Man weiß schon wer es mit Don Quijote ernst nimmt

Ewa Maria Slaska mit vielen Dank an Arkadiusz Łuba

Es ist schon lange her, als ich das erste Mal auf diesem Blog in Herrn Łuba den Don Quijote erkannte.
https://ewamaria.blog/2019/05/27/barataria119-i-opera-raz-jeszcze/.

So sah er damals aus:

Jetzt aber zurück in die Gegenwart. Gerade schreibt Herr Łuba über Kafka und fand für mich zwei Fragmente. Beide sind eine reine Provokation.

Die Wahrheit über Sancho Pansa

Sancho Pansa, der sich übrigens dessen nie gerühmt hat, gelang es im Laufe der Jahre, durch Beistellung einer Menge Ritter- und Räuberromane in den Abend- und Nachtstunden seinen Teufel, dem er später den Namen Don Quixote gab, derart von sich abzulenken, daß dieser dann haltlos die verrücktesten Taten aufführte, die aber mangels eines vorbestimmten Gegenstandes, der eben Sancho Pansa hätte sein sollen, niemandem schadeten. Sancho Pansa, ein freier Mann, folgte gleichmütig, vielleicht aus einem gewissen Verantwortlichkeitsgefühl, dem Don Quixote auf seinen Zügen und hatte davon eine große und nützliche Unterhaltung bis an sein Ende.

(Franz Kafka, Das dritte Oktavheft: 21. Oktober 1917, Zürau)

Eine der wichtigsten donquixotschen Taten, aufdringlicher als der Kampf mit der Windmühle, ist: der Selbstmord. Der tote Don Quixote will den toten Don Quixote töten; um zu töten, braucht er aber eine lebendige Stelle, diese sucht er nun mit seinem Schwerte ebenso unaufhörlich wie vergeblich. Unter dieser Beschäftigung rollen die zwei Toten als unauflöslicher und förmlich springlebendiger Purzelbaum durch die Zeiten.

(Franz Kafka, Das dritte Oktavheft: 22. Oktober 1917; Fünf Uhr nachts)

***

Gleich nach der Kafka-Zitaten schickte mir Herr Łuba noch eine doppelte Retrospektive über seine Zeiten als er noch in Olsztyn eine deutschsprachige Sendung für die dortige deutsche Minderheit konzipierte, gründete und leitete. Nach 25 Jahren wurde er zu seinen damaligen Projekt inteviewed. Und sieh mal Einen an! Mit welchem Thema hat unser deutsch-polnischer Berliner Don Quijote seine Radio-Tätigkeit begonnen?


Hier auch die Ankündigung der Sendung.

Und da der Text eigentlich hier auf dem Blog unlesbar ist, habe ich ihn für Euch, meine lieben Leser & Innen abgeschrieben:

Mysteriöse Suche nad dem Ideal.

Am 31. Maerz spielte in Olsztyn das „Orphtheater” aus Berlin im Rahmen eine Polentournee sein Stueck „Quixote”. Es hatte seine Uraufführung im Mai 1996 in Berlin.
Das „Orphtheater” wurde 1990 gegründet und widmet sich dem modernen Theater. Wichtig ist dem Theater die Geschichte von Orpheus dem Sänger — und das Interessanteste an ihm ist: kein Blick zurück. Der Blick geht immer nach vorne.
Dieses gilt auch für „Quixote”.
Die literarische Grundlage des Stückes waren der erste und der zweite Teil des Romans „Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von La Mancha” von Miguel de Cervantes. Eine eigene Stückfassung wurde von Susanne Truckenbrodt geschrieben. Sie ist auch Regisseurin des Stückes.
Wer ist also Don Quixote in ihrer Inszenierung? Das Schauspiel des „Orphtheater” heisst „Quixote”. Denn er ist kein Herr von La Mancha. Unser Held stammt nicht aus einer adeligen Familie, ist kein Besonderer. Er ist ein Narr, der seinen Illusionen nachhängt. Er ist bereit für sie bis zum Aussersten zu gehen – sogar für sie zu sterben.
Don Quixote ist ein Sänger. Er beginnt eine Reise, fängt an seine Liebe zu suchen, sein Ideal. Er ist einer „der die Ritter der Tafelrunde, die zwölf franzoesischen Kerls, erwecken muss”. Und das tut er auch.

Neu geboren läuft er leicht wie auf Federn, betritt das Unbekannte, kämpft mit den Riesen um seine Ideale zu retten, sucht immer neue Abenteuer, wirft keinen Blick zurück.

Das Publikum sitzt auf der Bühne. Zusammen mit den Heldenfiguren ist es in dieser wunderschönen Welt, in einem Wald. Für diesen mysteriösen, kurzen Moment setzt es sich die Maske Quixotes auf und kämpft zusammen mit ihm auch für seine eigenen Ideale. Es fürchtet sich nicht, es hält Wache. Denn alle anderen „sind geboren um zu schlafen, wie es um zu wachen”.
Das Stück ist eine abenteuerbunte Reise, eine Suche nach dem Ideal. Sie erlaubt keinen Schritt zurück — soll immer vorwärts führen — zum unerreichbaren Ziel. Die vier Schauspieler bauen deutliche, scharfe, bewegende Bilder eines Mysteriums…
Ich bedanke mich bei den Schauspielern und Technikern dafür, dass ich diese Reise mitmachen konnte…

Arkadiusz Łuba

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