die Bilder für die ganze Region in unheimlichen Mengen, zogen alle Aufträge an sich, oft konnte man nicht eindeutig feststellen, wer letztendlich der richtige, ausführende Künstler war, denn es gab einfach zu viel zu tun. Diese Gedanken kamen ihr verstärkt in den Räumen der Ausstellungen über die Cranachs.

Und noch eins beschäftigte sie die ganze Zeit, aber den Zugang dazu fand sie nicht; es war doch die Entstehungsstunde der protestantischen Kirche, d.h. die Cranachs bildeten die Ikonografie dieser neuen Glaubensrichtung. Lag das an ihrem Unwissen oder hatte man diesem Aspekt zu wenig Platz eingeräumt, zwar gab es Bilder wie die fantastische Darstellung: Die Arbeit im Weinberg des Herren, wo explizite der Kampf zwischen den guten, fleißigen Protestanten und den faulen, prächtig angezogenen Katholiken wunderbar zum Ausdruck kam, doch sie fand wenig Erklärungen und Erläuterung zu diesem Themenkreis. Vielleicht, dachte sie, alle die sich die Ausstellungen anschauen, sind selber Protestanten und das meiste ist für sie einfach selbstverständlich.

Erschreckend fand sie die Abbildungen, Fotos vom Zustand des Cranach-Hauses vor der Wiedervereinigung; erstaunlich, dass in der DDR nicht einmal so renommierte Künstler Beachtung gefunden hatten, jedenfalls dass ihre Wohnstätte so vernachlässigt worden war; sie selbst hatte doch vor vielen Jahren im Kulturzentrum der DDR in Warschau einen großen, sehr gut dokumentierten Bildband über die beiden Cranachs gekauft, also war das Werk von ihnen bekannt und anerkannt.

Doch am meisten berührt, bewegt oder einfach auch gefallen haben ihr die 13 Zeichnungen von Cranach dem Jüngeren. Sie kamen aus dem Musée des Beaux-Arts de Reims und sind zum ersten Mal alle zusammen in Wittenberg zu sehen, in einer Art von Schatzkammer, mit gedämpften Licht. Die Zeichnungen auf dem vergilbten, alten Papier leuchten trotzdem durch ihre Schönheit, Präzision und Ausdruckskraft. Man steht verzaubert und erstaunt von der Lebendigkeit und Bildhaftigkeit der Porträts. Lucas Cranach d.J. verstand es meisterhaft, die feinen Linien, die Lichteinfälle, die Schattierungen wiederzugeben; seine Zeichenskizzen erinnerten sie wiederum an diejenigen von Leonardo da Vinci, aus dem Museum in Vinci. Gerade diese Zeichnungen bilden für sie den Mittelpunkt der Ausstellung, sind modern, leben weiter und inspirieren junge Künstler.

Wichtig und interessant fand sie auch die Herausarbeitung der Unterschiede in der Malweise, dem Malduktus zwischen dem Vater und dem Sohn; denn nach dem Weggang des Vaters nach Augsburg blieb die Werkstatt weiterhin sehr gut ausgelastet mit neuen Aufträgen, hauptsächlich bürgerlicher Porträts, Epitaphien und Altären.

Viele der Epitaphien und Altarbilder hat sie dann in der Stadtkirche gesehen, der Rundgang bildete auch das Ende der Besichtigungstour; die anderen Ausstellungsorte in Dessau und Wörlitz, sowie in den kleineren Kirchen der Umgebung von Wittenberg konnte man an diesem einen Tag niemandem zumuten.

***

Heute vor 500 Jahren, am 4. Oktober 1515, wurde Lucas Cranach der Jüngere als jüngster Sohn von Lucas Cranach dem Älteren und Barbara Brengebier in Wittenberg geboren. Das Land Sachsen widmete ihm und der ganzen Cranach-Familie mehrere Ausstellungen und Veranstaltungen – mehr

Bunt und die Gegenwartskunst

Lidia Głuchowska

Am Sonntag, den 4. Oktober um 15.00 Uhr finden im Kraszewski-Museum Dresden, begleitend zur Ausstellung ,Bunt’ – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki, ein öffentlicher Vortrag und eine kuratorische Führung von Dr. Lidia Głuchowska statt: Das Werk der Gruppe Bunt (Revolte) als Inspiration für Gegenwartskünstler in Deutschland und in Polen.

 Hier im Voraus Einiges zu diesem Thema.

Die Ausstellung expressionistischer Werke der Posener Expressionistengruppe Bunt (Revolte, 19181922), welche noch bis zum 8. November im Kraszewski-Museum Dresden und dann in Wrocław zu sehen ist, wird von zeitgenössischen Kunstpräsentationen begleitet. Die daran beteiligten Kunstgrafiker, Glaskünstlern und eine Bildhauerin beziehen sich in ihren Werken auf die Programme und Ästhetik der Künstlergruppe Bunt (Revolte) und dabei vor allem auf die Idee der engagierten Kunst.

