Christine Ziegler
Ich habe alte Negative auf die Schnelle gescannt, denn damals, 1988, hatte ich alle Bilder zu Postkarten gemacht. Und nun war ich neugierig, was ich auf den Filmstreifen wohl finden würde. Was für ein schönes Land in Yorkshire, was für eine tolle und wichtige Zeit, mein Jahr in Sheffield. Erinnerungen tauchen auf, so vage wie diese Fotos. Die Zeit war erfüllt, heute denke ich, was ich um die nächste Ecke noch alles hätte entdecken können…




Yorkshire in den 80er Jahren
a star falling from the sky
wishes whispered softly for luck
heather fields rippling in the breeze
saucers of cream guarding every door
with moonlight covering the open land
two lovers stroll side by side
perfect night follows perfect day
the barns tucked in tight
all is at peace
the world falls asleep
all is well
Leider hab ich vergessen, wo ich diese Zeilen gefunden habe. Ich finde, sie passen sehr zu dem Bild.
Ewa Maria Slaska
Yorkshire ist für mich nur Erinnerung an das Englische Jugend-Buch Der geheime Garten von Frances Hodgson Burnett, erschienen 1911 in Großbritannien. Die deutsche Erstausgabe wurde erst 1947 veröffentlicht, polnische – schon 1914.
Es ist eine süße Geschichte über Mary Lennox, Colin Craven und Dickon, einen Dorfjungen, die gemeinsam einen vergessenen Garten pflegen.
Mary Lennox wuchs in einer wohlhabenden englischen Familie in Indien auf, erzogen eigentlich nur von ihrem Kindermädchen, da ihre Eltern sich für sie nicht interessieren. Während einer Choleraepidemie starben sowohl Marys Eltern als auch ihr Kindermädchen. Sie wird zu ihrem Onkel Archibald Craven nach England gebracht, in sein Schloß Misselthwaite, eben in Yorkshire. Dort fühlt sie sich zuerst sehr alone, aber allmählich schließt sie Freundschaften erst mit einer Hausmädchen, Martha, dann mit ihrer Bruder Dickon. Beide sprechen den breiten Yorkshire Dialekt.
Da keine Spielsachen vorhanden sind und da Mary in dem riesigen Haus die große Bibliothek nicht finden kann, bleibt ihr nur die Möglichkeit, draußen zu spielen. Die frische Luft tut ihr gut, und allmählich wird aus dem anfangs noch kränklichen, hässlichen und selbstsüchtigen Mädchen ein hübsches und freundliches Geschöpf.
Als sie eines Tages im Garten umherläuft, entdeckt sie ein verschlossenes und überwuchertes Tor in einer Mauer. Dahinter befindet sich ein geheimer Garten, der seit zehn Jahren verschlossen ist. Mr. Craven hatte ihn zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Frau angelegt; nach deren Tod ließ er ihn zusperren und verwildern. Doch Mary kümmert sich heimlich zusammen mit Dickon um ihren geheimen Garten.
In einer stürmischen Nacht entdeckt sie ihren von den Angestellten des Schlosses verborgen gehaltenen Cousin Colin, den Sohn Mr. Cravens. Weil jeder glaubt, der Junge werde bald sterben, wird ihm jeder Wunsch erfüllt. Aus ihm ist ein verzogener Bengel geworden, von dem sein Vater nichts wissen will, da er ihn zu sehr an seine geliebte verstorbene Frau erinnert. Mary schließt mit ihm Freundschaft, sagt ihm aber auch gehörig die Meinung.
Mithilfe von Mary lernt Colin laufen; bisher glaubte man, der Junge sei gelähmt. Mary erzählt ihm von dem geheimen Garten und nimmt ihn hin.
Im Garten tollen Mary, Colin und Dickon herum, kümmern sich um die Pflanzen und machen Turnübungen; doch im Haus spielt Colin den Todkranken, da er seinen Vater bei der Rückkehr von einer seiner Reisen damit überraschen will, dass er gehen kann. Schließlich kommt Mr. Craven von seiner langen Reise aufgrund eines Traumes und eines Briefes von Dickons Mutter nach Misselthwaite zurück. Er trifft seinen Sohn im Garten an und beide gehen zusammen zurück zum Gutshaus (aus Wikipedia).
Im Buch ist die Umgebung von Schloß Misselthwaite als Moor bezeichnet und zuerst hasst sie sie. Ein Haus mit hundert Zimmern, fast alle verschlossen und verriegelt, ein Haus am Rande des Moores – was auch immer ein Moor sein mochte –, es klang trübe.
Doch dann erzählen zuerst Martha und dann Dickon wie wunderbar dieses Moor ist, wieviele Pflanzen dort wachsen und im Frühling blühen, wieviele Tiere leben – Schafe, Ponys, Füchse – und sie lernt diese karge Umgebung zu lieben.
Ich habe das Buch mindestens Hundert mal gelesen, ich kannte es auswendig und doch nie habe ich die Yorkshire-Landschaften gesehen.
Danke, Christine!
***
Alas Nachklang schrieb Christine: die Nacherzählung des Buches ist toll!
Heute umfangen von der Flut der Bilder ist es kaum noch vorstellbar, dass wir gar nicht so einfach hätten wissen können, wie es rund um so einen geheimen Garten wohl hat aussehen können. Von England war ich damals entsprechend sehr überrascht. Ich dachte, es wäre einfach eine Fortsetzung von Holland und Belgien. Ein paar Meter höher vielleicht, denn von den Klippen von Dover hatte ich schon gehört. Die Hügel in Yorkshire, in den Dales wie im Peak District, waren dann eine echte Entdeckung für mich.

