Berlin liegt im Osten

Unter diesem Titel macht das Literaturbüro von Martin Jankowski ab und zu Veranstaltungen mit anderssprachigen Autoren, die in Berlin leben und arbeiten. Dh. schreiben. Wie z.B. hier:

Im Rahmen des Projektes PARATAXE – die internationalen Literaturszenen Berlins fand am 23. November 2017 das Symposium “Ostpol Berlin – mittel-&osteuropäische Autor*innen in Berlin” statt. Literarisches Colloquium Berlin, Literaturport, die Berliner Literarische Aktion e.V. und zahlreiche Gastautor*INNen, Wissenschaftler*INNen und Literaturaktivist*INNen präsentierten Geschichte und Gegenwart der mittel-/osteuropäischen Literaturen Berlins.

Panel 1.

11.00 – 13.00: Fluchtpunkt Charlottengrad? Literaturenklaven gestern und heute. Mit Ekaterina Vassilieva, Alexander Filyuta, Boris Schapiro, Ekaterina Sadur, Grigorii Arosev. Moderation: Natalia Gagarina.
Featured Poet: Dora Kaprálová.

Panel 2.

14.30 – 16.00: Noch ist Kreuzberg nicht verloren. Literarische Grenzüberschreitungen. Mit Dorota Stroinska, Ewa Maria Slaska, Dorota Danielewicz, Brygida Helbig, Emilia Smechowski. Moderation: Arkadiusz Łuba.
Featured Poet: Ilia Ryvkin.

Panel 3.

16.30 – 18.00: Berlin liegt im Osten? Neue Literatur aus Berlin. Mit Irina Bondas, Dorota Kot, Dora Kaprálová, Radka Franczak, Kinga Toth, Marijana Verhoef. Moderation: Boris Schumatsky.
Featured Poet: Milena Nikolova.

Von links: Boris Schumatsky, Dorota Kot, Irina Bondas, Dora Kaprálová, Radka Franczak und ich als Übersetzerin für Radka (Foto Olga Horn)

Lesung

20.00: Die Sprache gibt den Löffel ab – multilinguale Lesung (Georgisch, Ungarisch, Russisch und Deutsch) mit Iunona Guruli, Orsolya Kalász und Julia Kissina. Moderation: Katerina Poladjan. Dt. Sprecherin: Nina West.



PARATAXE ist ein Projekt der Berliner Literarische Aktion e.V. und wird gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Die Parataxe Symposien finden in Kooperation mit dem LCB und Literaturport statt.


Wir waren dabei, wir Polinnen – Dorota Danielewicz, Radka Franczak, Brygida Helbig, Dorota Kot, Emilia Smechowski, Dorota Stroińska und ich (EMS), sowie ein Pole (ein einziger, es sei denn, es waren welcher im Publikum) – Arkadiusz Łuba. Darüber hinaus ein polnischer Imbiss vom Mr. P.


Aber wie es immer so ist, das Symposium war das eine und die Gespräche in den Pausen – das andere und vielleicht (sorry Martin! aber auch: danke Martin!) wichtiger :-). Gespräche, Vernetzung, Projekte, Bekanntschaften. Wie mit Boris Shapiro und seiner Frau!

Boris, ein russischer Dichter, schrieb für eine von uns (ach, leider, leider, nicht für mich, sonder für Dorota Kot – und wie neidisch ich bin!) ein wunderbares ad hoc Gedicht, an ihr leichtes und lustiges Paper Literatur to go anknüpfend.

Dorota publizierte dieses Foto auf dem Facebook mit einem Kommentar: Stało się. Es ist passiert. Niesamowite uczucie… Ein unglaubliches Erlebnis…

Wenn man sich fragt, was also “ist passiert”, lautet die Antwort: ein Dichter hat für Dorota ein Gedicht geschrieben. Nicht nur gewidmet – geschrieben!

Darunter schrieb der Dichter Boris Schapiro: Da ist die fertige Variante:

Für Dorota Kot

LITERATUR to go.
Das Leben to go.
Das Denken to go.
Nur du bist zu bleiben.
Was ist das „to bleiben“ und wo?

Das Wo to go.
Das Wann to go.
Das Jetzt to go.
Nur du bist für immer.
Ist das Immer to go?

Nein!
Du bist
das Go-to-immer.
Du bist.


Neidisch wie ich bin, kaufte ich mir das Buch von Boris Shapiro und verlangte eine Widmung. Die kam mit wunderbarer Anspielung an mein parallel laufendes Handy-Gespräch mit jemandem, der mir grad erzählte, in Polen bei einer Parlament-Sitzung fand  eine Offenbarung von Muttergottes statt, die bekannt gab, dass wir NARÓD WYBRANY sind – das auserwählte Volk.

Wir sind, glaube ich, ein Volk der Idioten, die sich aus dem Mittelalter hinüber ins 21. Jahrhundert gerettet haben, aber als Schlüsselwort für meine (MEINE!) Widmung tat die neuste polnische Offenbarung einen witzigen Wunder!

Boris Schapiro, geboren 1944 in Moskau, ist seit 1975 in Deutschland und lebt heute in Berlin. Er schreibt Russisch und Deutsch.

Blind wähle ich im Buch ein Gedicht, das ich hier abschreiben werde.

Seite 58. Geschrieben am 3. Juni 1996. Kein Titel.

DIE JUDEN sind kein Thema,
nur das Überleben,
der Glaube, das Irren, Atemnot,
das Lernen, die Geduld
und – Gott.

2 thoughts on “Berlin liegt im Osten”

  1. Danke Ewa-Maria! Sehr schöne Schilderungen, auch wenn wir kein “Literaturbüro” im strengeren Sinne sind und die PAUSEN bei uns in allen Veranstaltungsformen prinzipiell sowieso das wichtigste in jedem Konzept sind! Denn wir sind ja Vernetzer… 😉 Lieben Dank, Martin J.

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