1 PlakatLogo Bobrowski 2015Das auf dem Plakat abgebildetes Logo der Ausstellung – Linolschnitt von Andrzej Bobrowski Transformation M/S (2015) – knüpft an die expressionistischen Selbstbildnisse derjenigen Bunt-Mitglieder an, die die Kontakte der dieser Vereinigung zu den internationalen Künstlerkreisen in Deutschland initiiert haben – Margarete und Stanisław Kubicki.

So wie die Bunt-Künstler ein Gruppenporträt in der Art des Bildnisses Eine Künstlergruppe von Ernst Ludwig Kirchner (1926) nie geschaffen haben, so haben sich auch die Kubickis nie als Paar porträtiert. Andrzej Bobrowskis Linolschnitt Transformation M/S [M(argarete)/S(tanisław)] verbindet in sich ihre Selbstbildnisse aus den Jahren 1917–1918. Das Selbstporträt IV von Kubicki hat sich bis in unsere Zeit nicht erhalten und ist nur noch aus den Publikationen in den Kunstzeitschriften Zdrój (Quelle) und Die Aktion bekannt.

Das zeitgenössische grafische Werk, eine horizontal-panoramische, an Bannerform angelehnte Komposition, ist zum einen eine Reflexion über die künstlerischen und privaten Beziehungen zwischen den Kubickis, und zum anderen darüber, wie die Zeit vergeht, wie die Einzelheiten der künstlerischen Biografien im kollektiven Gedächtnis verblassen, über die Gruppenidentität und schließlich über die fehlende Integrität des Kunstwerkes im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.
Von den selben Selbstbildnissen der Mitbegründer von Bunt wie das Ausstellungslogo wurde die monumentale Installation Przenikanie /In-Einander-Greifen (2015) von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak angeregt.

2 Przenikanie Ludwiczak StachowiakDas Ergebnis des Dialogs mit dem Schaffen der Kubickis ist hier jedoch ein ganz anderes.

Zum ersten verdeutlicht diese Installation, die um mehrfaches größer ist als die ursprünglichen Selbstporträts, dass der zeitgenössische Kontakt mit Kunstwerken der Vergangenheit, die häufig nur aus dem Internet oder anderer Vervielfältigungsmedien bekannt sind, nicht selten eine sehr beschränkte Vorstellung von deren materieller Gestalt verleiht. Und diese ist von wesentlicher Bedeutung auch wenn die manuellen und intellektuellen Fähigkeiten eines Künstlers Vorrang haben vor dem Material, mit dem er arbeitet.

Zum zweiten macht sie auf ein Paradox der von ihnen verwendeten Technik aufmerksam. Obwohl man im Falle des Werks von Ludwiczak und Stachowiak von einem „Inter-Gattungsspiel“ sprechen kann, da sie ein plastisches Bild und nicht lediglich ein flaches geschaffen haben, so knüpfen sie trotzdem in der reliefartigen Form ihrer Installation an die Form der Linolschnittplatte an, mit der die Bildnisse der Kubickis gedruckt wurden. Und wenn sie somit das expressionistische Vervielfältigungsverfahren verdeutlichen, muss klar werden, dass ihr eigenes Werk einmalig und nicht reproduzierbar ist. Paradoxerweise kann nämlich die Gussform ihrer Relief-Plastik, die in einer individuellen Technik entworfen wurde, nur einmal verwendet werden.

Die aufeinander abgestimmten halbtransparenten Glasporträttafeln, die sie aufgestellt auf eisernen Ständern vom Licht durchleuchten lassen, veranschaulichen die Idee des In-Einander-Greifens vom Leben und Werk zweier schöpferischer Menschen. Dieses wird konventionell als Harmonie verstanden, muss jedoch zumeist im Kontext des Alltäglichen aufgrund von Rivalitäten und materiellen Verpflichtungen immer einen Kompromiss bedeuten.

Weiterhin sind in der Ausstellung Gruppenpräsentationen Refleks / Reflex (Kurator: Maciej Kurak), Ulotka / Flyer (Kurator: Maciej Kurak) und Ich 7 / Sie 7 zu sehen, die jene Formen der medialen Kommunikation aufgreifen, welche typische Ausdrucksformen der Künstlergruppe Bunt und der internationalen Avantgarde waren. Dazu zählten in erster Linie die Form des Kunstbuchs, Informations- sowie Propagandadrucke politischer Provenienz. Diese wurden auf Kundgebungen verbreitet und unterstützten künstlerische Manifeste wie auch die Ideen der sozialen und politischen Emanzipation.

