Frauenblick auf Hunde

Monika Wrzosek-Müller

Hundeliebhaber: innen

Wie viel Mensch braucht ein Hund? Die Frage könnte man umkehren: Wie viel Hund braucht ein Mensch? Die erste Frage stellt Maike Maja Nowak in ihrem Buch, das von Begegnungen mit Hunden und ihren Menschen erzählt und sie schreibt: „Ich danke allen Hunden, die ich während meiner Arbeit kennenlernen durfte, obwohl ich ihnen nichts beibringen musste, weil sie ja selbst am besten wissen, wie es ist, ein Hund zu sein. Dafür konnte ich lernen, wie man ihnen stets dort begegnen kann, wo ihre Natur noch gesund ist – selbst dann, wenn diese vom Menschen völlig zerstört scheint. So gewann ich das Vertrauen darauf, dass in jedem Wesen etwas zu finden ist, das heil geblieben ist, wenn man nur seiner Natur folgt.“ Die zweite stelle ich mir immer wieder in unserem Park, wenn ich die Hundebesitzer beobachte, und ich würde sagen: das Problem sind eher wir, die menschlichen Wesen, und nicht die Hunde.

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Frauenblick auf Antalya (3)

Monika Wrzosek-Müller

Antalyas Umgebung: Termessos und Ariassos

Um von fast Meereshöhe auf 1100 zu kommen, braucht man einige Zeit und vor allem gute Straßen; heutzutage ist das auch kein Problem, aber wie haben sie das in der Antike geschafft, noch dazu riesige Steinblöcke transportiert, große Anlagen, Mauern, Aquädukte gebaut? Diese Fragen beschäftigen mich die ganze Zeit während dieses Ausflugs.

Wir fahren mit einem ältlichen Renault, der faucht und schwitzt und die Erhebungen vor sich eher nicht mag. Später, auf dem Rückweg wird alles leichter, immer wieder muss man bremsen.

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Frauenblick auf Antalaya (2)

Monika Wrzosek-Müller

Umgebung

Der ungeheure Reichtum der Natur um Antalya zieht nicht erst heute geballten Tourismus und große Menschenmassen an. Das Taurusgebirge, eine Bergkette mit Gipfeln über 4.000 Meter, und bei Antalya, auf dem „Lykischen Weg“, mit mehreren 3.000ern, bildet ein riesiges Wasserreservoir für die Region. Zwar schmelzen die Schneemassen immer schneller und der künstlich geschaffene Skiort Saklikent (1.850-2.547 m) ist wenig frequentiert und nicht schneesicher. Doch in den Flüssen und Seen gibt es reichlich Wasser; in der ganzen Ebene mangelt es daran auch in den heißen, trockenen Sommermonaten nicht, auch nicht für den Massentourismus in den Hotelburgen, auch nicht für die zahlreichen Treibhäuser mit Gemüse, Obst und Blumen. Dieses Paradies haben schon die verschiedensten Völker in entlegensten Zeiten zu schätzen gewusst.

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Frauenblick: Kurze Werbung für Polkopedia

Monika Wrzosek-Müller

Vielleicht haben nicht alle in Pokopedia reingeschaut, doch es lohnt die Mühe, auf die Website zu gehen und wenigstens einige Einträge zu lesen. Zugegeben, es sind grausige Geschichten, wahre Tragödien im griechischen Sinne, bei denen es keinen positiven Ausgang gibt, geben kann. Doch das Wissen darüber müsste eben in unserer Zeit verbreitet werden, denn ich glaube ganz tief, dass nur durch das Wissen über die vergangenen Gräueltaten die nächsten verhindert werden können, wenn überhaupt. Dazu habe ich dieses Interview gelesen und gedacht, das drückt genau aus, was ich mit meiner Teilnahme an dem Projekt Polkopedia meine.

www.polkopedia.org

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Frauenblick auf Antalya (1) – amore mio [sen askim]

Monika Wrzosek-Müller

Antalya – amore mio [sen askim]

Ist das Verreisen, sich auf die Reise machen nicht etwa eine Flucht vor sich selbst, vor den eigenen Problemen, den ewigen Freunden und Feinden, den gleichbleibenden Wegen, dem schlechten Wetter und dem gewohnten Essen, den Nachrichten des Tages, der ewigen Routine, der Langeweile…? Doch, man macht sich auf, fährt möglichst weit weg und nimmt sich selbst natürlich auch mit. So kann man den eigenen Weg immer fortsetzen, ganz weit weg fliehen, auf die Suche gehen und sich selbst doch dann auch überall mitnehmen, mit dem uns allen bekannten Don Quijote wandern. Manchmal aber reichen kleine Veränderungen, um etwas gelassener und optimistischer auf die Welt rundherum zu blicken; es ändert sich vielleicht das Wetter und die Ausblicke sind unbekannt und ganz neu, und wenn sie noch wirklich schön sind, die Menschen um einen herum herzlich, freundlich, zufrieden, dann lebt man auf, versucht neue Perspektiven auf eigenes Leben zu entwickeln. Also irgendwie doch ein Plädoyer für das Reisen?

