Wir waren im Tierpark. Wir, die Mitglieder des Vereins Städtepartner Stettin, und unsere Gäste aus Stettin. Wir haben Flamingos und Elephanten gesehen, aber auch…
Brigitte von Ungern-Sternberg
Wie kommen vier Löwenskulpturen in den Tierpark Berlin-Karlshorst?
Überlebensgroß, ungebändigt und wild blicken sie auf die Betrachter. Sie stehen vor den Käfigen der Raubtiere, furchterregend anzusehen. Es gibt keinen Hinweis auf sie im Übersichtsplan, den man am Eingang des Tierparks ausgehändigt bekommt. Keine Tafel an den Skulpturen gibt Auskunft, wer sie geschaffen hat, woher sie kommen.
Tatsächlich befanden sich die Löwen früher zu Füßen eines Kaisers hoch zu Ross und dieser stand vor dem Stadtschloss mitten im Herzen von Berlin. Das opulente, figurenreiche Nationaldenkmal wurde auf Veranlassung von Kaiser Wilhelm II errichtet als Denkmal für seinen Großvater Kaiser Wilhelm I. In dessen Regierungszeit entstand ein vereintes Deutschland unter einer preußischen Herrscherdynastie, das zweite Reich. Das Denkmal war geprägt vom ‚Wilhelminismus‘, eine Stilrichtung, die den Geschmack des Kaisers kennzeichnet. Am 22. März 1897 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht, es strahlte Macht und Selbstgewissheit aus. Und die Löwen? Sie würden jeden anspringen und zu Tode beißen, der dem Kaiser auf dem Ross zu nahe käme.
Ein Stadtschloss? Ein Nationaldenkmal? Das passte nicht ins Weltbild eines jungen sozialistischen Staats ‚auferstanden aus Ruinen‘. Im Winter 1949/50 ließ die DDR das Denkmal bis auf den Sockel abtragen, die unzähligen Bronzefiguren wurden eingeschmolzen – übrig blieben die vier Löwen, die wurden in den Tierpark nach Karlshorst abtransportiert. Das im Krieg schwer beschädigte Schloss wurde bald danach gesprengt. Lange war der Schlossplatz leer und kahl, diente Aufmärschen und Großereignissen. In den 70er Jahren erstand dort wieder ein neuer Palast, der Palast der Republik mit der Volkskammer. Den gibt es jetzt auch nicht mehr.


Entworfen hat das Nationaldenkmal Reinhold Begas, ein von Kaiser Wilhelm II sehr geschätzter Bildhauer. Reinhold Begas hat die meisten Bronzeskulpturen für das Denkmal geschaffen – nicht aber die Löwen zu Füßen des Kaisers. Die sind das Werk der Bildhauer August Gaul und August Krause.
Foto: http://www.judgmentofparis.com/gallery/berlin/076.jpg
Berliner Schloß – Foto: Wikipedia
Es kamen neue Zeiten und das Denkmal wurde abgetragen
Fotografie vom Abriss des Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I., 1950, aufgenommen von Rudolf Kessler (Landesarchiv Berlin)
Und die Löwen.


3.1.1964
Die Löwen … von Reinhold Begas finden vor dem Alfred-Brehm-Haus im Berliner Tierpark eine neue Heimstatt. Gegenwärtig werden sie hier aufgebaut.
Foto Wikipedia
Und das Schloss? Es wird gerade wieder aufgebaut und heißt jetzt Humboldtforum. Es wird kein Herrscher darin wohnen, sondern als Museum die Kunst der Völker dieser Erde zeigen. Vor wenigen Wochen wurde das Richtfest gefeiert.
Möglicherweise kehrt der Neptunbrunnen, der vor dem Roten Rathaus steht, an seinen alten Platz vor dem Schloss zurück. Auch er ist ein Werk von Reinhold Begas.
Und die Löwen? Kehren sie zurück?
Wohl kaum! Denn auf dem Sockel des früheren Nationaldenkmals soll einmal ein neues Nationaldenkmal stehen – das ‘Denkmal der Einheit‘ für das am 3. Oktober 1990 wiedervereinigte Deutschland, kein Reich mehr, sondern die Bundesrepublik Deutschland.
Foto: http://www.rbb-online.de