3-4-5Von links: Plakate der Ausstellung der Gruppe Bunt 1918 mit dem Motiv aus dem Linolschnitt Turmbau zu Babel von Stanislaw Kubicki und das Kunstbuch Refleks, Hg. v. Maciej Kurak

Motiv aus dem Plakat der Kunstpräsentation Refleks mit dem Linolschnitt von Andrzej Bobrowski (inspiriert von Turmbau zu Babel von Stanislaw Kubicki)


Maryna Mazur, Cardinal, Metaltechniken, aus dem Kunstbuch Refleks, 2014

Das Ergebnis des Projektes Refleks / Reflex (20142015) ist eine Kunstinstallation, deren wichtigste Komponente ein bibliophiles Buch mit Originalgrafiken ist. Ihre erste Präsentation in der Posener Galerie Rarytas im Frühjahr 2014 wurde durch ein Poster von Andrzej Bobrowski ergänzt, welches eine Transformation des Plakats zur ersten Ausstellung der Gruppe Bunt im Jahre 1918 darstellt. Das Originalplakat mit dem Linolschnitt von Stanisław Kubicki Der Turmbau zu Babel (1917) ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Auf dem Plakat der Kunstpräsentation Refleks wird anstelle des ursprünglichen Turms jedoch ein Tunnel gezeigt – ein Teil des Arrangements der Erstaufführung und eine Metapher des gesellschaftlichen Wandels.

Einen Teil der Präsentation Refleks / Reflex bildet ein 2015 entstandener Film desselben Titels – ein Einblick in das Kunstbuch mit den darin enthaltenen 16 Originalgrafiken.

Der zweite Film in der Ausstellung, betitelt Bunt Re-Vision – dokumentiert alle Stationen der internationalen Ausstellung, die als Würdigung der Schenkung von Professor St. Karol Kubicki an das Nationalmuseum Poznań und das Leon-Wyczółkowski-Kreismuseum in Bydgoszcz konzipiert wurde. Im Film sind die Vernissagen weiterer zeitgenössischer Kunstpräsentationen zu sehen. Über die Filme haben wir in der vorigen Besprechung dieser Ausstellung berichtet HIER.

Die Kunstpräsentation Ulotka / Flyer besteht aus einer Sammlung von 31 Werken, von zeitgenössischen Grafikern die mit Kunstschulen in Poznań und Wrocław in Verbindung stehen, und zeigt als Sammlung von symbolischen Flyern die soziale Problematik aus verschiedenen lokalen Perspektiven.

6-7-8Von links: Magdalena Czerniawska, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Stefan Ficner, Hołobutów, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Małgorzata EtBer Warlikowska, Blood is always black, Serigraphie, 2015, aus der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer

Die Künstler, die an dieser Präsentation beteiligt sind, legen in ihren Werken Konventionen, Anzeichen des Provinzialismus und der Fremdenfeindlichkeit offen, bekämpfen die Idealisierung der Wirklichkeit in den Medien ebenso wie die Verfestigung der gesellschaftspolitischen Heuchelei sowie die Beschränkungen, die dem Menschen von offiziellen Institutionen auferlegt werden.

Die Sammlung der Flyern mit sozialkritischer Aussage wird auf zwei zylinderartigen Ständern in Form einer Windrose präsentiert und wie in einem Zeitungsständer aus den Cafés der expressionistischen Epoche betrachtet. Die in Bewegung gezeigten Kunstwerke werden wie Flyer zu einer Metapher der Flüchtigkeit und Synonym der Idee der Öffnung für innovative soziale und kulturelle Werte.

9-10Oben: Kunstpräsentation Ulotka / Flyer: 1 der 2 Ständern

Radosław Włodarski, ein der Teilnehmern der Kunstpräsentation vor seiner Das Cabinet, Digitalprint, 2015 (inspiriert vom Film Robert Wienes Das Cabinet des Doktor Caligari, 1920)

Die Kunstpräsentation, welche im Film Bunt Re-Vision zu sehen ist, heißt Ich 7 / Sie 7 (2015). Sie umfasst Werke eines größeren Formats, welche von einer informellen Gruppe aus sieben Künstlern geschaffen wurden und programmatisch wie auch technologisch an das Schaffen der Gruppe Bunt anknüpfen. Sie zeigen sowohl die Langlebigkeit der Ideen und Ästhetik der Avantgarde auf, als auch mögliche Richtungen einer Neuinterpretation dieser. Der Name des Projektes, welches auf Deutsch ich und auf Polnisch sie 7 bedeutet, bezieht sich auf die Anzahl der Mitglieder von Bunt und ist ein Echo des zweisprachigen Namens, welcher die grenzübergreifenden Anforderungen des Expressionismus aus dem Programm von Bunt ausdrückte.

12 Ich 7 Tyszkiewicz Gertchen Szurek Kopczynska 11 Bunt Bydg Szewczyk_filmUlotka foto LG Oben: Jacek Szewczyk, Aleja bez pracy, rysunek (1999), cokół z prezentacją książki artystycznej Refleks (2014) oraz film Bunt –Re-wizje, koncepcja: Lidia Głuchowska, Anna Kraśko, realizacja: Anna Kraśko (2015).