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Frauenblick auf die Schönheit

Monika Wrzosek-Müller

Kunstbetrachtungen in grauen Tagen

Die Tage sind eher unfreundlich, wir haben einen richtigen Winter; die Traktoren mit unzufriedenen Bauern rollen über die Straßen, auf den Gehwegen türmt sich der nicht geräumte Schnee. So habe ich angefangen, an schöne Dinge, an Schönheit zu denken und mir sind die letzte Ausstellung über Hayez in Turin und der Film über die Vermeer-Ausstellung eingefallen, und dann war ich letztens auch in dem Film über die Künstlerfamilie Giacometti. Ist euch aufgefallen, dass es im Kino immer mehr sehr gute Dokumentarfilme gibt (nur 2023: Joan Baez: I Am a Noise, Lagunaria, Anselm-Das Rauschen der Zeit, Heaven can wait etc…)? Was bedeutet das, was sagt das über uns aus, über unsere Zeit? Sehen wir uns gerne unsere glorreichen Storys an, Menschen mit großen Talenten – so als ob wir Angst hätten, unsere Zeit würde keine solchen Genies mehr hervorbringen, oder wollen ihnen gedenken?…

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Frauenblick: Mary Ellen Mark Encounters

Monika Wrzosek-Müller

Eine Fotoausstellung

In der Zeit zwischen den Jahren, wenn „alles schläft“, habe ich mir eine sehr gute, inspirierende Fotoausstellung in C/O Berlin angeschaut. Auf den Gedanken „alles schläft“ bin ich gekommen, weil wir praktisch fast die einzigen Besucher der großen Retrospektive von Mary Ellen Mark waren. Dabei erinnere ich mich an die Menschenmassen in der Ausstellung Genesis von Sebastiao Salgado von 2015 in derselben Institution, wo man warten musste, um jeweils an die nächste Fotografie herankommen zu können, an die riesigen, wahnsinnig schönen Fotografien, die sich damals angeblich auch zu unheimlichen Preisen verkauften. Die inszenierte Natur auf diesen Fotos war so perfekt, die Naturvölker darin so in Szene gesetzt, dass sie fast unnatürlich wirkten; doch die Fotos an sich waren wirklich unglaublich, überirdisch schön. Warum fällt mir die alte Ausstellung jetzt plötzlich ein? Vielleicht weil sie eine ganz andere fotografische Vorgehens- und Arbeitsweise zeigt, die im krassen Gegensatz zu der jetzigen Retrospektive steht.

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Gedanken zu Weihnachten / Neujahr

Monika Wrzosek-Müller

Weihnachts- und Neujahrfest liegen zeitlich so nah beieinander, dass man fast immer im gleichen Zug die Wünsche ausspricht: Frohe Weihnachten und glückliches Neues Jahr, Wesołych Świąt i szczęśliwego Nowego Roku, Merry Christmas und a Happy New Year; und doch handelt es sich scheinbar um zwei verschiedene Anlässe. Nach längerem Nachdenken kommt aber die Einsicht, dass der ursprüngliche Ausgangspunkt in ähnlichen Bereichen liegt, nämlich in Naturereignissen. Denn es handelt sich um die Zeit der Wintersonnenwende; auf den 22. (manche sagen: den 25.) Dezember fällt der kürzeste Tag und somit die längste Nacht. Das bedeutet, dass danach die Dunkelheit wieder abnimmt und die Stunden des Lichts wieder mehr werden. Somit könnten wir Weihnachten als den Abschied von der Dunkelheit feiern; da wird das Christkind geboren und damit neue Hoffnung geweckt, auch auf Licht. Mit der Geburt begrüßen wir den Neuanfang, so wie wir das zu Neujahr auch feiern; dass die Feste so neben einander liegen, ist dann ganz verständlich. Sicher kein Zufall auch, dass auch in China zur gleichen Zeit die Wintersonnenwende gefeiert wird – mit dem Dongzhi-Fest am 22. Dezember (wie uns unsere Freunde Jia und Fu erzählt haben).

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Puccini – Il Trittico

Monika Wrzosek-Müller


Die letzten Tage waren wirklich alles andere als lichtvoll und optimistisch, auch wenn die Weihnachtsmärkte überall mit dampfendem Glühwein einladen. Noch wenn Schnee liegt, erscheint die Welt heller und sauberer, eben weiß, aber mit dem Dauerregen ist alles zwar gewaschen und nass, doch auch dunkel, feucht und unangenehm. So war die Flucht in die Opernwelt sehr angebracht und willkommen, zumal es eigentlich drei Oper in einer sind.

Triptychon assoziieren wir mehr mit einem Altargemälde, das aus drei Teilen besteht. In der Mitte meistens die wichtigste Szene, flankiert von zwei Darstellungen aus dem Leben eines Heiligen (es waren ja meist Kirchenaltäre und dargestellt wurden Szenen aus der Bibel). Meistens waren die Flügel beweglich, man konnte sie schließen, und so gab es noch mehr Fläche für die Darstellungen. Ich erinnere mich, wie ich als Kind, in der Marienkirche in Krakau darauf gewartet habe, dass der Altar geöffnet wurde; dabei handelt es sich um ein Pentaptychon, also mit fünf Teilen: der Mittelaltar und die beidseitig bemalten Flügel an den Seiten. Die Öffnung des Altars war immer ein besonderer Moment, meistens ertönte auch Orgelmusik und die Lichter gingen an.

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Turin – Porträt einer Stadt

Monika Wrzosek-Müller

Leider haben meine Corona-Erkrankung und der Service von Lufthansa, bei dem buchstäblich nichts gestimmt und funktioniert hat und ich deswegen drei Tage ohne meinen Koffer in Turin saß, die Erlebnisse in Turin etwas verblassen lassen. Ich höre jetzt von den Ärzten rundherum, das Fliegen sei am schlimmsten; da schnappten die meisten das Virus auf. Während der Pandemie hieß es doch immer, das Flugzeug sei das sicherste Verkehrsmittel, weil da Filter und Düsen alles einsaugen würden… egal, exakt auf dem Rückflug (zum Glück) habe ich die Krankheit bekommen.

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