Monika Wrzosek-Müller
Sehr geehrte Frau Ministerin,
dieses Jahr musste ich mehrfach die deutsch-polnische Grenze mit dem Auto auf der „Autobahn der Freiheit“ passieren, etliche Male im Mai und Juni, dann im Spätsommer und jetzt wieder im späten Herbst. Jedes Mal musste ich bei der Rückkehr nach Deutschland an der Grenze lange im Stau warten; einmal betrug wie Wartezeit volle vier Stunden.
Die Zustände an der Grenze: Die Wut der LKW-Fahrer und der Einzelreisenden und die Luft- und Umweltverschmutzung (auch durch weggeworfene Abfälle), jedes Mal sichtbar, sind immens. Abgesehen von dem Schaden für die deutsch-polnischen Beziehungen. Von Bekannten erfuhr ich zu meiner Verwunderung, dass es am Grenzübergang Neulinken in Mecklenburg-Vorpommern keine Straßenkontrollen gibt. Dasselbe habe ich selbst am Grenzübergang Hohenwutzen in Brandenburg beobachtet.
Ich bezweifele, dass die allseits bekannten Kontrollen an dem zentralen Grenzübergang auf der „Autobahn der Freiheit“, der Hauptverkehrsader zwischen Warschau und Berlin, ihren Zweck erfüllen. Die Schlepperbanden sind wohl schlau und informiert genug, um diesen Punkt zu meiden; warum sollten sie diese für sie riskante Route wählen und zudem die Autobahnmaut bezahlen?
Für meine Generation von Menschen, die zwischen Polen und Deutschland gelebt haben und leben, hat die Autobahn von Warschau nach Berlin eine symbolische Bedeutung: sie ließ uns mit dem Westen „verschmelzen“. Dafür haben wir in der Solidarność-Bewegung gekämpft. Und wir dachten, dass mit dem Schengen-Abkommen viel erreicht sei. Dass die Grenzen jetzt wiederkehren, gerade zwischen Polen und Deutschland, macht meine Freunde und mich sehr traurig. Wir verstehen den Sinn dieser Maßnahmen nicht.