Fragment der Kunstpräsentation Ich 7 / Sie 7 im Leon-Wyczółkowski-Bezirksmuseum in Bydgoszcz (Juni-August 2015), sichtbar im Film Bunt Re-wizja / BuntRe-Vision im Kraszewski-Museum Dresden. Von links nach rechts Werke von Przemysław Tyszkiewicz, Agata Gertchen, Małgorzata Kopczyńska und Piotr Szurek.

Die Ausstellungsbesucher können als Souvenir ein von den Teilnehmern der Kunstpräsentation Ulotka / Flyer gestalteten Badges mitnehmen.

13 Badges Flyer

 

 

VotiVtraum

Lila Karbowska & Lucyna Viale

karbowska_berlin

VotiVtraum

“VotiVtraum”, Rauminstallation, 2015
in Projektraum “art.endart”
Drontheimer Str. 23
13359 Berlin

Vernissage am 25 September 2015 um 19.00 Uhr,
Ausstellung von 25.09 bis 11.10.2015

Ilustracja na zaproszeniu to tylko inspiracja. VotiVtraum to instalacja efemeryczna – zamiast naszyjników z koralików Karbowska wykorzystała ususzone zioła i rośliny zebrane w Polsce i w Berlinie. Zwiedzających czeka intensywne doznanie wizualne i zapachowe.

lila-mimozy***

Lila Karbowska, polska artystka, od roku 1983 zamieszkała w Berlinie. Studiowała historię sztuki na Wolnym Uniwersytecie Berlińskim. Tworzy instalacje, wideo, fotografia, obiekty, rysunki.

Więcej / more: http://www.lilakarbowska.de

Lucyna Viale, organizatorka wystawy, należy do Stowarzyszenia Artystów “Kolonie Wedding” i co miesiąc – w ostatni piątek miesiąca – organizuje nową wystawę – prezetuje artystów z krajów Europy Wschodniej, przede wszystkim z Polski ale też z Ukrainy, Bialorusi, Czech, Litwy.

Więcej / mehr: www.koloniewedding.de/art.endart

Es ist Bunt in Dresden / Bunt w Dreźnie

Wersja polska poniżej

Dr. Lidia Głuchowska

„Bunt– Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde“ verwandelte das Kraszewski-Museum Dresden

„In der dreijährigen Geschichte der Sonderausstellungen im Kraszewski-Museum Dresden gab es eine solche Ausstellung noch nie. Sie hat unsere Innenräume komplett verwandelt. Und die Glasinstallation In-Einander-Greifen von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak, deren Erstausstellung morgen stattfindet, ist einfach phänomenal”, meint Joanna Magacz, Museumsleiterin.

In den historischen und überraschend so umfangreichen Räumlichkeiten der Villa des literarischen Museums von Józef Ignacy Kraszewski, welche in einer pittoresken Ecke Dresdens liegt, wird morgen die nächste, bereits dritte Enthüllung der internationalen Ausstellungstour Bunt – Expressionismus – Grenzübergreifende Avantgarde. Werke aus der Berliner Sammlung von Prof. St. Karol Kubicki“ stattfinden. Nicht ohne Grund. Bunt war nämlich nicht nur eine Gruppierung deutsch-polnischer Künstler, sondern auch ein Bund von bildenden Künstlern und Literaten.

1 Drezno

Bisher wurde die Ausstellung im Nationalmuseum Poznań und im Leon-Wyczółkowski-Kreis-Museum in Bydgoszcz präsentiert – eben in den Museen, die von der großzügigen Schenkung des Sohns von Margarete und Stanisław Kubicki profitiert haben. Berichte dazu befinden sich u.a. HIER HIER HIER HIER HIER HIER

5 bunt-pion

Im Zentrum der Schau stehen über 80 Grafiken, Zeichnungen und Plakate der Expressionistengruppe Bunt (dt. Revolte, 1918–1922) – Kunstwerke der Kubickis und von Jerzy Hulewicz, Jan Panieński, Władysław Skotarek, Stefan Szmaj und Jan Jerzy Wroniecki.

6 Dresden Stefan SzmajStefan Szmaj

Die Ausstellung wird von Präsentationen zeitgenössischer Künstler begleitet. In Dresden findet die Erstausstellung der monumentalen Installation statt, die aus zwei aufeinander aufgestellten Porträtglastafeln besteht und mit In-Einander-Greifen (2015) betitelt ist. Ihr Hauptbestandteil ist ein Paar von Reliefs, die vom künstlerischen Tandem Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak geschaffen wurden. Als eine Entsprechung der Mitbegründer von Bunt – Margarete und Stanisław Kubicki – unternehmen sie ein gattungsübergreifendes Spiel mit deren künstlerischem Schaffen. Sie knüpfen dabei an die plastikartige Form der Linolschnittplatten an, von denen die Linolschnittporträts der beiden Kubickis um1918 abgedruckt wurden.

kubicki-fotoDas Logo der Ausstellung, geschaffen von Andrzej Bobrowski, wie auch die kollektiven Präsentationen von 31 Grafikern – Reflex (2014-2015), Flyer und Sie 7 (2015) –, veranschaulichen den stilistischen und programmatischen Einfluss des Œuvres der Gruppe Bunt auf die aktuelle Kunst.

10 Dresden Bunt Reflex FilmFilm Reflex

Die Bunt-Künstler schufen das umfangreichste internationale Netzwerk unter den polnischen frühavantgardistischen Gruppierungen. Der grenzübergreifende Kontext ihrer Wirkung wird in der Ausstellung von zahlreichen großformatigen Fotografien und Dokumenten veranschaulicht, die auf den arrangierten Litfasssäulen präsentiert werden.

Obwohl Berlin zweifelsohne das wichtigste der ausländischen Zentren für die Aktivitäten der Gruppe Bunt darstellte, pflegten ihre Mitglieder ebenfalls zur Kunstszene Dresdens Kontakte, insbesondere zur Dresdner Sezession: Otto Dix, Conrad Felixmüller, Henryk Barciński und Otto Krischer. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb die Ausstellung derzeit in der Heimat des Expressionismus stattfindet, wo 1905 die erste Gruppe dieser stilistischen Formation – Die Brücke – gegründet wurde.

Freitag, 04.09.2015, 19.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung mit thematischer Einführung

„Die Gruppe Bunt, die internationale Wanderausstellung und die Spezifik der Schau in Dresden”, mit Dr. Lidia Głuchowska, Universität Zielona Góra, Institut für Visuelle Künste, Künstlerische Fakultät, Kuratorin

Sonntag, 04.10.2015, 15.00 Uhr

Vortrag und Führung von Dr. Lidia Głuchowska

„Das Werk der Gruppe Bunt (Revolte) als Inspiration für Gegenwartskünstler in Deutschland und Polen”

(über die Kunstpräsentationen Reflex, Flyer und Ich sowie die Installation In-Einander-Greifen von Karolina Ludwiczak und Marcin Stachowiak).

Sonntag, 08.11.2015, 15.00 Uhr

Vortrag und Führung von Dr. Lidia Głuchowska
„Bunt, internationaler Expressionismus und die avantgardistische ,Neue Welt’“

Sonntags, 20.09.2015 und 11.10.2015, jeweils 15.00 Uhr

Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung mit Susanna Käpler, Museologin
„Vom Aufruf zur Versöhnung bis zur künstlerischen Revolution. Der expressionistische Charakter der der deutsch-polnischen Künstlervereinigung Bunt

Konzeption / Kuratorin der internationalen Ausstellungstour: Dr. Lidia Głuchowska

Ausstellung
05.09–08.11.2015
Kraszewski-Museum Dresden (Museen der Stadt Dresden)
Nordstraße 28, 01099 Dresden
http://www.museen-dresden.de


Dr Lidia Głuchowska

Bunt – Ekspresjonizm – Transgraniczna awangarda” przeobraziły Muzeum im Józefa Ignacego Kraszewskiego

„W trzyletniej historii wystaw czasowych w Muzeum im Józefa Ignacego Kraszewskiego w Dreźnie takiej ekspozycji jeszcze nie było. Ta całkowicie przeobraziła nasze wnętrza. A instalacja Przenikanie Karoliny Ludwiczak i Marcina Stachowiaka, której premiera będzie miała miejsce dziś, jest po prostu fenomenalna” – twierdzi Joanna Magacz, kierowniczka muzeum.

W historycznych i zaskakujaco obszernych wnętrzach położonej w malowniczym zakątku Drezna willi – muzeum literackim Józefa Ignacego Kraszewskiego zostanie jutro otwarta kolejna, trzecia już odsłona międzynarodowego tournée wystawy „Bunt – Ekspresjonizm –Transgraniczna awangarda. Prace z berlińskiej kolekcji prof. St. Karola Kubickiego”. Nie bez powodu. Bunt był bowiem nie tylko grupą o polsko-niemieckim składzie, lecz również stowarzyszeniem plastyków i literatów.

2 DresdenDotychczas pokazywana była w Muzeum Narodowym w Poznaniu i Muzeum Okręgowym im. Leona Wyczółkowskiego w Bydgoszczy, które są beneficjentami hojnej darowizny syna polsko- niemieckiej pary artystów Margarete i Stanisława Kubickich. Relacje na ten temat znajdują się HIER HIER TU HIER TU HIER

Zasadniczą część wystawy stanowi ponad 80 grafik, rysunków i plakatów ekspresjonistycznej grupy Bunt (1918–1922), do której należeli Kubiccy, Jerzy Hulewicz, Jan Panieński, Władysław Skotarek, Stefan Szmaj i Jan Jerzy Wroniecki.

4 trzywszeregu 3 trzy kwadratoweEkspozycji towarzyszą pokazy realizacji współczesnych. W Dreźnie ma miejsce premiera unikalnej, monumentalnej instalacji z nakładających się szklanych portretowych tafli – Przenikanie (2015), której główny element stanowi para reliefów autorstwa tandemu artystycznego Karolina Ludwiczak i Marcin Stachowiak. Jako odpowiednik współzałożycieli Buntu – Margarete i Stanisława Kubickich – podejmują oni transmedialny dialog z ich twórczością graficzną, wskazując na paradoks niemożności powielania ich linorytowego dzieła.

5Logotyp wystawy autorstwa Andrzeja Bobrowskiego oraz grupowe realizacje 31 grafików – Refleks (2014-2015), Ulotka oraz Ich 7 (2015), ukazują stylistyczny i programowy wpływ dokonań grupy Bunt na sztukę najnowszą. Poza pracami na papierze wystawa obejmuje także dwa filmy artystyczne – Refleks i Re-Wizje.

6Poza pracami na papierze i witrażową instalacją ze szkła wystawa obejmuje także dwa filmy artystyczne – Refleks i Re-Wizje. Pierwszy z nich prezentuje komentarze do prezentowanej na wystawie książki artystycznej pod tym samym tytułem, zawierającej 16 oryginalnych prac współczesnych autorstwa grafików poznańskich. Drugi dokumentuje tournée wystawy donacyjnej od momentu przekazania polskim muzeom daru z berlińskiej kolekcji prof. St. Karola Kubickiego.

Artyści grupy Bunt stworzyli najrozleglejszą spośród polskich ugrupowań wczesnoawangardowych sieć kontaktów międzynarodowych. Ów transgraniczny kontekst ukazują na wystawie liczne fotografie oraz dokumenty reprodukowane na zaaranżowanych słupach ogłoszeniowych.

7Choć najważniejszym z zagranicznych ośrodków działalności Buntu był Berlin, jego członkowie utrzymywali także kontakty z artystami Drezna, w tym Dresdner Sezession: Ottonem Dixem, Conradem Felixmüllerem, Henryk Barcińskim i Ottonem Krischerem. To jeszcze jeden powód, dla którego wystawa odbywa się obecnie w ojczyźnie ekspresjonizmu, gdzie w 1905 powstała pierwsza grupa tej formacji stylistycznej, Die Brücke.


Program towarzyszący wystawie obejmuje:

Piątek, 4.09.2015, godz. 19.00

Wernisaż

„Grupa Bunt, międzynarodowe tournée wystawy donacyjnej i specyfika odsłony w Dreźnie”
dr Lidia Głuchowska, Uniwersytet Zielonogórski, Wydział Artystyczny, Instytut Sztuk Wizualnych

Niedziela, 4.10.2015, godz. 15.00

Wykład i oprowadzanie kuratorskie w języku niemieckim: dr Lidia Głuchowska

„Twórczość grupy Bunt jako inspiracja dla współczesnych twórców w Polsce i w Niemczech” (o prezentacjach artystycznych Refleks, Ulotka i Ich 7 oraz instalacji Przenikanie Karoliny Ludwiczak i Marcina Stachowiaka).

Niedziela, 8.11.2015, godz. 15.00

Wykład i oprowadzanie kuratorskie w języku niemieckim: dr Lidia Głuchowska
„Bunt, międzynarodowy ekspresjonizm i ‘nowy świat‘ awangardy”

W niedziele, 20.09.2015 i 11.10.2015, o godz. 15.00

Zwiedzanie wystawy z przewodnikiem (w języku niemieckim): Susanna Käpler, muzeolog
„Od apelu o pojednanie do artystyczno-politycznej rewolucji. Ekspresjonistyczny charakter polsko-niemieckiej grupy artystów Bunt


Kuratorka międzynarodowego tournée wystawy / autorka koncepcji: dr Lidia Głuchowska

Wystawa: 5.09–8.11.2015
Muzeum im Józefa Ignacego Kraszewskiego w Dreźnie
Nordstraße 28, 01099 Drezno
http://www.museen-dresden.de
środa–sobota, godz. 13.00–18.0


O Muzeum w Dreźnie już kiedyś był wpis na blogu

Ein schöner Sommersamstag in Berlin (2)

Ewa Maria Slaska

Guten Abend. Oder eigentlich: Gute Nacht. Vor ein paar Wochen schrieb ich, dass es in Berlin am Wochenende keinen “Guten Morgen” gibt, weil der Berliner sich ausschlafen muss. Eigentlich gibt es in Berlin erst den Nachmittag, noch lieber Abend und gestern gar die Nacht.

plakat Ich habe eine Karte als Ehrengast und versuche den schönen Sommersamstag in Berlin zu genießen. Es begann wunderbar. Ich stieg aus der U-Bahn und ging nach oben, wo mich sofort eine schöne blonde Frau in einer Rikscha angesprochen habe, ob ich eben zur Langen Nacht will. Es gibt nämlich kostenlos die Schuttle-Rikscha finanziert von Volkswagen-Museum zur Museum Insel und zurück. Es ist eigentlich kein Museum, es ist Drive – das Volkswagen Group Forum, ehemals Automobilforum Unter den Linden, aber was soll es, an der Langen Nacht der Museen seien verschiedene Einrichtungen plötzlich Museen, Hochschulen, Kirchen, Banken…

Ich habe vergessen Foto zu machen, aber es war ungefähr so eine Rikscha, nur mit einer schicken Fahrerin drinne. Rikscha ist natürlich ein Vergnügen für Touristen. Kein Berliner wird es je machen, sich mit so  einem Ding chauffieren zu lassen, aber was soll es…

brautpaarXXX
XXX
Vor dem Altenmuseum eine Fotosession mit einem Mix-Brautpaar. Sehr schön. Komisch, als ich vor ein paar Wochen meinen Tag in Berlin beschrieb, berichtete ich von einem Polsterabend. Offensichtlich heiraten jetzt die Menschen in Berlin wieder.

Altes Museum. Filetstück der Museum-Insel. Auf der Museum-Homepage liest man einen Text. Bescheidener.

Karl Friedrich Schinkels Altes Museum, entstanden von 1823 bis 1830, zählt zu den bedeutendsten Bauwerken des Klassizismus. Die monumentale Ordnung der 18 ionischen kannelierten Säulen, die weit gespannte Vorhalle, die Freitreppe, die zum Beschreiten einlädt, sowie die mit antiken Skulpturen geschmückte Rotunde – Raum innerer Sammlung und ausdrücklicher Rückgriff auf das römische Pantheon – sind architektonische Würdezeichen, die bis dahin nur Herrschaftsbauten vorbehalten waren. Die Inschrift über der Säulenfront lautet: „Friedrich Wilhelm III. hat dem Studium jeder Art Altertümer und der freien Künste das Museum gestiftet 1828“. Heute beherbergt das Haus die Antikensammlung, die hier ihre Dauerausstellung zur Kunst und Kultur der Griechen, Etrusker und Römer zeigt. Das Münzkabinett komplettiert mit seinen antiken Objekten diese Gesamtschau des klassischen Altertums.

boginiIch schaue mir die Antikensammlung an. Prächtig, prächtig… Nix wie jeder Woche hin… Also wieso war ich eigentlich seit Jahren nicht hier? Pergamon, Bodemuseum, Neues Museum, ja, aber hier, nein, hier nicht…

Ich habe einfach vergessen wie wunderschöne Sachen sie hier haben.

Die Frau links ist eine Göttin aus Tarent. Man weißt nicht welche, Hera, Aphrodite, Proserpina? Ich schätze, dass es Hera ist, weil sie sehr majestätisch thront.

Jetzt weiter, also in die Alte Nationalgalerie, wo es diese Ausstellung ImpEx  gibt, was nicht Export Import bedeutet, sondern Expressionismus / Impressionismus (Achtung – nur bis 20. September!) Und meine geliebte Prinzessinnen – Frederike und Louise Hochenzollern – eine Skulptur von Schadow.

Alte Nationalgalerie nimmt an der Langen Nacht der Museen nicht teil. Die Exponate bei Imp/Ex sind zu kostbar.

Schade.

OK, dann das Neue Museum, so schick restauriert von David Chipperfield. Und dort natürlich Nofretete.

Das Neue Museum ist voll, vor dem Museum steht Schlange für mindestens eine Stunde.

Schade

Ins Pergamon-Museum gehe ich gar nicht hin. Es ist bis 2019 geschlossen. Oder länger, wie es in Berlin so ist.

Schade.

Jetzt aber schnell los. Ich möchte um 21 Uhr ins Kino vor der Gemäldegalerie… Man kommt hin mit Schuttle-Bus Linie 1.

schuttlebusEs geht schnell, ich habe noch halbe Stunde Zeit, gehe also in Gemäldegalerie, wo man die wunderbare Madonna mit Engel und Lilien von Botticelli sehen kann dh. sog. Tondo Raczynski.

20150829_203426Die Italiener sind aber nicht zu sehen, man baut schon die Botticelli-Ausstellung auf. Sie wird am 24. September geöffnet und wir werden alle scharrenweise hingehen, ist ja klar. Aber dass man zur Langen Nacht der Museen deswegen keinen Italiener sehen darf, das ist schon Schade.

Schade, Schade, Schade…

Ich habe also immer noch 29 Minuten Zeit und gehe zu mittelalterlichen Maler, die hier in großer Menge ausgestellt sind. Gleich im erstem Saal haltet mich eine Vorführung an. Ein Vergolder zeigt uns, wie man im Mittelalter den goldenen Hintergrund schaffte. Ein raffiniertes Kunstwerk war es mit vielen Geheimnissen und kleinen Tricks.

geschlossen-aufbau21:20 Uhr. Mit 20-Minütigen Verspätung beginnt der Film, den man auf Arte am 27. September um 17:35 Uhr im Programm Rendezvous sehen MUSS.

botticelli-filmEin wunderbarer Film… Regie und Drehbuch: Grit Lederer
Produktion: Medea Film, 52 min., 2015

Ein wunderbarer Film… Ach ich sagte es schon, sorry…

Es ist spät, mir ist kalt, ich möchte essen, Tee trinken, diesen Post machen… Ich gehe nach Hause.

Es ist Vollmond!

vollmond

 

 

Haus Europa

Brigitte von Ungern-Sternberg

Kindheiten in Europa: Heidi Ramlow

Überquert man eine Landesgrenze und kommt in ‘fremdes’ Land so ist einfach alles anders: die Sprache, das Essen, die Musik, wie sich Menschen zueinander verhalten …die Art zu denken. Oft erlebt, aber immer wieder spannend!

Ganz gleich ob und wie sich das ‘Haus Europa’ entwickeln wird, es wird in diesem großen ‘Haus’ immer viele separate Wohnungen geben, die sich höchst unterschiedlich präsentieren: polnische, französische, deutsche, griechische, italienische … Wohnungen (Wie viele? Siehe Europakarte!)

‘Haus Europa’? Das reicht nicht! Eigentlich sollte man eher von einer großen ‘Wohnanlage Europa’ sprechen.

Es empfiehlt sich, in diesen europäischen Wohnungen gelegentlich das Kinderzimmer aufzusuchen – denn wann haben wir sprechen, singen, denken gelernt, die Art Feste zu feiern und zu kochen? In der Kindheit natürlich! War man einmal in einer solchen Kinderstube, versteht man schon einiges davon, warum ein Mensch, der da groß geworden ist, so ist wie er ist. Und gut ist es auch, sich bei einer passenden Gelegenheit gegenseitig etwas von seinen prägenden Kindheitserlebnissen zu berichten.

Heidi RamlowHeidi Ramlow hat angefangen, diesen Faden des gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens über die Kindheitserzählungen aufzugreifen. Sie ist 1941 in Pustchow/Pustkowo zur Welt gekommen, hat also Wurzeln in Pommern, die sie in ihrem langen Leben in Hamburg, München und Berlin nicht vergessen hat. Und schon ist man mitten drin in gar nicht so einfachen Kindheiten. Viele sind in Europa nicht in säuberlich abgetrennten Wohnungen aufgewachsen, sondern sind einmal oder sogar mehrmals in der ‘Wohnanlage’ umgezogen. Da steht in einer verlassenen oder aufgegebenen Wohnung so ein Kindheitskoffer herum. Die jetzigen Bewohner fragen sich vielleicht: Wie ist der denn dahin gekommen? Anzumerken ist natürlich, dass das ‘Haus Europa’ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz und gar nicht ein Ort friedlichen Zusammenlebens war.

Ein von Heidi Ramlow herausgegebenes Buch über Kindheiten in Schweden und Deutschland gibt es seit Mai 2015 schon im Handel.

Ein zweites Buch mit dem Titel “Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen” ist im Entstehen, soll am 1.9.2015 erscheinen und 12 Euro kosten. Es werden in der zweisprachigen Anthologie 27 polnische und deutsche Autoren und Autorinnen von ihren Kindheitserlebnissen berichten, in unterschiedlicher literarischer Form, von Familie, Liebe, Religion, Ideologie, Fluchterlebnissen und Heimatsuche erzählen. Es ist ein Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und auch zur Versöhnung, so Heidi Ramlow. Herausgeber des Buches ist Heinrich von der Haar, Vorsitzender des Literatur-Kollegs Brandenburg e.V., Schirmherrin der Anthologie – Gesine Schwan, Präsidentin der Europauniversität Viadrina, Frankfurt/Oder.

Es gibt auch bereits einen Terminplan für eine Reihe von Lesungen in Deutschland und Polen, fünf davon im Oktober und November in Berlin. Von Kindheiten zu lesen ist interessant, sie erzählt zu bekommen einfach schön!

Flyer Deutsch  Flyer Po polsku

Die Herstellungskosten des Buches sind noch nicht gedeckt, über den Crowdfan-Link erfährt man, wie man mit einer Spende dazu beitragen kann.

Berliner Strassenmusik

Für Sigrid

Letztens bin ich zu einem sehr gelungenem Geburtstag eingeladen und Mo Calaz war eine der mehreren Trophäen, die ich von diesem Event so zu sagen “nach Hause” genommen habe. Er sang dort, er ist nämlich, wie er selber sagt, “buchbar”, und in der Woche trifft man ihm auf dem sog. Türken Markt. Immer Dienstag und Freitag, zwischen 12:00 und 14:00 Uhr.

Der Markt am Maybachufer in Neukölln ist mit der U-Bahn Linie 8 (U-Bhf. Schönleinstraße) zu erreichen. Außerdem hält dort der Bus 140.

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